21. Eine Party und ein Date

"Oh Lils, rate, was Sirius mir gerade vorgeschlagen hat!" Die übermütige, freudige Stimme ihrer besten Freundin ließ Lily misstrauisch von ihren Hausaufgaben für Zauberkunst aufsehen. Marys Tonfall in Zusammenhang mit Sirius Namen verhieß gar nichts Gutes.

„Sirius?", fragte Lily argwöhnisch und betonte den Namen dabei unnatürlich. „Seit wann sollte Black mir denn bitte unter dem Namen Sirius bekannt sein? "

Mary verdrehte theatralisch die Augen.

„Schon lange, Lily. Merlin, tief in dir drin weißt du doch ganz genau, dass die Rumtreiber total nett sind. Wirklich. Na, wie auch immer." Das Strahlen kehrte in ihre Augen zurück. „Wir legen unsere Geburtstage zusammen und feiern gemeinsam. Ist das nicht cool?"

Lily starrte sie an.

„Was hat er dir gegeben?", knurrte sie dann. „Ich bringe diesen blöden Idioten um."

Mary kicherte wie eine Dreizehnjährige.
"Er hat mir nichts gegeben, Lily. Aber das wird einfach super. Er hat am Sonntag dieser Woche Geburtstag, drei Tage nach mir. Er will am Samstag reinfeiern und früher kann ich sowieso keine Party schmeißen. Und wenn die Rumtreiber bei der Organisation helfen, kann es nur super werden."

Der Enthusiasmus in Marys Stimme schien unzerstörbar und Lily setzte ein gezwungenes Lächeln auf.

"Oh, ehm, du freust dich sicher.", meinte Lily und wandte sich wieder ihrem Aufsatz zu, nicht ohne das Seufzen ihrer Freundin zu vernehmen.

„Oh Lily, ich weiß ja, dass du die Rumtreiber nicht sonderlich gut leiden kannst, aber sieh es mal so: Das wird eine super Party. Wäre es möglich, dass du keinen Aufstand machst? Für mich?"

Ihre Hundeaugen bettelten so überzeugend, dass Lily kaum eine Chance hatte, „Nein" zu sagen.

Sie verdrehte die Augen und nickte.
"Aber ich werde keine Zeit mit Potter und seinem siamesischen Zwilling verbringen, klar?" Lilys Stimme nahm bei dem Gedanken sofort eine Abwehrhaltung ein.

„Natürlich nicht.", versicherte Mary, dann quietschte sie ein „Das wird einfach klasse." und mit einem verträumten Strahlen verschwand sie in ihrem Schlafsaal, wo sie höchstwahrscheinlich die nächsten Stunden damit zubringen würde, die Mary- Sirius – Party zu planen.

Mit einem Kopfschütteln wandte Lily sich endgültig wieder ihren Hausaufgaben zu. Lust hatte sie keine.

Genau drei Wochen nach Halloween, am 20. November 1974, sollte die Party schließlich steigen.

Mary war schon seit dem Morgen verschwunden, um irgendwas vorzubereiten, aber Lily kroch erst am frühen Mittag aus dem Bett, nachdem sie einmal herzhaft gegähnt und sich ausgiebig gestreckt hatte.

Den ganzen Tag über bekam sie ihre Freundin nicht mehr zu Gesicht. Alice und Lily machten es sich im Gemeinschaftsraum in ihren Lieblingssesseln vor dem Kamin gemütlich und unterhielten sich.

Gerade sprach Alice von Frank.

„Weißt du Lily ... ich glaube, ich mag ihn wirklich.", sagte sie leise und ihre Wangen färbten sich rot. Lily grinste sie ihn.

„Natürlich magst du ihn.", sagte sie lachend. „Genauso, wie er dich mag."

Alice lachte leise.

„Gestern hat er mich um ein Date gebeten.", flüsterte sie leise.

„Was?", kreischte Lily und umarmte ihre Freundin. „Und das erzählst du erst jetzt? Das ist ja super!"

Alice lächelte. Sie sah immer noch verlegen aus, aber die Freude in ihrem Blick war nicht zu übersehen.

„Na ja, ich dachte, ich überrasche euch damit.", gab sie zu und grinste frech. Lily lächelte verschmitzt zurück.

„Na, die Überraschung ist dir gelungen.", lachte Lily, dann sah sie ihre Freundin an, die vor Glück nur so strahlte. „Nun erzähl schon.", sagte sie und zwinkerte ihr verschwörerisch zu.

Lily war erst zufrieden, als Alice ihr alles genauestens erzählt hatte, aber Alice schien eher stolz, als genervt.
"Du, Lily?", fragte sie und sah sie bittend an. „Hilfst du mir, wenn ich entscheide, was ich anziehen will?"

Lily lachte und nickte grinsend.

„Ihr Stylingberater, stets zur Seite.", kapitulierte sie und Alice schüttelte nur grinsend den Kopf.

„Seid ihr bereit, Mädels? Iiit´s Partytime!" Mary tänzelte um ihre Freundinnen herum und summte ein Zaubererlied vor sich hin.

„Oh Merlin, diese gute Laune ist wirklich nicht zu ertragen", murmelte Lily Alice zu, die zustimmend nickte.

Mary bekam davon gar nichts mit.
"Na los, wir wollen doch zu meiner eigenen Party nicht zu spät kommen!", trieb sie ihre leicht genervten Freundinnen an.

„Ja, wir sind ja schon auf dem Weg.", meinte Lily beruhigend und trat mit einem belustigten Kopfschütteln hinter der aufgekratzten Mary aus dem Schlafsaal.

Ein paar Minuten später betraten die drei Mädchen den Gang, in dem Lily sofort die Statue von Barnabas, dem Bekloppten ins Auge sprang, die seinen vergeblichen Versuch zeigte, Trollen Ballett beizubringen.

Lily, Mary und Alice waren wohl einige der wenigen, die wussten, dass die Party im Raum der Wünsche stattfinden würde. Für alle anderen war es einfach ein gut dekorierter, bisher unentdeckter Raum.

Als Mary die Tür öffnete, schlug ihnen bereits der Lärm einer Party entgegen. Laute Musik tönte aus den magischen Lautsprechern an der Wand und gut dreißig Schüler tummelten sich in dem Raum. Dazu kamen die Rumtreiber, von denen das werdende Geburtstagskind gerade sehr eng mit einer Viertklässlerin tanzte. Remus und James standen lässig in einer Ecke und unterhielten sich bei einem Butterbier. Von Peter war nichts zu sehen.

„Merlin, Black kann es einfach nicht lassen.", sagte Lily die Augen verdrehend.

Mary überhörte Lilys Kommentar und stürzte sich stattdessen ins Partygetümmel. Überall wurde ihr kurz gratuliert, wenn sie auf jemanden traf und als sie nach einer halben Stunde schließlich wieder bei Lily und Alice auftauchte, die sich ein Butterbier geschnappt und es sich in einer der Sitzgruppen gemütlich gemacht hatten, war sie bepackt mit kleinen Päckchen und Geschenken und strahlte mit dem glänzenden Papier um die Wette.

„Schaut mal.", rief sie und zeigte beigeistert auf all die kleinen Schätze. „Ist das nicht super? Alles Geschenke." Sie juchzte leise, lud die Päckchen auf einen kleinen Tisch und fragte mit einem frechen Zwinkern:
"Und was ist? Schwingen wir uns auf die Tanzfläche?" Sie sah ihre Freundinnen herausfordernd an, die sich nicht zweimal bitten ließen. Zwei Minuten später hopsten die drei wild auf der Tanzfläche herum, schüttelten ihre Köpfe im Takt der Musik und lachten so befreit wie lange nicht mehr.

Nachdenklich betrachtete Remus seinen Freund, dessen Blick auf Lily lag. Er war sich oft nicht sicher, wie ernst James Gefühle für Lily waren und manchmal verstand er sie vollkommen, wenn sie glaubte, bloß seine Sammlung vervollständigen zu sollen.

Aber in Momenten wie diesen meinte er zu sehen, dass James verliebt war. Ernsthaft verliebt.

Da lag etwas in seinem Blick, als seine Augen auf Lily ruhten, das ihm sagte, dass sie für James mehr war, als bloß eine kleine Schwärmerei oder der verletzte Stolz.

Er schien wie immer, wenn er sie länger ansah, ein wenig Sehnsucht zu versprühen, aber gleichzeitig wich das kleine, sanfte Lächeln nicht von seinen Lippen, als er sie so ausgelassen sah.

„James?" Behutsam sprach Remus ihn an und holte ihn somit aus seinen Gedanken. Aber sein Blick ruhte weiterhin auf ihr, als er leise sagte:
"Es ist hoffnungslos, habe ich Recht?"
Zu gerne hätte Remus Nein gesagt, aber er schwieg. James verstand die unausgesprochene Antwort auch so.