Das ist kein Job, das ist Masochismus…

Hermine befand sich auf dem Weg zum Büro des Direktors, Albus Dumbledore. Dort wird sie sich mit Minerva McGonnagal und dem Leiter der Rebellion treffen. Noch am gestrigen Abend, nach dem erneuten Streit mit Julian, bat sie um dieses Treffen um die letzten Tage Revue passieren zu lassen und zukünftige Dinge zu besprechen.

„Hallo Professor, hallo Professor, danke das sie Zeit haben, mich anzuhören.", begrüßte Hermine jeden der beiden alten Zauberer mit einem Kopfnicken.

„Guten Tag Hermine. Was können wir denn für dich tun?", antwortete Dumbledore mit seinem berühmtem Blick.

„Als erstes möchte ich sie auf einige Regelverstöße der beiden mir Anvertrauten aufmerksam machen. Anfangen möchte ich hierbei, das sie in der Nacht von Sonntag auf Montag nicht in ihren Häusern geschlafen haben. Das zweite ist der illegale Besitz von schwarzmagischen Büchern. Das nächste ist der illegale Legilimenzgebrauch. Julian Heinrich hat sowohl Christian, Daphne und Harry mit seinen Gedanken attackiert um mit ihnen zu sprechen, als auch mich. Des Weiteren hat er Harrys Gedanken ausgelesen und weiß über alles Bescheid.", erklärte Hermine.

„Hab ich das richtig verstanden, du willst mir sagen das die beiden Harrys Gedanken kennen. Meinst du damit das sie über Toms Horkruxe Bescheid wissen könnten?", erkundigte sich Dumbledore genauer.

„Ja, ich glaube schon.", gab Hermine zurück.

„Danke, das werde ich dann mit dem jungen Herrn Heinrich besprechen müssen. Was gedenkst du zu machen, bezüglich der anderen Verstöße?"

„Aber Professor Dumbledore, Legilimenzangriffe sind eine Art der Vergewaltigung. Dafür müssen sie laut unserem Regelwerk rausgeworfen werden. Außerdem haben sie Harry obliviert, denn er sagte mir, dass er keine dieser Dinge mit ihnen geteilt hat. Und Christian Rauch hat gestern in der Unterrichtsstunde mit Moody alle drei Unverzeilichen gewirkt.", erklärte Hermine weiter. Anders als ihre drastischen Worte schien sie zutiefst traurig und gespalten zu sein.

„Albus, wir müssen sofort einschreiten. Innerhalb von einer Woche haben die beiden alle Grenzen überschritten die wir je hatten.", gab McGonnagal zu bedenken, die die Aufnahmeentscheidung zu bedauern schien.

„Aber, aber, meine Damen. Mad-Eye bat Christian darum die Zauber zu wirken. Außerdem hat er den jungen Herrn Heinrich am Dienstag mit dem Imperiusfluch angegriffen und Fleur fast getroffen. Soll ich deswegen Mad-Eye rauswerfen?", startete Dumbledore, als er die Damen gegenüber anstarrte und in ihren Blicken einen leichten Hauch von entsetzen sehen konnte, „Wie kommt es, Ms. Granger, das sie am Dienstag als einzige für den kämpfenden, verletzten Julian einspringen, der Sie zuvor noch gerettet hat, und am heutigen Donnerstag seine Verbannung fordern?"

Etwas erschrocken, das der alte Mann so ihre Integrität indirekte attackierte, fasste sich Hermine kurz und antwortete mit einem hörbar lautem Ausatmen der Luft:

„Sehen Sie, die beiden tun uns hier in Hogwarts einfach nicht gut. Sie gehören hier nicht hin. Sie sind Mörder, sie haben Menschen getötet."

„Ich sehe nicht, Ms. Granger. Ich habe meine eigene Schwester getötet, jedenfalls möglicherweise. Gehöre ich deshalb nicht hier her?", startete Dumbledore, dessen glitzern der Augen, durch eine Träne ganz anders als zuvor aussah, „und jetzt sagen Sie mir warum sie sich gestritten haben. Ich sehe es Ihnen an, das Sie selbst nicht wollen, das die beiden Hogwarts verlassen sollen."

„Es tut mir leid, Professor, ich wollte sie nicht…", wimmerte Hermine entschuldigend, die erst einmal den Schock der Information Dumbledores verdauen musste.

„Schon gut, mein Kind. Jetzt beantworte bitte meine Frage."

„Die Frage ist eher wann wir uns einmal nicht streiten. Christian und ich verstehen uns einfach nicht. Er geht mir aus dem Weg und formuliert passiv aggressive Kommentare gegenüber mir, wenn er kann. Ansonsten ist er keineswegs offen. Er redet eigentlich nur mit Julian und ihrem Muggelfreund Hammad. Julian ist offener mir gegenüber, scheut aber auch keine Diskussion. Selbst wenn wir uns, wie seit Dienstag-Abend, eigentlich schon seit dem Tag meines großen Fehlers den Beiden gegenüber, eine ganze Zeit lang gut verstehen, löst ein kleines Wort wieder einen richtigen Hass gegenüber dem anderen aus. Wir haben uns 2 ganze Stunden an seinem Krankenbett, sogar noch unser Abendessen vorher, über magische Geschöpfe unterhalten, auch etwas über seine Okklumentik Fähigkeiten und seinen Kurs. Ganz am Ende kamen wir auf Umwegen zum Krieg und der persönlichen Hoffnung die wir haben. Er fühlte sich von meinen Gefühlen gegenüber Menschen die Töten angesprochen, irgendwo habe ich ihn auch angesprochen und dann wurde er sauer. Also schickte er mich heraus und wollte keine Entschuldigung akzeptieren."

Hermine stoppte hier um in die Gesichter der beiden älteren Menschen zu schauen und fuhr nachdem keine große Reaktion zu sehen war fort.

„Ich habe Angst. Möglicherweise kann ich ihr Vertrauen irgendwann gewinnen, zumindest Julians. Aber was ist, wenn ich dabei ihnen zu viel vertraue? Was ist wenn ich zu blind bin, um ihre Fehler zu sehen? Was ist wenn ich so werde wie Sie? Vor nicht einmal 2 Wochen konnte ich mir nicht einmal vorstellen, mehr als Schockzauber im Kampf zu benutzen, jetzt wollte ich Julian fragen ob er mich unterrichtet. Und eines muss mir dabei klar sein, Schockzauber sind es nicht die er mich unterrichten wird. Verstehen sie mich nicht falsch, ich möchte keine Unverzeihlichen oder ähnlich schlimme Zauber benutzen, aber härtere als jetzt. Verstehen Sie: Diese Aufgabe birgt eine große Gefahr für mich. Ich riskiere mich selber, alles für was ich stehe, für was ich kämpfte und immer noch kämpfe, doch ich verstehe nicht warum.

Ich habe Amelia mit Scrimgour reden gehört. Sie hat absolut keine Ahnung wie Sie beiden mit Ja stimmen konnten. Ich muss ihr recht geben. Ich glaube es war unverantwortlich. Und solange ich das nicht verstehe, möchte ich nicht mehr mit ihnen arbeiten und mich selbst gefährden."

Hermine redete sich den Frust von der Seele. Die Verwandlungsprofessorin neben dem Schulleiter hörte aufmerksam zu und beobachtete nun Dumbledore genau. Hermine wusste das es nur die Entscheidung des alten Zauberers war und diese nicht in der Hand von der Lehrerin lag. Dumbledore überlegte noch einige Sekunden und fing dann an:

„Hermine, es gibt Dinge ich dir aufgrund eines magischen Eides nicht sagen kann. Es ist auch besser so. Auch Minerva weiß nichts davon. Vertrau mir wenn ich dir sage, dass es von substantieller Bedeutung ist, das du diese Aufgabe erfüllst."

Der Lehrerin neben Hermine entwich ein hörbar lauter „Hughh", als Dumbledore mit ruhiger aber sehr dominanter Autorität die Wichtigkeit ihres Jobs hervorhob.

„Deswegen bist du ohnmächtig geworden. Man hatte dich obliviert und du hast den Jungen wieder erkannt, oder? Du hast den Vergessenszauber gebrochen. War er von Du-Weißt-Schon-Wem? Warum ist der Junge bei uns… wir müssen reden Albus…", fing McGonnagal an, die Dumbledore barsch mit seiner Hand unterbrach und sagte:

„Minerva, nein, ich kann und werde nichts sagen. Unter gar keinen Umständen darf etwas dieses Gesprächs diesen Raum hier verlassen. Und nein Minerva, ich wurde nicht von Tom obliviert."

Hermine wusste das sie sich selbst nicht davor bewahren musste, den beiden Proleten irgendetwas zu sagen. Problematischer ist eher, dass sie nicht selbst anfängt zu recherchieren. Ihr wurde hier gerade ein Rätsel angekündigt. Und doch darf sie es nicht lösen.

Streng genommen habe ich es nicht verboten bekommen…

„Professor, wie soll ich jetzt weiter mit ihnen umgehen?", erkundigte sie sich um die merkwürdige Stille zwischen protziger stellvertretender Schulleiterin und Schulleiter zu brechen.

„Ich schlage vor, sie versuchen sich mit den beiden anzufreunden. Wenn sie sogar schon so weit waren mit Julian trainieren zu wollen, dann können die beiden doch nicht so schlecht sein. Ich kenne den Mann, kannte den Mann… der die beiden aufgezogen hat. Ich kann mir nicht vorstellen das er ganz versagt haben soll. Trainier mit ihnen, feire mit ihnen. Versuch mehr zu sein als die Aufpasserin die uns sagt das darf man nicht und das darf man nicht. Sei eine Freundin.", erklärte sich der alte Mann ruhig. Hermine verstand und akzeptierte sofort obwohl eine Stimme in ihrem Hinterkopf laut zu schreien schien:

Du musst nicht immer das machen, was sie dir sagen Hermine!

„Hermine, ich habe noch eine Frage an dich. Es geht um Harry.", fragte nach kurzer Stille.

Durch ein nicken mit dem Kopf signalisierte ihre beste Schülerin seit Jahren, das sie bereit war.

„Würde es Harry sehr treffen, wenn die beiden offiziell mit den Externen arbeiten? Nicht als Externe, also sie verlassen das Schloss nicht, aber mit ihnen zusammen. Organisation, Recherche und Planungen. Wir können sie nicht lange im Schulbetrieb lassen. Sie sind unterfordert, nicht interessiert und stören eigentlich nur."

Die Frage war schwer zu beantworten, weil sie nicht genau wusste als was Harry die beiden Jungen sieht. Eigentlich ist Hermine älter als beide, Julian ist sogar jünger als Harry, wenn auch nur wenige Tage. Trotzdem vermutete sie eine Art Vorbildrolle. Harry hat in den letzten Jahren den zweifelhaften Drang entwickelt, in den Krieg eingreifen zu wollen. Die beiden Deutschen sind wahrscheinlich für ihn genau das, was Harry sein will.

„Ich denke nicht das es allzu hart wäre. Nur wenn die beiden, vor allem Julian glaube ich, Harry abstoßen würde, dann würde es sehr hart werden.", antwortete sie ehrlich.

„Vielen Dank Hermine, du darfst jetzt gehen.", sagte Dumbledore, mit einem großväterlichen Lächeln und einem ungewöhnlich großen Strahlen der Augen. Die Beziehung zwischen Harry und Julian die sie beschrieben hatte, schien Dumbledore sehr zu gefallen. Hermine nickte und verließ den Raum.

Leider immer noch etwas verwirrt und unschlüssig verließ Hermine das Büro des Schulleiters und machte sich an diesem Donnerstag-Nachmittag auf in den Krankenflügel zu Julian. Die Korridore dorthin gelten als die Schulkorridore. Da aktuell keine Pause war, wirkte dieser Teil des Schlosses lebendig aber doch ruhig.

An den großen Türen des Krankenflügels angekommen, hörte Hermine dumpfe Stimmen von innerhalb des Raumes.

„Alles verläuft nach Plan. Ich kann und will aber nicht lange den Job in deinem Kurs machen, Julian. Du weißt ganz genau wie sehr ich die Gedankenlehren hasse. Ich hatte einen tollen Lehrer, aber ich hasse es. Also such dir bitte einen Ersatz für mich und am besten noch eine zweite Person die etwas aufpasst. McG hat da so etwas angedeutet. Scheinen wohl viele zu kommen. Der Transfigurations- oder der Zauberkunstklassensaal stehen bereit. Ich muss noch in den Unterricht und schauen was Granger macht. Die hat sich heute noch nicht blicken lassen. Nächste Woche Dienstag oder Mittwoch erwarte ich das Gewitter. Dann ist es soweit, sei fit. Machs gut.", sprach eindeutig Christian.

„Alles klar, bis dann.", antwortete Julian, bevor Hermine die Tür öffnete und rein ging.

Christian erschrak etwas und sah sie unglücklich an:

„Wann und wo soll ich Nachsitzen. Ich weiß, ich habe Zaubertränke geschwänzt."
Etwas verunsichert lächelte sie den Jungen an, der genervt an die Wand blickte. Professor McGonnagal würde sich sicher darum kümmern können…

„Professor McGonngal wird sich heute und morgen deiner Annehmen…", sagte Hermine trocken, bevor sie an das Gespräch mit Dumbledore dachte und ergänzte, „Vergiss es. Ich sag Slughorn das du entschuldigt gefehlt hast. Solange deine Noten nicht drunter leiden."

Christian konnte nur ungläubig drein blicken. Erwartet hatte er vieles, aber keine Freikarte. Komisch verkrampft nickte er ihr steif zu und lief förmlich aus dem Krankenflügel.

Julian sah seinem Freund lächelnd nach, bevor er Hermine ansah und das Lächeln verlor. Anschließend drehte er seinen Kopf weg und sagte heißer aber verständlich:

„Soll ich Madam Pomfrey rufen oder gehst du von selber?"

„Ich gehe sobald wir fertig gesprochen haben. Ich… ich…. Ich wollte mich…", stotterte Hermine als Julian die Hand hob und sie dadurch abrupt abstoppte.

„Wag es nicht fertig zu sprechen. Das du den Nerv hast einen Tag später schon wieder hier zu sein. Nur weil du eine Entschuldigung ausspuckst, weil du Angst um deinen Scheißjob hast, den ich Vollidiot dir auch noch besorgt hab, mach ich nicht so, als wäre nichts gewesen. Wenn die Kacke hier nichts mit deiner Aufgabe als Dumbledores Hampelmann zu tun hat, dann verpiss dich.", zischte sie Julian an.

Hermine spürte wie sich langsam aber sicher die Tränen in ihren Augen sammelten. Sie wollte nicht weinen, eigentlich wollte sie ihn auch nicht mögen, aber es ließ sich nicht aufhalten.

„Hör mir wenigstens zu.", sagte sie entschlossen aber doch ziemlich weinerlich.

Julian sah ihr in die Augen und nickte.

„Julian, es tut mir Leid. Ich hätte das nicht sagen dürfen.", sagte Hermine.

Julian lächelte sie an und sagte dann:

„Lass mich raten. Der alte Dumbledore hatte ein nettes Gespräch mit dir und jetzt kommst du wieder. Meinst du ich bin so blöd und gebe dir noch eine Chance. Deine vierte? Nein danke."

„Es stimmt, ich hatte ein Gespräch mit ihm. Durch ihn habe ich realisiert was für einen Fehler ich gemacht habe."

„Der alte Mann hat dich manipuliert. Das kann er gut, das muss ich zugeben… Siehst du, selbst jetzt wenn ich es erwähne merkst du es nicht. Er ist wirklich gut."

Ungläubig starrte Hermine Julian an. Er schien es ernst zu meinen. Erst wollte sie empört gegen ihn vorgehen, aber nach kurzen überlegen musste sie über sein Statement nachdenken. Es stimmt schon, das sie zu McGonnagal ging um den Job zu schmeißen. Diese hatte sie dann zu Dumbledore geschleift, der sie mit seinen großväterlichen Attitüden und Ratenschlägen umgestimmt hatte. Trotzdem war sich Hermine sicher, dass es ihre eigenen Gedanken waren, die sie sich entschuldigen ließen:
„Es war meine freie Entscheidung mich zu entschuldigen."

„Das habe ich auch nie bezweifelt Hermine.", gab Julian stur und schnell zurück.

„Doch, das hast du. Du sagtest Dumbledore manipuliert mich."

„Tut er auch."

„Also gibst du zu, das du mir unterstellt hast, dass ich diese Entscheidung nicht frei getroffen hab."

„Nein. Du hast die Entscheidung frei getroffen."

„Was meinst du?", fragte Hermine ungeduldig. Sie hasste es wenn Julian nur aus Spaß mit ihr spielte und hoffte das seine Position Substanz hat und nicht nur erfunden ist.

„Dafür das du als die intelligenteste Hexe unserer Generation giltst, bist du ganz schön langsam. Nichts für ungut, aber ich glaube das Christian so wie so besser als du ist. Zumindest praktisch. Theoretisch eher nicht.", fing Julian an.

„Ist jetzt egal Julian. Anders als viele glauben zu wissen, ist es mir nicht wahnsinnig wichtig, die beste in allem zu sein. Es geht mir eher darum, gut zu sein. So gut ich eben sein kann. Das führt dann dazu, das ich besser bin, als die anderen. Aber das ist nie mein Ziel. Kannst du mich mal bitte aufklären was diese ganze Diskussion soll?", gab sie ihm zurück. Es schien sie wirklich nicht wie erwartet zu provozieren, sondern kalt zu lassen.

„Ganz einfach. Es war deine eigene Entscheidung dich zu entschuldigen. Es war aber Dumbledores Entscheidung, dich diese Entscheidung treffen zu lassen. Wenn er gewollt hätte, dass du den Job hinwirfst, dann hätte er anders auf dich eingeredet und du wärst seiner natürlichen Autorität gefolgt. Der Mann manipuliert so, das seine Opfer denken er hat ihnen die freie Wahl gelassen, was er theoretisch auch tut, nur praktisch halt eben nicht, weil sie ihm folgen. So kontrolliert er hier alles. Was dabei sicher hilft ist das er als ein Genie am Zauberstab gilt.", erklärte Julian bevor er lächelnd hinzufügte, „Also dem in seiner Hand, nicht in seiner Hose."

Hermine versuchte kurz ernst zu bleiben, aber Julians Blick lies das nicht zu. Also fing sie an zu lachen. Erst fühlte es sich etwas komisch an, mit Tränen in den Augen zu lachen, doch schnell entspannte sie sich merklich.

Auch Julian schien die Anspannung zu verlieren und zumindest für den Moment zu vergessen das er sauer sein wollte.

„Wobei der in seiner Hose auch gegebenenfalls in seiner Hand sein kann…", murmelte Julian immer noch halb am Lachen.

Hermine die sich gerade etwas beruhigt hatte musste wieder anfangen zu giggeln, wobei sie sich auf das eigentliche Gesprächsthema besann und deswegen fragte:

„Nimmst du meine Entschuldigung an?"

„Warum sollte ich?", fragte Julian, wobei er eine Augenbraue auffordern hochzog.

„Weil du keinen Streit willst?"

„Ich keinen Streit? Versuchs nochmal, ich lebe die Konfrontation."

„Weil du Dumbledore nicht verärgern willst?"

„Ne, das ist mir egal. Der alte Mann brauch mal etwas Gegenwind. Nochmal."

„Weil du nicht Molly Weasley als Aufpasserin willst."

„Gut, das ist ein Argument, aber das reicht mir leider nicht. Die Kuh ist zwar ätzend, aber wäre für unsere zukünftigen Pläne deutlich besser als du."

Etwas enttäuscht lies Hermine den Kopf sinken und drehte sich um. Schweren Schrittes ging sie vom Bett des Verletzten weg, als sie diesen murmeln hörte:

„Weil ich dich mag."

Hastig drehte sich das Mädchen um und schaute Julian an, der lächelte.

„Was hast du gesagt?", fragte sie etwas verdutzt.

„Weil ich dich mag.", gab Julian prompt als Antwort zurück, „Ich habe das damals auf dem Astronomie Turm nicht aus Spaß gesagt."

„Du.. du…magst mich. Heißt das du…", stotterte Hermine, wobei Julian währenddessen laut anfing zu lachen und sagte:
„Nein, nicht das ich mit der ausgehen will. Vielleicht irgendwann, aber nicht jetzt."

„Du magst mich?", fragte Hermine immer noch ganz aufgelöst.

„Deine eigene Intelligenz steht dir wieder im Weg. Ich sagte dir auch schon auf dem Astronomie Turm das ich nicht mit jedem so umgehen würde wie mit dir. Wenn ich mich mit jemandem messen will, dann suche ich mir dafür Leute die ich als würdig erachte. Nicht irgendwen. Wenn Seamus der Idiot zu mir gesagt hätte das ich Abschaum bin, dann hätte ich ihm vielleicht mal gezeigt was der Abschaum alles machen kann, aber wäre nicht sauer gewesen. Das du mich, nach den guten Diskussionen die wir hatten, Abschaum nennst, trifft mich dann. Du musst verstehen das ich es nicht gewohnt bin persönliche Beziehungen zu führen. Ich habe vier Jahre nur mit Christian gesprochen. Diese ganze Emotionen-Ding ist nicht so einfach.", erklärte der junge Mann.

Hermine war sichtlich ergriffen von dem was er sagte.

„Soll ich dich jetzt einen Freund nennen?", fragte Hermine nach kurzer, aber komischerweise angenehmer Stille.

„Du kannst mich auch deinen Liebhaber nennen, solange ich es nicht sein muss."

Die Direktheit in seiner Stimme lies nicht auf einen Witz schließen, was Hermine nicht begeisterte. Fragend blickte ihn die junge Dame an, woraufhin er zurück lächelte und sagte:

„Das war ein Witz. Mich interessiert nicht was andere denken. Das einzige was mir wichtig ist, was du denkst. Du könntest auch öffentlich sagen ich bin ein verdammter ****, solange du es nicht meinst und ich weiß das du es nicht so meinst."

Dies brachte nun auch Hermine das Lächeln zurück.

„Kann ich dich was fragen Julian?", erkundigte sich seine Aufpasserin fast schon schüchtern.

„Ja, du darfst mehr mit mir machen und abends mit mir kiffen um mich besser kennen zu lernen.", antwortete er mit einem Lächeln. Hermine verstand nicht wie Julian dachte, sie wolle das fragen.

„Warum sollte ich das wollen?", gab sie ihm hochnäsig zurück.

„Ja, wie willst du sonst zehn Minuten beim Mittagessen in der großen Halle darüber reden, wie toll du mich findest?", sagte er.

Hermine fiel vor Schock das Kinn nach unten und sie starrte ihm in die Augen. Das hatte sie vollkommen vergessen.

Der Pakt. MEIN blöder Pakt.

Kurz wollte sie sagen, dass es nur ein Witz ihrerseits war, aber entschied sich ganz schnell dagegen da Julian sonst richtig sauer geworden wäre.

„Stimmt den hab ich ganz vergessen…", murmelte sie, als sie nach ihrem Rucksack griff und begann darin zu kramen. Sie nahm ein schwarzes Buch und einen Stift heraus, sah Julian in die Augen und sagte:
„Los. Was ist alles toll an dir?"

Langsam wanderte Julians Hand zum Buch und drückte es wieder in ihren Schoß. Entgeistert sah sie ihm in die Augen, bis er mit einem unschuldigen Lächeln sagte:

„Lerne mich kennen und schau ob du genug Stoff für zehn Minuten findest. Wenn du aus politischen, persönlichen oder emotionalen Gründen nicht willst, dann akzeptiere ich das als Kumpel und kann damit leben."

Hermine nickte, wobei sie sich sicher war das sie diese Rede halten wollte. Es war nicht ihre Art auf so etwas zu verzichten und den leichten Weg zu gehen. Sie würde zehn Minuten über Julian füllen.

„Julian, wir müssen noch über einige andere Dinge sprechen. Eigentlich müsste da auch Christian dabei sein, aber so wie ich ihn kennen lernen durfte, sagt der so wie so nichts.", sagte Hermine nach kurzer Zeit unnötigen Gesprächs über das heutige Abendessen.

Julian nickte und antwortete:
„Ja, das würde er wohl machen."

„Erstens lasse ich euch zukünftig während eurer Schulzeit alleine, außer ihr braucht mich. Auch abends in den Kursen braucht ihr mich nicht und trefft mich dann, wo ich auch bin. Ansonsten versuche ich euch nicht zu zwingen mit mir zu interagieren, sondern ihr wählt selber aus wann und wo.", erklärte sie ihm, bevor sie fortfuhr, „Doch ich werde eure, eigentlich deine, Hilfe brauchen. Wenn ihr Externe werdet, werde ich es wohl auch, da ich weiterhin für euch da sein soll. Meine Fähigkeiten, gerade praktischen und physischen, sind gelinde gesagt nicht mehr da. Ich brauche Training. Und zwar nicht das bisschen Moody oder Flitwick zaubern, sondern das was ich erwarten muss, wenn ich mit euch mitgehe."

Julian sah sie etwas verunsichert an. Er hatte nicht erwartet das Hermine mit zu den Externen gehen soll.

„Okay, das überrascht mich. Jeden Tag vor dem Frühstück von 5-8 Training. Von 5 bis 7 Physis-Training, ab 7 Magietraining. Jeden Abend vor dem Feiern um 21:00 Uhr eine Stunde Mentaltraining. Wenn das nicht reicht machen wir Trainingseinheiten am Wochenende. Besser noch, jeden Sonntag Trainingslager. Ab morgens um 10 Uhr bis abends.", sagte er.

„Was? Das ist jetzt nicht dein Ernst?", fragte sie ihn.

„Hermine, ich sagte doch ich mag dich.", sagte er grinsend, „Deswegen trainiere ich dich nicht das du weißt was dich erwartet, sondern das du das was dich erwartet überlebst."

Etwas verunsichert akzeptierte sie mit einem Nicken.

„Du kannst wenn du willst auch Harry fragen, ob er diese Unterrichtsstunden mitmachen will."

„Hast du heute noch Kontakt mit Flitwick?", fragte Julian Hermine, die im Stuhl neben ihm gerade ein Buch las.

„Nein, wieso?", fragte Hermine

„Der schuldet mir noch ein Duell. Expecto Partronum.", sagte Julian der mit seinem Zauberstab herumwedelt und an seinen Kuss mir Nadja dachte.

Ein eiskalter, grauer Gephard, auf dessen Rücken man das Muster des Fells durch verschiedene Grautöne erkennen konnte, formte sich aus dem weißen Dunst.

„Professor Flitwick, Julian hier. Mein Fuß ist morgen wieder ganz. Der Okklumentik Kurs findet morgen Abend entweder in Ihrem oder McGonnagals Klassenraum statt. Haben sie immer noch Interesse an einem Duell? Dieses Wochenende? Mein Vorschlag wäre Samstag um 14 Uhr. Lassen sie mich wissen, ob und wann sie Zeit zum Untergehen haben."

Mit diesen Worten lief der Gephard durch die Wand in den Korridor davon.

„Du weißt schon, dass der Professor Duellchampion ist?", fragte Hermine mit offenem Mund.

„Ich bin in Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Andorra, Luxemburg, Italien, England, Irland, Schweden, Finnland, Polen, Tschechien, Bulgarien, Rumänien, Kosovo, Kasachstan, Dänemark, Österreich und der Schweiz wegen 300-fachem Mord gesucht. Wer sollte jetzt Angst haben?", antwortete Julian lächelnd.

„Du machst es mir nicht leicht, mit den zehn Minuten über dich schwärmen. Zumindest den sprechenden, übrigens hübschen, Patronus kann ich erwähnen.", antwortete sie ihm.

„Das andere kann man sicherlich auch positiv auslegen…", sagte Julian, der dann noch ein gemurmeltes „irgendwie" hinten anhängte.

„Wie ist es?", fragte Hermine sehr schnell, aber auch laut.

„Was?", erkundigte sich Julian.

„Das Töten. Wie ist es jemanden zu töten?"

„Meistens blutig…", antwortete Julian lächelnd, der erst als er das Gesicht seiner Gesprächspartnerin sah verstand, das dieser Witz unter die Kategorie „Nur witzig mit Christian" fiel, sodass er schnell fortfuhr, „Tschuldigung. Unangebracht, schätz ich. Im Kampf, also im Affekt, nicht schlimm. Da ich den Avada Kedavra bevorzuge auch nicht sehr blutig, ehrlich gesagt. Der Fluch tötet direkt und schmerzlos. Das Gesicht verliert zwar jegliches Leben, aber daran hab ich mich gewöhnt. Andere Flüche sind da schon etwas unschöner. Gerade wenn man mit Christian arbeitet, sieht man da so einiges. Wenn man einen Mord begeht, also die Tötung eines bestimmten Voldemord-Sypathisanten plant und durchführt, ist es ein anderes Gefühl. Auch hier steht man unter Adrenalin, aber man weiß dass man nicht um sein Leben kämpft, sondern nur der andere seines verlieren wird. Danach fühle ich mich meist dreckig, obwohl ich eigentlich innerlich weiß dass ich vollkommen davon überzeugt bin, das ich das richtige Tue. Diese Gesichter vergisst man auch nicht so schnell. Einmal, mein erster Avada Kedavra war auf einen Freund, der im Sterben lag. Das Bild meines Freundes, durchzogen mit Schnittwunden, am Verbluten werde ich nie vergessen. Aber das ist nicht das einzige. Die kleine elfjährige Mirella, die kaltblütig von hinten getötet wurde. Nadja, meine Freundin, die mit dem Avada Kedavra am Boden liegend, mich anstarrend, ihr Leben verlor. Den Hurensohn der sie umgebracht hat, wie er sie anstarrt, weil es sein erster Mord war. Es war sein letzter, als mein Todesfluch ihn in die Brust traf. Sein Bruder, der darum bettelt am Leben zu bleiben, bis er dann vom grünen Fluch ausgeschaltet wurde. Sein Vater, der uns im Theater wieder nicht geschnappt hat und anschließend Harry entdeckte. Der bei der Explosion sein Leben verloren hat. All diese Bilder diese Menschen, Gesichter, vergisst man nie. Aber es gibt auch welche die mich nicht mehr interessieren. Welche die mehr ehrlich gesagt, scheiß egal waren. Sie waren Feinde, wollten mich töten, dann habe ich sie halt getötet. Fressen oder gefressen werden."

Fassungslos, aber trotzdem mit mehr Verständnis für den jungen Mann als jemals zuvor starrte sie ihn an. Manche Dinge, wie die Selbstzweifel wirkten zutiefst menschlich, wobei andere Dinge wie die letzte Aussage abscheulich waren.

„Anderes Thema?", fragte Julian, der Hermine eifrig nicken sah. Das Thema musste gewechselt werden.

„Ich mach mich mal wieder in den Gemeinschaftsraum.", sagte Hermine die ihr Buch zuklappte und in Richtung des Ausgangs des Krankenflügels starrte.

„Training beginnen wir am Montag, verstanden? Sehe ich dich morgen in meinem Abendkurs in Okklumentik?", fragte Julian, der Hermine an ihrer Hand festhielt, damit sie nicht schon losgegangen wäre.

„Ja, Montagmorgen um 5 Uhr vor dem Schloss, hast du schon gesagt.", begann Hermine angewidert aber lächelnd zu klagen, „Und ja, ich komme morgen Abend zu dem Kurs."

Mit diesen Worten machte sie sich auf zu den Türen als Julian ihr nachrief:

„Du bist übrigens herzlich eingeladen morgen Abend nach dem Kurs mit in die neue Bar zu kommen. Wir eröffnen morgen, habe ich mir sagen lassen."

Hermine drehte sich lächelnd um und sagte ein kurzes: „Gerne." Direkt danach winkte sie Julian noch einmal zu und verließ den Raum.