Laurie lantar lassi súrinen
Wie Gold fallen die Blätter im Wind
Wahrheiten
Eine Zofe zog leise und vorsichtig die Vorhänge zurück. Peinlich genau darauf bedacht, dass sie keinen einzigen Laut verursachte. Die Mittagssonne erhellte das düstere Zimmer und brachte etwas Leben hinein. Der Atem der Frau die in der linken hinteren Ecke im Bett lag, ging nur leicht und oberflächlich. Das Mädchen warf einen Blick über die Schulter und zog die Stirn kraus. Sie würde nicht mehr lange leben.
Sie drehte sich wieder um. Das durfte sie nichts angehen. Keinen der Dienerschaft im Palast von Minas Tirith gingen die Privatangelegenheiten der Herrschaften etwas an. Nur Gerüchte kämpften sich hier und da hartnäckig nach draußen. Zum Schluss war es wie bei der stillen Post: die Informationen die nach draußen drangen, hatten nichts mehr mit den wahren Begebenheiten zu tun. Wenn man Glück hatte, bekam man eine Halbwahrheit zu hören.
Das Mädchen faltete jetzt den Bademantel ordentlich zusammen und legte ihn auf den Stuhl. Sie bezweifelte, dass die Alte ihn noch irgendwann gebrauchen würde. Ein Seitenblick in das aschfahle Gesicht bestätigte ihr diesen Eindruck. Aber der König war ein hervorragender Heiler und konnte sie vielleicht noch retten.
Gedankenverloren drehte sie sich um...und stieß einen spitzen hohen Schrei aus, als sie gegen die Brust eines Mannes knallte. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte, doch noch bevor sie den Boden berührte, fingen zwei starke Arme sie auf. Ihre Nase schmerzte unangenehm, da sie direkt auf Kollisionskurs gewesen war. Verdattert blickte sie in zwei dunkelblaue Augen auf.
„Ver...Verzeiht mir Herr, ich habe Euch nicht gesehen.", stotterte sie unbeholfen. Sie wich ein paar Schritte zurück und senkte verlegen den Kopf. Dass sie einen Elben umrannte, konnte irgendwie auch nur ihr passieren.
„Nein es ist an mir mich zu entschuldigen." Sie war überrascht über diese tiefe melodische Stimme. Irgendwie passte sie nicht zu diesem Mann. Nur um irgendetwas zu tun, und auch weil es zu ihren Pflichten gehörte, raffte sie die benutzten Betttücher zusammen und drehte sich wieder zu ihm um. Er hatte sich mittlerweile auf den Stuhl neben dem Bett der alten Frau niedergelassen. Sicher verfügt auch er über außerordentliche heilerische Fähigkeiten, schoss es ihr durch den Kopf.
„Ich hätte anklopfen sollen.", fügte er hinzu. Unwillkürlich musste sie nicken, stellte aber sofort erschrocken fest, dass sie ihn damit nur beschuldigte. Also setzte sie hastig die Worte:
„Aber nein, es war meine Unachtsamkeit und ich möchte mich entschuldigen", hinzu. Ein leichtes Lächeln huschte über das Gesicht des Elben.
„Ihr seht sehr erschöpft aus.", bemerkte der Mann plötzlich und das Mädchen errötete leicht. Wie aufmerksam von ihm.
„Trinkt einen Schluck, ehe Ihr Euch wieder Eurer Arbeit zuwendet." Mit diesen Worten nahm er lächelnd ein Glas vom Tisch und goss kristallklares Wasser hinein. Die Zofe schlug verlegen die Augen nieder.
„Danke, Herr." Sie nahm das Glas artig entgegen und trank mit großen und durstigen Zügen. Dann stellte sie das Glas zurück auf den Tisch und wagte es diesmal, ihm in die Augen zu sehen. Er lächelte noch immer. Eine peinliche Stille entstand.
„So ich bin dann auch fertig." Sie wusste nicht warum sie sich so schnell zurückzog. Aber ihr Herz begann unglaublich schnell zu schlagen, wenn sie in seine Augen sah.
„Ich wünsche Euch noch einen angenehmen Tag.", presste sie so schnell zwischen den Zähnen hervor, dass sie nicht sicher war, ob er sie verstanden hatte. Aber noch während sie zur Tür hinausrauschte, die schmutzigen Laken in den Armen, erinnerte sie sich, dass er ein Elb war und bestimmt jedes Wort verstanden hatte, dass sie gesagt hatte.
Kaum hatte sie das Klacken hinter sich vernommen, hielt sie erleichtert inne. Seine pure Anwesenheit hatte ihr den Atem genommen, und das Gefühl, dass sie in seiner Nähe verspürt hatte, konnte sie auch jetzt nicht deuten.
Einmal tief durchatmen und dann geht's weiter, sagte sie sich im Stillen. Sie würde Ingjara erzählen, dass sie endlich auch einen Elben persönlich gesehen, ja ihn sogar umgerannt hatte. Der Beschreibung der Freundin nach zu urteilen, konnte es sogar Legolas gewesen sein. Und wenn es so war, dann hatte ihr Herz vor unendlicher Liebe so stark in ihrem Körper gepocht. Sie verehrte Helden und himmelte sie an. Die Männer der Stadtwache kannten sie schon sehr gut, denn auch diese bedachte sie mit dem Respekt, den sie auch dem König entgegenbrachte. Mit superguter Laune eilte sie den Korridor entlang. Der Tag entwickelte sich wohl langsam zum Guten. Jetzt musste sie nur noch Ingjara finden.
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Adamantiel POV
Die Nachricht war regelrecht durch alle Korridore geflogen. Die alte Frau war tot. Sie war noch am frühen Nachmittag der Quetschung erlegen, die ich ihr zugefügt hatte. Ich.
Nur vier Worte schwirrten ununterbrochen in meinem Kopf umher:
Frau. Tod. Ich. Schuld.
Sie ließen mich nichts anderes denken, geschweige denn konnte ich irgendetwas fühlen. Ein Mensch war durch meine Hand ums Leben gekommen. Eigentlich hätte ich etwas empfinden müssen. Aber meine Hand lag locker und unbeteiligt auf der Bettdecke. Ich starrte darauf. Gehörte sie wirklich zu mir? Wieso ballte sie sich nicht zu Fäusten und krallte sich in den weichen Bettbezug der Daunendecke? Warum lag ich nicht in Tränen aufgelöst auf meinem Kissen, das Gesicht tief in die schützenden Federn vergraben? Das einzige Gefühl das ich empfinden konnte war eine leichte, permanente Angst. Etwas in mir versuchte sich gegen die Gleichgültigkeit zu wehren, die mich befallen hatte. Aber es war zu schwach und konnte sich nicht in den Vordergrund drängen.
Ich betrachtete die andere Hand. Sie zuckte ein wenig. Schon seit ich die Nachricht erhalten hatte, war dieses Zucken das einzige, das mir bewies, dass ich noch lebte. Dass ich nicht vollkommen erstarrt war.
Die Gedanken zogen wieder Kreise und formten dieses Mal eine andere Reihenfolge.
Ich. Tod. Frau. Schuld.
Ein Klopfen an der Tür. Warum antwortete ich nicht? Ich sollte den Gast hereinbitten. Doch ich blieb stumm, mein Mund bewegungslos. Nach dreimaligen Klopfen, öffnete sich die Tür auch ohne meine Aufforderung. Warum klopften sie also dann? Ich sah den König Aragorn hereinkommen, seine Gattin war dicht hinter ihm, das Bündel mit dem kleinen Thronfolger lag in ihren Armen. Sie nahm sich keine Amme, die die Kinder großzog. Nur wenn es wirklich nötig war, ließ sie die Kleinen mal ein bis zwei Stunden in der Obhut eines Kindermädchens. Aber warum dachte ich jetzt daran? Seit Stunden hatte ich keinen vernünftigen Gedanken mehr fassen können. Und jetzt...Plötzlich fiel mir ein, dass ich den König hätte begrüßen müssen. Und Arwen selbst hatte auch sehr viel Respekt verdient. Ich nickte deshalb mit dem Kopf.
„Wie geht es dir?", fragte mich die schöne Elbin und ich wandte den Kopf zur Seite um sie anzusehen. Sie hatte neben dem Bett platz genommen. Sie sah kurz zu ihrem Gatten auf, legte ihm den Sohn in die Arme und diese Geste genügte, um ihn aus dem Zimmer zu schicken. Das Geräusch der Tür erlöste mich aus meiner Starre. Ich sah die Königin der Menschen, die Frau, die ich gerne als meine Mutter bezeichnet hätte, lange schweigend an.
„Ich bin gefährlich." Meine eigene Stimme erschreckte mich, da ich, seit Legolas heute morgen gegangen war, kein Wort mehr gesprochen hatte. Ich registrierte, dass diese Worte Arwen überrascht hatten.
„Ihr solltet nicht hier sein.", warnte ich sie. Und noch während ich diese Worte sprach, verspürte ich ein Brennen in den Augen.
„In diesem Moment gibt es keinen Ort an dem ich dringlicher sein müsste.", erwiderte sie nach einer kurzen Pause. Ihre Worte trafen mich tief. Verzweifelt ergriff ich die Hand die sie mir ausstreckte mit beiden Händen. Die Tränen verschleierten mir die Sicht. Unter heftigem Schluchzen und laufenden Tränen entlud sich mit einem Mal ein Leid, das ich wenige Sekunden zuvor nicht ansatzweise empfunden hatte. Krämpfe fuhren durch meinen Körper.
„Sie ist tot.", schluchzte ich laut schniefend, denn die Tränen ließen meine Nase laufen.
„Ich habe sie...", ich stockte um Luft zu holen.
„Erwürgt." Ich merkte nicht, dass meine Stimme in ein unkontrollierbares Kreischen umgeschlagen war. Ich brüllte Arwen aus vollsten Lungen an. Der Schmerz in mir war so groß, dass ich ihn gegen irgendjemanden schleudern musste.
„Ich habe es nicht einmal bemerkt! Ich habe sie kaltblütig ermordet...Sie so lange gewürgt bis sie nur noch regungslos zu Boden sank...Und nichts empfunden. Nur tiefe Befriedigung als ich spürte, wie sie langsam schwach wurde..." Bei dem Gedanken daran wurde mir plötzlich speiübel. Ich sah die Augen der Frau, wie sie langsam hervortraten, hörte ihr Röcheln und erbrach mich auf den Bettvorleger. Ich hustete und keuchte, versuchte Atem zu bekommen und zittere am ganzen Leib. Dass sich meine Finger in die Hand der Königin gekrallt hatten, registrierte ich erst, als sie meinen Griff mit einem bestimmten Druck erwiderte, damit ich ihr nicht die Knochen brach. Entsetzt ließ ich los. Mein Herz flatterte panisch und ich starrte mit irrem Blick auf ihre Hände. Die tiefen Abdrücke meiner Fingernägel waren dunkelblau in ihrer feinen Haut zu sehen.
„Seht ihr?", rief ich wirr und vollkommen aufgelöst. „Jetzt verletze ich auch Euch! Ich schrecke vor nichts zurück! Ich bin grausam und gefährlich. Ich verdiene es nicht dass Ihr hier seid." Ich kreischte, schrie und schlug wild auf meine Oberschenkel ein. Nach einer Zeit fühlte ich nur noch ein taubes Kribbeln. Meine Gedanken schlugen kreuz und quer. Ich wollte fort. Nur weg von hier. Weit weg. Dorthin wo ich niemandem schaden konnte. Zu Timpetu. Der Kleine würde mich verstehen und trösten.
Ich schwang die Beine über die Bettkante. Hektisch, panisch und voller Angst. Plötzlich wurde mir schwarz vor den Augen. Ich spürte nur noch etwas, das meinen Fuß festhielt und mich so zu Fall brachte.
Als ich wieder erwachte, dröhnte mein Kopf. Automatisch fuhr ich mit der Hand an meine Stirn und ertastete weichen Stoff. Die Wunde an meinem Arm zog heftig. Sie musste wohl wieder aufgeplatzt sein.
„Hast du dich wieder beruhigt?" Ich erschrak. Arwen hatte sanft und ruhig gesprochen und doch schmerzten ihre Worte in meinem Kopf. Ich nickte verlegen und ließ die Hand wieder sinken.
„Was ist passiert?", fragte ich schüchtern. Ich wagte nicht, den Kopf zu neigen. Wer wusste wie schmerzhaft das war?
„Du bist mit dem Fuß unter dem Teppich hängen geblieben, hast das Gleichgewicht verloren und bist mit dem Kopf an die Bettkante gestoßen. Eine Zofe hat dir den Verband angelegt." Aufgrund des leichten Anfluges eines Lachens in ihrer Stimme, sah ich sie an. Und wurde mit einem stechenden Schmerz bestraft. Ruckartige Bewegungen sollte ich demnächst besser unterlassen.
„Aha.", war meine Antwort. Arwen lächelte liebevoll und streichelte sanft meine Wange.
„Ich konnte gar nicht so schnell reagieren wie du schon aufgesprungen warst.", erklärte sie sanft und ich senkte abermals den Blick. Schamesröte stieg in mein Gesicht und verstärkte das Klopfen und Hämmern in meinem Kopf. Ich musste mich idiotisch aufgeführt haben. Wie eine Irre. Gimli hatte mir einmal erzählt, dass die Menschen besondere Häuser für Irre hatten, damit diese ihnen nicht mehr gefährlich werden konnten. Sie wurden angeblich rund um die Uhr bewacht und manche mussten sogar gewaschen werden, da sie so verwirrt waren. Ich hoffte inständig, dass Aragorn und Legolas nicht schon planten, mich in eine solche Anstalt zu schicken.
„Der Bettvorleger.", stotterte ich plötzlich. Es war doch berechtigt wenn sie mich wegsperrten. Wer dachte in solchen Momenten schon an einen besudelten Bettvorleger?
„Er wird gerade gereinigt.", erwiderte die Königin ruhig. Ich nickte.
„Verzeiht mir, bitte." Ein flehentlicher Ton schwang in meiner Stimme mit. Ich hatte Arwen ja schließlich angeschrieen und beinahe die Knochen gebrochen.
„Es gibt nichts zu verzeihen. Hast du Hunger?" Ich sah sie erstaunt und fragend wie ein dummer Ochse an. Ein tiefes Knurren, aus meiner Magengegend stammend, übernahm die Antwort.
„Oh ja...und wie.", flüsterte ich. Meine Stimme war ganz rau und kratzig. Außerdem war da ein widerlicher Geschmack in meinem Mund, und den wollte ich mit einem würzigen Wein wegspülen. Ich wollte gerade aufstehen, da hielt mich Arwen zurück.
„Nein bleib sitzen. Es ist weit nach Mitternacht. Ich habe den Mädchen aufgetragen dir etwas zu bringen wenn du wach bist." Sie erhob sich von ihrem Stuhl, ging hinaus und ließ mich mit noch mehr Schuldgefühlen sitzen. Sie hatte die ganze Zeit über an meiner Seite gesessen und über mich gewacht.
Ein Mädchen mit einem riesigen Tablett trat ein. Die Königin selbst trug einen Krug. Ich war enttäuscht als nur Wasser in den Becher plätscherte. Arwen tat noch einige Kräuter hinzu und ich musste das Gebräu trinken.
„Es ist gut gegen Übelkeit und den Kopfschmerz.", sagte sie. Wieder schämte ich mich, da ich mich ertappt fühlte.
Ich trank und spürte, wie allmählich die Lebensgeister wieder in meinen Körper zurückkehrten. Und mit ihnen ein stechender Schmerz in den Oberschenkeln. Ich tastete verblüfft danach.
„Du warst sehr aufgebracht. Aber es war gut, dass du deinen Gefühlen freien Lauf gelassen hast. Ich gebe zu, dass es ein wenig unheimlich war, aber zum Glück hat der Teppich deiner Raserei ja ein Ende gesetzt." Ich sah sie bedröppelt an.
„Das tut mir alles so leid. Ich...", doch sie hinderte mich am Sprechen.
„Du kannst nichts dafür.", sagte sie. Anscheinend wusste sie über etwas Bescheid, dass eigentlich keiner außer mir wissen konnte. Ich wollte heftig wiedersprechen doch sie ließ mich nicht dazu kommen.
„Mein Mann, Narwainion und Legolas haben die letzten Wochen damit verbracht, der Erscheinung, die du hast, in alten Schriften auf die Spur zu kommen. Der Diamant war ein Hinweis, dem sie nachgegangen sind." Ich spürte, dass sie mir nicht alles erzählen wollte, aber erst einmal war es gut, dass sie mir etwas berichtete, von dem ich bis jetzt nichts gewusst hatte. Darum also weilte Legolas hier in der weißen Stadt. Um etwas über den Elben in Erfahrung zu bringen. Um herauszufinden, wer ihn angegriffen hat. Plötzlich kam es mir auch plausibel vor, warum er so erzürnt gewesen war, als ich plötzlich vor ihm stand. Er hatte Angst vor mir! Und das mit Recht.
„Auf dir lastet ein uralter Fluch."
„Ich weiß.", erwiderte ich ruhig und diesmal hielt ich ihrem festen Blick stand.
„Er hat es mir gesagt. Ich habe nicht alles verstanden, aber das war unmissverständlich." Meine Stimme war jetzt klarer. Vielleicht lag es an den Kräutern.
„Sein Name ist Luz." Ich nickte und nahm es hin.
„Ich dachte, es hilft dir vielleicht wenn ich dir etwas über ihn erzähle. Es ist gut, seinen Feind zu kennen. Es ist gut, die Dinge bei ihrem Namen zu nennen. Nur endloser namenloser Schrecken ist noch schlimmer als der Tod...
Deswegen möchte ich, dass du etwas über ihn weißt. Nur offenbare es den Männern nicht. Sie denken immer noch, dass sie uns Frauen am besten schützen würden, indem sie uns im Dunkeln wandeln lassen. Doch es ist gefährlicher nichts zu wissen als sich mit der Gefahr selbst auseinander zu setzen."
„Ich schwöre, dass ich nie einen Ton über dieses Gespräch verlieren werde." Ich rang mir so etwas wie ein Lächeln ab. Arwen erwiderte es und dann begann sie, mir das zu erzählen was sie wusste. Sie hatte es ihrerseits alles von Aragorn erfahren. Und während sie sprach, spürte ich, dass sie die wirklich wichtigen Details ausließ. Ein kurzes Schweigen trat ein als sie geendet hatte und ich erzählte, was ich meinerseits über Luz erfahren hatte. Ich erzählte ihr das Wenige, das ich wusste und mir zusammengereimt hatte. Dann war ich so vom Hunger überwältigt, dass ich begann die Speisen zu essen, die vor mir auf dem Tablett lagen. Arwen wartete geduldig, bis ich aufgegessen hatte.
„Du wirst einen Weg finden müssen, dich ihm zu stellen.", sagte sie so plötzlich, dass ich eine Traube fallen ließ. Ich steckte sie nachdenklich in den Mund und kaute darauf herum.
„Ich weiß.", erwiderte ich kurz und lachend. Dann besann ich mich und sah die Elbin ernst an.
„Aber ich bin zu schwach. Er hat es mir gesagt. Ich bin die Schwächste von allen, die er überwältigt hat."
„Es ist klar, dass er das gesagt hat.", antwortete Arwen energisch.
„Er tut alles um deinen Willen zu brechen. Du kannst doch nicht im Ernst auf ihn gehört haben!" Sie war empört von mir und das tat mir leid. Ich wollte sie nie enttäuschen.
„Er hat bewiesen, dass er stärker ist, oder nicht?", erwiderte ich trocken und wieder stand mir das Gesicht der alten Frau vor Augen.
„Du konntest dich nicht wehren. Es kam zu überraschend. Es war als ob eine starke Windböe dich plötzlich von einer Klippe weht. Hättest du gewusst, dass sie kommt, hättest du dich dagegen stemmen können." Ich musste grinsen. Doch sofort verfiel ich wieder in meinen Schwermut.
„Ich habe...es genossen." Es fiel mir nicht leicht, das zu sagen, aber es musste gesagt werden. Und auch diesmal fand Arwen sofort eine Antwort.
„Ich vermute, dass es seine Gefühle waren, nicht deine. Du hast nur die Erinnerung daran, da sie ja schließlich in deinem Körper stattfanden." Ihre Worte waren voller Liebe und Zuversicht, doch ich war mir dessen nicht sicher was sie sagte. Auch wenn es die Gefühle dieses rachsüchtigen Elben waren, ich hatte sie auf jeden Fall empfunden.
„Nur eines verstehe ich nicht.", setzte ich leise zu sprechen an. Die Vernunft hatte über meine Verzweiflung gesiegt, die anfängliche Leere war wieder in meinen Körper zurückgekehrt. Nur dass sie jetzt mit Schuldgefühlen durchtränkt war.
„Warum taucht er auf, obwohl ich keinen meiner Familie kenne?" Als ich die Worte aussprach, wurde mir schlagartig klar, warum ich sie nicht kannte. Warum mein Vater und meine Mutter mich allein bei den Zwergen zurückgelassen hatten.
Sie hatten mich gefürchtet.
Mich, ein kleines schutzloses Baby, das ich damals gewesen war. Die Erkenntnis traf mich tief und wieder bildeten sich Tränen in meinen Augen.
„Ich weiß es nicht.", erwiderte Arwen nach einer Weile. Ich war mir sicher, dass sie es wusste. Etwas wusste sie, das ich definitiv nicht wissen durfte. Aber das war auch erst einmal egal. Ich schüttelte den Kopf, um diesen Gedanken loszuwerden.
„Aber ich bin nicht im Besitz des Goldenen Blattes." So etwas wie Hoffnung keimte in mir auf. Vielleicht war ja alles nur ein schreckliches Missverständnis. Doch im nächsten Moment schalt ich meine eigene Torheit. Ein Rachegeist irrte sich wohl kaum irgendwann in der Tür dessen, den er vernichten wollte. Er klopfte nicht an und sagte dann: Huch, leider die Falschen. Ich bemerkte etwas amüsiert, wie ich wieder in meinen alten Sarkasmus verfiel.
Arwen musste bemerkt haben, dass ich meine eigene Äußerung schnell wieder anzweifelte, denn sie legte eine Hand auf meine Schulter und drückte sie beruhigend.
„Schlaf jetzt. Du hast Ruhe nötig, um Kräfte zu sammeln. Die alte Frau war selbst schuld, denn sie wusste was sie tat, als sie dir diesen Anhänger gab." Ihre Worte ließen mich aufhorchen.
„Wo ist er eigentlich?"
„Narwainion hat ihn an sich genommen, als er Luferions Bericht hörte. Er hat uns erklärt, dass der Anhänger den anderen Teil deiner Seele verstärkt hat und Luz so die Möglichkeit gegeben hat, Macht über dich zu erlangen. Wohingegen der Diamant dich beschützt.", fügte sie hinzu. Ich nickte und griff nach dem Stein der um meinen Hals baumelte. Schon als ich ein kleines Kind gewesen war, hatte er mir stets Kraft gegeben. Jetzt wusste ich, woraus er der Legende nach bestand und betrachtete ihn das erste Mal mit einer großen Ehrfurcht. Die Tränen meiner Vorfahren hatten ihn geformt und ihm seine Gestalt gegeben.
Als ich ihn berührte, bildete ich mir für den Bruchteil einer Sekunde ein, er würde pulsieren. Ich lächelte über diesen abstrusen Gedanken.
Die Königin erhob sich langsam und ruhig. Ich sah sie fragend an und sie wiederholte ihre Aufforderung, ich solle ein wenig schlafen. Ich nickte, da mir bewusst war, dass auch sie sehr müde sein musste. Ich folgte ihr mit meinen Blicken, wie sie anmutig den Raum durchquerte und die Tür leise hinter sich schloss.
Keine POV
Während seine Gemahlin im Zimmer bei der kleinen Elbin war, um sie zu beruhigen und ihr Kraft zu spenden, hielt sich Aragorn in Legolas' Zimmer auf. Seit gut einer Stunde war das letzte Wort zwischen ihnen gefallen. Legolas lag ausgestreckt auf seinem Bett und Aragorn lehnte tief versunken im Sessel neben dem Fenster. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, die jedoch um das gleiche Thema kreisten. Die alte Frau.
Die blauen Augen starr auf die Decke gerichtet, atmete Legolas tief aus. Die Nachricht ihres Todes hatte ihn auf dem Gang ereilt. Kurz nachdem ihm eingefallen war, wie er wieder vernünftig mit Adamantiel kommunizieren konnte. Er ärgerte sich ein wenig, dass ihn diese Tatsache von seinem Vorhaben zunächst abbrachte. Er hatte Adamantiel die Nachricht nicht überbringen wollen. Er und Aragorn waren sich einig gewesen, ihr erst einmal nichts davon zu erzählen. Sie hatten die Dienerschaft schweigen geheißen und doch hatte sie es erfahren. Und sie wussten nicht, durch wen. Legolas hatte es nur zufällig beim Gespräch einiger Küchenmädchen aufgeschnappt gehabt und war sofort zu Aragorn geeilt. Doch als er in der Bibliothek nach ihm gefragt hatte, hatte man ihm ausgerichtet, dass der König ihn in seinen eigenen Gemächern erwarten würde. So war der Elb zu seinem Zimmer geeilt und hatte Aragorn am Fenster stehend vorgefunden. Er schien nervös und aufgebracht zu sein und als er Legolas eintreten gehört hatte, hatte er auch sofort losgelegt.
„Irgendetwas stimmt nicht.", war es aus ihm herausgeplatzt. Er schien in seinem Stolz verletzt gewesen zu sein und im nächsten Satz, den der König hervorgesprudelt hatte, hatte Legolas auch die Ursache dafür erkannt.
„Sie war auf dem besten Weg zur Besserung.", hatte er vorwurfsvoll gesagt. Der Elb hatte nicht recht gewusst, gegen wen er diesen Vorwurf richtete. Also war ein kurzes Schweigen eingetreten.
„Ich habe ihr Zimmer erst verlassen, als sie über den Berg war. Es stand noch schlecht um sie und dennoch war sie auf dem Weg der Besserung."
„Das Leben nimmt gar seltsame Wege mein Freund. Vielleicht erlitt sie einen Rückschlag. Du hast dein Bestes getan. Sie war alt und schwach. Also gräme dich nicht." Aragorn hatte eine unwirsche Bewegung auf seine Worte hin gemacht und dann den Kopf geschüttelt.
„Ich weiß, dass ich mein Bestes getan habe. Nur ein ungutes Gefühl bedrückt mich. Ich glaube nicht, dass sie natürlich aus dem Leben geschieden ist." Legolas hatte gespürt, wie schwer ihm diese Anschuldigung gefallen war. Gegen wen auch immer Aragorn sie ausgesprochen hatte, es bedeutete, dass ein Mörder im Schloss weilte.
„Hast du mich deshalb allein in meinen Gemächern aufgesucht, Mellon?" Seine sanfte Stimme hatte dem Menschen ein wenig Zuversicht gegeben, denn er straffte die Schultern wieder ein wenig.
„Ja. Denn ich weiß nicht, wem außer dir und Arwen ich trauen kann. Denn wer es auch war, er muss einen Groll gegen die Alte gehegt haben, oder wollte sie zum Schweigen bringen." Diese Äußerung hatte den Elben überrascht.
„Was hätte sie verraten können?", hatte er verdutzt gefragt. Aragorn hatte nichts geantwortet.
„Admantiel weiß es.", hatte er stattdessen gesagt. Legolas hatte genickt. Die tiefgehende Sorge um ihren Gemütszustand bemächtigte sich wieder seiner Seele.
„Sorge dich nicht, ich habe Arwen bei ihr gelassen. Ich stand einige Zeit vor der Tür und nach wenigen Minuten hat sie geschrieen und getobt. Ich hörte gequälte, erstickte Laute, einen dumpfen Knall und dann war alles still." Er hatte eine Pause eingelegt und ein leicht amüsiertes Lächeln war über seine beunruhigten Gesichtszüge gehuscht.
„Ich habe die Tür geöffnet, da ich in Sorge um Arwen war. Doch es stellte sich heraus, dass Admantiel außer Gefecht gesetzt worden war." Legolas hatte dem wissenden Lächeln, das ein leichtes Grinsen wurde, nicht mehr standhalten können und gefragt, was geschehen sei.
„Ein Teppich hat über ihre Raserei gesiegt. Sie hat sich leicht am Kopf verletzt, aber es ist halb so wild. Immerhin schwebt meine Gattin jetzt nicht mehr in Lebensgefahr." Das Grinsen war verschwunden und der Elb hatte seinen Freund stirnrunzelnd angesehen.
„Du hältst sie also für gefährlich?" Ein leichter Vorwurf hatte in seiner Stimme mitgeschwungen. Seitdem saßen beide Freunde schweigend im Zimmer und hingen ihren Gedanken nach.
„Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist doch: Warum hat die Alte dem Mädchen diesen Anhänger gegeben?" Aragorns Worte waren bedächtig gewählt und rissen Legolas aus seinen eigenen Gedanken. Er dachte kurz nach, ehe er zu einer Antwort ansetzte.
„Narwainion meinte in etwa, dass sie eine zweite Seele gespürt hatte und neugierig war, wer sich dahinter versteckte." Aragorn runzelte die Stirn.
„Reine Neugier?"
„Es passt nicht zu deiner Verschwörungstheorie, oder?" Ein leichtes Grinsen malte sich auf das Gesicht des Elben.
„Nein irgendwie nicht.", bestätigte Aragorn ihn.
„Die nächste Frage wäre demzufolge, wer das Leben der Frau um einige Jahre verkürzt hat."
„Es könnte jeder gewesen sein.", sinnierte Legolas. Sein Freund stöhnte leicht entnervt. Ein kurzer Blick in Aragorns Augen ließ Legolas plötzlich erstarren.
„Du verdächtigst sie doch nicht wirklich, mellon?" Er konnte einen drohenden Unterton nicht unterdrücken. Aragorn zögerte ehe er zu einer Antwort ansetzte.
„Ich weiß es nicht. Aber wäge die Tatsachen ab, mein Freund. Sie hat einmal die Beherrschung verloren und kann sie auch ein zweites Mal verloren haben. Was ist, wenn Luz längst schon die Macht über ihren Körper gewonnen hat und uns etwas vorspielt? Er hätte in den heutigen Mittagsstunden sein Werk vollenden können."
„Das sind inakzeptable Vorwürfe die du da gegen sie erhebst, Aragorn!" Beide Freunde starrten sich eine Zeit lang wütend an. Nach kurzer Zeit abermaligen Schweigens erhob sich der König und begab sich zur Tür.
„Ich werde die Zofe fragen, die Mittags die Laken der Kranken gewechselt hat. Vielleicht ist ihr etwas aufgefallen. Aber nun muss ich mich zu Bett begeben. Es war ein langer Tag. Gute Nacht." Legolas erwiderte nichts auf die guten Wünsche seines Freundes, und beschloss gleich ebenfalls zu Bett zu gehen. Er zog die langen Samtvorhänge zu, entkleidete sich rasch und kroch unter die weichen Laken.
Legolas POV
Es fiel Elben leicht, einzuschlafen, sollte man meinen. Aber ich lag lange wach und starrte an die dunkle Decke. Ich konnte noch immer nicht begreifen, dass Aragorn Adamantiel misstraute. Er müsste wissen, dass sie nie zu solch einer Tat fähig war. Meine Gedanken wirbelten unaufhörlich, verweilten im Düsterwald, als ich Adamantiel verletzt sah, verweilten auf der Reise bis nach Minas Tirith und am Wasserfall in Ithilien. Sie wanderten weiter zurück nach Minas Tirith, zum plötzlichen Auftauchen meines kleinen Patenkindes und mir wurde auf einmal klar, dass ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen konnte. Sie bestimmte mein gesamtes Handeln und Denken. So wie jetzt. Ich lächelte bei dem Gedanken an unsere erste Begegnung. Ein paar Worte fielen mir ein, die sie mir damals gesagt hatte. Ich hörte sogar ihre Stimme, als wäre es gerade in diesem Moment, in dem sie ihre Drohung aussprach: „mein Pfeil findet schneller den Weg in Euer Herz, als Euch lieb sein könnte"
Seither war fast mehr als ein halbes Jahr vergangen und nun erfasste ich diese Worte in einem ganz anderen Licht. Denn wenn der Pfeil aus ihrem Lachen, ihrem Unmut, ihrem Charme, ihrer Natürlichkeit und ihren kleinen Fehlern bestand, dann hatte sie schon damals durchaus recht gehabt. Ich hätte es nie für möglich gehalten.
Plötzlich hielt ich es nicht mehr aus, schwang mich aus dem Bett, zog meine Leggins an und griff nach dem Wasserkrug, in den ich am Nachmittag einige Kräuter aus der kleinen Schatulle, die die Menschenfrau ihr einmal gegeben hatte, streute. Wollten wir doch mal sehen, was sie darüber dachte. Außerdem war es an der Zeit, dass ich mit ihr sprach.
Vor ihrer Tür hielt ich zunächst inne. Es war kurz vor Morgengrauen und sie schlief sicher tief und fest. Ein kurzer Zweifel überkam mich, doch ich ignorierte die vielen Alarmglocken in meinem Kopf. Ich hatte gelernt, dass sie nicht gern überrascht wurde. Ich wollte jetzt mit ihr reden, auch wenn sie mir für diese Ungeniertheit den Hals umdrehte.
Es bot sich mir ein sehr bizarrer Anblick: Adamantiel lag auf dem Rücken auf dem Boden, die Beine angewinkelt auf einem Sessel abgelegt und hob und senkte ihren Oberkörper. Kleine Schweißperlen standen ihr auf der Stirn. Verdutzt blieb ich stehen und betrachtete das Geschehen eine Weile.
„Neunhunderteinundzwanzig. Neunhundertzweiundzwanzig...Neunhundertdrei...ßig" Sie bemerkte mich, brach ihre nächtliche Übung abrupt ab, ließ die Beine vom Sessel gleiten, drehte sich auf den Bauch und grinste mich schelmisch an. Ich musste ziemlich verdattert ausgesehen haben, denn sie lachte amüsiert. Kein Zeichen von Trübsal war ihr anzumerken.
„Das kann dir auch nicht schaden.", sagte sie kurz und erhob sich. Sie stand etwas verlegen da und sah kurz auf ihre Zehenspitzen, bevor sie den Blick wieder mir zuwandte. Als ich schwieg, fragte sie: „Was willst du hier um diese Zeit?"
Ich deutete auf den Krug in meiner Hand und bat sie mit einer Geste um einen Becher, der auf ihrem Nachttisch stand. Sie sah mich erst verwundert an, ging dann aber zum Bett um mir das gewünschte Gefäß zu bringen. Ich goss mir ein, trank einen großen Schluck, und spürte, wie eine Hitzewelle durch meinen Körper jagte. Darauf folgte eine Kälte, die mich beinahe übermannte. Adamantiel sah mich schräg an und grinste, als ich am ganzen Körper zuckte.
„Ok, dass du etwas daneben geraten bist, wusste ich ja, aber für so eigenartig habe ich dich nicht gehalten." Ich grinste zurück, ergriff ihre Hand und rang mit den Worten. Jetzt kam es darauf an. Hoffentlich wirkte das Wahrheitsserum.
„Es tut mir leid.", brachte ich stockend hervor. Es schien ihr die Sprache zu verschlagen. Ihr Mund stand leicht offen.
„Du kannst sprechen.", stieß sie hervor. Ich lachte und sie fiel mit ein.
„Ja endlich. Und diesmal sage ich nicht nur dummes Zeug."
„Machst du doch sonst auch nie.", scherzte sie mit einem Zwinkern. Ich spürte, wie eine riesige Last von mir abfiel.
„Wie geht es dir?", fragte ich und konnte nicht verhindern, dass meine Stimme rau klang. Sie strahlte mich statt einer Antwort einfach nur aus ihren grünen Augen glücklich an.
Keine POV
Sie konnte kaum glauben, dass Legolas mit ihr sprach! Seit sie in Gondor angekommen war, hatte er nicht mehr mit ihr gesprochen. Nur Aule wusste warum!
„Es geht mir sehr gut.", sagte sie lachend und fasste seine Hand. Ein leichtes Kribbeln ging von dieser Berührung aus und Legolas zögerte einen Augenblick, ehe er auf ihre Antwort reagierte.
„Aber vorhin da...", begann er kritisch. Dafür dass sie gebrüllt und geweint haben soll, war sie sehr beherrscht. Ja sie wirkte sogar glücklich.
„Das ist vorbei. Ich kann es ja eh nicht ändern. Je leichter ich mich verunsichern lasse, desto leichter mache ich es Luz." Der Ausdruck ihrer Augen war entschlossen.
„Woher weißt du von ihm?", fragte Legolas. Sie zuckte nur mit den Schultern.
„Er hat es mir gesagt.", log sie. Kleine Notlügen waren doch erlaubt, oder? Zudem war es keine Lüge sondern eine Halbwahrheit.
„Du kannst mit ihm kommunizieren?", fragte Legolas besorgt und überrascht.
„Gestern auf dem Markt...da habe ich ihn getroffen. Ich befand mich in weißem Nebel und er erklärte mir auch, dass ich gerade dabei war...", sie zögerte leicht.
„Aber wie kommst du dazu, wieder mit mir zu sprechen." Sie lenkte vom Thema ab. Ihr Pate ging darauf ein.
„Die Gewürzmischung von Mala. Ich habe sie dir abgenommen, damals in Ithilien.", gab der Elb zu. Das Mädchen nickte verstehend und runzelte dann die Stirn.
„Aber warum...?"
„Weil ich sonst nicht normal mit dir sprechen kann. Ich weiß nicht, was geschehen ist und wieso ich ohne das Kraut nur verletzende Dinge zu dir sage, aber glaube mir, auch wenn das in Zukunft wieder geschieht...ich meine bestimmt genau das Gegenteil von dem was ich dir an den Kopf werfe." Seine Stimme wurde gegen Ende immer leiser. Adamantiel errötete leicht. Das Herz schlug ihr bis zum Hals.
„Was ist denn das Gegenteil von verletzenden Worten? Zynismus?" Sie war verlegen. Die Situation verunsicherte sie.
„Nein." Seine Stimme war nun tief und rauchig. Seine Augen sturmblau. Er sah sie direkt an und als sie den Blick abwenden wollte, zwang er sie mit einem Finger unter ihrem Kinn, wieder in seine Augen zu sehen. Die kleine Elbin musste unwillkürlich seufzen. Sie schloss die Augen und näherte sich langsam Legolas' Gesicht. Ihr Herz klopfte heftig und jagte das Blut gnadenlos durch ihren Körper. Sie spürte, wie ihre Lippen die seinen sanft berührten. Ihr Atem stockte und sie wusste, dass es Legolas genauso ging. Mit leichtem Druck liebkoste sie seine Lippen. Ein großes Verlangen nahm plötzlich von ihr Besitz und plötzlich glaubte sie, vor nichts und niemandem mehr Angst haben zu müssen. Sie drängte sich etwas näher an den großen Elben und er schloss sie in seine Arme. Seine kräftigen Händen spielten sanft auf ihrem Rücken.
Atemlos trennten sie sich voneinander und sahen sich in die Augen.
„Das...ist das Gegenteil von verletzenden Worten, Melamin.", hauchte er, sodass sein Atem ihre Lippen streifte. Ein Seufzer entwich der Diamantentochter und stürmisch presste sie ihren Mund erneut auf den ihres Geliebten.
„Ich glaube, das mag ich.", flüsterte sie nachdem sie erneut voneinander abließen. Zu mehr als einem Hauch ihrer Stimme, war sie nicht fähig.
„Ich...habe dich vermisst.", gestand sie. Es hatte sie einiges an Überwindung gekostet, das zu sagen. Sie streichelte sanft Legolas' Wange. Der Elb genoss diese Liebkosung und schloss genießerisch die Augen.
„Ich weiß.", ein leichtes Grinsen schlich sich auf seine Züge.
„Du bist süchtig nach mir, Melamin. Du kannst ohne mich nicht mehr leben. Sonst wärst du ja nicht allein hierher gekommen." Das Grinsen wurde breiter und zierte sein Gesicht von einem Ohr zum anderen. Empört stemmte Adamantiel ihn von sich und stützte die Hände in die Hüften. Ihre Augen blitzten rebellisch.
„Wer sagt das?", erwiderte sie heftig. Legolas lachte kurz auf.
„Du bist ganz schön arrogant. Glaub ja nicht, dass ich nur we..." Mit einem kurzen Ruck zog er die wütende Elbin an sich und verschloss ihre Lippen um sie zu einem neuen Kuss herauszufordern. Ihr anfänglicher Widerstand verebbte schnell. Als seine wandernden Hände über ihren Po streiften, nahm sie abermals Abstand und sah ihn hin und her gerissen an.
„Wirklich! Denk nicht, dass das so leicht ist.", warnte sie. Der Prinz musste ein Lachen unterdrücken. Er wollte jetzt nichts verderben. Stattdessen streckte er die Hand aus und strich ihr zärtlich über den Kopf.
„Du bestimmst, wo die Grenzen liegen.", sagte er bestimmt. An seinem Blick erkannte sie, dass er es ernst meinte. Sie errötete blitzartig und sah zu Boden.
„Naja...so schlimm...ist das gar nicht." Noch während sie das aussprach, hätte sie sich ohrfeigen können. Was musste er denn jetzt von ihr denken!? Doch sie kam gar nicht mehr dazu, sich Gedanken darüber zu machen. Auf einmal spürte sie, wie die Hand an ihrem Kopf zu ihrem Hals wanderte und ihn leicht berührte. Es fühlte sich gut an.
Noch ehe sie sich fragen konnte, was wohl als nächstes passierte, spürte sie Legolas' Lippen auf eben der Stelle, die er zuvor mit dem Finger berührt hatte.
„Du hast so weiche Haut.", murmelte er verträumt und sog ihren Duft tief ein.
„Hey. Riech mich nicht weg." Sie versuchte zu scherzen, um die Situation zu entschärfen, doch es gelang ihr nicht. Als er immer neue Stellen ihrer nackten Haut mit seinen Küssen bedeckte, verabschiedete sich ihr Verstand und jegliches Zeitgefühl war verschwunden.
Währenddessen hallten einzelne hastige Schritte durch die Gänge. Ingjara war, als hätte ihr jemand das Herz zugeschnürt. Seit dem Mittag hatte sie Xenia nicht mehr gesehen. Es war sonst nicht ihre Art, sich nicht mehr blicken zu lassen! Vielleicht war sie bei den Stadtwachen. Aber dann hätte sie doch sicher etwas gesagt. Und wenn ihr etwas passiert war? Die Angst kroch wieder in ihr hoch und sie beschleunigte die Schritte. Himmel, wo trieb sich dieses verdammte Gör nur rum!?
Im nächsten Korridor bog sie rechts ab und riss die Tür zur Besenkammer laut und geräuschvoll auf.
„XENIA!?! Bist du hier drin?" Gähnende Leere war die Antwort. Verzweifelt ließ Ingjara die Tür wieder ins Schloss fallen. Vielleicht war ihr auch gar nichts passiert und sie lag schon längst in ihrem gemeinsamen Gemach. Aufgeregt hetzte das Mädchen in den Westflügel zurück. Doch auch dieses Zimmer war leer.
„Verdammt.", murmelte sie besorgt und ließ sich auf ihr Bett fallen. Sie schloss besorgt die Augen. Sie war todmüde, aber zu aufgeregt um zu schlafen. Schreckliche Gedanken und Bilder schossen ihr durch den Kopf. Bilder von einem blutüberströmten leblosen Körper. Xenia. Erdolcht, erwürgt oder erschlagen. Sie schüttelte vehement den Kopf. So etwas durfte sie nicht einmal denken!
FORTSETZUNG FOLGT!!!
Sorry dass es wieder so ewig gedauert hat! Ich danke euch, dass ihr immer noch so fleißig lest!!!!
Hab euch lieb!
Eure Seoko
