‚leseufz' wieder ein Übergangskapitel zu den nächsten spannenden Szenen. regt mich echt auf… warum erlauben die keine Sternchen mehr? Man wird doch nur verarscht, oder? Nuja. Die Muse hat mich geküsst und eine Idee ist mir mal wieder zugeflogen. Sie wird innerhalb der nächsten Kapitel ausgearbeitet. Bis dahin tu ich noch ein bisschen mit Will kuscheln…hehe…

Ennoia: So, diesmal hats nicht so lange gedauert. Danke für das liebe Rev, hab mich sehr gefreut. Soso? Du würdest Will in einem Aquarium halten? ‚lol' auch mal ne gute Idee für ne Story. „Will im Goldfischglas". Warum erinnert mich das an die Chibi-Zeichnungen auf animexx a la „Jack und sein Glas Dreck"? Aber ich geb ihn nicht her, schließlich soll er doch auch bald mal in Aktion treten können, der Süße. Vielleicht leih ich ihn dir mal ne Stunde, wenn du dafür endlich mal die Amok-Story anfängst zu schreiben ;-)

Aufziehendes Unheil

Bill, Anamaria und Cotton erreichten Anabella gegen Nachmittag. Es war eine merkwürdige Stimmung in dem Städtchen, Bill wusste es sich nicht zu erklären, aber Unruhe machte sich in ihm breit.

Und als sie die vielen Blauröcke am Hafen herumrennen sahen, wurde ihm auch klar warum. Port Anabella war über die Piraten informiert. Er beobachtete das rege Treiben aus einer Gasse heraus. Die Gardisten hatten alle Seeleute am Hafen nebeneinander aufgereiht und befragten sie nun aufs Genaueste. Sie waren auf der Suche.

„Zurück," zischte Bill und drückte Anamaria und Cotton wieder tiefer in den Schatten der Gasse.

„Das sieht nicht gut aus," meinte die Frau, die schwarzen Augen noch immer misstrauisch in Richtung Hafen gerichtet.

„Die Royal Navy ist auf jeden Fall informiert," nickte Bill. „Jetzt wird es beschwerlich werden…"

„Aber wie sollen wir so nach Turner suchen?" fragte die Frau. „Es ist doch hoffnungslos, das sind so viele! Noch einmal werden wir es nicht so einfach haben, ein paar Gardisten gefangen zu nehmen, sie sind gewarnt!"

„Das waren sie vorher auch schon, nur wussten sie damals noch nicht, wann wir hier auftauchten," entgegnete Bill und schüttelte nachdenklich den Kopf. „Aber irgendetwas müssen wir uns einfallen lassen."

„Jack wüsste, was zu tun wäre…" meinte Anamaria.

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Der ehemalige Captain der Pearl sah sich verstolen um. Etwas kam ihm verflucht merkwürdig vor. Unten vom Hafen konnte man viele Stimmen hören, eindeutig Männer, welche Befehle brüllten. Doch hier weiter oben schien alles wie ausgestorben. Keine Menschenseele war zu sehen, die engen Straßen waren leer. Jack fragte sich, was wohl hier vor sich ging. Die Sonne brannte herab und ließ die Pflastersteine heiß werden, die Feuchtigkeit des Dschungels verflüchtigte sich in der Luft, was eine ungeheure Schwüle aufkommen ließ. Ging es nur Jack so oder war es einfach unglaublich stickig geworden? Ein Blick gegen den Horizont ließ ihn im Laufen inne halten. Zwar befand sich Jack in dem Hafenstädtchen, doch stand er auf einer Anhöhe, einem kleinen Platz, in dessen Mitte ein kleiner Brunnen stand.

Aber just im Moment war sein Blick nicht auf das vor sich hinplätschernde Nass gerichtet, sondern auf etwas in weiter Ferne.

Schwarz war der Horizont, so weit er sehen konnte. Ganz weit dort hinten, musste ein Sturm aufziehen.

„Tia?" flüsterte Jack leise und plötzlich befiel ihn das Gefühl, dass gerade etwas mächtig schief ging.

War es Will? Er spürte, wie es in seiner Magengegend zu kribbeln begann. Seine Fingerspitzen wurden kalt und er wusste er, dass irgendetwas nicht stimmte.

„Verdammt!" fluchte er leise. „Man weiß nie, wann sie etwas wirklich Dummes tun…"

Schnell lief Jack zu dem kleinen Brunnen und füllte die Feldflasche auf. Er hielt sich nicht lange auf und verschwand so schnell wieder, wie er gekommen war. Auf dem Weg zurück begegnete er gerade mal einem Bauern, der ihn aber gar nicht beachtete. Jacks Tempo beschleunigte sich mit jeder Minute, die verging. Er spürte, dass Panik in ihm aufwallte.

Ich hätte ihn so nicht alleine lassen dürfen. Eine Pistole, wie lächerlich!

Sein Atem ging schneller, als der Waldrand endlich in Sicht kam. Mit einem Satz sprang Jack über einen Baumstamm hinweg und rannte quer durchs Gestrüpp. Er war aufmerksam, seine Augen erfassten alles in Sekundenbruchteilen. Und dann erreichte er die Lichtung, auf der er Will zurück gelassen hatte. Mit gezogenem Säbel sah er sich um, sein Puls raste schier.

Aber er konnte niemanden sehen. Das Pferd graste gemütlich und unbeteiligt, etwas entfernt lag die Kiste. Williams Hand mit der Pistole ragte schlaff heraus. Der Griff um die Waffe war wirklich dürftig, ein kleiner Tritt und Will wäre total schutzlos gewesen. Jack schüttelte den Kopf. Doch was erwartete er von einem Mann der mehr tot als lebendig war?

Schnell rannte er zu der Kiste und sah hinein.

William lag noch darinnen, fast so wie er ihn zurück gelassen hatte. Als er Jack bemerkte, öffnete er die Augen.

„Jck…"

„Schhh… ich habe Wasser besorgt. Hätte zwar Rum vorgezogen, aber das wird's auch fürs erste tun," sprach er beruhigend auf Will ein, versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie aufgewühlt er innerlich war.

William versuchte seine trockenen Lippen zu befeuchten, was nicht ganz funktionierte. Jack nahm ihm die Waffe aus der Hand und drückte ihm vorsichtig die Feldflasche hinein. Doch er merkte, dass Will nicht mehr die Kraft dazu hatte, die Flasche zu halten, seine Hand drohte ins salzige Wasser zu gleiten, die Finger konnten sich nicht mehr schließen.

„So wird das nichts," erkannte Jack.

Dann nahm er selbst wieder den Beutel und führte ihn an Williams schmale Lippen. Vorsichtig hob er an und ließ ein dünnes Rinnsal heraus träufeln. Will entfuhr ein erlösendes Seufzen, als das Wasser seine Lippen berührte, er erzitterte leicht. Jack war überrascht, welch eine Reaktion das kühle Nass von William hervor rief. Langsam und immer wieder absetzend flößte er seinem Freund das Wasser ein.

Plötzlich hallte ein Schuss irgendwo weit weg durch die Luft. Jack schrak hoch, sah sich um. Niemand da, das Geräusch musste aus der Stadt gekommen sein. Seine Gedanken glitten zu der kleinen Gruppe, von der er getrennt worden war und eine düstere Vorstellung wand sich ihren Weg in sein Hirn: Waren Elizabeth und die anderen gefangen genommen worden? Waren deshalb so wenige Leute auf der Straße gewesen, wegen einer anstehenden Hinrichtung? Sein Blick wanderte zurück zu Will, der ihn fragend ansah.

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Es ist unsäglich kalt. Meine Glieder sind so taub, ich kann sie kaum bewegen. Meine Finger kribbeln, als wären sie eingeschlafen. Die Waffe, welche Jack mir gab, kommt mir so schwer vor wie ein Amboss, ich kann sie kaum festhalten. Seit der letzte Adrenalinschub verebbt ist, fühle ich mich wieder so matt, wie zuvor.

Die Übelkeit will nicht vergehen, sie macht mich schwindelig und bemächtigt sich meiner Gedanken, vernebelt sie. Ich versuche sie durch ruhiges Atmen zu vertreiben oder wenigstens in den Griff zu bekommen. Es funktioniert nicht. Dafür ist meine Brust zu eng. Mein Blickfeld ist so eingeschränkt, ich kann nur ein Stück des laubverdeckten Himmels sehen. Wo ist Jack?

Ich weiß nicht, was ich denken soll, ich weiß nicht, ob ich hoffen kann. Zu oft schon hat Jack die Seiten gewechselt, zu oft war er bereit gewesen, mein Leben gegen seinen Vorteil einzutauschen. Was führt er nun im Schilde? Ich weigere mich zu glauben, dass er tatsächlich um meinet Willen gekommen ist. Dafür kenne ich ihn zu gut. Und doch…

Gott, warum bin ich nur so verdammt naiv? In meinem Innersten hoffe ich noch immer. Mein Verstand sagt mir, ihm nicht zu trauen, er ist ein Pirat. Mein Herz rät mir anders. Oder ist es die Verzweiflung?

Ich schließe die Augen und rieche die Luft. Sonnenlicht bricht durch die Baumkronen und wärmt mein Gesicht ein wenig. Oh, wenigstens hat mich jemand gefunden, wenigstens kann ich noch einmal Tageslicht sehen. Was auch immer Jack vorhat, ich weiß nun, dass ich nicht ganz vergessen bin. Vielleicht, oh vielleicht… vielleicht habe ich Glück und Jack meint es ernst, kann einen Vorteil aus meiner Freiheit ziehen und macht sein Versprechen wahr.

Und schon wieder gleite ich ab in hoffnungsvolle Gedanken. Ich ermahne mich selbst, das nicht zu tun. Zu schnell konnte sich das Schicksal wenden, allzu schnell war Jack dazu bereit, die Fronten zu wechseln.

Mir geht es nicht gut. Wie erbärmlich bin ich denn, das zuzugeben? Aber die Schmerzen, welche nie vergehen, die Qualen dieses Gefängnisses, das Gefühl, dass es mir die Brust zerreißt. Was ist mit meinem Herzen geschehen? Was ist mit Elizabeth?

Es wird kühl, die Kraft der Sonne scheint nachzulassen. Ich öffne die Augen und sehe sein Gesicht, wie es auf mich herab blickt. Jack sieht merkwürdig blass aus, gehetzt möchte man fast sagen. Seine schwarzen tiefen Augen beobachten mich genauestens, doch dann weicht die Spannung aus ihm. Er atmet erleichtert auf und kniet sich neben die Kiste.

Wasser? Ich lecke über meine Lippen, aber selbst meine Zunge ist trocken. Eine Ironie, die schon viele das Leben gekostet hat. Umgeben von Wasser und doch zum Verdursten verurteilt. Jack löst die Waffe aus meinen kribbelnden Fingern und versucht mir eine Feldflasche in die Hand zu geben. Ich möchte zugreifen, aber mein Körper gehorcht nicht. Ich komme mir so hilflos vor, so erniedrigt. Nicht einmal zum trinken bin ich selbst im Stande. Jack sieht nachdenklich auf mich herab, zweifelsohne muss er genauso denken. Aber anstatt seinem Unmut darüber Ausdruck zu verleihen, nickt er milde und führt seine linke Hand unter meinen Kopf.

Wie ein Kind, welches gefüttert werden muss… ich schäme mich so. Und doch nehme ich an, was Jack mir zukommen lässt. Als ich die ersten Tropfen spüre, ist es, als ziehe neues Leben in mich ein. Oh, wie gut Wasser schmecken konnte. Ganz einfaches klares Wasser. Beinahe süß. Ich versuche zu entspannen und das kühle Nass einfach meine Kehle herunter rinnen zu lassen. Ja, es ist fantastisch. Es nimmt ein wenig des salzigen Geschmackes mit sich hinfort, den ich nicht loswerden konnte. Ich bin so dankbar.

Da schallt ein Geräusch durch den Wald. Ein Schuss! Jack setzt die Feldflasche ab und sieht sich nervös um. Etwas in seinem Ausdruck lässt mich erahnen, dass ihm etwas durch den Kopf geht. Aber mehr auch nicht. Er ist für mich so unleserlich, wie seit jeher schon.

Was ist los, Jack? Verdammt, rede mit mir! Was ist passiert in den letzten Tagen, wie kommst du hier her?

Jacks Mine entspannt sich und er wendet sich wieder mir zu.

„Wir müssen weiter," sagt er. „Sofort."

Mit diesen Worten steht er auf und schließt den Deckel. Ich will ihn bitten, das nicht zu tun, glaube ich doch, diese Dunkelheit nicht mehr ertragen zu können. Doch bevor meine Lippen auch nur den Versuch starten können, Worte zu formen, ist es zu spät. Alles ist schwarz, die Welt von mir abgeschottet. Ich kann hören, dass Jack an der Kiste, in der ich liege, herum hantiert. Und dann werde ich wieder halb aufgerichtet, das Wasser fließt nach unten und steht kniehoch, während mein Oberkörper im Trockenen ist. Die Schwerkraft jedoch zieht auch an meinem Körper, will mich nach unten drücken. Die silberne Stange in meiner Brust verhindert das und erinnert mich schmerzhaft daran, dass ich durchbohrt bin. Hätte ich Kraft in meinen Beinen, ich würde mich abstützen. Aber so muss ich ertragen, was mir an Pein auferlegt wird. Ich habe keine Wahl. Ich bin Jack ausgeliefert, was er mit mir tut, muss ich über mich ergehen lassen. Dann wird das Fußende der Kiste angehoben und die Last von meiner Brust genommen. Wenigstens etwas Erleichterung. Unsere Reise geht weiter. Wohin auch immer…

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Sie wollten gerade das Weite suchen, als plötzlich der ganze Rummel im Hafen verstummte. Als hätte sich plötzlich Stille über alles gelegt.

„Raaah, Stürme bringen Schiffe zum kentern!" Cottons Papagei krächzte und schlug aufgeregt mit den Flügeln, so dass der alte Pirat den Kopf bei Seite drehen musste.

Bill zog die Brauen hoch. Was war da los?

Vorsichtig spähte er noch einmal aus der Gasse zum Hafen hinüber. Eine Kutsche war vorgefahren und gerade war ein Mann dabei auszusteigen. Er nahm sich riesig aus. Sein krauses doch volles schwarzes Haar war nach hinten gebunden. Doch viele kleine Haarlocken konnten nicht gehalten werden und standen in der schwülen Luft ab. Der Mann musste mindestens 1.90 groß sein und trug eine blaue Gardeuniform. Die vielen Abzeichen darauf wiesen auf einen hohen Status hin und genau das verriet auch sein Gesicht. Kantig, streng und emotionslos schien er, der große Offizier. Eisig blaue Augen, welche die Umgebung abscannten. Das ohnehin markante und gegerbte Gesicht war übersät mit kleinen Narben und eingerahmt von Koteletten. Als Bills Blick tiefer sank, blieb ihm das Herz beinahe stehen…

Will war gerade aus seiner Kajüte gekommen, es war vier Tage her, seit dem Kampf gegen Davy Jones. Bill hatte bereits eine Zitrone bei der Hand und wollte sie seinem Sohn zuwerfen, als ihm auffiel, was dieser mit sich führte. Er blieb auf der Stelle stehen und erstarrte. Seine Augen hafteten an jenem schicksalsbehafteten Schwert, welches Will an seinem Gürtel trug.

„Bist du des Wahnsinns?" rief er, als er wieder Luft zum Atmen holen konnte. „Fass das Ding nicht an! Wirf es über Bord, damit die grausigen Untiefen es aufnehmen und auf ewig verstecken können!" Bill zeigte auf das Schwert an Williams Seite.

Der Captain der Dutchman sah ihn fragend an, dann an sich selbst herab und entdeckte, was sein Vater da verteufelte. Mit einer eleganten Bewegung ergriff er die Waffe und zog sie aus der Scheide heraus. Die kalte Klinge strahlte silbern im Sternenlicht und blitzte drohend. Bill war sich seiner nicht bewusst, doch er tat einen Schritt nach hinten.

William besah sich die wunderschöne Waffe… sie war ein Schmuckstück, das konnte keiner abstreiten. Er war immer der Meinung gewesen, dass es ein Meisterstück sei. Dann sah William seinen Vater an.

„Was ist damit verkehrt?" fragte er.

Sein Vater machte eine hilflose Geste, als erkenne Will nicht das Offensichtliche.

„Es ist verflucht, Will! Fordere das Glück nicht! Das Blut so vieler ehrvoller Männer hängt daran, nicht zuletzt dein eigenes!" Bill hatte die Rechte erhoben und wies über die Reling. „Ein wahrhaft schlechter Mensch muss diese Waffe aus den feurigen Gluten geschlagen haben, wenn es so viel Böses in sich trägt. Es ist verflucht!"

Williams Gesichtsausdruck hatte sich gewandelt. Er sah seinen Vater auf eine Weise an, als könne er nicht fassen, was er da hörte. Aber dann wanderte sein Blick wieder zu dem schönen Schwert, welches so perfekt in seiner Hand lag, welches so schlicht und trotzdem einzigartig war.

„Das Blut des Schmiedes selbst klebt daran. Wenn er ein schlechter Mann war, hat das Schwert ihn für seine Missetaten gerichtet," mit einem Schwung ließ er die Klinge wieder in die dazugehörige Scheide verschwinden. „Ein verfluchtes Schwert für einen verfluchten Captain. Findest du das nicht passend?" fragte er etwas bissig und lief achtlos an Bill vorüber.

Und dort war es. Es hing nebst einer anderen, viel unscheinbareren, wertloseren Waffe am Gürtel dieses Riesen. Und Bill wurde es plötzlich eiskalt…

„Er…" das Wort kam klanglos aus seinem Mund.

Anamaria sah ihn fragend an. Sie hatte nicht verstanden, was Bill gerade gesagt hatte. Dann glitt ihr Blick zum Hafen.

„Wir müssen verschwinden," drängte sie.

„Er ist es," sagte Bill ruhig und Anamaria zog die Brauen hoch. „Er ist es, der William in seiner Gewalt hat."

Im nächsten Augenblick hatte er die Pistole in der Hand. Bevor Anamaria etwas hätte unternehmen können, hallte ein Schuss durch die Luft.