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21. Alle zwei Stunden Tag und Nacht!
Das nervende Klingeln wurde immer lauter. Ron drehte sich um und versuchte das Kissen über sein Ohr zu ziehen. Plötzlich spürte er nichts mehr unter seinem Bein und landete mit einem lauten Knall auf dem Boden vor Hermines Sofa.
Das Klingeln wurde lauter. „Scheiße!" Ron sprang auf die Beine und rannte ins Schlafzimmer, schnappte sich die kleine violette Flasche vom Nachtisch und entkorkte sie. Das klingeln hörte sofort auf. Er setzte sich neben Hermine auf das Bett. Mit einem Schwung des Zauberstabes hob er Hermine an und hielt sie am Nacken im Gleichgewicht, während er mit der anderen Hand ihren Mund leichte öffnete und vorsichtig drei Tropfen der zähen Flüssigkeit auf Hermines Zunge träufelte. Langsam lies er Hermine wieder auf das Bett sinken. Sein Herz schlug wieder im normalen Rhythmus.
Vor Stunden, die ihm jetzt bereits wie Tage vorkamen war er zurück ins Krankenhaus gekommen. Er hatte sich Urlaub genommen und seiner Familie und Harry Bescheid gesagt. Harry wollte zuerst zu Ginny gehen, sie zum Arzt bringen und sich dann darum kümmern Ashley zu erreichen.
Heiler Ruthington hatte ihn zu Hermine ins Zimmer geführt. „Wir haben ihren Zustand stabilisiert. Das Fieber wird noch ein, zwei Tage andauern. Wenn es in drei Tagen noch so hoch ist, dann kommen sie mit ihr zurück." Er griff nach einer kleinen bauchigen violetten Flasche auf dem Tisch neben Hermines Bett. „Das hier ist das Anti-Smurf-Mittel. Sie müssen ihr alle zwei Stunden drei Tropfen auf ihre Zunge träufeln. Die Flasche ist so eingestellt, dass sie alle zwei Stunden klingelt. Sie müssen den zwei Stunden Rhythmus unbedingt einhalten. Das Mittel kann nur die geschlüpften Tiere töten, nicht die Eier!" Ron nickte. Der Heiler hob eine grüne, größere Flasche hoch. „Das hier ist der Stärkungstrank. Alle drei Stunden summt die Flasche. Davon geben sie ihr einen Esslöffel voll." Er drückte Ron beide Flaschen in die Hand, die dieser gleich in eine Tasche seiner Robe steckte.
„Sie müssen sie auch mit ausreichend Flüssigkeit versorgen. Selbst wenn sie nicht wach ist. Die Schwester wird ihnen gleich zeigen, wie das gemacht wird. Sobald sie mehr als einige Minuten wach ist, sollte sie eine kräftige Brühe zu sich nehmen. Aber erst am zweiten Tag eine leichte feste Nahrung. Gehen sie es langsam an – vielleicht mit Kartoffelbrei und Möhren. Sie darf für mindestens zehn Tage keine Magie nutzen!"
Er schaute Ron noch einmal mahnend an. „In acht Tagen will ich sie zur Nachuntersuchung hier sehen! Wenn es ihnen zu viel wird oder sie das Gefühl haben, dass sich ihr Zustand nicht verbessert oder gar verschlechtert, bringen sie sie sofort wieder her! Haben sie mich verstanden?" Ron nickte wieder. Dann erklärte ihm die Schwester, wie er mit einem Zauber Hermines Oberkörper anheben konnte, so dass er ihr die Medizin verabreichen konnte.
Und die letzten vierzehn Stunden hatte er nichts anderes getan als Hermine abwechselnd die Medizin und Wasser zu geben. Sie war immer nur für kurze Momente wach geworden. Aber er hatte das Gefühl, dass sie nicht mehr ganz so blass war und ihr Schlaf tiefer war. Er hoffte nur, dass er sich das nicht nur einbildete.
Sein Blick fiel auf die andere Hälfte von Hermines breitem Doppelbett. Sie war voll mit Pergament, Papier, Büchern und allem möglichen Schnickschnack. Er war fürchterlich zerschlagen. Er hatte die Nacht zuvor kaum geschlafen und die ganze Aufregung um Hermine forderte nun ihren Zoll. Kurz dachte er an die kleine Phiole in seiner Aurorenrobe. Der Hallo-Wach-Trank würde ihn 48 Stunden wach halten. Und das bei voller Konzentration. Das Problem war nur, das man nach den 48 Stunden in eine Art Tiefschlaf stürzte aus dem einen nicht einmal ein feuerspeiender Drachen wecken konnte.
Vielleicht könnte seine Mutter am Nachmittag sich einige Stunden um Hermine kümmern, während er schlief. Er würde später mit ihr über das Flonetzwerk reden. Aber jetzt musste er schlafen. Kurz entschlossen stand er auf und ging um das Bett herum. Mit einem Schwung seines Zauberstabes leerte er das ganze Zeug auf den Boden und lies sich auf die freigewordene Fläche fallen. Das war viel besser als das Sofa. Vor allem war es viel länger. Binnen weniger Sekunden war er fest eingeschlafen.
oOo
Hermine kämpfte sich durch einen zähen Brei. Er schien um ihren Kopf zu kleben. Ihre Sinne schienen taub zu sein. Aber sie kämpfte sich weiter durch die zähe Masse. Als erstes kam ihr Gehörsinn zurück. Obwohl sie das Geräusch kannte, konnte sie es nicht benennen. Merkwürdig, aber nicht bedrohlich.
Dann roch sie gleich mehrere Sachen auf einmal. Antiseptischer Geruch gemischt mit Kräutern und Schweiß. So hatte es immer im Krankenflügel gerochen. Und noch ein Geruch, der zu dem Geräusch gehörte und ihr ein Gefühl der Sicherheit gab.
Sie versuchte ihre Lider zu heben. Nach einigen Anstrengungen gelang es ihr. Es war dunkel, aber langsam erkannte sie Umrisse im Zimmer. Es war ihr Schlafzimmer. Die Matratze bewegte sich. Mühselig schaute sie in die Richtung der Bewegung. Sie erkannte einen menschlichen Umriss und plötzlich fielen alle Puzzleteile zusammen – Ron! Er roch noch immer ein wenig nach Erde und etwas ganz eigenem. Leises Schnarchen war zu hören. Definitiv Ron! Aber: was machte er hier?
Ein angenehmes Gefühl stieg in ihr auf. Sie fühlte sich immer noch schwach und krank, aber Rons Gegenwart gab ihr das Gefühl der Sicherheit. Er würde sich um sie kümmern! Müdigkeit überkam sie wieder und die Augen fielen ihr wieder zu. Kurz bevor sie wieder einschlief drehte sie sich langsam zu Ron.
oOo
„Ron? Ron!" Ron schreckte hoch. Immer noch im Halbschlaf griff er nach seinem Zauberstab und sprang aus dem Bett. Blinzelnd versuchte er sich zu orientieren. Hermine saß aufrecht im Bett mit weit aufgerissenen Augen. Im Zimmer war niemand. Erleichtert lies er sich wieder auf das Bett sinken. „Hermine, du hast nur geträumt. Alles wieder gut!" Ron lehnte sich an das Kopfende des Bettes und schloss erschöpft die Augen. Sie hatte in den letzten Stunden unruhig geschlafen. Ein Alptraum war zu erwarten gewesen.
„Ron!" Er öffnete wieder die Augen. Sie lehnte sich zu ihm. Tränen rannen über ihre Wangen. „Ron – du bist wieder da? Du bist wieder da!" Sie lies sich an seine Brust fallen und klammerte sich an sein T-Shirt. Automatisch schlang Ron seine Arme um Hermine. „Gott, Ron – es war so schrecklich! Nangini hat Harry fast getötet. Es war so knapp, so knapp. Ich hätte nicht zustimmen sollen nach Godric's Hollow zu gehen! Aber jetzt bist du wieder da! Jetzt wird alles wieder gut! Jetzt schaffen wir es!"
Rons Arme schlossen sich unwillkürlich enger. Sie war noch immer in ihrem Alptraum gefangen. Sie dachte, sie seien immer noch auf der Suche nach den Horkruxen. „Hermine! Das ist schon lange her! Voldemort ist tot! Alles ist gut!" Sie schien ihn gar nicht zu hören. "Du bist einfach verschwunden! Du warst weg! Oh, Ron, das war so schrecklich! Ich hatte das Gefühl langsam zu ertrinken. Es gab keine Hoffnung mehr. Alles stand still. Wir mussten was tun, sonst wäre ich wahnsinnig geworden. Aber Godric's Hollow war so eine idiotische Idee. Aber jetzt bist du wieder bei uns. Bei mir! Oh, Ron, du hast mir so gefehlt."
Er hielt sie eng an sich gedrückt und legte seine Wange an ihren Kopf. Sie glühte noch immer. „Oh, Hermine, du hast mir auch gefehlt! Ich hätte nie gehen dürfen! Niemals! Es tut mir so leid!"
Ihre Schluchzer wurden weniger und dann hörte er ihren gleichmäßigen Atem. Sie schlief wieder. Ron konnte noch lange keinen Schlaf finden, auch wenn er vollkommen erschöpft war.
Ooo
Ron saß auf dem Sofa im Wohnzimmer und hatte den Tagespropheten in der Hand. Er lehnte sich zurück und blätterte zur Sportseite weiter.
Da hörte er plötzlich ein Klappern. Es war keines der Geräusche der Flaschen, aber es war ebenfalls regelmäßig. Suchend lief Ron durch die Wohnung. Es schien aus der Kommode zu kommen auf der das Teledings stand, mit dem Hermine mit ihren Eltern kommunizierte. Mit gezogenem Zauberstab öffnete er langsam die Schublade. Das Klappern schien von einem goldenen Taschenspiegel zu kommen. Langsam holte er den Spiegel heraus und öffnete ihn.
Im Spiegel sah er das Gesicht eines schwarzhaarigen Mannes. Er kannte ihn. Es war der Mann von dem Foto, dass damals aus Ginnys Brief gefallen war. Hermines Exfreund, der Surfer-Typ. „Curly? Oh, nein, wohl kaum." Ron sah den Spiegel stumm an. Der andere verdrehte die Augen. „Hallo? Das hier ist ein Zwei-Wege-Kommunikations-Spiegel. Falls du ein Muggel bist, dann ist dies ein sehr detaillierter Traum und du wirst in einigen Minuten aufwachen und dich an nichts erinnern!"
Ron verzog das Gesicht. „Nein, ich bin kein Muggel. Ich bin Ron. Einer von Hermines Freunden." Der andere verdrehte wieder die Augen. „Ich weiß, wer du bist. Hermine hat von dir erzählt."
„Keanu, richtig? Also, falls wir das höfliche Geplänkel übergehen können. Hermine ist krank. Wenn sie wieder fit ist, wird sie sich bei dir melden!" Damit wollte er den Spiegel wieder schließen. „Warte!" Ron öffnete den Spiegel wieder ganz. Fragend hob er die Augenbrauen. „Was ist mit Curly? Ist sie schwer krank?" Ron schüttelte den Kopf. „Es geht ihr schon wieder besser. Sie hat eine Smurf-Infektion. Aber seit heute ist das Fieber weg und sie hat auch schon was gegessen. Jetzt schläft sie." Keanu sah ihn skeptisch an. „Du pflegst sie?"
„Ja, wieso? Was geht es dich an?" der dunkelhäutige Mann verengte seine Augen. „Was es mich angeht? Ich sage dir, was es mich angeht. Ich habe sie wieder zusammenflicken können. Ich habe sie monatelang aufbauen müssen, nachdem du dich entschieden hast den schmollenden Idioten zu spielen. Weißt du, wie oft ich sie nach Alpträumen im Arm halten musste? Und trotzdem hat sie nichts auf dich kommen lassen. Du warst ihr großer Held! Egal wie viele Alpträume sie hatte. Ich habe dich manchmal gehasst!" Ron hatte mit einer solchen Aussage nicht gerechnet. Die Miene des anderen Mannes wurde wieder gelassener. „Aber wenn du dich jetzt um sie kümmerst, dann scheinst du deinen Hintern ja doch noch hochgekriegt zu haben. Außerdem kannst du nicht so grässlich sein wie Ashley! Was ein Glück hat sie den Typ abserviert."
Ron räusperte sich. „Nein eigentlich nicht. Wir sind nur Freunde und Ash kann sich nicht um sie kümmern, weil er in Australien ist." Keanu sah ihn zweifelnd an. „Freunde? Ja, klar! Und du stehst bei Tag und Nacht auf um ihr alle zwei Stunden Medizin zu geben an Stelle sie im Krankenhaus zu lassen?" Ron sah ihn fragend an. „Woher weißt du das?" Der andere lachte. „Smurfs sind hier recht häufig. Ich hatte das Zeug auch schon." Dann wurde er wieder ernster. „Und das einfach vernünftige ist, die Leute im Krankenhaus zu behandeln." Ron begann den Typ wirklich nicht zu mögen. „Hermine kann Krankenhäuser nicht leiden. Wir waren einfach zu oft in irgendwelchen Krankenflügeln."
Keanu winkte ab. „Ich weiß!" Dann schaute er Ron neugierig an. „Weißt du, du scheinst ein echt netter Kerl zu sein. Was hat dich denn damals aufgehalten?" Ron ging das Gespräch auf die Nerven. „Hör zu, was beschwerst du dich eigentlich? Wäre ich damals gekommen, hättest du Hermine nie so gut kennen gelernt, dass du dich jetzt beschweren kannst. Also, was soll das?"
Erstaunt stellte er fest, dass Keanu lachte. „Tu mir ein Gefallen und kümmere dich jetzt richtig um Hermine. Sie braucht jemanden, der sie auch zu schätzen weiß und Ashley schätzt nur eines: sich selbst. Wenn er könnte würde er sein Hirn auf einem Sockel huldigen." Ron musste trotz allem lachen.
„Ich denke, dass muss Hermine entscheiden. Aber ich mag den Kerl auch nicht!" Keanu nickte. „Gut! Sag' Curly, sie soll mich kontaktieren, sobald es ihr besser geht. Aloha, Alter!" Und damit war er verschwunden.
Ron sah auf sein eigenes Spiegelbild in dem Spiegel und wunderte sich über das merkwürdige Gespräch.
