Hi liebe Leser!
Viel Spaß mit dem nächsten Chap!
Lg,
Eure Lady
20. Kriegsrat 2
„Ich befehle dir, mir die Wahrheit auf alle meine Fragen zu sagen."
Draco blickte starr zu Boden, als sich Harry ihm zuwandte. Er wollte bei dieser öffentlichen Demütigung niemanden in die Augen sehen. Verzweifelt klammerten sich seine Gedanken an die einzige Person, die ihm helfen würde: Blaise. Er war nicht mehr alleine mit Harry, hier auf Hogwarts hatte er auch noch seinen besten Freund. Merlin sei Dank. Sobald diese Farce vorbei wäre, würde er zu Blaise in ihr altes Zimmer gehen und vielleicht nie wieder herauskommen. Harry hatte ihm mit dieser Situation bewiesen, dass er ihn nicht als Geliebten sondern als Gefangenen sah. Vielleicht wäre es besser den Krieg im dunklen Kerker abzusitzen, auf die Lösung ihrer Armreifen zu warten und danach wegzugehen. Mit oder ohne Blaise. Vielleicht könnte er ja doch versuchen seinen ehemaligen Schulkameraden zu lieben. Schön war er ja, aber…
Moody gab die Anweisungen und Harry befragte ihn.
„Hat Voldemort dir den Becher mit dem Auftrag ihn hier zu verstecken gegeben?"
„Nein." Draco wartete auf ein Brennen, aber es kam keines. Harrys Befehl wirkte und der Armreifen folterte ihn wirklich nur, wenn er lügen würde.
„Wer hat dir den Becher dann gegeben?"
„Ich weiß es nicht."
„Hast du den Becher gestohlen, weil du schon über die Horkruxe Bescheid gewusst hast?"
Wütend sah Draco auf. Diese Frage konnte Harry nicht ernst meinen. Harry selbst hatte ihn ja über die Horkruxe erst aufgeklärt. Draco ersparte sich eine sinnlose Diskussion und antwortete knapp: „Nein."
„Wusstest du schon etwas über die Horkruxe, bevor ich dir davon erzählt habe?", bohrte Harry nach.
Draco hätte Harry am liebsten mit dem Cruciatus-Fluch gefoltert. Was fiel ihm ein noch einmal nachzufragen? Hatte er denn überhaupt kein Vertrauen in ihn gehabt?
„Nein", war alles was Draco über seine zusammengepressten Lippen brachte.
„Das heißt, du hast den Becher nicht gestohlen oder ihn bekommen und verkleinert um damit Voldemort zu schaden oder seinen Auftrag auszuführen?"
„Nein, ich weiß nicht, wie der Becher in meine Hose gekommen ist und ich habe ihn zuvor auch nicht gesehen." Draco wollte sofort aus der Großen Halle verschwinden. Diese Demütigung machte ihn rasend und er wollte nicht riskieren, dass er doch noch in Askaban landete, weil er den Held der Zaubererwelt mit einem Unverzeihlichen bestraft hatte.
Harry blickte erleichtert zu Moody. Der Armreifen hat nicht auf Dracos Antworten reagiert, also hatte sein Liebster die Wahrheit gesprochen.
„Draco ist in dieser Causa unschuldig."
Moody nickte und musste sich das Lachen noch immer verkneifen. Es war eigentlich ziemlich egal, wie der Becher hergekommen ist, Hauptsache sie hatten ein weiteres Horkrux in der Hand. Und diese bescheuerte Liebesbeziehung war vorbei.
„In Ordnung. Somit wäre nur noch eine Sache zu klären." Und dem blonden Todesser endgültig den Todesstoß zu versetzen. Psychische Qualen waren ebenso wirksam wie physische. „Du hast erzählt, dass deine Mutter von Voldemort persönlich zu Tode gefoltert worden ist und du hast nicht gewusst wieso", richtete Moody seine Worte zum ersten Mal an Draco persönlich, seitdem er Hogwarts betreten hatte.
Der Angesprochene blickte zum ersten Mal seit seiner Befragung dem alten Auror ins Gesicht.
„Miss Granger hat mir erzählt, dass Snape deiner Mutter einen Unbrechbaren Schwur geleistet haben soll", fuhr der Aurorenchef fort.
„Woher weiß sie das?" Dracos Stimme zitterte.
„Harry höchstpersönlich hat dich damals mit Snape belauscht."
Draco sah zu Harry auf und dieser nickte ertappt.
„Ich habe dir im sechsten Schuljahr nachspioniert, weil ich wissen wollte, warum es dir so schlecht gegangen ist."
„Wissen Sie auch, was Snape Ihrer Mutter versprochen hat?", bohrte Moody nach.
Tränen stiegen in ihm auf. Daran hatte er gar nicht mehr gedacht. Jetzt war ihm klar, warum seine Mutter hatte sterben müssen. Sie hatte sich über Voldemorts Befehl hinweggesetzt. Es war alles nur seine Schuld gewesen. Er war schuld am Tod seiner Mutter. Und sein Vater würde ihm das nie verzeihen.
„Harry, er soll mir antworten. Jede Information über den Verräter Snape ist wichtig."
Harry schluckte. Sein Liebster wirkte völlig aufgelöst und verstört, als würde er jeden Moment zusammenbrechen.
„Draco, sag ihm, was er wissen will", formulierte er behutsam, obwohl ihm bewusst war, dass Draco ihm gehorchen musste und sowieso keine Wahl hätte.
„Ich ...", seine Stimme bebte vor der furchtbaren Erkenntnis, „ich hatte den Auftrag Dumbledore zu töten. Und Severus hat meiner Mutter mit einem Unbrechbaren Schwur versprochen mir zu helfen, damit ich nicht bei Voldemort in Ungnade falle. Darum hat Severus Dumbledore getötet, um durch den Schwur nicht selbst zu sterben, weil ich es nicht konnte. Aber der Lord hasst es wenn seine Befehle umgangen werden und deshalb ..." Draco schluchzte auf. „Deshalb hat er meine Mutter bis zum Tod gefoltert, sie hätte sich nicht einmischen sollen." Draco krallte sich am Stuhl fest, als seine Tränen vor allen Ratsmitgliedern herabflossen.
„Also ist es amtlich, dass Severus Snape ein Verräter und Mörder ist. Ich werde niemanden nach Askaban stecken, wenn er Snape im Kampf gleich erledigt." Moody nickte zufrieden. Snape war als Todesser aufgedeckt worden und Malfoy würde Potter jetzt abgrundtief hassen.
„Damit ist das Verhör beendet. Ich möchte mich persönlich um die Zerstörung der Horkruxe kümmern und jeder ist gerne eingeladen mir zu helfen. Wir sind alle sehr fähige Zauberer und gemeinsam werden wir eine Lösung finden um Voldemorts Seelenteile zu zerstören. Darf ich bitte das Buch Der Tod haben, um es zu studieren?"
„Nur, wenn Sie versprechen, uns wirklich in alle Entscheidungen und Fortschritte einzubinden", forderte Harry bestimmt. Dracos Tortur sollte nicht umsonst gewesen sein.
Moody stand auf und streckte über den Lehrertisch Harry seine faltige vernarbte Hand entgegen.
„Auf eine gute Zusammenarbeit, Harry Potter."
Triumphierend trat Harry ihm entgegen und schlug ein. „Wie gehen wir weiter vor?"
„Wir müssen die Horkruxe vernichten, für den Kampf trainieren und versuchen noch mehr Verbündete für den Kampf zu gewinnen."
Harry nickte entschlossen. „Ich kann wieder das Training der Schüler übernehmen. Und gemischte Trainings sind sicher auch von Vorteil."
„Gute Idee, die Auroren können euch Einiges beibringen."
Harry wandte sich zu Hermine um und diese nickte.
„Abgemacht - wir helfen einander und es wird von meiner Seite keine Probleme oder Geheimnisse mehr geben."
Moody schüttelte kräftig Harrys Hand.
„So habe ich mir den Held der Zaubererwelt vorgestellt." Als furchtloser Kämpfer, der nur an Voldemorts Tod denken würde und nicht mehr an den überflüssigen blonden Todesser.
„Wir können morgen gleich mit dem Training beginnen. Ich möchte zuerst das Buch durchschauen, ob wir darin etwas Brauchbares finden, bevor wir uns an die Horkruxe heranwagen."
Harry und die anderen Ratsmitglieder waren einverstanden und somit löste sich die Versammlung für heute auf.
Erleichtert drehte sich Harry zu Draco um, aber der Verhör-Stuhl war leer. Der rechte Flügel des Tores der Großen Halle schlug zu und Harry bekam es mit der Angst zu tun. Er wusste auch ohne sich umzusehen, dass Draco nicht mehr hier war. Hermine wirkte besorgt und Ron erfreut, als sie auf ihn zusteuerten. Aber dafür hatte er keine Zeit. Er wusste selbst, dass er bei Draco Mist gebaut und bei Moody alles richtig gemacht hatte. Wieso konnte er es nicht mal allen Recht machen oder wieso wurde er ständig vor eine Wahl gestellt?
Harry stemmte sich gegen die schwere Flügeltür und rannte gehetzt in die Vorhalle hinaus.
„Draco, warte!", rief er, als er einen blonden Schopf gerade in Richtung Kerker verschwinden sah.
Ein Schmerzenslaut und das grässliche Glücksgefühl bestätigten seine Vermutung.
„Cessar", murmelte er und kam schlitternd vor seinem Freund zum Stehen, der ihn böse anfunkelte.
„Wohin gehst du? Ich muss mit dir reden und mich bei dir ..."
„Zu Blaise, wir sind verabredet."
„... entschuldigen." Harrys Schuldgefühle schlugen in Eifersucht um.
„Was willst du jetzt bei Blaise? Ich habe mich dir gegenüber schrecklich verhalten und möchte es wieder gut machen und du ..."
„Ja, genau deshalb gehe ich jetzt zu Blaise. Er hat mich immer gleich behandelt und nicht gerade so, wie es die Situation erfordert hatte. Blaise ist ein wahrer Freund."
Harry wankte unter dieser verbalen Ohrfeige und Draco drehte sich um und ging weiter. Doch Harry versperrte ihm erneut den Weg.
„Was willst du bei Blaise? Oder besser formuliert, was willst du von Blaise?" Harrys Stimme hatte einen gefährlichen Unterton, aber davon ließ sich der Blonde nicht beeindrucken.
„Das geht dich überhaupt nichts an. Ahhh!" Draco umfasste sein rechtes Handgelenk, er stand noch immer unter Harrys Befehl, ihm die Wahrheit zu sagen.
„Nimm diesen verdammten Befehl zurück!", fauchte Draco vor Schmerzen.
„Nein, zuerst beantwortest du meine Fragen." Draco glaubte ein rotes Aufblitzen in Harrys smaragdgrünen Augen gesehen zu haben, als dieser seine Forderung aussprach.
Erschrocken wich er zurück an die Wand. „Ich will mit Blaise reden und mit ihm ..."
„Mit ihm was? Mit ihm ficken? Willst du es ihm mal wieder so richtig besorgen, den aktiven Part übernehmen, oben liegen, weil du das in unserer Beziehung nicht so oft machen kannst?"
Draco war geschockt über Harrys Anschuldigungen und der Schmerz des Armreifens wurde immer schlimmer. Schon bald würde sein Blut fließen.
„Nein, ich will lieben und geliebt werden." So, jetzt war es heraus! Der Schmerz ließ nach, also war es keine Lüge und Harrys Züge entgleisten, weil sich das Glücksgefühl verflüchtigt haben musste.
„Was? Du ... du liebst ihn?" Harrys geflüsterte Worte waren kaum zu verstehen.
„Ja", antwortete Draco knapp und bekräftigte sie damit, indem er sich abwandte und seinen Weg Richtung Kerker fortsetzte.
Blaise hatte den Eingang zum Slytherin Gemeinschaftsraum offen gelassen. McGonagall vergab immer wieder neue Passwörter, falls Todesser in das Schloss eindringen sollten.
Gemütlich saß er auf der Couch vor dem Kamin und spielte mit seinen langen nachtschwarzen offenen Haaren, als sich sein bester Freund plötzlich auf ihn stürzte und ihn hemmungslos unter Tränen küsste.
TBC ...
