Von Oxana und dem Ende der Schlucht
V o r w o r t :
Jaja, ich weiß, hat lange gedauert. Aber in der Schule ist grad Jagdsaison. Ähm...ich meine Zwischenprüfungen und so'n Zeug. Morgen z. b. : BU! Juhu, wir freuen uns alle. Denn: Ich wollte schon immer mal wissen, wie sich so ein Igelwurm (Bonellia) fortpflanzt.
Zur Geschichte: Nun, jemand wollte wissen, WARUM Oxana zur Blutjägerin geworden ist. Eigentlich wollte ich es ja nicht schreiben, es ist nämlich etwas, worüber sie mit keinem spricht.....aber euch schien ja offensichtlich nicht zu genügen, dass sie als Kind von allen verstoßen und alleine gelassen wurde.
Nun, das Internet hatte wieder mal irgendeinen Tick und außerdem hatte ich schon wieder Stress. Aber ich verspreche hiermit feierlich, euch in Zukunft nicht mehr mit Schule und dergleichen vollzulabern. Schließlich sind wir hier, um dem Alltag zu entfliehen und uns ein bisschen auszuspannen, oder???
@Ondin : Hab jetzt bei dir das Author-Alert - Dingsbums aktiviert. Bloß: Warum bekomme ich ein Mail, auch wenn gar kein neues Kap online ist? Und zwar mit Überschrift und allem drum und dran? Da funktioniert ja was nicht....oder ist das normal? Und: Hat dein Name eigentlich was mit dem Gott Odin zu tun? Oder ist die Ähnlichkeit bloß Zufall?
@alle anderen : Hat eigentlich irgendwer den Logikfehler in den letzten 2 Kapitel mitbekommen? ......wird ihn bei Gelegenheit ausbessern....
Zum Kap.: Nachdenklich. Lang. Und zu der Musik von Red Hot Chily Peppers und noch jemanden, dessen Name mir grad nicht einfällt, der aber sehr berühmt ist, er ist schwarz, spielt sehr gut Gitarre, war gerade angeblich mit Nicole Kidman zusammen, spielt sehr geil Gitarre und hat einen Afro...geschrieben.
*************************************** *********************************
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Perhaps love is like a resting place
A shelter from the storm
It exists to give you comfort
It is there to keep you warm
And in those times of trouble
When you are most alone
The memory of love will bring you home
°°°
Aus: "Perhaps love" von John Denver
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
****************************************** ********************************
Sie träumte von der Vergangenheit.
Von den Verliesen und dem unsagbaren Leid, welches ihr in jenen zugefügt worden war.
Kahle, kalte Steinwände. Von den Decken tropfte Wasser auf sie herab.
Das grollende Gelächter der dunländischen Kerkerwächter... nie würde es ihr gelingen, es aus ihrem Gedächtnis zu verbannen.
Wie lange war es her, seit man sie gefangengenommen hatte? Es mochte eine Woche sein oder aber auch ein Monat, sie wusste es nicht. In den dunklen Kerkern hatte sie jegliches Zeitgefühl verloren.
Sie sah sich selbst, blutüberströmt und zerschunden in einer Ecke kauernd. Die Schriemen auf ihrem Rücken glühten wie Feuer. Ihre Nase blutete noch. Unbeholfen versuchte sie mit bloßen Händen die Blutung zu stillen.
Die Tränen hatten schmutzige Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen.
Unter den Klagen der anderen Gefangenen war ihr leises Wimmern kaum zu vernehmen, und doch barg es ungleich mehr Schmerz und Leid, sodass sich einem das Herz zusammenzog, wenn man es hörte.
Der kalte Steinboden unter ihr begann sich dunkelrot zu verfärben. Sie bemerkte es nicht. Es tat so weh. Sie krümmte sich wieder unter Krämpfen.
Ihr Unterleib schien zu explodieren. Zahllose wirre Gedanken schossen durch ihr Gehirn.
Der Wächter mit der Augenklappe.
Er hatte versucht, sich an ihr zu vergehen.
Sie hatte sich zur Wehr gesetzt, ihn an Stellen getreten, wo es weht tat. Viele der anderen Gefangenen hätten nicht mehr die Kraft für Widerstand aufbringen können. Aber ihre Gegenwehr war erbittert geblieben. Verbissen hatte sie sich verteidigt.
Die beiden anderen waren gekommen. Dunkelbärtige, übelriechende Gesellen.
Hatten sie festgehalten.
Doch anstatt sie zu schänden, hatte der Einäugige zugeschlagen.
Zuerst in ihr Gesicht.
Ihre Lippe war aufgeplatzt, ihre Nase hatte angefangen zu bluten. Vielleicht war sie gebrochen.
Es hatte wehgetan, aber sie hatte in den letzten Tagen gelernt, Schmerzen hinzunehmen, ohne zu schreien und zu jammern.
Denn früh hatte sie gemerkt, dass ihr Wehklagen die Wächter nur noch mehr belustigte.
Dann hatte er ihr in den Bauch geschlagen.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Mit der Faust in ihre Eingeweide, mit voller Kraft.
Beim dritten Schlag war etwas in ihr kaputt gegangen.
Etwas, von dem sie geglaubt hatte, es erfolgreich vor den Augen der Dûnländer verborgen zu haben.
Etwas, das sie seit fünf Monaten unter ihrem Herzen trug.
Es tat so weh.
Sie krümmte sich, schlang die Arme um ihren Leib.
Ihr Kind.
Was es wohl geworden wäre? Ein Junge oder ein Mädchen?
Sie hatte es Aragorn nicht gesagt. Sie hatte es niemandem gesagt. Selbst diesem brutalen Halbork und der seltsamen Elbe nicht. Die wenigen äußeren Anzeichen hatte sie zu verbergen gewusst.
Es war ihr Geheimnis gewesen. Ihre Familie.
"Das hast du davon, blöde Schlampe!", lachte der Einäugige durch die Kerkertür und grinste zufrieden gestellt.
Für diese Worte hatte sie ihn bei ihrer Befreiung getötet.
Nein, sie hatte ihn genüsslich zu Tode gequält.
Rawen hatte ihn für sie gefesselt und die Zelle verlassen, um währenddessen draußen Wache zu halten.
Mit dem Dolch ihres Vaters stand sie vor dem wehrlosen Mann.
Sein Auge fixierte sie. Sie sah die Schweißperlen auf seiner Stirn. Konnte seine Angst riechen.
Er ekelte sie an.
Rache.
Langsam mit dem scharfen Dolch seine Wangen ritzen. Eine einzelne, blutige Träne quoll aus der Wunde hervor.
Rache.
Seine Zunge....sie schnitt sie heraus. Er gurgelte, krächzte, brüllte vor Agonie.
Innerlich zu Stein erstarrt machte sie weiter. Ließ die Waffe eine blutige Linie über seinen Leib zeichnen, ließ sie auf seinem Nabel liegen.
Dann stach sie zu.
Eimal.
Zweimal.
Dreimal.
Kalt starrte sie auf das verwüstete Gesicht ihres Opfers. Sein Blut besudelte die Fetzen, die sie trug. Der Dolch ihres Vater troff davon.
Rache...es erfüllte sie mit Befriedigung, ihn sterben zu sehen. Sie schämte sich dafür, aber die Freude überstieg diese Scham.
Sie hatten sie gefoltert, ihr die Zukunft geraubt.
Für das Kind hätte sie ihren verhassten Söldnerberuf aufgegeben, hätte aufgehört, irgendwelchen Mördern und Dieben nachzustellen.
Sie hätte sich niedergelassen und ein ruhiges Leben gelebt. Dem Kind zuliebe. Eine gute Mutter jagte keine Orks und Mörder.
Das Kind war alles gewesen, was ihr von Aragorn und der wunderbaren Zeit mit ihm geblieben war. Das einzig Schöne in dieser verhassten Welt, das einzige, das es wert war, geliebt zu werden.
Der Einäugige hatte mit seinem Blut bezahlen müssen.
Doch der Schmerz in ihr blieb.
Er sollte für immer bleiben.
******************************************** *******************************
Ob er sie hasste ?
Nachdenklich sah sie in seine Augen, die weit offen standen, aber leer waren.
Wenn ja, dann konnte sie es ihm nicht übel nehmen. Sie konnte es sogar gut verstehen. Aber es machte sie seltsam traurig.
Oxana wagte es nicht, sich zu bewegen.
Sein Herz schlug so langsam wie das Rawens.
Noch immer lag ihre Hand auf seiner Brust und sie hatte das seltsame Gefühl, mit jedem seiner Herzschläge in eine andere, fremde Welt einzusinken.
Eine Welt, in der Zeit keine wichtige Rolle spielte, in der es weder Eile noch Angst vor dem Alter gab, in der alles, was ihr so wichtig erschien, nicht weiter von Belang war.
Was hätte sie dafür gegeben, wenn tatsächlich elbisches Blut in ihren Adern pulsiert wäre!
Nicht nur, dass sie auf dem Schnee hätte gehen können und nicht gefroren hätte.
Sie hätte Hunderte, Tausende Jahre Zeit gehabt, um die Fehler ihrer Vergangenheit wieder gut zu machen! Vielleicht hätte sie sogar vergessen können....
Aber sie war sterblich. Sie würde weitermorden. Ein Teil von ihr würde immer nach Blut lechzen, für das, was damals geschehen war.
Oder wenigstens würde sie sich einreden, dass dies der Grund war.
"In Wahrheit", dachte sie schaudernd, "hast du damals ein Monster in dir geweckt, das nun längst außer Kontrolle geraten ist".
"Hast du gut geschlafen?"
Oxana zuckte zusammen. Seine Stimme klang sanft, sie spürte ein leichtes, angenehmes Vibrieren in seiner Brust, als er sprach.
"Du wärmst wie ein Ofen", grinste sie und hob den Kopf von der Schulter des Prinzen, um ihm voll ins Gesicht zu sehen.
"Ich habe mich die ganze Nacht nicht bewegt, aus Angst, dich wieder aufzuwecken. Dank dir habe ich jetzt einen steifen Nacken", beschwerte sich Legolas und streckte sich.
Sein Arm lag unter ihrem Hals.
Oxana versteifte sich ein wenig, spürte, wie ihr unwohl wurde.
Das hatte sie gar nicht bemerkt, als sie eben aufgewacht war.
Sofort ersann sie sich drei verschiedener Griffe, mit denen sie sich aus einem Würgegriff befreien konnte.
Nur falls er vorhatte, sie nicht mehr aufstehen zu lassen.
Was für ein dummer Gedanke! Falls er sie wirklich erwürgen wollte, hätte er es schon längst getan. Ihr Misstrauen begann ihr übertrieben zu scheinen. Aber sie konnte nichts dagegen tun- so war sie nun einmal.
"Ein steifer Nacken ist die mindeste Strafe die du dafür verdienst, mich in diese Hundskälte getrieben zu haben", murrte sie unberührt.
Der Elb ignorierte den Vorwurf und erkundigte sich stattdessen nach ihren Wunden.
Oxana horchte in sich hinein.
Da war zuallererst die gebrochene Rippe.
Im Laufe der Tage hatte sie sich an den ständigen, stechenden Schmerz gewöhnt. Gewisse Bewegungen hatte sie vermieden, um eine Verschlechterung der Wunde zu verhindern.
Heute allerdings hatte sich der Schmerz in ein dumpfes, fast angenehmes Pochen verwandelt.
Ihre Schulter tat auch nur dann mäßig weh, wenn sie bewegt wurde. Die Schwellungen in ihrem Gesicht waren größtenteils abgeklungen, die verbliebenen Kratzer und kleineren Wunden heilten langsam, aber gut.
Was ihr mehr zu schaffen machte, war die bittere Kälte.
"Nun, ich kann mich nicht beklagen- die Schmerzen sind erträglich", antwortete Oxana und setzte fort: "aber ob ich das Sarnirs Medizin zu verdanken habe oder wegen der Kälte nichts mehr spüre, kann ich nicht sagen. Ich freue mich, wenn wir diese Eiseskälte und diese unheimlichen Höhlen endlich hinter uns gelassen haben."
"Was in ungefähr zwei Tagen der Fall sein könnte, wenn wir uns beeilen", ergänzte Legolas aufmunternd, "denn weiter südlich beginnt der Schnee zu schmelzen und es wird leichter für uns sein, voranzukommen."
Zwei Tage noch durch den Schnee waten, ständig auf der Hut vor Überfällen sein müssen, fortwährende Kälte, Nässe, Wind.....nun, vielleicht hatte sie sich das alles auch selbst zu verdanken.
Hätte sie ihm im Lager die Namen der Blutjäger verraten, wäre alles wohl ganz anders gekommen.
Aber Rawen und Silaid verraten?
Nein, das konnte sie nicht tun.
"Vermisst du sie?", fragte Oxana unvermittelt, nachdem sie eine Weile geschwiegen hatten.
"Wen?"
"Nîthiel, wen denn sonst? Du machst nicht unbedingt den Eindruck, als ob du um sie trauern würdest."
Legolas sah sie verwirrt an. "Wieso sollte ich trauern? Sie ist doch nicht tot!"
"Und woher willst du das so genau wissen?" Oxana hob eine Augenbraue. "S p ü r e n Elben so etwas? Oder hat sie dich in deinen Träumen besucht? Zuzutrauen wäre es ihr ja..."-
-"Was hast du eigentlich gegen sie?", fuhr Legolas ärgerlich dazwischen.
Sie blinzelte ihn verwirrt an.
War das etwa eine ernsthafte Frage gewesen?
Ein finsteres Lächeln verformte ihre Lippen.
"Ach, Anfangs war sie mir einfach bloß unsympathisch. Aber jetzt...weißt du, ich habe allgemein etwas gegen Leute, die mir mit dem Tod drohen."
Legolas blieb für einige Sekunden der Atem weg.
"SIE HAT WAS?", keuchte er ungläubig und zog den Arm so jäh unter ihrem Kopf hervor, dass ihr Kopf hart gegen den Felsen prallte.
"Aua!", beklagte sich Oxana und rieb sich am Hinterkopf. Er murmelte eine hastige Entschuldigung.
Dann rückte er ein wenig von ihr fort und schüttelte energisch den Kopf.
"Sie würde so etwas nie tun! Das hat sie nicht nötig!." , behauptete er entschlossen.
Oxana lachte belustigt.
"Du hast offensichtlich keine Ahnung! Willst du wissen, was sie gesagt hat?"
Sie stand auf und wartete gar nicht erst eine Antwort ab.
"Sie verglich dich mit einem Stück Fleisch und meinte, sie würde dich schon weichkochen, sie habe lange genug darauf warten müssen, endlich mit dir zusammen zu sein."
"Unsinn!", begehrte Legolas heftig auf und seine Augen sprühten vor Empörung und Zorn, "Nîthiel ist eine ehrenhafte Frau! Solche Geschmacklosigkeiten passen nicht zu ihr!"
"Hältst du mich etwa für eine Lügnerin?!", fragte Oxana lauernd und durchbohrte ihn nahezu mit Blicken.
Legolas lachte leise. "Ich habe allen Grund dazu!"
Oxana spürte, wie ihr heiß wurde vor Zorn.
Und bevor sie es sich bewusst wurde, rutschte ihr heraus: "Sie ist eine böse Hexe, aber du scheinst es einfach nicht wahrhaben zu wollen! Hat sie deinen Bruder eigentlich genauso geschickt manipuliert wie dich?!"
Noch bevor sie ausgesprochen hatte, wusste sie, dass sie einen großen Fehler begangen hatte. Eigentlich sollte sie doch wissen, wie unangenehm es war, an solche Dinge erinnert zu werden.
Doch Legolas blieb ruhig.
Und genau diese Ruhe ließ sie nervös werden.
"Verzeih mir bitte", druckste sie, verärgert über ihre Unbeherrschtheit, aber nicht über das, was sie gesagt hatte. Es war ihr schon lange auf der Zunge gelegen, und nun war es endlich draußen. Bloß das mit seinem Bruder hätte sie nicht sagen sollen...
Sein leerer Blick behagte ihr nicht.
"Ich mag es nicht, wenn man mich eine Lügnerin nennt", murrte sie rechtfertigend.
Legolas atmete tief durch und stand auf.
"Es wäre nicht das erste Mal, dass du mich belügst", meinte er traurig.
"DAS STIMMT NICHT!".
Sie erschrak über den verzweifelten Klang ihrer Stimme, doch dachte nicht weiter darüber nach, sondern sprach eilig :
"Ich habe dir vielleicht vieles verschwiegen, aber b e l o g e n habe ich dich nie!"
"Ich würde dir gerne glauben", seufzte Legolas mit einem milden Lächeln, "bloß fällt es mir schwer, nachdem, was geschehen ist. Das verstehst du sicher. Es kann sein, dass ich dir einmal vertrauen werde- aber so etwas braucht Zeit."
Sie starrte ihn an.
Um ein Haar hätte sie geredet.
Ihm von Rawen und Silaid erzählt.
Sie schluckte hart. Wenn er sich erwartete, ihr so ihr Geheimnis entlocken zu können, hatte er sich geschnitten!
Die eisige Kälte war ihr bereits wieder in den Körper gefahren.
Mit geröteten Fingern griff sie nach der Decke, auf der sie gesessen hatten und faltete sie. Sie hörte Legolas seufzen. Doch drehte sie sich nicht um.
Wenn er ihr nicht glauben wollte, dann bitte! Wenn er es vorzog, sein Leben an der Seite dieser falschen Schlange zu verbringen- sollte er doch! Sie würde ihn nicht davon abhalten.
Aus dem hintersten Winkel des Felsenvorsprungs drangen müde Stimmen und leises Gähnen.
Mit ihrer Zankerei hatten sie die anderen aus dem Schlaf gerissen.
Es ohnehin Zeit, sich wieder auf den Weg zu machen.
"Was tue ich hier eigentlich?", murmelte sie kopfschüttelnd. Es war doch wirklich absurd. Noch letzte Woche hätte sie nie im Leben geahnt, all dies hier zu erleben.
"Vielleicht deine Schuld abbüßen", meinte Legolas. Doch bevor sie sich verwirrt zu ihm umdrehen hätte können, hatte er ihr die Decke abgenommen und ging damit schnell in die Höhle zu den anderen.
*********************** ****************************************************
Dass zwischen den beiden elbischen Reisemitgliedern der Gruppe etwas nicht stimmte, wurde im Laufe des folgenden Tages offensichtlich.
Oxana bemerkte es wohl als erste, denn sie behielt Sarnir an diesem Tag besonders scharf im Auge.
Teils aus schlechtem Gewissen, teils aus einer dumpfen Vorahnung heraus.
Männer, die von einer Frau abgewiesen wurden, sehen darin nur zu oft eine Kränkung ihrer Ehre und reagieren oft extrem darauf.
Von solchen Dingen konnte sie aus Erfahrung sprechen.
Der dunkelhaarige Elb wich ihren Blicken aus, schien aber zu wissen, dass sie ihn heimlich beobachtete.
Trotzdem war es ihm unschwer anzukennen, dass er nicht gut aufgelegt war.
Er wechselte kaum ein Wort mit den anderen, selbst Colen war heute gesprächiger als er- was einiges heißen mochte.
Oxana unterhielt sich eine Weile mit dem Rohir und entdeckte, dass sie dieselbe Meinung teilten, was Elben und deren Abneigung gegen rotes Fleisch anging.
Darüber hinaus hatte Colen seine Kindheit, wie sie, in Edoras zugebracht.
Ihren Vaterkannte er nur vom Hörensagen, von dem Rest ihrer Familie und gar von ihr wusste er- zum Glück- nichts.
Es war Mittag, sie machten eine kurze Rast, um ihren Hunger und Durst zu stillen und etwas Atem zu schöpfen. Sarnir war auf die hohen Felsen zu ihrer Linken geklettert, von denen er einen Ausblick über das gesamte Tal hatte.
Er wollte sehen, wie lang der Weg war, der noch vor ihnen lag
Die anderen saßen oder standen am Ufer des kleinen Flusses im Schnee und labten sich an ihren Vorräten.
Während Oxana sich zum Wasser hinunterbeugte, um etwas davon zu trinken, fiel ihr wieder ein, wie ihr Vater vor vielen Jahren einen Nachbarn um ein Haar bewusstlos geschlagen hatte.
Der Mann hatte die Waffen, die der Vater für die Wachen anfertigen lassen hatte, als "Schrott" beschrieben.
Ein Waffenmeister wie ihr Vater hatte so etwas nicht klaglos auf sich sitzen lassen können. Sie grinste. Ihr Temperament kam wohl von der väterlichen Seite.
"Und wie hast du heute Nacht geschlafen?"
Obhart tauchte seinen Wasserschlauch tief ins eiskalte Wasser und beobachtete scheinbar gefesselt die kleinen Luftbläschen, die dabei an die Oberfläche stiegen.
"Sehr gut", murmelte Oxana noch immer in Gedanken versunken.
"War dir auch schön warm?"
Erst jetzt bemerkte sie den anzüglichen Unterton in der Stimme des Schiffführers.
Sie nahm einen kräftigen Schluck und antwortete genervt: "Ob du es glaubst oder nicht, aber es gibt Leute, die ihre Verbündeten nicht einfach Nachts erfrieren lassen."
"Ich bezweifle, dass er MICH an ihn hätte kuscheln lassen", spottete Obhart.
Sie drehte das Gesicht wieder weg und sagte laut: "Keine Angst, es gibt keinen Grund zur Eifersucht, ich nehme dir deinen Prinzen schon nicht weg..." Sie grinste breit.
"Man sollte dir deine spitze Zunge rausschneiden und um den Hals wickeln, weißt du das?", knurrte Obhart, dessen Blick plötzlich nervös zu Legolas und Colen hinüberschweifte, die sich das Lachen nur noch mühsam verkneifen konnten.
"Versuch es und du darfst mit den Konsequenzen und einigen Körperteilen weniger weiterleben", zischte Oxana, stand auf und streifte dabei wie beiläufig das Schwert an ihrer Hüfte.
Es war schwer festzustellen, ob sie ihre Worte ernst gemeint hatte oder nicht.
Obhart erbleichte. "Verfluchtes Mannsweib!", schimpfte er leise.
Colen begann leise vor sich hinzulachen, während Legolas den Blick die Felswand zu ihrer Linken hinaufschweifen ließ.
"Kannst du Sarnir sehen?", rief sie ihm zu.
Legolas schüttelte den Kopf.
"Dabei müsste er schon längst wieder hier sein! Ich werde ihn holen gehen, wir können es uns nicht leisten, länger als unbedingt nötig hier zu bleiben."
"Du könntest doch auch nach ihm rufen", meinte Oxana.
"Und riskieren, dass wir unter einer Lawine vergraben werden?" Legolas schüttelte den Kopf.
"Sag den anderen, dass ich gleich zurück bin."
Er ging über den Schnee und lief mühelos den Steilhang bis zu den ersten Felsen hinauf.
Bei jenen angelangt, kletterte er flink und geschmeidig daran empor, ohne auch nur einmal einen Zwischenstopp einzulegen. Wohin auch immer er seine Hände legte, fand er Halt, griff niemals ins Leere oder rutschte gar ab.
"Faszinierend, nicht wahr? Es ist eine Freude, ihnen dabei zuzusehen", meinte Colen, während er ein Stück würziges Dörrfleisch und etwas hartes Brot verzehrte.
Der Rohir reichte ihr kaum über die Schultern, was eigentlich sehr ungewöhnlich war. Im Allgemeinen bezeichnete man die Rohirrim nämlich als großes, stolzes Volk
Colen hatte behauptet, das Alter habe ihn gebeugt und er wäre früher viel größer gewesen, mindestens so groß wie sie.
Oxana tat so, als glaubte sie ihm. Es war nicht das erste Mal, dass ein Mann sich ihr wegen ihrer Körpergröße unterlegen fühlte.
Sie zuckte mit den Achseln. "Hätten WIR ein paar Zeitalter zur Verfügung, würden wir so etwas auch können", und meinte damit das sterbliche Volk Mittelerdes.
Colen lachte leise.
Sie zog eine Braue hoch und sah ihn an. "Worüber lacht Ihr?"
Der Alte schmunzelte und machte eine Kopfbewegung zur Felswand hin. Legolas hatte sich dem Felsen, hinter dem Sarnir verschwunden war, beachtlich genähert.
"Ich finde es bloß amüsant, wie Ihr versucht, Euch zu verstellen."
"Verstellen? Inwiefern?"
Colen grinste breit, zwei Zahnlücken enthüllend. "Wenn man nicht genau hinsieht, merkt man fast nicht, wie sehr Ihr ihn mögt."
"Wen?" Natürlich wusste sie, wen er meinte. Aber im Moment wollte es ihr einfach nicht in den Sinn kommen.
"Unseren Prinzen, natürlich."
"Das ist doch.."- Sie schnappte aufgebracht nach Luft- "Kaum öffnet Ihr den Mund, fängt Ihr an, Unsinn daherzureden!"
Colen lächelte versonnen.
"Regt Euch nicht auf meine Liebe, und versucht es nur ja nicht abzustreiten! Meine Augen sind vielleicht vom Alter getrübt, aber mein Herz sieht nach all der Zeit umso klarer."
Was sollte das nun schon wieder heißen?!
"Ich werde Euch Euer Herz rausschneiden, und Eure Augen auch, wenn Ihr es wagen solltet, einem der anderen oder gar dem Prinzen diese Ungeheuerlichkeit weiterzusagen!"
"Dann stimmt es also?"
Sein Blick schien plötzlich geradewegs in ihren Denkbereich eindringen zu können. Sie errötete.
"NEIN!"
"Warum regt Ihr euch dann so auf?"
"Weil..weil.."-
-"Ja?"
"Ach, das ist doch lächerlich! Ich lasse mich doch nicht von einem senilen Greis ärgern!", fuhr sie ihn zornig an und stapfte mühsam durch den Schnee davon.
"Keine Angst, Euer Geheimnis ist gut aufgehoben bei mir!", rief ihr der Alte heiter nach.
"Alter Esel", zischte Oxana und setzte sich auf einen niedrigen Felsen, weitab von den beiden anderen, wo sie auf die Rückkehr der beiden Elben wartete.
************************************ **************************************
Sarnir und Legolas stiegen nacheinander die Felswand herab. Sie sahen beide drein wie zehn Tage Regenwetter.
Schlechte Laune war etwas, was auf elbischen Gesichtern nicht allzu oft zu lesen war. Deswegen erschraken die drei anderen Reisegefährten auch dementsprechend und eilten ihnen besorgt entgegen.
"Was ist passiert?! Habt ihr etwas gesehen? Trolle? Blutjäger?"
Obhart hielt atemlos vor dem Prinzen und wartete auf eine Antwort. Oxana und Colen stellten neben ihn.
Legolas schüttelte den Kopf.
"Es ist alles in Ordnung. Wir werden noch vor Sonnenuntergang das Tal verlassen und den Gebirgspfad erreichen. Der Zwischenfall mit den Trollen hat und zwar ein wenig in der Zeit zurückgeworfen, aber wir werden noch vor den Blutjägern auf den Pfad gelangen und sie dort auflauern. Es ist alles..." -
Er drehte sich zu Sarnir um, "- ...in bester Ordnung."
Die Art, auf die er die letzten Worte aussprach, gefiel Oxana ganz und gar nicht.
Auch Obhart und Colen schienen zu wittern, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.
Alarmiert bemerkte sie, dass Sarnirs Auge geschwollen war. Hinzu gesellte sich ein äußerst misslaunischer Gesichtsausdruck, der von unterdrücktem Zorn und Wut zeugte.
Hatten sich die beiden etwa geschlagen??
Legolas ging wortlos an ihnen vorbei. Als sie Sarnir eine entsprechende Frage stellen wollte, drehte dieser gereizt den Kopf weg und folgte schnell dem Prinzen.
Oxana fluchte leise und arbeitete sich hinter ihnen durch den Schnee.
In der Dämmerung erreichte die kleine Gruppe das Ende der Schlucht.
Es war enger als der Teil, den sie bisher durchwandert hatten. Der breite Bach bog kurz vor dem Ende des Klammes zur Seite und verschwand in einer niedrigen Höhle.
Danach wuchsen die steilen Felswände zu einem Spalt zusammen, der gerade breit genug war, um einen von ihnen Durchlass zu gewähren.
Als sie sich, einer nach dem anderen, hindurchgequetscht hatten, sahen sie sich einem leicht abfallenden Geröllhang gegenüber, der direkt auf einen schmalen Gebirgspfad hinabführte.
Auf der anderen Seite des Pfades führte eine Steinwand viele Schritte senkrecht in die Tiefe.
Erleichtert ließ Oxana sich auf den Boden fallen und genoss es, ihre schmerzenden Beine zu entlasten. Als sie aufsah, besserte sich ihre Laune augenblicklich. Anstatt kahler, schneebedeckter Gipfel erstreckte sich eine Landschaft aus riesigen, dunkelgrüner Hügel und tiefer Täler vor ihnen.
Weit im Süden sah sie die Ausläufer des Ered Nimrais. Irgendwo dort, hinter einem dieser von Tannen und Fichten bewachsenen Hügeln befand sich Erech.
Alsbald sie die bedrückende Enge der Schlucht verlassen hatte, fühlte sie sich sonderbar leicht und beschwingt. Gut gelaunt folgte sie den vier anderen den steilen Abhang bis zum Pfad hinunter.
Es tat gut, endlich wieder ein Ziel vor Augen zu haben.
Der Pass schlängelte sich auf gefährlichen Gräten und eingesäumt von tiefen Schluchten in die fruchtbaren Gebiete hinunter.
Sie setzten sich hin, erschöpft, aber gleichzeitig befreit und von neuer Hoffnung erfüllt.
"Sie werden bald hier vorbeikommen", erklärte Legolas, "kurz vor Sonnenuntergang."
"Und woher weißt du das?", erkundigte sich Oxana.
"Ich rieche es", antwortete der Elb kurz.
Nun gut, das hieß, wenn der Wind drehte, würde Rawen ebenso "Wind" von ihrer Anwesenheit bekommen. Oxana wurde mulmig zumute.
Es war nicht gut, diese Elbe zum Feind zu haben.
Und dieser Pfad....Oxana spähte misstrauisch zum Abgrund auf der anderen Seite hin.....auch der gefiel ihr ganz und gar nicht.
"Und du bist dir sicher, dass dies hier der beste Ort für einen Hinterhalt ist?", fragte sie skeptisch, "du bist dir hoffentlich darüber bewusst, dass unser Leben in deinen Händen liegt!"
Legolas nickte. "Bin ich."
Er räusperte sich. "Zumindest wüsste ich keinen besseren".
Oh, sehr ermutigend.
Nun, wenigstens würden die Blutjäger nie damit rechnen, ausgerechnet HIER angegriffen zu werden.
Legolas lächelte aufmunternd.
"Ach zieht doch nicht solche Gesichter! Wir werden das schon schaffen! Alleine schon deswegen, weil wir es müssen."
Oxana zog eine Braue hoch. Er schien nicht sehr geschickt darin zu sein, in solchen Momenten die richtigen Worte zu finden.
"Wir könnten Steine auf sie herabrollen", schlug Colen vor, "wir sollten jeden Vorteil nutzen, der sich uns bietet. Sie werden uns nichts schenken." Die anderen sahen ihn bewundernd an. Der Alte schien doch zu etwas Nütze zu sein, dachte Oxana beeindruckt.
"Gut, so machen wir es", nickte Legolas, "es ist zwar nicht die ritterliche Art, einen Feind den Abgrund hinabzuschubsen, aber Colen hat Recht. Wir sind in der Unterzahl. Versucht so viele wie möglich aus der Entfernung zu töten. Lasst euch nur im Notfall auf einen direkten Kampf ein."
Er lächelte zuversichtlich. "Ich vertraue auf eure Erfahrung".
"Und auf unser Glück", murmelte Oxana düster zu sich selbst.
Sarnir, Legolas und Obhart kletterten auf den Steilhang auf der einen Seite des Pfades und begannen oben, möglichst viele Felsbrocken zusammenzuschieben, die sich den Hang hinunterrollen ließen.
Obhart und Legolas, die Stärksten der Gruppe, blieben oben, um sie Steine in Bewegung zu setzen.
Sarnir verbarg sich ganz in ihrer Nähe hinter einem Felsen und begann, seinen Bogen und seine Pfeile zu überprüfen.
Hinter einem Felsen etwas unterhalb von Sarnirs Versteck duckten sich Colen und Oxana hinter einigen Steinen.
"Wieviele waren es noch mal?", flüsterte sie dem Rohir zu und begann ihre Waffen zu überprüfen.
"Dreißig, glaube ich", antwortete Colen ebenso leise.
Sie schluckte.
Fünf gegen dreißig.
Sie rechnete.
Ihre Chancen standen folglich 1:6 für einen Sieg ihrerseits. Hervorragend. Genau das war eine der Situationen, in die sie nie in ihrem Leben hatte gelangen wollen.
Ihre Hand strich über den Schwertgriff, den Dolch und die Armbrustbolzen an ihrem Gürtel. Sie zog einen der Bolzen, löste die Armbrust von ihrem Rücken und spannte ihn bedächtig ein.
Sie warteten beinahe zwei Stunden, ohne viel zu sprechen, ohne sich allzu sehr zu bewegen.
Oxanas Nerven waren zum Zerreißen angespannt.
Ihr Rücken schmerzte, denn sie saß in einer etwas unbequemen Pose, kam aber nicht auf den Gedanken, sich anders hinzusetzen. Ihre Konzentration galt dem bevorstehenden Kampf. Sie sah zu Sarnir hinauf, konnte ihn aber nicht sehen.
Obhart und Legolas hockten scheinbar ruhig nebeneinander und starrten auf den Pass hinunter.
Die Anwesenheit des Elben beruhigte sie ein wenig. Er hatte sie bisher zwar nicht aus jeder, aber immerhin schon aus vielen unangenehmen Situationen geholt.
Zwar stritten sie nur allzu oft, aber wenn es darauf ankam wusste sie, dass sie sich auf ihn verlassen konnte.
Nervös leckte sie sich über die vor Kälte aufgesprungenen Lippen.
Dann hörte sie erste Stimmen in der Ferne.
Sie waren da. Der Kampf begann.
************************************** ************************************
N a c h w o r t :
HaaHa! ®Bart Simpson ;-)
Bitte NUR gute Kritik! * g * Das Kap war sehr hart zu schreiben! Hoffentlich wars wenigstens ein bisschen tiefgründig *seufz * . Ich kann sowas nicht so gut. conna
V o r w o r t :
Jaja, ich weiß, hat lange gedauert. Aber in der Schule ist grad Jagdsaison. Ähm...ich meine Zwischenprüfungen und so'n Zeug. Morgen z. b. : BU! Juhu, wir freuen uns alle. Denn: Ich wollte schon immer mal wissen, wie sich so ein Igelwurm (Bonellia) fortpflanzt.
Zur Geschichte: Nun, jemand wollte wissen, WARUM Oxana zur Blutjägerin geworden ist. Eigentlich wollte ich es ja nicht schreiben, es ist nämlich etwas, worüber sie mit keinem spricht.....aber euch schien ja offensichtlich nicht zu genügen, dass sie als Kind von allen verstoßen und alleine gelassen wurde.
Nun, das Internet hatte wieder mal irgendeinen Tick und außerdem hatte ich schon wieder Stress. Aber ich verspreche hiermit feierlich, euch in Zukunft nicht mehr mit Schule und dergleichen vollzulabern. Schließlich sind wir hier, um dem Alltag zu entfliehen und uns ein bisschen auszuspannen, oder???
@Ondin : Hab jetzt bei dir das Author-Alert - Dingsbums aktiviert. Bloß: Warum bekomme ich ein Mail, auch wenn gar kein neues Kap online ist? Und zwar mit Überschrift und allem drum und dran? Da funktioniert ja was nicht....oder ist das normal? Und: Hat dein Name eigentlich was mit dem Gott Odin zu tun? Oder ist die Ähnlichkeit bloß Zufall?
@alle anderen : Hat eigentlich irgendwer den Logikfehler in den letzten 2 Kapitel mitbekommen? ......wird ihn bei Gelegenheit ausbessern....
Zum Kap.: Nachdenklich. Lang. Und zu der Musik von Red Hot Chily Peppers und noch jemanden, dessen Name mir grad nicht einfällt, der aber sehr berühmt ist, er ist schwarz, spielt sehr gut Gitarre, war gerade angeblich mit Nicole Kidman zusammen, spielt sehr geil Gitarre und hat einen Afro...geschrieben.
*************************************** *********************************
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Perhaps love is like a resting place
A shelter from the storm
It exists to give you comfort
It is there to keep you warm
And in those times of trouble
When you are most alone
The memory of love will bring you home
°°°
Aus: "Perhaps love" von John Denver
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
****************************************** ********************************
Sie träumte von der Vergangenheit.
Von den Verliesen und dem unsagbaren Leid, welches ihr in jenen zugefügt worden war.
Kahle, kalte Steinwände. Von den Decken tropfte Wasser auf sie herab.
Das grollende Gelächter der dunländischen Kerkerwächter... nie würde es ihr gelingen, es aus ihrem Gedächtnis zu verbannen.
Wie lange war es her, seit man sie gefangengenommen hatte? Es mochte eine Woche sein oder aber auch ein Monat, sie wusste es nicht. In den dunklen Kerkern hatte sie jegliches Zeitgefühl verloren.
Sie sah sich selbst, blutüberströmt und zerschunden in einer Ecke kauernd. Die Schriemen auf ihrem Rücken glühten wie Feuer. Ihre Nase blutete noch. Unbeholfen versuchte sie mit bloßen Händen die Blutung zu stillen.
Die Tränen hatten schmutzige Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen.
Unter den Klagen der anderen Gefangenen war ihr leises Wimmern kaum zu vernehmen, und doch barg es ungleich mehr Schmerz und Leid, sodass sich einem das Herz zusammenzog, wenn man es hörte.
Der kalte Steinboden unter ihr begann sich dunkelrot zu verfärben. Sie bemerkte es nicht. Es tat so weh. Sie krümmte sich wieder unter Krämpfen.
Ihr Unterleib schien zu explodieren. Zahllose wirre Gedanken schossen durch ihr Gehirn.
Der Wächter mit der Augenklappe.
Er hatte versucht, sich an ihr zu vergehen.
Sie hatte sich zur Wehr gesetzt, ihn an Stellen getreten, wo es weht tat. Viele der anderen Gefangenen hätten nicht mehr die Kraft für Widerstand aufbringen können. Aber ihre Gegenwehr war erbittert geblieben. Verbissen hatte sie sich verteidigt.
Die beiden anderen waren gekommen. Dunkelbärtige, übelriechende Gesellen.
Hatten sie festgehalten.
Doch anstatt sie zu schänden, hatte der Einäugige zugeschlagen.
Zuerst in ihr Gesicht.
Ihre Lippe war aufgeplatzt, ihre Nase hatte angefangen zu bluten. Vielleicht war sie gebrochen.
Es hatte wehgetan, aber sie hatte in den letzten Tagen gelernt, Schmerzen hinzunehmen, ohne zu schreien und zu jammern.
Denn früh hatte sie gemerkt, dass ihr Wehklagen die Wächter nur noch mehr belustigte.
Dann hatte er ihr in den Bauch geschlagen.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Mit der Faust in ihre Eingeweide, mit voller Kraft.
Beim dritten Schlag war etwas in ihr kaputt gegangen.
Etwas, von dem sie geglaubt hatte, es erfolgreich vor den Augen der Dûnländer verborgen zu haben.
Etwas, das sie seit fünf Monaten unter ihrem Herzen trug.
Es tat so weh.
Sie krümmte sich, schlang die Arme um ihren Leib.
Ihr Kind.
Was es wohl geworden wäre? Ein Junge oder ein Mädchen?
Sie hatte es Aragorn nicht gesagt. Sie hatte es niemandem gesagt. Selbst diesem brutalen Halbork und der seltsamen Elbe nicht. Die wenigen äußeren Anzeichen hatte sie zu verbergen gewusst.
Es war ihr Geheimnis gewesen. Ihre Familie.
"Das hast du davon, blöde Schlampe!", lachte der Einäugige durch die Kerkertür und grinste zufrieden gestellt.
Für diese Worte hatte sie ihn bei ihrer Befreiung getötet.
Nein, sie hatte ihn genüsslich zu Tode gequält.
Rawen hatte ihn für sie gefesselt und die Zelle verlassen, um währenddessen draußen Wache zu halten.
Mit dem Dolch ihres Vaters stand sie vor dem wehrlosen Mann.
Sein Auge fixierte sie. Sie sah die Schweißperlen auf seiner Stirn. Konnte seine Angst riechen.
Er ekelte sie an.
Rache.
Langsam mit dem scharfen Dolch seine Wangen ritzen. Eine einzelne, blutige Träne quoll aus der Wunde hervor.
Rache.
Seine Zunge....sie schnitt sie heraus. Er gurgelte, krächzte, brüllte vor Agonie.
Innerlich zu Stein erstarrt machte sie weiter. Ließ die Waffe eine blutige Linie über seinen Leib zeichnen, ließ sie auf seinem Nabel liegen.
Dann stach sie zu.
Eimal.
Zweimal.
Dreimal.
Kalt starrte sie auf das verwüstete Gesicht ihres Opfers. Sein Blut besudelte die Fetzen, die sie trug. Der Dolch ihres Vater troff davon.
Rache...es erfüllte sie mit Befriedigung, ihn sterben zu sehen. Sie schämte sich dafür, aber die Freude überstieg diese Scham.
Sie hatten sie gefoltert, ihr die Zukunft geraubt.
Für das Kind hätte sie ihren verhassten Söldnerberuf aufgegeben, hätte aufgehört, irgendwelchen Mördern und Dieben nachzustellen.
Sie hätte sich niedergelassen und ein ruhiges Leben gelebt. Dem Kind zuliebe. Eine gute Mutter jagte keine Orks und Mörder.
Das Kind war alles gewesen, was ihr von Aragorn und der wunderbaren Zeit mit ihm geblieben war. Das einzig Schöne in dieser verhassten Welt, das einzige, das es wert war, geliebt zu werden.
Der Einäugige hatte mit seinem Blut bezahlen müssen.
Doch der Schmerz in ihr blieb.
Er sollte für immer bleiben.
******************************************** *******************************
Ob er sie hasste ?
Nachdenklich sah sie in seine Augen, die weit offen standen, aber leer waren.
Wenn ja, dann konnte sie es ihm nicht übel nehmen. Sie konnte es sogar gut verstehen. Aber es machte sie seltsam traurig.
Oxana wagte es nicht, sich zu bewegen.
Sein Herz schlug so langsam wie das Rawens.
Noch immer lag ihre Hand auf seiner Brust und sie hatte das seltsame Gefühl, mit jedem seiner Herzschläge in eine andere, fremde Welt einzusinken.
Eine Welt, in der Zeit keine wichtige Rolle spielte, in der es weder Eile noch Angst vor dem Alter gab, in der alles, was ihr so wichtig erschien, nicht weiter von Belang war.
Was hätte sie dafür gegeben, wenn tatsächlich elbisches Blut in ihren Adern pulsiert wäre!
Nicht nur, dass sie auf dem Schnee hätte gehen können und nicht gefroren hätte.
Sie hätte Hunderte, Tausende Jahre Zeit gehabt, um die Fehler ihrer Vergangenheit wieder gut zu machen! Vielleicht hätte sie sogar vergessen können....
Aber sie war sterblich. Sie würde weitermorden. Ein Teil von ihr würde immer nach Blut lechzen, für das, was damals geschehen war.
Oder wenigstens würde sie sich einreden, dass dies der Grund war.
"In Wahrheit", dachte sie schaudernd, "hast du damals ein Monster in dir geweckt, das nun längst außer Kontrolle geraten ist".
"Hast du gut geschlafen?"
Oxana zuckte zusammen. Seine Stimme klang sanft, sie spürte ein leichtes, angenehmes Vibrieren in seiner Brust, als er sprach.
"Du wärmst wie ein Ofen", grinste sie und hob den Kopf von der Schulter des Prinzen, um ihm voll ins Gesicht zu sehen.
"Ich habe mich die ganze Nacht nicht bewegt, aus Angst, dich wieder aufzuwecken. Dank dir habe ich jetzt einen steifen Nacken", beschwerte sich Legolas und streckte sich.
Sein Arm lag unter ihrem Hals.
Oxana versteifte sich ein wenig, spürte, wie ihr unwohl wurde.
Das hatte sie gar nicht bemerkt, als sie eben aufgewacht war.
Sofort ersann sie sich drei verschiedener Griffe, mit denen sie sich aus einem Würgegriff befreien konnte.
Nur falls er vorhatte, sie nicht mehr aufstehen zu lassen.
Was für ein dummer Gedanke! Falls er sie wirklich erwürgen wollte, hätte er es schon längst getan. Ihr Misstrauen begann ihr übertrieben zu scheinen. Aber sie konnte nichts dagegen tun- so war sie nun einmal.
"Ein steifer Nacken ist die mindeste Strafe die du dafür verdienst, mich in diese Hundskälte getrieben zu haben", murrte sie unberührt.
Der Elb ignorierte den Vorwurf und erkundigte sich stattdessen nach ihren Wunden.
Oxana horchte in sich hinein.
Da war zuallererst die gebrochene Rippe.
Im Laufe der Tage hatte sie sich an den ständigen, stechenden Schmerz gewöhnt. Gewisse Bewegungen hatte sie vermieden, um eine Verschlechterung der Wunde zu verhindern.
Heute allerdings hatte sich der Schmerz in ein dumpfes, fast angenehmes Pochen verwandelt.
Ihre Schulter tat auch nur dann mäßig weh, wenn sie bewegt wurde. Die Schwellungen in ihrem Gesicht waren größtenteils abgeklungen, die verbliebenen Kratzer und kleineren Wunden heilten langsam, aber gut.
Was ihr mehr zu schaffen machte, war die bittere Kälte.
"Nun, ich kann mich nicht beklagen- die Schmerzen sind erträglich", antwortete Oxana und setzte fort: "aber ob ich das Sarnirs Medizin zu verdanken habe oder wegen der Kälte nichts mehr spüre, kann ich nicht sagen. Ich freue mich, wenn wir diese Eiseskälte und diese unheimlichen Höhlen endlich hinter uns gelassen haben."
"Was in ungefähr zwei Tagen der Fall sein könnte, wenn wir uns beeilen", ergänzte Legolas aufmunternd, "denn weiter südlich beginnt der Schnee zu schmelzen und es wird leichter für uns sein, voranzukommen."
Zwei Tage noch durch den Schnee waten, ständig auf der Hut vor Überfällen sein müssen, fortwährende Kälte, Nässe, Wind.....nun, vielleicht hatte sie sich das alles auch selbst zu verdanken.
Hätte sie ihm im Lager die Namen der Blutjäger verraten, wäre alles wohl ganz anders gekommen.
Aber Rawen und Silaid verraten?
Nein, das konnte sie nicht tun.
"Vermisst du sie?", fragte Oxana unvermittelt, nachdem sie eine Weile geschwiegen hatten.
"Wen?"
"Nîthiel, wen denn sonst? Du machst nicht unbedingt den Eindruck, als ob du um sie trauern würdest."
Legolas sah sie verwirrt an. "Wieso sollte ich trauern? Sie ist doch nicht tot!"
"Und woher willst du das so genau wissen?" Oxana hob eine Augenbraue. "S p ü r e n Elben so etwas? Oder hat sie dich in deinen Träumen besucht? Zuzutrauen wäre es ihr ja..."-
-"Was hast du eigentlich gegen sie?", fuhr Legolas ärgerlich dazwischen.
Sie blinzelte ihn verwirrt an.
War das etwa eine ernsthafte Frage gewesen?
Ein finsteres Lächeln verformte ihre Lippen.
"Ach, Anfangs war sie mir einfach bloß unsympathisch. Aber jetzt...weißt du, ich habe allgemein etwas gegen Leute, die mir mit dem Tod drohen."
Legolas blieb für einige Sekunden der Atem weg.
"SIE HAT WAS?", keuchte er ungläubig und zog den Arm so jäh unter ihrem Kopf hervor, dass ihr Kopf hart gegen den Felsen prallte.
"Aua!", beklagte sich Oxana und rieb sich am Hinterkopf. Er murmelte eine hastige Entschuldigung.
Dann rückte er ein wenig von ihr fort und schüttelte energisch den Kopf.
"Sie würde so etwas nie tun! Das hat sie nicht nötig!." , behauptete er entschlossen.
Oxana lachte belustigt.
"Du hast offensichtlich keine Ahnung! Willst du wissen, was sie gesagt hat?"
Sie stand auf und wartete gar nicht erst eine Antwort ab.
"Sie verglich dich mit einem Stück Fleisch und meinte, sie würde dich schon weichkochen, sie habe lange genug darauf warten müssen, endlich mit dir zusammen zu sein."
"Unsinn!", begehrte Legolas heftig auf und seine Augen sprühten vor Empörung und Zorn, "Nîthiel ist eine ehrenhafte Frau! Solche Geschmacklosigkeiten passen nicht zu ihr!"
"Hältst du mich etwa für eine Lügnerin?!", fragte Oxana lauernd und durchbohrte ihn nahezu mit Blicken.
Legolas lachte leise. "Ich habe allen Grund dazu!"
Oxana spürte, wie ihr heiß wurde vor Zorn.
Und bevor sie es sich bewusst wurde, rutschte ihr heraus: "Sie ist eine böse Hexe, aber du scheinst es einfach nicht wahrhaben zu wollen! Hat sie deinen Bruder eigentlich genauso geschickt manipuliert wie dich?!"
Noch bevor sie ausgesprochen hatte, wusste sie, dass sie einen großen Fehler begangen hatte. Eigentlich sollte sie doch wissen, wie unangenehm es war, an solche Dinge erinnert zu werden.
Doch Legolas blieb ruhig.
Und genau diese Ruhe ließ sie nervös werden.
"Verzeih mir bitte", druckste sie, verärgert über ihre Unbeherrschtheit, aber nicht über das, was sie gesagt hatte. Es war ihr schon lange auf der Zunge gelegen, und nun war es endlich draußen. Bloß das mit seinem Bruder hätte sie nicht sagen sollen...
Sein leerer Blick behagte ihr nicht.
"Ich mag es nicht, wenn man mich eine Lügnerin nennt", murrte sie rechtfertigend.
Legolas atmete tief durch und stand auf.
"Es wäre nicht das erste Mal, dass du mich belügst", meinte er traurig.
"DAS STIMMT NICHT!".
Sie erschrak über den verzweifelten Klang ihrer Stimme, doch dachte nicht weiter darüber nach, sondern sprach eilig :
"Ich habe dir vielleicht vieles verschwiegen, aber b e l o g e n habe ich dich nie!"
"Ich würde dir gerne glauben", seufzte Legolas mit einem milden Lächeln, "bloß fällt es mir schwer, nachdem, was geschehen ist. Das verstehst du sicher. Es kann sein, dass ich dir einmal vertrauen werde- aber so etwas braucht Zeit."
Sie starrte ihn an.
Um ein Haar hätte sie geredet.
Ihm von Rawen und Silaid erzählt.
Sie schluckte hart. Wenn er sich erwartete, ihr so ihr Geheimnis entlocken zu können, hatte er sich geschnitten!
Die eisige Kälte war ihr bereits wieder in den Körper gefahren.
Mit geröteten Fingern griff sie nach der Decke, auf der sie gesessen hatten und faltete sie. Sie hörte Legolas seufzen. Doch drehte sie sich nicht um.
Wenn er ihr nicht glauben wollte, dann bitte! Wenn er es vorzog, sein Leben an der Seite dieser falschen Schlange zu verbringen- sollte er doch! Sie würde ihn nicht davon abhalten.
Aus dem hintersten Winkel des Felsenvorsprungs drangen müde Stimmen und leises Gähnen.
Mit ihrer Zankerei hatten sie die anderen aus dem Schlaf gerissen.
Es ohnehin Zeit, sich wieder auf den Weg zu machen.
"Was tue ich hier eigentlich?", murmelte sie kopfschüttelnd. Es war doch wirklich absurd. Noch letzte Woche hätte sie nie im Leben geahnt, all dies hier zu erleben.
"Vielleicht deine Schuld abbüßen", meinte Legolas. Doch bevor sie sich verwirrt zu ihm umdrehen hätte können, hatte er ihr die Decke abgenommen und ging damit schnell in die Höhle zu den anderen.
*********************** ****************************************************
Dass zwischen den beiden elbischen Reisemitgliedern der Gruppe etwas nicht stimmte, wurde im Laufe des folgenden Tages offensichtlich.
Oxana bemerkte es wohl als erste, denn sie behielt Sarnir an diesem Tag besonders scharf im Auge.
Teils aus schlechtem Gewissen, teils aus einer dumpfen Vorahnung heraus.
Männer, die von einer Frau abgewiesen wurden, sehen darin nur zu oft eine Kränkung ihrer Ehre und reagieren oft extrem darauf.
Von solchen Dingen konnte sie aus Erfahrung sprechen.
Der dunkelhaarige Elb wich ihren Blicken aus, schien aber zu wissen, dass sie ihn heimlich beobachtete.
Trotzdem war es ihm unschwer anzukennen, dass er nicht gut aufgelegt war.
Er wechselte kaum ein Wort mit den anderen, selbst Colen war heute gesprächiger als er- was einiges heißen mochte.
Oxana unterhielt sich eine Weile mit dem Rohir und entdeckte, dass sie dieselbe Meinung teilten, was Elben und deren Abneigung gegen rotes Fleisch anging.
Darüber hinaus hatte Colen seine Kindheit, wie sie, in Edoras zugebracht.
Ihren Vaterkannte er nur vom Hörensagen, von dem Rest ihrer Familie und gar von ihr wusste er- zum Glück- nichts.
Es war Mittag, sie machten eine kurze Rast, um ihren Hunger und Durst zu stillen und etwas Atem zu schöpfen. Sarnir war auf die hohen Felsen zu ihrer Linken geklettert, von denen er einen Ausblick über das gesamte Tal hatte.
Er wollte sehen, wie lang der Weg war, der noch vor ihnen lag
Die anderen saßen oder standen am Ufer des kleinen Flusses im Schnee und labten sich an ihren Vorräten.
Während Oxana sich zum Wasser hinunterbeugte, um etwas davon zu trinken, fiel ihr wieder ein, wie ihr Vater vor vielen Jahren einen Nachbarn um ein Haar bewusstlos geschlagen hatte.
Der Mann hatte die Waffen, die der Vater für die Wachen anfertigen lassen hatte, als "Schrott" beschrieben.
Ein Waffenmeister wie ihr Vater hatte so etwas nicht klaglos auf sich sitzen lassen können. Sie grinste. Ihr Temperament kam wohl von der väterlichen Seite.
"Und wie hast du heute Nacht geschlafen?"
Obhart tauchte seinen Wasserschlauch tief ins eiskalte Wasser und beobachtete scheinbar gefesselt die kleinen Luftbläschen, die dabei an die Oberfläche stiegen.
"Sehr gut", murmelte Oxana noch immer in Gedanken versunken.
"War dir auch schön warm?"
Erst jetzt bemerkte sie den anzüglichen Unterton in der Stimme des Schiffführers.
Sie nahm einen kräftigen Schluck und antwortete genervt: "Ob du es glaubst oder nicht, aber es gibt Leute, die ihre Verbündeten nicht einfach Nachts erfrieren lassen."
"Ich bezweifle, dass er MICH an ihn hätte kuscheln lassen", spottete Obhart.
Sie drehte das Gesicht wieder weg und sagte laut: "Keine Angst, es gibt keinen Grund zur Eifersucht, ich nehme dir deinen Prinzen schon nicht weg..." Sie grinste breit.
"Man sollte dir deine spitze Zunge rausschneiden und um den Hals wickeln, weißt du das?", knurrte Obhart, dessen Blick plötzlich nervös zu Legolas und Colen hinüberschweifte, die sich das Lachen nur noch mühsam verkneifen konnten.
"Versuch es und du darfst mit den Konsequenzen und einigen Körperteilen weniger weiterleben", zischte Oxana, stand auf und streifte dabei wie beiläufig das Schwert an ihrer Hüfte.
Es war schwer festzustellen, ob sie ihre Worte ernst gemeint hatte oder nicht.
Obhart erbleichte. "Verfluchtes Mannsweib!", schimpfte er leise.
Colen begann leise vor sich hinzulachen, während Legolas den Blick die Felswand zu ihrer Linken hinaufschweifen ließ.
"Kannst du Sarnir sehen?", rief sie ihm zu.
Legolas schüttelte den Kopf.
"Dabei müsste er schon längst wieder hier sein! Ich werde ihn holen gehen, wir können es uns nicht leisten, länger als unbedingt nötig hier zu bleiben."
"Du könntest doch auch nach ihm rufen", meinte Oxana.
"Und riskieren, dass wir unter einer Lawine vergraben werden?" Legolas schüttelte den Kopf.
"Sag den anderen, dass ich gleich zurück bin."
Er ging über den Schnee und lief mühelos den Steilhang bis zu den ersten Felsen hinauf.
Bei jenen angelangt, kletterte er flink und geschmeidig daran empor, ohne auch nur einmal einen Zwischenstopp einzulegen. Wohin auch immer er seine Hände legte, fand er Halt, griff niemals ins Leere oder rutschte gar ab.
"Faszinierend, nicht wahr? Es ist eine Freude, ihnen dabei zuzusehen", meinte Colen, während er ein Stück würziges Dörrfleisch und etwas hartes Brot verzehrte.
Der Rohir reichte ihr kaum über die Schultern, was eigentlich sehr ungewöhnlich war. Im Allgemeinen bezeichnete man die Rohirrim nämlich als großes, stolzes Volk
Colen hatte behauptet, das Alter habe ihn gebeugt und er wäre früher viel größer gewesen, mindestens so groß wie sie.
Oxana tat so, als glaubte sie ihm. Es war nicht das erste Mal, dass ein Mann sich ihr wegen ihrer Körpergröße unterlegen fühlte.
Sie zuckte mit den Achseln. "Hätten WIR ein paar Zeitalter zur Verfügung, würden wir so etwas auch können", und meinte damit das sterbliche Volk Mittelerdes.
Colen lachte leise.
Sie zog eine Braue hoch und sah ihn an. "Worüber lacht Ihr?"
Der Alte schmunzelte und machte eine Kopfbewegung zur Felswand hin. Legolas hatte sich dem Felsen, hinter dem Sarnir verschwunden war, beachtlich genähert.
"Ich finde es bloß amüsant, wie Ihr versucht, Euch zu verstellen."
"Verstellen? Inwiefern?"
Colen grinste breit, zwei Zahnlücken enthüllend. "Wenn man nicht genau hinsieht, merkt man fast nicht, wie sehr Ihr ihn mögt."
"Wen?" Natürlich wusste sie, wen er meinte. Aber im Moment wollte es ihr einfach nicht in den Sinn kommen.
"Unseren Prinzen, natürlich."
"Das ist doch.."- Sie schnappte aufgebracht nach Luft- "Kaum öffnet Ihr den Mund, fängt Ihr an, Unsinn daherzureden!"
Colen lächelte versonnen.
"Regt Euch nicht auf meine Liebe, und versucht es nur ja nicht abzustreiten! Meine Augen sind vielleicht vom Alter getrübt, aber mein Herz sieht nach all der Zeit umso klarer."
Was sollte das nun schon wieder heißen?!
"Ich werde Euch Euer Herz rausschneiden, und Eure Augen auch, wenn Ihr es wagen solltet, einem der anderen oder gar dem Prinzen diese Ungeheuerlichkeit weiterzusagen!"
"Dann stimmt es also?"
Sein Blick schien plötzlich geradewegs in ihren Denkbereich eindringen zu können. Sie errötete.
"NEIN!"
"Warum regt Ihr euch dann so auf?"
"Weil..weil.."-
-"Ja?"
"Ach, das ist doch lächerlich! Ich lasse mich doch nicht von einem senilen Greis ärgern!", fuhr sie ihn zornig an und stapfte mühsam durch den Schnee davon.
"Keine Angst, Euer Geheimnis ist gut aufgehoben bei mir!", rief ihr der Alte heiter nach.
"Alter Esel", zischte Oxana und setzte sich auf einen niedrigen Felsen, weitab von den beiden anderen, wo sie auf die Rückkehr der beiden Elben wartete.
************************************ **************************************
Sarnir und Legolas stiegen nacheinander die Felswand herab. Sie sahen beide drein wie zehn Tage Regenwetter.
Schlechte Laune war etwas, was auf elbischen Gesichtern nicht allzu oft zu lesen war. Deswegen erschraken die drei anderen Reisegefährten auch dementsprechend und eilten ihnen besorgt entgegen.
"Was ist passiert?! Habt ihr etwas gesehen? Trolle? Blutjäger?"
Obhart hielt atemlos vor dem Prinzen und wartete auf eine Antwort. Oxana und Colen stellten neben ihn.
Legolas schüttelte den Kopf.
"Es ist alles in Ordnung. Wir werden noch vor Sonnenuntergang das Tal verlassen und den Gebirgspfad erreichen. Der Zwischenfall mit den Trollen hat und zwar ein wenig in der Zeit zurückgeworfen, aber wir werden noch vor den Blutjägern auf den Pfad gelangen und sie dort auflauern. Es ist alles..." -
Er drehte sich zu Sarnir um, "- ...in bester Ordnung."
Die Art, auf die er die letzten Worte aussprach, gefiel Oxana ganz und gar nicht.
Auch Obhart und Colen schienen zu wittern, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.
Alarmiert bemerkte sie, dass Sarnirs Auge geschwollen war. Hinzu gesellte sich ein äußerst misslaunischer Gesichtsausdruck, der von unterdrücktem Zorn und Wut zeugte.
Hatten sich die beiden etwa geschlagen??
Legolas ging wortlos an ihnen vorbei. Als sie Sarnir eine entsprechende Frage stellen wollte, drehte dieser gereizt den Kopf weg und folgte schnell dem Prinzen.
Oxana fluchte leise und arbeitete sich hinter ihnen durch den Schnee.
In der Dämmerung erreichte die kleine Gruppe das Ende der Schlucht.
Es war enger als der Teil, den sie bisher durchwandert hatten. Der breite Bach bog kurz vor dem Ende des Klammes zur Seite und verschwand in einer niedrigen Höhle.
Danach wuchsen die steilen Felswände zu einem Spalt zusammen, der gerade breit genug war, um einen von ihnen Durchlass zu gewähren.
Als sie sich, einer nach dem anderen, hindurchgequetscht hatten, sahen sie sich einem leicht abfallenden Geröllhang gegenüber, der direkt auf einen schmalen Gebirgspfad hinabführte.
Auf der anderen Seite des Pfades führte eine Steinwand viele Schritte senkrecht in die Tiefe.
Erleichtert ließ Oxana sich auf den Boden fallen und genoss es, ihre schmerzenden Beine zu entlasten. Als sie aufsah, besserte sich ihre Laune augenblicklich. Anstatt kahler, schneebedeckter Gipfel erstreckte sich eine Landschaft aus riesigen, dunkelgrüner Hügel und tiefer Täler vor ihnen.
Weit im Süden sah sie die Ausläufer des Ered Nimrais. Irgendwo dort, hinter einem dieser von Tannen und Fichten bewachsenen Hügeln befand sich Erech.
Alsbald sie die bedrückende Enge der Schlucht verlassen hatte, fühlte sie sich sonderbar leicht und beschwingt. Gut gelaunt folgte sie den vier anderen den steilen Abhang bis zum Pfad hinunter.
Es tat gut, endlich wieder ein Ziel vor Augen zu haben.
Der Pass schlängelte sich auf gefährlichen Gräten und eingesäumt von tiefen Schluchten in die fruchtbaren Gebiete hinunter.
Sie setzten sich hin, erschöpft, aber gleichzeitig befreit und von neuer Hoffnung erfüllt.
"Sie werden bald hier vorbeikommen", erklärte Legolas, "kurz vor Sonnenuntergang."
"Und woher weißt du das?", erkundigte sich Oxana.
"Ich rieche es", antwortete der Elb kurz.
Nun gut, das hieß, wenn der Wind drehte, würde Rawen ebenso "Wind" von ihrer Anwesenheit bekommen. Oxana wurde mulmig zumute.
Es war nicht gut, diese Elbe zum Feind zu haben.
Und dieser Pfad....Oxana spähte misstrauisch zum Abgrund auf der anderen Seite hin.....auch der gefiel ihr ganz und gar nicht.
"Und du bist dir sicher, dass dies hier der beste Ort für einen Hinterhalt ist?", fragte sie skeptisch, "du bist dir hoffentlich darüber bewusst, dass unser Leben in deinen Händen liegt!"
Legolas nickte. "Bin ich."
Er räusperte sich. "Zumindest wüsste ich keinen besseren".
Oh, sehr ermutigend.
Nun, wenigstens würden die Blutjäger nie damit rechnen, ausgerechnet HIER angegriffen zu werden.
Legolas lächelte aufmunternd.
"Ach zieht doch nicht solche Gesichter! Wir werden das schon schaffen! Alleine schon deswegen, weil wir es müssen."
Oxana zog eine Braue hoch. Er schien nicht sehr geschickt darin zu sein, in solchen Momenten die richtigen Worte zu finden.
"Wir könnten Steine auf sie herabrollen", schlug Colen vor, "wir sollten jeden Vorteil nutzen, der sich uns bietet. Sie werden uns nichts schenken." Die anderen sahen ihn bewundernd an. Der Alte schien doch zu etwas Nütze zu sein, dachte Oxana beeindruckt.
"Gut, so machen wir es", nickte Legolas, "es ist zwar nicht die ritterliche Art, einen Feind den Abgrund hinabzuschubsen, aber Colen hat Recht. Wir sind in der Unterzahl. Versucht so viele wie möglich aus der Entfernung zu töten. Lasst euch nur im Notfall auf einen direkten Kampf ein."
Er lächelte zuversichtlich. "Ich vertraue auf eure Erfahrung".
"Und auf unser Glück", murmelte Oxana düster zu sich selbst.
Sarnir, Legolas und Obhart kletterten auf den Steilhang auf der einen Seite des Pfades und begannen oben, möglichst viele Felsbrocken zusammenzuschieben, die sich den Hang hinunterrollen ließen.
Obhart und Legolas, die Stärksten der Gruppe, blieben oben, um sie Steine in Bewegung zu setzen.
Sarnir verbarg sich ganz in ihrer Nähe hinter einem Felsen und begann, seinen Bogen und seine Pfeile zu überprüfen.
Hinter einem Felsen etwas unterhalb von Sarnirs Versteck duckten sich Colen und Oxana hinter einigen Steinen.
"Wieviele waren es noch mal?", flüsterte sie dem Rohir zu und begann ihre Waffen zu überprüfen.
"Dreißig, glaube ich", antwortete Colen ebenso leise.
Sie schluckte.
Fünf gegen dreißig.
Sie rechnete.
Ihre Chancen standen folglich 1:6 für einen Sieg ihrerseits. Hervorragend. Genau das war eine der Situationen, in die sie nie in ihrem Leben hatte gelangen wollen.
Ihre Hand strich über den Schwertgriff, den Dolch und die Armbrustbolzen an ihrem Gürtel. Sie zog einen der Bolzen, löste die Armbrust von ihrem Rücken und spannte ihn bedächtig ein.
Sie warteten beinahe zwei Stunden, ohne viel zu sprechen, ohne sich allzu sehr zu bewegen.
Oxanas Nerven waren zum Zerreißen angespannt.
Ihr Rücken schmerzte, denn sie saß in einer etwas unbequemen Pose, kam aber nicht auf den Gedanken, sich anders hinzusetzen. Ihre Konzentration galt dem bevorstehenden Kampf. Sie sah zu Sarnir hinauf, konnte ihn aber nicht sehen.
Obhart und Legolas hockten scheinbar ruhig nebeneinander und starrten auf den Pass hinunter.
Die Anwesenheit des Elben beruhigte sie ein wenig. Er hatte sie bisher zwar nicht aus jeder, aber immerhin schon aus vielen unangenehmen Situationen geholt.
Zwar stritten sie nur allzu oft, aber wenn es darauf ankam wusste sie, dass sie sich auf ihn verlassen konnte.
Nervös leckte sie sich über die vor Kälte aufgesprungenen Lippen.
Dann hörte sie erste Stimmen in der Ferne.
Sie waren da. Der Kampf begann.
************************************** ************************************
N a c h w o r t :
HaaHa! ®Bart Simpson ;-)
Bitte NUR gute Kritik! * g * Das Kap war sehr hart zu schreiben! Hoffentlich wars wenigstens ein bisschen tiefgründig *seufz * . Ich kann sowas nicht so gut. conna
