Hallo lufa!

Es ist doch immer wieder schön, wenn jemand neu in die Geschichte einsteigt - und mir das schreibt. Dass dir die Geschichte auch noch gefällt ist dann wie Weihnachten!

Vielen herzlichen Dank dir!


Allen anderen Lesern wünsche ich viel Spaß mit einem neuen Kapitel. Amy ist heute in dichterischer Mission unterwegs. Aber ob ihr das Glück bringt?

Feuerbohne


20. Kleb und Fluch

Immer noch Montag:

Snape den Brief zu schicken hab ich schließlich doch wieder verworfen und Band samt Schleife zurück in die Schublade gestopft. Er hatte recht, wir mussten reden. Miteinander!

Und schon hatte ich wieder ein Problem. Heute war Montag und ich würde erst Mittwoch nach Hogwarts zurückkehren. Oh ja, ich könnte gleich heute – und Lust hätt ich glatt, immerhin war ich es entschieden überdrüssig von meinen Eltern wieder als unmündige Tochter behandelt zu werden.

ABER: Im Schloss lauerte jetzt ein grantiger Zaubertränkeprofessor.

Naja, eigentlich war er ja seit diesem Schuljahr Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Aber sein Büro war derart vollgestopft mit Zaubertrankzutaten, dass man schlicht auf keinen anderen Gedanken kam! Und ich glaube, es ist seine Passion Tränke zu brauen.

Kann mir bitte jemand verraten, wie ich dieser geballten Ladung schlechter Laune gegenüber treten soll?

„Hallo Professor! Schöne Ferien gehabt? Das mit der Verabredung tut mir leid, aber ich hab den Zettel erst zu spät gefunden."

Der springt mich doch an, wenn ich sowas sage.


Halb fünf:

Nachdem sich meine Gefühlslage wieder einigermaßen beruhigt hat, greift Ratlosigkeit um sich. Diesmal habe ich wirklich was verbockt mit meiner Schusseligkeit. Warum hab ich auch diese Nachricht fallen lassen? Mir ist schon klar, dass ich mich entschuldigen muss. Aber gleich? Heute? Muss das wirklich sein? Er raucht bestimmt noch vor Zorn. Und mich verlockt es so gar nicht, ihm gegenüber zu stehen.

Andererseits, was wird besser, wenn ich noch zwei Tage abwarte? Wird er übermorgen weniger wütend sein? Ich habe so den Verdacht, dass er sehr gut in der Lage ist, solch ungute Gefühle zu konservieren. Dann ist übermorgen gar nichts besser. Im Gegenteil!

„He, Mama, ich muss noch mal los."

'Ich glaub, ich mach eben mal einen kleinen Ausflug in die schottischen Highlands. Muss nen fauchenden Panther beruhigen gehen.'

„Bleibst du lange weg?"

„Mal sehen."

'Mensch Mama, unter Umständen bin ich ganz schnell wieder da!'

„Auf alle Fälle komme ich heute noch."

„Um sechs gibt es Abendessen."

„Ich ess was unterwegs, tschüss!"

Essen! Woran Mütter ständig denken! Ich bin in ner Friedensmission unterwegs und soll an Essen denken! Wenn ich wenigstens eine Ahnung hätte, wie ich's anstellen soll, Snape zu versöhnen. Würde es was bringen, wenn ich mich ihm an den Hals werfen würde?

Hihi, damit würde er wohl nicht rechnen!

Sowas kommt bei Männern manchmal ganz gut. Frau im Arm – Wut weg, so in der Art.

Aber ich weiß nicht recht.

Meine Erfahrungen mit Snape waren ja eher die, dass wir uns hervorragend streiten können. Ganze Schlosser stürzten dabei ein! Aber konnten wir uns auch vertragen?

Ich mein, wenn ich mich so schnell in seine Arme stürzen würde, dann wüsste ich doch überhaupt nicht, ob wir auch normal miteinander reden könnten!

Das halte ich nämlich für ziemlich unerlässlich für den zwischenmenschlichen Kontakt. Reden.

Ganz mal davon abgesehen, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob ich überhaupt in Snapes Arme will! Irgendwie ist er mir ein bisschen zu finster. Er hat bestimmt Geheimnisse, von denen ich lieber gar nichts wissen möchte.

Nee, also, nichts überstürzen!

Jetzt muss ich aber los!


Dienstag:

Ich lebe noch. Bin nicht aufgefressen worden und auch nicht in der Luft zerrissen. Ganz heil bin ich zwei Stunden später wieder bei meinen Eltern eingetrudelt und hab tatsächlich noch ein Abendessen verpasst bekommen.

Allerdings habe ich in Hogwarts auch rein gar nichts erreicht, Snape war nämlich nicht da.

Falsch formuliert: Er hat nicht aufgemacht und ich musste deshalb davon ausgehen, dass er nicht da war. Aber vielleicht wollte er nur nicht aufmachen? Vielleicht hatte er was Besseres zu tun?

Ich werde jetzt, an dieser Stelle, nicht darauf eingehen, was er zu tun gehabt haben könnte. Pfui Spinne! Meine Phantasie hätte da Einiges parat! Aber nein! Ich werde jetzt gepflegt notieren, dass ich nach meiner vergeblichen Kerkermission Albus einen kleinen Besuch abgestattet habe, um ihm meine Kündigung zu überbringen.

Er wirkte nicht sonderlich überrascht und ich mutmaße mal, dass er vom Ministerium bereits einen Wink bekommen hatte, dass er sich um eine neue Muggelkundelehrerin bemühen müsste.

„Wollen Sie bis Ende März noch neue Räume beziehen?", fragte er mich schließlich.

Da war sie, die Frage, die ich die ganze letzte Zeit so gerne gehört hätte.

„Ja, ja, ja!", hätte meine folgerichtige Antwort sein müssen.

Aber was hab ich dumme Kuh wirklich gesagt?

„Nein, ist nicht notwendig, ich fühle mich im Mädchenschlafsaal wohl. Und es sind ja nur noch ein paar Wochen."

Ja war ich da denn da völlig durchgeknallt? Drei Monate sind eine lange Zeit! Und die werd ich jetzt, dank meiner idiotischen Antwort, im Gryffindorturm verbringen dürfen.

Oh, ich will mal nichts dramatisieren. Die Gryffindors sind samt und sonders sehr nett. Es wird auch kein bisschen mehr unangenehm, wenn ich dort aufkreuze. Und meine Schlafsaalmädels sind Zucker. Ständig versorgen sie mich mit Alkohol.

Ich glaub bald, die halten mich für ne Säuferin!

Eh nein, es ist eher so, dass hier eine Art Verschwesterung stattgefunden hat. Und dass sie mich ab und an auf eine Flasche Butterbier oder ein Gläschen Elfenbowle einladen hat einen einfachen Hintergrund: Wenn ich mitbechere, werd ich sie auch sicher nicht verpetzen.

Also, die Wohnsituation ist nicht mehr so obergrässlich. Dennoch, eigene Räume, seufz. Sein Zeug einfach liegen lassen können (sofern man Zeug hat!), Besuch empfangen (gute Idee, nur wen?), Krach machen können, soviel man will.

Also, wenn ich mir das so ansehe – viele gute Gründe, warum ich unbedingt eigene Räume brauche, stehen hier nicht. Krach machen!

Sicher, wenn Snape mich ärgert, dann würde ich schon gerne mal die Wände anschreien. Aber, ehrlich gesagt, noch lieber ihn persönlich. Die Wände wären da stets nur zweite Wahl.

Apropos Snape. Der Herr, der nicht Zuhause weilte. Der wird sich freuen, wenn er zurück kommt. Ich hab nämlich meine Phantasie bemüht und ihm eine nette, kleine Versöhnungsnachricht hinterlassen. Gereimt. Mach ich manchmal gerne.

Professor Snape, es tut mir leid,

vertan war deine wertvolle Zeit

bei Masons. So nett!

Ich war zu dieser frühen Stund

leider nicht des Zettels kund,

der lag noch unterm Bett!

Vor deiner Tür steh ich jetzt hier,

als Entschuldigung wollte ich dir

paar Blumen und Pralinen schenken.

Doch leider blieb das Pech mir hold,

ich hab lange gewartet, aber jetzt wird mir kalt,

werd übermorgen an dich denken.

Gut, hohe Dichtkunst ist es nicht. Und am Ende reimt es sich auch nur noch vielleicht. Aber ich hab mir gedacht, 'gib dir ein bisschen Mühe, dann renkt sich alles viel schneller ein'. Ein plumper Zettel mit den Worten. 'Ich hab nun auch vergeblich gewartet, jetzt sind wir wieder quitt!', wäre denn doch ein bisschen zu wenig gewesen, nicht wahr?

So und jetzt werd ich mich mal darum kümmern, wie ich Silvester verbringe. Meine Eltern feiern bei den McFlairs. Da bringen mich keine zehn Pferde hin!


Mittwoch:

Wieder so ein langer Tag zu Ende und ich hocke im Schlafsaal-Himmelbettchen. Die Mädels sind schon eingeschlafen (ich hab ein bisschen nachgeholfen und sie mit nem Schuss Feuerwhisky versorgt).

Jetzt erst hab ich Muse, mich ungestört zu ärgern. Ich hab schon ins Kissen gebissen und mir vorgestellt, dass das Snapes – Wade sei.

Dabei hatte ich mir richtig Mühe gegeben mit ihm, gedichtet und Pralinen besorgt, dunkle Herrenpralinen, mit Feuerwhisky gefüllt. Dabei hatte ich auch die Flasche für meine Schlafsaalkolleginnen gekauft.

Nur zur Info: Das war nicht meine Idee gewesen! Die hatten mich gefragt, vor Weihnachten. Ich würd doch nie von mir aus ..., nein, also wirklich! Ich bin Lehrerin hier! Und mehr als einen Schluck pro Person gabs auch gar nicht!

Frohgemut bin ich also heute nach dem Abendessen, mit den Pralinen bewaffnet, gen Kerker gezogen. Ich hab, ehrlich gesagt, nichts Schlimmes mehr erwartet.

Er hat gleich geöffnet, wirkte auch gar nicht sonderlich böse und winkte mich herein.

Erleichtert, brav und etwas kleinlaut übergab ich die Pralinen mit einer gemurmelten Entschuldigung.

„Wo sind die Blumen?", fragte er da.

Hä? Blumen?

„An der Tür steht was von Blumen", beharrte er, als ich ihn nur fragend ansah.

Blumen! Die standen da wegen des Versmaßes. Aber doch nicht für ernst!

„Ohne Blumen keine Absolution."

Und so sah er auch aus. Als bräuchte er dringend noch was. ABER KEINE BLUMEN!

Erst jetzt war es mir aufgefallen: Seine Stimme triefte vor Sarkasmus.

Ich weiß, ich bin ein bisschen naiv und manchmal brauche ich etwas, bis ich erkenne, dass ich entsetzlich auflaufe. Aber dann!

„WAS IST LOS?", schrie ich, „WAS IST DENN JETZT SCHON WIEDER FALSCH?"

Da rannte er zur Türe, riss sie auf und deutete auf einen Zettel.

„DAS DA!" brüllte er zurück.

Da hing das Gedicht. Mein Entschuldigungsgedicht für ihn. Na und? Sollte er es abnehmen, wenn es ihn störte.

Ich zuckte mit den Schultern.

Er deutete meine Geste durchaus richtig: „Du hast keine Ahnung?", zischte er zwischen den Zähnen hindurch und musterte mich mit eng zusammengekniffenen Augen.

Wovon, bitte, sollte ich eine Ahnung haben?

„Du hast das Ding da hingehext", fauchte er.

'Ja, richtig, das machen Hexen so. Sie hexen Dinge an Türen. Das ist praktisch, wenn man weder Reißnagel noch Tesa zur Verfügung hat.'

Ich nickte also und folgerichtig. Wobei mir das Problem langsam dämmerte.

Es war leider so, mein Klebefluch war so stark ausgefallen, dass der dumme Zettel zur Erbauung aller, die Lust und Laune hatten muggelkundelehrerliche Dichtkunst zu lesen, hängen bleiben musste.

Ich versuchte mein Bestes. Aber ich bin nun mal eine lausige Hexe. Hab ich das noch nicht erwähnt? Meine Hexkunst, in Abendkursen ausgebildet und verfeinert, war mehr als dürftig.

Ich kam gerade so durch. Und mit diesem Klebefluch war ich unwissentlich weit übers Ziel hinausgeschossen.

Kurz und gut, der Zettel blieb an Ort uns Stelle, so sehr ich auch daran zog oder mit meinem Zauberstab davor herumfuchtelte.

Der vor Wut kochende Tränkemeister führte sich auf wie Rumpelstilzchen, und als ich schließlich die Flucht ergriff, brüllte er mir noch hinterher:

„ES HAT GUT GRÜNDE, WARUM MAN JAHRELANG MAGIE LERNEN UND ÜBEN MUSS!"

Jetzt war guter Rat teuer, denn es lag durchaus auch in meinem Interesse, dieses alberne Gedicht schnellstmöglich von Snapes Tür verschwinden zu lassen.

Ich konnte mir die Pilgerfahrten in den Kerker sehr lebhaft vorstellen, die spätestens morgen einsetzen würden, wenn sich diese Sensation erst genügend herumgesprochen hatte.

Was konnte ich jetzt also tun?

Gut, in die Bibliothek gehen und Wälzer wälzen, das war eine Option!

Aber wie sollte ich kleines Hexlein alleine dort einen Lösezauber finden, wenn es dem in Magie bei weitem versierteren Snape nicht möglich gewesen war?

Davon war doch auszugehen, dass er sich heute bereits redlich darum bemüht hatte, oder?

Ich musste also Jemanden fragen.

Zauberkunst, wer kam da in Frage?


Na, ich will es nicht zu spannend machen, ich bin also zu Flitwick gegangen, hab ihm die Situation erklärt und gebeten, mir zu helfen.

Für so kleine Menschen ist der Marsch in den Kerker eine Herausforderung. Die vielen Stufen!

Und aus diesem Grund bin ich Filius auch sehr dankbar. Er war höflich, leise und sehr diskret.

Ich bin mir sicher, dass er das Gedicht nicht einmal gelesen hat, während er davorstand und einen Zauberspruch nach dem nächsten losschickte.

Schließlich löste sich der Zettel und der kleine Zauberer nickte zufrieden: „Der PPP wars, das habe ich geahnt", raunte er leise.

„PPP?", flüsterte ich, hob meine Dichtkunst vom Boden auf und verfrachtete sie in meine Hosentasche. Nur weg damit!

„Ponderosus pagina persolvo", sagte er ernst, „das solltest du dir vielleicht merken."

Ja, sollte ich. Aber dazu müsste ich mir dieses PPP aufschreiben, auswendig kann ich sowas nämlich nicht so schnell!

Während Filius Flitwick, zufrieden vor sich hinquiekend, von dannen zog, klopfte ich abermals an die Kerkertüre, um dem bärbeißigen Büroeigner Entwarnung zu geben.

Er starrte erst auf die Türe, dann auf mich: „Wie hast du das geschafft?", fragte er und sah tatsächlich erstaunt aus.

'Ja, da guckste, was? Ich kann zaubern, da bleibt dir die Spucke weg.'

„War nur ne Kleinigkeit", sagte ich und zuckte bescheiden mit den Schultern.

Er schüttelte ungläubig den Kopf: „Nie und nimmer warst du das", sagte er.

Na, Kerkermeisterlein, dann werd ich dich auch nicht aufklären. Denk, was du willst.

„Absolution?", fragte ich dreist und sah ihn herausfordernd an.

Doch statt einer Antwort zischte er nur leise:

„Morgen um Sieben!"

Wütend stapfte ich davon. Jetzt hatte ich ihm geholfen und was war der Dank?

Erneute Kerkerhaft.

Denn, ich machte mir da nichts vor, von Verzeihung hatte er nicht gesprochen, als er seine drei Worte gesagt hat.