A/N: Gut angekommen? Das letzte Kapitel. Danke noch mal allen Lesern und Reviewern!
20. Von Mischfarben – Part Two
Draco befand sich noch immer in seiner Pattsituation. Sollte er ihr nachlaufen? Oder sollte er auch einfach gehen? Ihr schien schließlich nichts an seiner Gesellschaft zu liegen.
Er verstrickte sich grade immer weiter in ein Wirrwarr aus Pro- und Contraargumenten, da wurde sein Dilemma glücklicherweise von Hermiones Stimme beendet. Sie war offensichtlich von alleine umgedreht.
"Du schuldest mir noch was", sagte sie herausfordernd und funkelte ihn an, doch Draco konnte sehen, dass sich ein zartes Rot über ihre Wangen zog. "Dachtest du, ich lasse meine versprochene Flugstunde einfach so wegfallen? Falsch gedacht! Wenn du nichts wichtiges mehr vorhast, gehen wir jetzt sofort in den Raum der Wünsche!"
"Da kann sich wohl jemand nicht von mir trennen."
Draco hatte sein überhebliches Ich zurück.
Hermione lächelte ihn zufrieden an. "Du bist wieder normal!"
Draco ging nicht darauf ein. Doch er fragte sich auch, wie er sich noch vor zwei Sekunden wie ein sensibler, verständnisvoller, einfühlsamer und am Schlimmsten lieber Junge hatte aufführen können. Er bereute es nicht wirklich, aber er war von sich selbst überrascht.
"Hast du deinen Besen dabei?", fragte er.
"Dumme Frage!" Hermione zog die Augenbrauen hoch.
"Das sieht bei dir aus, als hättest du schlimme Bauchkrämpfe", kommentierte Draco. "Mein Besen ist im Besenschrank drei Korridore weiter. Wir können den beide benutzen."
Dann machte er sich auf den Weg, Hermione auf den Fersen.
Die beiden schwiegen sich an, während sie liefen. Die Atmosphäre war nicht unbedingt unbehaglich, nur äußerst ungewohnt. Sie erreichten unbehelligt den Besenschrank und gingen dann sofort zum Raum der Wünsche.
Bevor sie anfingen, vor dem Raum hin und her zu laufen, hielt Hermione Draco erneut an seinem Hemdsaum an.
Er drehte sich um und sie sah ihn einen Moment schweigend an und sagte dann leise, sich offensichtlich überwindend: "Danke."
Draco war erst einmal in seinem Leben ernstlich errötet und die beiden einzigen Zeugen dieses Ereignisses hatten keine Möglichkeit mehr, jemals jemandem davon zu erzählen. Der eine saß lebenslang in Askaban, der andere war verstorben. Lucius Malfoy hatte sich damals zusammen mit Lord Voldemort Babyfotos von ihm angesehen, während er den beiden mit einer Windel bekleidet Getränke servieren musste. Lord Voldemort hatte eine sehr seltsame Art von Humor.
Jedenfalls merkte Draco, wie er unter Hermiones ernsthaftem Blick bis zur Haarwurzel errötete.
Er wandte sich so schnell er konnte zur Seite und ging zusammen mit Hermione die drei Bahnen vor der versteckten Tür ab.
Zu seinem Ärger gingen ihm jetzt ihre Augen nicht mehr aus dem Kopf. Immer noch leicht gerötet und so verdammt ehrlich. Und sobald er an ihre Augen dachte, schweiften seine Gedanken auch schnell zu anderen Körperteilen ab und-
"Es reicht", meinte Hermione, als Draco Anstalten machte, noch ein viertes Mal durch den Gang zu laufen. "Du wirkst irgendwie unkonzentriert. Ich möchte auf keinen Fall wegen dir vom Besen fallen!"
"Keine Panik," antwortete Draco selbstsicher und schalt sich innerlich selbst, "ich würde selbst schlafend die Kontrolle über meinen Besen nicht verlieren."
Hermione ließ sich nicht zu einer Antwort hinab, sondern drückte die Klinke der Tür herunter.
Draco erschrak ziemlich, als sie urplötzlich in lautes Lachen ausbrach.
Er verstand sie wirklich nicht. In einem Moment hatte sie haltlose Heulkrämpfe, dann wurde sie wütend und bekam schließlich lächerliche Lachanfälle.
"Vergnügt sich Longbottom da drin etwa mit einer Venemosa Tentakula?", fragte er und schob das sich schüttelnde Mädchen zur Seite, um in den Raum zu gucken.
Was er sah, war tatsächlich irgendwie komisch, auch wenn ihm nicht im Geringsten nach Lachen zu Mute war.
Der Raum hatte sich ganz besonders ins Zeug gelegt. Da hätten wir auf der einen Seite den schon bekannten sattgrünen Rasen, die Quidditchausrüstung, die Torpfosten und die scheinbar verschwundene Decke, die einem strahlenden Himmel Platz gemacht hatte.
Was aber ganz und gar nicht normal war, war die andere Seite. Links der Tür befand sich ein schwach ausgeleuchteter, gemütlicher Raum. In Schokotönen gestrichen, mit hoher Decke, reichen Stukkaturen und einem dicken, flauschigen Teppich auf dem Boden. Eine Wand wurde von einem riesigen Kamin eingenommen, doch der Raum wurde eindeutig von einem gigantischen Bett dominiert, das in der Mitte des Raumes stand.
Es sah tatsächlich lächerlich aus. Wie ein merkwürdiges Filmsetting. Halb und Halb.
Hermione drängte Draco immer noch lachend in den Raum der Wünsche, schloss die Tür hinter sich und sah sich um.
"Da konnte sich wohl jemand nicht entscheiden", stellte sie fest und sah Draco breit grinsend an. Der war zum zweiten Mal in nur fünf Minuten sehr rot geworden. "Ich weiß noch genau, was ich mir gewünscht habe", fügte sie herausfordernd hinzu.
Draco wollte grade sagen, er sei eben ziemlich müde, da stellte Hermione sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn kurz auf den Mund.
Dann sah sie ihm immer noch schmunzelnd in die Augen und ihm fiel das schelmische Funkeln in ihrem Blick auf.
Draco Malfoy war schon immer sehr stolz auf seine Reaktionsfähigkeit gewesen. Ohne einen Moment zu zögern, so als hätte er es schon die ganze Zeit vorgehabt, legte er eine Hand in Hermiones Nacken und zog sie erneut zu sich heran.
Es war besser als alles zuvor. Ihre Lippen, ihr Duft, ihre Bewegung und ihr zierlicher, kleiner Körper, der sich an ihn schmiegte, ergaben zusammen eine solche Reizüberflutung, dass ihm beinahe seine Knie weich geworden wären.
Bevor er zusammenklappte zog Hermione sich allerdings zurück und sah ihn leicht skeptisch an.
"Ich frage mich: Warum braune Wände? Ich hätte grüne erwartet."
"Komische Frage", stellte Draco fest, überlegte jedoch ernsthaft. Er hatte sich die Einrichtung nicht bildlich ausgedacht. Es musste irgendeinen unterbewussten Auslöser geben. Dann fiel es ihm ein. Es war im Grunde sehr logisch.
"Hast du jemals Rot und Grün gemischt?"
Hermione nickte lächelnd.
"Das ergibt Braun und ist ziemlich schwer wieder zu trennen."
Erleichtert dachte Hermione, dass die Zeit der rotgrünen Streifen wohl endlich vorbei wäre, doch dann dachte sie nichts mehr, denn sie spürte Dracos fordernde Lippen.
Einen Moment später löste sich Draco jedoch wieder von ihr. Sie grummelte leicht genervt.
Daraufhin grinste er nur. "Wenn wir jetzt schon bei komischen Fragen sind, habe ich auch noch eine."
"Dann beeil dich damit."
"Warum wolltest du eigentlich Fliegen lernen, obwohl du offensichtlich der untalentierteste Mensch bist, den diese Welt zu bieten hat?"
Hermione versuchte ihm einen Schlag zu verpassen. "So schlecht bin ich sicher nicht!"
"Oh, doch!", widersprach Draco und lachte, als sie sich mit einem empörten Ausruf auf ihn stürzte. Die beiden gingen zu Boden und Hermione setzte sich auf ihn.
"Es ist merkwürdig," meinte Hermione, die über Draco kniete und sich neben seinem Kopf abstützte, "an meinen Füßen spüre ich Rasen und an meinen Händen Teppich."
Draco sah zu ihr hinauf. "Nicht das Thema wechseln!"
Hermione grinste und sagte dann: "Es war wegen einer Wette."
"Du wettest? Ich dachte nicht, dass das ist mit deinen Moralvorstellungen vereinbar ist."
Hermione strafte ihn mit einem herablassenden Blick und konterte: "Du bist auch nicht mit meinen Moralvorstellungen vereinbar." Doch dann erzählte sie ihm etwas ausführlicher von dem verhängnisvollen Hogsmeadwochenende.
"Nicht nur Wetten! Auch noch Alkohol! Wenn das die McGonagall wüsste!", rief Draco äußerst erheitert.
Hermione fand das nicht sonderlich lustig.
Draco hörte auf zu lachen, doch ein hinterhältiges Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. "Aus dieser Perspektive habe ich eine sehr interessante Möglichkeit, dich etwas tiefer kennenzulernen", verkündete er mit einem vielsagenden Blick in ihr Dekolleté.
Während sie ihn leicht amüsiert ansah, rollte er sie scheinbar mühelos von sich herunter und platzierte sich selbst über ihr. "So ist es besser."
Hermione hatte nicht wirklich etwas dagegen. Die nächste Minute verbrachten sie in einträchtigem Schweigen, jeweils mit dem tieferen Kennenlernen des anderen beschäftigt.
Hermione dachte grade, schöner konnte es selbst bei den Waldelfen nicht sein, da unterbrach Draco erneut seine Tätigkeiten und fragte etwas atemlos: "Worum habt ihr gewettet?"
Hermione stöhnte genervt. "Sonst noch was?"
Draco grinste schief. "Du kannst wohl nicht genug von mir bekommen."
"Nein!", antwortete Hermione nachdrücklich.
"Schön zu hören. Sag es mir trotzdem!"
Sie seufzte resigniert. "Ich muss für alle drei einen Tag persönliche Sklavin spielen."
Draco sah sie alarmiert an. "Auch für Wieselking?"
"Natürlich auch für Ron. Und nenn ihn nicht so!"
Hermione bemerkte verwirrt, dass Draco aufsprang.
"Was ist jetzt los?"
"Training!", verkündete er knapp. "Steh auf!"
"Wie bitte?", fragte sie verständnislos und rappelte sich auf. Eben hatten sie noch im Gras/auf dem Teppich gelegen und jetzt sollten sie trainieren?
"Nie im Leben überlasse ich dich ihm! Nicht einmal für einen Tag! Solche Leute wie er nutzen jede Chance!", erklärte Draco wütend. "Ich werde dich in diesem Jahr zur besten Fliegerin machen, die Hogwarts je besucht hat!"
Hermione beobachtete zwischen Verärgerung und Amüsement schwankend, wie Draco empört vor sich hin murmelnd seinen Besen holte.
"Hermione als deine Sklavin...Das könnte dir so passen, elendes Wiesel. Nein, das wird nicht passieren, solange ich lebe."
"Du meinst das ernst oder?", fragte Hermione, als Draco sich ausgerüstet vor ihr aufbaute.
"Natürlich!"
Hermione lachte. "Wie besitzergreifend Mr Malfoy."
Er antwortete nicht, sondern hielt ihr mit verbissenem und sturem Blick seinen Besen hin.
Hermione merkte, dass es sie nicht störte, dass er sich aufführte wie ein kleines Kind. Sie würde mit Sicherheit von dem Training profitieren.
Ob nun in der Luft, auf dem Rasen oder auf dem Teppich.
Das nächste Schuljahr würde auf jeden Fall spannend werden.
Wer oder was wird wohl am Besten?, fragte sich Hermione lächelnd. Meine Rache an Blaise, meine Zeit mit Draco oder Harry, Ginny und Rons verdutzte Gesichter, wenn ich ihnen davonfliege?
Dann nahm sie Dracos Besen.
ooOOoo
A/N: Bis nächste Woche! Mich interessiert eure Meinung!
