Drabble 21

„In Freiburg?", fragte Maria aufgebracht.

Ihr einen Stapel Unterlagen über die Universität auf den Tisch schiebend, nickte Moira enthusiastisch: „Wäre das nicht cool?"

Ihre Tochter abschätzend anblinzelnd biss die Mutter in ihren Apfel: „Und warum nicht hier? Jeden erdenklichen Studiengang gibt es auch hier in Berlin. Wir sind schließlich die Hauptstadt."

Moira sog scharf die Luft ein: „Das Thema hatten wir doch bereits, Mama! Ich will hier..."

„Das diskutieren wir bitte zuhause weiter", fuhr Maria Moira ins Wort als Gretchen gerade das Schwesternzimmer der Chirurgiestation betrat und freundlich lächelte.

Die Abiturientin schnaubte verächtlich: „War ja klar! Soll schließlich keiner deiner Kollegen wissen, dass du deiner Tochter ihr Leben verbaust! Schönen Tach' noch, Mutter", die kleine Brünette drehte sich auf der Sohle ihrer bequemen Sneakers um und verließ im Stechschritt die Krankenstation.

„Probleme?", fragte die blonde Assistenzärztin fürsorglich.

Maria rümpfte die Nase: „Außer der Kotzerei, der Blasendruck oder die Hormonschwankungen? Zu große Brüste für Mikro-BH's und ein potentieller Studiengang in Freiburg!", das letzte Wort spuckte die Neurochirurgin extra hart aus.

„Und du willst nicht, dass sie nach Freiburg geht?", fragte Gretchen ernst.

„Natürlich nicht!", echauffierte sich Maria. Die Blonde war aber manchmal auch schwer von Begriff!

„Und warum?"

„Wie, warum?"
„Warum willst du nicht, dass sie ihr eigenes Ding durchzieht. Sie ist eine so vernünftige junge Frau, sie weiß schon, was sie tut. Und außerdem kann sie nicht immer bei dir wohnen bleiben!"

„Pah", lachte Maria gehässig: „Das sagt die Richtige, Haase! Wer wohnte denn noch bis vor kurzem mit über dreißig Jahren bei ihren Eltern!"

Pikiert kräuselte Gretchen ihre Lippen: „Liebe Maria, du wirst es kaum glauben, aber ich habe mir zum Studieren auch eine andere Stadt ausgesucht. Denn lästige Eltern sind das Letzte, was man beim lernen braucht!"

Die Blonde erhob sich und verschwand ohne ein weiteres Wort aus der Tür hinaus. Maria hörte sie draußen auf dem Flur gefährlich grollen.

„Ah... Frau Dr. Hassmann. Es ist nicht mal zehn Uhr und Sie haben schon die halbe Mannschaft gegen sich aufgebracht. Schwester Sabine heult, Knechtelsdorfer hat gegen den Kaffeeautomaten geboxt, Ihre Tochter ist gerade wie eine Dampfwalze den Flur hinunter gepest und selbst Hasenzahn war jetzt schrecklich übelgelaunt... Sie sind besser als ich zu meinen Hochzeiten", zwinkerte Marc vergnüglich, schenkte sich einen heißen Kaffee ein und stolzierte wieder aus dem Stationszimmer.

Maria schlug den Kopf auf die Tischplatte!

Einen Augenblick später kam Marc wieder zurück, lehnte sich lässig an den Türrahmen: „Ach ja, und sollten Sie noch einmal meiner Verlobten die gute Laune verderben, nur weil Sie borniert auf ihre Klein-Mädchen-Wünsche beharren, werde ich böse!"

„Argh", machte Maria, nahm ihren angebissenen Apfel und schleuderte ihn in Marcs Richtung, den sie aber völlig verfehlte.

„Und meine OP-Schwester werden Sie für diese Schweinerei auch nicht bemühen", grinste er freundlich.

„Wissen sie was, Meier, Sie sind schlimmer, als ich! Denn momentan war mir Essen immer wichtiger als Streiten. Und nur Sie können jemanden so zur Weißglut bringen!"

Marc nickte aufmunternd.

„Oder eben schwangere Brünette!", murmelte er, als er sich sicher war, dass Maria ihn nicht hören konnte.

lg

manney