Nächste Schritte...
…Atmen…einfach nur atmen…
Zu nichts anderem mehr war sie noch fähig.
Es war heiß an diesem Nachmittag, trotz des prasselnden Regens, der erst vor einigen Minuten aufgehört hatte. Ihre, noch nassen, Haare klebten an ihr, doch es war ihr egal. Genauso wie alles andere.
Seit einer Ewigkeit folgte sie nun schon dem Fluss nach Osten und sie musste zugeben, das ihre Beine allmählich ihr Gewicht nicht mehr trugen. Bald würden ihre Kräfte sie im Stich lassen, das wusste sie.
Umso erleichtert war die Grabjägerin, als sie endlich Häuser in der Ferne erblickte.
Lara schluckte und kniff die Augen zusammen, als sie ihre Hand kurz von ihrer Wunde löste, um sie dann wieder drauf zu pressen, denn die Blutung hatte noch immer nicht gestoppt. Sie wusste, was sie zu viel Blut verlor und musste schnellstens Hilfe finden.
In der linken Hand trug sie noch immer die Uzi von Amanda, doch mit der würde sie in der Stadt sofort verhaftet werden. Also warf Lara sie einfach in den Fluss und fragte sich noch immer, was Amandas Beweggründe waren sie einfach so laufen zu lassen. Hatte ihre Feindin es aus Mitleid getan oder steckte ein teuflischer Plan dahinter?
Die Archäologin verschob es auf später, darüber nach zu denken, denn jetzt gab es wichtigeres. Sie musste ihre Freunde irgendwie erreichen.
Es waren nur ein kurzes Stück zur Stadtgrenze, doch für Lara war es im Moment ungeheuer anstrengend sich zu bewegen. Doch von aufgeben war keine Rede, sie würde es schaffen und dann würde sie das alles beenden.
Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen, und trat aus dem Wald auf die Straße. Sie sah in der Ferne Menschen auf und ab gehen und bewegte sich geradewegs auf sie zu.
Lara atmete schwer, ihre Lungen brannten von der Tortour der letzten Stunden und sie musste sich durchringen einfach weiter zu laufen. Gegen den Willen ihres Körpers, der danach schrie sich einfach fallen zu lassen.
Kurz verschwamm das Bild vor ihren Augen, doch dann sah sie, das sich eine ältere, einheimische Frau mit sorgevollem Blick auf sie zu bewegte.
Lara blickte auf und sah, das die Frau etwas zu ihr sagte, es war spanisch: ,,Hola, senorita. Estás bien?"
Die Archäologin beherrschte spanisch, doch im Moment kam es ihr nicht wirklich über die Lippen. ,,…Por favor…" brachte sie noch hervor, doch ihre Kraft verließ sie nun endgültig.
Lara taumelte, als alles anfing sich zu drehen. Das letzte was sie mitbekam, war das ihr Körper auf den Boden schlug. Dann umfing sie Dunkelheit…
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,,Ich kann es nicht fassen, das du sie hast entkommen lassen!" fauchte Karel. Noch immer war er sauer und beobachtete seine Männer, die die Zelte abbrachen und auf LKWs verluden. Er stand mitten auf der Lichtung.
Amanda stand bei ihm. Sie war vor einigen Stunden bereits zurück gekehrt und hatte ihm eine gut ausgedachte Lüge aufgetischt. Sie hatte ihm erzählt, das Lara sie niedergeschlagen hatte, nachdem sie aus dem Tempel geschlittert waren und dann die beiden Männer getötet hatte, die ihr zu Hilfe kommen wollten.
,,Wieso hat sie dich nicht getötet?" wollte Karel dann wissen.
Die Blondine blickte ihn an: ,,Keine Ahnung, wie bereits erwähnt, dieses dumme Biest hat mich niedergeschlagen. Ich bin erst wieder aufgewacht, als sie bereits weg war."
,,Und warum hat Croft dann nicht den Stein mit sich genommen? Sie hätte alle Gelegenheit dazu gehabt." meckerte Karel.
,,Frag mich doch nicht…" gab Amanda schnippisch zurück, ,,…Woher soll ich das bitte wissen?"
Karel drehte sich zu Amanda und blickte sie misstrauisch an: ,,Ich sage ja nur, das dieses verhalten nicht zu Croft passt. Ich kenne sie."
Amanda lächelte leicht und legte beide Hände auf Karels Brust, um sein Misstrauen zu zerstreuen: ,,Die Hauptsache ist doch, das wir die Träne des Lebens nun besitzen, denn dafür haben wir Croft gebraucht. Mit ihrer Verletzung kommt sie sowieso nicht weit in diesem Dschungel…Und wenn sie doch noch mal auftaucht, dann bringen wir sie eben endgültig um, nachdem du mit ihr fertig bist."
Karel lachte leise und küsste Amanda. Dann löste er sich von ihr und sagte: ,,Ich mag deine Boshaftigkeit."
Amanda grinste und gab ihm ebenfalls einen Kuss. Einen langen und leidenschaftlichen.
Nach einigen Momenten lösten sie sich voneinander. Karel zog aus seiner Hosentasche den Ghalali-Schlüssel, betrachtete ihn, indem er ihn zwischen sich und Amanda hielt, und sagte: ,,Jetzt brauchen wir nur noch Excalibur und dann sind wir endlich am Ziel."
Amanda nickte.
,,Leider fehlt uns noch jede Spur von Crofts Freunden, die das Schwert an sich nahmen." murmelte Joachim dann.
,,Die werden schon noch auftauchen…" entgegnete Amanda, ,,…Unsere Männer werden es schon herausfinden. Ich bin sicher, wir werden sie recht bald aufstöbern, denn ich weiß, das dieser Kurtis alles für seine Lara tun würde."
,,Da bin ich ja beruhigt. Doch du weißt, das mir die Zeit davon läuft." sagte Karel bestimmt.
,,Sicher…" Amanda blickte ihm direkt in die Augen, ,,…Alles wird so kommen, wie es kommen soll und wir werden unser Ziel erreichen…" sie kam ihm näher und es klappte, ihm etwas vor zu gaukeln, ,,…Vertrau mir." Die Blondhaarige berührte abermals seine Lippen, doch tief in ihrem Herzen wusste sie nicht, ob sie diesen Weg weiter gehen wollte.
Zudem wusste sie auch nicht, das Joachim noch einen überaus effektiven Trumpf im Ärmel hatte und diesen recht bald einsetzen würde…
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Die Dunkelheit wurde allmählich dünner und wich schließlich einem grellen weiß. Ein stetes Piepsen drang dann in ihre Ohren und ganz langsam schaffte sie es ihre Augen zu öffnen.
Lara fand sich tatsächlich in reinem Weiß wieder, doch bezweifelte direkt, das die sich im Jenseits befand. Sie erkannte ein Krankenhauszimmer.
Zu ihrer Rechten war ein Fenster, in diesem kahlen Einzelzimmer, wo Lara den Sonnenaufgang erkannte und zu ihrer Linken, war das EKG Gerät, dessen Elektroden an ihrer Brust befestigt waren.
Lara schluckte und kam vollends zu sich. Sie fühlte sich noch immer elend, doch es war nicht mehr so schlimm, wie im Wald. Sie vermutete, das die Frau Hilfe geholt hatte, nachdem sie auf der Straße zusammen gebrochen war.
Die Archäologin spürte etwas an ihrem linken Arm und drehte den Kopf. Sie sah Infusionsschläuche, die in ihrem Arm steckten.
Sie schluckte und drehte den Kopf zu ihrer Schusswunde. Eine weiße Bettdecke lag über ihr, die sie mit den Händen weg streifte.
Lara trug einen, ebenfalls weißen Krankenhausschlafanzug und streifte das Oberteil ein Stück hoch. An ihrer Wunde war ein weißer Verband angebracht.
Seufzend legte die Grabjägerin den Kopf zurück und schloss kurz die Augen. Sie atmete tief durch und wusste, das sie ihre Freunde erreichen musste.
Eigentlich wollte sie aufstehen, doch ihr Körper wollte ihr nicht recht gehorchen, da ihr immer noch schwindelig war.
Plötzlich ging die Tür auf und eine Krankenschwester in einem weißen Kittel kam herein. Sie war etwas älter, mit dunkeln Haaren und trug eine Brille.
Lara öffnete abrupt die Augen und blickte die Frau an.
Die Krankenschwester sah es, kam lächelnd an das Bett und begann in spanisch zu sprechen: ,,Sie sind ja wach, senorita. Wie geht es Ihnen?"
Lara schluckte und antwortete der Frau, ebenfalls auf spanisch: ,,Wo bin ich?"
,,Sie sind im Krankenhaus von Ciudad Bolívar, senorita. Ihr Wunde wurde versorgt, aber sie sollten sich noch dringend ausruhen. Wie heißen Sie?" entgegnete die Frau.
,,Mein Name…ist Lara Croft."
,,Britin, nicht wahr…" schlussfolgerte die Krankenschwester, als sie Laras Akzent hörte, ,,…Ich werde gleich Ihren Arzt rufen, damit er sie über alles aufklärt. Warten Sie bitte einen Moment."
Die Schwester wollte sich umdrehen und gehen, doch Lara packte ihre Hand: ,,Warten Sie…" und als die Frau wieder zu ihr blickte, fragte Lara, ,,…Kann ich telefonieren? Es ist wirklich wichtig."
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Mit den Händen stützte er den Kopf auf den Knien ab. So saß er, niedergeschlagen und entmutigt, auf dem Sofa des Hotelzimmers in Venezuela, seitdem sie hier mit Sammys Flugzeug angekommen waren, das Kurtis geflogen hatte.
Natürlich hatten er auch Sammy und Madeleine auf Madeira von allem in Kenntnis gesetzt und ihnen geraten noch dort zu bleiben, da es im Croft Manor wahrscheinlich noch nicht sicher war.
Die Sonne ging gerade auf. Sie waren vor einigen Stunden gelandet, und seitdem versuchte Zip heraus zu finden, wo Karel und Amanda steckten, indem er deren Spuren verfolgte.
Er hatte bisher die Landebahn in Caracas ausfindig machen können, doch ab dann musste er improvisieren, indem er Autovermietungen und Hotels nach verdächtigen abklapperte. Und das dauerte. Stunde um Stunde.
Patience verbrachte die Zeit mit meditieren und saß still in einer Ecke des Hotelzimmers. Sie machte sich mithilfe ihrer Fähigkeiten, ein Bild von all dem was passiert war und von all denen, die daran beteiligt waren.
Leon hatte Zip geholfen, obwohl er nicht viel machen konnte. Er blickte stattdessen immer wieder zu Kurtis und beschloss nun mit ihm zu reden und zu versuchen, ihn etwas auf zu muntern. Also stand er auf.
Das, was Kurtis im nächsten Moment realisierte, war eine Hand auf seiner Schuler und er blickte auf.
,,Gibt es was neues?" fragte Kurtis, noch immer entmutigt.
Leon schüttelte den Kopf: ,,Nein, ich wollte nur mal nachfragen, wie es dir geht?"
Kurtis hob beide Augenbrauen: ,,Wie es mir geht? Das fragst du nicht wirklich, oder?…Was glaubst du denn wie es mir geht?…" er machte eine kurze Pause, dann sprach er weiter, ,,…Wir sitzen seit Stunden hier und können nicht das geringste tun…"
,,Hey…" Leon unterbrach ihn und rüttelte ihm einmal aufmunternd an der Schulter, ,,…Wir finden die. Und wir finden deine Verlobte…Schon vergessen?"
Kurtis holte Luft, um etwas zu entgegnen, doch plötzlich vibrierte etwas in seiner Hosentasche, dem gleich darauf ein Klingeln folgte. Er erschrak fast, doch zog das Gerät dann aus seiner Hosentasche.
Ein Blick auf das Display verriet ihm, das es ein Anruf hier aus Venezuela war.
Doch wer würde ihn hier anrufen?
Kurtis fackelte nicht lange, klappte sein Telefon auf und nahm den Anruf entgegen: ,,Ja?"
,,…Kurtis…"
Er erkannte ihre Stimme und sein Herz machte einen Aussetzer. Er sprang vom Sofa auf und seine Stimme klang hoffnungsvoll: ,,Lara!"
Erwartungsvolle Blicke von Leon, Zip und Patience richteten sich abrupt auf Kurtis…
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Lara hatte sich mittlerweile aufgesetzt und ihr Verstand hatte sich geklärt. Das EKG-Gerät wurde ihr bereits abgenommen und die Infusion gewechselt.
Überhaupt ging es ihr schon viel besser, als heute morgen. Sie hatte auch etwas gegessen, wenn es auch nicht viel gewesen war.
Jetzt wartete die Archäologin darauf, das ihre Freunde kamen. Dann klopfte es auch schon an ihre Tür und abrupt drehte Lara den Kopf, als ihre Freunde eintraten.
Kurtis war der Erste und Erleichterung stand in seinen Augen geschrieben.
Lara begann zu lächeln, als sie ihn erblickte und es war so, als wären sie Jahrhunderte getrennt gewesen. Auch Kurtis lächelte und begann dann zu ihr zu eilen. Er setzte sich auf ihr Bett und umarmte sie: ,,Oh Lara…das waren die längsten vier Tage meines Lebens."
Lara erwiderte seine Umarmung erleichtert und schloss dabei die Augen. Sie ließ sich einfach in seine Arme fallen und genoss seine Nähe.
Die beiden bekamen nur gedämpft mit, das Zip, Leon und Patience ebenfalls eintraten.
Nach einigen Sekunden löste Kurtis sich von ihr und gab ihr einen Kuss, dann fragte er: ,,Mensch Lara, was ist passiert?…Du siehst so blass aus. Wie geht es dir?"
,,Besser…" Lara überging seine Frage etwas, als die anderen in ihr Blickfeld traten: ,,…Zip? Du bist auch hier?"
Der Computerfreak grinste breit: ,,Ja, es ist schön zu sehen, das du noch lebst."
Lara nickte und sah Patience mit einem Lächeln, die allerdings ohne den Speer und in normaler Kleidung da war. Lara war überrascht sie ihr zu sehen: ,,Patience?…Was machst du denn hier?"
,,Das erklären wir dir später…" begann Kurtis, ,,…Sie und Leon haben uns geholfen…" er stellte Lara Leon vor, ,,…Lara, das ist Leon Kennedy."
Der Agent reichte Lara mit einem freundlichen Nicken die Hand, das sie dann erwiderte.
,,Er ist Special Agent der USA und seine Vorgesetzten haben ihn beauftragt ein Artefakt wieder zu beschaffen, das wohl Karel und seine Leute gestohlen haben. Es ist eines von vielen, die gestohlen wurden. Das wiederum hat Patience auf den Plan gerufen."
Lara zog die Augenbrauen hoch.
,,Ja…" begann die Magdalena, ,,…ich weiß nicht, ob du davon gehört hast, aber in den letzten vier Wochen, wurden sehr bedeutende Artefakte aus den größten Museen in Frankreich, Amerika und Italien gestohlen…" Patience blickte dabei Lara an und fuhr nach einer kurzen Pause fort, ,,…Diese Artefakte, die bis jetzt verschwunden sind, sind äußerst mächtig, nach den Legenden zu schließen. Da ist einmal, der Stein der Weisen, dann das Amulett der Königin Kleopatra und das dritte trägt den Namen Träne des Todes…Fakt ist das die Täter, die jene Schätze gestohlen haben, diese grässlichen Rituale durchführen und dich entführt haben, die ein und die selben sind."
,,Das konnte ich mir schon fast denken, das Karel hinter größerem her ist…" murmelte Lara nachdenklich, als sie das gehört hatte.
,,Weißt du etwas über diese Artefakte?" fragte Zip an Lara gerichtet.
Sie nickte: ,,Ja, der Stein der Weisen ist mir ein Begriff, obwohl ich nicht wusste, das er existiert, was wiederum dumm von mir war dies an zu nehmen, nach allem was ich bis jetzt gesehen habe…" sie pausierte einen kurzen Moment, um ihre Gedanken zu ordnen, ,,…Mit diesem Stein kann man laut der Legende jedes Metall zu Gold verwandeln und er ist ein alchemistisches Artefakt. Außerdem heißt es, das der Stein der Weisen über die Macht verfügt ewiges Leben zu schenken.…Das Amulett der Königin Kleopatra ist - wie der Name schon darauf hin deutet - ägyptisch. Es heißt, das diese Kette demjenigen, der sie trägt Unwiderstehlichkeit zukommen lassen soll. So das alle Menschen ihm gehorsam unterliegen und den Bezug zur Realität verlieren…Doch über die Träne des Todes, weiß ich nichts."
Lara behielt das mit der Träne des Leben noch für sich, da sie erst wissen wollte, was die anderen wussten.
,,Die Träne des Todes…" begann Leon, ,,…ist ein dunkler Kristall in Form eines ovalen Kreises. Darin befindet sich eine Öffnung und in diese Öffnung soll, laut Überlieferung die Träne des Lebens passen, die aber bis heute noch nicht gefunden wurde. Den genauen verlauf der Geschichte dieses Artefaktes kenne ich leider nicht, aber zusammengesetzt, hat es die Macht über leben und Tod…Dieses Artefakt wurde aus den Geheimarchiven der USA gestohlen."
Lara blickte den Agenten an: ,,Nun ich schätze, die Träne des Lebens ist nicht weiterhin verborgen."
,,Was willst du damit sagen?" fragte Kurtis und blickte Lara an.
,,Ich haben sie gefunden…" antwortete Lara, ,,…Naja, das heißt eher, ich wurde dazu gezwungen sie zu suchen."
,,Was?" entfuhr es Leon.
Lara nickte: ,,Ja, aber ich habe das Artefakt nicht. Es ist in Amandas Händen."
,,Amanda?" hinterfragte Zip mit hochgezogenen Augenbrauen. Und perplexem Gesichtsausdruck, genau wie Kurtis.
Lara nickte.
Patience und Leon waren ratlos.
,,Wer ist das?" fragte die Magdalena.
Lara seufzte: ,,Sie ist eine alte Bekannte von mir, die für die falsche Seite arbeitet, aber mehr möchte ich nicht dazu sagen. Sie arbeitet mit Karel zusammen…" sie wechselte das Thema, ,,…Was haben die vor?"
,,So genau wissen wir das nicht…" begann Zip, ,,…Wir vermuten mittlerweile, das Karel wohl durch die Explosion des Nephilim damals in Prag seine…naja…Unsterblichkeit verloren hat, denn du sagtest ja, er ist ebenfalls ein Nephilim…Vielleicht will er eine Unsterblichkeit zurück gewinnen."
Lara blickte ihren Computerassistenten fragend an: ,,Wie?…Glaubt ihr, dafür braucht er diese Artefakte?"
Zip nickte: ,,Wir wissen es nicht genau wie er das anstellen will und auch nicht wieso er die Rituale im Museum abgehalten hatte, - er steckt dahinter, sowie hinter zahlreichen anderen, wie wir heraus fanden - aber wir denken, das es die einzig plausible Erklärung ist."
Lara nickte nachdenklich: ,,Ihr könntet recht haben."
,,Das ist noch nicht alles, Lara…" sagte Kurtis dann und blickte Lara in die Augen, ,,…Sie waren auch in Croft Manor…und haben ordentlich Unordnung gemacht."
,,Na klasse…" murmelte Lara dazwischen.
Kurtis sagte es in einem Rutsch: ,,Lara, sie hatten es auf Excalibur abgesehen."
Die Archäologin weitete geschockte die Augen, denn sie wusste, wie machtvoll dieses Schwert war, auch in zerbrochenem Zustand: ,,Was?…Ist es…Ich meine…haben wir…"
,,Sei unbesorgt…" begann Zip und drehte sich etwas zur Seite, um einen Rucksack zu zeigen, den er geschultert hatte, ,,…das Schwert ist sicher. Wir konnten fliehen."
Lara nickte erleichtert, doch wusste nun, das sie es sagen musste: ,,Sie haben mir den Ghalali-Schlüssel weg genommen."
Kurtis und Zip blickten entgeistert drein, doch Kurtis sagte dann: ,,Naja…jedenfalls haben wir das Schwert noch und ich glaube nicht, das die uns noch aufstöbern können."
,,Sei dir da nicht so sicher." entgegnete Lara.
,,Was meinst du?" fragte Zip.
Lara schüttelte nachdenklich den Kopf: ,,Nichts…Ich habe nur so ein Gefühl, das die uns noch einen Schritt voraus sind."
Kurze Stille herrschte zwischen der kleinen Gruppe.
,,Was tun wir jetzt?" fragte Zip schließlich.
,,Ich kann nicht locker lassen…" begann Leon, ,,…Ich muss meinen Auftrag zu ende bringen und werde an diesem Karel dran bleiben."
Lara nickte: ,,Ich werde Ihnen helfen…"
Zip und Kurtis blickten zu Lara auf, während sie weiter sprach: ,,…Ich habe meinen Entschluss gefasst und werde es ein für alle mal beenden."
,,Lara…" begann Kurtis und nahm ihre Hand, ,,…du bist verletzt und…"
,,Na und?…" sie unterbrach ihn und blickte ihm in die Augen, ,,…Wenn ich das jetzt nicht tue, dann wird es niemals wieder aufhören…Kurtis, sie kommen immer wieder und überraschen uns. Diesmal werde ich den Spieß umdrehen."
Kurtis atmete durch, doch sah ein, das sie recht hatte und er sagte: ,,Okay…"
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,,Die Jungs sind unterwegs…" sagte Patience, als sie zu Lara ans Bett zurück kam.
Lara blickte sie an und nickte.
Kurtis, Leon und Zip waren zurück zum Hotel gefahren, um alles für die Abreise vorzubereiten und um heraus zu finden, wohin Karel und Amanda jetzt unterwegs waren. Dann würden sie anrufen und Lara und Patience würden zu ihnen zurück kehren.
Lara hatte ihnen vorhin noch alles erzählt, was sie in den vergangenen Tagen erlebt hatte und im Gegenzug hatten sie auch erfahren, was bei Kurtis, Zip, Leon und Patience los gewesen war.
,,Gut, dann können wir ja bald hier verschwinden." meinte Lara, als sich die Magdalena zu ihr auf die Bettkante setzte.
,,Vorausgesetzt, die lassen dich hier so einfach verschwinden." entgegnete Patience.
,,Wieso nicht?" hielt Lara dagegen.
,,Naja…du warst ziemlich schwer verletzt und ich denke nicht, das du wieder vollkommen okay bist."
Lara schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust: ,,Nein, das bin ich auch nicht. Zumindest fühlt es sich nicht so an, aber in ein paar Tagen bin ich wieder ganz die Alte."
Patience nickte mit einem leichten Lächeln: ,,Ich bin wirklich froh, das es dir einigermaßen gut geht, nachdem was mir Zip und Kurtis erzählt haben."
,,Ja, das war ganz schön heftig." murmelte Lara nachdenklich.
,,Du machst Witze…" entgegnete Patience, ,,…du hättest sterben können."
,,Ich weiß…" begann Lara und blickte Patience in die Augen, ,,…aber die haben mich nicht sterben lassen…und dann hat Amanda mir zur Flucht verholfen."
Patience nickte. Sie schloss die Augen und horchte, denn sie wollte wissen, was Lara wusste und ihre innere Stimme verriet es ihr.
,,Hey…" unterbrach Lara ihre Freundin, ,,…was machst du da?"
Die Magdalena öffnete ihre Augen wieder und blickte Lara nachdenklich an: ,,…Würdest du ihr verzeihen?"
Die Archäologin zog beide Augenbrauen hoch: ,,…Was? Wem?"
,,Na Amanda."
,,Patience!…" unterbrach Lara aufgebracht, denn sie wusste über die Gabe der Magdalena bescheid, ,,…Hast du etwa deine Fähigkeiten bei mir benutzt?"
Die Magdalena nickte ruhig: ,,Ich weiß, das du ihr verzeihen würdest und…"
,,Hey, also das geht dich nichts an, okay…" warf Lara ihr aufgebracht entgegen, ,,…Dieses Miststück hat einen Haufen Unheil angerichtet. Sie ist Schuld daran, das meine Mutter…" sie brach ab, als sie Patience´ Blick sah.
Lara hatte sich vergessen, denn all die Wut, die sie noch immer für Amanda empfand, brodelte in ihr, doch sie wusste, das sie zu weit gegangen war.
,,Es tut mir Leid…" sagte Lara dann aufrichtig, ,,…Du…Bitte entschuldige."
Die Magdalena schüttelte den Kopf: ,,Es gibt nichts zu entschuldigen, Lara…Ich weiß, was Amanda dir angetan hat, denn ich sah es in deinem Herzen. Genauso weiß ich aber auch, das du, im Gegensatz zu ihr vielleicht, bereit bist zu verzeihen."
Die beiden Frauen blickten einander an und Stille legte sich zwischen sie.
Nach weinigen Momenten ergriff Lara allerdings wieder das Wort, sichtlich beeindruckt über Patience´ Worte: ,,Em…danke, aber…ich weiß nicht, ob ich in nächster Zeit dazu in der Lage sein werde…"
,,Du wirst es sein…" versicherte die Magdalena und unterbrach Lara somit, ,,…Vertrau auf dein Herz, es wird dir den richtigen Moment zeigen."
Lara lächelte knapp. Sie war erstaunt über die Worte ihrer Freundin, doch wollte dieses Thema abschließen.
,,Also, wann kannst du hier raus?" fragte Patience, als hätte sie das Geahnt, was Lara eben dachte.
Lara zuckte mit den Schultern: ,,Der Arzt, der mich behandelt hat, war heute Vormittag hier zur Visite und er meinte, das ich noch einige Tage liegen bleiben soll, da ich sehr viel Blut verloren habe und um sicher zu gehen, das die Naht nicht noch einmal aufplatzt…Aber ich werde bereit sein, wenn die anderen anrufen."
Patience wusste, das Lara ihren eigenen Kopf hatte und man sie nicht umstimmen konnte, also nickte sie: ,,Gut. Zum Glück hast du noch etwas Zeit, um dich aus zu ruhen, bevor es weiter geht."
Lara nickte und legte den Kopf zurück ins Kissen. Sie seufzte und musste sich eingestehen, das sie doch, wieder oder immer noch, ziemlich müde war.
Patience lächelte, schluckte und sagte dann: ,,So, du und dieser Kurtis? Ihr seid verlobt?"
Lara nickte lächelnd: ,,Ja…das ist das einzig positive im Moment."
,,Das freut mich für dich und ich weiß, das es so sein soll, denn alles ist vorherbestimmt." entgegnete Patience.
Lara zog abermals die Augenbrauen hoch: ,,Patience, du sprichst, wie stets, in Rätseln."
Die Magdalena lächelte: ,,Ich weiß nicht ob ich es dir sagen soll, aber ich habe in sein Herz gesehen, so wie damals in deins, als wir uns kennen lernten…" sie machte eine kurze Pause und sah Laras fragenden Blick, ,,…Er ist aufrichtig und ehrlich und selten haben Menschen solch ein Glück, jemanden zu finden, der treu und loyal bis in den Tod ist. Er würde einfach…"
,,…alles für mich tun…" beendete Lara ihren Satz mit einem Grinsen, ,,…Das weiß ich, denn ich würde es genauso für ihn tun."
Patience stimmte in das Lächeln ein: ,,Ich weiß."
Lara nickte knapp. Sie wusste das die Magdalena es wusste. Die Magdalena wusste immer, was in den Herzen der Menschen, in dem tiefsten Abgrund einer Menschenseele verborgen war. Sie erkannte Lügen sofort, genauso wie die Wahrheit.
Wieder herrschte Stille zwischen den beiden Freundinnen. Jede von ihnen dachte nach. Über das was geschehen war, bis hin zu dem was sie eben zueinander gesagt hatten.
Lara drehte den Kopf zur Seite und blickte aus dem Fenster.
Die Magdalena blickte ihre Freundin an und wusste, das Lara und Kurtis sich sehr liebten, doch ob sich alles zum Guten wenden würde, wusste selbst sie nicht, denn sie fühlte etwas herannahen und deshalb schwieg sie vorerst...
