Tear me apart - Fortsetzung
Kapitel 21
Aufstand
Hermine war enttäuscht, als Severus sich weigerte, sie bei der Suche nach dem Horkrux mitzunehmen. Harry war sauer auf alles und jeden. Noch immer hatte er höllische Kopfschmerzen. Nur Ron verhielt sich neutral - für seine Verhältnisse.
„Ich kann nicht glauben, dass er mich einfach hier sitzen lässt!", schimpfte sie.
Harry rollte mit den Augen. „Du bist schwanger. Dachtest du wirklich, dass er dich da mit reinzieht?"
Sie verschränkte wütend die Arme vor der Brust. „Was soll schon groß passieren?"
„Ich sag dir, was passieren wird! Das gleiche wie beim letzten Mal."
Sie zuckte zusammen. Harry hatte recht. Voldemort würde bestimmt wieder aus der Haut fahren, wenn er spürte, dass ein weiterer Horkrux zerstört war.
Ron rollte mit den Augen. „Hört endlich auf damit, euch gegenseitig fertig zu machen. Das ist ja kaum noch auszuhalten!"
Harry stöhnte auf. „Du hast leicht reden! Es ist ja nicht dein Schädel, der hier zum Einsatz kommt ..."
Alles in allem war die Stimmung des Trios nicht besonders gut. Noch immer hockten sie in Snapes Klassenzimmer und brüteten über die Ereignisse der letzten Tage. Einerseits waren sie erleichtert, dass sie Fortschritte gemacht hatten, andererseits war allen klar, dass ihnen noch so einiges bevor stand.
Für eine Weile sagte keiner mehr ein Wort, bis Harry plötzlich einen Einfall hatte. „Wir sollten zu Dumbledore gehen. So kann das nicht weitergehen. Ich habe es satt, dass er uns immer hinhält. Warum kann er nicht einfach verraten, was er im Schilde führt? Er nutzt uns doch nur aus!"
Hermine legte fragend den Kopf schief. „Vielleicht passiert auch einfach gar nichts. Dumbledore ist hier im Schloss, glaube ich zumindest. Und da wäre es durchaus möglich, dass er nicht so viel Schaden anrichtet, wie beim letzten Mal. Vielleicht merkt Voldemort diesmal ja gar nichts ... Außerdem, was hast du vor? Sollen wir ihn etwa mit Veritaserum füttern, damit er uns verrät, wie seine Pläne aussehen?"
Rons Augen blitzten auf. „Gar keine schlechte Idee, Mione."
Sie hatte den Kopf auf die Hände gestützt und rieb sich die Schläfen. „Ich glaube nicht, dass uns das weiterbringt."
Harry schob plötzlich geräuschvoll seinen Stuhl zurück und sprang auf die Füße. „Aber ich werde gehen."
„Was?"
Hermine und Ron starrten sich an.
„Ihr habt schon richtig gehört. Angeblich bin ich der Auserwählte, oder etwa nicht? Habe ich nicht ein Recht darauf, mehr zu erfahren?"
Hermine schluckte. Sie war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte, doch da sie nicht einfach nur untätig hier herum sitzen wollte, gab sie nach.
„Also gut. Du hast gewonnen. Ich werde noch verrückt, wenn ich immer nur abwarten muss und nichts tun kann."
Harry grinste und Ron kratzte sich am Kopf. „Na gut, wenn das so ist, werde ich auch dabei sein. Schließlich kann ich nicht zulassen, dass sich meine schwangere Freundin ohne männlichen Schutz in Gefahr begibt …"
Langsam stand er auf und versenkte seine Hände in den Hosentaschen.
Das Grinsen auf Harrys Gesicht verschwand. „Danke, Ron! Dein Vertrauen in mich scheint ja nicht gerade riesig zu sein."
Er zuckte mit den Schultern. „Weißt du, Harry, du bist vielleicht der Klügere von uns beiden, aber mein Haken ist wesentlich besser als deiner. Außerdem könntest du wieder umkippen …"
Harry schüttelte den Kopf. „Ich hab's geschnallt, Alter. Lasst uns lieber gehen, bevor Snape das Ding gefunden hat."
Ron nickte eifrig. Nur Hermine wirkte nachdenklich.
„Wartet, Jungs. Vielleicht sollten wir vorsorglich doch etwas von dem Veritaserum mitnehmen."
„Was?"
Sie lächelte verlegen. „Kommt schon. Es war doch immer ganz lustig, was aus seinen Vorräten zu klauen. Er wird mich schon nicht umbringen, schließlich sind wir ja jetzt verheiratet."
Harry schluckte. „Du hast leicht reden. Dich hat er ja auch nie verdächtigt."
Sie zuckte mit den Schultern. „Wenn du willst, sage ich ihm, dass ich in unserem zweiten Schuljahr das Zeug geklaut habe."
„Das wird wohl kaum etwas ändern, oder? Er hat mir noch nie verziehen, auch damals nicht, als sich herausgestellt hat, dass ich während des Trimagischen Turniers unschuldig war."
Hermine seufzte. „Harry. Die Umstände haben sich geändert. Er merkt langsam, dass Dumbledore nicht ganz so harmlos ist, wie er immer getan hat. Dir ist es doch auch aufgefallen, oder?"
„Ich weiß."
„Na also. Kommt ihr mit, oder soll ich alleine gehen?"
„Wir kommen mit!", rief Ron eifrig. „Ich werde dich nicht aus den Augen lassen. Snape würde mir den Kopf abreißen, wenn dir was zustößt."
Harry blinzelte. „Warum dir? Ich stehe ganz oben auf seiner Liste."
Hermine rollte mit den Augen. „Lasst uns gehen. So schlimm wird es schon nicht werden."
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Es hatte nicht lange gedauert, Snapes Vorratskammer zu öffnen, schließlich war sie eine begnadete Schülerin und hatte schon einige Übung darin, Unfug anzurichten. Hermine fühlte sich trotzdem eigenartig, als sie vor den Regalen stand und nach dem Objekt der Begierde fahndete.
„Hoffen wir, dass es funktioniert", murmelte sie leise vor sich hin, als sie die kleine Phiole mit den Fingern umschloss, in die sie das Veritaseum abgefüllt hatten.
„Wird schon schief gehen", entgegnete Harry zuversichtlich.
Ron nickte zustimmend.
Mit einem tiefen Seufzer verschloss Hermine die Vorratskammer und erneuerte die Schutzzauber. Dann machten sie sich auf den Weg.
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Die Euphorie war schnell verflogen, als Hermine und Ron eine gute Stunde später in Snapes Privatgemach um den kleinen Sofatisch beisammen saßen und eine Standpauke vom Meister der Zaubertränke höchst persönlich über sich ergehen lassen mussten.
Harry hatte sich wortlos zurückgezogen. Keiner seiner Freunde konnte es ihm nach dem Erlebnis im Büro des Schulleiters verübeln. Sie waren zutiefst betroffen. Nur Snape kochte vor Wut und schien die Abwesenheit des Auserwählten gar nicht zu bemerken.
„Veritaserum!", dröhnte seine eisige Stimme.
Hermine nickte kleinlaut. Immer wieder rannte ihr eine Träne über die Wange.
Ron sah auch nicht viel besser aus.
Snape presste die Lippen zusammen, seine Nasenflügel bebten vor Erregung. „Das war eine der dümmsten Ideen, die ihr je hattet!", schnaubte er wütend.
„Ach ja?", fragte Ron aufmüpfig. Irgendwie schien ihm alles gleich zu sein. „Mehr als rauswerfen kann er uns nicht!"
Snape starrte ihn mit offenem Mund an. „Was, Weasley?"
Hermine hielt die Arme fest vor der Brust verschränkt. „Aber das wird er nicht tun, weil er auf uns angewiesen ist."
Sie war immer noch so über Dumbledores Worte schockiert, die ihm bereitwillig über die Lippen gekommen waren, nachdem sie ihn abgelenkt und das Wahrheitsserum in seinen Tee gekippt hatten, dass sie nicht weiter wusste.
Snape ließ sich von dem seltsamen Verhalten der beiden nicht beeindrucken. Er wusste nicht, was geschehen war und fuhr fort.
„Kaum lasse ich euch für wenige Minuten allein, fällt euch nichts Besseres ein, als den Schulleiter unter Drogen zu setzen!", bellte er wütend. Seine Kiefer arbeiteten ununterbrochen.
Während er Luft holte, glitt sein prüfender Blick durch den Raum. Hermine biss sich auf die Zunge, als sie sah, dass er zwischen all seiner Wut realisiert hatte, dass ein Teil des Trios abwesend war.
„Wo ist Potter?", fragte er hart.
Sie zuckte beim Klang seiner Stimme zusammen. „Severus, bitte! Hör dir zuerst an, was passiert ist, bevor du die Nerven verlierst."
Seine Augen funkelten sie an, doch sie packte ihn energisch am Ärmel und zog ihn neben sich auf das Sofa. Nur widerwillig ließ er es geschehen und setzte sich.
„Schön. Ich höre."
Seine Versuche, den braven Ehemann zu spielen, scheiterten kläglich. Alles an ihm wirkte angespannt und die tiefe Falte zwischen seinen Brauen pochte unmissverständlich.
Ron senkte bedrückt den Blick und Hermine wurde klar, dass es ihre Aufgabe war, die schlechte Botschaft zu übermitteln.
„Das wird dir nicht gefallen, Severus, aber wir mussten einmal mehr erkennen, dass Dumbledore nicht der Mann ist, für den wir ihn alle gehalten haben. Er hat uns etwas sehr Wichtiges vorenthalten."
Er schnaubte nur und so fuhr sie fort.
„Die Prophezeiung besagt, dass nur Harry Voldemort töten kann, doch es gibt ein Problem – Harry ist ein Horkrux."
Snapes Augen weiteten sich und sein Gesicht war mit einem Schlag leichenblass. Es war nicht zu übersehen, dass ihn die Nachricht vollkommen unerwartet getroffen hatte.
„Severus?", fragte sie vorsichtig.
Er hob die Hand, die deutlich zitterte, dann wendete er sich wortlos ab und stand mit wackeligen Beinen auf.
Hermine blickte zu Ron, doch der zuckte hilflos mit den Schultern, während Snape zum Bad hinüber wankte und Tür hinter sich zu knallte.
„Wofür, bitte, war das gut?", wollte Ron wissen.
Hermine schüttelte den Kopf und neue Tränen stiegen in ihren Augen auf. „Keine Ahnung. Jedenfalls sieht es so aus, als würde es ihn mehr mitnehmen, als vermutet."
Ron nickte verdutzt. „Wer hätte das gedacht!"
Hermine wimmerte inzwischen leise vor sich hin und er rutschte zu ihr, um sie in die Arme zu nehmen.
„Was sollen wir denn jetzt machen, Ron? Die einzige Möglichkeit, Voldemort zu töten, besteht darin, Harry zu töten."
Er fröstelte. „Aber das darf nicht passieren. Es muss noch einen anderen Weg geben."
Die Erkenntnis schwebte wie ein dunkler Schatten über ihnen. Vergessen war der Vorfall mit Dumbledore und dem Veritaserum und auch die Tatsache, dass Hermine in Snapes Vorratskammer eingebrochen war, um es zu beschaffen.
Der neu auserkorene Anführer erwähnte kein Wort mehr davon, als er endlich das Bad verließ. Er sah elend aus und senkte den Kopf, sodass seine langen schwarzen Strähnen sein Gesicht verdeckten. Ihn plagten eindeutig andere Dinge, als die Konsequenzen für das unüberlegte Handeln seiner Schüler.
Zwischenzeitlich hatte Hermine Ron damit beauftragt, ein Auge auf Harry zu haben, damit er keine Dummheiten anstellen konnte.
Snape verschanzte sich ohne Kommentar in seinem Büro, um alle möglichen verbotenen Bücher in seiner Reichweite über weitere Hinweise zu durchforsten, die bei der Zerstörung von Horkruxen helfen konnten. Es war sehr still um ihn geworden und Hermine machte sich große Sorgen um ihn. Im Moment jedoch, solange er das Büro nicht verließ, beschloss sie, sich Harry zu widmen, den Ron mit Nachdruck wieder in die Kerker geschleift hatte.
Sie wollten ihn nicht alleine lassen, nicht nach einer Nachricht wie dieser. Was immer auch vor ihnen lag, sie mussten es zusammen durchstehen.
