Sodele, hier ist es nun also, ein großer Teil der Geheimnisse wird gelüftet! Ich fühle mich ein wenig wie ein Zauberer, der ein Kaninchen aus dem Hut zieht - ich hoffe mal, ihr mögt das Kapitel so sehr wie ich! Ich für meinen Teil habe es sehr genossen, dieses Kapitel zu schreiben, was größtenteils an den Dialogen lag ... Aber ich will nicht zuviel verraten, lest selbst!

Ein dickes Lob an meine Reviewer, die diese ganze verwirrende Geschichte weiter verfolgen... Ihr seid unersetzbar! Und, liebe Rowan, wenn dein Mann dich das nächste Mal beim Lesen stört, bestell ihm einen schönen Gruß von mir! xD

Ganz lieber Dank geht an: spiritofair, zissy, Rowan, oAmyBlacko, Anne, sakurako88, l-Lyla-l, Nachtregen, anarai, DjEngelchen, NoxAN, Julichris, Liriel2006 und Elbereth!

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Als er wieder zu sich kam hatte er das überaus unangenehme Gefühl, dass ein kleiner, fieser Gnom in seinen Kopf spaziert war, einen winzigen Hammer ausgepackt hatte und dann systematisch alle Nervenendigugnen eingeschlagen hatte, die es zu finden gab. Er stöhnte gequält auf und versuchte gar nicht erst, seine Augen zu öffnen um sich zu orientieren – um ehrlich zu sein war es ihm ziemlich egal, wo er sich gerade befand, sofern nur irgendwann in näherer Zukunft diese malträtierenden Kopfschmerzen aufhören würden.

Ein leises Räuspern ertönte neben ihm, das er tunlichst ignorierte – auch deshalb, weil sich schon dieses kleine Geräusch unbarmherzig durch sein Hirn schlängelte wie eine äußerst talentierte Giftnatter.

„Mr Potter", erklang es da erneut, und der Sprecher war sich anscheinend entweder nicht im Klaren über Harrys Schmerzen oder sich schon deren bewusst, diese nur nicht für wichtig erachtend, „würden Sie die Güte besitzen, ihre Augen zu öffnen?"

Der Spott in diesen Worten war fast noch bohrender als der sich durch die Stimme ausbreitende Schmerz, und Harry verzog entnervt das Gesicht. Offensichtlich war Letzteres der Fall, da niemand außer seinem Lieblingslehrer Snape ihm mit so wenig Worten so viel Verachtung entgegen bringen konnte. Ausgenommen vielleicht Malfoy.

Malfoy.

Malfoy!

Er riss seine Augen auf und hob ruckartig seinen Oberkörper, nur um gleich darauf diese etwas überhasteten Bewegungen zu verfluchen und sich mit einem Stöhnen zurück in die Kissen sinken zu lassen. Seine Augen begannen zu tränen und neue Schmerzwellen von schauderhaftem Ausmaß schossen durch sein System, während sich alles um ihn herum zu drehen begann.

„Tsts", machte Snape neben ihm, von seiner kleinen Einlage dem Tonfall nach zu urteilen aufs Köstlichste amüsiert, „immer diese übereifrigen Gryffindors..."

Harry schaffte es irgendwie, seinen Kopf zu drehen und einen eiskalten Blick in Richtung des Lehrers zu werfen, der sich gerade bestens vergnügte während er ernsthaft überlegte, ob der Tod nicht besser wäre als dieses dumpfe, auf- und abklingende Dröhnen in seinem Schädel.

„Mal...foy...", presste er mit äußerster Anstrengung hervor und schauderte innerlich aufgrund seiner mehr als seltsam klingenden Stimme, die irgendwo zwischen Reibeisen und gequälter Katze lag, „muss... Malfoy..."

„Sie müssen gar nichts, Mr Potter", unterbrach ihn Snape unbeeindruckt und griff in seinen Umhang, und einen fürchterlichen Moment lang dachte Harry ernsthaft, dass sein Lehrer nun seinen Zauberstab zücken und ihn hier und jetzt erledigen würde, was sich jedoch als Irrtum herausstellte. „Außer vielleicht den Inhalt dieser Phiole trinken."

Zwischen seinen dünnen Fingern war eine kleine Phiole mit einem rauchigen, schimmernden Inhalt aufgetaucht, die er nun vor Harrys Nase hin und her schwang.

„Was... das?" quäkste Harry und bekam sogar so etwas ähnliches wie eine hochgezogene Augenbraue hin, „neuer... Vergessens... zauber?"

Snape lächelte, auf die gleiche Weise wie wohl auch eine Schlange eine Maus anlächelt, kurz bevor sie sie in einem Haps verschlingt, und schüttelte den Kopf. „Ein Trank gegen die Schmerzen, die Sie ohne Zweifel haben müssten. Wollen Sie ihn nicht?" Er klimperte fast fröhlich mit den Wimpern und machte Anstalten, die Phiole wieder einzustecken als Harry panisch nach dem Gefäß griff, seine aufkeimenden Schmerzen ignorierte und die Flüssigkeit in einem einzigen Zug herunterstürzte.

Fast augenblicklich fühlte er sich besser und schloss dankbar die Augen, um den Moment der absoluten Schmerzlosigkeit in vollen Zügen auszukosten. Selten hatte er Snape irgendein positives Gefühl entgegengebracht, aber in diesem Moment hätte er ihn am liebsten umarmt dafür, dass er ihn wieder zurück in seinen Normalzustand gebracht hatte. Man mochte sagen was man wollte, aber er verstand etwas von seinem Fach.

„So, Potter", unterbrach der Adressat dieser ungewöhnlichen Dankbarkeit seine Gedankengänge, „sind Sie nun fähig, ein Gespräch zu führen oder müssen Sie sich noch ein wenig hinlegen, damit wir Ihre zarte Seele nicht überbelasten?"

Und schon war es wieder mit den unangebrachten Gefühlen vorbei, schneller als er es sich hätte träumen lassen. Auf Snape war eben Verlass.

„Es geht schon", antwortete er eisig, schwang seine Beine auf den Boden und sah sich erst einmal um. Mit mehr als gelindem Erstaunen stellte er fest, dass er weder in Gryffindor noch im Krankenflügel war, sondern in einem ihn unbekannten Zimmer, das in beunruhigenden Grün- und Silbertönen gehalten war. Eindeutiges Slytherin-Territorium. Was machte er hier?

Snape beobachtete ihn wachsam, während er seine Augen durch das Zimmer schweifen ließ und hin und wieder die Stirn runzelte, wenn seine Augen auf den ein oder anderen merkwürdigen Gegenstand fielen. „Na, kommt Ihnen irgendetwas bekannt vor?" fragte er irgendwann und legte etwas seinen Kopf schief, was ihm von Seiten Harrys nur einen schiefen Seitenblick einbrachte.

„Bekannt?" fragte er zurück, „nein. Sollte es?"

Snape lächelte humorlos. „Ich sehe schon, mein Patensohn hat weitaus bessere Arbeit geleistet als Mr Zabini." Er seufzte, stand auf und trat ans Fenster, das auf den Verbotenen Wald hinaus zeigte. „Hier haben Sie drei Jahre Ihres Lebens verbracht", sagte er flach, „oder um genauer zu sein: Sie werden es tun."

Harry blinzelte verwirrt und sah den Zaubertrankprofessor dann mit schlecht verhohlener Skepsis an. „Aha", erwiderte er bloß und verdrehte die Augen, sich heimlich wünschend, dass jemand ihm von der Anwesenheit von Hogwarts' ureigenem verrückten Professor erlöste und er sich mit Dumbledore oder Draco befassen konnte, an die er noch einige Fragen hatte.

Der bloße Gedanke an all das, was ihm verschwiegen worden war, machte ihn rasend und er wäre am liebsten aufgestanden und durch das verdammte Schloß gerannt, bis er irgendwen gefunden hatte aus dem er die Antworten herausschütteln konnte. Vorzugsweise Dumbledore, um ihn gleich noch anzuschreien weil er ihm das alles verschwiegen hatte. Oder Blaise, damit er ihn windelweich dafür prügeln konnte, dass er es sich erdreistet hatte, ihm seine Erinnerung zu nehmen. Oder am besten Draco, da dieser das ja anscheinend schon vor Blaise getan hatte, nur das er gründlicher gewesen war. Na, herzlichen Glückwunsch.

„Mr Potter, was genau fühlen Sie für meinen Patensohn?" fragte Snape ihn da unvorbereitet, und er antwortete ganz automatisch, ohne eine Sekunde über die Frage nachzudenken.

„Ich liebe ihn."

Snape nickte nur, ganz offensichtlich weitaus weniger geschockt über diese Aussage als Harry selbst, der fünf geschlagene Sekunden sprachlos da saß und auf seine Hände starrte. Hatte er gerade tatsächlich Snape, von allen Leuten auf diesem Planeten, etwas über seine Gefühle erzählt? Bei Gryffindor. Er sollte sich einsargen lassen.

„Hat er Ihnen je Anlass für einen derartigen Wechsel der Emotionen ihm gegenüber gegeben?" wollte er dann wissen, woraufhin Harry etwas verschämt seinen Kopf senkte.

„Nein", antwortete er leise und senkte die Lider. Nein, Malfoy hatte nichts getan, was diese Gefühle in irgendeiner Weise verdient hatte. Viel eher hatte er einen Großteil der letzten Wochen dazu benutzt, Harry zu ignorieren und ihm zu verbieten, ihn auch nur anzusprechen.

„Meinen Sie, dass er sich über diese Gefühle freuen wird?" fragte Snape weiter, und Harry hätte ihm am liebsten einen sarkastischen Kommentar um die Ohren geknallt, ehe seine Lippen sich wieder wie von selbst bewegten und stattdessen ganz andere Worte seinen Mund verließen: „Ich hoffe es."

Harry erstarrte wieder, dieses Mal jedoch vor Panik. Langsam glitt sein Blick von der Phiole in seiner Hand zu Snape, der geistesabwesend mit seinen Fingerknöcheln knackte. „Kein Veritaserum, keine Sorge, Mr Potter. Nur ein Trank, der mich vor unnützen Äußerungen sowie Ihrem ohnehin mager ausgebildeten Sarkasmus bewahrt. Überlassen Sie solche Spitzfindigkeiten der menschlichen Sprache lieber dem Hause Slytherins."

Ein leises Grollen entwich Harrys Kehle, doch nicht einmal jetzt konnte er sich zu einem beißenden Kommentar bewegen. Es war, als würde seine Zunge dann übermäßig anschwellen und er könne einfach keinen Laut mehr hervorbringen. Wütend stellte er das Fläschchen auf den Tisch und funkelte es düster an, so als wäre das Gefäß mit Schuld an seiner Misere. Tja, wie gesagt – Snape verstand nun einmal etwas von seinem Fach.

„Um zurück zu meiner Frage zu kommen, kann ich eigentlich selbst darauf antworten. Möchten Sie wissen, was Draco wirklich zu Ihren Gefühlen – über die er im Übrigen bestens Bescheid weiß – sagen würde, sollten Sie auf die selten dämliche Idee kommen, ihm diese mitzuteilen?"

Harry, der im Laufe der Frage die Farbe einer überreifen Tomate angenommen hatte, schluckte schwer und nickte, wiederum ohne dass er dagegen etwas tun konnte. Verdammtes Serum.

Snape seufzte und wandte ihm wieder diesen schwer zu deutenden Blick zu, den wohl jeder Schüler in Hogwarts aufs Tiefste verachtete. Bis auf Malfoy, vermutlich.

Ohne dass er es bemerkte verdüsterte sich sein Gesicht bei diesen Gedanken merklich und seine Hände ballten sich zu Fäusten, was seinem Lehrer ein mildes Lächeln entlockte. „Er würde Sie auslachen", bemerkte er dann kalt, „und Ihnen verbieten, jemals wieder solch unwürdige Gedanken in seiner Nähe zu äußern."

Seine Zähne gruben sich so fest in seine Unterlippe, dass er Blut schmeckte und gleichzeitig aus tiefstem Herzen diese ganze vertrackte Situation zu hassen begann. Wann wurde er in dieses Zimmer gebracht? Und wieso hatte niemand etwas dagegen unternommen, dass Snape ihn jetzt hier psychisch auseinandernahm?

„Und wissen Sie, warum er das tun würde?" Wieder bohrten sich die schwarzen Augen in seinen Blick und forderten unbarmherzig die Wahrheit.

„Weil er mich verachtet, und das nun schon seit 6 Jahren", murmelte Harry leise und hätte zu gerne angehängt: „... worin Sie ihn bestens unterstützt haben, Danke auch", wurde jedoch von seiner geschwollenen Zunge daran gehindert.

„Falsch", erwiderte Snape trocken, verknotete die Finger hinter seinem Rücken und spießte Harry förmlich mit einem Harry überaus fehl am Platz vorkommenden wütenden Blick auf, „weil er Sie ebenfalls liebt, auf die idiotischste und selbstzerstörerischste Art, von der ich je gehört habe."

Harrys Unterkiefer klappte herab und er starrte Snape an als habe er den Verstand verloren. „Bitte was?!" krächzte er hervor, überrascht darüber, dass seine Stimme überhaupt noch funktionierte. Sein Verstand begann sich wie irre zu drehen und er hatte die starke Vermutung, dass er immer noch ohnmächtig war und sich den ganzen Kram hier nur einbildete. Als würde Snape jemals mit ihm diese Unterhaltung führen! Nicht für 10000 Galleonen!

„Er ist für Sie gestorben, Potter. Einmal Hölle und zurück, das ganze Programm. Und was haben Sie getan? Sie haben ihn einfach wieder zurückgeschickt, mit einer so selbstgefälligen Selbstverständlichkeit, dass mir übel wird wenn ich nur daran denke. Haben ihn aus seinem Grab gezerrt und ihn einen Horror erleben lassen, den man Menschen, die man liebt, niemals antun würde. Und wie haben Sie das begründet? Mit ihrer ach-so-innigen Liebe." Er knurrte dumpf und starrte so finster auf Harry hinab, dass trotz der schockierenden Neuigkeiten ein Ansatz von Angst seinen Nacken heraufkrabbelte und ihn in Alarmbereitschaft versetzte. „Und wissen Sie, was das Allerwitzigste daran ist, Potter? Er glaubt Ihnen auch noch. Glaubt es, und zerhackt sich fröhlich immer weiter. Kehrt an diese Schule zurück, an der alles angefangen hat, spielt die Geschichte nach – nur mit kleinen Unterschieden, damit er vielleicht, aber nur ganz vielleicht, etwas ändern kann. Aber das Größte, das Beste, das verflucht-nochmal-HEROISCHSTE an der ganzen Sache ist, dass Sie Dumpfbacke das ja alles nicht hinnehmen konnten, nicht wahr? Sie mussten bohren, rumzetern, alles anzweifeln und ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn treiben. Er schwächelt, Potter! Er, der talentierteste Schüler den ich in all meinen Lehrjahren hatte! Der mich mit seinem Wissen inzwischen überflügelt hat! Dieser Schüler ist am Ende seiner Kräfte, völlig ausgezehrt, und das nur, weil Sie ihn bei Salazars verrottetem Leib keine Ruhe lassen!"

„Was?!" wiederholte Harry, kein bißchen schlauer sondern höchstens eingeschüchtert und kurz davor, Snape für verrückt zu erklären – wahrhaft verrückt und nicht nur einfach bösartig, wie das sonst seine Art war – woraufhin Snape wie eine wütende Katze fauchte und sich so heftig von ihm wegdrehte, dass sein aufwirbelnder Umhang Harry im Gesicht traf.

„Haben Sie Visionen, Potter? Bilder, die Ihnen wie Erinnerungen aus der Vergangenheit vorkommen – eine Vergangenheit allerdings, die nie geschehen ist?" fragte er dann, plötzlich wieder mit beherrschter und ruhiger Stimme so als wäre der Ausraster von vor einigen Sekunden niemals geschehen.

„Ja", antwortete Harry prompt, erneut von der Macht des Trankes überrumpelt, die diese Antwort viel schneller hervorgeholt hatte als er es normalerweise zugelassen hätte.

„Um genau das handelt es sich auch", bestätigte Snape mit einem kurzen Blick auf Harry, „Erinnerungen." Langsam drehte er sich wieder zu ihm um und sah ihn zweifelnd an, so als überlege er gerade, ob Harry diese Informationen überhaupt wert sei. Das Ergebnis dieser Gedankengänge schien zu Harrys Gunsten auszufallen, denn er seufzte abermals, setzte sich dann jedoch Harry gegenüber auf einen der Stühle und fing leise zu sprechen an.

„Draco würde niemals wollen, dass ich Ihnen hiervon erzähle, aber zu meinem unglaublichen Unwillen sind Sie der Einzige, der ihm wohl im Moment helfen kann."

„Was?!" fragte Harry geschockt und sprang auf, plötzlich mit einem Gefühl grenzenloser Gleichgültigkeit gegenüber allem, was früher war oder was Snape da vor sich hin brabbelte, überschwemmt nur noch durch ein einziges, allumfassendes Bedürfnis: Für Draco da zu sein. Besorgnis füllte jede Zelle seines Körpers aus und verdrängte alles andere, was ihm sonst noch wichtig war. „Wie meinen Sie das, ich kann ihm helfen?"

Snape schnaubte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, mit einer Ruhe, die Harry rasend machte. Draco brauchte Hilfe, und sein Patenonkel machte es sich hier gemütlich?!

„Er ist krank, Potter. Sie waren doch auf der Krankenstation, mehrere Nächte – haben Sie sich nie gefragt, was er da macht?" Wieder dieser intensive Blick, voller Schuldzuweisungen und Verachtung. „Die Narben, die Sie ohne Zweifel gesehen haben, sind nicht ohne Folgen geblieben. In seinem Körper kreist ein Gift, dass für jeden anderen wohl den Tod bedeutet, ihn jedoch nur mit schöner Regelmäßigkeit daran erinnert, was Sie, mein lieber Mr Potter, ihm angetan haben." Er wandte den Blick ab als könne er Harrys Gesicht nicht länger ertragen und fuhr erst nach einigen Sekunden fort, in denen Harry ungeduldig auf und ab zu tigern begann."Die Belastung der letzten Tage war zuviel. Es ist besser dadurch geworden, dass wir ihn mit Mondscheinkugeln versorgt haben – und ja, Sie denken richtig wenn Sie nun glauben, dass allein dies der Grund dafür war, dass ich dieses Mittel letzlich durchgenommen habe – aber durch das Band, das zwischen ihnen besteht, kann er jede Veränderung in Ihren Gefühlen ihm gegenüber spüren, was ihm in den letzten Wochen schwer zugesetzt hat. Blaise' Zauber im Krankenflügel hat ein wenig geholfen – das Ärgerliche ist daran, dass Mr Zabinis Vergessenszauber noch einiger Verbesserung bedürfen." Er räusperte sich und holte tief Luft. „Tja, und deswegen konnte Ihre verschollen geglaubte Erinnerung wieder auftauchen, Sie wurden erneut von Gefühle überrollt und PADENG! - ist Draco in der Krankenstation, blass wie ein Leichentuch und ohne Bewusstsein. Sie können sich also auf die Schulter klopfen, denn Sie haben es wieder einmal geschafft!"

„Ich?!" echote Harry hilflos und hätte am liebsten frustriert aufgeschrieen, „was soll das heißen? Ich wusste doch nichts davon! Sie ballern hier mit Informationen um sich und erwarten, dass ich den ganzen Kram einfach so schlucke, nur weil Sie mir ein verfluchtes Gift eingeflößt haben?" Er warf in einer wütenden Geste die Hände in die Luft und stützte sich dann schwer auf dem Fensterbrett auf, die Stirn gegen das kalte Glas sinken lassend. „Was soll das überhaupt heißen, 'Band'? Und wieso erzählen Sie mir das alles?"

Ein Rascheln in seinem Rücken verriet ihm, dass Snape sich ebenfalls wieder erhoben hatte und auch die Länge des Zimmers abging wie ein eingesperrtes Tier. „Ich erzähle Ihnen das, da Sie – zu meinem Leidwesen – der Einzige sind, der ihm helfen kann." Er seufzte und ließ seine Fingerknöcheln knacken, anscheinend ein Zeichen von Nervosität. „Eigentlich sollte das gar nicht geschehen. Zumindest nicht so früh." Er seufzte wieder. „Ich erkläre es in einfachen Worten, damit Sie mich auch richtig verstehen: Draco ist gestorben. Die Umstände spielen jetzt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sie ihn zurückgeholt haben." Snape schüttelte den Kopf. „Dummerweise brauchte man für diesen Rückhol-Zauber einen Zaubertrank – und wir beide wissen ja am besten, wie begrenzt Ihre brauerischen Fähigkeiten sind. Um es kurz zu machen: Der Trank hat zwar gewirkt, aber er tut es nur begrenzt. Die Ursache für Dracos Tod ist immer noch da, sie frisst ihn nur jetzt langsamer dahin. In zwei Worten: Er stirbt. Und er weiß auch seinen Todestag – der Tag, an dem er schon einmal gestorben ist. Solange hält Ihr vermurkster Zauber ihn am Leben, und dann wird er einfach aufhören zu atmen." Die Verachtung in Snapes Zügen war nun fast greifbar. „Na, wünschen Sie sich nun, dass Sie in meinen Unterrichtsstunden besser aufgepasst hätten, Mr Potter?"

Harry schluckte schwer und versuchte vergeblich, diesen Informationsstrom zu verdauen. Malfoy tot? Wann soll das gewesen sein? Ergeben schloss er die Augen, sich innerlich zunächst einmal einfach zum Akzeptieren zwingend. „Und jetzt? Lebt er?"

Das Geräusch von sich bewegendem Stoff verriet ihm, dass Snape mit den Schultern zuckte. „Ja. Noch", antworte er knapp und räusperte sich, „und deswegen werden wir auch nun auf die Krankenstation gehen – sofern Sie ihm überhaupt helfen möchten?"

Harry wirbelte wütend herum und warf ihm einen hasserfüllten Blick zu. „Natürlich will ich! Wieso fragen Sie das?"

Snape zuckte erneut mit den Schultern und lächelte kalt. „Es schien nicht immer Ihr Wunsch zu sein, ihm zu helfen. Viel eher scheint es, als würden größtenteils egoistische Gründe für Ihr Handeln verantwortlich sein."

Harry knurrte leise und ballte die Fäuste. „Sie können mir kaum Sachen zum Vorwurf machen, an die ich keinerlei Erinnerung habe!" fauchte er wütend, woraufhin ihn sein Lehrer nur weiter mit diesem entnervend ruhigen Lächeln ansah und die Tür öffnete.

„Ich kann und ich werde", verkündete er mit einer Spur von Brutalität in der Stimme, die Harry nur allzu deutlich zeigte, dass sein Lehrer ganz genau wusste wie weh er dem Gryffindor mit diesen Anschuldigungen tat, es ihn jedoch schlichtweg nicht im Geringsten kümmerte, „das ist mein gutes Recht, da der Rest der Zaubererwelt Ihnen sicherlich für diese selbstlose Nummer die Füße küssen wird."

Ein neues Fragezeichen tauchte hinter Harrys Stirn auf und gesellte sich zu den Myriaden von anderen Fragezeichen, die sich im Laufe dieses denkwürdigen Gespräches angesammelt hatten. Er ignorierte es – sowie er auch die vorherigen immer ignoriert hatte – und fragte stattdessen, um eine ruhige Tonlage bemüht um nicht erneut die Zielscheibe für den bei Snape offensichtlich von Sorge in Wut umgeschlagenen Gemütszustand zu werden: „Wie genau soll ich ihm eigentlich helfen?"

Sein Lehrer schnaubte nur und scheuchte ihn aus dem Zimmer, ehe er mit langen, lautlosen Schritten den Flur hinabeilte. „Sie sind doch bei Muggeln aufgewachsen, richtig? Dann ist Ihnen 'Dornröschen' doch sicher ein Begriff?"

Ein Kloß in der Größe einer Wassermelone bildete sich augenblicklich in Harrys Kehle und für einen Moment verlor er die Balance und wäre um ein Haar hingefallen. „Ich soll ihn küssen?!" krächzte er hervor, was ihm von Seiten Snapes einen unangenehm spöttischen Blick einbrachte.

„Richtig, Potter, Sie sollen ihn küssen", bestätigte er, die Stimme vor Sarkasmus nur so triefend, „meinen Sie, dass Sie dieser Aufgabe gewachsen sind? Falls es Sie interessiert, wäre ansonsten Mr Zabini sowie etliche andere nur allzu gern bereit, Ihnen diese Bürde abzunehmen."

In Harrys Augen blitzte es gefährlich auf und der Schock, der sich bei der ersten Nennung des Kusses in ihm ausgebreitet hatte, ebbte blitzartig ab. Zabini und Draco? „Ich komme zurecht", erwiderte er mit Entschlossenheit in seiner Stimme, die Snape ein kleines Lächeln entlockte.

Kurz darauf kamen sie am Krankenflügel an und indem Moment, als ihre Hände die Türen aufstießen, bemerkte Harry, dass Snape nie auf seine Frage nach Dracos und seinem 'Band' geantwortet hatte, während der Zaubertrankprofessor im gleichen Augenblick auffiel, dass die hemmende Wirkung seines Tranks auf Potters Temperament nur für sehr kurze Zeit gewirkt hatte.

Traurig schüttelte er den Kopf und sah dem Dunkelhaarigen nach, der zielstrebig auf das einzig belegte Bett zusteuerte, unter deren Bettdecke eine ihm nur allzu vertraute Gestalt auszumachen war. Kein Wunder, dass Draco jetzt hier lag. Dumbledore hatte anscheinend doch Recht, was Potter betraf – er mochte nicht der beste Zauberer sein, aber er hatte einen starken Geist: Dracos perfekt ausgeführter Vergessenszauber hatte zwar Harrys Erinnerung ausgelöscht, die Gefühle jedoch konnte er nicht verdrängen.

Seufzend ließ sich der ehemalige Todesser in einen der Besucherstühle sinken und beobachtete, wie Harry die Hand nach Dracos blasser Stirn ausstreckte. „Warum, bei allen gerechten Zauberern, musste es ausgerechnet Potter sein, Draco..."