Violas Sicht…

Ich lief total gedankenversunken zur Schule. Ab und zu rempelte ich mal einen Passanten an, der mir dann einen bösen Blick zuwarf und lief das eine oder andere Mal fast gegen eine Laterne, aber das störte mich kaum! Die ganze Zeit spuckte mir nämlich noch die unverhoffte Begegnung mit Jade im Kopf herum. Mit einem breiten Grinsen ging ich in den Kunstraum und setzte mich an eine der Staffeleien. Sofort begann ich zu Zeichnen. Ich malte den Schulgarten mit seinem Gewächshaus, den Rosenbüschen und Jade, wie er niederkniete und eine Blume abschnitt. Zufrieden lehnte ich mich im Stuhl zurück und betrachtete mein Werk, sog die grüne Farbe quasi in mir auf. Grün war so schön warm und strahlend, genauso wie Jade. „Du hast ja den Schulgarten gemalt", sagte meine Kunstlehrerin, die plötzlich hinter mir stand. „Ich, ähm, wollte mal etwas malen, was nicht meiner Fantasie entspricht, sondern was ich jeden Tag sehe". Sie nickte anerkennend und deutete dann auf die kleine Figur im Bild. „Ist das da Jade?". Ich merkte, wie meine Wangen heiß wurden. „Ja, ich sehe ihn manchmal, wenn ich dort lang komme", stammelte ich etwas vor mich hin. Meine Lehrerin merkte meine Nervosität und lächelte aufmunternd. „Schenk ihm das Bild doch, er wird sich bestimmt freuen!". Meine Wangen wurden noch heißer und meine Lehrerin lachte nur leicht in sich hinein. „Ja, wenn sie meinen", sagte ich kleinlaut und huschte beim Ertönen der Glocke sofort aus dem Raum. Eigentlich war die Idee meiner Lehrerin gar nicht so verkehrt. Zumal sich Jade auch schon über mein Gedicht gefreut hatte. Ich nahm das Bild und ging zum Hinterausgang der Schule. Dort stieß ich dann schon wieder mit jemandem zusammen.