Hallo liebe Leser – jetzt geht's weiter. Das Kapitel ist sehr lang geworden und trotzdem hat Snape noch keine einzige Erinnerung zurück. Malfoy ist schuld – der hat einfach zu viel gequasselt. ;)
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Kapitel 21 – Bedingungen
Sullivan sah kurz von der auf dem Tisch ausgebreiteten Zeitung auf, als Tamara die Küche betrat. Über eine schmale Lesebrille hinweg, die tief auf seiner Nase saß, taxierte er seine Schülerin. „Draußen sind Todesser", sagte er statt einer Begrüßung, „ich will deinen Hintern nicht vor der Türe sehen."
„Ich wünsche dir auch einen wunderschönen guten Morgen, David", entgegnete Tamara und wandte sich der Kaffeekanne zu, die frisch gefüllt bereitstand. „Und mir geht's gut, nett dass du fragst."
„Wie sollte es dir auch anders gehen, nach einer Nacht mit deinem Herzallerliebsten?", murmelte Sullivan, der sich wieder in den Tagespropheten vertieft hatte, ohne von selbigem aufzusehen.
Nachdem Tamara sich Kaffee eingeschenkt und zwei Scheiben Toast mit Butter und Marmelade bestrichen hatte, setzte sie sich zu Sullivan an den Tisch.
„David?", sagte sie, nachdem sie ihr Frühstück verspeist hatte.
„Was?", brummte er unfreundlich.
„Wirst du mich eigentlich weiter unterrichten?", fragte Tamara.
„Natürlich!", kam es unverändert brummig zurück.
Tamara lehnte sich im Stuhl zurück und sah ihren Meister zweifelnd an. „Und werde ich das auch überleben?"
Endlich hob er den Kopf, nahm die Brille ab und sah sie an.
„Wenn du hart im Nehmen bist, stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht", gab er bissig zurück, aber seine Mundwinkel zuckten wenigstens ein bisschen.
„Das beruhigt mich wirklich ungemein", seufzte Tamara. „Ich hatte schon befürchtet, du würdest meine Ausbildung abbrechen, nachdem ich... wie war noch mal dein Originaltext... so dämlich war, mich von Malfoy entführen zu lassen."
„Es wäre doch unverantwortlich von mir, dich in diesem dämlichen Zustand zu belassen", meinte Sullivan süffisant. „Aber eines muss dir klar sein, was deine Ausbildung betrifft – ich werde mir dabei nicht im Geringsten von Snape dreinreden lassen, zum Beispiel, wenn ihm meine Lehrmethoden nicht gefallen sollten."
„Ich befürchte, deine Lehrmethoden liegen ganz auf seiner Linie", seufzte Tamara.
„Grundsätzlich vielleicht schon", sagte Sullivan abschätzig, „aber wenn er nicht derjenige ist, der sie ausführt, kann das ganz anders aussehen. Wo ist er eigentlich abgeblieben, dein Angebeteter? Schläft er noch?"
„Er wollte nach Mrs. Malfoy und ihrem Sohn sehen", antwortete Tamara.
„Narzissa war vorhin schon kurz hier", berichtete Sullivan. „Ich habe ihr ein Tablett mit Frühstück mitgegeben, da der hochwohlgeborene ‚Mister Malfoy junior' es vorgezogen hat, oben zu bleiben und sich nicht unters gemeine Volk zu mischen."
Tamara lächelte und nickte verständnisvoll. „Du magst Mrs. Malfoy, nicht wahr?"
„Ja, ich mag sie", gab Sullivan unumwunden zu. „Sie war meine Schülerin, als ich noch in Hogwarts unterrichtet habe – eine sehr angenehme, interessierte und intelligente Schülerin."
„Nicht so eine undisziplinierte Chaotin wie ich?"
„Richtig!", sagte Sullivan gnadenlos.
„Wirst du eigentlich jemals wieder nett zu mir sein, David?", fragte Tamara und seufzte herzergreifend.
Sullivan sah sie ein eine Weile nachdenklich an. „Hm... ja...", meinte er dann und verzog das Gesicht zu einem sarkastischen Lächeln, „wenn du Snape in die Wüste schickst, mache ich eine Flasche Champagner mit dir auf."
„Toll...", schnaubte Tamara und verdrehte die Augen. Kurz darauf wurde ihre Miene jedoch ernst. „Du fehlst mir, David", sagte sie leise. „Deine Freundschaft fehlt mir. Du bist in letzter Zeit... und ganz besonders, seit Severus hier ist, nur noch sauer auf mich. Ich würde das gerne wieder... in Ordnung bringen."
„Man kann nicht alles haben, Tamara", entgegnete Sullivan ebenso ernst.
„Heißt das, dass du nicht mehr mein Freund sein kannst...? Weil ich Severus liebe?", fragte Tamara bestürzt. Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Augen dabei feucht wurden.
„Das heißt, dass ich das, was ich für dich empfinde, derzeit nicht auf eine Freundschaft reduzieren kann", sagte Sullivan tonlos, „und darum werde ich solange Abstand halten, bis ich es wieder kann."
Tamara sah ihn erschüttert an.
Sullivan beendete die Situation, indem er die Zeitung zusammenlegte, vom Tisch aufstand und seine Tasse in die Spüle stellte. Tamara hatte sich ebenfalls erhoben, war zögerlich ein paar Schritte hinter ihm her gegangen und starrte nun auf seinen Rücken.
„Kannst du mich wenigstens noch einmal in den Arm nehmen, bevor du wieder auf Abstand gehst", fragte sie kläglich.
Sullivan fuhr herum. „Bist du heute Nacht etwa nicht genug umarmt worden?", herrschte er sie an.
„Doch – aber das ist etwas anderes", verteidigte sich Tamara. Obwohl Sullivans Gesichtsausdruck eher dazu geeignet war, jemanden in die Flucht zu schlagen, trat sie näher an ihn heran und ließ ihre Stirn an seine Brust sinken. „Bitte, David..."
Einige Sekunden lang blieb Sullivan regungslos stehen und Tamara rechnete jeden Moment damit, dass er sie zurückstoßen würde. Als er sie endlich in die Arme nahm und an sich zog, schluchzte sie leise vor Erleichterung. „Es tut mir leid...", flüsterte sie.
„Ich will dein Mitleid nicht", knurrte Sullivan, aber er hielt sie weiterhin fest.
„Ich weiß..." Tamara schlang ihre Arme um seine Taille und presste ihre Wange an seine Brust. Erst jetzt wurde ihr richtig bewusst, wie sehr sie seine Nähe vermisst hatte. David war der Mann, der ihr geholfen hatte, die letzten Jahre zu überstehen. Er war ihr bester Freund, ihr Ersatzvater, ihr Fels in der Brandung, er hatte sie aufgefangen, wenn sie zu verzweifeln drohte, und dafür gesorgt, dass sie den Mut nicht verlor. Bei ihm war sie zuhause, vielleicht sogar mehr, als sie es bei ihrer Familie jemals gewesen war.... und so seltsam das in Anbetracht ihres nicht mehr gerade jugendlichen Alters anmutete – sie fühlte sich, wie ein Vogel, der gerade aus dem Nest geschubst worden war. Auch wenn da draußen ein aufregendes Leben mit Severus auf sie wartete – im Moment empfand sie nur den Schmerz des Verlustes. „Ich liebe dich, David", sagte sie mit genau diesem Gefühl in der Stimme, „nicht so, wie du es dir vielleicht wünscht und ganz bestimmt nicht so, wie du es verdient hättest, aber ich liebe dich."
Zuerst erstarrte er, dann packte er sie bei den Schultern und schob sie von sich weg.
„Geh!", sagte er grob. „Verschwinde! Geh rauf zu Severus, damit du deine Prioritäten wieder auf die Reihe kriegst."
Tamara schnappte nach Luft, aber sie brachte kein Wort heraus. Eine unsichtbare Hand schien gerade dabei zu sein, ihre Eingeweide zu verknoten.
„Geh endlich!", herrschte Sullivan sie an, aber seine Stimme klang seltsam brüchig.
Auch nachdem sie erkannt hatte, dass er mühsam um seine Fassung rang, brachte Tamara es nicht fertig, sich zu bewegen und ihn alleine zu lassen. Als er seine Hand hob, weiteten sich ihre Augen... bis sie ihre Wange berührte und mit unverhoffter Zärtlichkeit darüber strich.
„Geh!", sagte er noch einmal leise, aber diesmal klang es wie eine Bitte.
Tamara sah ihn noch ein paar Sekunden lang verzweifelt an, aber bevor ihre Augen überlaufen konnten, drehte sie sich um und ging. An der Tür warf sie Sullivan noch einmal einen Blick zu, aber er hatte sich bereits abgewandt. Beide Hände auf der Arbeitsplatte abgestützt und mit gesenktem Kopf stand er bewegungslos da.
Tamara verließ fluchtartig den Raum und war schon halb auf dem Weg nach draußen, als ihr einfiel, dass David ihr wegen der Todesser untersagt hatte, hinauszugehen. Sie machte kehrt und stürmte durch den Flur zurück und die Treppe hinauf. Sie musste unbedingt einen Augenblick allein sein – Severus war bei den Malfoys, also würde sie in ihrem Zimmer die nötige Ruhe finden, um sich wieder zu fassen.
Sie hatte den obersten Treppenabsatz fast erreicht, als Snape die Tür des Gästezimmers hinter sich schloss und auf die Treppe zukam. Tamara drehte den Kopf weg, aber es war zu spät.
„Was ist los?", fragte er und vereitelte ihren Versuch, sich einfach an ihm vorbei zu drücken, indem er sie am Arm festhielt.
„Nichts", murmelte sie, ohne ihn anzusehen.
„Hm...", machte Snape skeptisch. „Sullivan?"
„Es ist nichts", sagte Tamara. „Ich will nur einen Augenblick alleine sein, das ist alles."
„Was hat er dir angetan?"
„Nichts!", schnaubte Tamara.
„Muss ich ihn umbringen, oder reicht es, wenn ich ihn verprügle?", fragte Snape sarkastisch.
„Lass ihn einfach in Ruhe", zischte Tamara ihn an, „und lass MICH in Ruhe...", als ihr bewusst wurde, was sie eben gesagt hatte, hob sie den Kopf und sah ihn an, trotzdem ihre Augen noch immer unter Wasser standen. „Bitte Severus... nur einen Moment..."
Der Blick, mit dem Snape sie ansah war unergründlich, aber schließlich nickte er, ließ ihren Arm los und stieg ohne ein weiteres Wort die Treppe hinunter.
Tamara sah ihm nach und stöhnte leise, als sie erkannte, dass er wohl vorhatte, in die Küche zu gehen. Der Gedanke, dass er und David sich gleich gegenüberstehen würden, war alles andere als beruhigend... aber nicht halb so beängstigend, wie die Vorstellung selbst dabei sein zu müssen. Eiligen Schrittes ging sie zu ihrem Zimmer, stürzte hinein und schlug die Tür hinter sich zu.
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Als Snape die Küche betrat, drehte Sullivan sich um. Einen Augenblick lang war ihm anzusehen, dass er alles andere als erfreut darüber war, schon wieder durch die Anwesenheit eines anderen behelligt zu werden, dann gewann sein Gesichtsausdruck die professionelle Neutralität zurück, mit der er seit Tagen die mehr oder weniger unerwünschten Besucher in seinem Haus ertrug.
Snape nickte dem Hausherrn zu, nahm sich Kaffee und setzte sich an den Tisch.
„Möchtest du Frühstück?", fragte Sullivan. Seine Stimme klang müde.
„Gerne", antwortete Snape steif. Auch wenn er hier kein Gefangener mehr war – als Gast fühlte er sich ebenfalls sehr unwohl. „Aber mach dir keine Umstände – ich kann mich auch selbst bedienen... natürlich nur, wenn dir das recht ist."
„Bitte...", sagte Sullivan und machte einen einladende Bewegung in Richtung des Herds, neben dem noch immer sämtliche Utensilien standen, die er vorhin für das Frühstück der Malfoys herausgeräumt hatte.
Snape stand auf, griff sich die Pfanne und bereitete sich Rühreier mit Speck und dazu Toast. Sullivan beobachtete die knappen präzisen Bewegungen des Tränkemeisters, der es für überflüssig zu halten schien, einen Zauber für so einfache Verrichtungen zu verwenden.
„Wie geht es Narzissa... und Mister Malfoy junior?", fragte er, sich daran erinnernd, dass Snape gerade bei den beiden gewesen war. Seine ehemalige Schülerin hatte sich nichts anmerken lassen, als sie vorhin bei ihm in der Küche gewesen war, aber er war sicher, dass sie erheblich in Sorge um ihren Mann war.
„Den Umständen entsprechend", antwortete Snape, während er die fertigen Eier auf einen Teller schaufelte und die gebutterten Toastscheiben dazu legte. „Natürlich ist sie unruhig, weil Lucius noch nicht zurück ist, aber sie hält sich gut... schließlich ist sie Kummer gewöhnt." Er kehrte mit dem Teller in der Hand zum Tisch zurück und setzte sich. „Draco ist... na ja, wie immer... ein hochnäsiger Tropf, zumindest nach außen hin, aber auch er hat Angst um seinen Vater", sagte er, bevor er begann, sein Frühstück zu verspeisen.
Sullivan nickte und eine Weile herrschte Schweigen zwischen den beiden Männern, bis Snape seinen Teller leer gegessen hatte und wieder das Wort ergriff. „Was hast du mit Tamara angestellt?", fragte er in einem fast verdächtig neutralen Ton.
„Nichts, was dich etwas angehen würde", erwiderte Sullivan barsch.
Snape zeigte sich wenig beeindruckt und erwiderte den warnenden Blick des Älteren mit aufreizender Gelassenheit. „Ich möchte eines klarstellen, David", sagte er ruhig, sich im Stuhl zurücklehnend und mit den Fingern nachdenklich über den Henkel der Kaffeetasse streichend, „wenn du mit mir etwas auszutragen hast, dann tu es auch direkt mit mir und nicht über Tamara."
„Darauf kannst du Gift nehmen", schnaubte Sullivan. „Warum fragst du überhaupt? Was hat sie dir erzählt?"
„Nichts!"
Sullivan taxierte Snape einen Moment lang, als ob er den Wahrheitsgehalt dieser Antwort überprüfen wollte. „Tamara ist meine Schülerin", sagte er dann. „Ich werde sie weiter unterrichten und – das sollten wir auch klarstellen - DU wirst dich dabei nicht einmischen."
„Das habe ich nicht vor", entgegnete Snape, „es sei denn, ich käme zu dem Schluss, dass du sie unnötig quälst."
„Die Meinungen darüber, ab wann eine Maßnahme unnötige Quälerei ist gehen oft ziemlich auseinander", sagte Sullivan und zog die Augenbrauen hoch.
„Meine Toleranzgrenze diesbezüglich ist relativ weitgesteckt", entgegnete Snape, der im Gegensatz zu seinem eindeutig gereizten Gesprächspartner noch immer ganz gelassen erschien.
„Davon habe ich gehört", sagte Sullivan. „Du scheinst geradezu berüchtigt zu sein, für deine ... sagen wir einmal unkonventionellen Lehrmethoden."
Snape zuckte die Schultern. „Sie wirken", sagte er trocken, „und darauf kommt es letztendlich an."
„Schön – dann lass meine Methoden bei Tamara wirken", brummte Sullivan unfreundlich.
Snape verzichtete auf eine Antwort und trank seinen Kaffee aus. Als er danach das Geschirr zur Spüle trug, um es zusammen mit der Pfanne einer magischen Reinigung zu unterziehen, erklang das Alarmsignal, das einen per Portschlüssel angereisten Besucher ankündigte.
„Endlich!", entfuhr es Snape und erst jetzt wurde Sullivan bewusst, wie sehr der äußerlich so gefasst wirkende Mann sich um seinen Freund gesorgt haben musste.
Zusammen eilten sie durch die Hintertür hinaus in den Garten und Sullivan befreite den Ankömmling aus dem Gestrüpp, das sich auf einen Zauberspruch hin bereitwillig teilte.
Malfoy versuchte sich kerzengerade zu halten, als er auf die beiden zuging, aber es war ihm anzumerken, dass er Schmerzen hatte und eine nicht zu übersehende Blutspur zog sich über seine Schläfe herunter bis zum Hals, wo sie unter dem Kragen seiner noch immer elegant wirkenden, aber nun an einigen Stellen ramponierten Jacke verschwand.
„Lucius!", sagte Snape leise und schloss den Blonden zu Sullivans Verwunderung kurz in die Arme, bevor er ihn von sich weg schob, um die Verletzung näher in Augenschein zu nehmen.
„Das ist nur ein Kratzer", murmelte Malfoy, aber sein bleiches, abgekämpftes Gesicht, schien das Gegenteil zu beweisen.
„Gehen wir ins Haus, um Ihren Kratzer zu verarzten", sagte Sullivan und wies mit einer einladenden Geste auf die offene Tür.
In der Küche angekommen nötigte Snape Malfoy, sich auf einen der Stühle zu setzen und besah sich zusammen mit Sullivan die Verletzung.
„Kein schwarzer Fluch", sagte der nach einer eingehenden Untersuchung.
Snape nickte beifällig. „Zum Glück." Er zog den von Voldemort erbeuteten Zauberstab in der Absicht, die Wunde zu heilen, aber Malfoy zuckte merklich zurück.
„Bist du sicher, dass du damit kein Unheil anrichtest?", fragte er misstrauisch.
„Ja, aber wenn es dir lieber ist, kann ich das auch den sicherlich kompetenten Händen unseres Gastgebers überlassen", sagte Snape spitz.
„Toll – ich hab also die Wahl zwischen Pest und Cholera", maulte Malfoy und verdrehte die Augen.
Sullivan schnaubte ungeduldig.
„Soll ich Narzissa holen, damit sie dich zusammen flickt?", fragte Snape den unentschlossen dreinblickenden Malfoy.
„Nein! Ich will sie nicht erschrecken", seufzte der. „Fang schon an."
„Was ist passiert?", fragte Sullivan, während Snape die nötigen Zaubersprüche murmelte.
„Ich hatte einen Zusammenstoß mit alten Freunden", knurrte Malfoy.
„Wo?", erkundigte sich Snape.
„In meinem Haus."
„Du warst in deinem Haus?", fragte Snape aufgebracht und vergaß darüber den Heilzauber, den er gerade hatte vornehmen wollen.
„Ja! Und?", blaffte Malfoy zurück.
„Ich hatte Sie nicht für einen Idioten gehalten", bemerkte Sullivan trocken. „Eventuell sollte ich diese Einschätzung noch einmal überdenken..."
Malfoys Kopf ruckte herum, was dem nun wieder mit der Heilung der blutenden Wunde befassten Tränkemeister ein leises Fluchen entlockte. „Halt gefälligst still", knurrte er, bevor er den Zauber, der eben unnütz auf Malfoys Hinterkopf getroffen war, noch einmal an der verletzten Schläfe anwendete.
„Welche Risiken ich eingehe, ist allein meine Sache", sagte Malfoy und funkelte Sullivan böse an, „ich hatte gute Gründe dafür, in mein Haus zurückzukehren und auch einen guten Plan, lebend wieder herauszukommen... schließlich hat es geklappt, sonst wäre ich ja wohl nicht hier."
„Es hat ganz offensichtlich nicht viel gefehlt und dein Kopf wäre dort geblieben", murmelte Snape. Er schloss die oberste Hautschicht, sprach einen Reinigungszauber und schützte die betroffene Stelle zuletzt mit einer Art unsichtbarem Pflaster.
„Danke!", brummte Malfoy und fuhr mit den Fingerspitzen vorsichtig über seine verarztete Schläfe.
„Keine Ursache", erwiderte Snape. „Konntest du deine Angelegenheit zufrieden stellend regeln, oder ist es dir lediglich gelungen, dich von einem Fluch treffen zu lassen."
„Ich konnte meine Angelegenheiten regeln", sagte Malfoy in einem Ton, der die Selbstverständlichkeit dieser Antwort betonte, „zumindest weitgehend. Danke der Nachfrage."
Sullivan, der sich schräg gegenüber gesetzt hatte musterte Malfoy aufmerksam. „Haben Sie sich entschieden, ob Sie unser Angebot annehmen wollen?"
„Ja, das habe ich", sagte Malfoy ohne zu zögern. „Ich werde mit Ihnen zusammenarbeiten... allerdings nur unter gewissen Bedingungen.
„Bedingungen - was auch sonst", sagte Sullivan ironisch. „Ich werde den beiden anderen derzeit verfügbaren Führern des Ordens Bescheid geben, dass sie herkommen sollen, dann können wir über Ihre Bedingungen reden."
„Und das wäre wer...?", fragte Malfoy die Augenbrauen hochziehend.
„Minerva McGonagall und Kingsley Shacklebolt", antwortete Sullivan.
„Und als Vierter eigentlich auch noch Lupin", ergänzte Snape mit leisem Spott, „aber der ist... unpässlich."
„Der Werwolf?", fragte Malfoy skeptisch und schüttelte den Kopf. „Und welche Stellung hast du, Severus?", fügte er hinzu, da nun klar war, dass Snape nicht zur Leitung des Ordens gehörte.
„Ich bin geduldet", erwiderte Snape knapp.
Malfoys Blick glitt – nun eindeutig mit Verachtung darin – zurück zu Sullivan. „Was ist das für eine lausige Organisation, die jemanden wie Lupin eine Führungsrolle zugesteht, und einen Mann mit überdurchschnittlichen magischen Fähigkeiten, wie Severus, links liegen lässt.
„Lupins Loyalität stand nie in Frage, die ihres Freundes allerdings erheblich", antwortete Sullivan. „Außerdem braucht es mehr, als überdurchschnittliche Fähigkeiten, um andere Menschen zu führen – wie zum Beispiel soziale Kompetenzen und Gerechtigkeitssinn. Verstehen Sie, wovon ich spreche, Mister Malfoy?"
Malfoy verzog belustigt das Gesicht. „Aber ja doch – wobei der Zusammenhang, den Sie da zu sehen scheinen, sich mir nicht erschließt." Was er über die Wichtigkeit der genannten Führungseigenschaften dachte, war ihm deutlich anzusehen.
Auch Snape schien von Sullivans Aussage nicht sehr angetan. „Soziale Kompetenzen und Sinn für Gerechtigkeit?", murmelte er und musterte den Älteren von oben bis unten. „Das wäre mir aber aufgefallen."
„Du solltest mein Verhalten dir gegenüber nicht als Maßstab nehmen, Severus", erwiderte Sullivan süffisant. „Bei dir mache ich eine Ausnahme. Wie dem auch sei", fügte er wieder an Malfoy gewandt hinzu, „wenn Sie mit uns zusammenarbeiten wollen, werden Sie sich mit der Ordensführung arrangieren müssen – egal, ob Ihnen die Besetzung nun zusagt, oder nicht."
Malfoy zuckte die Schultern. „Wir werden sehen."
Sullivan stand auf. „Sie entschuldigen mich nun kurz, Mister Malfoy...? Vielleicht wollen Sie ja Ihrer Frau mitteilen, dass Sie noch am Leben sind, bis Professor McGonagall und Mister Shacklebolt hier eintreffen..." Er ging zur Tür und drehte sich noch einmal um, bevor er hinaustrat. „...oder Sie lassen sich von Ihrem Freund Severus ein Frühstück machen. Es gibt nämlich keine Hauselfen hier, müssen Sie wissen."
Malfoy starrte Sullivan nach, bis die Tür hinter dessen Rücken zuging, dann drehte sich um zu Snape. „Was hat der alte Sack gegen dich in der Hand?"
„Wieso glaubst du, dass er das hat?", fragte Snape mürrisch.
„Du würdest dir so etwas nicht gefallen lassen, wenn es nicht so wäre." Malfoys Blick wurde ernst. „Na komm schon – erzähl es mir – wo ich doch schon fast einer von euch bin", fügte er ironisch hinzu.
Snape seufzte und zuckte dann resigniert die Schultern. „Ich hab ihm und den anderen Ordensführern einen Gehorsams-Eid geschworen."
„Was um alles in der Welt hat dich denn dazu gebracht, so etwas schrecklich Unvernünftiges zu tun?", fragte Malfoy mit angewidertem Gesicht.
„Hauptsächlich die Notwendigkeit, Tamara aus deinen Klauen zu befreien", sagte Snape barsch. „Du hast es doch vorhin gehört – meine Loyalität stand in Frage... nein, das ist deutlich untertrieben – sie waren alle überzeugt davon, dass ich sie verraten hätte und ich musste das Gegenteil unter Beweis stellen. Der Eid ist mir wirklich nicht leicht gefallen, aber er war zu dem Zeitpunkt das einzig probate Mittel, das mir zur Verfügung stand. Eigentlich ist dieser Schwur ja nur eine Formsache", sein Gesicht verdüsterte sich, „aber Sullivan macht hin und wieder auf seine ganz spezielle gerechtigkeitsliebende Art davon Gebrauch."
„Hm...", machte Malfoy und stützte nachdenklich sein Kinn zwischen Zeigefinger und Daumen. „Soll ich ihn für dich umbringen? Ich würde es natürlich wie einen Unfall aussehen lassen."
Snape lachte leise. „Nein, nicht nötig, aber danke für das großzügige Angebot, Lucius. Ich werde schon mit ihm fertig. Außerdem werden wir den alten Herrn vermutlich noch dringend brauchen – er ist einer der wenigen Wölfe in der leider weitgehend von Schafen bevölkerten Ordenstruppe."
„Ich glaube, ihr habt es wirklich verdammt nötig, dass ich mich euch anschließe", schnaubte Malfoy. „Wo ist Narcissa?", wechselte er gleich darauf das Thema. „Ich muss zu ihr."
„Das heißt dann wohl, du willst meine Fähigkeiten als Ersatzhauselfe nicht testen?", fragte Snape, während er schon aufstand und sich zur Tür begab.
„Es fällt mir zwar wirklich schwer, darauf zu verzichten", entgegnete Malfoy, der ihm folgte spöttisch, „ aber ein anderes Mal, Severus... okay?"
Nachdem Snape seinem Freund die Tür von Narzissas Zimmer gezeigt hatte, machte er sich auf den Weg, um nach Tamara zu sehen. Er fand sie reglos auf dem Bett sitzend vor. Sie hob erst den Kopf um ihn anzusehen, als er sich neben ihr niederließ.
„Ist irgendwas passiert in der Küche?", fragte sie tonlos.
„Nein...", erwiderte Snape, „das heißt, wenn man davon absieht, dass Lucius etwas ramponiert zurückgekehrt ist."
„Er ist zurück?" Nun hatte Tamara sich aus ihrer Starre gelöst. „Und? Hat er sich entschieden? Ramponiert? Ist er verletzt?"
„Ja – er ist grundsätzlich zu einer Zusammenarbeit bereit", berichtete Snape, „David hat Minerva und Kingsley verständigt, damit sie herkommen und mit ihm zusammen über die Bedingungen verhandeln. Ja - Lucius war verletzt, jetzt ist er es nicht mehr."
Snape legte den Kopf schräg und sah Tamara prüfend an. „Wie geht es dir? Hast du dich wieder erholt, von... was auch immer?"
„Hat David dir etwas erzählt?", fragte Tamara misstrauisch.
„Nein! Was hätte er mir denn erzählen können?", fragte Snape unerwartet sanft.
Tamara wandte den Kopf ab. „Nichts!"
„Na dann ist ja alles wunderbar", sagte Snape bissig und schwang sich vom Bett. „Ich geh wieder runter."
„Severus!"
Bereits an der Tür, blieb er stehen und wartete, allerdings ohne sich umzudrehen.
„Es tut mir leid", sagte Tamara.
„Was?", knurrte Snape, sich nun doch zu ihr umwendend.
„Dass ich dich so abgespeist habe", sagte Tamara. Sie erhob sich ebenfalls vom Bett und ging zu ihm. „Es ist nur... ich kann mit dir nicht darüber reden, was los war, ohne befürchten zu müssen, dass du wieder wütend wirst und mir Vorwürfe machst." Sie trat nah an ihn heran und legte ihre Hände auf seine Arme.
„Was ist passiert?", fragte Snape heiser und es war klar, dass er ausrasten würde, wenn sie noch einmal die Antwort verweigerte.
„Es wird dir albern vorkommen...", seufzte Tamara. „David... verhält sich mir gegenüber anders als früher. Er war in den letzten Jahren mein bester Freund und nun... ist er reserviert... abweisend. Das... tut mir... sehr weh. Ich weiß nicht, ob du das verstehst..."
„Er hat mir gesagt, dass er dich weiter ausbilden wird", sagte Snape, ohne auf ihre Eröffnung einzugehen.
„Ja und?" Tamara sah ihn mit aufkeimendem Ärger an. „Was hat denn das damit zu tun?"
„Das ist der Kernpunkt eurer Beziehung zueinander – er ist dein Meister, du bist seine Schülerin – solange er das nicht hinschmeißt, ist noch alles im Lot", erläuterte Snape ungerührt. „Was hast du denn erwartet? Dass er dich weiter anschmachtet, obwohl er weiß, dass er dich nicht haben kann?"
„Vielen Dank für dein Verständnis!", fauchte Tamara und wandte sich ab, um quer durch das Zimmer zum Fenster zu marschieren.
„Oder hat er etwa noch Chancen?", fragte Snape kalt.
„Nein, verdammt!" Tamara schoss herum und funkelte ihn aufgebracht an. „Du hörst mir nicht zu, Severus. David hat nie um mich geworben – wenn er tatsächlich in mich verliebt war, hat er das gut verborgen. Aber er war mein Freund und Vertrauter. Ich habe einen Freund verloren. Das mag dir bedeutungslos vorkommen, aber für mich ist es das nicht."
Snape fixierte sie einen Moment lang schweigend. „Grundsätzlich verstehe ich das schon", sagte er dann in einem etwas versöhnlicher klingenden Ton, „...oder zumindest ansatzweise, denn ich denke, du dramatisierst das ein wenig", er hob die Hand, als Tamara ihm sofort ins Wort fallen wollte, „...aber im Fall von deinem ‚besten Freund' David, der scharf auf dich ist und dich jederzeit wieder flachlegen würde, wenn er die Gelegenheit dazu bekäme, sehe ich das zugegebenermaßen ein wenig anders."
„Das würde er nicht", sagte Tamara wütend. „Er hat selbst gesagt, dass er auf Abstand zu mir geht, solange er seine Gefühle für mich nicht auf eine Freundschaft beschränken kann."
„Wie edel!", bemerkte Snape spöttisch. „Und das nimmst du ihm ab?"
„Und wie kommst du dazu, seine Aussage anzuzweifeln und anzunehmen, dass er nur auf eine günstige Gelegenheit wartet... wie war das so nett formuliert... mich flachzulegen?", zischte Tamara. „Du kennst ihn doch kaum."
„Weil ich es an seiner Stelle so machen würde", sagte Snape trocken. „Mach dir nichts vor, Tamara! Er wartet nicht ab, bis seine Gefühle sich wieder in eine Freundschaft verwandeln, sondern er wartet, bis ich einen Fehler begehe, damit er dich trösten kann, und darin ist er ja scheinbar ziemlich gut, wenn ich das richtig verstanden habe."
„Manchmal bist du wirklich ein Arschloch, Severus, und ein verflucht zynisches noch dazu." Tamaras Stimme vibrierte vor unterdrückter Empörung.
„Ja, aber ich bin sicher, dass ich das auch früher schon war, also dürfte es keine allzu große Überraschung für dich sein", sagte Snape mit provozierender Gelassenheit.
„Richtig! Darum wollte ich ja auch nicht mit dir darüber reden, was mich gerade belastet." Tamara stieß sich von der Fensterbank ab, auf die sie ihre Arme gestützt hatte, und ging auf ihn zu. „Also vergiss das Ganze und kümmere dich nicht weiter um meine belanglosen Probleme, die ohnehin nur auf Einbildung beruhen." Sie legte die Hand auf die Türklinke.
„Wo willst du hin?", fragte Snape. „Bei David nachfragen, ob er dich, wenn er Gelegenheit dazu bekäme, wirklich noch... mir fällt leider spontan kein netteres Wort ein... flachlegen würde."
Tamara riss die Tür so abrupt auf, dass Snape ausweichen musste, um sie nicht schmerzhaft ins Kreuz zu bekommen. „Ich werde den Kernpunk der Beziehung zu meinem Meister pflegen und trainieren gehen", zischte sie. „Genauer gesagt werde ich mir einen hübschen Sandsack zaubern, mir vorstellen, er wäre du, und ihn richtig übel verprügeln."
„Es kann sicher nicht schaden, wenn du dich ein wenig abreagierst", sagte Snape amüsiert. Er stoppte Tamaras Schlag, kurz bevor dieser seine Magengrube treffen konnte. Sie an beiden Armen festhaltend schlug er die Tür mit dem Fuß wieder zu. Tamara schaffte es lediglich noch, ihn einmal mit halber Kraft zu treten, ehe sie sich weitgehend bewegungslos an diese Tür gedrückt wieder fand.
„Doch nicht an mir", sagte Snape tadelnd. Tamara versuchte verbissen, sich aus seinem Griff zu befreien. „Schscht", machte Snape besänftigend, was sie nur noch wütender zu machen schien. „Hör mir mal zu", sagte Snape. „Kannst du das, während du so zappelst?", schob er skeptisch hinter her. „Na egal... Pass auf - wenn David wirklich nichts mehr von dir wissen hätte wollen, wenn er die Freundschaft zusammen mit seinen tieferen Gefühlen für dich hätte begraben wollen, dann hätte er sich nicht bereiterklärt, dich weiter auszubilden, sondern einen endgültigen Schlussstrich gezogen. Du bist ihm noch immer sehr wichtig und wenn er sich abweisend verhält, tut er das vermutlich nur um sich selbst zu schützen. Also mach es ihm und dir selbst nicht unnötig schwer, in dem du vergangenen Zeiten hinterher jammerst."
Tamara hatte aufgehört, sich zu wehren – sie verhielt sich ganz still. Als Snape sie jedoch in der Annahme losließ, er hätte sie mit seiner Argumentation vielleicht überzeugt, konnte er gerade noch durch sofortigen Rückzug ihrem nächsten tätlichen Angriff entgehen.
„Wieso glaubt ihr Männer eigentlich immer, dass man sich als Frau eurer dämlichen Logik anpassen müsste?", fauchte sie ihn an. „Ihr strickt euch die Welt in einem Muster, das euch gefällt und denkt, es passt auf die ganze Menschheit. Ich scheiß auf deine Rückschlüsse, Severus und ich scheiß auf Davids Selbstschutz-Aktion. Was kann ich denn dafür, dass er so für mich empfindet? Sein Verhalten tut mir weh, auch wenn er noch so viele tolle Gründe dafür hat. Und ich habe ein Recht auf meine Gefühle, verdammt noch mal, auch wenn das nicht in deine blöde, logische Männer-Weltanschauung passt."
Snape betrachtete die schwer atmende, leicht verzauste, dunkelhaarige Furie vor sich verwundert, aber auch mit einer Spur von Anerkennung, wenngleich diese wohl eher ihrem Mut, als ihrer Argumentation galt. „Bei den Eiern des alten Merlin – ich bin wirklich gespannt, was ich in diesem Denkarium alles vorfinden werde", sagte er die Augenbrauen hochziehend.
Es war, als würde dieser Satz sämtliche Anspannung aus Tamara ziehen, die wohl mit einer heftigen Erwiderung gerechnet hatte. „Wann gehst du nach Hogwarts?", fragte sie leise.
„So bald wie möglich", entgegnete Snape. „Ich muss das noch mit Minerva besprechen."
„Nimmst du mich mit?", fragte sie noch leiser.
„Nein!" Sein Tonfall klang endgültig.
„Natürlich nicht!", schnaubte Tamara zynisch. „Verzeihung – das war eine saudumme Frage."
„Das muss ich alleine machen", sagte Snape ernst. Er trat auf sie zu und strich ihr über die Wange. „Außerdem hast du ein wichtiges Rendezvous mit einem Sandsack."
Tamara zog eine Grimasse, die sich in eine überraschte Miene verwandelte, als Snape sie in die Arme nahm.
„Du hast natürlich ein Recht auf deine Gefühle", flüsterte er in ihr Haar. „Auch wenn sie etwas irrealistisch auf mich wirken."
„Ich hatte dich nicht gebeten, sie zu analysieren", murmelte Tamara. „Eigentlich hätte mir ein wenig Mitgefühl gut getan - nachdem ich jedoch wusste, dass ich das von dir nicht zu erwarten habe, wollte ich dir gar nichts sagen, aber du musstest ja unbedingt nachbohren."
„Ich war nicht sicher, ob er dir nicht doch etwas angetan hat", brummte Snape.
„Die Frage kannst du dir in Zukunft täglich stellen, wenn er wieder anfängt, mich zu unterrichten", seufzte Tamara.
Gemeinsam gingen sie hinaus auf den Flur und trafen kurz darauf auf Sullivan, der gerade die Treppe hochkam. Er blieb stehen, als er die beiden sah. „Minerva und Kingsley sind da", sagte er an Snape gewandt. „Holst du bitte Malfoy? Wir sind im Wohnzimmer." Mit diesen Worten drehte er sich um und stieg die Stufen wieder hinunter.
Snape ging daraufhin gleich weiter zum Zimmer der Malfoys, während Tamara nach kurzem Zögern Sullivan folgte. Als sie das Wohnzimmer betrat, wurde sie freundlich von McGonagall und Shacklebolt begrüßt, David jedoch ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er sie umgehend wieder loswerden wollte. „Das hier ist eine Besprechung, die nur Mitglieder des Phönixordens betrifft", sagte er und deutete einladend auf die Tür, zu der sie gerade herein gekommen war.
„Schön – dann trete ich dem Orden eben jetzt bei", erwiderte Tamara und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du kannst dem Orden nicht so ohne weiteres beitreten, wenn jemand berechtigte Einwände dagegen vorbringt", belehrte sie Sullivan.
„Wer sollte so etwas denn tun?", fragte Tamara mit schmalen Augen.
„Ich!", entgegnete Sullivan.
„Das ist ja wohl...", schnaubte Tamara aufgebracht, aber McGonagall unterbrach ihren Protest.
„Wir werden uns über Ihren Antrag unterhalten, Tamara", sagte sie ruhig, aber sehr bestimmt, „wenn wir die Sache mit Mister Malfoy geklärt haben."
Sullivan machte ein zufriedenes Gesicht, das er mit eine verscheuchenden Winkbewegung kombinierte. Frustriert schnaubend drehte Tamara ab und marschierte hinaus, wobei sie die Tür ziemlich kräftig hinter sich ins Schloss zog.
Snape und Malfoy, auf die sie im Flur traf, sahen sie fragend an. „Ich bin scheinbar nicht würdig, in den illustren Kreis der Phönix-Orden-Fuzzis aufgenommen zu werden", sagte Tamara finster. „Sie können sich echt was drauf einbilden, wenn die Sie wollen, Mister Malfoy."
„Oh... vielen Dank, da fühle ich mich doch gleich viel besser", sagte Malfoy schmunzelnd, „...und nennen Sie mich doch bitte Lucius, ...Tamara." Mittlerweile bei ihr angekommen, nahm er – ehe sie recht wusste, wie ihr geschah - Tamaras Hand und hauchte einen Kuss darauf. „Wo wir doch jetzt so was wie Freunde sind..."
„Lass deinen Charme stecken, Lucius", sagte Snape kühl, „du wirst ihn noch brauchen, um McGonagall zu überzeugen."
Malfoy sah kurzfristig aus, als hätte er Zahnschmerzen. „Na dann, auf in den Kampf", seufzte er. „Wünschen Sie mir Glück, Tamara?"
„Das wünsche ich Ihnen, Lucius", sagte Tamara lächelnd. „Vielleicht könnten Sie dafür ein gutes Wort für mich einlegen... denn ob Severus das tun wird, wage ich zu bezweifeln." Ihr Blick wechselte zu Snape, der ihren Kommentar jedoch schlichtweg ignorierte.
Als die beiden Männer schließlich das Wohnzimmer betreten und die Tür hinter sich geschlossen hatten, trat Tamara den Weg in die Küche an, in der festen Absicht, ihren Frust mit einer angemessenen Menge Schokolade zu bekämpfen.
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„Mister Malfoy", sagte McGonagall, nachdem die beiden neu Angekommenen sich gesetzt hatten, „ich bin froh, Sie unversehrt wieder zusehen. Konnten Sie Ihre... Angelegenheiten zu Ihrer Zufriedenheit regeln?"
„Es ging alles glatt... fast jedenfalls." Malfoy nickte der alten Dame zu. „Danke der Nachfrage."
„Das ist schön", sagte Minerva. „Ich hörte bereits, Sie haben sich entschlossen, uns zu unterstützen... zumindest unter gewissen Bedingungen...?"
„Richtig!", entgegnete Malfoy.
„Dann lassen Sie uns die mal bitte hören."
„Mein erstes und wichtigstes Anliegen ist die Sicherheit meiner Frau und meines Sohnes", begann Malfoy. „Der Ort, an den sie sich begeben werden steht bereits fest, aber ich kann sie weder selbst dort hinbringen, noch die nötigen Banne sprechen, um sie so wirkungsvoll wie möglich zu schützen. Die Gefahr, dass der Lord es irgendwie fertig bringt, meine Spur zu verfolgen, vor allem, wenn ich durch das Apparieren und die nötigen Zauber eine magische Signatur hinterlasse, ist zu hoch. Aus demselben Grund kann ich Severus nicht darum bitten, es zu tun und auch Narcissa kann den Zufluchtsort nicht selbst schützen, obwohl sie natürlich durchaus dazu in der Lage wäre. Ich brauche jemanden, den der Lord nicht kennt, der sich hervorragend mit Schutzzaubern auskennt und der sowohl bereit ist, als Geheimniswahrer zu fungieren, als auch die Reise zu diesem Ort, an dem meine Familie unterkommen wird, zum Teil mit Muggeltransportmitteln zurückzulegen." Malfoys Blick lag beim letzten Satz auf Sullivan, der unwillig die Stirn runzelte, als von den Muggeltransportmitteln die Rede war. „Meine Frau vertraut Ihnen, Mister Sullivan", fügte Malfoy hinzu und sein Ton ließ die Verwunderung durchsickern, zu der ihn die Einschätzung Narzissas animierte. „Nicht dass mich das unter normalen Umständen sonderlich überzeugen würde, aber so wie es aussieht habe ich nicht gerade viele andere Optionen", schloss er resignierend.
„Okay – ich werde Ihre Frau und Ihren Sohn dort hinbringen und alles Nötige unternehmen, um sie wirkungsvoll zu schützen", sagte Sullivan ungeduldig. „Weiter! Wie lauten die anderen Bedingungen."
Die Erleichterung darüber, dass dieser Punkt zufrieden stellend geklärt war, stand Malfoy ins Gesicht geschrieben. Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und schlug die Beine übereinander. „Außerdem beantrage ich die Aufnahme in den Orden des Phönix", sagte er und betrachtete dabei amüsiert das angenehm überraschte Gesicht McGonagalls. „Wenn ich schon auf der Seite der Guten und Gerechten kämpfen soll, dann will ich das nicht als... ‚freier Mitarbeiter' tun." Malfoy hob die Hände zu einer ‚ich-kann-nichts-dafür'-Geste. „Allerdings möchte ich es auch nicht als... Untergebener tun", fuhr er mit einem Lächeln und einem Tonfall fort, als wäre sein Vorschlag ein völlig normaler, „sondern an der Spitze. Ich fordere die Aufnahme in Ihre Führungsriege. Nachdem Sie dort sowieso schon zu viert sind, kommt es ja auf einen mehr nicht an... und wenn doch, schmeißen Sie einfach Lupin raus."
McGonagall starrte ihn entrüstet an und Sullivan lachte spöttisch, während Shacklebolt nur den Kopf schüttelte. Snape blieb äußerlich völlig ungerührt – er warf seinem Freund lediglich einen Blick zu, der vermuten ließ, dass er sich Sorgen um dessen Geisteszustand machte.
„Keine schlechte Idee", sagte er dennoch trocken, „auch wenn ich nicht dafür bin, dass Lupin derjenige ist, der rausgeschmissen wird", fügte er, sich Sullivan zuwendend, hinzu.
„Gib acht, dass ich DICH nicht rausschmeiße", knurrte Sullivan, was Snape ein Grinsen entlockte, da er gar nicht auf eine so spontane verärgerte Reaktion gehofft hatte.
McGonagall schickte den beiden einen Blick, den sie eigentlich für die allerschlimmste Sorte Schüler reserviert hatte. „Diese Forderung ist nicht annehmbar, Mister Malfoy", sagte sie dann, Malfoy wieder ins Visier nehmend. „Ich hoffe, das sollte ein Scherz sein."
„Ich gebe zu – ein wenig habe ich schon geflunkert", erwiderte Malfoy mit einem charmanten Lächeln, „Sie müssen natürlich niemanden rausschmeißen, aber dass ich eine Führungsposition will, meinte ich durchaus ernst."
„Das ist eine absolut unverfrorene Frechheit", zischte McGonagall.
„Das ist der Preis für meine Unterstützung... die Sie so dringend benötigen, wenn ich den Worten Ihres Kollegen Mister Sullivan Glauben schenken darf", sagte Malfoy in höflichem Konversations-Ton.
McGonagall sah Sullivan einen Moment lang so böse an, als hätte er Malfoy tatsächlich zu dieser Forderung ermuntert.
„Sie erwarten ein bisschen viel Entgegenkommen, Mister Malfoy", meldete sich Shacklebolt erstmalig zu Wort. „Selbst wenn wir dem zustimmen sollten, was nicht sehr wahrscheinlich ist – die übrigen Mitglieder würden Sie nicht als Führer anerkennen."
„Darauf kannst du wetten", murmelte McGonagall.
„Ganz abgesehen davon", sagte Sullivan versonnen, „dass Mad Eye sich aus dem Orden verabschieden und eine eigene Organisation gründen würde, um Riddle endlich nach seinen Vorstellungen zu bekämpfen, und uns andauernd in die Quere kommen und behindern würde."
„Es liegt mir fern, irgendwelche Mitglieder Ihres Ordens herumkommandieren zu wollen", sagte Malfoy an Shacklebolt gewandt. „Sie können meine Position gerne inkognito halten. Mir geht es darum, dass ich bei Entscheidungen miteinbezogen werde und nicht nur willig und treudoof wie ein Schaf Befehle entgegennehme."
Snape warf ihm einen schmaläugigen Blick zu.
„Das war nicht persönlich gemeint, Severus", sagte Malfoy mit einem schiefen Lächeln.
„Darüber reden wir noch", gab Snape verdrießlich zurück.
„Wir werden das mit den anderen besprechen, Mister Malfoy", sagte McGonagall kühl. „Außerdem werden wir noch einmal Severus' Position überdenken", fügte sie mit einem giftigen Blick auf Sullivan hinzu.
„Warum DAS denn?", erwiderte der prompt und verdrehte die Augen.
„Es geht ja wohl nicht an", sagte McGonagall spitz, „dass wir überhaupt auch nur über eine zusätzliche Führungsposition nachdenken, während ER noch immer durch einen erzwungenen Treueschwur dazu genötigt wird, wozu Mister Malfoy so absolut gar nicht bereit ist."
Snape, der es offensichtlich nicht schätzte, dass in der dritten Person über ihn gesprochen wurde, verschränkte die Arme vor der Brust und starrte biestig vor sich hin.
„Was hatten Sie sich denn vorgestellt?", erkundigte sich Malfoy bei McGonagall. „Etwa, dass ich ebenfalls so einen Schwur leiste?" Er bekräftigte die Absurdität dieses Ansinnens mit einem Kopfschütteln samt ironischem Lächeln.
„Welchen Grund sollten wir denn haben, Ihnen so ohne einen solchen Schwur zu vertrauen?", fragte McGonagall kühl und fixierte ihn über den Rand ihrer Brille hinweg.
Malfoy wurde schlagartig ernst. „Ich habe das Leben meiner Frau und meines Sohnes in Ihre Hände gelegt – einen größeren Vertrauensbeweis hätte ich Ihnen wohl kaum geben können."
„Papperlapapp", fauchte McGonagall. „Sie wissen ganz genau, dass wir weder Narzissa noch Draco etwas antun würden."
„Das wissen vielleicht SIE – ich weiß es nicht", murmelte Malfoy.
„Nachdem Lucius durch sein Handeln letzte Nacht eindeutig gegen den dunklen Lord Stellung bezogen hat, ist ein weiterer Vertrauensbeweis sicher nicht nötig", sagte Snape scharf. „Ihr werdet allmählich wirklich paranoid", sein Blick glitt über Shacklebolt und Sullivan hinweg und blieb an McGonagall hängen. „Ich hätte nicht gedacht, dass Moody ansteckend ist", fügte er spöttisch hinzu.
McGonagalls Lippen mutierten zu einem schmalen Strich. Dass Snape, für den sie sich so eingesetzt hatte, gerade ihr so etwas vorwarf, wurmte sie ganz offensichtlich über die Maßen. „Zwischen ‚paranoid' und ‚vorsichtig' ist ein gewaltiger Unterschied, Severus", sagte sie mit eisig klirrenden Akzenten in der distinguierten Stimme, „und wenn dir das nicht bewusst ist, solltest du diese Diskussion lieber uns überlassen und solange draußen warten."
Sullivan lächelte, als hätte ihm jemand ein Geschenk gemacht und sein Blick wanderte, mit einer unausgesprochenen Aufforderung darin, von Severus zur Tür.
„Ich wundere mich langsam nicht mehr, dass ihr es bis jetzt nicht geschafft habt, etwas einigermaßen Wirkungsvolles gegen den Lord zu unternehmen", meine Malfoy, der die Szene mit dezentem Befremden beobachtet hatte, süffisant.
Shacklebolt seufzte vernehmlich. ‚Ich wundere mich auch', schien seine Augen zu sagen, aber er sprach es nicht aus. „Wären das dann alle Ihre Bedingungen, Mister Malfoy, oder gibt es noch etwas?", fragte er stattdessen ruhig, ohne seinen Kollegen von Orden auch nur einen weiteren Blick zu gönnen.
„Wenn ich einwillige und an Ihrer Seite kämpfe, erwarte ich, dass Sie erheblich zu meiner Rehabilitation beitragen, aber nicht erst wenn alles vorbei ist und ich vielleicht längst tot bin", entgegnete Malfoy, „sondern auch schon jetzt."
„Und was schwebt Ihnen da vor?", fragte McGonagall, die ihren Tonfall nun wieder perfekt im Griff hatte.
„Mister Sullivan hat erwähnt, dass die Presse nicht mehr unparteiisch ist", sagte Malfoy. Er stutzte kurz. „Nicht dass sie das zu irgendeiner Zeit wirklich gewesen wäre...", meinte er dann, „aber eine von Todessern beeinflusste Berichterstattung ist natürlich noch einmal etwas anders. Worauf ich hinaus will – wir brauchen die Presse nicht unbedingt, um die Neuigkeit zu verbreiten, dass ich übergelaufen bin... dass Severus immer auf dieser Seite stand und den Lord nur ausspioniert hat...", sein Blick wanderte zu Snape und blieb auf ihm ruhen, „und dass er Dumbledore auf dessen Verlangen getötet hat."
Der eben noch gereizte Gesichtsausdruck des Tränkemeisters erstarrte zu einer Maske, auf der keine Emotion abzulesen war.
Malfoys Blick ruhte einen Moment lang mit echter Anteilnahme auf ihm, ehe er sich wieder den anderen zuwandte und weiter sprach. „Flugblätter! Es ist kein großes Problem, diese kleinen praktischen Dinger in ausreichender Menge und an den richtigen Orten zu verteilen und sie erreichen die Masse der Zauberer ebenso zuverlässig, wie der Tagesprophet."
„Die Idee ist gar nicht schlecht", sagte Sullivan nachdenklich. „Das würde jede Menge Wirbel geben, was meiner Meinung nach längst einmal fällig ist, und außerdem den Typen im Ministerium eindrücklich demonstrieren, dass wir nicht bereit sind, die schleichende Machtübernahme einiger Institutionen durch die Todesser stillschweigend hinzunehmen."
Er nickte anerkennend. „Und sonst, Mister Malfoy? Noch irgendwelche Wünsche?"
„Ja! Ich möchte mich dafür aussprechen, dass Sie die reizende Miss Ogareff in Ihre Reihen aufnehmen", sagte Malfoy mit einem hintergründigen Lächeln. „Sie scheint etwas unglücklich darüber zu sein, dass ihre Mithilfe nicht erwünscht ist."
„Ich hör wohl nicht recht", sagte Sullivan grantig. „Was zum Teufel geht Sie das an?"
„Da bin ich mal ausnahmsweise ganz deiner Meinung, David", knurrte Snape zustimmend.
„Nachdem ich eventuell bald selbst zu dieser Organisation gehören werde", entgegnete Malfoy gelassen, „sehe ich es geradezu als meine Pflicht an, Miss Ogareffs Aufnahme zu fordern. Ich denke nicht, dass der Orden es sich leisten kann, auf die Unterstützung einer weiteren kompetenten Kämpferin zu verzichten... und dass sie kompetent ist, darüber dürfte doch wohl kein Zweifel bestehen – schließlich geht sie seit zwei Jahren bei Ihnen in die Lehre, Mister Sullivan."
„Verbindlichen Dank für Ihre Ausführungen, Mister Malfoy", unterbrach McGonagall den Disput, ehe Sullivan oder Snape noch einen Kommentar hierzu abgeben konnten. „Wir werden Ihren Standpunkt mit einbeziehen, wenn wir über Tamaras Beitritt beratschlagen. Haben Sie sonst noch was auf dem Herzen?"
„Nein!", erwiderte der blonde Aristokrat. „Ansonsten stehe ich Ihnen zur Verfügung – mit allem, was notwendig ist, den dunklen Lord zu vernichten."
„Das ist ein Wort", sagte Shacklebolt.
„Wir werden so bald wie möglich über Ihre Bedingung beraten", sagte McGonagall, „und auch über die Bedingungen, die WIR Ihnen stellen, aber es wird ein wenig dauern, den kompletten Orden einzuberufen."
„Gut", sagte Malfoy stirnrunzelnd, „nur meine Frau..."
„Ich würde sie und Ihren Sohn gerne gleich jetzt fortbringen", unterbrach Sullivan ihn, „unabhängig davon, was bei den restlichen Verhandlungen herauskommt."
Malfoy wirkte erleichtert. „Danke!", sagte er leise.
„In Ordnung. Dann treffen wir uns morgen Abend am üblichen Ort?" McGonagall sah Sullivan und Shacklebolt fragend an. „Ich informiere die anderen."
Die beiden Angesprochenen nickten, während Snape, der nicht darüber im Bilde war, was der ‚übliche Ort' bedeutete, das Gesicht verzog.
Als Sullivan Shacklebolt kurz darauf zur Hintertür brachte, trat Snape auf McGonagall zu, die sich schon zu disapparieren fertig machte. „Ich würde dich gerne nach Hogwarts begleiten, Minerva."
Die alte Dame hob fragend die Augenbrauen.
„Ich hab dort etwas wichtiges zu erledigen", murmelte Snape. „Ein paar Gedanken aus meinem Denkarium holen", zischte er leise, als sie ihn weiterhin skeptisch ansah.
„Oh... ja natürlich", antwortete sie endlich. „Mit ein paar halbwegs geschickten Tarnzaubern dürfte das kein Problem sein... wenn du mir versprichst, dass du dich niemandem zu erkennen gibst."
„Ich verspreche es – natürlich – was auch sonst", brummte Snape genervt.
„Dann müssen wir wohl auch durch den Garten raus", bemerkte McGonagall mit sanfter Bosheit, „oder hat dir David schon die Erlaubnis zum direkten Apparieren erteilt?"
„Das hat er – natürlich – nicht", knurrte Snape.
„Severus begleitet mich nach Hogwarts", eröffnete McGonagall dem Hausherrn, der gerade wieder den Raum betrat. „Nur für einen kurzen Ausflug in den Kerker."
Sullivan, dem dabei sofort einfiel, dass Malfoy dann mit Tamara alleine sein würde, verzog skeptisch das Gesicht.
„Ich werde gut auf Ihre Schülerin aufpassen", sagte Malfoy, der wohl die Gedanken des Älteren gelesen hatte, mit einem ironischen Lächeln.
„Wenn ihr irgend etwas – und das schließt Sie mit ein, Mister Malfoy – zustoßen sollte, röste ich Sie eigenhändig auf kleiner Flamme", sagte Sullivan leise.
Malfoy lächelte spöttisch und hob die Hände.
„Und ich sorge persönlich dafür, dass das Feuer dabei nicht ausgeht", raunte Snape ihm so leise zu, dass die anderen es nicht hören konnten, bevor er McGonagall hinaus auf den Flur folgte.
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tbc
