Call it bittersweet
Kapitel 21
Todsicher
„Sie müssen das Ministerium informieren und mit Draco reden, Miss Granger."
Sie schluchzte auf, als sie nach der großen Stille zwischen ihnen plötzlich seine Stimme hörte.
Bedröppelt schüttelte sie den Kopf. „Ich glaube nicht, dass ich das tun kann."
Er jedoch nickte ernst. „Keine Widerrede. Am besten, Sie bringen es jetzt gleich hinter sich. Je länger Sie warten, umso größer wird die Anspannung."
Zögerlich machte sie sich von ihm los und sah ihn mit wässrigen Augen an. „Zuerst muss ich mir sicher sein, Professor. Ganz sicher. Hören Sie? Es könnte alles nur ein dummer Zufall sein und … Vielleicht ist mein Zyklus ja einfach durcheinander geraten."
Snape wippte nachdenklich mit dem Kopf. „Richtig. Deshalb werden Sie jetzt zu Madam Pomfrey gehen und sich von ihr untersuchen lassen. Sie kennt die Gesetzeslage und wird ein Auge auf Sie haben. Wenn es also irgendetwas gibt, das Sie besprechen wollen, sollten Sie sich an sie wenden. Dass es unüblich ist, schwangere Frauen an der Schule zu beherbergen, dürfte Ihnen wohl klar sein."
Hermine schluckte hart. „So wie Sie das sagen, klingt es furchtbar einfach. Aber in Wahrheit habe ich höllische Angst davor."
„Ich sage das nicht, weil es mir Spaß macht. Es ist meine Aufgabe als Ihr Lehrer, Ihnen alles mit auf den Weg zu geben, was Sie wissen müssen."
Davon, dass er daran beteiligt war, erwähnte er kein Wort.
„Sieht ganz so aus, als hätten Sie sich darauf vorbereitet, was?", fragte sie ironisch.
Er straffte seine Haltung. „Wie gesagt, es ist meine Pflicht."
Hermine nickte abwesend. „Verstehe."
Seufzend erhob sie sich von ihrem Stuhl. Dann stand sie auf wackeligen Beinen vor ihm und sah ihn an, während er unsicher seine Hände durch die Haare schob und sich räusperte.
„Vergessen Sie nicht, was ich Ihnen gesagt habe", erklärte er mit eindringlicher Stimme. „Jeder, der von nun an davon erfährt, muss in dem Glauben bleiben, dass es Dracos Kind ist."
Hermine wusste nicht, ob sie darüber lachen oder weinen sollte. Alles wirkte viel zu absurd auf sie, um real zu sein.
Sichtlich irritiert zog sie die Nase hoch. „Tja, ich schätze, das war es dann, Professor. Sie haben Ihre Schuldigkeit getan."
Snape stieß sich mit einem Ruck von seinem Tisch ab und baute sich zu seiner vollen Größe vor ihr auf.
„Guten Tag, Miss Granger."
Hermine senkte langsam den Blick auf seine Brust. Sie konnte sich nicht daran erinnern, sich je so sehr danach gesehnt zu haben, dass er sie in die Arme nehmen würde. Doch da lag sie falsch. Snape sah keinesfalls so aus, als würde er das ein weiteres Mal tun. Von nun an war sie auf sich allein gestellt, ganz so, wie er es ihr prophezeit hatte.
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"Miss Granger ist schwanger, Albus."
Dumbledore nickte gedankenverloren. „Hat Draco dir das gesagt?"
Snape verzog unliebsam die Mundwinkel. Die Nachricht, die er zu überbringen hatte, war nicht gerade nach seinem Geschmack. „Nicht ganz. Aber dazu kommen wir gleich. Sie können sicher sein, dass meine Informationen aus erster Hand sind."
Der Schulleiter warf ihm einen scharfen Blick zu, entgegnete aber nur ein knappes „Verstehe", während sein Gegenüber alle Mühe hatte, nicht aus der Haut zu fahren. Für gewöhnlich war er darin geübt, sich im Zaum zu halten. Doch das hier war etwas ganz anderes.
"Nein, tun Sie nicht", stieß er erregt aus. "Glauben Sie mir!"
Erstaunt legte Dumbledore die Stirn in Falten. "Tue ich nicht? Warum regst du dich so auf? Es war zu erwarten, dass es eines Tages soweit kommt. Dazu wurde das Gesetz schließlich geschaffen ..."
Snape schüttelte vehement den Kopf, sodass auch Dumbledore langsam unruhig wurde.
"Was ist hier los, Severus?"
Der dunkle Zauberer senkte mit deutlichem Unwohlsein den Blick auf den Schreibtisch. „Das Kind ist nicht von Draco."
Dumbledore hüstelte und fummelte betreten an seiner Brille herum. „Was sagst du da? Von wem ist es dann? Severus! Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!"
Snape knurrte. „Es ist von mir", murmelte er dann kaum hörbar hervor.
Am liebsten wäre er vor Scham im Boden versunken. Doch dafür war es zu spät. Das Gesicht des alten Mannes wurde bleich.
"Von - von dir?", stammelte er unbeholfen. "Aber wie kann das sein?"
Snape setzte ein gequältes Grinsen auf. Es kam selten vor, dass er seinen Schulleiter so sprachlos erlebte.
"Ja, von mir", wiederholte er mit brüchiger Stimme. Seine Worte klangen wie eine Mischung aus einem schmerzhaften Würgen und einem weinerlichen Knurren.
Dumbledore blähte die Nasenflügel. „Und wie konnte es dazu kommen? Sag mir nicht, du bist schwach geworden, Severus. Das sähe dir nicht ähnlich."
Snape schluckte. Der süffisante Unterton seines Mentors behagte ihm in Anbetracht der Situation gar nicht. "Draco ist nicht in der Lage, ein Kind zu zeugen, Schulleiter. Das heißt, er konnte die Auflagen des Ministeriums nicht erfüllen."
Dumbledore schien ein Licht aufzugehen. Jedenfalls funkelte er Snape mit leuchtenden Augen an. "Was ihn in erhebliche Schwierigkeiten gebracht hätte, wenn du nicht für ihn eingesprungen wärst, habe ich recht? Mein Gott, Severus! Wie konntest du dich nur in diese Lage bringen?"
"Miss Granger kam zu mir, Albus. Nicht umgekehrt ..."
„Natürlich tat sie das", zischelte Dumbledore ungehalten zurück, was für seine Verhältnisse außerordentlich gereizt wirkte. „Oder glaubst du wirklich, ich hätte etwas anderes von dir erwartet?"
Snape machte einen gekränkten Eindruck. „In der Tat. Es wäre ja auch lächerlich, zu glauben, ich hätte derartige Interessen ..."
Dumbledore schnaubte ihn an. „Lass den Unsinn, Severus. Siehst du denn nicht, dass uns das vor neue Probleme stellt?"
Er zog fragend die Brauen in die Höhe. „Uns? Ich wüsste nicht, was das mit Ihnen …"
Erneut fiel ihm Dumbledore ins Wort. „Du wirst Vater! Damit ist die Sache sonnenklar. Du kannst mich nicht töten!"
Verunsichert blinzelte Snape ihn an. "Und wer soll es dann tun? Ich dachte, wir hätten einen Plan."
„Der ist jetzt hinfällig. Oder glaubst du vielleicht, ich lasse zu, dass das Kind ohne seinen Vater aufwächst, so wie Harry ohne seine Eltern? Das wird nicht noch einmal passieren. Hast du verstanden?"
Snape sah aus, als würde er jeden Moment von seinem Stuhl kippen. „Was soll das heißen, Albus?"
„Dass wir kein Risiko eingehen können."
„Und wie stellen Sie sich das vor?"
„Ganz einfach: Draco muss es tun. Es wird von ihm erwartet. Und so wird es geschehen."
Auf dem Gesicht des dunklen Zauberers tauchten tiefe Sorgenfalten auf. „Aber wie?", fragte er händeringend. „Er hat nicht das Zeug dazu, so etwas zu tun. Er wird Sie nicht töten."
"Dann müssen wir ihm eben mehr unter die Arme greifen", forderte Dumbledore hart.
Snape legte die Fingerspitzen aneinander und beugte sich über den Tisch zu ihm vor. "Schulleiter, bei allem nötigen Respekt, aber glauben Sie wirklich, ich hätte nicht bereits alles versucht? Der Junge verschließt sich mir gegenüber. Es gibt kein Durchdringen zu ihm. Ein weiteres Hindernis ist, dass Bellatrix ihm Unterricht in Okklumentik gegeben hat. Ich weiß nichts über sein Vorhaben."
„Wir brauchen eben drastischere Maßnahmen", entgegnete Dumbledore knapp. „Du bist an den Schwur gebunden. Das heißt, wenn du ihm nicht hilfst, die Aufgabe, die Tom ihm aufgetragen hat, zu erfüllen, wirst du sterben."
„Das ist mir bewusst", sagte Snape steif. „Wieso hätte ich auch sonst auf Miss Grangers Bitte eingehen sollen?"
Dumbledore wirkte fürs Erste zufriedengestellt und nickte. „Gut. Wir brauchen einen neuen Plan, Severus. Eine Strategie, die es Draco erleichtert, mich zu beseitigen."
Snape kniff die Augen zusammen. „Nichts leichter als das", entgegnete er schnippisch, doch Dumbedore ging nicht darauf ein. „Wie wäre es mit Gift", setzte er trocken nach. „Schlecht nachzuverfolgen und todsicher."
Begeistert klatschte der Schulleiter in die Hände, sodass sein ehemaliger Schüler verschreckt zusammenzuckte. Das alles war eindeutig zu viel für ihn.
„Sehr gut, Severus! Das könnte funktionieren. Wir werden ihm ein Gift geben, das er mir unterjubeln soll. Ein Gift, das du gebraut hast - alles ohne sein Wissen, versteht sich."
„Und dann?", krächzte Snape ungläubig.
„Dann werde ich sterben", sagte Dumbledore matt. „Tom wird dir die Leitung der Schule übertragen und alles geht weiter wie wir es vereinbart haben. Der einzige Unterschied wird der sein, dass du Vater wirst."
Snape schluckte. "Wie viel Zeit bleibt uns noch, Draco dazu zu bringen, Albus? Der Fluch ist nicht aufzuhalten. Meine Schätzungen, Sie könnten ein Jahr haben, lassen sich schwer festlegen."
Dumbledore zwirbelte nachdenklich seinen Bart um den geschwärzten Zeigefinger seiner verfluchten Hand.
"Lass uns hoffen, dass es nicht zu bald sein wird ..." Er seufzte tief. „Ach, Severus, hätte ich mir doch bloß nie diesen Ring an den Finger gesteckt."
Snape schauderte, während Dumbledore seelenruhig den Kopf auf die Hände stützte. Die Tage seines Vorgesetzten waren gezählt, was ihn alles andere als begeistert wirken ließ. Die Verantwortung, die auf seinen Schultern ruhte, war schon groß genug. Wie sollte es da erst werden, wenn er ohne seinen Mentor auskommen musste?
„Ein Kind", murmelte Dumbledore verträumt und riss ihn aus seinen Gedanken. „Hättest du jemals so etwas gedacht?"
Sein Gegenüber starrte wortlos aus dem Fenster, ohne sich die Vorstellung weiter ausmalen zu wollen. Was er davon halten sollte, wusste er selbst nicht.
