Neue Woche, neues Glück... und dazu ein neues Kapitel.

Nun gibt es die Aufklärung zu Bellas Mission. Mal sehen, was ihr dazu sagt... Für Rechtschreibfehler entschuldige ich mich schon mal im voraus ;)

Viel Spaß!


ALLE CHARAKTERE GEHÖREN STEPHENIE MEYER


In geheimer Mission

Mit allen Utensilien gewaffnet, saß ich nun wieder in Edwards silbernem Volvo. Er warf mir einen fragenden Blick zu, den ich nur grinsend erwiderte. Von mir würde er nichts erfahren.

Für Rosalie waren wir zuerst in ein Einkaufszentrum gefahren, in das ich – nach einigen Diskussionen mit Edward – allein hineinmarschiert war, um alles zu besorgen.

Ich war wirklich überrascht und sehr erfreut darüber, dass Rose mich ins Vertrauen gezogen hatte. Es bedeutete mir viel, dass sie mir mittlerweile vertraute. Unwillkürlich breitete sich ein breites Lächeln auf meinem Gesicht aus.

„Bella? Träumst du?", holte mich Edward aus meiner Gedankenwelt. Erschrocken blickte ich zum Fahrersitz und bemerkte, dass die Fahrertür geöffnet und Edward längst ausgestiegen war. Wir waren schon bei seiner Wohnung angekommen.

Kopfschütteln stieg ich aus und ging – mit meiner Tasche fest an meinen Körper gepresst – auf das Wohnhaus zu. Edward war dicht an meiner Seite.

„An was hast du gerade gedacht?", wollte er wissen. Schnell warf ich ihm einen Seitenblick zu und sah, dass er mich interessiert musterte.

„Ich habe an das Gespräch mit deiner Schwägerin gedacht", antwortete ich nur halb wahrheitsgemäß. Aber ich konnte ihm nicht die volle Wahrheit sagen, da ich sonst zu viel verraten hätte.

Es dauerte nicht lange, da betraten wir gemeinsam die wohlbekannte Wohnung. Im Wohnzimmer saßen alle versammelt. Carlisle hielt Esme liebevoll im Arm, Alice saß glücklich auf Jaspers Schoß und Rosalie und Emmett saßen Händchen haltend da. Sie alle passten gut auf das große beigefarbene Struktursofa, das nun aber voll besetzt war. Esme wollte aufstehen, um uns zu begrüßen, doch ich bedeutete ihr zu sitzen zu bleiben

„Hey, Leute! Bleibt sitzen. Keine Umstände", lächelte ich. Rosalie ließ es sich natürlich nicht nehmen aufzustehen. Sie blieb dicht vor mir stehen und sah mich fragend an. Ich nickte einmal unmerklich. Lächelnd sprach sie mich an.

„Bella, kann ich mal kurz mit dir reden?"

„Sicher", antwortete ich leichthin und folgte ihr aus dem Wohnzimmer. Sie lief schnurstracks ins Badezimmer und schloss die Tür hinter uns. Ich öffnete meine Tasche und beförderte die zwei Schwangerschaftstests zutage.

„Zwei?", fragte sie mit erhobener Augenbraue. Ich kicherte.

„Klar. Sicher ist sicher", zwinkerte ich ihr zu und reichte sie ihr. Dann drehte ich mich um und schritt zur Tür.

„Ich lass dich kurz alleine." Mit dem Satz schloss ich die Tür hinter mir. Keine drei Minuten später öffnete sich erneut die Tür und ich betrat den Raum.

„In ein paar Minuten wissen wir bescheid", bestätigte sie meine Vermutung. Dieser Satz überwältigte mich. ‚Wir' hatte sie gesagt. Und auch wenn ihr das vielleicht nichts bedeutete, mir tat es das sehr wohl. Doch genau das brachte mich wieder ins Grübeln.

„Warum ich? Warum hast du mich gebeten dir zu helfen?", fragte ich deshalb. Sie lächelte leicht.

„Ganz einfach… Weil ich dir vertraue… und weil ich niemanden aus der Familie bevorzugen wollte."

„Was ist mit deinem Mann?", fragte ich ungläubig. „Sollte er es nicht als erstes erfahren?" Rosalies Augen wurden traurig und sie setzte ein gequältes Lächeln auf.

„Bella, Emmett und ich versuchen schon seit einem Jahr ein Kind zu bekommen. Schon kurz nach der Hochzeit haben wird beschlossen, dass es die richtige Zeit dafür wäre. Ich wollte immer jung Mutter werden, aber es hat nicht geklappt. Jeden Monat haben wir gehofft und wurden wieder bitter enttäuscht. Ich habe schon mehr als einmal geglaubt schwanger zu sein… und Emmett wusste jedes Mal davon. Aber er war immer so traurig, dass ich es nicht ertragen könnte diesen Ausdruck noch mal in seinen Augen zu sehen. Ich wollte ihm einfach nicht wieder Hoffnung machen", erklärte sie niedergeschlagen und mit Schmerz in der Stimme, sodass ich mir nur zu gut vorstellen konnte, dass auch ihr das sehr nahe ging. Auch sie hatte darunter sehr gelitten.

„Das tut mir leid", erwiderte ich ehrlich, leise. Sie schüttelte den Kopf.

„Danke, Bella. Du bist ein guter Mensch, weißt du das eigentlich? Du versetzt dich immer in andere hinein", schmeichelte sie mir. Ich lächelte leicht. Dieses Kompliment würde ich annehmen. Rosalie sollte man nicht widersprechen. Plötzlich schien eine innere Unruhe von ihr Besitz zu ergreifen. Ich blickte auf meine Armbanduhr. Die fünf Minuten waren bereits seit zwei Minuten vorüber. Aufmunternd nickte ich ihr zu, doch sie schüttelte den Kopf.

„Bitte… mach du es. Schau du nach", bat sie mich. Ich schluckte schwer, atmete einmal tief durch und ging dann zum Waschbecken. Ich griff nach dem ersten Schwangerschaftstest und blickte darauf. Ohne Emotionen zu zeigen, ergriff ich auch den Zweiten. Mit rasendem Herzen schloss ich die Augen und versuchten meinen viel zu schnell Puls zu beruhigen. Ich hatte viel zu sehr das Gefühl in diese Sache involviert zu sein. Es fühlte sich so sehr so an, als würde es hier auch um mich gehen.

Dann drehte ich mich zu der wartenden Rose um, die mittlerweile wie ein Nervenbündel ihre Hände wrang, und in dem Moment, in dem ich in ihre besorgten Augen blickte, entglitten mir meine Gesichtszüge.

Ein riesiges Lächeln, das meine Mundwinkel zu sprengen drohte, entstand in meinem Gesicht. Hoffnungsvoll blickte Rosalie zurück.

Nur ein Wort brachte das Glück in diesem Raum zu überlaufen.

„Positiv", flüsterte ich bedächtig… und schneller als ich es bemerken konnte, lag ich in Rosalies Armen. Fest pressten wir uns aneinander und begannen irgendwann klischeehaft auf und abzuhüpfen. Doch die Wirkung auf andere war mir in diesem Moment vollkommen egal. Und das nicht nur, weil wir hier alleine waren, sondern auch, weil es in diesem Moment nichts Wichtigeres gab, als die Freude.

Als wir uns voneinander lösten, liefen der werdenden Mutter glückliche Tränen über die Wangen. Mein Grinsen hätte unmöglich noch breiter werden können.

„Herzlichen Glückwunsch", quiekte ich gefühlte fünf Oktaven zu hoch. Ich lachte laut auf. Bisher hatte ich immer gedacht, dass zu so einem Ton nur Alice fähig war.

Wir zwei freuten uns noch wenige Minuten, dann entschieden wir, dass es an der Zeit war wieder zu den anderen zu gehen, damit nichts auffiel.

Rosalie beschloss gleich nachzukommen und es dann ihrer Familie zu sagen. Also lief ich, nachdem ich das Bad verlassen hatte, direkt in die Küche. Dort angekommen holte ich acht Sektgläser aus dem Schrank und zog die Champagnerflasche, die ich vorhin – für alle Fälle – ebenfalls besorgt hatte, aus meiner Tasche. Rasch entkorkte ich die Flasche und goss die Gläser voll. Für mich selbst und die werdende Mutter entschied ich mich zum Anstoßen für Orangensaft. Alle Gläser stellte ich auf ein Tablett und machte mich auf den Weg ins Wohnzimmer… das Grinsen immer noch an Ort und Stelle.

Alle Anwesenden sahen mich überrascht an, als ich das Tablett auf dem Couchtisch abstellte.

„Gibt es etwas zu feiern?", wollte Carlisle wissen. Ich konnte nur mit einem noch immer zu hohen „Ja" antworten.

„Und was?", fragte Alice neugierig. Ich schüttelte nur meinen Kopf und suchte nach einer Sitzgelegenheit. Das Sofa war ja voll und im Sessel hatte Edward Platz genommen. Dieser bemerkte meinen suchenden Blick und winkte mich zu sich. Also setzte ich mich auf die Lehne des Sessels und wartete grinsend vor mich hin, während sechs Augenpaare gebannt auf mir lagen. ‚Gott, bitte. Rosalie, erlöse mich endlich', betete ich innerlich.

Einige weitere quälende Minuten vergingen, dann trat endlich Rose zu uns. Auch ihr Strahlen war ungebrochen. Sie ging zu Emmett und blieb vor ihm stehen. Doch sie überraschte mich damit, dass sie nichts weiter tat als zu nicken. Verwirrt und mit einer Million Fragen in den Augen schaute er zu seiner Frau auf. Diese nickte noch immer, doch sie legte so viel Bedeutung in ihren Blick, dass es nahezu unmöglich war, es nicht zu verstehen. Aber andererseits wusste ich es ja schon.

Doch auch bei Emmett schien der Groschen zu fallen. Einen kurzen Augenblick wurde sein Blick abwesend. Dann blitzte Erkenntnis in seinen braunen Augen auf und mit fragendem Gesichtsausdruck begann auch er zu nicken. Als das Nicken seiner Gattin nicht abriss, sprang er auf und wirbelte sie herum. Ich konnte nicht anders. Ich kicherte glücklich und beobachtete das Schauspiel, das sich mir darbot. Doch als ich in die Gesichter der Cullen- Familie blickte, wurde mir klar, dass sie es noch nicht verstanden hatten. Ich räusperte mich laut.

„Rose, du musst da noch etwas erklären", verkündete ich. Sie sah mich überrascht an, ganz so, als wäre ihr erst jetzt wieder eingefallen, dass wir auch hier waren. Doch das schien plötzlich nicht mehr nötig zu sein.

Alice war die erste, die aufsprang und ein „ich werde Tante" quietschte. Es war kaum zu verstehen. Nur Jasper und Esme schienen Alice' Aussage deuten zu können und erhoben sich ebenfalls sofort, um das glückliche Paar zu umarmen. Auch Carlisle schien es nun zu verstehen und man erkannte Stolz – den Stolz eines Großvaters – in seinem Gesicht.

Nur der Gott neben mir schien vollkommen auf dem Schlauch zu stehen. Ich lehnte mich zu ihm herunter.

„Rosalie ist schwanger", flüsterte ich leise, doch seine Reaktion ließ nicht vermuten, dass er verstanden hatte.

„Was?", fragte er nach. Seufzend lehnte ich mir noch weiter an ihn heran und legte für mehr Stabilität meine Hand auf sein Knie.

„Sie ist schwanger", wiederholte ich leise. In dem Moment richtete sich Edward schlagartig auf. Durch den Schwung der Bewegung verlor ich das Gleichgewicht und fiel rücklings auf den Boden. Dabei stieß ich mir schlimm meinen linken Ellenbogen und auch mein Steißbein schmerzte sofort. Beim Aufprall entwich mir zischend die Luft aus den Lungen. Mit verzogenem Gesicht lag ich da. In meinem Blickfeld tauchte ein sehr schuldbewusst dreinschauender Edward auf. Seine Haare fielen ihm zerzaust in die Stirn, da er sich über mich beugte. Seine Augen glänzten und er biss sich auf die volle Unterlippe.

„Bist du okay?", fragte er, doch ich reagierte nicht. Ich bekam nicht mal wirklich mit, dass er mit mir gesprochen hatte. Ich lag nur da und starrte ihn an. Unfähig mich zu bewegen oder auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. „Bella, geht es dir gut?"

Langsam wurde mich bewusst, dass er mit mir sprach. Ich räusperte mich unsicher.

„Ja, alles bestens", antwortete ich mit heftig schlagendem Herz. Ein erleichtertes schiefes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Dann reichte er mir seine Hände und zog mich hoch. Aber als er mich bewegte, durchfuhr mich ein stechender Schmerz, der mich scharf Luft einsaugen ließ.

Mein Gesicht musste eine Maske des Schmerzes gewesen sein, denn Carlisle war sofort bei mir.

„Was tut dir weh?", schaltete er sogleich in den Arzt-Modus um. Doch es war nicht richtig, dass es jetzt um mich ging. Es sollte um Rosalies Schwangerschaft gehen.

„Ist nicht so schlimm. Lasst uns anstoßen", bat ich. Edward umfasste meine Taille und sah mir in die Augen.

„Bella, irgendetwas stimmt doch nicht. Du bist verletzt… Also, was ist es?" Seine Frage war eindringlich und verlangte nach einer Antwort.

„Es ist nichts. Sicher nur ein blauer Fleck", behaarte ich, eierte auf das Tablett zu und verteilte die Gläser an die umstehenden Personen. Alle beäugten mich. Jasper und Carlisle skeptisch, Emmett belustigt und Alice, Esme, Rose und Edward besorgt.

„Auf die werdenden Eltern", lenkte ich ab und nahm einen Schluck. Nach kurzem Zögern taten es mir die anderen gleich. Es wurde eine ausgelassene kleine Feier, die für mich durch den Schmerz in meinem Rücken überschattet wurde. Doch ich sagte nichts und versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Hinsetzen war allerdings keine Option mehr. Das war zu schmerzhaft. Also blieb ich stehen, aber da es zu sehr aufgefallen wäre, wenn ich stundenlang an einer Stelle stehen geblieben wäre, schritt ich durch den Raum. Gut, schreiten konnte ich gerade nicht. Mein Gang erinnerte eher an eine Gans und böse Zungen hätten jetzt sicher behauptete, dass es mir nie möglich war mich so grazil zu bewegen, dass das Wort „schreiten" angebracht war. Aber egal. Ich bewegte mich durch das Wohnzimmer und blieb an einem Fenster stehen. Mein Blick schweifte in die Ferne. In den Straßen tummelten sich noch Menschen und ein Wind war aufgekommen, der die Baumkronen der nahe gelegenen Bäume rascheln ließ.

„Komm schon", hörte ich Edwards Samtstimme hinter mir. „Wir müssen los." Überrascht betrachtete ich ihn in der Spiegelung des Glases. Er schaute noch immer besorgt.

„Wohin?", fragte ich nach. Was hatte er vor? Ein schelmisches, schiefes Lächeln verwandelte seine Gesichtszüge. Oh-oh!

„Ins Krankenhaus natürlich. Und keine Widerrede. Ich bringe dich hin, ob du nun willst, oder nicht… zur Not auch mit Gewalt", drohte er süffisant. Krankenhaus… seufz! Trotzdem konnte ich es ihm nicht abschlagen. Das war unmöglich. Wenn er so lächelte, bezweifelte ich, dass ihm irgendjemand etwas abschlagen konnte. Aber es interessierte mich schon, was er zu tun gedachte, wenn ich nicht mitgehen wollte.

„Mit Gewalt?", fragte ich nach und meine Stimme klang unglaublich dunkel, verführerisch. Seine Augen verdunkelten sich minimal, bevor er sich zu mir herunter beugte.

„Ich könnte dich über meine Schulter werfen und dich hier heraus tragen", erklärte er rau. Eine Gänsehaut überzog meinen Nacken. Doch dann wurde mir bewusst, dass wir uns inmitten seiner Familie befanden und drehte mich um. Keiner schien unseren kleinen Austausch bemerkt zu haben, obwohl Esme uns immer wieder schnelle, interessierte Blicke zuwarf.

„Edward, du musst mich nicht ins Krankenhaus fahren. Ich kann mir auch ein Taxi nehmen", bot ich ihm – wieder in normaler Tonlage – an. Er sollte bei seiner Familie bleiben und feiern.

Er selbst schien das aber anders zu sehen. Empört schaute er mich an.

„So weit kommt es noch. Zuerst verletzt du dich meinetwegen und dann schicke ich dich allein zum Arzt? Vergiss es!", bestimmte er und zog mich mit sich.

Die Fahrt zum Krankenhaus wurde sehr unangenehm. Sitzen konnte ich nicht ohne Schmerzen, aber da mir nichts anderes übrig blieb, biss ich die Zähne zusammen und ertrug es. Es hätte ja auch durchaus schlimmer sein können.

Edward sagte während der gesamten fast zwanzigminütigen Fahrt kein Wort und sah mehr als unzufrieden aus. Ich verstand nicht, was los war, traute mich aber auch nicht zu fragen.

Als wir beim Krankenhaus angekommen waren und ich aussteigen wollte, ertönte zum ersten mal wieder Edwards wunderschöne Stimme.

„Warte. Ich helfe dir beim Aussteigen", brachte er mich zum innehalten. Schnell stieg Edward selbst aus und kam dann um das Auto herum, um mich herauszuheben.

„Danke", murmelte ich verlegen. Ich hätte sicherlich auch irgendwie allein aussteigen können, aber ich wollte nicht widersprechen.

Langsam – ich schätzte, dass Edward sein Tempo extra auf gefühlte nullkommafünf Stundenkilometer reduzierte – gingen wir in das Hospital hinein. Edward steuerte direkt zielstrebig auf die Notaufnahme zu – was wohl daran lag, dass er sich hier gut auskannte, da sein Vater hier arbeitete – und ich meldete mich an.

„Hier. Nehmen Sie dort drüben Platz und füllen Sie das hier" Sie reichte mir das Aufnahmeformular „aus. Sobald ein Arzt Zeit hat, wird man sich um sie kümmern", erklärte die Dame am Empfang mir freundlich und professionell.

„Danke", murmelte ich und ging – mit Edward an meiner Seite – zu den Stühlen, auf die die Frau von eben gezeigt hatte. Edward ließ sich sofort auf einen Sitz nieder und beäugte mich erwartungsvoll, da ich mich nicht setzen wollte.

„Setz dich", befahl er sanft, aber bestimmt. Ich schüttelte nur den Kopf.

„Nein, glaub mir. Stehen ist besser", erwiderte ich seufzend. Eine Weile schwiegen wir. Um uns herum war es auch relativ ruhig. Es schien ein ruhiger Tag in der Notaufnahme zu sein. Ich nutzte die Zeit um das Formular auszufüllen und es anschließend abzugeben. Als ich zurück bei den Stühlen war, begann ich unruhig mit dem Fuß auf den Boden zu tippen. Mein erster Urlaubstag und schon saß ich in einer Notaufnahme.

„Bella, es tut mir leid", sagte Edward so leise, dass ich mir nicht sicher war, ob er wirklich gesprochen hatte. War ich vielleicht zu stark mit dem Hinterkopf aufgeschlagen?

„Was?", fragte ich nach. Er blickte mir in die Augen.

„Es tut mir leid. Ich hätte besser aufpassen sollen", entschuldigte er sich nochmals. Ich konnte nur die Augen verdrehen.

„Edward." Ich genoss es seinen Namen auszusprechen. „Es ist sicher nur ein blauer Fleck oder eine Prellung. Nichts Ernstes also", beschwichtigte ich ihn. Er hatte sich gefreut Onkel zu werden. Das war doch berechtigt.

Zu einer Antwort kam er allerdings nicht mehr, da im nächsten Augenblick ein junger Arzt an uns heran trat.

„Miss Swan?", fragte mich dieser große, dunkelhaarige und recht gutaussehende Arzt.

„Ja", war alles, was ich zur Antwort gab. Mein Gegenüber lächelte leicht.

„Hallo. Ich bin Doktor Erickson", stellte er sich vor und reichte mir die Hand. „Wenn Sie mir bitte folgen würden?"

„Ich warte hier auf dich, Bella", erinnerte mich Edward und dann tat ich wie mir geheißen und folgte meinem Arzt in ein Separée.

Doktor Erickson setzte sich auf einen Hocker und bot mir an auf der Liege Platz zu nehmen, was ich dankend ablehnte. Während ich mich abwartend umschaute studierte der Doktor mein Formular.

„Sie sind also gestürzt?", fragte der Doktor nach. Ich nickte nur. „Würden Sie ihr Oberteil ein wenig hochziehen und den Bund der Hose leicht herunter?" Natürlich kam ich sofort der Aufforderung des Arztes nach. Dieser befühlte dann kurz meinen Rücken. „Wir sollten Sie röntgen. Ich vermute, dass Ihr Steißbein gebrochen ist. Das ist nicht sehr schlimm, aber schmerzhaft."

„Yay… Schmerzen!", jubelte ich mit sarkastischen Enthusiasmus und verdrehte die Augen. Mein Gegenüber schmunzelte leicht.

„Na dann mal los. Je eher wir Gewissheit haben, desto eher können Sie sich auf die ungefähr acht Wochen voller Schmerzen freuen", ging Erickson auf meinen Spaß ein und führte mich dann, nachdem ich meine Kleidung gerichtete hatte, aus dem Separée zurück in der Vorraum. Edward warf mir einen erleichterten Blick zu, doch als ich weiter von ihm weg geführt wurde, runzelte er die Stirn.

In der nächsten halben Stunde wurde ich in eine Schutzweste gesteckt, geröntgt, durfte mich wieder anziehen und wartete dann auf meinem Arzt, der mich am Anfang der Prozedur bei einem anderen Mann abgegeben hatte. Ich saß nun wieder – ja, ich saß! Ich hatte einen Sitzdonut bekommen – in meinem abgeteilten Bereich der Notaufnahme und wartete in dieser tristen Atmosphäre von sterilem weiß und grau auf meine Ergebnisse.

Nach weiteren acht endlosen Minuten erblickte ich Doktor Ericksons Gesicht und er setzte sich abermals auf seinen Hocker.

„Also, Miss Swan. Mein Verdacht hat sich nicht bestätigt", erklärte er, stand auf und trat an einen Lichtkasten, in den er meine Röntgenbilder einhängte. Dann schaltete er den Lichtkasten an und betrachtete das Bild, das sich ihm bot. „Sehen Sie das?" Er zeigte mit seinem Finger auf das Röntgenbild, doch ich erkannte da nicht wirklich etwas.

Entschuldigend sah ich ihn an. „Na ja, macht ja nichts. Da ist ja auch nicht viel zu erkennen. Jedenfalls ist Ihr Steißbein nur geprellt. Das bedeutet, die Schmerzen werden nicht so lange anhalten. Ich werde Ihnen noch Schmerzmittel mitgeben. Sie sollten sich die nächsten Tage etwas ausruhen. Dann wird es Ihnen bald besser gehen", wies er mich an und reichte mir erst Medikamente, einen Sitzdonut und dann sein Hand. Damit bedankte ich mich noch und verabschiedete mich dann.

Draußen wartete noch immer Edward auf mich und sprang auf, als er mich auf sich zu eiern sah.

„Und?", fragte er sofort nach. Ich verdrehte grinsend die Augen.

„Es ist nichts gebrochen." Diesen Teil sagte ich laut. Leise murmelnd fügte ich hinzu: „Nur das Steißbein ist geprellt."

„Was?", hakte er skeptisch nach. Seufzend sah ich ihm in die Augen. Er hatte beide Augenbrauen hochgezogen.

„Mein Steißbein ist geprellt. Aber das ist wirklich nur halb so schlimm. Ich werde nur ein paar Schmerzen haben und etwas bewegungseingeschränkt sein. Halb so wild", beschwichtigte ich ihn, bevor er wieder anfing etwas Gegenteiliges zu sagen.

„Bella", seufzte er. „Was stimmt bloß nicht mit dir? Du solltest sauer auf mich sein. Ich bin schuld daran, dass du dich verletzt hast und du machst mir noch nicht mal einen Vorwurf. Im Gegenteil. Du versuchst auch noch mich zu beruhigen." Er fuhr sich frustriert mit der Hand durch die Haare. Ich schüttelte belustigt den Kopf.

„So bin ich eben. Ich bin tollpatschig. Ich falle hin und in einer Notaufnahme bin ich… circa zwanzig Mal im Jahr! Das ist nichts Besonderes", erklärte ich und ließ keine Widerrede zu. Denn ich drehte mich einfach weg und entfernte mich von ihm.

Die Fahrt zu mir nach Hause war wieder sehr schweigsam und als ich aus dem Auto ausstieg, war ich sehr nachdenklich. Gedanken über Edward, Alice und so viele andere. Der Gedanke an den heutigen Tag, die heutigen Ereignisse, machten mich gefühlsduselig. Ich war bei den Cullens gewesen. Bei einer starken, liebenden und zusammenhaltenden Familie! Aber ich würde nie zu dem festen Bund der Cullens gehören. Ich hatte ja nicht mal einen Platz in ihrer Runde. Die Paare besetzten die metaphorische Couch, Edward hatte etwas abseits seinen Sessel – ob er sich bewusst von den glücklichen Ehepaaren absonderte oder nicht, war dabei nicht klar – und ich saß auf einer Lehne. Außerhalb. Akzeptiert, aber nicht ein Teil von ihnen, was mir mehr wehtat als es sollte. Rosalie hatte mich zwar ins Vertrauen gezogen, aber das hatte nur damit zu tun, dass sie – wie sie es gesagt hatte – niemanden aus der Familie bevorzugen wollte. Sie hatte es mir nur gesagt, weil ich eine Freundin war. Denn als das sah ich sie mittlerweile. Doch das war mir nicht genug. Ich liebte diese Familie… viel zu sehr! Und als mir das alles klar wurde, wusste ich auch, was ich zu tun hatte...


Und schon ist es vorbei. Ich bin mehr als gespannt auf eure Reaktionen.

LG