A/N: Tut mir leid, dass es im Moment so lange dauert. Ich werde die Story auf jeden Fall zu Ende bringen, aber im Moment hab ich leider nicht viel Zeit. Werde mich trotzdem bemühen weiter upzudaten.

oOoOo

Ich erweck dein dumpfes Herz,
Beweis dir, du bist nicht verkehrt.
Wer nicht traurig sein kann,
Hat im Leben nicht getanzt.

(Grönemeyer)

xxx

„Du bist lange nicht hier gewesen."

„Ich habe Aufgaben. Du bist nicht das einzige, um das ich mich kümmern muss."

Er wirkte so verschlossen und unterkühlt wie noch nie, wie er dort in dem kahlen Zimmer stand. Nicht die Luxussuite, die Snape für ihre erste Nacht ausgesucht hatte, bemerkte Hermine mit einem ironischen Lächeln. Sechs Tage waren vergangen, in denen Hermine vergeblich versucht hatte, Snapes Gesichtsausdruck aus ihrem Kopf zu verbannen. Ihr anfängliches Mitleid hatte sich mit jedem Tag, an dem er nicht gekommen war, in Wut verwandelt. Sie hatte wieder angefangen zu Trinken, um den Schmerz und die Scham zu verdrängen, wenn die Todesser sie mit auf die Zimmer nahmen. Mit Teilnahmslosigkeit verfolgte sie das bunte Treiben, das jeden Abend von neuem begann. Die Mädchen tranken, rauchten, lachten gekünstelt und tanzten, rote Federboas schwenkend, auf den Tischen. Wummernde Bässe, klirrende Gläser, ausgelassene Stimmen. Die Teufelsgrotte wirkte, wie ein Ort der tabulosen Ausgelassenheit. Doch man musste nur die Damentoilette betreten, um zu sehen, dass es nicht so war. Tränen, Anfeindungen, Erschöpfung. Zittrige Finger, die an Netzstrumpfhosen und Haaren zerrten, Lippenstift und Wimperntusche zum wiederholten Male auftrugen.

Und er stand wieder vor ihr, in seinem schwarzen, reich verzierten Umhang, wie aus einer anderen Welt. Hermine war wütend, enttäuscht von dem Mann, von dem sie gedacht hatte, er würde sie verstehen.

„Hast du einen Weg gefunden, mich hier raus zu bringen?"

„Nein."

„Warum bist du dann hier? Zum Vögeln? Dafür bin ich also noch gut genug."

„Sei nicht albern. Ich wollte wissen, ob du okay bist?"

„Ja. Kann ich jetzt gehen?"

Sie wandte sich zur Tür, wollte ihn nicht sehen lassen, dass Tränen in ihren Augen brannten.

„Hermine, mir wird etwas einfallen, um dich von hier weg zu bringen."

„Du hast es immer noch nicht begriffen, oder?"

Ihre Stimme war heiser. Hermine hatte sich vorgenommen nicht zu weinen, ihm nicht zu zeigen, wie sehr er sie verletzte und doch drehte sie sich um und erwiderte seinen Blick.

„Ich will mit dir zusammen sein, Severus. Ich liebe dich. Nicht weil ich nicht die Wahl hätte einen anderen zu lieben, oder weil ich Nähe suchen. Es geht hier auch nicht um mich. Ich liebe dich um deinetwillen. Alles was du bist, was du tust. Ich habe gesehen, wie grausam du sein kannst und ich habe deine Güte gesehen. Du musst nicht wissen, ob du ein guter Mensch bist, ich weiß es für dich. Du musst auch nicht glauben, dass dir vergeben wird, denn ich glaube für dich. Und auch wenn du mich aus deinem Leben zu drängen versuchst, du wirst immer einen Platz in meinem haben."

Snape schluckte schwer. Er war ihrem Blick die ganze Zeit beharrlich ausgewichen. Jetzt klammerten seine Augen sich verzweifelt an der weißen Wand fest.

„Du weißt nicht, was du da sagst, Hermine. Du bist noch ein Kind."

Seine Stimme klang tonlos, belegt.

„Ich bin kein Kind mehr und das weißt du auch, Severus. Gerade bist du derjenige, der sich wie ein Kind aufführt. Wirf doch verdammt noch mal endlich deinen Stolz über Bord. Er kann dich nicht vor allem schützen. - Sieh mich an!"

Er schüttelte den Kopf, drehte sich weg von ihr.

„Ich werde wiederkommen, wenn du dich beruhigt hast. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu reden."

Hermine hielt ihn noch im Gehen auf. Für einen Moment war sie versucht, einfach auf ihn einzuschlagen, doch dann besann sie sich und warf die Arme um ihn, schmiegte sich mit dem Kopf an seinen Rücken. Sie glaubte ein leichtes Zittern wahrzunehmen.

„Hermine, bitte – ich kann nicht."

Auch seine Stimme vibrierte.

„Doch, du kannst."

„Aber ich muss – ich muss den Schein wahren."

„Nicht hier, Severus. Nicht bei mir."

Und als klammere er sich an diese wenigen Worte, wurde aus dem Zittern ein Beben und Hermine erkannte, dass er weinte.