Dragon and Angel
Kapitel 21
Ich liebe dich...
Er fing ihre Lippen mit all der Leidenschaft ein, die sich bereits den ganzen Tag über aufgebaut hatte. Als Bitte, ihre Verbindung zu vertiefen, fuhr er mit seiner Zunge den Rand ihrer Lippen nach und stellte fest, dass ihm der Einlass nicht verwehrt wurde. Seine Zunge glitt über ihre Lippen in ihren süßen Mund.
Das Pärchen wusste jedoch nicht, dass es von oberhalb beobachtet wurde.
„Iiiih, Daddy küsst Mummy schon wieder", erklärte Drake voll Ekel von seiner Position in der Bibliothek aus.
„Schon wieder?", fragte Lucius, während er zum Fenster ging, um sich selbst davon zu überzeugen.
„Er hat heute Morgen ihre Zehen geküsst", erzählte Drake, der seine Nase dabei rümpfte.
„Wirklich?" Lucius hob seine Augenbrauen.
„Er hat Mummys Zehe wieder gut geküsst, weil sie sich weh getan hatte", setzte sich Angel für Dracos frühere Tat ein.
„Da fragt man sich, ob sie sich jetzt vielleicht an den Mandeln verletzt hat", murmelte Lucius leise.
Lucius wusste, dass Draco der rothaarigen Hexe näher kommen wollte, daher stammte auch sein Wunsch, dass er sich eine Weile um Drake und Angel kümmern sollte. Nur so konnte er deren Mutter an andere Plätze des Grundstücks locken. Lucius hatte gedacht, dass Dracos Pläne dahin gewesen wären, als Miss Weasley aufstand, um ihnen nach oben zu folgen, aber dann verschwand sie mysteriöserweise, bevor sie das Stiegenhaus erreichten. Lucius war sich nicht ganz sicher, welche Art von Beziehung Draco mit der schönen Hexe beginnen wollte. Er fand, dass es ihm egal war, solang Draco glücklich war. Er und Narcissa konnten ihre Zeit mit den Kindern verbringen und hatten die Möglichkeit, ein Teil ihres Lebens zu werden.
„Lucius, du solltest die Kinder nicht ermutigen, ihren Eltern nachzuspionieren. Geht von den Fenstern weg", schimpfte Narcissa.
„Ja natürlich, Liebling. Drake, komm mit." Lucius nahm Drakes Hand und führte ihn weg vom Fenster.
„Wow, ist das ein Zaubererschachspiel, Großvater?", fragte Drake.
„Ja. Weißt du, wie man es spielt?", fragte Lucius und erwartete nicht, dass der kleine Junge es konnte.
„Onkel Ron hat es mir gelernt", sagte Drake ihm, als er das Schachbrett untersuchte, das in einen Tisch eingearbeitet war. Darauf standen die originellsten Schachfiguren, die er je gesehen hatte. Nicht, dass er schon sehr viele gesehen hatte, aber sein Onkel Harry hatte auch ein ziemlich gutes Spielset.
„Bist du gut darin?", fragte Lucius.
„Weiß nicht genau", gab Drake zu. Er hatte schon ein paar Spiele gewonnen, aber er vermutete, dass seine Onkel ihn hatten gewinnen lassen.
„Naja, warum spielen wir nicht eine Partie und dann werden wir es herausfinden", schlug Lucius mit einem ermutigenden Lächeln vor. Es würde nicht schaden, mit dem Jungen ein Spiel zu spielen, und vielleicht konnte er seine Fähigkeiten im Schachspiel erweitern.
„Oh ja bitte, Großvater", antwortete Drake aufgeregt. Er liebte es, Zaubererschach zu spielen.
Während Lucius und Drake beim Schachtisch saßen, zeigte Narcissa Angel den Rest der Bibliothek und fand auf den Regalen sogar ein Buch mit Kindergeschichten. Sofort bettelte Angel, ihr eine Geschichte vorzulesen.
„Oh Großmutter, bitte, könntest du mir bitte eine Geschichte vorlesen?", fragte Angel.
„Natürlich, Liebling. Warum setzen wir uns nicht näher ans Feuer, dort auf die Couch", schlug Narcissa vor.
Sobald sie es sich bequem gemacht hatten, öffnete Narcissa das Buch und begann ihr ein Märchen über den großen Zauberer Merlin vorzulesen. Eine Weile später hörte sie, dass Lucius Drake wieder vom Fenster zurückrief. Anscheinend war er wieder hinübergeschlichen, um seine Eltern auszuspionieren. Sie lächelte innerlich. Er ist Draco so ähnlich, er hat auch immer andere Leute beobachtet. Sie sah, wie er quer durch den Raum wieder zurück ging, und merkte, dass er nicht mehr glücklich aussah. Tatsächlich war sie mit dem Ausdruck auf seinem Gesicht sehr vertraut, denn er war der gleiche Blick, den Lucius und Draco aufsetzten, wenn sie wütend waren.
Weit unter den Fenstern der Bibliothek mussten Draco und Ginny schließlich nach Luft schnappen, hielten einander aber immer noch fest. Sie atmeten beide heftig ein und aus. Draco lehnte seine Stirn an ihre.
„Gin, das wollte ich schon seit dem ersten Moment machen, in dem ich dich heute in deinem Pyjama gesehen hatte", gab Draco in einem tiefen Flüsterton zu.
„Ich denke, ich wollte auch, dass du das tust", meinte Ginny leise.
„Wie soll es jetzt weitergehen?", fragte Draco sie.
„Ich bin mir nicht sicher. Es geht ja nicht nur um uns, wir müssen auch an Drake und Angel denken", sagte Ginny ihm.
„Wäre es für sie nicht besser, wenn wir zusammen wären?", fragte Draco. Er überlegte, dass es besser sein musste, als Eltern zu haben, die nicht zusammen waren. Der Vorteil wäre auch, dass es für die Kinder nicht so verwirrend sein musste.
„Nur wenn es funktioniert", flüsterte Ginny.
„Das letzte Mal hat es auch funktioniert, oder?"
„Hat es das? Du warst derjenige, der abgehaut ist", erinnerte Ginny ihn. Bitterkeit war in ihrer Stimme zu hören.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Gin. Ich hatte Angst, aber ich hab nie aufgehört, dich zu lieben", gestand Draco.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Draco", sagte Ginny kopfschüttelnd, als sie sich aus seinem Griff löste und sich abwandte.
„Gin, bitte, setz dich", meinte Draco, als er sie an den Schultern zu einer Bank führte, die am Rand der Gartenlaube stand.
„Draco, ich muss zuerst an die Kinder denken. Ich kann es nicht riskieren, ihnen weh zu tun", betonte Ginny.
Draco sank vor ihr auf seine Knie und hielt ihre Hände in den seinigen, bevor er fortfuhr.
„Ich will auch nicht riskieren, den Kindern weh zu tun, aber ich glaube, wir würden viel mehr riskieren, wenn wir uns nicht eine zweite Chance geben", begann er. „Glaub mir, wenn ich sage, dass ich nie aufgehört habe, dich zu lieben. Ich habe Tag und Nacht an dich gedacht, seit ich dich das letzte Mal in deiner Abschlussnacht gesehen habe. Erinnerst du dich an diese Nacht?"
Ginny nickte und hatte ein bisschen Angst zu sprechen, da sich Tränen in ihren Augen sammelten, und sie wusste, dass sie gleich überfließen würden. Aber sie erinnerte sich natürlich an diese Nacht. Wie konnte sie jene Nacht vergessen, in der die Zwillinge gezeugt wurden?
„Ich bin verschwunden, weil ich glaubte, dass es für dich so am besten ist. Du hattest so viele Pläne für deine Zukunft geschmiedet und ich dachte, wenn ich bei dir bliebe, würde ich dir nur im Weg stehen. Außerdem musste ich für mich selbst mal aus London raus und ich konnte dich nicht fragen, ob du für mich dein Leben aufgibst." Draco machte eine Pause, um die Tränen wegzuwischen, die nun Ginnys Wangen herabliefen. „Das Schicksal hat uns wieder zusammengeführt, Liebes, und ich denke, wir sind es nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Kindern schuldig, uns eine zweite Chance zu geben. Es wird funktionieren, Gin. Es wird alles gut."
„Draco, ich...", begann Ginny, aber sie konnte nicht fortfahren. Es gab so vieles, was sie ihm sagen wollte, aber sie war von ihren Gefühlen gerade so überwältigt, dass ihr kein Wort mehr über die Lippen kam.
„Wir könnten wirklich langsam beginnen, wenn es das ist, was du möchtest", schlug Draco vor. Er streichelte sanft mit einer seiner großen Hände über ihren Kopf.
Ginny nickte und gab ihm ein schwaches Lächeln, bevor sie sich dem beruhigenden Gefühl seiner einst vertrauten Berührung hingab. Eine Berührung, die sie all die Jahre, die sie getrennt waren, vermisst hatte.
„Brilliant, du wirst es nicht bereuen, Gin. Ich verspreche dir, wir fangen langsam an und können uns wieder kennen lernen, und dann sehen wir einfach, wie es weitergehen wird." Draco war erleichtert. Er hatte sie wieder zurück und dieses Mal, so schwor er sich, würde er sie nie mehr gehen lassen.
Das Pärchen blieb bis am späten Nachmittag in den Gärten. Mit dem Wissen, dass die Kinder in guter Obhut waren, gab es keinen Grund sich zu beeilen.
Sobald die Sonne den Horizont berührte, brach Draco die angenehme Stille, die sich vor einer Weile um die beiden gebildet hatte.
„Ich denke, wir sollten bald hinein gehen, das Abendessen wird wahrscheinlich bald serviert", flüsterte er Ginny zu, die bequem in seinen Armen lag.
„Müssen wir?", beschwerte Ginny sich.
„Ja, sonst wird Vater einen Suchtrupp losschicken", lächelte Draco in ihr Haar.
„In Ordnung, ich nehmen an, dann sollten wir gehen", sagte Ginny, als sie sich aufrichtete und auf die Beine kam.
Draco stand ebenfalls auf und nahm Ginny in seine Arme. Er hielt sie fest, als hätte er Angst, sie gehen zu lassen.
„Du weißt, dass ich dich nie mehr gehen lassen werde", flüsterte er in ihr Haar.
„Versprich es mir", flüsterte Ginny zurück.
„Ich verspreche es dir", wisperte Draco.
Als Draco und Ginny ins Anwesen zurückkehrten, versammelte sich der Rest der Familie gerade im Speisesaal.
„Ah, hier seid ihr zwei. Wart ihr den ganzen Nachmittag draußen?", fragte Lucius grinsend.
„Ja Vater. Ich habe Gin Mutters Rosengarten gezeigt", antwortete Draco und warf Lucius eine seltsamen Blick zu, den Ginny nicht interpretieren konnte.
Offensichtlich fand zwischen den beiden Zauberern eine stillschweigende Kommunikation statt, aber Ginny konnte nicht feststellen, was zwischen den beiden ausgetauscht wurde. Sie waren beide sehr gut darin, ihre Gesichter ausdruckslos zu halten.
„Draco, ich sollte wirklich Mum flohen. Sie erwartet uns und wenn wir nicht auftauchen, wird sie sich Sorgen machen", unterbrach Ginny die lautlose Kommunikation zwischen den beiden Zauberern.
„Sicher, Gin. Du kannst den Kamin im Wohnzimmer benutzen, komm mit." Draco führte sie zum Winterwohnzimmer.
Sobald sie den Raum betreten hatten, ging Ginny direkt zum Kamin und griff nach der marmornen Schale, die das magische silberne Puder beinhaltete. Sie warf eine Handvoll Flohpuder ins Feuer und sagte „Der Fuchsbau".
„Mum", rief Ginny aus dem Kamin in der Küche des Fuchsbaus.
„Ginny, ich hab mich schon gefragt, wo du geblieben bist", antwortete Molly, während sie zum Kamin gelaufen kam.
„Mum, wir bleiben noch zum Abendessen in Malfoy Manor. Wir kommen danach nach Hause, okay", sagte Ginny ihr.
„Ist alles in Ordnung, Liebling?", fragte Molly.
„Ja, Mum, alles ist okay. Wir hatten einen wundervollen Tag", sagte Ginny und lächelte übers ganze Gesicht.
„In Ordnung, Liebes. Solang alles in Ordnung ist", antwortete Molly.
„Ja Mum. Wir sehen uns später", sagte Ginny.
Damit verschwand sie aus der Küche des Fuchsbaus und war zurück im Winterwohnzimmer der Malfoys.
„Alles in Ordnung, Gin?", fragte Draco, als er ihr auf die Füße half und sie in seine Arme schloss.
„Ja, alles ist perfekt", antwortete Ginny, während sie ihn anlächelte. Draco hatte bei dem Blick, den sie ihm zuwarf, das Gefühl, dass sie nicht die Unterhaltung meinte, die sie gerade mit ihrer Mutter geführt hatte.
„Also dann zum Abendessen, sie werden schon auf uns warten", schlug Draco vor.
„Ja, das wäre wunderbar", stimmte Ginny zu.
Anstatt zurück in den Speisesaal zu gehen, blieben sie stehen, blickten einander tief in die Augen, bevor Draco sich nach vorne lehnte und die Distanz zwischen ihnen überbrückte, indem er ihren Mund in einem heißen, mit Leidenschaft getränkten Kuss einfing. Ginny stöhnte in seinen Mund, während seine Hände über ihren Rücken glitten und er jeden Zentimeter zwischen ihrem Po und ihrem Nacken berührte, bevor er sie losließ.
„Mmm Abendessen", sagte Draco mit einem tiefen Brummen.
„Vielleicht sollten wir..." Ginny dachte Ihren Gedanken nicht zu Ende. Sie wollte mit Draco lieber hier bleiben.
„Ja, das sollten wir, bevor ich vergesse, die Dinge langsam anzugehen", sagte Draco grinsend, als er ihre Hand nahm und sie in den Speisesaal führte.
„Ah, ich habe schon überlegt, ob ich einen Suchtrupp losschicken soll", meinte Lucius, als das Pärchen den Speisesaal betrat.
„Entschuldigung, das ist meine Schuld, Mum kann stundenlang plaudern", entschuldigte sich Ginny schnell.
„Ist in Ordnung, Liebes. Wollen wir essen, bevor die Wärmezauber ihre Wirkung verlieren?", fragte Narcissa.
Und wieder hatte Narcissa beide Kinder neben sich sitzen und sah aus, als hätte sie jede Menge Spaß dabei, während sie den Kindern beim Essen half. Die Unterhaltung war locker und gesellig während des Essens, aber Ginny bemerkte, dass Drake kaum ein Wort gesagt hat, seit sie den Raum betreten hatte. Er schien eher verschlossen zu sein und schaute quer über den Tisch böse zu Draco.
„Drake, Liebling, stimmt etwas nicht?", fragte Ginny in einem besorgten Tonfall, als sich sein Blick intensivierte. Der kleine Junge sah aus, als würde er jeden Moment implodieren.
„Du hast Mummy eine besondere Umarmung gegeben", schrie Drake in Dracos Richtung. Er sah keine Sekunde von ihm weg und ignorierte Ginnys Frage.
Im Raum wurde es still, bis auf Lucius hustende Geräusche, da er gerade von seinem Rotwein getrunken hatte, als Drake seinen Vater angebrüllt hatte.
„Was?" Draco war so erstaunt von dieser Anschuldigung, dass er sein Besteck fallen ließ. Wie auf Erden ist er darauf gekommen?, dachte er.
„Drake", warnte Ginny, aber vergebens, sein Blick war so auf seinen Vater fixiert, dass es schien, als ob er sie nicht einmal gehört hätte.
„Ich hab euch gesehen, und du hast meiner Mummy eine besondere Umarmung gegeben. Ich hab es genau gesehen", schrie Drake ihn an.
„Vater?" Draco sah fragend zu Lucius, der gerade erst ein wenig seiner Selbstbeherrschung wiedererlangt hatte.
„Von den Bibliotheksfenstern hat man einen zauberhaften Blick in den Rosengarten deiner Mutter", meinte Lucius mit einer gehobenen Augenbraue und seinem üblichen Grinsen.
„Drake, ich glaube, vielleicht sollten wir uns jetzt noch einmal unterhalten", sagte Draco seinem Sohn und stand auf. „Vater, möchtest du uns begleiten?" Er blickte zu Lucius.
„Vielleicht wäre es weiser, wenn du dieses Problem alleine löst", antwortete Lucius und überließ die Sache somit Draco.
„Schön, Drake, komm mit", befahl Draco seinem Sohn.
Er war sich ziemlich unsicher, was er dem kleinen Jungen sagen sollte, der gehorsam aufgestanden und ihm aus dem Speisesaal hinaus gefolgt war.
„Gehen wir ins Arbeitszimmer?", fragte Drake leise.
„Nein, ich denke, im Wohnzimmer passt es auch", antwortete ihm Draco und betrat das warme Zimmer.
Drake folgte ihm hinein, blieb aber nahe der Tür stehen. Der Ausdruck auf dem Gesicht des kleinen Jungen zeigte noch immer Verärgerung. Seine Augen hatten sich zu einem Schiefergrau verdunkelt und seine Wangen waren gerötet.
„Komm her", befahl Draco streng. Er hatte beschlossen, dass es wohl am besten mit Drake umgehen konnte, wenn er unbeugsam streng mit ihm war, und wenn das nicht funktionierte, wusste er auch nicht, was er tun sollte.
Drake ging noch einige Schritte in den Raum hinein und blieb etwa zwei Meter von seinem Vater entfernt stehen. Sie standen da und betrachteten einander eine Weile lang.
„Willst du mir erklären, warum du dich beim Abendessen so benommen hast?", fragte Draco schließlich in einem ruhigen Tonfall.
„Ich hab dich und meine Mummy gesehen und du hast ihr eine besondere Umarmung gegeben", antwortete Drake verärgert.
„Warum glaubst du, dass das, was ich gemacht habe, eine besondere Umarmung war?", fragte Draco. Er konnte den erhabenen Tonfall nicht ganz aus seiner Stimme vertreiben.
„Deine Hände waren auf ihrem Popo", gab Drake zurück und verschränkte die Arme vor seiner Brust.
„Warte, das allein ist doch keine besondere Umarmung", kreischte Draco. Er verlor nach und nach die Kontrolle. „Bei Merlin, wir hatten doch noch unsere Kleidung an."
„Ich habe nie gesagt, dass ihr keine Kleidung anhattet. Wozu hättet ihr euer Gewand ausziehen sollen?", fragte Drake. Er sah sehr verwirrt aus.
„Ich... ähm... oh Merlin." Draco erkannte, dass er mehr Information preis gegeben hatte, als er je beabsichtigt hatte, und nun musste er sich da wieder irgendwie rausreden.
„Daddy?", fragte Drake ungeduldig.
„Ähm... setz dich, Drake. Wir müssen uns noch mal über das mit den besonderen Umarmungen unterhalten", schlug Draco in einem niedergeschlagenen Tonfall vor.
Drake kletterte auf die Couch und sah Draco erwartungsvoll an, der neben ihm saß und seinen Kopf in seinen Händen hielt. Er fragte sich, wie er das bloß erklären sollte, was er gerade gesagt hatte.
„Also, wir wissen, dass man einer Hexe eine besondere Umarmung geben muss, um ein Baby zu machen, ja?", begann Draco.
„Ja", stimmte Drake ihm vorsichtig zu.
„Genau. Nun, ein Teil dieser Sache mit der besonderen Umarmung ist, dass man dabei kein Gewand trägt, okay?", sagte Draco ihm eilig.
„Warum?"
„Ähm... Schau, Drake. Du bist wirklich noch nicht alt genug für nähere Details, okay. Wenn du älter bist, werden wir uns noch einmal unterhalten und ich werde dir alles erklären, was du wissen willst", sagte Draco und betete zu Gott, dass es der Junge damit bewenden würde.
„Wann?", wollte Drake wissen.
„Wenn du alt genug bist, um es zu erfahren", antwortete Draco.
„Wie alt muss ich da sein?", fragte Drake weiter nach.
„Ähm... schau, vielleicht bevor du nach Hogwarts kommst", antwortete Draco ungewiss.
„Aber das dauert ja noch ewig", protestierte Drake.
„Ja, ich weiß", antwortete Draco mit einem erleichterten Seufzen. Er begann zu hoffen, dass Drake vielleicht an seine Angst vor Hexenbazillen glaubte, bis er dreißig war.
„Aber..."
„Schau, Drake, wenn ich dir noch mehr erzähle, wird deine Mutter mich verhexen, okay?", meinte Draco zu seinem Sohn.
„In Ordnung." Drake war sich völlig bewusst, wie gut seine Mutter jemanden verhexen konnte. Er hatte schon oft gesehen, wie sie einem ihrer Onkel einen Fluch an den Hals hetzte. „Also was hast du nun mit Mummy gemacht?", fragte Drake weiter.
„Ich... ähm... das ist... Wir haben nur herumgeknutscht, das ist alles", stammelte Draco schließlich.
„Oh", sagte Drake. „Onkel Ron und Tante Pansy tun das auch oft."
„Naja, wenn du es schon bei den beiden gesehen hast, warum hast du dich vorhin so aufgeregt?", fragte Draco. Er war eindeutig schon erschöpft.
„Hab ich nicht. Ich hab manchmal komische Geräusche aus Onkel Rons Zimmer gehört und er sagt auch immer, dass sie nur herumknutschen", antwortete Drake nebenbei.
„Ja, darauf kannst du wetten. Gehen wir wieder zurück zum Abendessen", sagte Draco, während er aufstand, und hoffte, dass Drake keine unangenehmen Fragen mehr stellen würde.
„Ich sterbe vor Hunger", meinte Drake.
„Gut, dann gehen wir essen", sagte Draco, als sie zurück in den Speisesaal gingen.
Vater und Sohn marschierten zurück in den stillen Speisesaal und nahmen wieder ihre Plätze ein. Draco bemerkte, dass Ginnys Gesicht rot war, aber ohne ihre Augen zu sehen, konnte er nicht sagen, ob es von Zorn oder Scham herrührte.
„Alles in Ordnung, Gin?" Draco lehnte sich zu ihr und flüsterte ihr dies ins Ohr.
„Gott, ich hab mich noch nie so geschämt", antwortete Ginny genauso leise.
„Warum, wir haben doch nichts gemacht", sagte Draco.
„Erzähl das deinem Vater. Er beobachtet mich die ganze Zeit und grinst", jammerte Ginny.
„Ich werde mich darum kümmern", versicherte Draco ihr.
„Das solltest du auch", antwortete Ginny.
„Drake, warum erzählst du uns allen nicht genau, was du gesehen hast, als du deine Mummy und mich heute Nachmittag beobachtet hast", sagte Draco zu seinem Sohn.
„Sie haben nur rumgeknutscht", antwortete Drake beiläufig, während er sein Besteck in die Hände nahm und mit dem Essen fortfahren wollte.
Lucius sah Draco mit einer erhobenen Augenbraue und einem Grinsen an.
„Guter Junge, Drake. Nur rumgeknutscht", sagte Draco spitz in Richtung seines Vaters.
„Nun, ich denke, dann sollten wir alle aufessen, bevor alles kalt wird", schlug Narcissa vor. „Und später kann mir dann vielleicht jemand erklären, was eine ‚besondere Umarmung' ist."
„Oh, so macht man Babys", antwortete Drake und lächelte unschuldig zu Narcissa hoch.
„Entschuldigung", meinte Narcissa.
„Später, Cissa, werde ich dir alles erklären", sagte Lucius lachend.
Ginny beobachtete diese Interaktion genau und sie hätte bei Merlins Grab schwören können, dass Lucius Malfoy in dieser Minute vor aller Augen mit seiner Frau flirtete. Seine Körpersprache sagte alles.
„Ist schon gut, Großvater, ich kann es erklären", bot Drake an.
„Dies ist aber kein angemessenes Tischgespräch", sagte Lucius ihm streng.
„Oh, 'tschuldigung", murmelte Drake.
Die gesamte Gruppe zog sich nach dem Abendessen wieder in das Wohnzimmer zurück. Draco und Ginny saßen beim Fenster, Narcissa in dem einen Sessel, Lucius im anderen mit Angel auf seinem Knie und Drake am Boden vor dem Feuer.
„Großvater, kannst du uns eine Geschichte erzählen?", fragte Angel.
„Ja, ich glaube, das kann ich. Was möchtest du gerne hören?", fragte Lucius. Das war etwas, was er schon viele Jahre lang nicht mehr getan hat, aber es hatte ihm immer viel Freude bereitet.
„Eine Drachen-Geschichte", rief Angel.
„In Ordnung, lass mich nachdenken." Lucius tat so, als würde er angestrengt nachdenken. „Es war einmal eine wunderschöne Hexe. Sie hatte hübsche, lange blonde Haare und lebte in einem großen Herrenhaus, gemeinsam mit ihren Eltern und ihren beiden älteren Schwestern. Diese schöne Hexe ging auch zur Schule, nämlich auf eine besondere Schule für Hexerei und Zauberei. Während sie diese Schule besuchte, traf sie einen mächtigen Zauberer, der ebenfalls lange blonde Haare hatte..."
An dieser Stelle entschlüpfte Narcissa ein schlecht verborgenes Lachen.
„Ihr müsst eure Großmutter entschuldigen, anscheinend glaubt sie, dass meine Geschichte so lustig ist", knurrte Lucius und warf Narcissa einen belustigten Blick zu. „Also, wo war ich stehen geblieben? Oh ja. Die schöne Hexe verliebte sich in den mächtigen Zauberer, sie wurden unzertrennlich. Sie besuchte all seine Quidditch-Matches, saß neben ihm, wenn er Zauberschach spielte, und sie saßen auch in der großen Halle beim Essen nebeneinander. Nach dem Essen gingen sie oft beim See spazieren. Aber der mächtige Zauberer war ein wenig älter als die schöne Hexe, also beendete er diese besondere Schule für Hexerei und Zauberei vor ihr. Er ließ sie also allein in der Schule zurück, während er für seine Familie zu arbeiten begann. Sie fühlte sich ganz alleine und er vermisste sie. Er besuchte sie sogar so oft er nur konnte und schickte ihr ständig Eulen mit kleinen Geschenken. Nach einer halben Ewigkeit beendete die hübsche Hexe ebenfalls die Schule. An diesem Tag kniete der mächtige Zauberer vor ihr nieder, gestand ihr seine unsterbliche Liebe und hielt um ihre Hand an. Die schöne Hexe sagte natürlich ja und der mächtige Zauberer steckte ihr einen Ring mit einem funkelnden Brillanten an den Finger. So einen schönen Ring hatte sie noch nie zuvor gesehen..."
„Vater erzählte mir diese Geschichte auch immer, als ich noch klein war", flüsterte Draco in Ginnys Ohr.
„Er sieht so aus, als ob er...", begann Ginny, war sich aber nicht ganz sicher, was sie sagen wollte.
„Ja, als ob sie ihm viel bedeuten würden?", half Draco ihr weiter.
„Ja", antwortete Ginny.
„Ich kann dir nun ganz genau sagen, dass er die Zwillinge über alles liebt. Angel hat ihn schon um ihren kleinen Finger gewickelt und Drake bedeutet ihm wahrscheinlich bereits mehr als ich", sagte Draco.
„Ich glaube, es ist nur ein kleiner Schock, ihn so zu sehen. Ich hätte nie gedacht, dass er so..." Ginny fiel kein passendes Wort ein, um ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen.
„... liebevoll sein könnte?", schlug Draco vor.
„Ja, es erscheint mir seltsam", gab Ginny zu.
„Mir nicht", sagte Draco.
„Oh, ich glaube, Angel ist eingeschlafen", meinte Ginny plötzlich.
„Ähm... Vater, ich glaube, dein Publikum schläft gerade ein", sagte Draco leise, um Angel nicht zu wecken.
„Mit dir kam ich auch nie bis über die Hochzeit hinaus", seufzte Lucius und blickte in das süße Gesicht seiner schlafenden Enkeltochter hinab.
In der Zwischenzeit ist Narcissa aufgestanden, um sich um Drake zu kümmern. Er hatte sich auch schon länger nicht mehr bewegt.
„Drake schläft ebenfalls tief und fest. Draco, warum bringst du ihn nicht in eines der Gästezimmer?", schlug Narcissa vor.
„Es geht ihm hier gut, Mrs. Malfoy, er schläft zu Hause auch immer auf dem Boden ein", sagte Ginny.
„Nun, wenn du dir sicher bist, Liebes", antwortete Narcissa.
„Natürlich. So stören wir ihn nicht zwei Mal, wenn wir ihn hier lassen", meinte Ginny.
„Vater, soll ich dir Angel abnehmen?", fragte Draco.
„Nein, ist schon gut. Ich komme klar mit ihr", antwortete Lucius, während er umständlich mit Angel in seinen Armen aufstand. „Soll ich sie auf die Couch legen?"
„Ja, danke", antwortete Ginny mit einem Lächeln.
Als Lucius Angel auf die Couch legte, erwachte das kleine Mädchen kurz.
„Großvater, du hast die Geschichte nicht zu Ende erzählt", sagte Angel mit schläfriger Stimme.
„Ich erzähle dir das Ende ein anderes Mal, Liebes", antwortete Lucius sanft.
„Großvater", Angel musste gähnen.
„Ja, Angelique", antwortete Lucius.
„Ich hab dich lieb", sagte Angel und schlang ihre kleinen Arme um seinen Nacken. Sie drückte ihm einen feuchten Kuss auf die Wange, bevor ihr Kopf zurück auf das Kissen fiel, das Lucius vorbereitet hatte.
„Ich hab dich auch lieb, Angelique", murmelte Lucius. Er lächelte warm, aber das kleine Mädchen war schon wieder tief eingeschlafen.
