Vielen Dank für die netten, wahnsinns Reviews, Heatpipe, Mortianna´s Morgana, Padme.G und Marylein! Ich hab mich wirklich sehr darüber gerfreut. :-)
Nun aber gehts zuerst mit unseren beiden Helden weiter! ;-)
Liebe Grüße Gaby
21 Das dunkle Mal
„Guten Abend, Severus!" Leise und doch durchdringend drang seine Stimme zu ihm.
„Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt…"
„Erspar mir das bitte!" warf Severus dazwischen und deutete unwillig auf einen der Stühle vor sich. Albus folgte der Einladung und nahm Platz.
„Ich habe auf dich gewartet." Ergriff Albus erneut das Wort.
„Ich weiß, aber…" erwiderte Severus, er fühlte sich nicht wohl unter den Blicken des Schulleiters. Heute würden Fragen auf ihn zukommen, die er nicht ehrlich beantworten konnte.
„Aber?" griff Dumbledore den noch offenen Satz von Severus auf und sah abwartend auf ihn.
„Ich kann dir das nicht geben was du möchtest!" meinte dieser schroff.
„Und was deiner Meinung nach möchte ich von dir?" Dumbledore bemühte sich um einen ruhigen Ton, auch wenn es ihm schwer fiel.
Hermione hatte mit ihren Nachforschungen etwas aufgeweckt, das alle die Jahre in tiefen Schlummer lag. Von allen vergessen würde es ohne sie wahrscheinlich noch immer niemanden kümmern. Voldemort hatte sie damals alle in Angst und Schrecken versetzt und die Zauberwelt mit seinen Gräueltaten für immer verändert. Wie wäre es sonst zu erklären, dass niemand sonst Fragen über die fünf Kinder gestellt hatte?
„Ich bin Hermione auf dem Flur begegnet. Sie kam von dir. Ich weiß wonach sie sucht." Stieß Severus gepresst hervor. Er wich den wissenden Augen Dumbledores aus.
„Dann sag mir wonach sucht sie? Kennst du die Antwort?"
Nicht länger konnte er sitzen bleiben. Er sprang von seinem Stuhl auf und schritt unruhig im Zimmer umher. Er erinnerte Albus an einen gefangenen Tiger, der die Größe seines Käfigs mit hektischen Schritten abmaß. Plötzlich hielt er in seiner Bewegung inne. Er hatte Albus in all den Jahren noch nie belogen und auch wenn alles in ihm aufschrie, er würde es auch heute nicht tun.
„Ja!"
*
Bleich sah sie hinter ihm her. Er hatte sie nicht gesehen und es war einem puren Zufall zu verdanken, dass sie ihn sah. Sie wollte gerade ihre Räume aufsuchen, als sie sah das er die seinigen verließ, aber nicht dieser Umstand ließ sie erbleichen, sondern das was er bei sich trug.
Sie wusste all die Jahre, dass er sie immer noch hatte. Gut verborgen vor den Augen des Ministeriums. Er hatte sich nie davon getrennt. Einmal meinte er sogar im Halbscherz zu ihr, wer sie haben möchte, musste sie ihm aus den kalten, toten Fingern reißen, denn solange er lebte würde sie keiner bekommen!
Egal wohin er sie heute mitnahm, es bedeutete nichts Gutes und sie hatte so eine vage Ahnung wohin ihn sein Weg führen würde. Sie rannte den Flur hinab zu einem der großen Fenster die den Blick auf den Schlosshof freigaben und starrte suchend hinab.
Sie sah gerade noch wie er das Schloss verließ und quer über den Platz ging, bis er die Stelle zum Apparieren erreichte. Ohne Zögern verschwand er mit einem lautlosen Plopp. Narzissa rieb sich hektisch über die Stirn. Was sollte sie nur tun? Lucius würde alles ruinieren. Er war so unbeherrscht und ungestüm.
Er neigte dazu zuerst zu handeln und dann nachzudenken. Das war auch der Grund warum er schon zweimal in Askaban gelandet war. Zum Glück hatte er neben diesen Eigenschaften auch noch andere. Er war ein begnadeter Redner und er schaffte es fast mühelos andere zu manipulieren, aber trotzdem befürchtete sie, dass er mit dem was er heute vorhatte, ihm diese beiden Eigenschaften nichts nützen würden.
Selbst er konnte sich nicht aus vorsätzlichem Mord herauswinden. Sie musste etwas tun. Sie musste ihre Familie und ihren Status schützen. Ihr konnte nur ein Mann helfen. Schnell holte sie ihren Umhang und rannte dann eiligst die Stufen hinab.
*
Sie hatte sich selbst einen Tasse heißen Kakao und Selbstmitleid auf der Couch verordnet. Dort hockte sie jetzt, eingewickelt in eine dicke Decke und blies Trübsal. Nachdem sie die erste Passage zu ihrem Buch geschrieben hatte, gab es für sie nichts weiter zu tun. Also hatte sie Zeit sich so richtig selber Leid zu tun.
Ihr Hund hatte es sich an ihrer Seite bequem gemacht und starrte gierig auf die Schokoladenstückchen mit denen sie sich voll stopfte.
„Die bekommst du nicht!" meinte sie bestimmend zu ihm.
„Die sind für mich! Ich bin diejenige mit dem Liebeskummer, nicht du!" stellte sie entschieden klar.
Leise winselnd legte Jasper den Kopf zwischen seine Füße und versuchte so süß und niedlich auszusehen.
„Das zieht bei mir nicht! Ich bin gegen männlichen Charme immun!" versuchte sie gerade ihrem Hund weis zu machen, als dieser plötzlich knurrend den Kopf hob.
Lauernd richtete er seinen Blick zur Tür, sein Fell sträubte sich im Nacken. Hermione wartete nicht ab, ob es sich lediglich um einen Fuchs handelte, der ums Haus schlich, oder ob dort draußen eine andere, größere Gefahr lauerte. Sie griff hastig nach ihrem Zauberstab und machte sich bereit.
Den Blick hielt sie ängstlich auf die Tür gerichtet. Sie war nicht dumm, ihr war durchaus klar das sie mit ihrer Arbeit in Dingen herumstocherte die anderen weder gefielen, noch behagten und das sie zum Teil manches wieder nach oben kehrte wo andere sich zuvor bemüht hatten es verschwinden zu lassen.
Heftig ging ihr Atem und sie versuchte irgendetwas hören, aber alles war still. Lediglich das Knurren ihres Hundes verstärkte sich und plötzlich begann er laut zu bellen.
*
Sie lief über das weite, offene Land von Hogwarts. Warum war hier nur der Weg soweit bis zum Schloss, bis sie ihn erreicht hatte, war wahrscheinlich schon alles vorbei. Dieser Gedanke spornte sie noch mehr an, sie flog förmlich auf das Schloss zu. Kaum erreichte sie das Portal, stand sie schon vor der nächsten Hürde – die Türen waren verschlossen. Natürlich abends wurden sie immer versperrt! Hektisch pochte sie dagegen.
„Aufmachen!" schrie sie dabei laut.
Von drinnen meinte sie schlürfende Schritte zu hören. Der Schlüssel drehte sich im Schloss und Filch erschien im Türrahmen.
„Wer da?" knurrte er unhöflich. Er hasste es wenn er in seiner Routine gestört wurde.
„Ich bin es – Narzissa Malfoy! Ich muss dringend mit Snape sprechen!" erwiderte Narzissa herrisch und trat ins Licht der Lampe von Filch. Dieser wich respektvoll zurück und ließ sie ein.
„Verzeihen sie!" meinte er unterwürfig und verneigte sich leicht dabei, doch sie schenkte ihm keinerlei Beachtung und eilte schon weiter auf Severus Gemächer zu.
*
„Wirst du mit mir darüber reden?" Wieder gelang es ihm seine Stimme dabei nicht zu heben, ruhig zu bleiben.
Eine Zeitlang war er der dummen Annahme erlegen, alles wäre vorüber und sie könnten endlich nach vorne blicken und das einzige was ihnen allen zu ihrem Frieden fehlte war, dass Severus endlich eine passende Frau für sich fand und nun war mit einem Schlag alles anderes geworden.
Eigentlich nicht mit einem Schlag, sondern mit einer Frau. Welch Ironie des Schicksals. Da wünschte er sich eine Frau für Severus und was bekam er? Nicht eine für ihn, sondern gegen ihn. Severus Mine begann sich vor ihm zu verschließen. Er würde nicht sprechen wollen, da war sich Albus ganz sicher.
„Was weißt du über die Aufnahmerituale von Voldemort?" fragte Severus plötzlich.
Albus runzelte die Stirn. Davon war nichts bekannt. Er wusste nicht einmal, das es eines gab.
„Du meinst das dunkle Mal?"
Jeder Anhänger von Voldemort bekam als Zeichen das er zu ihm gehörte ein Zeichen auf den linken Arm eingebrannt. Ein Schlange die sich durch einen Totenkopf wand – bekannt als das dunkle Mal.
„Ja! Nun Voldemort war eine verschlagene Ratte! Ihm war von Anfang an klar, dass er seine Anhänger auf eine Weise an sich binden musste, die es ihnen fast unmöglich machte sich jemals wieder von ihm zu lösen." Erzählte Severus.
Er stand starr da, den Blick in die Ferne gerichtet sah er doch nichts, oder nichts was hier im Raum zu sehen war. Viel mehr sah er Dinge aus längst vergangenen Tagen. Er ließ sie für sich vor seinem geistigen Auge neu entstehen und erlaubte ihnen so ihn erneut zu quälen.
„Was willst du mir sagen, Severus?" Leicht schmerzlich klang Dumbledores Stimme.
Jede Freude war draus gewichen. Der sonst so von seiner Frohnatur geprägte Zauberer wirkte ernst und auch ein bisschen angeschlagen. Er verspürte eine unbekannte Angst vor dem was er vielleicht zu hören bekam.
Severus Snape war sein Freund, aber ein Freund mit einer sehr düsteren Vergangenheit. Bisher hatte Severus es vermieden, dass er sich damit zu sehr auseinander setzte und wenn er ehrlich zu sich selber war, so hielt er nur allzu gerne den Mantel des Schweigens darüber. Ansonsten hätte er ihn sicher schon viel früher mit Fragen konfrontiert, wusste er doch, dass dieser ihn nie belügen würde.
Die Wahrheit nach all den Jahren, würde ihn wahrscheinlich zum Handeln zwingen und das wollte er nicht. Severus stand ihm näher als jeder andere Freund den er hatte und er hatte unglaublich viel für sie alle getan, warum sollte er ihn für alte Sünden strafen? Ohne Albus anzublicken begann er zu sprechen.
„Damals rief er uns, seine ersten treuen Anhänger zu sich. Lucius, Narzissa, Bellatrix, Barty, Peter und mich…"
„Peter Pettigrew?" warf Albus ungläubig dazwischen.
„Genau dieser!" bestätigte Severus emotionslos.
„Wir kamen auf einer Lichtung, mitten im verbotenen Wald zusammen. Er hatte eine besondere Überraschung für uns auf Lager. Er kannte uns ganz genau…" wieder stockte Severus.
Was es auch war, noch immer hielt es ihn fest, dass konnte Dumbledore sehen und fühlen.
„Wir waren nicht die einzigen auf dieser Lichtung. Da waren bereits andere. Warteten." Bei jedem Wort wurde seine Stimme immer leiser, scheinbar wollte sie ihm nicht mehr gehorchen.
„Peter Pettigrew!" wiederholte Albus.
„Und James hat es nicht gewusst?"
Er konnte es nicht fassen. Peter war ein Anhänger der ersten Stunde gewesen? Severus schwankte heftig zu Dumbledore herum.
„James Potter!" er spie den Namen regelrecht aus. „War ein Narr! Er war schon immer blind für die Fehler seiner Freunde, er hätte mit Verrat in den eigenen Reihen rechnen müssen. Mir wäre so ein Fehler niemals unterlaufen!"
Wie hart er klang. Nach all den Jahren war James Potter immer noch ein rotes Tuch für Severus. Einmal Feinde immer Feinde, selbst über den Tod hinaus.
„Was passierte auf der Lichtung?" lenkte Dumbledore das Gespräch wieder auf das ursprüngliche Thema zurück, dabei sah er Severus sehr ernst an.
Immer noch war er sich nicht sicher ob er wirklich hören wollte, was Severus zu erzählen hatte.
„Wir stellten uns, so wie Voldemort es befahl, im Kreis um die anderen auf."
„Wer waren die Anderen?" warf Dumbledore fragend dazwischen.
„Gefangene! Ich konnte sie nicht sehen! Niemand konnte sie sehen…Ich wusste nicht wer sie waren. Ich wusste es nicht…" rief Severus erstickt und biss sich auf die Lippen.
Er ballte die Hände zu Fäusten bis die Fingerknochen weiß hervortraten.
„Wir haben in jener Nacht viel verloren. All unsere Träume, Illusionen…und noch mehr. Wir haben sie…"
Egal was er noch sagen wollte, es ging unter dem heftigen Pochen an seiner Tür unter. Severus blickte kurz auf Dumbledore dann eilte er mit großen Schritten zur Tür und riss sie auf.
Davor stand Narzisse. Völlig aufgelöst und verwirrt.
„Bitte! Du musst mir helfen!" flehte sie ihn an.
In ihren Augen konnte er Furcht und Sorge lesen. Albus erhob sich von seinem Platz. Bis jetzt hatte Narzissa ihn noch gar nicht wahrgenommen.
„Was ist passiert?" fragte Severus ernst. Narzissa schloss kurz die Augen.
Irgendwie musste es ihr gelingen Severus auf die richtige Spur zu bringen, ohne zuviel verraten zu müssen. Sie wollte nicht, dass Dumbledore von der Dummheit ihres Mannes erfuhr. Auch ihr Schicksal hing davon ab und das ihres Sohnes.
„Du musst sofort zu Miss Granger!" meinte sie eindringlich und rieb sich dabei bezeichnend über ihren linken Arm.
„Halte ihn auf!" flüsterte sie nur für seine Ohren hörbar.
Kurz weitete sich sein Blick, er hatte verstanden. Er fasste nach seinem Zauberstab, dann sah er auf Dumbledore.
„Wir werden unser Gespräch später vorführen müssen. Hermione braucht mich!"
Albus nickte, auch wenn er im Moment nicht ganz verstand was hier vorging. Was verband die Beiden? Wie kam es, dass Hermione Severus auf der einen Seite, wenn auch indirekt, schwer belastete und er sobald sie in Gefahr schwebte, wie sonst wäre Narzissa Malfoys Auftritt zu deuten, er sofort zu ihrer Rettung loseilte? Neben Narzissa blieb Severus noch kurz stehen.
„Das kommt euch teuer zu stehen!" sagte er kalt und eilte los.
*
Die Einsamkeit ihres Hauses und das dunkle verlassene Moor waren seine Freunde. Niemand würde ihn sehen, niemand würde sie hören. Sein Mund verzog sich zu einem verschlagenen Grinsen. Er würde ihr eine längst fällige Lektion erteilen. Er würde sie lehren was es für Konsequenzen haben konnte, wenn man sich in Dinge einmischt die einen nichts angingen.
Sie würde sich wünschen ihn nie getroffen zu haben, geschweige denn zu versuchen, ihn mit ihren lächerlichen Drohungen einzuschüchtern. Er zeichnete mit dem Zauberstab ein Muster auf dem Boden vor sich und murmelte einige magische Wörter dazu. Plötzlich ging der Boden in Flammen auf und zeigte das dunkle Mal. Ein Zeichen das immer noch Angst und Schrecken verursachen konnte und das mächtig genug war andere mit sich in den feurigen Tod zu reißen.
