Danke für die lieben Glückwünsche, für alle die es interessiert, ich bin gestern 21 geworden und damit jetzt endgültig alt ;) Ich warte nur noch auf die ersten grauen Haare und bald werd ich mir dann auch einen Rollator besorgen :D
Freitag, 21. Dezember 1984, 16.13 Uhr
"Also Leute, kann ich mich auf euch verlassen?" Streng blickte Lily in die Runde und Harry, der auf den Schultern seines Vaters saß, nickte eilig mit dem Kopf. "Ja, Mummy! Nicht Hund spielen." Seine Mutter nickte und sah ihn dann mit aufforderndem Gesichtausdruck an, woraufhin der Kleine den Kopf einzog, mit der Hand hinter sich griff und aus seinem Hosenbund eine kleine Wasserpistole zog. "Und keine Beine anpinkeln?" "Richtig", antwortete Lily gespielt streng und nahm ihm mit zuckenden Mundwinkeln sein Spielzeug weg, nur um sich dann Sirius zuzuwenden und ihn bewegungslos anzublicken. "Was?", machte dieser und hob die Hände. "Du denkst doch nicht wirklich, dass ich auch eine Wasserpistole mithabe? Das wäre ja total kindisch." Er lachte laut auf, aber sie sah ihn nur an und streckte ihm wortlos die Hand hin. "Jetzt bist du aber paranoid, Lily", antwortete er, drehte sich zu Remus um und verdrehte die Augen. "Ich sags dir, nach sieben Jahren mit uns ist sie jetzt endgültig verrückt geworden." "Das was ich habe nennt sich Rumtreiberitis, ich kann Ärger und Streiche auf zehn Meter Entfernung riechen. Also: Her damit!" Auffordernd streckte sie ihm erneut die Hand hin und Sirius seufzte leise auf und zog mit schuldbewusstem Gesicht eine größere Wasserpistole aus der dicken Jacke hervor, die er trug. "Nicht so tun, als hätte Prongs sich in die Hose gemacht?" "Nein", antwortete sie knapp, zog unauffällig den Zauberstab und ließ die beiden Wasserpistolen von den Muggeln unbemerkt verschwinden.
Sirius verschränkte die Arme vor der Brust und drehte sich mit vorgeschobener Unterlippe und demonstrativ schmollend von ihr weg und grummelte leise in sich hinein. "Pad!", sagte Lily nur und er drehte sich wieder um, seufzte theatralisch und pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht. "Oka-ay, Doofi! Keine Zauberstäbe, keine Verwandlungen, keine Streiche. Mann Lily, es ist nicht das erste Mal, dass wir bei den Muggeln einkaufen gehen!" "Es ist das erste Mal, dass es so ein großes Einkaufszentrum ist und ich habe euch die letzten Male erlebt, ihr wollt mir doch wohl nicht erzählen, dass das normales Verhalten war, oder? Denn dann weiß ich definitiv schon was ihr zu Weihnachten bekommt, was haltet ihr von ein paar weißen Jäckchen?" "Weißt steht mir nicht", antwortete Sirius und machte dann eine wegwerfende Handbewegung. "Ach was sage ich da? Mir steht einfach alles!" Remus gluckste leise, warf seiner Freundin einen kurzen Blick zu und stupste den Hundeanimagus dann an. "Sirius?" "Hmm?" "Lily meinte, dass sie uns Zwangsjacken schenken könnte." "Oh", murmelte der Schwarzhaarige und lief prompt puterrot an. "Das... das wusste ich!" "Dejà-vu", kommentierte Lily trocken , schüttelte dann aber den Kopf und schnipste zweimal. "Ihr habt es gehört. Keine Magie, keine Streiche und vor allem: Kein Weglaufen, haben wir uns verstanden?" Harry in James' Armen nickte hastig, zu präsent waren noch die erschrockenen Gesichter seiner Eltern, als er das letzte Mal einfach so verschwunden war. "Ich habe nicht mit Harry gesprochen", sagte Lily trocken und blickte ihren Mann und ihren besten Freund mit bewegungslosem Gesichtsausdruck an, woraufhin diese gleichzeitig eine Schnute zogen.
"Wir sind doch keine Kinder, die ständig neben Mummys Einkaufswagen hertrotten müssen!", maulte Sirius und James nickte bekräftigend mit dem Kopf. "Und mal davon abgesehen sind wir Rumtreiber, wir kommen überall zurecht und finden immer wieder den Weg zurück!" "Sagte der Mann, der stundenlang in der Dessousabteilung verschollen war", antwortete sie trocken und Sirius errötete, streckte aber gleichzeitig hochnäsig die Nase in die Luft. "Das... das hatte andere Gründe." "Die wir jetzt hier nicht näher erläutern wollen", sagte Remus schnell und Lily nickte, zog eine Münze aus der Tasche und ging auf eine Reihe Einkaufswagen zu. James lachte leise und auch Remus schien sich nur mit Mühe das Lachen verkneifen zu können, aber sie sagten nichts und folgten der Rothaarigen stattdessen. Am Einkaufswagen angekommen pflückte sich James seinen Sohn von den Schultern und ließ ihn dann in dem kleinen Metalldingsbums Platz nehmen, das ihm immer noch nicht ganz geheuer war und auch nicht besonders bequem aussah, aber da sein Sohn sofort fröhlich mit den Beinen zu wackeln begann und auf der Stange vor ihm herumtrommelte und so auch nicht die Gefahr bestand, dass er weglief und verlorenging, sagte er nichts und strich seinem Kind nur kurz über den Kopf und sah grinsend zu, wie der Vierjährige nach der Handtasche seiner Mutter griff, sie an sich zog und dann mit konzentrierter Miene versuchte die Bänder zu flechten.
Erst ein stechender Schmerz in seinen Hacken riss James brutal zurück ins Hier und Jetzt und er sprang mit einem lauten Schrei in die Luft, nur um sich dann Sekunden später umzudrehen und sich nach dem Verursacher umzusehen und mitten in das Gesicht seines breit grinsenden besten Freundes zu blicken. "Wieso nur bin ich nicht überrascht?" "Ach, sei nicht zickig, Prongs", lachte Sirius und setzte erneut an, ihm mit dem Einkaufswagen, den er sich während James seine Familie betrachtet hatte besorgt haben musste, in die Hacken zu rammen. "Wag es und du kriegst eine Woche Harry-Entzug!" Sirius riss den Mund auf, hielt mitten in der Bewegung inne und blickte seinen Freund misstrauisch an. "Das würdest du nicht tun." "Legs darauf auf", antwortete James trocken und der Hundeanimagus schob die Unterlippe vor. "Aber das kannst du nicht tun! Es ist doch... Harry und ich... du kannst doch nicht..." Er hielt inne, schob den Einkaufswagen zur Seite und überbrückte mit zwei Schritten den Weg zu seinem Patenkind, wo er etwas in die Knie ging, sodass sie auf einer Höhe waren und dann seine Arme um den Kleinen legte und das Gesicht zu seinem besten Freund drehte. "Harry, Hundeblick", befahl er, woraufhin der Vierjährige seine Arme um den Hals seines Patens schlang, den Kopf zu seinem Vater drehte, die Unterlippe vorschob und große Kulleraugen machte.
James schmunzelte als er die fast identischen Gesichtsausdrücke der beiden Schwarzhaarigen erblickte und verdrehte die Augen. "Lily, würdest du...?" "Natürlich", lächelte seine Frau und verpasst Sirius einen gekonnten Schlag gegen den Hinterkopf. "Aufstehen, Wagen wegbringen, Klappe halten!", befahl sie knapp und als Sirius tatsächlich zu gehorchen schien, schnappte sie sich ihren Einkaufswagen und schob ihn dann fröhlich mit Remus schwatzend vor sich her. Kaum dass sich die elektrischen Türen hinter ihnen schlossen, erklang erneut das typische, zischende Geräusch. Und noch mal... Und noch mal... Und noch mal... Und no... "Remus", sagte Lily und verbiss sich das Lachen. "Sag mir bitte nicht, dass unsere Lieblingsvollidioten es nicht schaffen durch ganz normale, sich automatisch öffnende Schiebetüren zu kommen." Der Werwolf warf einen Blick zurück und schmunzelte leise. "Nein, das ist es nicht." "Gott sei... Moment", murmelte sie. "Was soll das heißen, das ist es nicht?" Sie schloss für einen Moment die Augen, um sich zu sammeln und drehte sich dann um. "Uhm... ja", war ihr einziger Kommentar und auch Remus schien einfach nur sprachlos zu sein. Harry dagegen kreischte begeistert los, strampelte mit den Beinen und zeigte mit seinem Finger auf seinen Paten, der sich in den Einkaufswagen gequetscht hatte und von seinem besten Freund immer wieder durch die Türen des Einkaufszentrums geschoben wurde. Beide Schwarzhaarigen grinsten breit vor sich hin und freuten sich offenbar diebisch darüber, dass die Schiebetüren sich immer wieder öffneten und schlossen.
"Kindsköpfe", murmelte Lily kopfschüttelnd, aber mit einem liebevollen Lächeln und winkte die beiden dann energisch heran. "Noch auffälliger gehts nicht, oder?", fragte sie grinsend und schüttelte den Kopf. "Das wievielte Mal seid ihr jetzt in einem Muggelladen? Na ja, eigentlich ist es ja ganz süß, dass ihr euch die kindliche Freude bewahrt habt. Aber... Sirius, was zum Henker machst du da in dem Einkaufswagen?" "Na, in den Sitz habe ich nicht reingepasst", entgegnete er als läge die Antwort auf der Hand und schüttelte demonstrativ den Kopf in Richtung James. "Und das nennt sich Jahrgangsbeste!" "Hast du mich gerade als "das" bezeichnet?", fauchte Lily und stemmte die Hände in die Hüften, winkte dann aber ab. "Was rede ich auch mit jemandem, der Zahnpasta mit Schokoladengeschmack für die wichtigste Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts hält?" Sie runzelte die Stirn. "Mensch Siri, jetzt komm da endlich raus, die Leute gucken ja schon!" "Das tun sie nur, weil sie sich fragen wie so eine Zicke zu einem tollen Kerl wie mir kommt!" "Wen nennst du hier Zicke?", entgegnete sie empört, schüttelte dann aber erneut den Kopf, was sie sich langsam schwindelig fühlen ließ. "Siri, bitte! Dafür ist ein Einkaufswagen nicht da, ich bitte dich, blamier mich nicht!" "In deinen Regeln war davon nicht die Rede", antwortete er frech grinsend und James nickte, blieb aber lieber still als er den Blick seiner Frau sah. "Und außerdem hat das die Frau da vorne mit ihrem fetten Kind genauso gemacht!" Er zeigte anklagend auf eine blondierte Frau, die man im ersten Moment für eine Hochschwangere halten konnte, nur um dann kurz darauf festzustellen, dass sie wohl nur die eine oder andere Sahnetorte zu viel verspeist hatte.
Die Blondine fauchte empört auf, drehte sich beleidigt um und wackelte von dannen, nur um Sekunden später mit hochroten Wangen zurückzukehren und ihren Einkaufswagen und ihr Kind zu holen. "Oh Gott", murmelte Lily und schirmte ihr Gesicht mit der Hand ab. "Du kannst so peinlich sein, weißt du das eigentlich? Ach, vergiss es. Mensch, Siri, Kinder sitzen in Einkaufswagen, Kinder! Und so kindisch und verspielt du auch bist, als Kind gehst du bei aller Liebe nicht mehr durch, tut mir Leid." Ihr Freund grinste breit. "Ja, dazu bin ich viel zu männlich und stark und sexy und..." Er seufzte selbstverliebt auf und pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht. "Jaja, du bist perfekt, wissen wir, aber jetzt komm endlich aus dem Wagen raus!", zischte Harrys Mutter und versuchte gleichzeitig ihren Sohn davon abzuhalten aus seinem Sitz zu klettern und es sich genauso wie sein Pate in dem Einkaufswagen bequem zu machen. "Nö, ich sehe gar nicht ein, warum die ganzen spaßigen Sachen immer nur für Kinder reserviert sind", widersprach er und reckte dabei die Nase in die Luft, was in Anbetracht der Tatsache, dass er als erwachsener Mann, der normalerweise eine ganz natürliche Eleganz und Gelassenheit ausstrahlte gerade mit angezogenen Beinen halb sitzend, halb liegend in einem eisernen Gefängnis eingequetscht war, einfach nur lächerlich aussah. "Na schön", murmelte die Rothaarige und warf die Hände in die Luft. "Mach was du willst, ich für meinen Teil gehe jetzt einkaufen, sonst wird das vor Ladenschluss nichts mehr und ich habe echt keine Lust mir euer Gejammer anzuhören, wenn der Kühlschrank über die Feiertage leer ist!"
"Oh", machte Sirius und legte die Stirn in Falten, nur um Sekunden später den Arm zu heben. "Fahrer, folgen Sie der Lady in braun-schwarz, bitte!" "Fahrer?", amüsierte sich James, kam der Aufforderung seines besten Freundes aber ohne Weiteres nach. "Dann eben Schieber", meinte dieser mit einem Schulterzucken und rutschte dann unruhig hin und her. "Mann, ist das unbequem, warum sagt mir das denn keiner?" Damit wollte er in alter Gewohnheit nach seinem Zauberstab greifen, hielt dann aber inne, zog stattdessen seine Jacke aus, die er bei der Wärme jetzt ja eh nicht mehr brauchte und setzte sich dann nach ein paar umständlichen Verrenkungen auf eben diese. "Viel besser", nickte er und blickte sich neugierig um und machte damit seinem Patenkind alle Ehre, das in diesem Moment mit großen Augen und heruntergeklapptem Unterkiefer den Kuchentresen betrachtete und der riesigen Auswahl an Gebäckstücken einen sehnsüchtigen Blick zuwarf, woraufhin Lily ihre Schritte beschleunigte und ihn ganz schnell in die Abteilung mit den Kühlwaren schob. "Ich will da nicht rein", maulte Sirius und stemmte seine Füße von innen gegen den Einkaufswagen, was natürlich nicht die geringste Wirkung zeigte. "Ich werde mir noch eine Blasenentzündung holen!" "Merlin", murmelte James und warf dem leise in sich hineingiggelnden Remus einen kurzen Blick zu. "Hör auf dich wie ein Mädchen zu benehmen!"
"Boah!", machte sein bester Freund und verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust, was in seiner derzeitigen Situation nicht besonders eindrucksvoll aussah. "Ja, genau: Boah!", empörte sich Lily. "Wir haben jeden Monat Krämpfe! Wir kriegen Kinder! Wir wachsen uns die Beine! Uns brechen Nägel ab!" James gluckst leise obgleich der Vergleiche, hielt aber klugerweise den Mund, was man von Sirius leider nicht behaupten konnte. "Jaja, das kommt immer, wenn du nicht weiter weißt. "Ich habe ein Kind bekommen! Ich habe siebzehn Stunden Wehen ausgehalten! Ich habe einen Melonenkopf aus mir herausgepresst!" Bla, bla, bla!" Lily schnappte nach Luft, wurde aber von ihrem Sohn abgelenkt, der an ihrer Jacke zupfte. "Du, Mummy? Können wir Pudding kaufen?" "Wir haben Pudding zu Hause, Schatz", antwortete sie und konnte praktisch fühlen, wie der Ärger von ihr abfiel. "Aber keinen mit Bärchen drauf!", widersprach er bockig und zeigte auf einen Plastikbecher, auf dessen Deckel tatsächlich drei blaue Bären abgebildet waren. "Das ist natürlich ein Argument", lachte die Rothaarige, verwuschelte sein Haar und legte dann das gewünschte Objekt in den Wagen. "Aber den gibts erst an Weihnachten, ja? Das ist etwas Besonderes, das weißt du, denn der Pudding ist ungerechtfertigt teuer und die Verpackung landet ja sowieso im Müll."
Harry nickte, legte dann aber den Kopf schief und blickte seinen neben ihm sitzenden Paten an. "Onkel Siri hat auch immer solche Puddings mit Pferdchen und Bären und Hundis drauf! Und dann lacht er immer so und sagt, dass die alle hässlich sind und nur die Hundis gut aussehen!" "Hunde", verbesserte Lily automatisch, stutzte dann und blickte ihren besten Freund irritiert an, der gerade mit größtem Interesse seine Fingernägel begutachtete. Sie öffnete schon den Mund, um ihm eine gehörige Retourkutsche zu verpassen, als ihr Sohn wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. "Eis!", quietschte er begeistert los, woraufhin sie die Augen verdrehte. "Nein, Harry, wir müssen erst Milch und Käse besorgen, alles, was irgendwie auftauen könnte holen wir erst am Ende!" "Aber Mummy, guck doch, Rieseneis, guck, guck!", entgegnete er heftig, zappelte in seinem Sitz umher und zeigte immer wieder auf einen Punkt hinter ihr. Sirius, der sich gedanklich eine Notiz machte, seinem Patenkind für dieses Ablenkungsmanöver ein Malbuch mit besonders kitschigen Motiven (James würde sich freuen) zu kaufen, wippte ein paar Mal vor und zurück, bis er genug Schwung hatte und den vorderen Teil des Einkaufswagens umfassen konnte, sich nach vorne zog, leicht drehte und so mehr oder weniger über seine Schulter blicken konnte, um zu sehen, was den Vierjährigen so aus dem Häuschen gebracht hatte. "Diese Dinger sind zu klein!", schimpfte er, hielt dann aber inne und betrachtete interessiert die lebensgroße Eiswaffel, die offenbar Pröbchen einer neuen Sorte verteilte. "Mhh", machte er und kletterte etwas umständlich aus dem Wagen.
Minuten später stopfte Harry fröhlich schmatzend Eisproben in sich hinein und die leeren Becher stapelten sich auf seinem Schoß, James versuchte seinem Sohn zu erklären, dass er noch einen Kälteschock erleiden würde, Lily und Remus trugen Milch, Käse, Joghurt und Quark heran und Sirius unterhielt sich interessiert mit der Rieseneiswaffel darüber, wie viel man in dem Job verdiente und ob man sich das Weihnachtsgeld vielleicht in Form von Eis auszahlen lassen könnte. Mit dem dezenten Hinweis, dass sie wohl keine Süßigkeiten mehr kaufen könnten, weil sie nach dem Grundeinkauf bestimmt keine Zeit mehr haben würden, brachten Lily und Remus Harry und Sirius dazu, sich von ihrer jeweiligen Eisbekanntschaft zu lösen und schoben dann gemeinsam den Einkaufswagen in die nächste Abteilung, in der sie Mehl und Nudeln zu suchen begannen.
Nach einer Weile, in der Sirius tatsächlich gut mitgeholfen hatte und es nach drei Versuchen, in denen er Hefe, Vanillezucker und noch einmal Hefe angeschleppt hatte, sogar geschafft hatte das gewünschte Backpulver zu besorgen, war er plötzlich verschwunden, was aber zuerst nicht auffiel. Während Lily auf Remus' Schultern saß, um an das natürlich auf dem obersten Regal liegende Gurkenglas zu gelangen und James seinen Sohn einzufangen versuchte, der nach einer Weile lautstark verlangt hatte zu helfen und sich jetzt von Kopf bis Fuß in Klopapier eingewickelt hatte und mit wedelnden Armen und einem "Huuuuh, huuuuuh!" durch die Gänge flitzte, war der Schwarzhaarige zurück in die Kühlwarenabteilung geeilt und hatte sich sein neuestes Spielzeug zurückgeholt, das er jetzt anschubste und dann auf den Eisensteg zwischen den Rädern sprang und so durch die Gänge rollte, was ihm schon bald nicht mehr genügte und so blickte er sich kurz um, zog unauffällig seinen Zauberstab, sprach einen leisen Zauberspruch auf die Räder des Einkaufswagens und krallte sich an dem Gitter fest.
Keine Sekunde zu früh, denn schon eine Zehntelsekunde später rauschte der Wagen in einer waghalsigen Geschwindigkeit los und Sirius machte ein erschrockenes Geräusch, das irgendwie sehr nach "Meerschweinchen trifft Kettensäge" klang, nur um Sekunden später in ein riesiges Regal zu krachen. Eine Vorahnung habend eilte Lily gefolgt von einem breit grinsenden Remus und einem James, der verzweifelt versuchte, seinen Sohn wieder auszuwickeln auf den ungefähren Entstehungsort des Kraches zu und blieb dann geschockt stehen, als sie ihren besten Freund unter dem Einkaufswagen hervorkriechen sah. "An der Dosierung muss ich wohl noch arbeiten", murmelte er schulterzuckend und sah sich um, wo er hier eigentlich genau gelandet war. "Oh, Schokolade", strahlte er glückselig, zog eine Tafel unter seinem Hintern hervor und hielt sie seinem besten Freund fragend hin. "Willst du?" James' Hand zuckte automatisch und er sah so aus als kratze er gerade seinen letzten Rest an Selbstbeherrschung zusammen, als er antwortete: "Äh... Nein, danke. Nett gemeint, aber ich bin... satt." "Dein Glück", zischte Lily ihm zu und sah sich gleichzeitig etwas unruhig nach dem Personal um. "Na ja, aber andererseits ist sie ja eingepackt", überlegte James weiter und sie starrte ihn schockiert an. "Deine Besessenheit von Schokolade kann doch nicht ernsthaft so weit gehen, dass du etwas isst, das Bekanntschaft mit Sirius' Allerwertestem gemacht hat!" "Uhm... nein?", fragte er mehr als dass er es sagte und ließ die Schultern hängen. "Aber wir kaufen doch noch Schokolade, tun wir doch, oder, Lily?" "Aha, da denkt wohl jemand, dass das was bei Harry funktioniert ja eigentlich auch bei ihm klappen müsste, was?", mischte sich Sirius ein, stand auf und schob unschuldig pfeifend ein paar der Tafeln unter das Regal, wobei die Wirkung bei dem Chaos, das er veranstaltet hatte bei etwa null lag..
Lily seufzte leise und blickte sich dann erneut um. "Lasst uns gehen", sagte sie schließlich, schnappte sich ihren Sohn und verschwand hektisch zwischen den Regalreihen. Ihre Jungs folgten ihr und sahen sie mit dem gleichen fassungslosen Gesichtsausdruck an. "Hat Miss Oberkorrekt sich gerade einfach so davongemacht?", spöttelte Sirius, woraufhin sie nur mit den Schultern zuckte. "Du kannst ja gerne warten bis einer der Angestellten auf das Chaos aufmerksam wird, ich jedenfalls habe keine Lust es zu beseitigen." "Hmm", machte ihr bester Freund und nickte beeindruckt mit dem Kopf. "Gefällt mir, diese neue Seite an dir, gefällt mir wirklich." "Ich sagte doch, sie ist perfekt", sagte James und lächelte die Rothaarige verliebt an. "Und sie ist keine Miss, sie ist meine Frau, sie ist Misses Lily Potter, merk dir das!" "Sagt man nicht Misses James Potter?", fragte Sirius, woraufhin sein bester Freund grinste. "Nun, da Lily sich nicht als mein Eigentum ansieht und ich nie auf die Idee kommen würde, sie als solches zu bezeichnen, weil ich an meinen Eiern hänge... Nein, sagt man nicht." "Ähm", machte der Hundeanimagus, riss die Augen auf, wich einen Schritt vor seiner Freundin zurück und kreuzte gleichzeitig die Hände vor dem Intimbereich. "Nee, macht man nicht, das kam auch gar nicht von mir... Das, das war Moony, genau!"
"Na, vielen Dank, Pad", amüsierte der Werwolf sich, verfiel dann aber wieder in Schweigen, was Sirius mit gerunzelter Stirn beobachtete. "Nicht mal Provokationen helfen heute?", stellte er fragend fest und schürzte die Lippen. "Dann muss ich wohl härtere Geschütze auffahren." Damit trat er auf seinen Freund zu und begann ihn zu kitzeln. "Dutzi dutzi Remi, na komm, dutzi, dutzi Remi, schenk mir eins deiner hinreißenden Lächeln!" Der Braunhaarige zwang sich tatsächlich zu einem Grinsen, das aber mehr gequält als echt wirkte und Sirius runzelte besorgt die Stirn und blickte seinen langjährigen Freund ernst an. "Was ist los mit dir, Moony? Du warst doch so glücklich? Oh mein... Ist was mit deinem Job? Haben die ihr Angebot wieder zurückgezogen? Das können sie nicht machen, ich werde... Niemand tut meinem Moony weh, nur dass das klar ist, das werden die auch noch kapieren! Na warte, wenn ich die in die Finger kriege!" Er stampfte wütend mit dem Fuß auf. "Du bist geeignet und qualifiziert, wo ist das Problem? Du hast diesen Job mehr verdient als jeder andere, das ist nicht fair! Niemand, niemand geht so mit einem Rumtreiber um und mit dir schon mal gar nicht!" Seine Augen schienen für einen Moment zu glühen und er wirkte so aufgebracht wie ihn seine Freunde das letzte Mal erlebt hatten, als er von Peters Verrat erfahren hatte.
"Es geht mir gut", sagte Remus langsam und es schien als wählte er seine Worte mit Bedacht. "Ich habe den Vertrag unterschrieben, es ist alles unter Dach und Fach, wie meine Mum so schön zu sagen pflegte. Ich habe für den Januar sogar schon mehrere Besichtigungstermine ausgemacht, es sind ein paar wirklich schöne Wohnungen dabei. Alles läuft bestens." "Ja?", schnaubte Sirius und hob spöttisch eine Augenbraue. "Und deswegen bist du ja auch heute so unglaublich gesprächig und fröhlich! Komm schon, Moons, du warst damals kein guter Lügner und bist es auch heute nicht. Was ist los?" Seine Stimme war ganz weich geworden und als Remus dann auch noch James und Lily ansah, die ihn ruhig betrachten und sein Blick auf Harry fiel, dessen Augen ihn zwischen zwei Klopapierstreifen besorgt anzusehen schienen, war es um seine Beherrschung geschehen und er schloss die Augen, krallte seine Fingernägel in seine Handinnenflächen und biss sich so heftig auf die Unterlippe, dass er schon bald den so charakteristischen metallernen Geschmack des Blutes auf seiner Zunge schmeckte.
"Es ist... Na ja, wir haben bald Weihnachten, nicht? Und überall sieht man die glücklichen Familien, Kinder, die ihre Eltern ansehen als gäbe es auf der Welt nichts Wichtigeres als sie... Männer, die hilflos die Vor- und Nachteile der verschiedenen Geschenke abwägen und völlig damit überfordert sind, das passende Präsent zu finden... Ich möchte das auch. Ich möchte auch völlig gestresst durch die Läden rennen und alles nach einem bestimmten Paar Ohrringen absuchen. Ich möchte auch nachts von dem Geschrei meines Kindes geweckt werden und mich bei meinen Freunden beschweren, dass meine Frau unglaublich eifersüchtig ist und die Windeln meines Kleinens schlimmer als Pads Pfannkuchen stinken. Sorry, Kumpel, aber die sind echt furchtbar." Er grinste kurz, wurde aber schnell wieder ernst. "In Zeiten wie diesen wird mir immer besonders bewusst, was in meinem Leben fehlt, ich merke wie leer es eigentlich ist... Ich bin nicht unglücklich, nein, das bin ich wirklich nicht, aber glücklich, glücklich bin ich auch nicht, wenn ich es denn je gewesen bin. Na ja, in unserer Schulzeit vielleicht, da war alles irgendwie unbeschwert, ich wurde das erste Mal in meinem Leben akzeptiert, wir hatten Spaß und haben nicht über Konsequenzen oder den nächsten Tag nachgedacht. Aber jetzt... Es ist aussichtslos, ich werde nie eine Familie, eine Frau und Kinder haben, niemals. Ich werde nie von Kinderlachen, nassen Küssen oder einem warmen Körper neben mir geweckt werden. Ich weiß, ich sollte dankbar sein, dass ich mich jetzt wenigstens selbst ernähren kann und das bin ich auch, aber trotzdem... Reicht es denn nicht, was ich alles durchmachen musste? Reicht es nicht, dass mein Leben von Schmerzen gezeichnet war, dass ich schon als Kind immer auf der Hut sein musste, um mich nicht zu verraten und die wenigen Bekanntschaften die ich hatte zu gefährden? Ist denn eine glückliche Familie wirklich zu viel verlangt?" Er strich sich plötzlich erschöpft wirkend über die Augen. "Aber wer kann es den Frauen auch verdenken? Ich bin weder besonders gutaussehend, noch erfolgreich oder begabt... Ich bin nichts Besonderes und der Gedanke tut mehr weh als es die schlimmste Verwandlung je könnte."
Seine Freunde schwiegen betroffen und selbst Harry, der normalerweise nicht so lange still hielt und sich schnell langweilte verhielt sich ruhig, wand sich dann aber doch aus den Armen seines Vaters, ging auf seinen heißgeliebten Onkel Remi zu, lehnte den Kopf gegen dessen Oberschenkel und streichelte beruhigend sein Bein. "Du bist etwas Besonderes", sagte Lily ruhig, nachdem sie die Situation einigermaßen überblickt und erkannt hatte, dass Remus ein langes Analysieren seines Lebens oder seiner Gedanken jetzt nichts bringen würde, sondern dass er für den Moment nur ein paar aufmunternde Worte, ein Lächeln und ein wenig Hoffnung brauchte. "Lisa war damals verrückt nach dir und so wie du eure Begegnung beschrieben hast, scheint sich da nicht viel geändert zu haben. Ich bin sicher, wenn du sie nach einem Date fragst wird sie mit Freuden zustimmen. Und sie weiß über deine Situation Bescheid, also musst du dir keine Sorgen machen, dass es rauskommen könnte. Und Remus? Es hat sie nie gestört." Sirius nickte bekräftigend und legte dabei so unauffällig wie möglich und mit betont unschuldigem Gesicht drei verschiedene Sorten Weihnachtsstollen in den Einkaufswagen. "Und sonst verkupple ich dich einfach mit meiner Cousine. Also mit Dora, nicht mit der durchgeknallten Bellatrix, so sehr hasse ich dich nicht mal, wenn du mein Haarband als tuntig bezeichnest, denn das benutze ich nur beim Putzen, das weißt du und außerdem sieht es super stylisch aus! Ähm... wo war ich? Genau, ich verkupple dich mit Dora, dann sind wir nämlich auch offiziell eine Familie und außerdem ist sie total genial und meine absolute Lieblingscousine!"
"Sirius!", machte Remus halb belustigt, halb entsetzt. "Sie ist erst zwölf oder so! Was denkst du was ich bin? Ich treffe mich doch nicht mit einem Kind, du hast sie ja nicht mehr alle!" "Na ja, aber Andra hat doch schon Ted und Dora bringt mich um, wenn ich ihre Eltern auseinanderbringe, nur um dich mit ihrer Mutter zu verkuppeln. Wobei, sie mag dich... Und ich habe ja nicht gesagt, dass du jetzt mit ihr ausgehen sollst, aber so in zehn, zwölf Jahren..." Er wackelte breit grinsend mit den Augenbrauen, woraufhin Lily sich gegen die Stirn schlug, James sein Lachen herunterschluckte und dabei wie ein Storch -oder hier vielleicht treffender wie ein Hirsch- mit Schluckauf wirkte und Harry mit strahlenden Augen versuchte seinem Paten diese lustige Geste nachzumachen. "Mann", sagte Remus und schüttelte den Kopf. "Dafür kaufe ich dir einen dieser giftgrünen, Weihnachtslieder spielenden Gummiknochen, die ich vorhin an der Kasse gesehen habe." "Und einen dieser Gummibälle, denen die Hunde im Park immer so gerne hinterherjagen", fügte James hinzu und Harry klatschte freudig in die Hände, als er sich an das Versprechen erinnerte, das ihm sein Pate vor nicht allzu langer Zeit gegeben hatte. "Und so eine ganz lange Leine!" "Ja", schnaubte Lily trocken. "Und nen Maulkorb, du olle Flohquaste, du!" Und Sirius' empörten Blick, ja den dürft ihr euch jetzt selbst in allen Einzelheiten ausmalen.
