Eine schlechte Nachricht

Bellas POV - Paralleluniversum

(Paralleluniversum)

„Ich habe den Vampir gesehen." Sein Blick galt nun Alice, die ihn fragend und ernst erwiderte. „Er wird Forks heute nicht verlassen. Jedenfalls nicht wirklich."

„Was wird er tun?", kam es nun von Carlisle. Er war jetzt ganz bei der Sache, als würde er mit Alice reden. Ich sah wieder meinen Bruder an. Angst stand ihm ins Gesicht geschrieben.

„Er wird heute Nacht nach La Push ins Quileute-Reservat gehen und einen Bewohner dort töten. Vielleicht auch mehrere. Ich weiß es nicht."

„Wow, die zwei haben echt mehr drauf als du, kleine Schwester.", kam es von Emmett.

Alice sah ihn mit einem Blick an, als wollte sie ihn töten. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte ich vielleicht darüber lachen können.

„Was meint unser Muskelprotz damit?", fragte Andy.

Nun konnten wir anderen doch ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken, aber das verschwand gleich wieder.

Emmett sagte daraufhin leicht pikiert: „Was? Wie hast du mich genannt?"

Man sah ihm an, dass er es Andy aber nicht übel nahm. Emmett sah so aus, als wollte er noch mehr sagen, aber Alice hob eine Hand, bedeutete ihm zu schweigen und sagte, ohne den Blick von Andy abzuwenden: „Klappe!" Emmett verstummte.

„Weißt du, ich kann die Werwölfe und deren Gebiet nicht sehen. Es ist als wäre ich blind."

„Aha.", sagten Andy und ich langsam.

„Wir müssen sie warnen.", sprach Andy. „Wir müssen sofort nach La Push." Carlisle nickte.

Die anderen sahen besorgt und irgendwie etwas widerwillig aus. Wahrscheinlich widerstrebte es ihnen etwas ihren natürlichen Feinden zu helfen. Aber darüber konnten sie sich schließlich immer noch ärgern. Es ging hier schließlich um Menschenleben. Ganz egal, auf wessen Territorium gemordet wird.

„Ich fahre euch hin.", meldete sich Edward und seine Stimme klang entschlossen.

Carlisle und Esme sahen ihn dankbar an, er nickte ihnen zu. Er ging hinaus aus dem Haus und wir zwei folgten ihm. Es war zwar dunkel, trotzdem konnten wir erkennen, dass Edward uns zur Garage führte. Er machte vor seinem Wagen halt. Ein silberfarbener Volvo. Typisch.

„Steigt ein.", sagte Edward ruhig.

Ich wollte nicht neben ihm sitzen. Dazu fühlte ich mich nicht stark genug. Die Erinnerung mit der Musik hat mich all meine Kräfte gekostet. Andy spürte mein Unwohlsein, sah mich an und nickte. Er stieg zur Beifahrerseite ein, ich hinten.

„Schnallt euch lieber an.", riet er, „Die Fahrt könnte etwas holprig werden."

Natürlich, und wie holprig sie wird, dachte ich. Wir taten das, was uns gesagt wurde und Edward startete den Motor. Er ließ ihn kurz aufheulen und schoss in rasender Geschwindigkeit aus der Garage. Im Auto merkte man davon glücklicherweise nichts. Man fühlte sich sicher. Während der Fahrt sprach niemand ein Wort. Auch Andy beschwerte sich nicht über die Geschwindigkeit. Nach ein paar Minuten hielten wir an.

„Was ist los?", fragte Andy Edward. „Wir müssen weiter.", sagte er eindringlich.

„Ich kann nicht weiter fahren. Hier ist die Grenze. Wenn ich sie übertreten würde, wäre das gegen den Vertrag.", antwortete er.

„Ach ja. Das habe ich vergessen.", stöhnte Andy.

„Aber was machen wir denn jetzt?", fragte ich.

Edward sah mich durch den Rückspiegel an. „Jemand kommt gleich hierher. Alice muss mit jemanden Kontakt aufgenommen haben."

Andy und ich seufzten erleichtert. Ach, auf Alice konnte man sich immer verlassen. Egal in welcher Welt. Wir sahen dann nach kurzer Zeit das Licht von Scheinwerfern und dann ein Auto, das vor uns anhielt. Natürlich mit einem entsprechenden Abstand voneinander. Andy seufzte. Er wusste, wer dort kam.

„Soll ich nicht lieber noch hier bleiben?", fragte Edward besorgt. „Werwölfe sind gefährlich."

Andy sah Edward an und ich sah ihn lächeln. „Keine Sorge, fahr' ruhig. Ich weiß, dass uns nichts passieren wird."

Er schaute Edward mit einem Blick an, der überzeugen sollte. Edward zögerte kurz, sagte dann aber: „Na gut. Wenn irgendetwas ist, ruft an." Seine Stimme klang missbilligend und widerstrebend.

Er reichte Andy ein Handy, der es in die Hosentasche steckte. „Danke fürs Herfahren." Andy öffnete die Beifahrertür und stieg aus.

„Ich danke dir ebenfalls.", sagte ich ernsthaft und verließ ebenso das Auto.

Andy und ich gingen ein paar Schritte, dann hörten wir Reifenquietschen. Wir drehten uns um und sahen den Volvo, wie er blitzschnell davon fuhr. Wir drehten uns wieder zum Auto um, aus dem nun Jacob ausstieg. Er sah verwundert aus.

„Was macht ihr hier?", fragte er eine Spur leicht gereizt.

Alice hatte ihn wohl nur hierher bestellt, aber nicht den Grund für das Treffen verraten. Wir schritten auf Jacob zu.

„Hör' mir jetzt gut zu.", sagte ich. Ich merkte, wie meine Stimme scharf wurde. „Wir haben übernatürliche Fähigkeiten.", sagte ich kurz. „Und wir haben gesehen, wie ein Vampir heute Nacht nach La Push kommen und Menschen töten wird. Wir sind hergekommen, um euch zu warnen."

Jacobs Miene verfinsterte sich und seine Augen waren vor Überraschung weit geöffnet. Dann kniff er sie wieder zusammen.

„Das ist kein Witz, oder?", brachte er zischend hervor. Wir schüttelten den Kopf.

„Sehen wir so aus, als würden wir Scherze machen?", fragte Andy sarkastisch.

Dann trat ein vorsichtiger, fragender Ausdruck auf Jacobs Gesicht.

„Ja, wir wissen alles. Wir wissen, dass es Vampire gibt und die Cullens gibt. Wir wissen von dem Vertrag zwischen euch und ihnen. Und wir wissen, dass ihr euch in Werwölfe verwandeln könnt und du einer des Rudels in La Push bist.", sagte ich etwas genervt.

Jacob war verblüfft, aber auch wütend. „Wer hat euch davon erzählt?"

Seine Hände begannen zu zittern und seine Wut steigerte sich. Andy und ich sahen uns an, dann nickte er mir zu.

„Also, um ehrlich zu sein…du.", sagte ich.

Augenblicklich hörte das Zittern auf. Seine Augen wurden so groß, dass man dachte, sie würden ihm gleich heraus fallen.

„Nein, das habe ich nicht. Nicht dir und auch nicht deinem Bruder. Ganz sicher." Er sah sehr verwirrt aus. Ich holte tief Luft. „Jacob.", sagte ich, „Höre mir jetzt genau zu und unterbrich mich nicht!"

Jacob sah mich an, dann nickte er langsam. „Das hört sich jetzt verrückt an, aber es ist die Wahrheit. Du weißt, dass ich 11 Jahre spurlos verschwunden bin."

Wieder nickte er, gespannt was ich ihm jetzt erzählen würde.

„Ich war die letzten 11 Jahre in einer Parallelwelt."

Jacobs Augen weiteten sich, er runzelte die Stirn, öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Ich hob die Hand.

„Keine Unterbrechungen!", sagte ich noch einmal. „Es ist genauso eine Welt wie diese, in der es dieselben Personen gibt. Aber trotzdem unterscheiden sie sich sehr stark voneinander. Weißt du noch, als wir bei euch waren und ich Rebecca fragte, wo ihr Mann sei?"

Jacob starrte mich geschockt an, nickte nur. „Das habe ich gefragt, weil Rebecca in der anderen Welt verheiratet ist. Sie lebt jetzt auf Hawaii. Oder ein anderes Beispiel: In dieser Welt ist Billy gestorben, in der anderen Welt Sarah."

„WAS?", brüllte Jacob mit wütender und schmerzerfüllter Stimme. „Meine Mutter ist tot?", fragte er ungläubig.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nicht deine Mutter. Die Mutter des anderen Jacobs in der anderen Welt. Dieser Jacob hat mir auch die Legenden von eurem Stamm und auch von dem Vertag erzählt. Aber dieser Jacob glaubt nicht an diese Geschichten. Bei ihm hat höchstwahrscheinlich noch keine Verwandlung zum Werwolf stattgefunden."

Eine Weile war es still, bis auf das Brummen des Motors. Jacobs geschockter Blick wich einem nachdenklichen. Keiner sagte etwas.

„Also, nur damit ich das auch wirklich kapiere. Du sagst, es gibt eine zweite Welt, in der Doppelgänger leben, die genau aussehen wie wir alle. Und mein Doppelgänger hat dir unser Geheimnis verraten, weil er es für Schwachsinn hielt.", sagte Jacob langsam.

„Genau.", sagte Andy.

„Du warst doch bestimmt vorher auch so, oder nicht?"

Jacob runzelte die Stirn und antwortete widerstrebend: „Ja, das stimmt."

„Moment mal.", sagte ich dann, „Wenn es Billy hier seit 6 Jahren nicht mehr gibt, wer hat dir dann die Geschichten erzählt?"

Jacob zuckte bei meinem Worten zusammen.

„Entschuldige.", sagte ich beschämt.

„Schon o.k.", widersprach er mir, ohne Wut in der Stimme. „Billy hat mir immer schon die Legenden erzählt. Nach seinem Tod hat das Old Quil immer gemacht."

„Old Quil?", fragte Andy.

„Ja, er ist der Großvater von einem meiner Freunde."

„Quil Atera.", erwiderten Andy und ich darauf trocken. Logisch, wer sonst. Dann sah Jacobs Miene wieder ernst und nachdenklich aus.

„Auch wenn ich mich selber für verrückt halten werde. Ich glaube euch. Auch wenn es völlig verrückt klingt, kann es nur die Erklärung sein. Schließlich warst du, Bella, 11 Jahre lang verschollen. Und du, Andy, hast erst seit über einem Jahr angefangen, mit unserer Familie Zeit zu verbringen."

Jacob schüttelte den Kopf. „Dann sah er uns wieder an und seine Stimme klang geschäftsmäßig. „Also. Ihr habt also vorhergesehen…", er verzog etwas das Gesicht, „…das ein Blutsauger in unserer Territorium kommt. Ich werde eure Warnung ernst nehmen und erst mal die anderen zusammen rufen.

„Danke.", sagte Andy und lächelte. Jacob grinste ihn an.

„Endlich ist hier mal wieder was los", sagte er und klang richtig euphorisch.

„Warte mal. Kannst du uns nicht nach La Push mitnehmen?", bat ich.

„Klar.", sagte Jacob prompt. „Das hätte ich sowieso gemacht. Da seid ihr im Moment am sichersten. Steigt erst mal ein."

Wir gingen gerade alle ein paar Schritte zum Wagen, als uns Jacobs laute Worte „Mist! Er kommt!" alarmierten.

„Steigt ins Auto und fahrt sofort nach La Push!", brüllte er uns entgegen.

Wir stiegen ins Auto, aber fuhren nicht los.