Kapitel 21: Das Bindeglied zur Vergangenheit
Emmet:
Es war beschlossene Sache. Meine Familie war informiert, aber sie würden keinen Ton verlauten lassen, außer Marie würde mit diesem Thema anfangen.
Wir hatten viele Stunden darüber gesprochen...aber es ging uns danach nicht wirklich besser.
Der Umzug stand vor der Türe...die LKW´s waren inzwischen beladen worden und auf dem Weg nach Alaska. Wir hatten überlegt, noch eine Nacht hier in einem Hotel zu verbringen und am nächsten Tag nach Alaska zu fliegen, aber es war mir nicht so recht gewesen. Ich wollte zurück zu meiner Kleinen. Sie fehlte mir. Sie war ein Bestandteil meines Lebens geworden.
So entschieden wir, dass wir doch schon einen Flug nahmen, und ich quartierte meine gesamte Familie für eine Nacht bei Tanya und mir ein.
Wobei ich mir nicht sicher war, ob die Idee so gut war. Seit Edward mit Alice vor ein paar Wochen da war, sprach Tanya wieder erstaunlich viel für ihn. Eigentlich hatte sie mit dem Thema abgeschlossen, aber ich würde mich überraschen lassen...und notfalls eingreifen. Ich hatte Edward anders verplant....er wusste nur noch nichts davon.
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, weswegen mich Alice schief anschaute. Nur gut, dass Edward ziemlich oft in Gedanken versunken war, seit....eben diesem Zeitpunkt, als erfuhr, was Marie schon erlebt hatte...Auf jeden Fall bekam er nicht alles mit, was in unseren Köpfen vorging...was zwischendrin mal richtig angenehm war...
Wir riefen ein Taxi, das uns zum Flughafen bringen sollte. Unsere Autos waren bereits mit einem Transporter auf dem Weg zu unserem neuem Haus.
Stunden später saßen wir endlich im Flugzeug.
Alaska, wir kommen.
Bella/Marie:
Morgen würde ich Emmet und die anderen wieder sehen. Ich freute mich schon wahnsinnig. Den ganzen Tag hatte ich schon so ein Grinsen im Gesicht. Meine Mitschüler dachten sicher schon, dass ich irgendwie durchgeknallt wäre...aber es war mir so egal in dem Moment.
Als ich den ersehnten Gong hörte, der die Schulzeit für heute beendete, rannte ich fast zu meinem Auto. Ich wollte in die Stadt...einkaufen. Ich brauchte ein paar Kleinigkeiten zu essen...außerdem wollte ich mir eine neue Stereoanlage kaufen....und vielleicht noch ein oder zwei Kleinigkeiten.
Ich stellte das Radio und fuhr – mal wieder zu schnell – Richtung Stadt. Das Lied, das gerade lief, kannte ich zwar, aber an den Namen konnte ich mich nicht mehr erinnern. War ja auch egal. Fröhlich sang ich mit...mit dem letzten Ton des Liedes parkte ich auch gleich in der Tiefgarage.
Nach drei Stunden einkaufen – es war verdammt schwer, eine Stereoanlage zu finden, die zu meiner Inneneinrichtung passte – hatte ich endlich alles zusammen, was ich wollte, und sogar schon im Auto verstaut.
Jetzt musste ich nur noch auf die Bank im Erdgeschoss dieses Einkaufszentrums. Es war eine der gehobenen und bekannten Banken im ganzen Land. Ich hoffte immer, dass mich niemand aus meiner Schule hier sah.... Das würde nur Gerede geben.
Normalerweise hatte ich immer Bargeld zu Hause. Aber heute hatte ich den Rest mal so ganz locker ausgegeben.
Ich lebte ja von einem Fonds, den meine Eltern mir eingerichtet hatten. Hier liefen alle Zahlungen rein, Zinsen, Gewinne etc.
Aber um an dieses Geld zu kommen, musste ich nun mal leider immer an einen Schalter. Dies war der einzige Nachteil.
Für den Notfall hatte ich eine Kreditkarte, welche ich jedoch ungern einsetzte. Ich hatte Angst, zu schnell den Überblick zu verlieren, was ich so ausgab.
Ich öffnete die Glastür und trat ein...
Eine junge Dame kam direkt auf mich zu und wollte wissen, wie sie mir behilflich sein konnte. Ich entgegnete ihr:
„Guten Tag, meine Name ist Swan. Ich möchte gerne zu Mr. Newton. Es geht um eine Auszahlung."
Mit den Worten „Einen Moment bitte...." drehte sie sich weg und rief in Mr. Newton´s Büro wohl an, denn keine paar Sekunden teilten sie mir mit, ich könnte durchlaufen zu seinem Büro.
Mit einem Nicken bedankte ich mir und bog um die Ecke zu seinem Büro.
Gerade als ich Klopfen wollte, ging die Tür auf und Mr. Newton stand vor mir und hinter ihm ein Mann. Leider war meine Sicht auf ihn verdeckt, denn Mr. Newton war mindestens zwei Köpfe größer als ich.
„Guten Tag Miss Swan, schön, Sie einmal wieder zu sehen. Darf ich Ihnen vorstellen: Leeroy Anders. Sie kennen sich bereits, wie er mir eben sagte, als meine Sekretärin sie angekündigt hat!"
„Hallo Bella, schön dich nach so langer Zeit wieder zu sehen" hörte ich seine tiefe Stimme, und dann trat er neben Mr. Newton.
Ich hielt die Luft an...nicht freiwillig. Mir stockte der Atem, ich konnte es nicht verhindern. Mein Herz klopfte so stark... Ich hatte das Gefühl, es wollte aus meinem Körper springen.
Erschrocken wich ich einen Schritt zurück.
Was zur Hölle machte er hier in meiner Bank? Verdammt, was machte er überhaupt in Alaska?
Ich hatte Angst....er war ein Verbindungsglied zu meiner Vergangenheit – ich wollte ihn nicht hier haben.
Ich hatte meine Hände zu Fäusten geballt...und versuchte mich wieder zu beruhigen.
Mit fester Stimme sprach ich Leeroy an:
„Hallo Lee...ja, es ist eine Zeit vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Was machst du hier?" Ich wollte nicht zu neugierig klingen, aber ich musste es wissen....
So schlug ich dann auch seine Einladung zu einem Kaffee nicht ab. Ich erledigte noch schnell meine Abhebung bei Herrn Newton und traf mich dann mit Lee. Inzwischen hatte ich diesen Wiedersehensschock überwunden.
Ich hatte die Hoffnung, dass Leeroy nur auf der Durchreise wäre...seine Eltern wohnten immer noch in Port Angeles, wie verschiedenen Zeitungsberichten entnehmen konnte. Seine Familie war genauso bekannt, wie es unsere gewesen war. Dann begann er zu erzählen...
„Bella, die blonden kurzen Haare stehen dir nicht. Du mochtest blond noch nie. Woher der Sinneswandel?" Er sah mich fragend an.
- „Lee, ich wollte nicht, dass mich hier jemand erkannte. Du weißt, was damals passiert war. Ich stand in allen Zeitungen... Die einzige Chance auf ein ruhiges Leben war eine Veränderung...äußerlich wie auch der Wohnort. Aber was machst du hier? Bist du auf der Durchreise?" Bitte, bitte, dachte ich, während ich meine Frage aussprach.
- „Nein, Süße, da muss ich dich enttäuschen. Ich werde hier für ein halbes Jahr zur Schule gehen, und nachmittags in der Firma meines Dad´s arbeiten. Er hat den Geschäftsführer in Verdacht, dass er krumme Dinge macht, und jetzt muss hier jemand nach dem rechten sehen. Ich gehe mal davon aus, dass wir die gleiche Schule besuchen werden....eine große Auswahl hat es hier ja nicht." Er zwinkerte mir grinsend zu, und mein Magen rebellierte für einen Moment. Er wäre also mindestens ein halbes Jahr da. Ich musste ihn bitten zu schweigen...
- „Lee, bitte, du darfst niemandem erzählen, woher du mich kennst. Ich heiße hier auch Isabella oder Bella....sondern schlichtweg Marie...Marie Swan. Bitte mach mir nicht alles kaputt. Ich fange langsam erst wieder an mit Leben" meine Stimme war ein Flehen...
Leeroy war immer ein netter Kerl gewesen....mehr wie ein Bruder als wie ein Freund....aber ich hatte mich auf ihn verlassen können. Nur, wenn er getrunken hatte, musste ich ihm manchmal aus dem Weg gehen, denn dann hatte seine Gefühle zu mir Überhand genommen...
Nach meiner Verurteilung hatte ich jedoch auch von ihm nichts mehr gehört – aber es war klar gewesen. Es hätte dem Ansehen seiner Familie geschadet.
Wir saßen über zwei Stunden da und sprachen über die Vergangenheit, über meine Eltern, seine Eltern. Es war richtig angenehm gewesen, sich mit ihm zu unterhalten.
Als wir uns dann trennten, umarmten wir kurz, und er versprach mir, meine Deckung nicht auffliegen zu lassen...
Abends lag ich dann auf der Couch und probierte meine neuste Errungenschaft aus. Die Stereoanlage war echt der Hit....
Schlafen konnte ich eh noch nicht...ich war viel zu aufgewühlt.
Ich ließ den Tag noch mal Revue passieren...
Leeroy war jetzt hier...ich hoffte wirklich, dass das gut ginge...
....und morgen kamen Em, Ed und Al.....darüber freute ich mich noch, bevor mich die Erschöpfung übermannte und ich einschlief.
