21. Nicht verdient
Zeitrahmen: Diese Fic spielt vor „The Flash" und während der 4. Staffel der Serie
Pairings: Barry/Ralph, Westallen
Warnings: Spoiler für die 4. Staffel von „The Flash" bis ca. 4.19 „Fury Rogue", die Autorin mag Ralph
Ralph gefiel der Frischling CSI-Omega eigentlich ganz gut. Barry Allen war sein Name, und er roch sehr interessant. Natürlich war Barry Allen nicht der erste gut riechende Omega, der Ralph begegnete, aber im Gegensatz zu vielen anderen war er auch tatsächlich nett und hatte Köpfchen, und er war nett zu Ralph. Nun gut, zugegeben er war nett zu jeden, aber … trotzdem.
Vielleicht ließ sich Ralph deswegen dazu hinreißen immer ein wenig anzugeben, wenn er mit dem Omega sprach. Vielleicht wollte er ihn deswegen so gerne beeindrucken. Und genau deswegen tat es auch so weh, dass ausgerechnet er Ralph in den Rücken fiel und ihn um seinen Job brachte.
Der Fall war klar. Nach dem ersten Interview mit den Zeugen und Verdächtigen wusste Ralph, wer der Täter war. Die Schuld stand dem Ehemann der Ermordeten nahezu ins Gesicht geschrieben, und stinken tat er auch danach. Leider aber gab es keine Beweise.
„Sorry, Dibney, aber schuldig zu riechen ist kein eindeutiger Beweis dafür, dass jemand ein Verbrechen begangen hat. Es gibt tausende Gründe, warum jemand während eines Gesprächs mit einem Polizisten Schuld verströmen könnte. Kein Gericht würde einen Fall nur auf Grund von dieser Tatsache verhandeln, wir brauchen echte Beweise, wenn er ihn verhaften wollen", erklärte ihm der Senior-Detektiv Joe West.
Ralph war frustriert. Als Omega sollte Joe eigentlich auf seiner Seite stehen und ihm dabei helfen den schuldigen Ehemann einzulochen, der ein Alpha war, der seine Omega-Gefährtin umgebracht hatte. Allein der Gedanke daran, dass jemand so etwas tun könnte, machte Ralph wütend.
Und er wusste, wusste, tief in seinem Inneren, dass der Mann, wenn er ihn davon kommen lassen würde, wieder töten würde. Wenn Joe also Beweise haben wollte, nun dann würde Ralph sie ihm liefern.
Nach der Verhaftung war er für kurze Zeit der Held. Barry Allen schien ihn bewundernd anzusehen, zumindest bildete er sich das ein, und Joe West gratulierte ihm zu gutgetaner Polizeiarbeit. Bis Ralph herausfand, dass Barry Allen ihn in Wahrheit gar nicht bewundernd, sondern skeptisch angesehen hatte.
„Ich muss mit dir reden, Ralph. Unter vier Augen", erklärte Barry ihm wenige Tage nach der Verhaftung. Das „unter vier Augen" machte Ralph Hoffnung, doch diese starb in dem Augenblick, als sie in Barrys verlassenes Labor gingen und der Omega sagte: „Ich weiß, was du getan hast, Ralph."
Ralph war einem Moment vollkommen überrascht. Dann beschloss er sich unschuldig zu geben. „Was genau habe ich denn laut dir getan, Allen?", wunderte er sich, „Falls es um Captain Singhs verlorenes Mittagessen geht, so kann ich dir versichern, dass ich das nicht war."
Barry sah ihn ernst an und schüttelte traurig den Kopf. „Du hast Beweise gefälscht, Ralph", meinte er düster.
„Ach das. Mach dir darüber keine Gedanken, Frischling, die werden trotzdem vor Gericht ausreichen um dieses Schwein für immer wegzusperren", meinte Ralph dazu nur großspurig.
Barry schien alles andere als zufrieden mit dieser Aussage zu sein. „Wir können diese Beweise nicht dem Richter vorlegen, nicht, wenn sie nicht echt sind", meinte er.
„Oh, doch, das können wir", entgegnete Ralph, „Mach dir keine Sorgen, so läuft das nun mal. Hauptsache der Fall ist gelöst."
„Das ist er aber nicht", beharrte der Omega, „Entweder du sagst Singh, was du getan hast, oder ich muss es tun."
Ralph glaubte für einen Moment sich verhört zu haben. Dann lachte er ungläubig. „Aber sicher doch, Frischling. Weil es wichtiger ist, dass alles nach Vorschrift läuft, als dass wir einen Mörder einlochen? Vergiss es!", spottete er.
„Weil wir keine Unschuldigen einsperren nur um Fälle zu lösen!", hielt Barry feurig dagegen. Sein Kopf war ganz rot geworden, während sie sich gestritten hatten, was ihn noch attraktiver machte, aber leider war das hier kein Vorspiel sondern ein ausgewachsener Streit.
„Du bist noch neu hier, Allen. Du weißt noch nicht, wie die Dinge funktionieren. Manchmal muss man eben ein bisschen nachhelfen, das ist alles", versuchte Ralph ihn zu beruhigen, doch der Omega sah ihn nur mit steinerner Miene an und ließ ihn dann stehen. Ralph sah ihm kopfschüttelnd hinterher und glaubte keine Minute daran, dass Barry ihn wirklich verraten würde.
Deswegen ahnte er auch nichts Böses, als er wenig später in Captain Singhs Büro gerufen wurde. Selbst als er suspendiert wurde, konnte er es nicht glauben.
Kaum als er Singhs Büro verlassen hatte, stürmte er wutentbrannt in das CSI-Labor, bellte alle anderen aus dem Weg und verlangte lautstark: „Allen!"
Er hatte erwartet, dass der junge Mann den Kopf gesenkt halten würde und seinen Blick meiden würde, wie es Omegas normalerweise in der Gegenwart von wütenden Alphas taten, doch Barry Allen trat ihm mit erhobenen Kopf und klaren Blick gegenüber. „Ich habe dich gewarnt, Ralph", erklärte er nur gefasst.
„Du … du hast meine Karriere zerstört!", warf ihm Ralph fassungslos vor.
„Ich konnte nicht zulassen, dass die gefälschten Beweise vor Gericht gehen. Der Ehemann…", begann der Omega, doch Ralph schnitt ihm das Wort ab. „Scheiß auf deine Gründe! Du hast mich gerade effektiv meinen Job gekostet! Ist dir das überhaupt klar?!", bellte er ihn an.
„Nun vielleicht….", begann Allen erneut.
„Vielleicht was?!", wollte Ralph wütend wissen.
„Vielleicht hast du ihn ja nicht verdient. Deinen Job, meine ich, nicht wenn du zu solchen Mitteln greifst um Fälle zu lösen", schlug Allen vor.
Ralph spürte eine neue Welle Wut in sich aufsteigen und noch etwas anderes, über das er aber nicht weiter nachdenken wollte. „Das werde ich dir niemals verzeihen, Allen!", verkündete er wütend und rauschte aus dem Labor.
In der folgenden Anhörung sagte Barry Allen gegen ihn aus. Joe West und seine anderen Kollegen wurden zu seinem Charakter befragt, und man kam überein, dass Ralph ein Charakterschwein war, dass ihm wichtiger gewesen war einen Schuldigen zu präsentieren als den wahren Mörder zu finden. Dass er unbedingt den Ehemann ins Gefängnis hatte bringen wollen, weil er ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen konnte. Für seine Seite der Ereignisse interessierte sich niemand.
Ralph wurde entlassen und stand mit einem Schlag ohne Job dar. Außerdem war sein Ruf im Eimer. Er galt nun als korrupt, und das nur deswegen, weil er dem System ein wenig nachgeholfen hatte. Er war überzeugt, dass er Barry Allen niemals verzeihen würde.
Und so wurde Ralph Dibney der Polizist zu Ralph Dibney dem Privatdetektiv. Etwas anderes blieb ihm nicht übrig, wenn er weiterhin für Gerechtigkeit sorgen wollte, und das wollte er jetzt erst recht, er wollte allen beweisen wie falsch sie gelegen hatten, besonders Barry Allen.
Doch sein Leben als Privatschnüffler gestaltete sich nicht so wie erhofft. Meistens spionierte er Ehepartnern hinterher, die einander betrogen, half bei bevorstehenden Scheidungen indem er belastendes Material fand, und machte Schuldner für Kredithaie ausfindig. Aber niemals wieder, niemals, fabrizierte er Beweise, er förderte nur solche zu Tage, die tatsächlich existierten. Was aber niemand zu schätzen wusste. Niemand applaudierte ihm dafür. Barry Allen lief ihm nie mehr über den Weg.
Ralph wurde zunehmend zynischer, zunehmend verbitterter, und ließ sich zunehmend gehen. Er musste und wollte niemanden mehr beeindrucken, und in seinem Job bekam er hauptsächlich die schlimmsten Seiten der Menschen zu sehen und kam irgendwann zu den Schluss, dass im Grunde genommen alle auf irgendeine Weise schuldig waren. Und dass jeder nur auf sich selber schauen musste, weil sonst niemand nach einem schaute.
Und dann eines Tages nahm er den falschen Bus, was dazu führte, dass Joe West und Barry Allen vor seiner Türe auftauchten und ihm alle möglichen Fragen stellten. Allens Anblick allein machte Ralph wütend und riss alte Wunden auf. Und Allen stand da und sah ihn nach wie vor so an, als wäre er der Böse hier.
Und dann fand er zu allem Überfluss auch noch heraus, dass er zu einem Freak geworden war. Dass sich seine Körper dehnen konnte als wäre er aus Gummi. Furchtbar.
Vielleicht hattest du es ja nicht verdient ein Cop zu sein, schien Barry Allen stumm zu ihm zu sagen.
„Ich war ein guter Cop!", fuhr Ralph ihn schließlich erregt an, und das in einer Intensität, die Barry zu erschrecken schien, „Er war schuldig!"
Barry musterte ihn mit einem nachdenklichen Blick, und sie sprachen nicht mehr darüber. Bis sie es doch wieder taten. Bis ihm Barry sagte, dass er ihn kannte und an ihn glaubte. Und so fand Ralph auch wieder den Glauben an sich selbst wieder und wurde zum Anfänger-Helden in Team Flash. Denn Barry Allen war der Flash, der größte Held von Central City. Was erstaunlich passend war, wenn auch überraschend, denn immerhin arbeitete der Flash außerhalb des von Allen so heiß geliebten Systems.
Ralph lernte von Barry seine Kräfte zu beherrschen und ein Held zu werden. Und er lernte auch Barry Allen endlich näher kennen, wenn auch nicht auf die Weise, die er sich damals vor all diesen Jahren erhofft hatte, da Barry Iris West heiratete, aber er lernte auch Barrys Freunde und Familie kennen, und langsam aber sicher wurden diese Freunde auch seine Freunde. Barry war herzensgut und immer für Ralph da, Cisco war ein echter Kumpel, Iris eine echte Anführerin, Caitlin besaß mehr als nur eine beeindruckende Seite, Harry war unglaublich schlau, Joe hatte ein großes Herz, Wally zweifelte so oft an sich selbst wie es ansonsten nur Ralph das tat, und Cecile hatte einen herzlichen Sinn für Humor. Sie alle waren etwas Besonderes, vor allem auch deswegen, weil sie Ralph kannten, genau wie seine Schwächen, und sich trotzdem nicht von ihm abwandten.
Er war gerne ein Held, nicht nur wegen dem Ruhm und der Anerkennung, sondern auch wegen dem guten Gefühl anderen endlich wieder helfen zu können.
Doch dann stellte sich heraus, dass ein wahnsinniger Mörder hinter ihm her war. Das warf ihn kurzzeitig ziemlich aus der Bahn, bis ihm klar wurde, dass er sich weniger Sorgen um seine eigene Haut machte als um die von den anderen - von seinen Freunden Cisco, Caitlin, Harry, Joe, Iris, Cecile, Wally, und Barry.
Und ihm wurde klar, dass er immer noch bereit war alles zu tun, was nötig war um andere zu schützen, selbst extreme Dinge, auch wenn Barry von der Idee DeVoe zu töten nicht gerade erbaut war und ihm diese wieder ausreden konnte. Was eigentlich ganz gut war, denn ein kaltblütiger Mord, egal mit welcher Begründung, wäre falsch gewesen und hätte all das Gute, was er in seinem Leben bisher erreicht hatte, wieder zunichte gemacht. Also war er eigentlich dankbar dafür, dass Barry ihn davon abhielt zu töten.
Zuletzt war er ein guter Mann gewesen, ein Held, und zumindest konnte er als so einer auch abtreten. Als DeVoe in seinen Kopf eindrang, und ihm klar wurde, dass es nicht mehr möglich war sein Leben zu retten, tat es ihm weniger leid, dass sein Leben vorbei war, als dass er bedauerte, dass sein Tod Barry noch mehr Schmerzen zufügen würde.
Er hatte es geschafft Menschen zu helfen, wenn auch nur für kurze Zeit, und er wusste, wie weh es tat, wenn man dabei versagte. Barry musste darunter leiden ihn nicht retten zu können, so sehr darunter leiden.
„Ich werde dich retten, Ralph", versprach Barry mit erstickter Stimme unter Tränen.
„Das hast du schon", erwiderte Ralph unter Qualen, und dann warf er noch einen letzten Blick auf diesen Omega, der einst sein Leben zerstört hatte und es dann gerettet und so viel besser gemacht hatte, und erinnerte sich an ihre Streitereien, ihre gemeinsamen Missionen, und ihre tiefschürenden Gespräche. Früher, als sie sich kennengelernt hatten, hatte Ralph ihn ins Bett kriegen wollen, heute wollte er ihn einfach nur noch vor der Welt beschützen, weil er ihn liebte.
Doch leider würde dieses Beschützen jemand anderer übernehmen müssen.
„Ich möchte gerne über Ralph Dibney sprechen", erklärte Barry seiner Therapeutin, nachdem er es aufgegeben hatte bei diesem Thema zu mauern, „Ralph war mein Freund, und ich vermisse ihn sehr."
Fin.
A/N: Ich habe die letzten vier Folgen der 4. Staffel immer noch nicht gesehen, aber ich wollte trotzdem endlich mal ein paar meiner Barry/Ralph-Feels freien Lauf lassen.
Wally wurde in dieser Fic erwähnt, weil er in meinem Verse statt sich den Legends anzuschließen gegen Mitte der Staffel zu Team Flash zurückgekehrt ist.
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