Dank an meine treuen Reviewer: Morwena, Aischilos, Imobilus, Kathleen, Kazuka, Jeanuts und natürlich Hermine

Danke für die Besserungswünsche - es hat geholfen, es geht jetzt wieder!

Imobilus: Danke für den Tipp mit den anonymen Reviews, Wusste ich gar nicht. Hab mich mit den Funktionalitäten hier noch gar nicht auseinandergesetzt. Bin schon froh, dass ich die Geschichte einigermassen gescheit hochgeladen bekommen :-). Bin mal gespannt ob es nun mehr Reviews gibt ...


Weiter gehts... (Habe keine Zeit mehr das Kapitel durchzulesen. Ich hoffe, die Fehler halten sich in Grenzen!


Kapitel 21 – Tagebuch IV – Denkarium III

Weihnachten 1997

Ich habe dieses ‚Tagebuch' die letzten Monate leider sträflich vernachlässigt. Allerdings wären wohl nicht allzu viele Informationen wichtig genug gewesen, um festgehalten zu werden. Rückblickend kann ich sagen, dass die Black'sche Bibliothek eine wahre Fundgrube darstellt. Draco und ich haben Narcissa ein bisschen tiefer eingeweiht, so dass sie in der Lage ist, mir zielgerichteter zu helfen. Sie hat sich auf Potter Manor hervorragend eingelebt. Trotz Narcissa irgendwie eingesperrt ist, nimmt sie diese Tatsache klaglos in Kauf. Außerhalb der Schutzzauber wäre sie in höchster Gefahr.

Draco widmet sich auf meine Anweisung hin verstärkt der Planung nach dem Endkampf. Er ist erstaunlicherweise völlig überzeugt, dass ich den Voldemort ‚plattmachen' werde, wie er sich ausdrückt. Ich habe da so meine Zweifel. Aber gerade deswegen ist es wichtig, eine Vertrauensperson mit den ganzen Vermögenswerten zu betrauen, von der ich sicher sein kann, dass meine Wünsche – im Falle eines Falles – auch ausgeführt werden.

Der Endkampf! Ich bin fest entschlossen, dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Es stört mich überhaupt nicht, wenn ich dabei sterben sollte, wenn ich nur diesen Bastard mitnehmen kann. Auf mich selbst kommt es dabei nicht an. Ich lasse hier nichts zurück. Sollte ich das hier nicht überleben, sehe ich wenigstens meine Eltern und Sirius wieder. Keine Alpträume mehr. Keine ständige Wachsamkeit. Keine Freunde, die wegen mir ihr Leben lassen müssen. Es KANN nur besser werden. Ich will nicht mehr nur die Waffe sein, die Dumbledore, der Orden und die Öffentlichkeit in mir sehen. Und auch meine ‚Freunde'. Überhaupt. Es wird immer einfacher, Ron und Hermine aus dem Weg zu gehen. Beide sind so mit sich selbst beschäftigt. Hermine versucht zwar immer wieder mal, mich in die Unterhaltungen mit einzubeziehen, aber zum einen habe ich keine Zeit dafür, zum anderen muss ich mir eingestehen, dass es mir fast das Herz zerreißt, wenn ich die beiden so liebevoll miteinander umgehen sehe. Aber wenn Hermine glücklich ist, sollte ich zufrieden sein. Mehr will ich gar nicht. Oder etwa doch. Ich verbanne diese Gedanken tief in mir drin. Meine Aufgabe ist eine andere. Ich habe dafür zu sorgen, dass sie und die ganze Zaubererwelt in Frieden leben kann. Alles andere ist unwichtig.

Im Unterricht, den ich nur sporadisch noch besuche, sitze ich immer in der hinteren Reihe und beschäftige mich mit Alter Magie. Die Lehrer haben es aufgegeben, mich daran zu hindern. Gelegentlich werde ich zu Dumbledore zitiert, der wütend darüber ist, dass ich mich ‚so gehen lasse'. Wenn er wüsste. Den Schulstoff habe ich nebenbei so verinnerlicht, dass ich meine UTZ'e wohl in allen Fächern mit Ohnegleichen abschließen würde. Obwohl ich sicher bin, dass das große Finale noch vor den Prüfungen kommt. Die Lehrer scheinen mit Blindheit geschlagen zu sein. Wenn sich ab und an ein Lehrer dazu herablässt, von mir im Unterricht eine Vorführung zu verlangen, gelingt sie fehlerfrei. Vielleicht ich das auch der Grund, warum sie mich weitestgehend in Ruhe lassen.

Ich habe in den letzten Monaten erstaunliche Fortschritte in Alter Magie gemacht. Diese Magie ist so völlig anders als die normale Magie mit Zauberstab. Allerdings gehört ein großes Machtpotential dazu, die Magie zu erfassen, zu bündeln und einzusetzen. Wochenlang übte mich in Meditation. Vor vier Wochen ist es mir endlich gelungen, meinen magischen Kern zu erspüren, ja, innerlich sogar zu sehen. Das Ritual hat mir dabei unheimlich geholfen. Ich kann nun die magische Energie über verschiedene Wege leiten und benötige den Zauberstab nicht mehr.

Meine Animagustransformation habe ich nun ebenfalls gemeistert. Ich kann mich in einen Falken verwandeln. Narcissa, die mich in diesem Training unterstützt hat, beschreibt, dass sie so einen Falken noch nie gesehen hat. Ich kann mich selbst nicht genau sehen, aber am Auffallendsten seine die silbernen Federn an den Flügeln und die – im Vergleich zu ‚echten' Falken – erhebliche Größe. Die grünen Augen sind ebenfalls untypisch, aber es ist sattsam bekannt, dass ein Animagus immer die Augenfarbe des menschlichen Körpers behält. Nun, damit kann ich leben.

Hermine, die nach einer geruhsamen Nacht nach dem Frühstück das neue Kapitel begonnen hatte, ließ kreidebleich das Buch sinken. Der silberne Falke! Harry war der silberne Falke! Wieder ein Puzzleteil, das sie in ihren Recherchen nie in Betracht gezogen hatte.

Sie überlegte, welche Konsequenzen das heben würde. War Harry der Anführer der silbernen Falken? Aber es konnte doch nicht sein, dass es mehrere Animagi gab, die genau so aussahen. Oder war Harry alleine und es gab gar keine Organisation oder Gruppe?

Sie bedauerte, dass sie diesen Teil des Tagebuchs nicht VOR dem Abendessen mit Leon gelesen hatte. Sie hätte ihn danach fragen können. Aber tief in ihrem Innern wusste sie, dass eine Antwort eher unwahrscheinlich war. Sie war noch nicht so weit. Sie verdrängte die Gedanken an diese Offenbarung und begann weiterzulesen.

Meine morgendlichen Trainingseinheiten betreibe ich nun auch außerhalb von Hogwarts am schwarzen See. Da es erst spät hell wird, kann ich unbemerkt – während noch alle schlafen – mein Trainingsprogramm durchführen. Ich habe eine Lichtung gefunden, die versteckt am Ufer des Sees einen prächtigen Trainingsplatz abgibt. Ich fühlte mich in der ersten Zeit sehr beobachtet. Eines Morgens machte ich mich mittels Alter Magie unsichtbar, und umschlich die Lichtung. Verblüfft stellte ich fest, dass zwanzig Zentauren und mehrere Einhörner in einem Halbkreis um die Lichtung standen, aber mit dem Gesicht nach außen zum verbotenen Wald gerichtet. Es hatte den Anschein, als ob sie Wache halten würden, damit ich ungestört trainieren könnte.

Nachdem ich den Unsichtbarkeitszauber aufgehoben hatte, sprach ich den Anführer der Zentauren an. Es war Bane. Er erklärte in seiner üblichen gestelzten und mystischen Sprechweise, dass die Sterne aussagten, dass der Zeitpunkt der Entscheidung nahe sei. Alle Kreaturen des Waldes fühlten sich verpflichtet, den ‚Auserwählten' zu schützen, damit sich dieser ungestört vorbereiten konnte. Ein Satz allerdings machte mich nachdenklich. Bane meinte aus den Sternen zu lesen, dass ich schon alles in den Händen hielte, was ich für eine erfolgreiche Mission benötige.

AUSERWÄHLTER! Toll. Im stillen weiß ich natürlich, dass durch die Prophezeiung dieses Wort durchaus seine Berechtigung hat. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass ich es hasse. Aber ich schweife ab. Was meinte Bane mit seiner letzten Bemerkung? Das Amulett? Warum muss immer alles so mystisch und mehrdeutig sein.

Mittels Alter Magie kann ich Gegner beschwören, an denen ich Schwertkampf trainieren kann. Das Geschick der Dummys steigt mit meinem Können und fordern immer ein bisschen mehr. Ebenfalls habe ich das Nahkampftraining ohne Waffen aufgenommen. Auch dafür sind meine erschaffenen Gegner perfekte Trainingspartner.

Nun – jedenfalls hat sich das körperliche Training ausgezahlt. Meine Muskeln sind stahlhart, ich kann mehrmals schnell um den See laufen, ohne dass mein Atem wesentlich schneller geht. Die anschließenden Kämpfe, Schwert- und Nahkampf, sind äußerst spannend und erfolgreich. Schade, dass ich meine Kampfstärke nicht in einem ‚echten' Kampf austesten kann.

Obwohl ich mittlerweile Okklumentik und Legilimentik mit Hilfe Alter Magie perfekt beherrsche, lasse ich nachts ab und zu meine Schild fallen und versuche Kontakt zu Voldemort aufzubauen. Ich habe keinerlei Befürchtung, dass Voldemort dies merkt, da die Schilde mittels Alter Magie aufgebaut werden und auch Okklumentik und Legilimentik die Alte-Magie-Variante benutzen. Es gibt keine Möglichkeit sich dagegen zu wehren oder – wenn ich nicht will – das Eindringen zu bemerken.

So einfach das Vorgehen auch ist, so schlimm ist das, was ich zu sehen bekomme. Meist senke ich die Schilde, wenn die Narbe kribbelt, aber da ist Voldemort schon mitten drin, Angriffe und Folterungen durchzuführen. Unzählige Morde und brutalste Folterungen und Vergewaltigungen musste ich schon miterleben.

Ich werde meine Strategie ändern. Ich werde nun jede Nacht versuchen die Pläne des Tyrannen herauszufinden. Das nächste Mal werde ich eingreifen! Es muss ein Ende haben!

Es sind Weihnachtsferien und ich bleibe offiziell im Schloss. Hermine und Ron werden auch dableiben – wahrscheinlich, damit sie zusammen Weihnachten feiern können. Das ist bitter für mich, aber ich werde ihnen soweit als möglich aus dem Wege gehen.

Hermine war regelrecht erschlagen von der Vielzahl an Informationen, die sie erhalten hatte. Harry war der silberne Falke. Er hatte neben dem ganzen Schulbetrieb all diese gelernt und auch noch körperliches Training und Schwertkampf trainiert. Und das in wenigen Monaten. Sie versuchte sich an die Weihnachtsferien zu erinnern. Tatsächlich war Harry im Schloss geblieben, wurde aber selten gesehen. Ab und zu an den Mahlzeiten. Ja – und einmal sagte Dumbledore, dass Harry im Krankenflügel lag. Hermine erinnerte sich, dass sie ihn mit schlechtem Gewissen besuchen wollte (Ron wollte nicht mit), Harry aber schlief. Als sie am nächsten Tag nochmals vorbeischauen wollte (diesmal ließ Ron sich überreden mizukommen, wobei er aber den ganzen Weg ein missmutiges Gesicht zog), war Harry schon weg. Mme Pomfrey war sauer, da sie ihn nicht hatte gehen lassen wollte, Harry sich aber nicht darum geschert hatte und einfach verschwand. Kurze Zeit später trafen Sie ihn nachdenklich und niedergeschlagen im Gemeinschaftsraum am Kamin sitzend und ins Feuer starrend. Als Hermine sich neben ihn setzte und ausfragen wollte, sah er kurz in ihre Augen. Sie las Verzweiflung, Trauer, Resignation und ... etwas Undefinierbares ... darin. Er reagierte jedoch nicht sondern verschwand durch das Portraitloch.

Als sie Hermine wieder auf das Buch starrte standen darunter nur zwei Worte:

Phiole Fünf!

Hermine stand auf, ging zu dem Kästchen und nahm die Phiole heraus, die mit der römischen Zahl fünf beschriftet war. Sie erschrak etwas, hatten die Gedankenfäden darin doch eine dunkelgraue bis schwarze Färbung. Es mussten schreckliche Gedanken sein, die sich in dem kleinen Glasbehälter befanden. Sie öffnete die Phiole und kippte sie in das Denkarium. Dann senkte sie den Kopf bis sie fast die Flüssigkeit in der Schale berührte und hatte plötzlich das Gefühl, in das Denkarium hinzufallen.

Hermine fand sich in einem dunklen Raum wieder. Durch ein Fenster viel Mondlicht herein. Es dauerte einen Augenblick, bis sie realisierte, dass sie sich im Jungenschlafsaal befand. Sie stand neben Harrys Bett, dessen Vorhänge nur halb zugezogen waren. Sie betrachtete ihren ehemals besten Freund. Harry hatte sich im Schlaf hin und her gewälzt, die Decke lag auf dem Boden. Nur mit Boxershorts bekleidet lag er im Bett. Sie hatte Harry so lange nicht mehr gesehen und damals auch nicht mehr all zu oft mit ihm gesprochen. Sie staunte über die Veränderungen, die sein Körper durchgemacht hatte. Er war nun deutlich größer als sie. Arme und Beine hatten kräftige Muskeln bekommen und sein Brustkorb und Bauch... ‚Wow', dachte Hermine, sieht er gut aus. Das hatte er damals gründlich versteckt. Zumindest hatte sie die Veränderungen damals nicht wirklich wahrgenommen. Ein Schauer ging durch ihren Körper, als sie gedankenversunken den Jungen vor ihr anstarrte.

Der Schlafsaal war ansonsten leer. Anhand herumliegenden Geschenkpapiers schloss sie, dass es wohl Weihnachten sein müsste. Es wunderte sie etwas, dass Ron nicht da war, da sie ja beide die Weihnachtsferien in Hogwarts verbrachten. Dann fiel ihr siedendheiß ein, weshalb Ron fehlte und nun wusste sie auch, dass es der 25. Dezember sein musste. Sie hatte mit Ron einige Stunden auf dem Astronomieturm verbracht.

Hermine wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Harry plötzlich stöhnte und sich im Schlaf an die Narbe fasste. Schweißperlen standen auf seiner Stirne und unter den Lidern konnte sie heftige Bewegungen der Augäpfel sehen. Als er die Hand wieder sinken ließ, sah sie, dass die Narbe heftig glühte. Wieder einmal, wie so oft in den letzten Tagen, überkam sie ein schlechtes Gewissen, dass sie beide Harry so sehr im Stich gelassen hatten.

Harry wurde ruhiger und schlug die Augen auf. Sie hatte das Gefühl, dass seine tiefgrünen Augen direkt auf sie gerichtet waren. Hermine wies sich sofort zurecht. Mittlerweile hatte sie sich an die Denkariums-‚Reisen' gewöhnt und wusste, dass sie nur Gast in den Erinnerungen war. Sie sah, wie sich Harry kurz orientierte. Dann sprang er auf und brummte. „Jetzt ist es soweit – jetzt seid ihr dran".

Verwirrt über diese Worte beobachtete sie, wie Harry sich Hose und Pullover anzog. Dann konzentrierte er sich kurz und war verschwunden. Ihre Verwirrung hielt nur kurz an, denn sie wurde gleich darauf in einen Wirbel gezogen. Hermine wurde leicht schwindlig, als sie sich in einem Gang wiederfand, der große Ähnlichkeit mit alten Verließgängen aufwies . Links und recht gab es viele Türen, teilweise vergittert, rauchlose Fackeln säumten den Weg. Sie entdeckt Harry, der mit schnellen Schritten an das Ende des Ganges lief und eine der Türen öffnete. Der Raum entpuppte sich als Waffenkammer. An den Wänden hingen fürchterliche martialisch aussehende Waffen. Harry verschwand durch eine weitere Tür. Als dieser nicht sofort wieder erschien folgte sie ihm und wurde knallrot. Völlig nackt stand Harry vor ihr und war gerade dabei sich anzukleiden. Rasch drehte sie sich um und verschwand wieder in die Waffenkammer.

Wenige Minuten später kam Harry zurück. Fast hätte sie ihn nicht wiedererkannt. Alles was er trug war tiefschwarz. Er ging schnellen Schrittes auf eine Kommode zu und schnippte kurz mit den Fingern. Es erschien ein kunstvoll gefertigter Ständer auf welchem ein herrliches Schwert lag. Harry nahm das Schwert und schob es in eine Schwertscheide auf seinem Rücken, die Hermine erst jetzt entdeckte. Danach zog sich Harry die schwarze Kapuze über den Kopf. Wenn Hermine nicht genau wüsste, wer da vor ihr stand, wäre sie nie drauf gekommen, dass es sich um ‚ihren' Harry handeln könnte.

Dieser ging nun auf eine Türe am Ende des Raumes zu, öffnete diese und schritt hindurch. Hermine, die ihm folgte stand nun plötzlich im freien. Meterhoher Schnee säumte einen freigeschaufelten Weg und glitzerte im Mondlicht. Sofort erkannte Hermine, dass sie sich in einem völlig anderen Teil des Landes befinden mussten als Hogwarts. Nicht nur, dass auf dem Hogwartsgelände nicht annähernd so viel Schnee lag, als sie von Hogwarts verschwanden, schneite es dort heftig und ein Schneesturm machte es unmöglich, sich draußen zu bewegen.

Urplötzlich war Harry verschwunden und vor Hermine saß ein wundervoller großer Falke mit grünen Augen und silbernen Flügelfedern. ‚Der silberne Falke' flüsterte Hermine. Der wunderschöne Tier schlug mit den Flügeln und hob ab. Als es einige Meter überwunden hatte verschwand der Falke nahezu geräuschlos. ‚Er ist appariert!' dachte Hermine verblüfft, ‚man kann in seiner Animagusform nicht apparieren'. ‚Nun', revidierte sie in Gedanken, ‚ich dachte auch, dass man in Hogwarts nicht apparieren kann...'

Hermine wurde von ihrem Frust abgelenkt, als sie wiederum in einen Strudel gezogen wurde. Als sie die Augen öffnete, fand sie sich an einem Waldrand wieder. Eine ruhige Schneefläche, völlig unberührt, breitete sich vor Ihr aus. In fünfzig Metern Entfernung entdeckte sie ein Haus mit unbeleuchteten Fenstern. Hermine hatte keine Ahnung wo sie sich befand, da aber auch hier der Mond schien und keine Windbewegung auszumachen war, war sie offensichtlich immer noch weit von Hogwarts entfernt. Sie hielt nach Harry Ausschau. Hätte dieser nicht eine Bewegung gemacht, wäre er ihr völlig entgangen. Er stand direkt am Waldrand und schien auf etwas zu warten.

Mit mehreren ‚Plopp's' erschienen plötzlich etwa 20 Gestalten vor dem Wald mitten im Schnee. Sofort begannen Sie Anti-Apparationszauber auszuführen. Fünf Gestalten liefen auf das Haus zu. Mit einem ‚Bombada' sprengten Sie die Eingangstüre und verschwanden ins Haus. Hermine hörte mehrere Explosionen als die Gestalten schon wieder aus dem Haus kamen. Sie schleppten vier Personen mit sich. Es war zu dunkel um zu erkennen wer diese Leute waren. Obwohl ihr klar war, dass ihr nichts passieren konnte, traute sie sich nicht näher heranzugehen. Die Todesser, um nichts anderes konnte es sich handeln, warfen die unglücklichen Menschen in den Schnee.

„Joseph Macmillan" rief einer der Todesser. Du unterstützt diesen Muggelfreund Dumbledore. Das gefällt dem dunklen Lorde überhaupt nicht! Jetzt wirst Du bezahlen!". Entsetzt presste Hermine ihre Faust vor den Mund, als sie begriff um wen es sich bei der Familie handelte. Es waren die Eltern von Ernie Macmillan aus Hufflepuff. Die Kleine musste seine Schwesster Lydia sein, die nächstes Jahr nach Hogwarts kommen sollte.

„Crucio" schrieen mehrere Todesser und die Macmillans wälzten sich vor Schmerzen schreiend im Schnee. Völlig lautlos erschien eine weitere Person hinter den grölenden Todessern. Hermine sah etwas silbern aufblitzen und zwei Todesser fielen blutüberströmt in den Schnee. Die anderen hatten davon noch nichts bemerkt. Hermine sah zu der Stelle, an der Harry gestanden hatte, doch dieser war verschwunden.

Ein weiteres Mal blitzte das Schwert auf und kopflos fiel ein weiterer Todesser um. Entsetzt stellte Hermine fest, dass der Schwertkämpfer Harry sein musste. Wie ein Berserker wütete er unter den Todessern, die nicht wusste wie ihnen geschah. Sie konnten Ihre Zauberstäbe nicht einsetzen da sie sonst ihre eigenen Leute treffen würden. Nach wenigen Minuten war die Hälfte der Todesser gefallen.

Die Todesser wollten disapparieren, konnten dies aber auf Grund der eigenen Anti-Apparationsschilde nicht. Sie waren in der eigenen Falle gefangen. Verzweifelt versuchten sie sich gegen den überraschend aufgetauchten Gegner zu wehren. Sie benutzten fast ausschließlich die Unverzeihlichen und andere dunkle Flüche. Da sich die Reihen bedeutend gelichtet hatten, war nun mehr Platz. Harry allerdings bewegte sich so schnell, dass die Flüche ins Leere gingen.

Es waren noch fünf Todesser übrig, als Hermine entsetzt sah, wie ein am Boden liegender Todesser den Zauberstab hob. Undeutlich hörte sie „Sectumsempra" und sah, wie Harry zu Boden sank. „HARRY!" schrie sie verzweifelt, völlig vergessend, dass sie sich in einer Erinnerung befand. Blut strömte aus Harrys Rücken, der wieder aufsprang. Hermine konnte trotz der Entfernung die Wut in den womöglich noch stärker leuchtenden grünen Augen sehen. Harry fuhr herum, das Schwert nicht mehr in den Händen haltend. Auf seinen ausgestreckten Händen erschien ein Ball aus gleißendem Licht und wurde immer größer. Mit immenser Geschwindigkeit schoss der Feuerball auf die verbliebenen Todesser zu. Mit entsetztem Geschrei starben die Todesser. Dann herrschte unnatürliche Ruhe.

Hermine sah, wie Harry sich vor Schmerzen krümmte. Er schleppte sich zu dem Macmillans, die ohnmächtige am Boden lagen. Er nahm zuerst das kleine Mädchen auf den Arm und trug sie ins Haus. Dann erschien er wieder und verfuhr ebenso mit Ernie. Inzwischen waren die beiden Erwachsenen erwacht. Wortlos führte er beide ins Haus. Kurze Zeit später erschien er wieder und verschwand.

Sofort erfasste auch Hermine wieder der bekannte Wirbel. Als sie daraus auftauchte, sah sie sofort, dass sie sich im Krankenflügel befand. Harry lag mit dem Bauch auf einem Bett und Mme. Pomfrey behandelte gerade seine Wunde, die heftig blutete. Der Schnittfluch hatte einen tiefen Schnitt von Harry's Schlüsselbein, schräg über den Rücken bis zur Hüfte hinterlassen. Beide diskutierten heftig. Offensichtlich wollte Mme. Pomfrey Dumbledore einweihen und Harry verbot es ihr. Erschreckt hörte Hermine heraus, dass Harry öfter mit Verletzungen erschien. Nachdem die Krankenschwester versprochen hatte, niemanden einzuweihen, schlief Harry ein.

Hermine tauchte aus dem Denkarium auf. Sie warf sich sofort auf das Sofa, vergrub ihr Gesicht in den Händen und weinte bitterlich. Sie war schockiert zuzusehen, wie Harry das Gemetzel veranstaltet hatte. Es schockierte sie nicht, dass Harry das getan hatte – sondern sie wusste, wie sensibel Harry war und wie sehr es in belastet haben musste, zu töten. Er hatte die Macmillans gerettet und sein eigenes Leben dafür eingesetzt.

Harry musste in dem Haus den Macmillans das Versprechen abgenommen haben, niemanden seine Identität bekannt zu geben. Sie erinnerte sich daran, wie andertags im Tagespropheten von dem missglückten Überfall berichtet wurde. Alle rätselten über den mysteriösen Unbekannten, der mit ungewohnter Brutalität den Angriff verhindert hatte. Ron hatte mit leuchtenden Augen spekuliert wer der „schwarze Retter" wohl war. Nur Harry hatte nichts gesagt. Jetzt wusste sie auch warum. Dumbledore hat in einer Ansprache davon berichtet und sich nicht sehr erfreut gezeigt, dass der Angreifer so brutal getötet hatte. Hermine begriff das nicht. Immerhin hatte er ganz alleine das Leben der Macmillans gerettet. Wäre es besser gewesen, diese wären umgekommen?

Als Ernie von den Ferien zurückkam war er sehr schweigsam. Die Fragen, mit denen er zugeschüttet wurde, beantwortete er nur einsilbig.

Völlig erschöpft schlief Hermine schließlich ein.

TBC