Ihr animiert einen wirklich zum weiter tippen, wir können gar nicht anders, als von so tollen Reviews beflügelt zu schreiben. :) BIG THX AN ALLE DIE EIN REVIEW HINTERLASSEN HABEN!
Kapitel 21
Wie immer betrat Louis Levlyn am frühen Morgen das Krankenhaus. Er wurde grundsätzlich so eingeteilt, selbst wenn er – wie am Tag zuvor – beinahe eine Doppelschicht gearbeitet hatte.
Doch in der letzten Nacht hatte er nicht sonderlich gut geschlafen. Die ganze Zeit war er in seinen Träumen in Malfoy Manor gewesen und hatte abwechselnd den kleinen Jungen von damals und den Mann von heute behandelt, während ihm ständig Abraxas Malfoys Worte im Kopf nachgehallt waren. „Ich lasse Sie keinen Weichling aus meinem Sohn machen... und ich werde dafür sorgen, dass Sie nie wieder irgendwo Fuß fassen werden. Jemand wie Sie gehört nicht in den Beruf eines Heilers!"
Torvan Gorwish bog gut gelaunt um eine der vielen Bürogangecken, als er beinahe mit einem Heiler zusammengestoßen wäre. Gerade eben noch konnte er die Kiste mit den Habseligkeiten festhalten, die er gerade in einem auszuräumenden Büro zusammengestellt hatte. Es war die letzte mit dem, was sich noch auf und in dem Schreibtisch befunden hatte. Nur ein altes Foto und eine Akte hielten seinem abrupten Stillstand nicht stand und fielen zu Boden. „Können sie nicht aufpassen …", begann er aufgebracht, schwieg dann aber doch lieber, als er erkannte, wen er da vor sich hatte.
Es war einer der hiesigen Heiler und egal welchen Rang auch immer diese hatten, jemand wie er, einer aus der Entsorgungsabteilung, legte sich lieber nicht mit den Grünkutten an.
Louis bückte sich, um die beiden Gegenstände aufzusehen. „Es tut mir...", begann er, ehe auch ihm die Worte stockten. Was er da in der Hand hielt, war nicht irgendetwas. „Was soll das? Wieso bringen Sie das weg?", fragte er leise. Auf dem Bild war er mit seinem Vater zu sehen. Es war kurz nach seinem Abschluss entstanden und sein Vater legte gerade stolz einen Arm um ihn.
Torvan, der schon lange nicht mehr auf das achtete, was er einpackte und in die Entsorgungsabteilung brachte, beugte sich leicht vor, um nun ebenfalls einen Blick auf das Foto zu werfen und schluckte leicht, als er den Grund für das Verhalten des Heilers erkannte: „Oh … das … also das tut mir leid, Sir. Normalerweise sind die Verblich… die … also …" Er räusperte sich unsicher und begann von Neuem, „… nicht mehr da wenn wir kommen."
Es tat ihm wirklich leid und das, wo er nie besonders viel Sympathie für die obere Schicht, was für ihn alle Heiler waren, empfand. Wie schlimm es für den jungen Mann sein musste, die Hinterlassenschaften seines Verwandten auf die Art wiederzusehen, wenn sie doch schon längst alle entsorgt sein sollten. Zumindest bevor einer der Angehörigen erschien.
„Das gehört mir. Wieso räumen Sie mein Büro aus?", verlangte Louis zu wissen, da er aus dem Gestammel des Mannes nicht wirklich schlau wurde.
„Aber … sie leben ja noch ..", geriet Torvan nun vollends ins Rudern, sich nur an sehr, sehr wenige Fälle erinnern könnend, zu denen … nein, die waren allesamt schon älter gewesen. Sehr viel älter.
„Natürlich lebe ich noch! Wieso denn auch nicht?", fragte Louis nun vollkommen perplex. Dann griff er nach der Kiste, um sie an sich zu nehmen. „Haben Sie sonst noch etwas weggenommen?"
Jedwedes Mitleid mit dem Heiler verpuffte ins Nichts, als Torvan die Kiste nur noch fester hielt und einen Schritt zurücktrat, sich dabei zu seiner vollen Größe von 1,54 aufbaute und deutlich entrüstet erwiderte: „Ich habe nichts weggenommen! Ich wurde angewiesen, das Büro zu räumen und für den Nächsten vorzubereiten und das heißt üblicherweise, dass alles, was sich noch darin befunden hat, entsorgt wird. Wenn die Verwaltung mal wieder die Termine verschoben hat, an dem die Angehörigen sich noch was aus den Hinterlassenschaften heraussuchen konnten, ist das nicht mein Problem, auch wenn es mir für sie leid tut."
„Was heißt Hinterlassenschaften?", empörte sich Louis. „Das war mein Büro und das sind meine Sachen. Irgendjemand hat einen Fehler gemacht. Jetzt sagen Sie nicht, dass Sie meine ganzen Unterlagen schon vernichtet haben..." Der Heiler war sichtlich entsetzt. So gut wie alles, was er geschafft hatte, sich trotz der Steine, die immer wieder in seinen Weg geworfen worden waren, anzueignen, war in diesem Büro gewesen.
Torvan wurde blass und fühlte sich auf einmal mehr als nur unwohl in seiner Haut. „Nun … also …", stammelte er einen Moment lang unsicher, „… ja." Fast schon hastig streckte er seine Arme mit der Kiste aus und hielt sie dem Heiler hin. „Das … also das war noch der Rest …"
Bleich werdend nahm Louis die Kiste entgegen. „Aber... Kann man nichts mehr retten?", wisperte er, während er sichtlich schwankte und sich an der Wand neben sich anlehnen musste, um nicht umzufallen.
Bedauernd seinen Kopf schüttelnd verneinte Torvan: „Es tut mir wirklich leid, aber … alles was nach unten kommt, ist kurz darauf schon entsorgt. Mit diesem … ihrem Büro begannen wir bereits vor Sonnenaufgang."
„Aber.. warum? Wer hat es angeordnet?", fragte Louis nun vollkommen resigniert. Sieben Jahre Arbeit... vernichtet.
In eine seiner Robentaschen greifend, zog Torvan eine Pergamentrolle hervor, öffnete sie und musterte sie kurz, mit dem Finger die Daten entlangfahrend „Ah ja … hier steht es ja. Die Order kam direkt vom Abteilungsleiter persönlich."
Louis schluckte heftig. „Dann ... sollte ich schnellstens zu ihm.", murmelte er nur leise, ehe er sich an der Wand entlang tastete. Doch nur einen Moment. Dann straffte er sich und ging mit schnellen Schritten zum Aufzug, um weiter nach oben zu fahren. Innerhalb weniger Minuten stand er vor dem Büro des Abteilungsleiters.
Seufzend legte Malcolm die Akte beiseite, an der er gerade abschließend gearbeitet hatte. Die schnellen Schritte, die abrupt vor seiner Bürotüre stoppten, … nun dabei konnte es sich heute zumindest nur um eine ganz bestimmte Person handeln. „Kommen Sie herein, Levlyn.", rief er also, wohl wissend, dass der andere nur darauf brannte, genau dies zu tun und einzig dessen anerzogene Höflichkeit ihn daran hinderte, einfach in sein Büro zu stürmen, wie es manch anderer schon getan hatte.
Sofort trat der Heiler ein und seine Augen funkelten wütend. „Warum wurde mein Büro geräumt? Und noch dazu alles vernichtet? Sie hätten mir zumindest sagen können, dass ich ausziehen soll!"
Ob dessen Worte runzelte Malcolm nun doch leicht seine Stirn: „Das hatte ich - hat die Eule Sie etwa nicht erreicht?"
„Welche Eule? Ich komme hier ganz normal zur Arbeit und muss erfahren, dass das hier.." Er zeigte die Kiste, die er noch immer auf den Armen trug. „... alles ist, was von meinen gesamten Unterlagen übrig ist."
Langsam lehnte sich Malcolm in seinem Stuhl zurück, dabei kurz ehrlich betroffen aussehend: „Ich habe persönlich gestern Abend noch eine Eule an Sie geschickt, dass Ihr Büro bis Sonnenaufgang geräumt sein muss und alles, was bis dahin noch dort ist, der zuständigen Abteilung überantwortet wird. Schließlich wird der Platz für diejenigen benötigt, die hier arbeiten wollen."
„Was soll das denn bitte heißen? Die hier arbeiten wollen. Ich will hier arbeiten. Immerhin tu ich das seit fast sieben Jahren." Louis hielt das ganze mittlerweile für einen ganz üblen Scherz auf seine Kosten.
Malcolm schüttelte seinen Kopf: „Es tut mir leid, wenn Sie es sich anders überlegt haben, aber daran ist nun nichts mehr zu ändern."
„Wie bitte? Ich verstehe Sie nicht ganz. Wollen Sie etwa sagen... aber ich habe nicht gekündigt." Louis war nun sichtlich am Boden zerstört. Immerhin war der Job im Krankenhaus so ziemlich das einzige, was er je bekommen würde. Da war er sich verdammt sicher.
„Und was ist das?", die vor ihm liegende Akte, die er noch vor wenigen Minuten abgeschlossen hatte, wieder aufschlagend drehte Malcolm sie so herum, dass der ehemalige Mungos Mitarbeiter sie einsehen konnte.
Irritiert und auch etwas neugierig warf Louis einen Blick in die Akte und keuchte erschrocken auf. Das zu oberst liegende Dokument war in seiner Handschrift verfasst. „Ich... ich hab das ... nicht ... nicht ... geschrieben.", stammelte er leise. „Jemand muss... sich einen... Scherz erlauben."
„Das ist eindeutig ihre Handschrift, Levlyn, Ich habe es selbst überprüft.", wandte Malcolm ein, dem das nun doch langsam ein wenig zu suspekt wurde. Eigentlich hatte er nicht geglaubt, dass sein Gegenüber irgendwelche Formen von bewusstseinseinschränkenden Substanzen zu sich nahm, aber … es wäre nicht das erste Mal, dass Malcolm solches mit derart unter Standard behandelten Mitarbeitern erlebt hatte.
"Aber... ich.. ich habe das nicht geschrieben. Warum sollte ich den einzigen möglichen Job kündigen?", fragte Louis entgeistert, doch merkte er auch, dass es vermutlich sinnlos war. "Jemand hat meine Handschrift gefälscht...", setzte er dennoch leise hinzu.
Malcolm seufzte: „Hören Sie, ich weiß ja nicht, in welchem Zustand Sie waren, als Sie das hier schrieben, aber … Ihre Stelle ist bereits vergeben. Sie wissen doch selbst am Besten, dass es immer jemanden gibt, der nachrückt, egal wo man in der Hierarchie steht. Aber wenn es Ihnen so wichtig ist … ich könnte ja fragen, ob irgendwo noch eine zeitweise Aushilfskraft benötigt wird. Mehr kann ich leider nicht tun." Und mit einem kleinen, selbstironischen Lächeln fügte Malcolm hinzu: „Auch ich bin nur ein ein klein wenig helleres Licht unter all den Glühwürmchen hier."
Es hatte keinen Sinn, weiter abzustreiten, was sein Gegenüber für erwiesen hielt. Ein leichtes Nicken war die einzige Reaktion darauf, dass er vielleicht aushilfsweise hier arbeiten konnte. Dann verließ Louis mit sichtlich geschlagener Haltung das Büro, um wieder nach Hause zu gehen. Was zur Hölle sollte er jetzt nur tun? Wovon sollte er leben?
Bei diesem Gedanken fiel ihm der gestrige Tag wieder ein. Lucius Malfoy... er hatte ganz vergessen, ihm irgendeine Rechnung zu stellen. Vielleicht sollte er das noch tun, um wenigstens noch etwas länger über die Runden zu kommen.
Zu Hause angekommen, machte er sich also gleich daran, einen Brief zu schreiben.
-°-°-°-
Zwei Tage nachdem er die Eule abgeschickt hatte, kam endlich eine Antwort. Doch statt des erwarteten Honorars, das zwar für ihn hoch war, aber doch weit unter normalen Hausheilergehältern lag, war nur ein Brief an das Bein der Schleiereule gebunden.
Irritiert öffnete Louis ihn und schnappte nach kurzem Lesen deutlich hörbar nach Luft. Was dachte sich dieser Bengel eigentlich?
Nach unserem letzten Treffen war Ihr Abgang doch ein wenig abrupt. Finden Sie sich zur Abenddämmerung zu einem Essen bei mir ein, wenn Sie dies geklärt wünschen.
LM Louis starrte noch einige Zeit auf das Pergament in seiner Hand. Wie konnte der Bengel, der noch nicht einmal mit der Schule fertig war, ihn einfach so herumkommandieren? "Wenn Sie dies geklärt wünschen.", knurrte er leise und sah auf die Uhr. "Alles, was ich will, ist mein Geld." Dennoch ging er in sein kleines Schlafzimmer und zog sich um, da es schon auf den Abend zuging und die Sonne bald unter gehen würde.
Eine halbe Stunde später stand Louis Levlyn einmal mehr am Tor zu Malfoy Manor und klingelte.
Fast lautlos erschien Dobby vor dem Zauberer und verbeugte sich tief, dass seine Ohren fast den Boden streiften: „Oh, Dobby so froh Master Heiler wieder zu sehen! Master Malfoy bereits erwarten."
Louis nickte nur leicht, sagte jedoch nichts dazu. Er war immer noch ungehalten, wegen dem befehlenden Ton in dem Brief. "Dann bring mich zu ihm.", murmelte er nur.
Lucius hatte gerade einen weiteren Schwung an Papieren fertig bearbeitet, als Tuffy ihm meldete, dass der Heiler nun eingetroffen war. Nicht wirklich wissend, ob er erleichtert oder doch lieber nervös sein sollte, erhob sich Lucius von dem Stuhl, auf dessen Sitzfläche er ein extra weiches Kissen gelegt hatte. Rein körperlich ging es ihm zwar nach außen hin besser, aber mehr auch nicht. Immer noch hatte er leichte Krampfanfälle, immer noch konnte er nicht wirklich schlafen und wenn er mal einschlief, dann plagten ihn Albträume, so dass er schon bald die Flucht nach vorne angetreten war und sich in die Arbeit gestürzt hatte, die er sonst immer zu meiden gedachte. Schließlich gab es nicht nur dieses Haus hier zu verwalten, sondern auch all die anderen Geschäftsbeziehungen, die sein Vater eingegangen war, neu zu bewerten. Bisher war Lucius nicht dazu gekommen, hatte ihn doch die Schule davon abgehalten und mittlerweile zweifelte er ernsthaft daran, ob er es sich überhaupt leisten konnte, seinen Abschluss zu machen. Auch wenn es nur noch ein knappes viertel Jahr war … zu viel war liegengelassen worden und es würde durch eine erneute Abwesenheit von ihm nicht weniger werden.
Vielleicht sollte er einen Brief an Direktor Dumbledore schreiben, in dem er um eine Möglichkeit ersuchte, seine Abschlussprüfungen vorzuziehen. Denn … verzichten wollte Lucius auf diesen nicht. Oder, noch besser, er schrieb direkt an einen der Schuldner, die sein Vater und somit auch er im Ministerium gehabt hatten, und stellte in Aussicht, für eine kleine Gefälligkeit die Schulden ein weiteres Jahr zu stunden.
Derart in Gedanken verließ er sein Arbeitszimmer in Richtung eines der kleinen Speiseräume. Des Gemütlicheren der beiden, wie er fand, verfügte dieser doch über einen besonders großen schönen Kamin und da ihm immer noch ständig kalt war - mehr innerlich als von außen, das war ihm wohl bewusst - zog er ein hell prasselndes Kaminfeuer in seiner Nähe vor.
Nur kurz dachte er an Severus, der bestimmt wieder irgendwo lesend seine Zeit verbrachte. Vielleicht, überlegte Lucius, sollte er ihm mal das manoreigene Labor in den unteren Kellern zeigen, das sein Urgroßvater einst für seine eher unorthodoxen Forschungen eingerichtet hatte.
Louis stand in dem Speisezimmer und wartete auf seinen Gastgeber, auch wenn er eigentlich nicht hier zu Gast sein wollte. Aber er brauchte das Geld, falls Lucius Malfoy denn gedachte, ihn überhaupt zu bezahlen. Anbetteln würde er ihn garantiert nicht.In dem Flur vor dem Speiseraum ankommend, blieb Lucius kurz stehen und sah sich nach Severus um, wusste dieser doch, dass sie heute einen Gast haben würden. Oder … fiel es ihm plötzlich ein, hatte er vergessen, es ihm zu sagen?
Kaum eine Minute später kam Severus den Gang entlang, da er gerade ebenfalls von Tuffy informiert worden war. Er trug seine besten Kleider - schwarze Hose und dunkelblaues Hemd. Als er Lucius vor der Tür stehen sah, wurde er langsamer und schluckte kurz.Bei Severus' Anblick musste Lucius kurz lächeln: „Du siehst gut aus.", entschlüpfte es ihm, ehe er die Worte zurückhalten konnte und was ihn dabei am meisten überraschte war, dass er es auch tatsächlich so meinte und das erste Mal auch wirklich nur auf das Aussehen und nicht etwas anderes bezogen.
Überrascht sah Severus, der mit einem leichten Nicken den Kopf geneigt hatte, wieder auf. "Danke.", murmelte er und schloss noch rechtzeitig den Mund, damit das 'Meister' nicht entschlüpfen konnte. Immerhin hatten sie einen Gast zum Abendessen, der sicherlich nichts merken sollte.
Wieder zuckten Lucius' Lippen leicht, doch reichte es diesmal nicht zu einem Lächeln. Dennoch empfand er ein wenig Stolz auf den Schwarzhaarigen, bei dessen Verhalten. Besonders aber auch Dankbarkeit, dass dieser in den vergangenen Tagen für ihn da gewesen war.
Sicher wusste er, dass Severus gar nicht anders konnte, zwang ihn der Sklavenbund doch dazu, alles zu tun, was er wollte. Aber … da waren so viele Kleinigkeiten gewesen. Angefangen damit, dass Lucius nicht einmal hatte darum bitten müssen, dass er bei ihm blieb, oder über seinen Schlaf wachte und ihn weckte, wenn die Träume wieder zu schlimm wurden.
Hoffend, dass man ihm nicht zu sehr anmerken konnte, was er fühlte, wandte sich Lucius hastig ab und betrat das Esszimmer.
Severus drehte sich nun auch zur Tür und trat hinter dem Blonden ein. Als er dann sah, wer ihr Gast war, hob er erstaunt eine Augenbraue, sagte jedoch nichts weiter, als ein ruhiges "Guten Abend."
Louis nickte dem Schwarzhaarigen nur kurz zu und wandte sich dann an Lucius. "Guten Abend, Mr. Malfoy. Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass Sie mich nochmals wiedersehen wollen."
Nun war es an Lucius wie Severus zuvor verwundert drein zu schauen, aber nur kurz: „Weshalb sollte ich dies nicht wünschen? Immerhin haben Sie mir geholfen und das Mindeste, was ich als Dank tun kann, ist Sie dafür zum Essen einzuladen."
"Sie könnten stattdessen auch einfach die Rechnung bezahlen.", erwiderte Louis ruhig, auch wenn er innerlich wieder wütender wurde. Er konnte einfach nicht glauben, dass ein Malfoy sich davor drücken wollte, zu bezahlen, was er bekommen hatte.
Lucius musste sich regelrecht dazu zwingen, seine Gesichtszüge weiter möglichst ruhig zu halten und nicht missbilligend zu verziehen. Denn auch wenn er die letzten zwei Tage kaum etwas anderes getan hatte, als sich mit seinen Vermögenswerten zu beschäftigen, hasste er es immer noch, über Geld sprechen zu müssen. „Nun … auch darüber können wir reden. Nach dem Essen." Damit wies Lucius auf den sich in diesem Moment von den Hauselfen deckenden Tisch.
Nach kurzem Zögern setzte Louis sich tatsächlich an den Tisch und wartete. Vielleicht war es wirklich einfach nur Höflichkeit und Lucius hatte sich in der Nachricht lediglich unglücklich ausgedrückt.
Auch Severus nahm nun Platz und das sogar vor seinem Meister, nur damit es nicht auffiel, dass er auf ihn wartete. Auch sah man ihm die Schwierigkeit dieses Verhaltens nicht an. Doch innerlich musste er sich noch immer sehr stark beherrschen, um sich richtig, und das hieß in diesem Fall nicht wie ein Sklave, zu verhalten.
Lucius nahm als letzter Platz und daraufhin erschienen die ersten Speisen auf dem Tisch. Er hatte bei Dobby ein mehrgängiges Menü bestellt und dieser wusste, wie in solchen Fällen zu verfahren war. Nicht alles auf einmal, wie bei den privaten Abendessen, sondern erst die Suppen, dann die kalten Platten, gefolgt von den nächsten beiden zwei warmen Gängen und zum Schluss der Nachtisch, der von einem kleinen Aperitif abgerundet werden würde. Was aufgetragen wurde, wusste Lucius jedoch selbst nicht. Doch zweifelte er nicht an Dobbys Kochkünsten.
Innerlich seufzend betrachte Louis den Teller mit herrlich riechender Suppe. Er hatte sich in den letzten beiden Tagen schon mit dem Essen umgestellt, um Geld zu sparen, auch wenn er zuvor ebenfalls nicht gerade ausschweifend oder auch nur üppig gelebt hatte. Vermutlich würde dies hier mehr als nur reichlich werden.
Sich die Serviette auf die Oberschenkel legend, griff der Heiler zu einem der Löffel, der für die Suppe bestimmt war, und begann zu essen.
Neben ihm tat es ihm Severus gleich, der bei dieser Gelegenheit anwenden konnte, was sein Meister ihm an Tischmanieren bereits beigebracht hatte.
Auch Lucius griff zu dem Suppenlöffel, bewegte ihn in Richtung der Lauchcremesuppe und … stockte dann. Es war das erste Mal seit nun schon zwei Tagen, dass er überhaupt etwas essen würde. Selbst getrunken hatte er nichts, sondern es immer weggeschüttet. Severus hatte davon vermutlich nichts mitbekommen, tat er dieses doch nur, wenn er ihn bat, ihm etwas zu bringen, und wenn es nur ein Buch war, das er sich angeblich ansehen wollte.
Lucius hatte es nicht fertig gebracht, etwas in den Mund zu nehmen, auf seinem Gaumen zu spüren und dann auch noch herunterschlucken zu müssen. Etwas, an das er bei seinen Plänen nicht gedacht hatte.
Wieder blickte Lucius auf die Suppe, deren zuvor angenehmer Duft ihm nun nur noch Übelkeit bereitete und deren weißliches Aussehen ihn an etwas anderes erinnerte, das er hatte schlucken müssen.
Hart und klirrend schlug der Löffel gegen den Tellerrand, als Lucius' Griff sich um das Besteck verstärkte, um das Zittern, das ihn plötzlich wieder zu erfassen begonnen hatte, zu unterdrücken.
Vergebens.
Einige Spritzer waren dabei vom Löffel aufgeschlagen auf den Tellerrand, seine Kleidung und seinen Handrücken gespritzt … flossen langsam eine feuchte Spur hinterlassend herab ...
Wie hypnotisiert klebte Lucius' Blick an diesen wenigen Tropfen, die denen so sehr ähnelten, die er hatte auflecken müssen.
Dass er zu Tisch saß, sogar noch einen Gast hatte, war in diesem Moment vergessen.
Ohne zu zögern, eigentlich sogar ohne nachzudenken, sprang Severus auf und war im Bruchteil einer Sekunde bei seinem Meister, um ihm die verspritzte Suppe abzutupfen. Die schwarzen Augen bohrten sich regelrecht in die grauen, als Lucius aufsah, und der Blick schien fast schon zu befehlen: 'Ihr müsst essen!'
Louis beobachtete dieses Schauspiel nachdenklich und betrachtete den jungen Mann nun genauer. Der Mangel an Nahrung und vor allem Flüssigkeit fiel dem Heiler nun deutlich auf.
Lucius wurde schlagartig schlecht. Abrupt erhob er sich, erst jetzt merkend, dass er den Löffel immer noch fest umklammert hielt und ließ ihn einfach auf den Tisch zurück fallen: „Ich muss noch einen Brief schreiben…", brachte er schließlich hervor, sich fragend wie oft in den vergangenen zwei Tagen er dies schon vorgeschoben hatte, „… esst … unterhaltet euch …" Damit war genug der Höflichkeit.
Lucius hielt es nicht länger aus, auch nur länger etwas zu sehen, das … fast schon angewidert wich er vor dem Tisch zurück, drehte sich mit einer knappen höflichen Verbeugung um und flüchtete regelrecht aus dem Speisezimmer.
Severus starrte ihm nach und schluckte unsicher. Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, seinem Meister zu helfen, und dem Drang, dem Befehl zu folgen, stand er da.
"Er hat noch nichts gegessen oder getrunken. Richtig?", fragte Louis nach, der sich ebenfalls erhoben hatte. Nun war er wieder ganz der Heiler, das Geld war vergessen.
"Ich.. weiß es nicht sicher, Sir.", erwiderte Severus, nachdem er einen Moment über die Frage nachgedacht hatte. In den letzten beiden Tagen war er wirklich nie anwesend gewesen, wenn Lucius aß oder trank.
"Ich muss zu ihm.", verlangte Louis sofort. Auch wenn zwei Tage ohne Flüssigkeit noch nicht lebensbedrohlich waren, konnte sich das schnell ändern. Normalerweise genügten drei bis vier Tage, um zu verdursten.
Lucius indessen war nicht weit gekommen, als er das Zimmer verlassen hatte. Sein Magen zog sich unangenehm zusammen und ein Würgereiz erfasste ihn, so heftig, dass er stehen bleiben und sich an der Flurwand Halt suchend abstützen musste.
Einen Augenblick später kamen Severus und Louis aus dem Speisesaal und der Heiler war sofort bei Lucius. "Kommen Sie. Sie gehören ins Bett.", bestimmte er und griff dem Blonden unter die Arme, um ihm beim Gehen zu helfen.
‚Das ist für einen Malfoy absolut unwürdig!', begehrte ein Teil von Lucius innerlich auf, ging jedoch schnell wieder unter in all den anderen Gefühlen und Empfindungen, die ihn beherrschten. Darunter auch ein vages Gefühl der Dankbarkeit.
Ja, sich hinlegen, das klang wirklich nicht schlecht. Hinlegen und vergessen.
Irgendwann hatten sie schließlich seine privaten Gemächer erreicht und Lucius ließ sich widerstandslos ins Bett packen, zog die Decke wie seit einigen Tagen bei ihm üblich geworden noch fester um sich zusammen und schloss seine Augen.
Auch wenn er den Schlaf an sich nicht fürchtete, so hatte er Angst vor den auf ihn wartenden Träumen… doch vielleicht würde er ja diesmal verschont bleiben?
Fast schon krampfhaft hielt er seine Lider geschlossen, jeder einzelne Muskel angespannt und bereit, sich zu wehren. Lucius wusste wie närrisch sein Verhalten war, gab es doch nichts, was er tun konnte, ja nicht einmal der Traumlose-Schlaf-Trank hatte bei ihm richtig gewirkt und sollte er tatsächlich einschlafen, wäre er wieder nur schutz- und wehrlos.
Und… hatte er da nicht eben etwas gehört? Setzte sich da nicht gerade jemand auf die Matratze zu ihm und…
Mit einem Keuchen, das mehr ein Schrei war, riss er seine Augen auf und rollte sich so schnell und schwungvoll zur Seite, dass er auf der anderen Bettseite - nun noch mehr in seiner Decke verwickelt - wieder heraus fiel.
Sofort stand Louis wieder auf und lief um das Bett herum. "Hier wird Ihnen niemand etwas tun, Mr. Malfoy.", erklärte er ruhig, während er versuchte, Lucius wieder ins Bett zu bekommen. "Ich werde Ihnen noch einmal einen Traumloser-Schlaf-Trank geben. Diesmal sollte er wirken. Allerdings müssen Sie vorher ein Glas Wasser trinken..."Die Decke nur noch enger um sich windend, blieb Lucius auf dem Boden, saß jedoch bereits schon, ehe er sich gegen die helfenden Hände versteifte: „Danke, aber ich habe keiner Durst.„ ‚Und außerdem hat es beim ersten Mal auch nicht geholfen …', fügte er gedanklich noch hinzu.
"Sie haben seit zwei Tagen nichts getrunken. Noch ein oder zwei und Sie werden verdurstet sein. Wenn Sie also nicht freiwillig trinken, werde ich Sie zwingen müssen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das wollen würden. Also seien Sie vernünftig.", redete Louis auf den jungen Mann ein.
Zorn funkelte in Lucius' Augen auf. Noch nie .. niemals zuvor hatte jemand so mit ihm gesprochen. Nun gut … von seinem Vater abgesehen und … Er … Er hatte ihn gewiss nicht dabei gesiezt.
Für einen Moment wusste Lucius nicht, ob er lachen oder weinen sollte, entschied sich dann aber doch lieber weiter für den Zorn. Das war einfacher… leichter… , als sich mit allem anderen auseinandersetzen zu müssen.
„Ach ja? Sie können mich zu gar nichts zwingen!"
"Ach nein? Ich bin Heiler im Sankt Mungos gewesen. Dort haben wir häufiger mal widerspenstige oder verwirrte Patienten.", erwiderte Louis und zog seinen Zauberstab. Als daraufhin der Schwarzhaarige, der bisher unsicher bei der Tür gestanden hatte, näher kommen wollte, schüttelte der Heiler den Kopf. "Ich werde ihm nichts tun."
Unsicher blieb Severus wieder stehen. Er wollte ja, dass Lucius geholfen wurde.
Levlyn wandte sich wieder dem Blonden zu und sah ihm in die Augen, während er ein Glas Wasser mit einigen wichtigen Nährstoffen darin herauf beschwor. "Einfach oder schwer? Ihre Entscheidung."
Angst flackerte in Lucius auf und er wusste, dass man sie ihm ansehen konnte und das machte ihn nur noch wütender. Auf Levlyn, auf sich selbst, auf Severus, weil dieser nichts tat, auf … auf einfach alles und jeden. So dachte er auch nicht wirklich über seine nächsten Worte nach, als er aggressiv schnappte: „Gewesen - genau! Sie haben keinerlei Befugnisse mehr und ich habe Sie nicht als ehemaligen Büroheiler hierher eingeladen!"
Die Gesichtsfarbe des Rothaarigen wurde mehr als hell, sodass sie schon fast mit der des Blonden konkurrierte. "Ich bin aber der einzige Heiler hier und ich will verflucht sein, wenn ich meinen letzten Patienten sterben lasse. Job hin oder her.", erwiderte Louis schließlich, ehe er auf Lucius' Atmung achtend, diesem beim Ausatmen plötzlich den Mund voll Wasser zauberte, ihm diesen dann zu hielt und dann den Hals massierte, damit er schluckte.
Lucius' Augen weiteten sch vor Schock und da er sich selbst noch zu sehr in seinen eigenen Decken verheddert hatte, bekam er auch keine Möglichkeit sich zu wehren und Severus befehlen, dass dieser eingriff, konnte er auch nicht und … außerdem, wieso tat der denn gar nichts?
Sich verkrampfend versuchte Lucius dennoch seinen Kopf fortzudrehen und seine Kehle schnürte sich regelrecht zu, so sehr kämpfte er dagegen an, das, was sich in seinem Mund befand, schlucken zu müssen.
Nun griff Louis zu der letzten Möglichkeit und wandte einen Zauberspruch an, der Lucius' Kehle entspannte und gleichzeitig dafür sorgte, dass die Luftröhre verschlossen blieb und nichts dort falsch hinein lief. Ohne dass Lucius etwas tun musste, floss das Wasser hinunter. Sofort danach gab Louis den Patienten wieder frei.
"Wenn Sie mir einfach mein Geld geben, sind Sie mich los und ein anderer Heiler kann dafür sorgen, dass Sie gegen Ihren Willen am Leben bleiben.", meinte der Heiler und schüttelte leicht den Kopf. Er war selbst wütend und wusste nicht einmal genau warum. Aber das Verhalten des jungen Malfoy brachte ihn einfach zur Weißglut, auch wenn er natürlich wusste, dass dieser einfach noch immer einen zu starken Schock hatte.
Severus trat nun näher und kniete neben Lucius, um ihm aus der Decke zu helfen.
Keuchend nach Luft schnappend, hatte er doch schon Sternchen vor seinen Augen aufblitzen sehen, kam Lucius gegen das sich in ihm anbahnen wollende Gefühl entweder zu schreien oder doch lieber zu weinen nicht an und so war seine Stimme eine Mischung aus beidem, als er schließlich wieder dazu in der Lage war, etwas hervorzubringen: „Sie … Sie … sind wahnsinnig!"
Kaum dass Severus ihn von der Decke befreit hatte, versuchte sich Lucius aufzurichten, scheiterte aber beim ersten Versuch kläglich und musste sich schließlich auf Severus stützen, um überhaupt stehen zu bleiben. Nach schlafen war ihm gerade überhaupt nicht mehr zumute.
"Sie sind wahnsinnig.", erwiderte Louis und seufzte erneut. "Ich kann durchaus verstehen, dass es schwer ist. Immerhin konnte ich mir anhand der Verletzungen ein recht gutes Bild davon machen, was geschehen sein muss. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie sterben wollen. Und das werden Sie, wenn Sie nicht versuchen, das Erlebte soweit zu überwinden, dass Sie zumindest essen und trinken."
Lucius starrte den Mann vor sich zornentbrannt an. Hätte er jetzt seinen Zauberstab gehabt, er hätte ihn nach allen Regeln der Kunst verflucht. ‚Wo bei Mordraud ist mein Zauberstab überhaupt?', fiel ihm plötzlich ein, erst jetzt wirklich begreifend, dass er ihn seit …. seit … seiner Ankunft in seinem Manor nicht mehr gehabt hatte.
Seine Hände zu Fäusten ballend, zwang sich Lucius regelrecht dazu, tief durchzuatmen und stattdessen nicht einfach seine Hände anstatt seines Zauberstabs zu benutzen. Denn im Gegensatz zu ihm selbst, hatte sein Gegenüber einen, wie er ihm mehr als nachdrücklich bewiesen hatte.
Doch sagte Lucius nichts. Er wusste einfach nicht, was er hätte darauf erwidern können, fühlte er doch, dass dieser Recht hatte - wieder einmal.
Noch immer hielt Severus seinen Meister wortlos fest und stützte ihn vorsichtig. Dabei wagte er nichts zu sagen, aus Angst, sich und seinen Status zu verraten. Direkt ansprechen konnte er Lucius nicht anders als mit dessen Titel.
"Setzen Sie sich und versuchen Sie, selbst noch etwas zu trinken.", sprach Louis von der Wut des anderen unbeeindruckt weiter.
Lucius schüttelte seinen Kopf, setzte sich aber dennoch. Doch nicht auf das Bett. Nachdem er Severus mit einem Blick in Richtung des Wohnraumes bedeutet hatte, dass er dorthin wollte, machte er sich zusammen mit diesem dahin auf und ließ sich schließlich seufzend in einen der weich gepolsterten Stühle sinken. Das Glas Wasser, das ihm der Heiler hinhielt, dabei jedoch tunlichst ignorierend. Hatte er doch schon mehr als gewollt herunterschlucken müssen.
"Lucius.", sprach der Heiler den Jugendlichen nun zum ersten Mal seit ihrem Treffen vor sieben Jahren mit Vornamen an, "Es ist nur Wasser... schau darauf, während du es trinkst."
Wieder verneinte Lucius mit einem knappen Kopfschütteln, seine Lippen dabei, so fest er es konnte, zusammenpressend. Er wusste, dass er sich kindisch verhielt; wusste, dass er trinken musste, wollte er nicht verdursten.
Wollte er denn sterben?
Nein! Zumindest diese Frage konnte er absolut verneinen. Er wollte nicht sterben, er war kein Feigling, der sich aus dem Leben stahl, nur weil man ihm einmal übel mitgespielt hatte und er wusste, dass dies jederzeit wieder geschehen konnte.
Lucius Malfoy wollte leben und sein Leben genießen. Daran hatte auch Er nichts ändern können und wie sich Lucius vage zu erinnern glaubte, dies auch gar nicht gewollt.
Es war nur eine Strafe gewesen, für sein eigennützig arrogantes Verhalten. Nichts sonst … nur eine Bestrafung, die Ihm sichtlich Vergnügen bereitet hatte, als Er …
‚STOPP!! Reiß dich endlich zusammen!'
Tief durchatmend öffnete Lucius langsam seine Augen, sich gar nicht darüber bewusst gewesen, dass er sie geschlossen hatte und sah zu dem Heiler auf: „Ich kann ni …", ein weiterer tiefer Atemzug folgte, „… das ist nicht so einfach.", beendete Lucius schließlich seinen mittendrin abgebrochenen Satz.
"Ich weiß.", stimmte Louis zu. "Versuch es. Schau in das Glas..."
Severus hockte sich neben den Stuhl. "Ich halte..." Er wollte 'dich' sagen, brachte es aber nicht über die Lippen. Er durfte seinen Meister einfach nicht duzen, der Bund ließ es nicht zu. Stattdessen schlang er nun seine Arme seitlich um den Blonden, um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine war.Erst als Lucius die Arme um sich fühlte, merkte er selbst, wie angespannt er schon wieder war und seufzte leicht, sich ein klein wenig entspannend: „Also gut…", erklärte er sich zumindest mit einem Versuch einverstanden.
Louis reichte ihm also das halbvolle Glas Wasser.
"Es ist völlig durchsichtig.. nur Wasser.", raunte Severus leise, während er seine Stirn an Lucius rechte Schulter lehnte.Nur zögernd legten sich Lucius' Finger um das Glas, hielten es noch weit widerstrebender fest und als er es dann schließlich an seine Lippen zu heben begann, zitterte seine Hand so sehr, dass er mindestens die Hälfte bereits vergossen hatte. Dabei war es nicht das Glas und auch nicht so sehr das Wasser, das ihn derart heftig reagieren ließ, sondern vielmehr das Wissen, dass er dessen Inhalt bald in seinem Mund fühlen und herunterschlucken musste.
Sanft legte Louis seine Hand um das zitternde Glas, um es ruhiger zu halten. "Du schaffst es.", raunte er leise.„Nur Wasser …", wiederholte Lucius unbewusst die Worte des Heilers, auf die durchsichtige Flüssigkeit starrend. Dann plötzlich und ohne dass er sich bewusst dazu entschieden hätte, setzte er den Glasrand an seine Lippen, öffnete seinen Mund und kippte den Rest des Inhalts, der noch nicht verschüttet worden war, in seinen Mund.
Lucius erster Gedanke war: ‚Zu viel!', sein zweiter: ‚Schlucken … du musst schlucken Lucius, ehe du noch erstickst!', und sein dritter und letzter, von vor ihm aufblitzender Erinnerung begleitet war nicht Lucius eigene, sondern Seine, von Lust geprägte Stimme: ‚Schön alles herunterschlucken mein Kleiner!'
Das nächste, was Lucius wieder bewusst wahrnahm war, dass er sich vornüber gebeugt erbrach, wobei sowohl das eben halb geschluckte Wasser, als auch das ihm zuvor aufgezwungene wieder hervorkamen.
Leise seufzend entfernte Louis die Bescherung und füllte das Glas wieder auf. Dazu beschwor er noch eine Schüssel. „Spül dir den Mund aus.", murmelte er ruhig.
Zuerst dachte Lucius daran, sich zu weigern, doch der säuerliche Geschmack in seinem Mund war einfach nur widerlich und so griff er schließlich abermals nach dem Glas. Einen Moment zögerte er, doch dann hob er es wieder an seine Lippen und nahm einen Schluck, in dem Bewusstsein, es nicht herunterschlucken zu müssen, behielt er es einen Augenblick lang im Mund und spuckte es schließlich in die bereitstehende Schüssel.
Louis sah zu und überlegte, wie er sonst noch Flüssigkeit in den anderen hineinbekommen könnte. Es ihm einfach direkt in den Magen zu zaubern, war zu gefährlich. Vielleicht sollte er sich genauer über die Muggelmethode informieren, über die er gelesen hatte?
Sich mit einem Fingerschnippen eine Serviette aus dem Speisezimmer herbeizaubernd, war es Lucius in diesem Moment vollkommen egal, was der Heiler davon halten mochte, dass er stablose Magie beherrschte. Lucius' Entschluss hatte sich ob der letzten Ereignisse nur noch weiter verfestigt. Er würde den Mann nicht ohne einen von ihnen beiden besiegelten Vertrag aus dem Manor lassen. Sich langsam wieder aufrichtend, wischte sich Lucius mit der Serviette über den Mund.
Nur kurz zuckte sein Blick zu dem Glas und sein Gesicht leicht verziehend erklärte er: „Ich werde es später noch einmal versuchen, aber … nicht jetzt. Vielleicht morgen." Auch wenn er nicht glaubte, dass der Heiler ihn bis zum nächsten Tag damit davonkommen ließ. So wie er den Mann langsam einschätzte, traute er ihm durchaus zu, dass er vor seinem Bett campierte und ihm dann heimlich, wenn er eingeschlafen war, etwas einflößte.
„Morgen könnte es zu spät sein.", erwiderte Louis leicht den Kopf schüttelnd. „Durch das Erbrechen eben hast du weit mehr Flüssigkeit verloren, als du zuvor getrunken hast."
„Und was soll ich tun?", murmelte Lucius bitter, dem nun leeren Wasserglas einen zornigen Blick schenkend, auch wenn das Gefäß wohl am allerwenigsten dafür konnte.
"Vorstellen, dass es immer nur Wasser ist... egal wie es schmeckt." Erstaunt sah Louis auf den Schwarzhaarigen, der bei diesen selbstverständlich wirkenden Worten nicht einmal aufgeschaut hatte, sondern einfach weiter die Arme um Lucius geschlungen auf dem Boden saß.
Auch Lucius war mehr als überrascht, hatte er Severus' Anwesenheit zwar nicht vergessen, aber … er war so still gewesen, einfach nur für ihn da, dass … Lucius seufzte leise, rutschte auf dem Stuhl auf dem er wieder Platz genommen hatte ein wenig zur Seite, bückte sich und zog den Anderen neben sich, nun auch von sich aus einen Arm um dessen Rücken legend.
Erst dann antwortete er auf dessen Einwurf: „Vielleicht … auch wenn ich nicht glaube, dass es hilft, dazu … müsste ich Wasser mehr mögen."
"Etwas das man mag, ist nicht gut, weil man es dann nicht mehr mag.", meinte Severus erneut leise und hob dann den Kopf richtig, um Lucius mit seinen leicht traurigen schwarzen Augen anzusehen, während sein Gesicht ausdruckslos blieb.
Louis runzelte nur noch mehr die Stirn. "Woher weißt du so etwas?", wollte er ruhig wissen.
Lucius zögerte einen Moment, sagte dann jedoch mit für ihn ungewohnt weicher Stimme: „Er hat seine eigenen Erfahrungen gemacht, bevor wir uns trafen."
Erneut hob Louis eine Augenbraue, schüttelte dann jedoch den Kopf. Es ging ihn nicht wirklich etwas an und Severus schien es ja gut zu gehen.
Der Schwarzhaarige saß weiter neben Lucius und betrachtete dessen rechte Hand, die neben seinem Oberschenkel lag. Er hätte sich gern mehr an dem Gespräch beteiligt, doch konnte er kaum einen Satz wirklich formulieren, in dem keine Anrede oder dergleichen vorkam. Nachdem einige Augenblicke schweigend verstrichen waren, erhob sich Lucius schließlich, seinen Arm dabei weiterhin um Severus behaltend und meinte: „Da wir hier wohl erst einmal nicht weiter kommen … können wir ja zu dem Grund Ihres … deines hier seins kommen … Louis."
Lucius dachte gar nicht daran den anderen weiter zu siezen und dies nicht nur weil dieser ihn ebenfalls schon bei seinem Vornamen genannt hatte - unaufgefordert dazu - sondern weil der Heiler einfach schon zu viel wusste.
Auch Louis stand wieder und betrachtete Lucius einen Augenblick nachdenklich. "Ich nehme einmal an, dass es sich dabei nicht um meine Rechnung handelt.", erwiderte er ruhig.
„Nicht direkt jedenfalls.", stimmte Lucius der Vermutung zu und ging, sich halb bei Severus festhaltend und einfach nur froh, dass dieser da war, voraus in sein Arbeitszimmer.
Dort angekommen setzte er sich hinter seinen Schreibtisch, griff nach der teuren Ledermappe, die er dort liegen hatte, und legte seine flache Hand darauf. „Zu allererst: Wieso hilfst du mir? Oder war ich vorhin nicht deutlich genug gewesen?"
"Nun..." Louis sammelte sich einen Moment lang. "Zuerst einmal warst du verletzt und, warum auch immer, war ich der einzige, der geholt werden konnte. Das macht dich zu meinem Patienten... außerdem mochte ich dich als Kind, auch wenn ich mittlerweile glaube, dass dein Vater einen zu schlechten Einfluss auf dich hatte.", meinte er dann allerdings ehrlich.
Lucius war im ersten Moment einfach nur zu verblüfft, um etwas sagen zu können, und wusste auch nicht, ob er zornig, oder doch eher beeindruckt sein sollte. „Nun … jedenfalls sagst du, was du denkst, und handelst auch danach.", murmelte er schließlich, mehr zu sich selbst als an den Anderen gewandt und sagte schließlich wieder direkt an diesen lauter: „Das macht mir meine Entscheidung wirklich leichter."
"Welche Entscheidung?", fragte Louis gleich nach, während sein Blick von Lucius zu dem neben ihm stehenden Severus und dann zu der Mappe unter der Hand des Blonden wanderte. "Irgendwie habe ich den Eindruck, hier.. vorgeführt zu werden."
Lucius lächelte flüchtig: „Noch ein Erbe meines Vaters vermute ich. Da mir nur ein … geregelter Umgang mit anderen Gleichaltrigen gestattet war, habe ich meine eigene Art des Spielens entwickelt und halte wohl immer noch daran fest."
Dann jedoch wurde er schlagartig wieder ernst und meinte: „Es ist eigentlich ganz einfach, Louis. Du weißt zu viel."
Der im ersten Moment bei Lucius' Worten noch leicht mitleidige Blick, verschloss sich schlagartig. "Es gibt eine ärztliche Schweigepflicht, die ich niemals brechen würde.", erwiderte er nur und trat einen Schritt nach vorn. "Ich werde mich nicht erpressen lassen. Ganz egal, worum es geht! Dein Vater hat mich nicht klein kriegen können, indem er meine Karriere zerstörte, und du schaffst es auch nicht."
Lucius' Gesichtszüge wurden ausdruckslos; als er kalt erwiderte: „Eine Schweigepflicht, die nicht vom Zaubergammot aufgehoben werden könnte und was meinen Vater betrifft.", Lucius atmete tief durch, „..so war er ein Narr, dass er dein Potential derart klein gehalten hat. Ein Fehler, den ich nicht bereit bin einzugehen."
Damit löste er seine Hand von der Mappe und gab ihr einen leichten Schupps in Richtung des Heilers.
Fragend runzelte Louis die Stirn. "Und was soll das bedeuten?", fragte er ruhiger nach, während er nach der Mappe griff und sie langsam öffnete.
Darin lag zuoberst ein magisch bindender Vertrag, der von innen heraus fast schon zu leuchten schien, derart stark war die in dem Pergament enthaltene Magie und für diejenigen, die ein Gespür für Derlei hatten, war es deutlich, dass nicht nur die übliche, so genannte Weiße Magie darin verwoben war.
Ein Vertrag, der den Unterzeichnenden mit seinem Leben an Lucius Malfoy binden würde, ähnlich einem Unbrechbaren Schwur, nur dass dies hier denjenigen nicht tötete, der den Vertrag zu brechen gedachte, sondern ihn einfach daran hinderte, etwas zu tun, niederzuschreiben oder auszusprechen, noch in sonst einer Form weiterzugeben, das dem Wohle des Vertraggebenden zuwiderhandelte.
Ein Vertrag, welcher Louis Levlyn zu Lucius persönlichem Hausheiler machen würde, mit einem stattlichen Einkommen, einem Wohnrecht in Malfoy Manor und die Erstattung aller anfallenden Kosten, die zu Lucius weitergehendem Wohl führen würden. Was Zutaten, Forschungsmaterialien und alles Andere beinhaltete und somit nicht vom Grundeinkommen des Heilers würde abgehen müssen.
Louis starrte gebannt auf den Vertrag und wusste absolut nicht, wie er nun reagieren sollte, oder auch nur, was er sagen sollte. "Wieso ich?", fragte er schließlich und hob den Blick, um die beiden Jugendlichen anzusehen. "Ich weiß doch noch gar nichts weiter, außer dass du verletzt worden bist..."„Musst du erst etwas erfahren, dass ich dich nicht mehr gehen lassen kann, bevor du zusagst?„ Lucius lächelte flüchtig, wurde dann aber schlagartig wieder vollkommen ernst. „Du bist ehrlich, sagst, was du denkst, und handelst danach. Das … gefällt mir und … nun ja …„, wieder zuckten seine Lippen kurz nach oben, „… ich denke, das brauche ich ab und an auch und außerdem…", nun doch unsicher werdend strich er sich einige weißblonde Strähnen aus dem Gesicht, „… könnte es gut sein, dass ich deine … Kenntnisse öfter in … Anspruch nehmen müsste."
"Und damit ich auch gar keine andere Wahl habe, als zuzusagen, hast du auch gleich dafür gesorgt, dass ich meinen Job verliere. Richtig?", setzte Louis das Puzzle endlich selbst zusammen. "Ist dir klar, dass meine sämtlichen Unterlagen vernichtet worden sind? Einfach alles, was ich in den letzten Jahren zusammen tragen konnte? Vermutlich... wahrscheinlich hast du genau das angeregt." Einfach nur müde setzte sich der Heiler auf den erstbesten Stuhl. "Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel mir an diesen Aufzeichnungen lag..."
Doch dann hob er den Kopf und musterte die beiden Jungen erneut. "Mit wem habt ihr euch eingelassen, dass du mich permanent brauchst?", verlangte er zu wissen.Lucius' Lippen verbanden sich zu einem schmalen Strich: „Nicht wir", begann er schließlich, sich mehr als bewusst, dass er den Anderen nicht nur mehr nicht würde gehen lassen können, sondern auch alles daran setzen musste ihn zu töten, willigte er dann nicht in den Vertrag ein. Aber ihn unwissend da hineinrennen zu lassen, das wollte Lucius auch nicht.
„Ich frage dich noch einmal, willst du wirklich erst Dinge wissen, die es mir unmöglich machen, dich gehen zu lassen, ehe du einzuwilligen bereit bist?" Diesmal jedoch war jedweder Humor aus Lucius' Stimme gewichen. Ernst und aufmerksam beobachtete er den Heiler.
Auf dessen vorangegangenen Frage ging er gar nicht erst ein. Wussten sie beide doch die Antwort bereits. Auch wenn Lucius nichts dergleichen angeregt hatte, wie die Vernichtung diverser Unterlagen. Er hatte höchstens sein künftiges Wohlwollen in Aussicht gestellt, wenn ein gewisser Angestellter möglichst schnell ginge.
"Und ein Siebzehnjähriger, der im Moment nicht einmal einen Zauberstab bei der Hand hat, könnte mich töten?", fragte Louis ruhig weiter, auch wenn er sich schon längst entschieden hatte. Immerhin blieb ihm keine Wahl und ganz offensichtlich war Lucius Malfoy zumindest noch nicht so verbohrt, dass er nicht auch auf einen älteren, erfahreneren hören würde, selbst wenn dieser für ihn arbeitete.
Plötzlich stand Severus mit gezogenem Zauberstab vor dem Heiler. "Ich würde Sie töten, wenn es sein muss!" Seine Stimme war kalt und entschlossen.
Lucius war derart verblüfft über Severus' für ihn vollkommen unerwartete Reaktion, dass er wusste, dass man ihm sein Erstaunen deutlich ansehen konnte. Doch war ihm dies egal. Im Gegenteil, konnte es nur günstig für ihn sein. So wusste Louis, dass er zumindest dies nicht eingeplant hatte - wenn dieser seine Reaktion überhaupt mitbekam.
Doch sagte Lucius erst einmal nichts, verschränkte nur die Arme vor der Brust und lehnte sich beobachtend, was weiter geschah, in die Stuhllehne zurück.
„Würdest du also. Interessant. Bei Gelegenheit müsst ihr beide mir unbedingt erzählen, was das für eine merkwürdige Art von Freundschaft ist.", meinte Louis, völlig ungerührt ob des auf ihn gerichteten Zauberstabs. Innerlich war er tatsächlich mehr entsetzt über das unverblümte Verhalten der beiden Jungen.
Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen drehte er sich zum Schreibtisch und nahm eine dort bereitliegende Feder zur Hand. Mit einer schwungvollen Handbewegung unterschrieb er den Vertrag. „Und jetzt hätte ich gerne Antworten."
Lucius betrachtete einen Moment lang nachdenklich den unterschriebenen Vertrag. Würde er wirklich bindend sein, wo Levlyn doch unter Zwang unterschrieben hatte? Oder war dieser wirklich bereit gewesen das Angebot anzunehmen? Da Lucius selbst noch nie bei der Unterzeichnung eines solchen Vertrags zugegen gewesen war, wusste er nicht, was nun zu geschehen hatte. Was ihm zeigen würde, dass auch wirklich galt, was mit der Unterschrift einherging.
So war seine Miene, wie auch seine Stimme deutlich zweifelnd, als er leise sagte: „Es ist nicht nötig ihn zu bedrohen, Severus."
Sofort steckte der Schwarzhaarige den Zauberstab wieder weg und trat einen Schritt zurück.
Louis setzte sich nun erst einmal bequemer hin und musterte die beiden, auf eine Antwort wartend, die er vermutlich sowieso nicht bekommen würde.
Seinen Blick nicht wirklich von dem Vertrag abwendend, auf dem sich rein gar nichts zu tun schien, erkundigte sich Lucius schließlich zögernd: „Was für Antworten genau?"
„Mit wem habt ihr euch eingelassen, dass du mich ständig brauchen wirst. Aber ... nun wahrscheinlich weiß ich es sowieso schon.". antwortete Louis, während er bemerkte, dass Lucius den Vertrag ziemlich besorgt musterte. Es war wirklich nicht zu fassen. „Es war meine Entscheidung... also ist er gültig. Wenn er ungültig ist, vernichtet er sich."
Lucius atmete erleichtert auf und es war ihm ziemlich egal, wie sein Gegenüber dies nun auffassen würde. „Nun … das stand nicht in dem Buch …", murmelte er leise, konzentrierte sich dann aber sofort wieder und nun vollständig auf den Heiler: „Wie ich bereits sagte - nicht wir, sondern alleine ich."
"Also gut... du hast dich also mit diesem Kerl eingelassen, der ... die Zaubererwelt 'befreien' will, von der Tyrannei des Ministeriums.", stellte Louis fest und es war seinem halb ironischen Tonfall deutlich anzuhören, dass er nicht wirklich an diese Ziele glaubte.
„Weit mehr als das von dir genannte steckt da schon dahinter…" Lucius schauderte plötzlich und rieb sich unbewusst über seinen linken Unterarm, „… was willst du noch wissen?"
"Mich würde interessieren, was du von mir erwartest.", erwiderte Louis ruhig, während ihm nicht entging, wie Lucius sich den Arm rieb.
Abrupt zog Lucius seine Hand wieder zurück: „Nicht viel, nur dass du da bist, wenn ich dich brauche. Dass du zu niemandem ein Wort über das sprichst, was du hier siehst, hörst oder auch nur vermutest und das Wichtigste, dass du mich am Leben hältst."
Er machte eine Geste zu der Ledermappe: „Ansonsten kannst du tun was dir gefällt, solange du nicht für Andere tätig bist."
"Gut... das ist kein Problem. Aber ich habe auch eine Forderung.", entgegnete Louis und beugte sich leicht vor. "Ich bin der Heiler und du der Patient. Das heißt, wenn es um deine Gesundheit geht, entscheide ich und du gehorchst. Ich lasse mich nicht herumkommandieren oder wegschicken oder sonstwie behindern. Klar?"Lucius seufzte leicht: „Damit habe ich bereits gerechnet. Aber ich kann nicht versprechen, immer so kooperativ zu sein wie … nun, … die letzte Zeit."
Dann blickte er zu Severus und wandte sich nun direkt an diesen: „Du wirst Louis nicht erneut bedrohen und du wirst ihm helfen wenn er dies wünscht, solange es … seine Aufgaben als Heiler betrifft. Wenn es sein muss, auch gegen meinen Willen."
Es war Lucius deutlich anzumerken, wie schwer ihm diese Worte gefallen waren, doch war er kein Narr. Er wusste, dass gerade durch die letzten Ereignisse sein Verstand und das was sein musste, oft vollkommen verschiedene Wege gingen.
Severus' Augen wurden groß, doch nicht wegen dem Befehl an sich, sondern eben dass es ein Befehl gewesen war. Schon spürte er den Drang zu antworten. Er musste antworten. Sein Blick flackerte zwischen Lucius' grauen Augen und dem Heiler auf der anderen Seite des Tisches hin und her. Schließlich senkte er ergeben den Kopf. "Ja, Meister." Es gab einfach keine andere Möglichkeit zu antworten.
Louis sah den Schwarzhaarigen an und war zu seinem eigenen Erstaunen nur wenig überrascht. Diese Eröffnung passte einfach zu sehr ins Bild. Severus' Verhalten der letzten Tage hatte immer wieder kleine Hinweise geliefert und nun passte alles zusammen.
Mit der Erkenntnis kam aber auch das Mitleid. Niemand verdiente ein Schicksal als Sklave - vor allem kein Kind.
Lucius, der eben noch nur mit sich selbst und seinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen war, wurde schlagartig weich, als er die Reaktion des Schwarzhaarigen sah: „Es tut mir leid, ich … habe nicht daran gedacht."
Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Heiler zu und diesmal war nichts weiches, oder mitfühlendes mehr in seinen Augen als er zu diesem sprach: „Und auch darüber niemals ein Wort, oder auch nur eine Andeutung zu jemand anderem. Ich möchte nicht, dass er öfter als … als unumgänglich daran erinnert wird."
"Da ich Sklaverei als Ganzes verabscheue, werde ich garantiert mit niemandem reden.", erwiderte Louis und lächelte den Schwarzhaarigen kurz an, der wieder völlig gefasst wirkte und keinerlei Gefühle zeigte.„Das ist … erfreulich.", lächelte Lucius kurz. Dann wies er abermals auf den Vertrag: „Es wäre wohl das Beste, wenn du dich hier einrichtest. Wenn du etwas brauchst für deine Tätigkeit, sag es mir oder bestell es einfach und lass die Rechnungen an mich gehen und wenn ich sonst etwas tun kann … du kannst jederzeit zu mir kommen."
"Gut. ich werde mich um alles kümmern und in ein paar Tagen komplett einziehen.", stimmte Louis zu, der erst jetzt wirklich begriff, welches Glück er eigentlich gehabt hatte. Hier zu leben, zu arbeiten und lediglich hin und wieder Lucius zusammen zu flicken... Es war der Wurf seines Lebens. Und wenn der letzte Teil nicht wäre, könnte er sich richtig freuen.
Aufstehend unterdrückte Lucius ein Gähnen: „Da dies nun geklärt ist …. Werde ich versuchen ein wenig Schlaf zu finden." Noch während er dies gesagt hatte, machte er sich daran sein Arbeitszimmer zu verlassen, hoffend, dass der Andere nicht mehr an die Kleinigkeit mit dem Wasser dachte. Auch wenn sich sein Mund wirklich äußerst trocken anfühlte.
Aber Louis Levlyn wäre kein Heiler, wenn er so einfach vergessen würde, was lebensnotwendig war. Deswegen erschien vor Lucius, als dieser die Tür erreichte und sie gerade öffnete, ein Glas Wasser frei in der Luft schwebend.Abrupt in seinem Schritt stoppend, starrte Lucius sichtlich angewidert auf das Wasserglas.
"Es ist absolut lebensnotwenig, dass du trinkst." Langsam trat Louis von hinten näher an Lucius heran.
Auch Severus war sofort bei seinem Meister. Doch wusste er nicht, wie er ihm helfen sollte.„Ich weiß, aber etwas zu wissen und etwas zu tun…" Lucius schüttelte seinen Kopf, griff aber dennoch zögernd nach dem Glas. Zu behaupten, dass er keinen Durst hätte, wäre gelogen und in den Mund hinein würde er es wohl auch bekommen, aber sich dazu zu überwinden, es herunterzuschlucken. Schon allein bei dem Gedanken erblasste der Weißblonde und ein Gefühl der Übelkeit kroch abermals in ihm auf.
Einen Moment lang sah Louis nur zu. "Nimm es zumindest selbst in den Mund und ich helfe, dass du nicht schlucken musst.", murmelte er ruhig, während er seinen Zauberstab hervor zog.
‚Nicht nachdenken … tu einfach, was er sagt!', befahl sich Lucius selbst, hob den Glasrand an seine Lippen und nahm einen kleinen Schluck, zugleich an das: ‚Stell dir vor es ist nur Wasser.', von Severus denken müssend. Was er lieber nicht getan hätte, den sofort drängte es ihn wieder auszuspucken.
"Entspann dich.", wies Louis an und wandte den Zauber an, der Lucius' Schluckreflex ausschalten und die Luftröhre kurzzeitig verschließen würde, sodass das Wasser von sich aus in die Speiseröhre laufen konnte. Sanft hob er ihm dazu das Kinn an.
Entspannen? Der Mann hatte wirklich gut Reden… Lucius kniff seine Augen zusammen, als die Flüssigkeit seine Kehle hinab rann, ohne das er etwas dagegen unternehmen konnte. Genauso wenig, wie er etwas gegen Ihn hatte tun können und das erneute Gefühl des Grauens, das er daraufhin empfand, flackerte nur zu deutlich in seinen nun weit aufgerissenen grauen Augen auf.
Der Zauber ließ wieder nach und Louis trat nun ganz um Lucius herum. "Alles in Ordnung?", fragte er ruhig nach. Er wusste einfach keinen anderen Weg, wie er genug Flüssigkeit in Lucius hinein bringen sollte. Vielleicht würde ein Beruhigungsmittel aber besser helfen, sodass der Blonde nicht mehr so viel nachdenken würde.
Lucius schüttelte seinen Kopf, tief durchatmend und auf das immer noch gut gefüllte Wasserglas blickend: „Nein … aber es muss. Ich schaff das schon … irgendwie."
"Versucht einfach... an etwas anderes zu denken. Etwas schönes. Dann geht es ganz leicht.", mischte Severus sich nun wieder ein, auch wenn er keinen der beiden dabei ansah.Lucius lächelte müde und auch ein wenig gezwungen: „Wenn mir etwas einfällt, versuche ich es.." Damit reichte er das Glas an seinen frisch gebackenen Hausheiler zurück.
Louis war absolut nicht zufrieden mit dem einen Schluck, den Lucius gerade lediglich getrunken hatte. Dennoch nahm er das Glas entgegen. Am nächsten Morgen würde er ihn erneut dazu bringen, etwas zu trinken. "Kannst du mir nachher die Bibliothek zeigen, Severus?", fragte er den Sklaven, während sie Lucius ins Schlafzimmer begleiteten.
Der Schwarzhaarige nickte nur leicht.Lucius achtete nicht mehr groß auf das, was die beiden untereinander machten. Er war einfach nur froh, sich hinlegen und ausruhen zu können. Was er hatte tun wollen, was er hatte erreichen wollen, hatte er geschafft und nun konnte er sich wieder etwas erholen. Geradewegs durch den Wohnraum in sein Schlafgemach gehend, schlüpfte Lucius wie die letzten Tage voll angezogen unter die Decken und schloss seine Augen.
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TBC
puuuhhh ... also wir sind ziemlich geschafft nach diesem, unserem längsten Kapitel bisher und daher mehr als nur ein klein wenig gespannt, wie es Euch denn gefallen hat. :) - Mazi und Morti
