KAPITEL 21 – Glaube

Die Pulslinie schlug erneut aus. Immer höher, immer schneller.

Sein Herz raste. Alles um ihn war schwarz. Er konnte Stimmen hören. Aufgeregte Stimmen.

Was war passiert? Was passierte mit ihm?

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Sein Haupt erhob sich langsam.

Er kniete auf einem alzarinroten, mit vielen Mustern versehenen Samtteppich.

Seine nackten Füße berührten den flauschigen Samt unter ihm und auf seinem Kopf trug er die beschützende Kippa seines vor einiger Zeit verstorbenen Vaters.

Sein Gesang erfüllte den kahlen Raum, der nicht mit sehr vielen religiösen Gegenständen ausgestattet war. Das Einzige, was an den sonstigen warmen und behaglichen Gebetraum erinnerte, waren vier Kerzenständer, sogenannte Menorot, deren Kerzen mit ruhiger Flamme brannten.

Er faltete seine Hände und betete.

Sein Atem wurde für einen normalen Menschen unverhältnismäßig ruhig und sein Brustkorb sank und hob sich wie in Zeitlupe.

Dann herrschte für kurze Zeit komplette Stille, die aber nur wenige Sekunden später durch einen Ruf unterbrochen wurde.

„Joseph! Wo steckst du schon wieder? Sofort in die Kommandozentrale!"

Sein linkes Augenlid begann zu zucken, was es immer tat, wenn er sich zusammenreißen musste, einer Schlägerei ziemlich nahe war oder bei etwas Wichtigem unterbrochen wurde.

Zuerst wollte er sich dem Befehl widersetzen, doch dann erinnerte er sich an Michaíl und entscheid sich blitzschnell wieder um.

Die Sache war dafür einfach viel zu wichtig…

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