Sternschnuppe, ich brauch nicht für jedes Chap ein Review, wenn jeder Leser eins dalassen würde ab und an, das würde mir schon reichen - umso mehr freu ich mich über dein dickes Lob gerade ^^
Draco,Hermine und Schulsprecher ist wirklich ein oft durchgekautes Thema; daß ich mit meiner Geschichte in der Hinsicht punkten kann, wundert mich daher immer wieder ;)

Sandy, ich fand Draco eigentlich nie so richtig böse; durchtrieben ja, aber eher als Produkt seiner Erziehung. Meiner Meinung nach hat er in den letzten beiden Bänden viel zu oft gezögert, wenn´s drauf ankam, daher denk ich, daß er - je mehr er dahinterblicken konnte - immer mehr ins Zweifeln kam. Das war so der Aufhänger dafür, wie ich ihn hier gestaltet habe.

Das ich euch hab überzeugen könne, ist das größte Lob für mich ^^

So, weiter gehts, viel Spaß !


Langsam aber sicher kam der Frühling nach Hogwarts zurück und vertrieb die letzten Bastionen des Winters. Für die Quidditchmannschaften war dies der Startschuss für die letzten Meisterschaftsspiele, und für Draco die ersehnte Ablenkung, die er brauchte, um wieder zu sich zu kommen. Er legte seinen gesamten Frust und alles an Wut in die Spiele; dementsprechend heftig ging es zur Sache, wenn Slytherin auf dem Feld stand. Hufflepuff und Ravenclaw verwiesen die Schlangen gnadenlos auf die hinteren Ränge, allein mit Schnatzfang entschied Draco über die Hälfte der Spiele für sein Haus. Lediglich Gryffindor bot den Slytherins weiterhin tapfer die Stirn, schon allein, weil Harry´s Zorn auf Malfoy dem seinen in nichts nachstand.

Hermine blieb den Spielen nach Möglichkeit fern. Trotz Enttäuschung und Ärger konnte sie es sich nicht antun, mit ansehen zu müssen, wie speziell Draco und Harry aufeinander eindroschen. Also schnappte sie sich auch an diesem Samstag ein Buch und nutzte die Gunst der Stunde, um mal ein wenig an die frische Luft zu kommen. Die Gefahr, einem ihrer Mitschüler zu begegnen war äußerst gering, fast die gesamte Schule feuerte die Quidditchspieler im schuleigenen Stadion an.

Sie suchte sich eine schlecht einsehbare Stelle am See, breitete ihr Decke aus und machte es sich darauf gemütlich. Die zarten Sonnenstrahlen wärmten ihre Haut und taten für Hermines Seele ihr übriges. Aus der Ferne hörte sie die Rufe und Pfiffe vom Quidditchfeld her. Heute spielten die Dachse noch einmal gegen die Schlangen; das Ergebnis war vorhersehbar. Die Schulsprecherin schlug ihr Buch auf und versuchte, die Sätze zu erfassen, die dort standen. Doch wie immer drifteten ihre Gedanken ab, kreisten um das eine Thema, dass sie seit vier Wochen beschäftigte.

Draco hatte es aufgegeben, mit ihr reden zu wollen. Nachdem sie ihm einen *Stupor* aufgehalst hatte, als er sie mal wieder alleine erwischte und zum reden nötigen wollte, hatte sie ihn einfach dort liegen lassen, wo er aufschlug und war davon gegangen. Seitdem ließ er sie soweit in Ruhe, doch wenn sie sich in einem Raum aufhielten, spürte sie seine Blicke auf sich ruhen und wäre am liebsten hingestürzt und mit ihm fortgelaufen, weit weg. Lediglich die Blicke seiner Ehefrau in spe hielt sie davon ab, sich vollkommen zum Affen zu machen. Sie wusste immer noch nicht, was Draco dazu bewogen hatte, Pansy heiraten zu wollen. Das einzige, was sie mit Sicherheit mittlerweile wusste, war, dass sie ihm nicht egal war. Wieder einmal stiegen Hermine die Tränen in die Augen und sie wischte sie zornig weg. Da sie sich nicht auf das Buch konzentrieren konnte, legte sie es beiseite und bettete den Kopf auf die Arme. Nach einer Weile hörte sie Schritte näher kommen. *Geh weg, lass mich allein!* flehte sie im Stillen und hielt den Kopf gesenkt, in der Hoffnung der- oder diejenige würde denken, sie schliefe und wieder gehen. Doch stattdessen hielten die Schritte weiter auf sie zu und stoppten vor ihr. Mit einem leisen Ächzen ließ sich jemand neben ihr nieder. Hermine rührte sich keinen Millimeter. Nach einer Weile begann dieser jemand zu sprechen, und im ersten Moment war sie verblüfft, dass ausgerechnet Blaise Zabini hier neben ihr saß. „Ich weiß, dass du nur so tust, als würdest du schlafen, Granger." begann er leise zu sprechen. „Aber das macht es für mich leichter, dir zu erzählen, was ich zu sagen habe." Blaise machte eine Pause, und Hermine war versucht, ihn zum Teufel zu jagen. Doch ihre Neugier war stärker, und so blieb sie still liegen.

„Weißt du, ich hatte mal einen tollen Kumpel, mit dem konnte man Pferde stehlen. Und als er dann auch noch mit einem Mädchen zusammen kam, dass er abgöttisch zu lieben gelernt hatte, war die Sache perfekt. Aber von einem Tag auf den anderen war das vorbei. Das Mädchen machte mit ihm Schluss, ohne sich anzuhören, was er zu ihren Vorwürfen zu sagen hatte, die er – nebenbei bemerkt – noch nicht einmal von ihr selber zu hören bekam. Seitdem ist aus dem lebenslustigen, witzigen Kumpel ein mürrischer, introvertierter Arsch geworden, der alles und jeden vor den Kopf stößt, der ihn auch nur anschaut." Hier machte er eine Pause, schien zu überlegen, wie er fort fahren sollte. „Dem Mädchen scheint es auch nicht besser zu gehen. Sie kapselt sich ab, igelt sich verletzt ein und lässt ihren Stolz schalten und walten, wie er will. Würde sie den mal in die Schranken weisen und sich aufraffen, meinem Kumpel zuzuhören, würde sie schnell feststellen, dass er sie nicht mit Absicht so verletzt hat."

Mit klopfendem Herzen hatte Hermine den Worten des Slytherins gelauscht. Er hatte Recht, und sie wusste es. Vorsichtig blinzelte sie über ihren Arm hinweg und studierte Blaise´s Profil. Der junge Mann hatte den Blick auf den See gerichtet, doch auch so erkannte Hermine, dass er sich wirklich um seinen Freund sorgte. Dann sah Zabini sie an. „Wenn du schon nicht über deinen Schatten springen und mit Draco reden kannst, dann lies wenigstens dieses Buch." Er schob ihr einen dicken, alten Folianten hin. „Ich habe dir die entsprechenden Stellen mit einem Lesezeichen markiert. Es ändert zwar nichts an den Tatsachen, aber vielleicht verstehst du dann, warum er dir nichts gesagt hat." Freundschaftlich strich er über Hermines Arm und sah sie verstehend an. „Tu dir selbst den Gefallen und lies es einfach." Mit diesen Worten stand er auf, klopfte sich das Gras von der Hose und ging wieder davon.

Auf dem Weg zurück begegneten ihr Harry, Ron und Ginny, die ebenfalls den Weg zur Schule angetreten hatten, nachdem sie das Spiel verfolgt hatten. Wortlos wollte sie sie überholen, doch eine Hand an ihrem Arm hielt sie zurück. „Mine, warte doch mal bitte." Mürrisch drehte sie sich um und blickte die drei abwartend an. „Können wir uns nicht wieder vertragen?" fragte Ginny und sah sie bittend an. Hermine zog die Augenbrauen zusammen. „Und dann? Wollt ihr mich dann wieder mit eurer ach so tollen Erkenntnis beglücken, dass ihr Recht hattet?" Sie schüttelte heftig den Kopf. „Ich hab keine Lust, mir eure Schimpftiraden über Draco anzuhören." Fassungslos starrten sie sie an. „Du verteidigst den immer noch? Obwohl er dich nach Strich und Faden verarscht hat?" Harry war außer sich. „Wie verblendet kann man sein?"

„Harry Potter! Der einzige, der hier verblendet ist, bist DU!" Hermine geriet in Rage. „Du predigst überall Gerechtigkeit und Gleichheit in der magischen Welt, bekommst es aber selbst nicht geregelt, danach zu leben. Deine Selbstherrlichkeit geht mir tierisch gegen den Strich. Du bist keinen Deut besser als diese dämlichen Reinblüter." „WAS?" fauchte Harry zurück. „Sag mal, spinnst du?" „Du bist genauso intolerant wie die; alles, was nicht der Norm entspricht, ist nicht normal und wird gemieden." Hermine achtete gar nicht darauf, was er sagte. Vor Wut standen ihr die Tränen in den Augen. „Du gibst denen, die eingesehen haben, dass sie im Unrecht waren, überhaupt keine Chance, sich zu ändern, sich zu beweisen. Du hackst auf Draco rum, ohne dir je die Mühe gemacht zu haben, herauszufinden, ob er sich nicht doch geändert hat. Bist du eigentlich jemals auf die Idee gekommen, dass du nicht der einzige bist, dessen Leben von klein auf vorbestimmt gewesen ist? Der keine Chance hatte, sich anders zu entscheiden, dessen Handeln von anderen bestimmt wurde? Wahrscheinlich nicht, denn dafür bist du zu kleinkariert." Zornig wischte sie sich die Tränen weg und ließ ihre entgeisterten Freunde stehen. Nach einigen Schritten drehte sie sich jedoch noch mal um. Als jetzt leise sprach, war ihrer Wut eine tiefe Traurigkeit gewichen. „Davon mal ganz abgesehen bin ich echt enttäuscht von euch. Jahrelang hab ich mir den Arsch aufgerissen und euch beigestanden. Ob im Unterricht oder beim ständigen Kampf gegen Voldemort. Jetzt hab ich EINMAL etwas getan, was euch nicht gepasst hat, und ihr habt mich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Herzlichen Dank auch, auf solche Freunde kann ich verzichten."

Tief betroffen blickten die drei ihr nach.

Einen ganzen Tag lang lag das Buch unangetastet auf ihrem Nachttisch, seit sie es vom See mitgebracht hatte. Unzählige Male hatte sie davor gestanden und wollte danach greifen, doch dann verließ sie wieder den Mut. Sie wusste nicht, was sie erwartete und hatte Angst vor dem, was sich ihr offenbaren würde, wenn sie darin lies. Angst, dass es ihre Hoffnung schüren würde, der sie sich nach Blaises Aussage besser nicht hingeben sollte. Angst, dass die geschriebenen Worte das bisschen Hoffnung, dass sie noch hatte, mit einem Schlag auslöschen würde.

`Heiratspolitik der altehrwürdigen Zaubererfamilien im vergangenen Jahrhundert´ stand in nüchternen Buchstaben als Titel gedruckt.
Letztendlich nahm sie den Wälzer mit zitternden Händen auf, schlug zum Vorwort und begann, zu lesen. Das Buch handelte davon, wie sich die eingesessenen, reinen Familienclans am besten untereinander verheirateten, ohne zu großen Schaden im Erbgut durch Inzest zu verursachen. Es beschrieb ausführlich, wie welche Familie zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches miteinander verwand waren und welche Möglichkeiten sich für die Zukunft auftun würden, um den Erhalt der Reinblüter zu sichern.

Hermine musste mehr als einmal ihre Übelkeit bekämpfen, die in ihr aufstieg. Ihr wurde bewusst, dass sie praktisch die Bibel der reinrassigen Zauberer in der Hand hielt; hier wurde der Maßstab gesetzt, der dafür nötig war, dass der Samen des Hasses gegen alles, was Muggel oder Halbmuggel war, genährt wurde. Als sie die ersten Seiten gelesen hatte, schlug sie hastig zu den markierten Seiten weiter. Die erste war eine Auflistung möglicher Vermählungen in ferner Zukunft, basierend auf den verschiedenen vorhergehenden Varianten. Dort las sie es schwarz auf weiß: *Spross des Hauses Malfoy mit Spross des Hauses Parkinson, erstklassige Verbindung unter den Voraussetzungen von Seite 374*

Hermine wurde blass. Dann blätterte sie weiter zu dem zweiten Lesezeichen. Die dortige Überschrift lautete:

Empfohlene Vorgehensweisen zum garantierten Erhalt der Reinblütigkeit unter Zauberern

Es wurden verschiedene Möglichkeiten erörtert, die dafür sorgen sollten, dass die potenziellen Heiratskandidaten sich auch wirklich untereinander vermählten. Als wirkungsvollstes Mittel wurde angeraten, bereits im Säuglingsalter einen unbrechbaren Eid über die Kinder zu legen, welcher sie dazu zwang, zu heiraten – egal, wie die beiden zueinander standen. Der Mann durfte seinen Namen nur an die an ihn gebundene Frau weitergeben, während diese nur Kinder gebären durfte, die seinen Namen tragen und damit weiter führen würden. Bei Nichteinhaltung drohte mindestens Unfruchtbarkeit, um den Schaden für die Familien möglichst gering zu halten, im schlimmsten Fall – der jedoch nicht näher beschrieben wurde – den Verlust des Verstandes.

Fassungslos ließ Hermine das Buch zuklappen, ließ sich mit dem Kopf auf die Arme sinken und weinte bittere Tränen. Mit diesem Wissen war Draco für sie in unerreichbare Ferne gerückt.

Als der Schulsprecher an diesem Abend aus den Kerkern zurückkehrte – die Ausflüge nach Hogsmeade hatte er wieder aufgegeben, da sie ihm außer regelmäßigen Kopfschmerzen nichts gebracht hatten – blieb er wie angewurzelt im Türrahmen stehen, als er Hermine mit verweintem Gesicht in der Fensternische kauern sah. Unsicher, was er jetzt tun sollte, schloss er leise die Tür und lehnte sich daran, die Hände verlegen in den Hosentaschen vergraben, den Kopf eingezogen in Erwartung dessen, was jetzt kommen mochte. Eine Weile sagte keiner von ihnen etwas; stumm blickten sie sich an und jeder las in den Augen des anderen den Schmerz der vergangenen Wochen und die unerfüllte Sehnsucht.

„Seit wann wusstest du, dass du sie heiraten sollst?" fragte Hermine in die Stille hinein. Draco blickte erst betreten zu Boden und sah sie dann von unten herauf an.. „Schon immer." flüsterte er. „Aber ich wusste nichts von dem unbrechbaren Schwur, der uns verbindet." setzte er schnell hinzu, als er die Enttäuschung sah, die sich in ihrem Gesicht widerspiegelte. „Warum hast du nie etwas davon gesagt? Warum hast du mir Hoffnung auf eine Zukunft mit dir gemacht, warum überhaupt zugelassen, das mehr aus uns wurde?" Hermine konnte ihre Verbitterung nicht verbergen. Draco hob hilflos die Arme. „Weil ich gehofft hab, dass die Vereinbarung nun nicht mehr eingehalten werden muss. Weil sich alles geändert hat seit letztem Jahr. Ich wusste nichts von dem Eid, dass wir dazu verdammt sind, ihn zu erfüllen, egal, was passiert. Erst am Silvesterabend hat meine Mutter es mir erzählt, und seitdem hab ich mir den Kopf zerbrochen, wie ich da wieder rauskomme." Verzweifelt machte er einen Schritt auf Hermine zu. „Ich wusste es wirklich nicht, als ich mich in dich verliebt hab." sagte er mit erstickter Stimme.

Hermine drehte den Kopf und schaute hinaus; die Wange an der kühlen Scheibe half ihr, sich zu beherrschen, nicht wieder in Tränen auszubrechen. „Und jetzt?" Langsam ging Draco zu ihr und strich zärtlich über ihr Gesicht, als sie ihn wieder anblickte. Sie schloss die Augen, legte ihre Hand auf seine und schmiegte sich dagegen. Als Draco sah, dass es unter ihren Wimpern verdächtig glitzerte, musste er schlucken. Sein eigener Schmerz war schon schlimm genug; zu sehen, wie sehr sie verletzt und enttäuscht war, drückte ihm sein Herz zusammen. Er setzte sich zu ihr und zog sie in seine Arme. Still weinten sie gemeinsam um ihre hoffnungslose Liebe, und als Hermine in seinen Armen eingeschlafen war, hob er sie hoch und trug sie in sein Bett. Dort wachte sie noch einmal kurz auf; wie Ertrinkende klammerten sie sich aneinander und schliefen so gemeinsam ein.