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Als Kurt von seinem Mittagessen-Kurzbesuch bei Subways zurückkam, erschrak er fürchterlich als er Cooper mit rot verweinten Augen vorfand. Er warf einen besorgten Blick auf Blaine, doch dieser schlief scheinbar friedlich. „Ist was passiert? Geht es ihm gut?"
Cooper nickte nur und wischte sich seine Tränen aus dem Gesicht. „Er schläft seit ein paar Minuten. Vorhin ist er aufgewacht und ich denke, ihm ist klargeworden, was passiert ist, denn er hatte eine leichte Panikattacke. Ich habe ihm geholfen und dann… und dann…" Er stockte kurz und holte tief Luft. „Dann hat er mich gefragt, warum ich ihn im Stich gelassen habe."
„Und?" fragte Kurt leise und warf einen Blick auf den schlafenden Blaine. Er sah nun auch die Spuren der Tränen, die dieser geweint hatte. „Was hast du ihm gesagt?"
„Ich … ich habe ihm erklärt, was Justin getan hat und er fing an zu weinen!"
Kurt verstand nun Coopers Tränen und nickte.
„Ich denke, nachdem was Justin ihm angetan hat, wird er jetzt mit Sicherheit eher uns glauben und einsehen, dass dieser ihn jahrelang angelogen hat." Kurt seufzte. „Das wird aber trotzdem nicht leicht für ihn werden!"
„Ich weiß!" erwiderte Cooper traurig und konnte seinen Blick nicht von seinem schlafenden Bruder wenden.
Kurt beobachtete ihn kurz und seufzte innerlich. Er musste Cooper etwas erzählen und er wusste, dass dieser sich darüber aufregen würde. Er hatte sogar ein wenig Angst vor der Reaktion auf seine Neuigkeiten.
„Cooper, ich habe vorhin einen Anruf von der Polizei bekommen. Sie wollen, dass ich meine Aussage im Polizeirevier zu Protokoll gebe. Ich habe nach Justin gefragt und …" Diesmal war es Kurt, der stockte und Cooper starrte ihn erwartungsvoll und abwartend an.
„Justin wurde gestern bereits auf Kaution entlassen! Er ist wieder frei, aber der Verhandlungstermin ist bereits in sechs Wochen."
„Was?" Cooper sprang auf. „Dieses Arschloch ist bereits wieder auf freiem Fuß und das nachdem er Blaine fast todgeprügelt hat?" Wütend tigerte er bis zum Vorhang und zurück. Nachdem er das ein paar Mal gemacht hatte, blieb er stehen. „Justins Vater hat ihn mit Sicherheit aus dem Knast geholt. Der Typ ist stinkreich und konnte sich die negative Publicity nicht erlauben. Sein einziger Sohn im Knast, das ist doch das gefundene Fressen für die Medien."
„Wieso Publicity? Wer ist sein Vater?" fragte Kurt, der ebenfalls wütend gewesen war, als er die Nachricht gehört hatte, doch er konnte nun einmal nichts dagegen tun?
„Du weißt nicht, wer Justins Vater ist?" Cooper sah ihn verblüfft an. „Hat Blaine dir das nie erzählt?"
Kurt schüttelte den Kopf. „Blaine hat Justin so gut wie nie erwähnt und ich habe ihn nicht danach gefragt."
„Justins Vater ist Reginald Hess. Sagt dir der Name Hess etwas?"
Kurt schüttelte erneut den Kopf.
„Reginald Hess ist Inhaber der Hess Corporation, die Raffinerien und Tankstellen im ganzen Land besitzen. Der Firmensitz ist aber hier in New York", erläuterte Cooper. „Die haben im Jahr Milliarden-Umsätze und Justin wird irgendwann einmal die Firma von seinem Vater übernehmen! Er ist der Alleinerbe."
„Dann ist mir auch klar, warum es scheinbar kein Problem war, dass Justin so schnell auf Kaution rausgekommen ist." Kurt seufzte.
„Die Kaution, egal wie hoch sie war, hat die Firma wahrscheinlich aus der Portokasse bezahlt. Die Familie Hess ist wirklich stinkreich und dieser Justin ist ein widerlicher verzogener Bastard, der glaubt, dass er sich wirklich alles erlauben kann. Ich denke, ich werde diesem Typen gleich mal einen Besuch abstatten und ihm zeigen, was ich von ihm halte." Cooper starrte wütend auf Blaine.
„Nein, Cooper, bitte nicht! Es wäre schlimm, wenn dir jetzt etwas passieren würde. Was soll den Blaine ohne dich machen?" versuchte Kurt ihn zu beruhigen.
„Mir passiert schon nichts. Ich werde diesem Penner nur ein paar verpassen und…" begann Cooper.
„…und landest dafür dann auch im Knast. Na toll! Denk mal dran, dass dieser Typ mit Sicherheit die besten Anwälte der Stadt hat!" unterbrach ihn Kurt. „Blaine braucht dich jetzt Cooper! Und was er mit Sicherheit nicht braucht, ist es, sich Sorgen um dich zu machen!"
Cooper seufzte. „Du hast ja Recht, Kurt!" Er holte tief Luft. „Verdammt, du hast Recht!" Einen Moment schien er zu überlegen. „Ich brauche frische Luft und werde mir etwas zu essen besorgen! Soll ich dir nachher einen Kaffee mitbringen?"
„Ja, das wäre nett. Der Kaffee hier im Krankenhaus ist wirklich furchtbar. Bitte einen Mokka mit fettarmer Milch!" Kurt sah Cooper hinterher, wie dieser durch den Vorhang verschwand. Er setzte sich zu Blaine und griff nach seiner Hand. Er musste über das, was Cooper gesagt hatte nachdenken. Ja, auch er war wütend darüber, dass dieser Justin wieder auf freiem Fuß war, aber Kurt vertrat die Einstellung, dass Gewalt keine Gegengewalt erzeugen sollte. Denn genauso entstanden Kriege. Er hoffte darauf, dass dieser Justin seine gerechte Strafe in einem Prozess erhalten würde.
Eine halbe Stunde später erwachte Blaine erneut. Als Kurt sah, dass seine Augenlider sich bewegten, ließ er schnell seine Hand los. Er wusste nicht, wie Blaine darauf reagieren würde.
Blaine erkannte Kurt sofort und sah sich kurz im Zimmer um.
„Hey!" lächelte Kurt ihn an. „Cooper kommt gleich wieder. Er holt sich nur etwas zu essen!" sagte er als er Blaines suchenden Blick sah. „Wie fühlst du dich?"
Blaine antwortete nicht, sondern sah Kurt nur an.
„Warum bist du hier, Kurt?" flüsterte er nach einer Weile und seine Stimme klang rau und irgendwie traurig.
„Ich will nicht, dass du alleine bist, Blaine! Außerdem sind wir doch Freunde!" Kurt blinzelte ein paar Mal, um die Tränen zu verscheuchen.
Wieder sah Blaine Kurt eine ganze Weile nur an bevor er weitersprach.
„Sind wir … sind wir denn noch Freunde?" flüsterte er und Kurt sah Tränen in seinen Augen. „Ich hab dich doch weggeschickt. Ich hab dich … verletzt!"
Kurt schluckte. „Du hast mir anscheinend nicht zugehört! Ich habe dir gesagt, dass ich immer dein Freund sein werde und das bin ich auch jetzt noch, aber hatte ich dir nicht auch gesagt, dass du auf dich aufpassen sollst?" Kurt sah ihn traurig lächelnd an.
„Ich … ich war so dumm… es tut mir leid!" Blaine fing an zu weinen.
„Hey, Blaine, nicht weinen!" Kurt fasste nach seiner Hand und hielt sie fest. Es war ihm egal, ob Blaine das falsch verstehen würde oder nicht. Er wollte ihm einfach nur zeigen, dass er für ihn da war. „Ja, du hast dich falsch entschieden, aber du konntest doch nicht wissen, was passiert! Niemand konnte wissen, was passieren würde!"
Blaine schloss seine Augen und Kurt sah, dass die Tränen trotzdem weiter über seine Wangen liefen. „Ich habe ihn geliebt und ich dachte, er würde mich auch lieben. Warum hat er mir das angetan?" flüsterte Blaine.
Kurt wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Was konnte er ihm schon sagen? Er kannte diesen Justin überhaupt nicht, außer, dass er wusste, dass er scheinbar das größte Arschloch auf der großen weiten Welt war, doch das würde Blaine jetzt mit Sicherheit nicht hören wollen. „Willst du mir erzählen, was passiert ist?" fragte stattdessen leise.
Blaine schüttelte nur ganz leicht mit dem Kopf. Er war noch nicht bereit dazu, zu erzählen, was Justin ihm angetan hatte und noch viel schlimmer, was er versucht hatte, ihm anzutun. Vielleicht würde er nie dazu bereit sein, dies zu erzählen. Er durfte gar nicht daran denken, denn die Erinnerung war einfach zu fürchterlich.
„Es ist okay! Du musst es mir nicht sagen, Blaine! Du sollst nur eins wissen, ich bleibe hier bei dir solange du es willst! Und wenn du jemanden zum Reden brauchst, bin ich da."
Blaine öffnete seine Augen und sah Kurt an.
„Danke!" flüsterte er müde. Er schloss seine Augen erneut und nach ein paar Sekunden war er bereits wieder eingeschlafen.
Sanft strich ihm Kurt durch sein Haar und seufzte.
„Ich liebe dich!" flüsterte er kaum hörbar.
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Brauchtet ihr Taschentücher? Ich hatte euch gar nicht vorgewarnt. Sorry!
