Sam saß am Bett seines Bruders und beobachtete Hope nervös, wie sie sämtliche Geräte, die um Dean herum standen, zur Couch schob. "Ich werde dich betäuben und dann langsam deinen Kreislauf verlangsamen. Der Käfer glaubt dann hoffentlich, daß du im Sterben liegst und verläßt seinen Körper um sich einen anderen Wirt zu suchen." Der jüngere Winchester atmete tief durch und versuchte sowohl Hopes Worten zu folgen, als sie auch gleichzeitig nicht zu nahe an sich heran zu lassen. Er hatte zu Dean gesagt, daß es ganz einfach sein würde, kein Grund zur Sorge, blablabla. Aber er machte sich dennoch Sorgen. Es konnte so viel schief gehen. Er war zwar kein Arzt, aber ihm fielen dennoch auf Anhieb mehr Komplikationen ein, als ihm lieb war. Trotzdem durfte er seinem Bruder nicht zeigen, daß er sich nicht sicher war. Dean wirkte ziemlich benebelt. Sein großer Bruder verließ sich auf sein Urteil und er würde ihn nicht enttäuschen. Wenn Dean jetzt merkte, daß Sam Zweifel hatte... "Was machst du mit dem Käfer, wenn er wirklich raus... krabbelt?" Der jüngere Winchester wollte auf keinen Fall, daß sich das Ding seinen Bruder als euen Wirtskörper aussuchte. "Ich hab ein leeres Einmachglas aus der Küche geholt. Und das stecke ich dann in eine Metalldose, die mit einer Kräutermischung ausgelgt ist. Wenn du wieder aufgewacht bist, können wir uns überlegen, was wir mit dem Ding machen. Verbrennen, Tiefkühlen, was du willst." Sam nickte nachdenklich. Hope war fertig.
Es fiel Dean immer schwerer, einen klaren Kopf zu bewaren. Das Adrenalin war aus seinem Kreislauf gewichen und die Beruhigungs- und Schmerzmittel, mit denen ihn Hope vor einer Weile vollgepumpt hatte, versuchten wieder ihre Wirkung zu entfalten. Aber er mußte wach bleiben. Für Sam. Dean hatte im großen und ganzen begriffen, was sein Bruder vor hatte, aber es gefiel ihm nicht wirklich. Wenn Sammy schon so eine hirnrissige Aktion vorhatte, so wollte er ihm doch zumindest den Rücken stärken. Und das ging nunmal nicht, wenn er wieder irgendwo im Drogen-Limbus schwebte. Dean blinzelte und stellte fest, daß sein Bruder nicht mehr neben ihm am Bett saß. Er brauchte nicht lange suchen, ein Blick genügte und er hatte ihn auf der Couch erspäht - zumindest gaubte der ältere Winchester das. Er war sich nicht ganz sicher, denn alles, das weiter als einen Meter entfernt war, verschwamm vor seinen Augen. "Bis nachher, Dean." Doch, Sams Stimme kam von der Couch. Es war also sein kleiner Bruder, der dort lag. Hope beugte sich über ihn, machte irgendwas am Kopf des jüngeren Winchester und dann an seiner Hand. Dean wollte etwas sagen, aber er brauchte seine gesamte Kraft, um wach zu bleiben. Bis nachher, Sammy.
Hope kontrollierte ständig die Werte des Vitalmonitors und korrigierte die Zufuhr des Medikamentecocktails. Angesichts der Tatsache, daß das hier kein Krankenhaus war, barg die ganze Aktion doch einige Risiken. Aber weder ihr noch Sam war eine bessere Lösung eingefallen. Und mit etwas Glück würden sie den Käfer schon sehr bald los sein. Das Marmeladenglas stand griffbereit auf dem Rolltisch mit den Notfallsutensilien und wartete schon auf seinen neuen Bewohner. Sams Herzschlag hatte sich inzwischen stark verlangsamt und auch die Abstände zwischen den einzelnen Atemzügen waren deutlich länger als bei einem normalen Schläfer. Hope fragte sich zum zigten Male, wo wohl die Grenze des Käfers lag. Wie weit mußte sie gehen, bis das Ding seinen Wirt aufgab? Sie erhöhte den Durchfluß des Tropfes und behielt die ständig sinkende Sauerstoffsättigung im Auge.
"Dean?" Er blinzelte verwirrt. Was war los? "Dean, bist du wieder wach?" Huh? Wach? Natürlich... oder...? Das letzte, an das er sich erinnern konnte, war, daß Hope bei Sam gestanden und die Prozedur überwacht hatte. War er wirklich eingeschlafen? Während sein Bruder um sein Leben kämpfte? "Dean?" Hope stand jetzt neben ihm. Sie wirkte müde und ihre Stimme hatte etwas drängendes an sich - es war doch wohl nichts passiert? Er versuchte zu antworten, aber sein Hals war so trocken, daß er nur ein heiseres Husten zustande brachte. "Warte, ich hol dir etwas zu trinken." Sie stand auf und lies ihn alleine. Verdammt! Er mußte doch wissen, wie es seinem Bruder ging! Dean fiel wieder ein, daß Sam ja auf der Couch liegen sollte, nur wenige Meter entfernt. Er versuchte seinen Kopf zu drehen, was sich als schwieriger herausstellte, als erwartet. Der ältere Winchester konnte gar nicht glauben, daß er vor kurzem aufgestanden war. Jetzt war soetwas einfaches wie das Bewegen seines Kopfes Schwerstarbeit. Wo war nur seine Kraft hin? Dean mühte sich eine Weile ab, fühlte wie Schweißperlen aufseiner Stirn entstanden und dann endlich war die Couch in seinem Blickfeld. Tatsächlich lag dort eine Gestalt. Verdammt! Sein Blick war noch immer leicht verschwommen. Aber wer sollte das sonst sein, wenn nicht Sam? Nur konnte Dean keinerlei Details erkennen. Er sah nicht, ob sein Bruder am Beatmungsgerät hing - was sehr schlecht wäre - oder gerade zu ihm herüber blickte - was sehr gut wäre. Wo blieb nur Hope? Es hatte natürlich auch keinen Sinn, die Monitore abzulesen zu versuchen. Keine Chance auf die Entfernung.
Hope schalt sich dafür, daß sie auf ein Glas mit Wasser vergessen hatte. Sie wollte, daß Dean mit seinem Bruder spach, also hätte sie ruhig daran denken können, daß der einen trockenen Hals haben würde. Er war immerhin erkältet! Der Weg in die Küche und wieder zurück schien viel zu lange zu dauern und als sie endlich wieder im Gästezimmer war, wirkte Dean genauso ungedudig wie sie selbst. Sie reichte ihm das Glas und half dem älteren Winchester dabei, ein paar vorsichtige Schlucke zu nehmen. "Sammy?" Stieß er atemlos zwischen zwei Schluck hervor. Hope achtete darauf, daß ihre Stimme neutral optimistisch klang und antwortete: "Der Käfer ist tatsächlich herausgekommen. Dein Bruder ist noch betäubt. Ich hätte gerne, daß du mit ihm sprichst, das sollte das Aufwachen vereinfachen." - Wenn es ein Aufwachen gab. Mit dem Insekt war auch jede Menge Blut mitgekommen. Zu viel für ihren Geschmackt. Und sie hatte keinerlei Möglichkeit hier zu überprüfen, woher das Blut gekommen war. Vielleicht nur aus dem Ohr, vielleicht wirklich aus dem Gehirn. Sie war kein Spezialst für verzauberte Ohrwürmer. Sie hatte auch nur vor einer halben Ewigkeit einmal von dieser Praxis gehört. Vielleicht waren ja die Schauermärchen wahr, daß sich das Ding bis zum Gehirn bohren konnte. Auf jeden Fall war Sam noch nicht wieder aufgewacht. Obwohl er das von den Medikamenten her schon sein konnte. Die Betäubungsmittel waren noch nicht vollständig wieder aus seinem Kreislauf verschwunden, aber sie hatte ihn als einen sehr starken jungen Mann kennengelernt. Er würde sich nicht von ein bißchen Morphin & co im Tiefschlaf halten lassen.
Dean war einerseits froh, als Hope sein Bett direkt neben die Couch rollte. Jetzt konnte er seinen Bruder wieder halbwegs scharf sehen und war so nahe, daß er ihn theoretisch berühren konnte - sobald er die Kraft dafür gefunden hatte. Andrerseits hatte er ein wenig Angst. Warum brauchte Hope ihn überhaupt? Laut Sam gab es null Risiko. Warum war sein Bruder dann noch nicht aufgewacht? "Sammy?" Deans Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Selbst wenn der jüngere Winchester nur normal schlief, das hätte ihn ganz bestimmt nicht aufgeweckt. "Sam." Schon besser. Zwar noch immer leise, aber zumindest schon als normales Sprechen erkennbar. "Sammy, hörstu mich?" Verdammt. Seine Zunge war noch immer schwer, als hätte er schon einiges intus. Egal, sein Bruder würde ihn auch so verstehen. "Sam? Dasingis draussn." Ugh... So viel zu 'verstehen'. Vielleicht ging es besser, wenn er immer nur einzelne Worte sagte? "Du. Kannst. Wieder. Aufwachn. Sam." Besser. Viel besser. Und anscheinend war auch der jüngere Winchester dieser Meinung, denn er stöhnte leise und bewegte sich ein wenig. Hope tauchte neben der Couch auf - auf sie hatte Dean ganz vergessen - und sagte: "Sehr gut. Er kommt langsam wieder zu sich." Wirklich, Sherlock, wäre ich alleine nie drauf gekommen... Dann schlug Sam die Augen auf und Dean begrüßte seinen verwirrten Blick mit einem breiten Grinsen. "Guun... Guten. Morgen. Prinzessin."
So, die Geschichte nähert sich ihrem Ende. Wahrscheinlich ist noch vor Kapitel Nummer 25 Schluss und in meinem Profil gibt es die Möglichkeit, die nächste Geschichte auszusuchen (alle ohne Account können das natürlich auch über ein Review machen).
Ich freue mich natürlich wie immer über Meinungen, Wünsche und Anregungen :)
