A/N: Guten Abend, ihr Lieben,
zu dieser späten Stunde gibt es von mir noch ein kleines Update für Euch.
Anmerkung: auch hier ist von mir ein Satz der wörtlichen Rede (Flitwick) aus dem "Halbblutprinzen" übernommen worden.
Viel Spaß beim Lesen! :-)
LG
Kapitel 21 - Sieg und Niederlage: Teil 1
„Also, ich weiß nicht recht; hoffentlich verschwenden wir unser Glück nicht umsonst!"
Ron blickte nervös drein und fummelte an der winzigen Phiole mit Felix Felicis herum, während Ginny und Hermine angespannt über der Karte des Rumtreibers brüteten. Die meisten ihrer Mitschüler waren bereits zu Bett gegangen und die Drei konnten vor dem Kaminfeuer im Gemeinschaftsraum ungestört über ihre Pläne für die heutige Nacht sprechen.
„Unsinn. Harry hat uns den Glückstrank sicherlich nicht ohne Grund überlassen", entgegnete Ginny mit grimmiger Miene, den Blick starr auf den schwarzen Punkt gerichtet, neben dem Draco Malfoys Name zu lesen war. „Sollten Snape und Malfoy tatsächlich etwas im Schilde führen, müssen wir auf alles vorbereitet sein!"
Es gibt diese Horkruxe also wirklich, dachte Hermine schaudernd und rief sich Harrys letzte Worte in Erinnerung, bevor er davongestürmt war, um mit Dumbledore einen der Seelensplitter des Unnennbaren zu suchen und zu zerstören. Somit stand heute Nacht in jedem Fall Einiges auf dem Spiel, ganz gleich, ob sich seine Vermutungen den jungen Slytherin betreffend bewahrheiten sollten oder nicht.
Ihre Gedanken wanderten unwillkürlich zu der stellvertretenden Schulleiterin, die zweifellos gerade durch einen der zahllosen Korridore des Schlosses streifte, um nach dem Rechten zu sehen, und diese Vorstellung versetzte ihrem Herzen einen winzigen Stich. Die Zurückweisung der älteren Hexe schmerzte Hermine zwar noch immer, jedoch durfte sie es sich heute nicht erlauben, ihrem Selbstmitleid anheimzufallen.
„Lasst uns lieber hoffen, dass wir kein Glück brauchen werden", murmelte sie düster und nickte ihren Freunden bedeutungsvoll zu.
„Na schön, dann mal los", brummte Ron achselzuckend, entkorkte vorsichtig das Fläschchen und nahm einen bescheidenen Schluck, ehe er es an die beiden anderen weiterreichte. Das Gebräu schmeckte erdig-süß, als Hermine den letzten Rest aus der Ampulle trank, und für einen kurzen Moment wurde ihr seltsam benebelt zumute, wie nach einem ordentlichen Schluck Feuerwhisky auf nüchternen Magen. Die Empfindung wich jedoch umgehend einer überraschend angenehmen Wärme, die sich bis in ihre Gliedmaßen ausbreitete, und ein unwillkürliches Lächeln auf ihre Lippen zauberte. Die Aufgabe, ein Auge auf Harrys Erzfeinde zu halten, erschien ihr mit einem Mal gar nicht mehr so gewagt.
Dumpfe Schritte ertönten auf der Treppe zu den Jungenschlafsälen und ließen die drei aufblicken.
„Hey, Neville! Bist du etwa aus dem Bett gefallen?", rief Ginny grinsend, als Neville Longbottom schnaufend auf sie zu gehastet kam, sein falsch geknöpfter Umhang sowie die zwei unterschiedlichen Socken, die unter seinen Hosenbeinen hervorlugten, ließen vermuten, dass er sich in Sekundenschnelle und bei eher mäßiger Beleuchtung angezogen hatte.
„Ich bin sofort los, als ich eure Nachricht erhalten habe", keuchte Neville und hielt mit geröteten Wangen die gefälschte Galleone in die Höhe, mittels derer die Angehörigen von Dumbledores Armee seit jeher geheime Botschaften austauschten. „Ich will helfen, so gut ich kann!"
„Ausgezeichnet, dann lasst uns zum Treffpunkt gehen! Hoffentlich werden noch weitere Mitglieder unserem Ruf folgen!"
Die vier Gryffindors kletterten soeben durch das Portaitloch, als auch schon zusätzliche Verstärkung herannahte.
„Wie schön, euch zu sehen! Ziehen wir wieder in den Kampf?", grüßte sie Luna Lovegood, die mit glücklicher Miene zu ihnen aufblickte, und Hermine verspürte glühenden Stolz beim Anblick ihrer treuen Freunde und Mitstreiter. Durch ihre bloße Anwesenheit riskierte jeder Einzelne von ihnen wieder einmal einen Schulverweis – oder womöglich sogar sein Leben –, doch das hatte sie nicht davon abgehalten, für einen der ihren einzustehen.
„So ist es", erwiderte sie entschlossen und drückte Ron die Karte des Rumtreibers in die Hand. „Harry verlässt sich auf uns. Solange er und Dumbledore fort sind, könnte Malfoy alles Mögliche anstellen."
„Er ist weg!", stieß Ron hervor und stierte fassungslos auf das magische Pergament. „Diese miese kleine Ratte ist nirgends zu sehen!"
Unter Schubsen und Schieben drängten sich alle um die Karte herum und suchten fieberhaft die umrissenen Korridore ab, doch der Slytherin blieb spurlos verschwunden.
„Merlin, Harry hatte recht!", rief Ginny plötzlich, sie war blass geworden und wedelte wild mit den Händen vor jedermanns Nase herum. „Er muss in den Raum der Wünsche gegangen sein!"
Ron nickte entschlossen und rollte das Schriftstück zusammen. „Dann lasst uns ihm einen Besuch abstatten und herausfinden, was er vorhat."
„Luna und ich gehen hinunter in die Kerker", warf Hermine plötzlich ein, die Wirkung des Glückstranks schien sich offenbar bereits zu entfalten, denn eine innere Eingebung sagte ihr, dass sie genau dorthin gehen musste. „Sollte Snape irgendetwas Ungewöhnliches tun, werden wir es euch umgehend wissen lassen."
Zufrieden stellte Minerva fest, dass Dumbledore ganze Arbeit geleistet hatte. Die Schutzzauber, die das Schloss umgaben, waren massiv verstärkt worden, sodass kein Eindringling sie auf dem Luftweg würde überwinden können. Zusätzlich zu den magischen Verteidigungsmaßnahmen hatte sie die Intervalle zwischen den Rundgängen aller Lehrkräfte halbiert sowie Wachen an jedem Geheimgang postiert, der aus der Schule herausführte. Überdies befand sich der Phönixorden ebenfalls in Alarmbereitschaft und drei Abgesandte durchstreiften bereits auf ihr Gebot hin das Schloss.
Minerva spürte die immense Energie des Schutzschildes durch ihr Bewusstsein vibrieren, den zu befehligen nun, während Albus' Abwesenheit, in ihren Zuständigkeitsbereich fiel, und schritt einmal mehr energischer aus, während sie ihren Kontrollgang fortsetzte. Obwohl die Schottin bisweilen eine seltsam mulmige Vorahnung beschlich, gestattete sie ihrer Entschlossenheit keinerlei Wankelmut. In Zeiten wie diesen oblag die Sicherheit des Schlosses sowie seiner Bewohner ihrer alleinigen Verantwortung und sie war bereit, alles tun, um Hogwarts im Ernstfall zu verteidigen.
Mit einem tiefen Seufzer umfasste sie ihren Zauberstab fester und bog in den nächsten Korridor ein, der still und verlassen vor ihr lag. Für den Moment jedenfalls schien es so, als ob Albus' Sorge unbegründet blieb.
Das silberne Mondlicht beleuchtete bereits seit einer gefühlten Ewigkeit die bizarre Szenerie auf dem Wandbehang von Barnabas dem Bekloppten, als Ginny schließlich der Kragen platzte und auf dem Absatz herumwirbelte.
„Könntest du bitte damit aufhören, mir ständig kalte Luft in den Nacken zu pusten?", fauchte sie unwirsch ihren Bruder an, der irritiert zusammenzuckte und seine Zauberstabhand sinken ließ, mit der er achtlos gegen den Mauerstein getrommelt hatte, an dem Ginny lehnte und um die Ecke lugte.
„'Tschuldige…"
Die Anspannung war innerhalb der vergangenen halben Stunde ins schier Unermessliche gestiegen, während Ginny, Ron und Neville immer wieder die Karte des Rumtreibers studiert und nervöse Blicke hinüber zu dem Wandteppich geworfen hatten, der die Stelle markierte, wo sich der Raum der Wünsche für gewöhnlich zu offenbaren pflegte. Alles war ruhig; es hätte eine Nacht wie jede andere sein können, obwohl sie des Öfteren vor einer patrouillierenden Lehrkraft in Deckung gehen mussten. Ginny begann gerade, sich zu fragen, ob es bei ihren beiden Freundinnen in den Kerkern ebenso ereignislos zuging, als sich plötzlich etwas regte.
„Seht mal", flüsterte Neville gedämpft, der zu Ginnys Füßen kauerte und seinerseits Ausschau hielt. Die Geschwister folgten seinem Blick und sahen gebannt zu, wie die kahle Wand neben den Trollen in Ballettröckchen erbebte und unter Ächzen und Rumpeln eine Tür preisgab. Feiner Steinstaub rieselte aus den Ritzen des Türrahmens und Ginny spürte, wie sich ihr Magen schmerzhaft zusammenkrampfte, als sie Sekunden später geräuschlos aufschwang und wahrhaftig Draco Malfoy enthüllte, der hastigen Schrittes heraustrat, dicht gefolgt von nicht einem oder zwei, sondern gleich von einer ganzen Meute von Anhängern in rabenschwarzen Umhängen. Sie keuchte auf, als sie unter ihnen die massige Gestalt des berüchtigten Werwolfs Fenrir Greyback erkannte, welcher vom Tagespropheten für zahlreiche Morde an unschuldigen Kindern verantwortlich gemacht wurde.
„Todesser!", hauchte Ron entsetzt und stopfte hastig die Karte in seinen Umhang, seine Sommersprossen stachen regelrecht aus seiner blassen Miene hervor. „Wie zur Hölle sind die hier reingekommen?"
Ehe weder Ginny noch Neville etwas erwidern konnten, hörten sie auch schon einen gedämpften Fluch, als einer der Ankömmlinge plötzlich in ihre Richtung gestikulierte und knurrte: „Man hat uns entdeckt!"
Was daraufhin geschah, erfolgte so schnell, dass keiner von ihnen auch nur den Zauberstab heben konnte. Mit dem Krachen einer Knallerbse war der gesamte Korridor mit einem Schlag schwärzer als die Nacht; die Finsternis, welche die drei Gefährten einhüllte, war derart undurchdringlich, dass sie nicht einmal ihre eigenen Füße sehen konnten.
„Elende wichtelverseuchte Bastarde!", fluchte Ginny, streckte beide Hände aus und lief in die Richtung, in der sie die Eindringlinge vermutete. Diese Mistkerle hatten sie doch tatsächlich mit einer Prise peruanischen Instant-Finsternispulvers aus Freds und Georges Scherzartikelsortiment unschädlich gemacht!
Sie hörte das Schlurfen und Scharren mehrerer Paar Stiefel, begleitet von unterdrücktem Gemurmel, doch je angestrengter sie versuchte, in der beklemmenden Schwärze etwas zu sehen, desto weiter entfernten sich die Schritte von ihr. Es gelang den Todessern offenbar irgendwie, ihren Weg durch das Unlicht zu finden, ohne sich dabei zu verirren.
„Kommt schon, hier entlang!", rief Ginny über die Schulter, wo Ron in nicht minder farbenprächtigem Reichtum vor sich hin wetterte, und tastete sich blind an der Wand entlang vorwärts. Felix sei Dank, der Nebel begann allmählich, sich zu lichten!
Als die junge Hexe endlich aus dem trüben Dickicht aus Rauch und Dunkelheit brach und in den angrenzenden Gang stürzte, musste sie zu ihrer Enttäuschung feststellen, dass Malfoy und sein Gefolge bereits das Weite gesucht hatten. Es dauerte nicht lange, bis Ron mit dem zerzaust wirkenden Neville im Schlepptau zu ihr aufschloss und ohne langsamer zu werden weiterrannte. Sie waren jedoch noch nicht weit gekommen, als eine vertraute Stimme sie abrupt abbremsen ließ.
„Remus! Tonks! Seht mal, wen ich gefunden habe!"
„Bill! Was treibst du denn hier?", rief Ron verblüfft und entspannte sich sichtlich, als er seinen Bruder William erblickte, der aus einem benachbarten Korridor trat und die Gryffindors mit einem müden Lächeln begrüßte. Die beiden Gestalten hinter ihm wirbelten augenblicklich herum und erhoben ihre Zauberstäbe.
„Der Orden schickt uns zu McGonagalls Unterstützung", erklärte der ältere Weasleysohn und wies über die Schulter zu seinen Begleitern, die eilig nähertraten.
„Ron! Ginny! Was bei Merlins Bart tut ihr hier draußen?", meldete sich der größere von ihnen zu Wort und senkte umgehend seinen leuchtenden Stab, um die Neuankömmlinge nicht zu blenden.
„Was denkst du wohl, Remus?", raunte die Hexe neben ihm, deren dunkles Haar im Gegensatz zu seinem einstigen grellrosa Farbton geradezu deprimierend wirkte. „Diese Drei sind bestimmt nicht gekommen, um die laue Sommernacht zu genießen."
Die jüngsten Ereignisse waren schneller erzählt als die Farbe aus den Gesichtern der Ordensmitglieder weichen konnte.
„Wo sind sie jetzt?", fragte Lupin grimmig, die Tatsache, dass seine ehemaligen Schüler unerlaubterweise ihre Betten verlassen hatten, schien mit einem Mal vollkommen vergessen.
„Kommt mit!", rief Ron und setzte sich bereits wieder in Bewegung, wobei er triumphierend mit der Karte des Rumtreibers über seinem Kopf herumwedelte. „Ich habe da so eine Ahnung, wohin sie unterwegs sind!"
„Was tust du da?", murmelte Hermine verwundert, während sie zusah, wie Luna neben ihr den Kopf zur Seite neigte, sich die Nase zuhielt und mit geschlossenen Mund ausatmete.
„Ich vertreibe die Schlickschlupfe*", erklärte Luna, als sei ihr Gebaren das Natürlichste auf der Welt, und wiederholte das Ganze für die andere Seite. „Um Mitternacht herum sind sie besonders aktiv; deshalb träumt man auch so viel wirres Zeug, wenn man um diese Zeit bereits schläft."
Hermine entschied sich gegen eine Erwiderung, da sie auf diesem Feld ohnehin nicht gewinnen konnte. Stattdessen brachte sie sich auf dem Sockel der Greifenstatue, den sie mit Luna bezogen hatte, in eine bequemere Sitzposition und reckte zum wiederholten Male den Hals, um die Tür zu Professor Snapes Büro zu betrachten. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet ihr, dass die gegenwärtige Stunde tatsächlich beinahe Mitternacht erreicht hatte.
„Wir warten jetzt schon seit gut zwei Stunden; vielleicht haben wir ja Glück und Snape ist einge…" Weiter kam Hermine nicht, denn das ferne Geräusch von kurzen Schritten, die von den Steinwänden widerhallten, wehte an ihre Ohren. „Schnell, da kommt jemand!", zischte sie, sprang auf und duckte sich gemeinsam mit Luna tiefer in die Schatten hinter der Statue. Das trippelnde Geräusch rührte von einer offenbar überaus unterdimensionierten Person her, die kurz darauf auch schon in Sichtweite geriet. Schnaufend und pfeifend sauste Filius Flitwick an ihrem Versteck vorüber wie ein wild gewordener Gartengnom, bis er mit einem gedämpften „Uff!" von der eisenbeschlagenen Tür zu Snapes Büro abprallte und mit seinen winzigen Fäusten dagegen trommelte.
„Severus! Severus! Todesser sind im Schloss!"
Von ihrer Position aus konnte Hermine gerade noch erkennen, wie sich die Tür öffnete und Flitwick unter hochfrequentem Gezeter in den Raum preschte. Um besser mithören zu können, wagte sie sich vorsichtig aus ihrer Deckung und näherte sich langsam der geöffneten Tür, durch die mattes, bläuliches Licht herausströmte.
„Du musst sofort mit mir kommen, Severus, sie sind oben, oben im siebten Stock!", quiekte der winzige Zauberer gerade aufgeregt, doch plötzlich ließ ein dumpfer Schlag seinen Redeschwall abrupt versiegen. Draußen vor dem Büro gefror jegliche Bewegung, als die Tür kraftvoll aufgestoßen wurde und die hagere Gestalt von Professor Snape im Türrahmen auftauchte. Mit wehendem Umhang rauschte er den Gang entlang in Hermines Richtung, die harten Augen in seiner verzerrten Miene wirkten im Zwielicht beinahe völlig schwarz, als er die junge Hexe erblickte.
„Professor Flitwick hat, wie es scheint, einen Schock erlitten und ist zusammengebrochen", sagte Snape kurz angebunden und ohne langsamer zu werden, „kümmern Sie sich um ihn. Ich muss umgehend den Kampf gegen die Todesser aufnehmen."
„J-Jawohl, Sir", stammelte Hermine und starrte dem furchteinflößenden Zaubertrankmeister hinterher, der mit beeindruckender Geschwindigkeit davoneilte, ehe sie sich hastig zu Luna umwandte, die bereits einen Fuß in das fensterlose Zimmer gesetzt hatte. Dort, auf dem kalten Steinboden vor dem Schreibtisch, lag Filius Flitwick, alle Viere weit von sich gestreckt und offenbar bewusstlos.
„Armer Professor Flitwick", murmelte Luna sanft, ließ sich auf die Knie sinken und befühlte die Stirn des kleinen Mannes, während die volle Bedeutung der Situation allmählich zu Hermine durchdrang.
Todesser waren im Schloss! Das bedeutete, jeder, der sich zurzeit draußen auf den Korridoren aufhielt, schwebte in äußerster Gefahr. Ron und Ginny mochten wie sie selbst unter dem Schutz von Felix Felicis stehen, doch Hermine wurde schlagartig übel, als das Bild einer gewissen Hexe vor ihrem geistigen Auge auftauchte.
„Wir müssen ihn hier rausschaffen und dann die anderen finden", presste sie angestrengt hervor, zückte ihren Zauberstab und ließ den besinnungslosen Flitwick kurzerhand vor sich her aus dem Raum schweben. Als sie im Laufschritt die Eingangshalle erreichten und prompt in eine patrouillierende Lehrkraft liefen, schickte Hermine ein stummes Dankgebet zum Himmel. Professor Sinistra wirkte alles andere als angetan von der Tatsache, dass Schüler außerhalb der Betten unterwegs waren, doch ihr blieb keine andere Wahl als sich duldsam ihres Kollegen anzunehmen, während Luna und Hermine schleunigst lossprinteten, so schnell ihre Füße sie tragen konnten.
Minerva hörte die Schreie und Rufe über dem splitternden Krachen der einschlagenden Flüche bereits aus weiter Entfernung. Die nächste Abkürzung, die sie fand, führte sie zu ihrem Glück direkt in den siebten Stock des Westflügels, wo sie sogleich von staubiger Luft, grellen Lichtblitzen und einem heillosen Durcheinander an Kämpfenden empfangen wurde. Hastig brach die Schottin durch den Wandbehang, wich einem fehlgeleiteten Schockzauber aus und feuerte ihrerseits einen Beinklammerfluch auf den nächststehenden Todesser namens Rowle, der Minervas Angriff knurrend parierte, jedoch beschloss, lieber nicht gegen die Hexe anzutreten und sich stattdessen hinter seine Konsorten zurückfallen zu lassen. Inmitten der wirbelnden Roben und umherfliegenden Flüche konnte sie William, Remus und Nymphadora erkennen, die den Eindringlingen erbittert die Stirn boten, doch das jähe Aufblitzen einer Schüleruniform war es, was die Schottin augenblicklich losstürmen ließ.
Daingit!** Auch das noch!
Mit hoch erhobenem Zauberstab tauchte die Schottin zwischen Remus und William hindurch, packte den verängstigten Neville Longbottom an der Schulter, warf ihn nach hinten und riss in letzter Sekunde einen Schildzauber in die Höhe, der noch im selben Moment von einem mächtigen Sprengfluch erschüttert wurde. Minerva reagierte unverzüglich; ihr Konterfluch traf den Angreifer, einen blonden Todesser mit hervorquellenden Augen, mitten in die Brust und der fauchende, grellweiße Lichtstrahl schleuderte ihn mit Wucht gegen eine feindliche Hexe, die gesuchte Todesserin Alecto Carrow, deren hysterisches Kichern unter dem Aufprall zu einem kehligen Kreischen entartete. Beide Körper sackten in einem Wirbel aus Staub und verhedderten Roben zu Boden, doch Minerva achtete nicht weiter auf sie, als sie durch den Schleier aus Dunst und Magie die Silhouetten weiterer Gryffindors gewahrte.
„Wie viele von Ihnen sind noch hier draußen?", fuhr sie Longbottom in scharfem Ton an und deutete auf die beiden jüngsten Weasleys, die etwa zehn Schritt entfernt gegen die Todesser Yaxley und Gibbon kämpften.
Der keuchende junge Mann, der sich beim Aufprall des Fluches hinter Minervas wallende Gewänder zurückgezogen hatte, stierte seine Hauslehrerin mit weit aufgerissenen Augen an. „I-Ich weiß nicht, Professor", stotterte er atemlos, „es gab einen Aufruf an alle Mitglieder von Dumbledores Armee…"
Gütiger Merlin! Das bedeutete, Hermine lief mit ziemlicher Sicherheit auch irgendwo hier draußen herum!
Minerva starrte ihn fassungslos an, hatte jedoch keine Gelegenheit, etwas zu erwidern, da die Todesser, die über den Korridor verstreut waren, wie auf Kommando auseinanderstoben und in beide Richtungen den Gang hinunter das Weite suchten.
„Formiert euch! Wir folgen der größeren Gruppe!", bellte die stellvertretende Schulleiterin über die Köpfe ihrer Verbündeten hinweg, die Anstalten machten, den Fliehenden nachzusetzen. Auf Minervas Befehl hin eilten die übrigen Ordensmitglieder heran und deckten ihr gleichsam Rücken und Flanken, während die drei Schüler ins Zentrum der Formation gedrängt wurden.
Mit grimmigen Mienen setzten sich die Verteidiger in Bewegung. Keiner von ihnen sprach ein Wort, während sie durch die Korridore hasteten, dem Echo des Fußgetrappels hinterher, bis sie schließlich den Gang erreichten, von dessen Mitte aus die Treppe zum Astronomieturm abzweigte und wo die Truppen des Feindes unverhofft wieder zusammenliefen. Sogleich zischten auch schon die ersten Flüche durch die Luft und erfüllten die Umgebung mit einem beißenden Äthergeruch, doch die geschlossenen Reihen des Ordens wehrten jeglichen Angriff mühelos ab, während sie sich Schritt für Schritt vorankämpften.
„Drängt sie zurück!", schrie Minerva und ließ sich hinter Remus, Nymphadora und William zurückfallen, um ihre Schüler zu beschützen.
„Keine Sorge, Professor", ertönte plötzlich die Stimme von Ginny Weasley zu ihrer Linken, als diese an ihrer Hauslehrerin vorbeihechtete, „das Glück ist auf unserer Seite!" Und schon warf sie sich mitten ins Getümmel der Kämpfenden, dicht gefolgt von ihren beiden japsenden Kameraden.
Irgendwie gelang es Minerva, ihren Schock zu überwinden und ebenfalls zur Tat zu schreiten. Sie wich mehreren knisternden Querschlägern aus, duckte sich an umgestürzten Rüstungen vorbei und feuerte einen Lähmzauber auf die dunkle Gestalt, die soeben am Fuß der Treppe erschien. Bei dem Versuch, ihrem Angriff auszuweichen, geriet Gibbon ins Straucheln und stolperte in den Korridor; Remus, der sich nicht weit von ihm mit Rowle duellierte, tat plötzlich einen Schritt zur Seite und Minerva musste mit kaltem Entsetzen zusehen, wie Rowles giftgrüner Todesfluch um Haaresbreite an Lupin vorbeizüngelte und sich geradewegs in die Brust des unglückseligen Mannes fraß. Ehe dieser auf dem Boden aufschlug, hatte er bereits sein Leben ausgehaucht.
„Jetzt, Draco!"
Greybacks bellendes Knurren knallte wie ein Peitschenhieb durch Minervas Bewusstsein und riss ihren Blick von dem Leichnam los. Sie konnte gerade noch erkennen, wie der junge Draco Malfoy wie von der Tarantel gestochen die Turmtreppe hinaufrannte, an seinen Fersen hing eine Traube von Todessern, von denen die Nachhut unablässig mit ihren Zauberstäben fuchtelte. Die Luft flimmerte vor Magie und die Schottin zog sich eilig zurück, während der Fluch, den sie soeben wirkten, Gestalt annahm. Sie fuhr herum, um ihre Mitstreiter zu warnen, doch ehe Minerva auch nur den Mund öffnen konnte, hallte ein hässliches Knirschen durch den Korridor, als einer ihrer Schüler gegen die magische Barriere prallte, die ihn mit roher Gewalt in hohem Bogen hinwegfegte wie eine Stoffpuppe.
Mit einem erstickten Schrei riss Minerva ihren Zauberstab empor. „Arresto momentum!"
Neville Longbottoms Körper senkte sich beinahe sanft auf den Steinboden hernieder, wo er mit dem Gesicht nach unten liegen blieb, bis die Hexe ihn erreichte. Minerva hätte beinahe erleichtert aufgeseufzt, als sie feststellte, dass der junge Mann zwar einige ernstzunehmende Verletzungen davongetragen hatte, aber allen Widrigkeiten zum Trotz stetig atmete. Sie blickte auf, als endlich ihr Kollege Severus an ihr vorbeirauschte, hatte jedoch alle Hände voll zu tun, um ihren verletzten Schüler von den umherstiebenden Flüchen abzuschirmen, weshalb sie ihm nur ein knappes Nicken zuwarf. Wo zur Hölle steckte Filius, wenn man ihn brauchte?
Die Zahl der Todesser am Fuße der Treppe hatte sich zusehends verringert, sodass es Minerva gelang, ihren lädierten Schützling sicher aus dem unmittelbaren Gefecht zu entfernen. Lupin und Nymphadora versuchten unterdessen vergeblich, Severus durch das Kraftfeld zu folgen, welcher es offenbar irgendwie bewerkstelligt hatte, die Barriere unbehelligt zu passieren. Gerade, als sich die Schottin aufrichtete, um das Schlachtfeld zu überblicken, vernahm sie einen wutentbrannten Aufschrei, der ihr geradewegs durch Mark und Bein fuhr. Alarmiert wirbelte sie herum und sah einen scharlachroten Lichtblitz aus Yaxleys Zauberstab hervorbrechen, der knisternd den Flur hinunterfegte und in einer Funkenexplosion mit einem mächtigen Schutzschild kollidierte. Noch während die Energie des Fluches in die Luft dissipierte und der Dunst allmählich aufklarte, hatte Minerva die magische Signatur des Schildzaubers bereits erkannt und erbebte herzzerreißend.
Hermine!
Dort, am Ende des Korridors, richteten zwei junge Frauen ihre Zauberstäbe auf den herannahenden Todesser, der ihnen einmal mehr einen Fluch entgegenschleuderte, die Zornesröte verlieh seinen Zügen einen manischen Schimmer. Yaxley war der letzte seiner Gefährten, der hier unten zurückgeblieben und zudem noch auf den Beinen war. Sein wilder Angriff überraschte die blonde Hexe neben Hermine unvorbereitet und ließ diese mit blutender Nase zurückstolpern, ehe sich der Todesser seiner verbliebenen Kontrahentin zuwandte, der Todesfluch lag bereits auf seinen verzerrten Lippen.
„Oh nein, das wirst du nicht", knurrte Minerva hasserfüllt, ihr Zauberstab verschwamm in einer blitzschnellen Folge von Bewegungen, als sie erbarmungslos angriff, „TRUIS A-MACH!***"
Ein fürchterliches Knacken fuhr durch den Körper des Todessers, als er hinterrücks von ihrem Fluch erfasst und vom Schwung der eigenen Schritte nach vorn geschleudert wurde. Seine Schuhspitzen schleiften einige Meter über den Boden, ehe er der Länge nach aufschlug und ächzend zu Hermines Füßen zusammenbrach. Eine gespenstische Stille trat ein, in der die junge Hexe schwer atmend die entstandene Rauchfahne zurückverfolgte, bis ihr lodernder Blick schließlich Minerva erreichte, die langsam ihren Zauberstab sinken ließ und einfach nur zurückstarrte.
Das Herz der Schottin begann plötzlich wie wild zu schlagen, als Hermine einen zögerlichen Schritt in ihre Richtung tat, dann noch einen, und schließlich ihre freie Hand nach der älteren Hexe ausstreckte, in einer Geste, die alles bedeutete, was Minerva wissen musste, und noch so vieles mehr. Sie blickte in Hermines Gesicht, jenes süße, liebevolle Antlitz, und die Vorstellung, dass es ein einziger Fluch für immer hätte von ihr nehmen können, ließ ein gequältes Schluchzen aus ihrer Kehle entwischen. Dieses Mal wich Minerva nicht zurück, sondern erhob eine Hand und hielt sie Hermine zitternd entgegen. Sie sah die ungläubige Überraschung in deren Mienenspiel, gefolgt von einem Lächeln, das ihr Innerstes erschauern ließ, als sie sich aufeinander zu bewegten, und Minerva spürte zu ihrer Überraschung, wie Tränen der Erleichterung in ihren Augenwinkeln brannten.
„Alle Mann in Deckung!", dröhnte Lupins Stimme plötzlich durch den Gang und riss Minerva aus ihrer Entrückung, bevor sie kurz darauf in einer ohrenbetäubenden Explosion unterging. Schutt und Staub rieselte von der steinernen Decke, aus der sich riesige Blöcke lösten, die in einem donnernden Sturm aus Sandstein auf die Untenstehenden herabregneten. Das Letzte, was Minerva wahrnahm, war das schreckensstarre Gesicht der jüngeren Hexe, bevor ein massiver Steinhagel auf die magische Barriere herniederging und den halben Korridor unter sich begrub.
A/N:
*Schlickschlupfe: unsichtbare magische Wesen, die durch die Ohren einer Person deren Gehirn befallen und die Gedanken durcheinander bringen.
**Daingit!: gälisch für "Verdammt!", "Mist!"; sehr salopp.
***Truis a-mach!: gälisch für "Scher dich fort!", "Zieh' Leine!", "Sieh zu, dass du Land gewinnst!" u.v.m.; ebenfalls informell.
