So hier kommt jetzt das letzte Kapitel des ersten Teils. Ich hoffe ihr hattet bis hierhin Spass!

Ganz vielen lieben Dank an die, die mir bis hierher schon ein Review hinterlassen haben - es tut immer gut zu wissen ob die Geschichte gut ankommt und was man eventuell verbessern kann. :)


Mit einem tiefen Seufzer trat sie Sekunden später in Malfoy Manor aus dem Kamin und schüttelte sich ein paar Aschereste aus dem Haar.

Unvermittelt tauchte Slobby vor ihr auf. „Slobby hat den Tisch schon gedeckt Miss Granger! Master Malfoy kommt gleich nach!"

„Ich weiß.", murmelte Hermine erschöpft und ließ sich von dem kleinen Elf in das Speisezimmer bringen. Sie ließ sich auf ihren Stuhl fallen und starrte in das flackernde Licht der Kerze.

Drei Tage noch, dachte sie. Unvermittelt bekam sie heftiges Heimweh. Sie sehnte sich nach ihren Freunden, nach Hogwarts, nach einem geregelten Tagesablauf. Sie sehnte sich nach einer Arbeit, einer Aufgabe, nach irgendetwas, was sie befriedigte. Das Nichtstun im Hause Malfoy ging ihr langsam auf die Nerven und machte sie gereizt. Das war ihr vorhin erst wieder deutlich bewusst geworden als sie all die geschäftig hin und her eilenden Zauberer in Malfoys Firma gesehen hatte. Drei Tage noch, dachte sie erneut.

Wie hatte Narzissa das nur ausgehalten die ganzen Jahre? Oder hatte sie neben dem Haushalt noch in seiner Firma gearbeitet? Das Bild der großen, schlanken Blondine trat vor ihr geistiges Auge und sie schüttelte den Kopf. Nein – Narzissa hinter einem Schreibtisch konnte sie sich nicht vorstellen. Wahrscheinlich hätte Malfoy es auch gar nicht zugelassen das seine Frau arbeiten muss.

Sie zuckte zusammen als die Tür geöffnet wurde und der Aristokrat hereintrat. Sie richtet sich auf und beobachte ihn, wie er mit eleganten Bewegungen den Raum durchquerte und fast lautlos neben ihr Platz nahm. Er hatte sich wieder komplett in der Gewalt auch wenn sein Mund noch etwas verkniffen und sein Gesicht noch etwas blass wirkte.

Unwillkürlich rutschte sie von ihm weg zum äußersten Rand ihres Stuhls. Auch wenn er seit dieser Woche jeden Abend so dicht neben ihr saß – sie konnte sich nicht daran gewöhnen.

Malfoy musterte sie mit hochgezogener Augenbraue. „Es war ausdrücklich ihr Wunsch Miss Granger das wir an einem kleineren Tisch speisen."

„Ich weiß.", nuschelte sie und mied seinen Blick.

Er seufzte. „Entschuldigen Sie dass ich Sie vorhin so brüsk weggeschickt habe. Aber die Erinnerungen die beim dem Wort Askaban in mir hochkommen-„ Er stockte angesichts Hermines überraschten Gesichts und wandte sich schnell ab. „Nun ja – sie sind nicht unbedingt angenehm.", beendete er seinen Satz brüsk und wich ihrem Blick aus.

Er räusperte sich. „Slobby – das Essen.", verlangte er mit lauter Stimme.

Hermine starrte ihn an. Hatte er sich gerade entschuldigt? Bei ihr? Seit wann entschuldigte sich Malfoy bei irgendjemand? Und hatte er gerade sehr persönlich mit ihr gesprochen? Wer war der Mann an ihrer Seite?

Slobby brachte die Teller, schenkte ihnen Rotwein ein und entfernte sich eilig wieder.

„Hören Sie auf mich anzustarren Granger und essen Sie!", herrschte der Aristokrat sie an.

Nur mühsam konnte Hermine ihren Blick von ihm lösen. Sie aßen schweigsam und Hermine fühlte sich diesem Mann plötzlich näher als sie für gut befand. Ihre Gedanken kreisten während des Essens um ihn. Er musste Schreckliches erlebt haben. Sie war nur einmal für sehr kurze Zeit zu Besuch in Askaban gewesen, doch das hatte ihr für den Rest ihres Lebens gereicht. Sie träumte heute noch ab und zu davon und diese Träume waren alles andere als angenehm.

Er war zwar ein Todesser aber auch nur ein Mensch. Keinem Menschen auf der Welt sollte man Askaban wünschen. Oder doch? Hatte sie sich nicht noch vor ein paar Tagen nichts Besseres vorstellen können, als ihn dort wieder hin zu schicken?

Irritiert schob sie ihren halbvollen Teller beiseite und starrte in die Kerzenflamme.

„Sind Sie schon satt?"

Hermine schrak auf und nickte stumm.

„Ich auch." Er schob ebenfalls seinen Teller von sich und lehnte sich mit seinem Weinglas zurück.

Hermine musterte ihn verstohlen von der Seite. „War – war es arg schlimm?", flüsterte sie. Bestürzt hielt sie die Luft an. Die Frage war ihr herausgerutscht bevor sie drüber nachdenken konnte.

Sie sah wie er zusammenzuckte und sich sein eben noch so weiches und entspanntes Gesicht versteinerte.

"Das geht Sie nichts an. Ich habe bereits mehr als genug gesagt."

Himmel musste er denn immer gleich so harsch reagieren! Sie fühlte die altvertraute Wut auf ihn wieder in sich heraufkriechen. Sie stürzte ihren Wein in einem Schluck herunter und stellte das leere Glas auf den Tisch. „Ich gehe dann besser zu Bett Mr. Malfoy."

Als er nicht reagierte stand sie auf und ging zur Tür. Instinktiv drehte sich noch einmal zu ihm um, bevor sie zur Tür hinaus schlüpfte. Sein Blick traf sie und hielt sie fest. Die eisige Kälte in seinen Augen hatte einer namenlosen Traurigkeit Platz gemacht und ging ihr durch Mark und Bein. Sie fröstelte plötzlich, riss sich los und schloss hastig die Tür.

Zitternd holte sie Luft als sie vor der Tür stand und ließ ihre Stirn gegen das warme Holz sinken. Was ging nur in ihr vor? Wo war der Todesser Malfoy hin, den sie immer gesehen hatte? Warum schob sich vor dieses Bild plötzlich der Mann aus Fleisch und Blut? Dieser Blick eben. Wie ein verwundetes Tier.

Als sie Geräusche hinter der Tür hörte trat sie eilig ein paar Schritte weg und da es zu spät war zu flüchten, tat sie so, als würde sie eines der Gemälde im Gang betrachten.

Die Tür ging auf und sie spürte es mehr als das sie es hörte wie er hinter sie trat. Sämtliche Härchen auf ihren Armen richteten sich auf.

„Mein Elternhaus.", kommentierte er leise und sie zuckte beim Klang seiner Stimme zusammen.

„Was?", fragte sie irritiert.

„Das Bild."

„Ach ja –„, stotterte sie und konzentrierte ihren Blick auf das vor ihr hängende Gemälde. Es zeigte ein stattliches Herrenhaus inmitten einer riesigen Parkanlage zur Herbstzeit. Es war wunderschön.

„Mein Zimmer."

Hermine hielt die Luft an als er seinen Arm über ihre Schulter ausstreckte und auf ein winziges Fenster im rechten Obergeschoss deutete.

Ihr Blick glitt von dem Bild zu seiner Hand und seinem Handgelenk. Sein Ärmel war bei der Bewegung nach oben gerutscht und entblößte ein paar feine, silbrig schimmernde Narben quer über seinem Handgelenk.

Geschockt starrte sie darauf.

Hastig nahm er seinen Arm herunter und streifte dabei leicht ihre Schulter. Ein Blitz fuhr Hermine in den Magen und wirbelte dort eine Wolke Schmetterlinge auf und sie registrierte entsetzt die Gänsehaut die über ihren Körper jagte. Sie fuhr mit aufgerissenen Augen zu ihm herum und starrte ihn heftig atmend und mit trommelnden Herzen an.

Braune Augen trafen auf eisgraue. Er befand sich nur wenige Zentimeter von ihr entfernt und die Luft um sie herum schien plötzlich elektrisch geladen. Der Aristokrat erwiderte ihren Blick stumm und in seine Augen spiegelte sich die gleiche Irritation wieder, die sie selber empfand.

Hastig trat sie zwei Schritte zurück, fort von ihm. „Ich gehe jetzt besser. Gute Nacht Mr. Malfoy.", nuschelte sie und hastete ohne eine Antwort abzuwarten die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf.

Seine Blicke brannten sich förmlich in ihren Rücken.

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Lucius starrte ihr hinterher als sie davon stürmte. Langsam wich die Erstarrung, die sich seiner bemächtigt hatte. Entnervt fuhr er mit der Hand über sein Gesicht. Was war das gewesen? Er wurde wohl langsam alt und sentimental. Doch sie war ein Schlammblut verdammt! Er hatte kein Recht in dieser eindeutigen Weise auf sie zu reagieren!

Wütend auf sich selber rauschte er in das Esszimmer wo er sich noch einen großen Schluck Rotwein einschenkte und hinunterstürzte. Er schwor sich darauf zu achten, das ab jetzt immer genug Abstand zwischen ihnen sein würde. Hoffentlich hatte Granger nichts von seinem inneren Aufruhr gemerkt.

Er musste ihr fern bleiben, beschloss er und genehmigte sich noch ein weiteres Glas Wein, stellte es dann hart auf den Tisch und straffte seinen Körper. Tief durchatmend wischte er ein paar imaginäre Fusseln von seinem Seidenhemd.

Sein Gesicht drückte grimmige Entschlossenheit aus, als er sich auf den Weg ins Bett machte.

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Die letzten zwei Tage verliefen ungewöhnlich ruhig. Hermine frühstückte allein, beschäftigte sich den Tag über im Haus – meistens in der Bibliothek wo sie sich am wohlsten fühlte.

Abends aß sie weiterhin gemeinsam mit Malfoy wenn auch zu ihrem Erstaunen und ihrer Erleichterung wieder an dem langen Tisch.

Diese Treffen verliefen sehr schweigsam sie wechselten nur ein paar höfliche Worte. Das Klima zwischen ihnen hatte sich merklich abgekühlt und von dem lockeren Umgang, den sie erreicht hatten, war nichts mehr übrig.

Sie lebten nebeneinander her wobei jeder versuchte dem anderen verbal nicht auf die Füße zu treten. Es existierte plötzlich eine ausgesuchte Höflichkeit in den knappen Worten die sie wechselten.

Hermine hatte nur noch einmal den Versuch gemacht nach etwas persönlichem zu fragen, woraufhin die Miene des Aristokraten eisig wurde und er sich merklich zurückzog.

Sie konnte nicht klagen – er behandelte sie keinesfalls abwertend oder gleichgültig, er war nur sehr distanziert, als ob er eine Mauer zwischen sich und der jungen Hexe errichtet hatte.

Irgendwie sehnten beide das Ende dieser kuriosen Zwangsgemeinschaft herbei.

Am letzten Abend hatte Malfoy sie noch auf ein Glas Wein in den Salon gebeten, doch Hermine hatte diese Höflichkeitsgeste – denn mehr war es nicht - dankend abgelehnt. Sie wollte nur noch in ihr Bett und diese Woche so schnell wie möglich beenden.