Kapitel 21

Die Macht der Dolores Umbridge

Weitere Schicksalsschläge

Schon am nächsten Montag gibt es weitere schlechte Nachrichten: diese Umbridge Kröte hat noch mehr Macht auf sich vereint. Sie ließ sich von Fudge zum Hochinquisitor von Hogwarts ernennen – was auch immer das heißen mag.

Mich erinnert diese Bezeichnung verdammt ungut an Hexenverbrennungen im Mittelalter. Ich kaue regelrecht an diesem Artikel im Tagespropheten herum, wie auf einen alten Kaugummi. Von wegen ‚fallender Standard' bei unseren Lehrern – die Einzige, die den Standard zum Fallen bringt, ist Umbridge selbst.

‚Das Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste revolutioniert' – die einzige Revolution, die es in diesem Fach gab, hat das Dreamteam angezettelt, als sie dieser Kröte widersprochen haben.

Dann darf diese Person auch noch ihre Kollegen inspizieren – was soll das? Die meisten von uns unterrichten schon seit vielen Jahren und das sehr erfolgreich. Am liebsten würde ich ... aber Albus hat die Parole ausgegeben, höflich zu bleiben.

Ja, es ist mehr als nur eindeutig, das Ministerium will uns Steine in den Weg legen und uns soviel Ärger machen, wie es nur möglich ist – Als ob wir nicht ohnehin schon genug Ärger hätten. Allerdings gab es auch Proteste gegen diese Ernennung von Umbridge, doch die entsprechenden Personen wurden sofort mundtot gemacht und in weiteren Artikeln so sehr diffamiert, dass sie als absolut unglaubwürdig erscheinen müssen.

Ganz klar, dass auch Albus mal wieder als senil hingestellt wurde. Es ist wirklich zum Haare ausraufen und ich könnte mal wieder was kaputt schlagen. Doch ich beherrsche mich – sonst finde ich morgen noch einen Artikel im Tagespropheten, dass auch der Trankmeister von Hogwarts durchgeknallt ist – Fudge hält ohnehin nicht viel von meiner geistigen Stabilität, seit ich damals nach Sirius Flucht so sehr die Kontrolle über mich verloren habe und ihm dann letztes Jahr auch noch mein Dunkles Mal gezeigt habe.

Mich wundert eher, dass er mich noch nicht vorsorglich hat verhaften lassen – ich könnte ja unter den Kids neue Todesser anheuern oder so – aber vielleicht hat er nur noch nicht daran gedacht.

Ja, ich bin wütend, aber ich muss diese Wut in mir einschließen – wen wundert es, dass es mal wieder meine ‚Lieblinge' abbekommen? Ich bin auch nur ein Mensch und habe auch nur Nerven – und um die ist es in den letzten Jahren wirklich nicht mehr allzu gut bestellt. Ich habe meine Lieblinge gleich noch am selben Tag im Unterricht. Die Hausaufgaben habe ich nach dem Prüfungsstandard bewertet und wen wundert es da, dass nur miese Noten raus kamen. Ich feixe, schnarre und versprühe giftige Häme.

Ist nicht unbedingt das Wahre, aber doch ein kleines Ventil für meine hilflose Wut – und genau das bin ich – hilflos - gegenüber diesen Dingen, die hier an der Schule geschehen. Es ist mal wieder so ein Tag, wo ich alle und jeden mit bloßen Händen erwürgen könnte (vielleicht abgesehen von Albus). Dann hängt natürlich auch diese drohende ‚Inspektion' dieser Kröte wie ein Felsbrocken über mir und allein der Gedanke daran lässt mich noch wütender werden. Ich hasse es, wenn mein Unterricht gestört wird und dann werde ich diese Kröte ertragen müssen und auch noch halbwegs höflich zu ihr sein (Albus meinte ... na ja, ist ja wohl hinreichend bekannt, was der meint, oder?)

In der Großen Pause höre ich wie die Weasley Zwillinge davon erzählen, dass dieses Weib bereits bei Flitwick war. Er hat sie so freundlich und gleichmütig behandelt, dass jeder, der ihn besser kennt, genau weis, dass er bis auf die Knochen angenervt ist. Der gute Frederick hat schon so seine Art auf eine sehr höfliche Weise unverschämt zu sein. Ja, der kleine Zauberkunstlehrer bleibt immer freundlich, aber je höflicher er wird, umso mehr geht ihm sein Gegenüber am Arsch vorbei – ich glaube nicht, dass diese Umbridge das weis. Sie nimmt es wohl für bare Münze und ist es zufrieden, weil sie denkt, sie bekäme von ihm Respekt.

Leider habe ich nicht seine Art drauf und weis nur zu genau, dass ich mich werde eisern beherrschen müssen, wenn sie bei mir hereinschneit.

Gegen Abend erfahre ich dann auch noch, dass sie Trelawney fertig gemacht hat. Ich mag die alte Schleiermotte nicht besonders, aber immerhin ist sie eine Kollegin und arbeitet hier noch ein bisschen länger als ich. Albus hat sie damals eingestellt (ich habe keine Ahnung warum, aber ich denke, er wird seine Gründe gehabt haben – und man sollte Albus Gründe nie unterschätzen), ein Jahr bevor ich als Lehrer nach Hogwarts kam.

Sie ist zwar schrecklich versponnen, aber es gibt immer wieder Kids, die sie trotzdem mögen und - wie auch immer – es gibt echte Prophezeiungen – sonst wäre Voldemort nicht so sehr hinter einem solchen Ding her – er neigt wohl kaum dazu, einem Hirngespinst hinterher zu jagen.

Und am Abend kommt heraus, dass der Bengel sich eine weitere Woche Nachsitzen bei dieser Kröte eingehandelt hat – er kann es einfach nicht lassen, ihr zu widersprechen und seine Meinung laut kund zu tun. Ich halte das für keine gute Idee, aber ich muss seinen Mut und seine Sturheit bewundern, auch wenn ich das sicher nie laut zugeben würde.

Hoffentlich bekommt er noch genügend Schlaf, bevor er uns noch zusammenbricht. Ich weis nicht, was Albus dann tun würde und ich will es auch gar nicht wissen – es könnte verdammt übel werden und ich kenne die Macht des Alten, wenn er wirklich wütend wird – und es geht immerhin um seinen Goldjungen.

Auch Minerva ist wütend – so wütend, dass sie Harry fünf Punkte abzieht, damit er es endlich lernt vor Umbridge die Klappe zu halten. Ich denke nicht, dass das viel nützen wird und es ist nur eine Ersatzhandlung von der guten McGonagall. Wie ich sie kenne, ist sie kurz davor, diese Umbridge in die Kröte zu verwandeln, die sie ist und Harry kam ihr als Blitzableiter nur Recht, bevor sie etwas tut, was uns einfach nur schaden kann.

Es herrscht eine ziemlich gedrückte Stimmung unter dem Personal und nicht nur ich neige inzwischen dazu, mich in mich selbst zurückzuziehen und mein Büro kaum mehr zu verlassen. Allerdings zeigen wir alle Präsenz bei den Mahlzeiten – wäre ja noch schöner, ihr kampflos das Feld zu überlassen. Es ist nicht abgesprochen, aber es geschieht einfach – sogar Trelawney wird in den unteren Gefilden der Schule gesichtet und das ist wirklich bemerkenswert – Gewöhnlich tut sie das nicht und behauptet immer, es würde ihr inneres Auge trüben, wenn sie so viele Auren wahrnehmen muss – Quatsch, wenn man mich fragt, aber ich bin froh, dass sie uns normaler Weise nicht beglückt und so will ich ihre fadenscheinige Erklärung nicht zu laut in Frage stellen.

Kurz darauf gerät diese Kröte wirklich mit Minerva aneinander – nicht, dass sie sie verhext – aber ich belausche ein Gespräch, das McGonagall mit Sprout und Hooch hat, wo sie sehr leise zugibt, dass sie kurz davor war. Umbridge hat ziemlich penetrante Fragen gestellt und versucht Minervas Arbeit in Zweifel zu ziehen.

„Na der hab ich vielleicht was erzählt", faucht sie, als wäre sie im Augenblick ihr Animagus – was mich veranlasst, nicht länger in Frage zu stellen, warum sie ausgerechnet zur Katze wurde. „Ich bin hier fast schon länger Lehrerin, als die überhaupt Jahre zählt. Ich hab schon Kinder unterrichtet, als sie noch Windeln brauchte und ich habe immer noch allen das Nötige beigebracht."

Die drei Hexen kommen auf mich zu und ich sehe zu, dass ich verschwinden kann – sie müssen wirklich nicht wissen, dass ich dieses Gespräch gehört habe.

Ja, Umbridge macht sich bei Schülern und Kollegium immer beliebter. Sie nervt auch noch andere Kollegen und Harry handelt sich noch ein paar Stunden Nachsitzen bei ihr ein, weil er ihre dummen Lügen nicht ertragen kann. Er wird nie aufgeben und ich kann nur hoffen, dass es ihr bald mal zu dumm wird, den Jungen jeden Tag an die sieben Stunden um sich zu haben – denn solange behält sie ihn jedes Mal in ihrem Büro, wie mir ein paar stichprobenartige Blicke zeigen.

Natürlich habe ich nicht immer Zeit, dem Jungen auf den Fersen zu bleiben, denn weitere Rufe ereilen mich – besonders am Wochenende, wo mein Fehlen nicht weiter auffällt – schon seit Jahren habe ich die Angewohnheit diese Tage in meinen Räumen zu verbringen und keiner kommt auf die Idee nachzusehen, ob ich wirklich dort bin – außer Albus und der weis, dass ich dann nicht da bin.

Ich liefere meine Berichte bei ihm ab, gebe mir Mühe, dass ihm meine zahlreichen Verletzungen nicht auffallen und bleibe so lange in seinem Büro, wie ich es vor mir selbst rechtfertigen kann (oder auch solange ich ruhig sitzen kann, ohne vor Schmerzen zusammen zuzucken oder mich anderweitig zu verraten).

Es gibt mir immer ein wenig des so dringend benötigten Friedens – ein Ventil finde ich bei den unregelmäßigen Treffen des Ordens, wenn ich Black wieder anmachen kann oder mich mit Lupin streiten. Leider beherrscht sich Ersterer vorbildlich und Letzterer geht kaum auf meine harschen Worte ein – also unterm Strich eine recht unbefriedigende Angelegenheit. Ich würde wirklich gerne mit jemand über das alles reden, aber Albus kommt nicht in Frage und sonst gibt es keinen, dem ich genug vertrauen würde.

Also fresse ich alles in mich hinein, werde noch unleidlicher, als ich es ohnehin schon bin – was aber nicht weiter auffällt, da auch meine Kollegen nicht eben prächtig drauf sind.

Ich muss wohl kaum erwähnen, dass ich noch schlechter schlafe als gewöhnlich und bei den Mahlzeiten nur noch in meinem Essen herumstochere. Meine Ernährung besteht hauptsächlich aus tintenschwarzen Kaffee und starkem Tee, garniert mit braunem Zucker – ich mag das Zeug immer noch nicht, aber irgendwie bin ich fast süchtig darauf geworden und habe immer welchen in meiner Tasche – auch wenn ich nur davon esse, wenn es keiner sehen kann – nur keine Blöße geben...

Das alles sägt an meinem Nervenkostüm und ich werde ziemlich schreckhaft – was mich wieder sauer macht – ich galt immer als zwar ziemlich fies, aber auch als unerschütterlich, aber jetzt kann ich nur mit eisernem Willen diese Maske aufrechterhalten.

Sich stundenlang schlaflos im Bett herum zu wälzen, macht es auch nicht eben besser und ich wünschte, die entsprechenden Tränke würden noch bei mir wirken – tun sie nicht und wenn ich davon schlafen könnte, würde ich nicht träumen und das würde mich langsam aber sicher wahnsinnig machen – das Letzte was ich brauchen kann.

Vor zwei Jahren war noch ein Glas Rotwein als Schlummertrunk eine Alternative, aber ich kann es mir nicht leisten, meine Sinne zu benebeln und selbst das eine Glas macht mich leicht betrunken. Eine wirklich nette Vorstellung, beschiggert bei Voldemort aufzutauchen und dem was vorzulallen – echt.

In mir ist ein Drang, wie ein Irrer über das Gelände zu rennen – ziellos – einfach irgendwo hin, nur um mich zu bewegen und vielleicht davon so müde zu werden, dass ich ein bisschen schlafen kann. Aber auch das ist keine Option – wie würde denn das aussehen? Keiner würde mich noch für voll nehmen, wenn ich mich so benehme. Nun, in meinem Büro bin ich meistens alleine und so vollführe ich dort endlose Wanderungen – hin und her, auf und ab – bis meine Füße brennen und meine Beine schmerzen, mein Kopf schwer wird und meine Augen vor Müdigkeit tränen. Aber schlafen kann ich deswegen noch lange nicht. Und wenn ich glaube, doch mal Ruhe zu finden, ereilt mich ein weiterer Ruf und gibt mir den letzten Rest.

Natürlich lasse ich auch jetzt keine einzige Unterrichtsstunde ausfallen, obwohl ich mich eher durch den Tag schleppe als sonst was. Meine Schüler merken nichts davon, denn ich bin hämisch und boshaft wie immer – vielleicht sogar noch übler, als in den letzten Jahren – ich kann es nicht beurteilen – einfach zu müde für solche Betrachtungen – ich bin schon froh, wenn ich aufmerksam genug bin, dass kein Kessel überkocht oder gar explodiert.

Der Stoff leidet allerdings nicht darunter – ich unterrichte einfach schon zu lange, um es nicht sogar im Halbschlaf zu können. Trotzdem – begeistert bin ich nicht eben davon und nehme mir immer wieder vor, mich besser zu konzentrieren, aber das ist leider vergeblich – es muss auch so gehen.

Ein beinahe öffentliches Geheimtreffen

Die Wochen vergehen und nichts ändert sich. Noch hat mich diese Kröte nicht beehrt, aber ich erwarte sie täglich – welche Freude!

Ich muss einfach mal was anderes sehen, als Hogwarts oder diverse düstere Orte, zu denen Voldemort mich ruft. Ein Hogsmeade Wochenende kommt näher und ich überlege, wie ich das ausnutzen kann, ohne aufzufallen oder gar mein Gesicht zu verlieren. Da kommt mir mein Rabe in den Sinn. Sehr oft habe ich ihn ja noch nicht verwendet, seit ich ihn beherrsche. Letztes Jahr war mir immer der falsche Moody im Weg und jetzt hatte ich zu viele andere Dinge im Kopf. Nun, warum nicht?

Am Tag hat Voldemort mich noch nie gerufen (aber was nicht ist, kann ja noch werden) und so halte ich es für relativ sicher. Außerdem finde ich es herrlich zu Fliegen und erhoffe mir davon ein bisschen von der dringend benötigten Entspannung (nicht mal eine heiße Dusche hilft inzwischen noch viel und die Zeiten, als ich in der Badewanne eingeschlafen bin, sind auch vorbei).

Ich begebe mich auf den Astronomie Turm und bemühe mich, nicht dabei gesehen zu werden. Kein Problem, ich bin nicht der Einzige, der eine kleine Abwechslung sucht und viele Kollegen sind unterwegs ins Dorf, wie ich erkennen kann, als ich oben am Turm bin. Ich lasse meine Arme locker hängen und senke den Kopf. Die Verwandlung ist viel einfacher, wenn man entspannt ist. Nun wirklich entspannt bin ich nicht, aber es ist eine ziemlich gute Imitation.

Mein Körper schrumpft und Federn sprießen daraus hervor. Ja, der Tierleib fühlt sich viel besser an, als es mein eigener im Augenblick tut. Ich flattere auf und setze mich auf eine der Zinnen, dann lasse ich meinen Blick schweifen. Ja, es sind wirklich eine Menge Leute unterwegs nach Hogsmeade, Kids, Erwachsene, aber zum Glück keine Spur von Umbridge – was mich ziemlich erleichtert.

Ich lasse mich vom Turm fallen und gehe in einen langen Gleitflug. Nur ein paar Flügelschläge und ich bin noch höher über der Welt als der höchste Turm des Schlosses. Ein herrliches Gefühl – so frei und so weit weg von allem. Keine Sorgen, keine Probleme hier oben – ja, so weit weg von allem dort unten.

Der Rabe hat unglaublich scharfe Augen und ich beobachte die Vorgänge am Gelände. Ich kann das Dreamteam erkennen, wie sie ins Dorf gehen. Aber sie steuern nicht die Drei Besen an, wie sie es gewöhnlich tun, sondern das Hogs Head und das macht mich stutzig. Also peile ich einen Platz in der Nähe an und lasse mich wie ein Stein in Richtung Erde fallen. Erst in letzter Sekunde breite ich meine Flügel aus und fange den Vogelkörper ab. Dann lasse ich mich auf einem Zaun nieder und beobachte weiter. Was ist denn da los?

Das Hogs Head scheint sich heute ganz besonderer Beliebtheit zu erfreuen, denn eine ganze Menge Kids aus unterschiedlichen Häusern (aber keine Slytherins) gehen hinein. Wenn ich es Recht bedenke, sind es die Leute, die gewöhnlich zu Harry halten. Die Weasley Zwillinge, gefolgt von Lee Jordan, die Vertrauensschüler der verschiedenen Häuser (wie passend, dass der Feuerkopf und die Granger die von Gryffindor sind), die Creevey Brüder (was macht Dennis hier? – der darf doch noch gar nicht ins Dorf), die etwas sehr exzentrische Luna (Loony) Lovegood und noch eine ganze Menge andere.

Da möchte ich doch zu gerne Mäuschen sein und zuhören, was da gesprochen wird. Ja, Mäuschen – aber ein Rabe dürfte in einem Pub dann doch auffallen. Die Fensterscheiben dieser Kneipe sind zu dreckig, als dass man durch sie etwas erkennen könnte. Ich denke, sie wurden noch nie geputzt, seit sie eingesetzt wurden – ein ziemlich zwielichtiger Ort, aber genau das ist es ja, was mich so neugierig macht.

Ich fliege zum Dach hinauf und versuche etwas durch den Kamin zu erlauschen. Unten brennt noch kein Feuer, denn es ist für die Jahreszeit noch ziemlich warm. Ein scharfer Blick in die Dunkelheit zeigt mir eine Querstrebe in dem Schacht, die regelrecht auf einen Raben wie mich zu warten scheint.

Ich lasse mich hinunter gleiten und setze mich auf diese Stange. Ich habe Glück, denn ich bin damit ganz in der Nähe der Kids und kann eine ganze Menge hören. Sie haben sich Butterbier besorgt und Miss Ich-weis-alles beginnt zu sprechen. Über den mangelhaften Verteidigungsunterricht und die Zumutung, die Umbridge für die Schule bedeutet. Man müsse etwas dagegen unternehmen und sie Sache selbst in die Hand nehmen, meint sie. Eine spöttische Stimme, die sagt, sie wolle doch nur ihre Prüfungen bestehen, was sie bestätigt. Aber sie macht auch deutlich, dass das nicht ihr einziger Grund ist und sie meint, Harry solle sie alle unterrichten.

Na toll, jetzt soll der Bengel auch noch den Lehrer machen – wie soll er das denn schaffen? Das sind fast dreißig Leute, die da aufgetaucht sind. Sicher, er beherrscht inzwischen eine ganze Menge Zauber, Hexereien und Flüche – sonst wäre er letztes Jahr in diesem verdammten Turnier sicher auf der Strecke geblieben – aber das heißt noch lange nicht, dass er das auch anderen beibringen kann.

So sieht er das wohl auch selbst, denn er relativiert die Aussagen des Mädchens. Eine andere Mädchenstimme mischt sich ein und zählt die Sachen auf, die Harry bereits überstanden hat. Neville hat auch noch etwas zu dem Lobgesang anzufügen und die Weasley Zwillinge bedrohen einen Abweichler. Das Ganze geht solange hin und her, bis ein affektiertes Räuspern ertönt, das mir die Federn aufstellt – es klingt wie Umbridge, aber als alle nach einer Schrecksekunde zu lachen beginnen, wird es klar, dass Ginny Weasley an der Unterbrechung Schuld ist.

Dann verläuft es plötzlich in geordneteren Bahnen und man einigt sich. Hermine lässt alle einen Vertrag unterschreiben (und wie ich sie kenne, ist das mehr als nur ein Stück Papier – sie ist nicht so dumm und vertrauensselig, um nicht auf Nummer Sicher zu gehen). Nach einigem Zögern wird das auch von allen anwesenden Schülern unterschrieben.

Ich sehe nichts und muss mich alleine auf das Gehör des Raben verlassen, das nicht eben besonders gut ist. Der Vogel hat zwar meine Nachtaugen, aber nicht meine scharfen Ohren – genau genommen hat er nur Hörlöcher, aber auch damit ist so Einiges zu erlauschen.

Ein Stühlerücken sagt mir, dass dieses Treffen beendet ist und ich mache mich durch den Kamin nach oben auf ins Freie. Nicht eben einfach, der Schacht ist ziemlich eng und der Rabe hat eine ganz schöne Spannweite. Auch ist der Kamin schrecklich dreckig und wenn ich nicht ohnehin schwarz wäre, dann wäre ich es jetzt.

Ein eigenartiges Gefühl als Rabe einen Niesanfall zu bekommen, aber es ist keine gute Idee jetzt zum Menschen zu werden. Immerhin sitze ich noch auf dem Dach der Kneipe und niese mir die Lungen aus dem Schnabel. War ja mal wieder eine prächtige Idee, in diesen Kamin hinunter zu fliegen, um zu lauschen.

Wie auch immer, ich habe eine ganze Menge erfahren und ich denke, auch Dumbledore sollte davon wissen – wobei mir allerdings noch nicht so ganz klar ist, wie ich ihm von dieser Sache erzählen soll, ohne meinen Raben zu erwähnen – er muss wirklich nichts von dem Animagus wissen – immerhin ist der illegal.

Wie auch immer, ich muss ja nicht sofort zu ihm und ein bisschen Fliegen wäre jetzt noch eine feine Sache.

Ich schüttle mein Gefieder und wirble damit eine neue Rußwolke auf, sehe zu, dass ich so schnell wie möglich das Dach und diesen schmutzigen Ort verlassen kann.

Der Himmel ist hoch und es geht ein leichter, aber angenehmer Wind, der mir den Rest Asche auf meinen Federn bläst. Immer höher schraube ich mich in die Luft und genieße jeden einzelnen Flügelschlag. Ja, das ist mehr als nur schön und ich sollte vielleicht öfter eine solche Gelegenheit ergreifen, auch wenn es schon bald Winter werden wird und damit viel zu kalt zum Fliegen. Aber noch ist Herbst und mal sehen, was noch geht. Es ist das Risiko vollkommen wert – jedes Risiko!

Ich spiele noch fast eine Stunde mit Wind und Wolken, lasse mich hinunter gleiten und wieder in die Höhe tragen, jage ein paar wirbelnden Blättern hinterher und kann es nicht lassen, die Peitschende Weide ein wenig zu ärgern – ein gutes Training für Schnelligkeit und gute Reaktionen. Das Biest hat nämlich schon mehr als nur einen Vogel auf dem Gewissen – ich lasse mich allerdings von ihren schlagenden Ästen nicht erwischen und als ich mich von dem Baum abwende und zum Turm zurückkehre, kann ich hören, wie er wütend mit den Blättern raschelt – ja, das hat jetzt verdammt gut getan.

Zurück am Turm werde ich wieder zum Menschen und muss feststellen, dass ich immer noch voller Ruß und Asche bin. Macht nichts, wozu gibt es eine Dusche und in meinem Schrank befinden sich durchaus genügend Ersatzroben.

Das war es wert, jetzt ein wenig dreckig zu sein, das Fliegen und auch das, was ich erfahren habe. Ein glückliches Grinsen stiehlt sich in meine Züge und ich muss meine Maske erst wieder zu Recht rücken, bevor ich den Turm verlasse.

Auf dem Weg nach unten läuft mir Albus über den Weg und damit hatte ich schon fast gerechnet – er begegnet mir fast immer, wenn ich einen solchen Alleingang gemacht habe und man es mir auch noch ansehen kann.

„Severus", begrüßt er mich. „Wieder mal ein bisschen frische Luft geschnappt?"

„Ja, Sir", erwidere ich und mache mich auf die nächste – unvermeidliche - Frage gefasst. Sie kommt wie erwartet.

„Hasst du dich als Kaminkehrer betätigt, mein Junge? Du bist voller Ruß."

„Ähm..." Na ja, so schnell bin ich dann auch nicht mit den Ausreden. „Es ist ziemlich windig dort oben und ... ähm ..."

Na was jetzt, Severus? Das klingt ja mal wieder echt dämlich.

Gott sei Dank lächelt der Alte nur fein und dringt nicht weiter in mich – er hat schon immer meine Geheimnisse geachtet.

„Ich wollte ohnehin zu ihnen, Sir", ändere ich einfach das Thema. „Mit ist da etwas zu Ohren gekommen, das sie wissen sollten."

„Nun gut, mein Junge – aber vielleicht solltest du dich erst waschen und umziehen – du hast Ruß im Gesicht, weist du?"

„Ja Sir", murmle ich und weis, dass ich vor lauter Verlegenheit rot werde.

„Du solltest öfter auf den Turm steigen", meint er. „Die frische Luft tut dir gut, du bekommst dann immer eine so gesunde Röte, wenn du dort oben warst."

Er kichert leise und ich knurre ihn an, was ihn nur dazu bringt noch ein wenig herzlicher zu lachen. Na, wenigstens einer, der seinen Spaß hat – ich wünschte nur, es wäre nicht mal wieder auf meine Kosten – aber Albus nehme ich sowas nicht wirklich übel – er ist nun mal so und meint es sicher nicht böse.

„Gut, mein Junge", sagt er schließlich und seine Augen funkeln noch immer. „Dann mach dich sauber und komm einfach in mein Büro, wenn du so weit bist – ich warte auf dich, in Ordnung?"

Ich nicke nur und sehe zu, dass ich in meine Räume komme, ohne noch jemand zu begegnen, der sich als noch neugieriger als der Alte erweisen könnte. Nur gut, dass Hogwarts eine ganze Menge Geheimgänge hat und die mir auch bekannt sind. Auf diesen Schleichwegen komme nach unten in mein Büro, ohne noch wem über den Weg zu laufen – was mir natürlich auch eine Menge dummer Fragen erspart.

Mit langen Schritten eile ich in mein Bad und lasse die rußige Kleidung einfach dort fallen, wo ich gehe und stehe. Ein schneller Blick in den Spiegel lässt mich ehrlich gesagt Albus Zurückhaltung bewundern. Wenn mir jemand in den Gängen begegnet wäre, der so aussieht, wie ich im Augenblick, hätte ich sicher mehr als nur eine Menge Fragen gehabt und ich hätte mich sicher nicht mit fadenscheinigen (und ziemlich gestammelten) Ausreden abspeisen lassen.

Mein Gesicht ist wie dunkel gepudert, ein breiter schwarzer Streifen zieht sich über meine Nase und auch meine Lippen und Mundwinkel sind schwarz. Ein dichter grauschwarzer Schmutzfilm liegt in meinen Haaren und sie stehen nach allen Seiten ab. Ganz nebenbei bemerke ich, dass auch noch Asche zwischen meinen Zähnen knirscht.

Na toll, Severus, eine echte Leistung der Sonderklasse – kein Wunder, dass er gelacht hat.

Ich stelle mich unter die Dusche und sehe zu, dass ich mich wieder einigermaßen sauber bekomme. Meine Schultern schmerzen dumpf und ich vermute einen Muskelkater vom vielen Fliegen – das hab ich jetzt davon, dass mir mal wieder alles wehtut – was muss ich auch den Vogel spielen? Aber etwas in mir bereut es nicht im Geringsten – es hat einfach zuviel Spaß gemacht und mir zu gut getan – psychisch und emotional – und was soll´s - körperliche Schmerzen bin ich zu sehr gewohnt, als dass mir das noch viel ausmachen würde.

Es dauert nicht lange und ich bin wieder vorzeigbar – mein übliches düsteres, aber sauberes Ich. Meine Haare sind ziemlich verfilzt und so dauert es ein wenig, bis ich sie durchgekämmt habe – natürlich musste ich sie waschen und das nervt mich schon wieder – ich schnaube angewidert. Wie auch immer, schon eine halbe Stunde nach der Begegnung mit dem Alten bin ich auf dem Weg in sein Büro.

Albus ist nicht eben glücklich

Er hat mich bereits erwartet und eine Kanne Tee wartet auf mich – in Gesellschaft eines Tellers voller Plätzchen – nun, keine schlechte Idee – Fliegen macht hungrig und hier ist niemand, der mir den Appetit verderben könnte.

„Bedien dich, mein Junge", meint Albus mit einer einladenden Handbewegung.

Er scheint nur zu genau zu wissen, wie wenig ich in letzter Zeit esse und scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, mich zu füttern, wenn ich mich in seine Reichweite begebe. Sonst ärgere ich mich immer ein wenig über diese Bevormundung, aber heute stört es mich nicht. Ich habe mich wirklich ein bisschen erholt, als ich dort oben am Himmel war.

„Nun, was willst du mir erzählen, Severus?" will er wissen, nachdem ich uns beiden Tee eingeschenkt habe und mich an den Keksen vergriffen habe (anders kann man es nicht nennen – ich habe Hunger!)

„Mir sind ein paar Sachen zu Ohren gekommen - bitte fragen sie nicht wie, Sir – ich weis es eben", setze ich an und er nickt auffordernd. „Die Kids sind sehr unzufrieden mit den Unterrichtsmethoden dieser Kröte – äh – von Professor Umbridge. Sie lernen weniger als nichts. Die kleine Granger hat beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und den Bengel sozusagen als Lehrer zu engagieren.

Eine ganze Menge Leute halten das für eine gute Idee und sind bereit mitzumachen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass Umbridge das gefallen wird – die Kids übrigens auch nicht - wenn ich es richtig verstanden habe, wissen sie um Fudges Befürchtungen, sie, Sir, könnten vorhaben, die Kinder zu einer Armee gegen das Ministerium ausbilden."

Ich dachte nur Minerva und ich hätten dieses wunderbar abfällige Schnauben im Programm. Jetzt werde ich eines Besseren belehrt – auch Albus ist ein Meister dieses Geräuschs.

„Narren", knurrt er. „Als ob es um nichts anderes als Cornelius Posten gingen. Von mir aus kann er ihn sich einglasen lassen und ihn über sein Bett hängen – ich will ihn nicht geschenkt haben. Eine Armee – sicher doch – eine Armee aus unmündigen Schulkindern, um das Ministerium zu stürmen und Fudge von seinem eingebildeten Thron zu stürzen. Ich wusste, dass er nicht besonders klug ist, aber dass er so dumm ist ... Grundgütiger!"

Natürlich kennt Albus die Gerüchte – wie wir alle – aber dass auch die Kinder davon wissen, war ihm neu – wie mir übrigens auch. Wir wollten sowas immer von ihnen fernhalten.

„Eine ungute Situation", meine ich leise. „Es ist gut, wenn sie lernen und trainieren, aber dass ausgerechnet Harry das machen soll, bringt mich nicht eben zum Jubeln. Ich weis nicht, wie gut der Junge wirklich ist und ich fürchte, dass er ihnen das Falsche beibringt. Dann natürlich die Gefahr, wenn sie von dieser Kröte – äh – Professor Umbridge erwischt werden. Sie untergraben damit doch ihre Autorität – nicht, dass sie welche hätte, die man untergraben könnte – aber sie denkt, welche zu haben und das macht sie gefährlich."

„Du siehst das mal wieder vollkommen richtig, mein Junge", stimmt er mir zu. „Ja, die Kinder müssen Verteidigung lernen, aber auf diese Art? Grundgütiger – warum ist es nur so schwer einen guten Verteidigungslehrer zu finden?"

„Ähm..."

„Ja, ja ich weis, mein Junge", brummt er. „Aber du weist auch, warum es dieses Jahr erst Recht nicht geht."

Ich brumme nur unwillig. Sicher weis ich das – wir haben ja ausgiebig genug darüber geredet, aber trotzdem.

„Der einzige gute Lehrer, den wir in den letzten zehn Jahren hatten, war Lupin", brumme ich. „Ich werde leugnen, das gesagt zu haben, wenn sie ihn das wissen lassen..." – Er lacht leise und winkt ab.

Er weis nur zu genau, wie ich wirklich über die Herumtreiber denke – wenn ich mal versuche objektiv zu sein – was ich nur selten tue, aber immerhin.

„...die restliche Zeit waren wir mit Nieten geschlagen – und das in einer Zeit wie dieser - Verdammt Sir, ich weis auch nicht, was ich drüber denken soll. Ich würde die Kids ja selbst ausbilden, aber das ist im Augenblick wirklich jenseits von allem."

„Ja, mein Junge", erwidert er. „Das ist es und es macht mich wirklich nicht glücklich. Dieses Jahr hätte ich dich wirklich gerne für den Job gehabt – aber es ist einfach unmöglich – noch unmöglicher als all die Jahre zuvor. Tun wir einfach, als wüssten wir von nichts und lassen den Jungen machen – mal sehen, wie weit er kommt – und wir werden es sehen, spätestens bei den Abschlussprüfungen."

„Da ist es aber noch hin und dann ist es auch zu spät, etwas zu ändern, wenn er versagt", werfe ich ein.

„Jaaha", meint er gedehnt. „Aber wenn wir nichts davon wissen, können wir es auch nicht überprüfen."

„Spannen sie doch Black und Lupin ein", schlage ich vor. „Der Junge vertraut beiden und vielleicht können sie ihm ein wenig unter die Arme greifen – ganz unauffällig natürlich."

„Du gibst also zu, dass die beiden etwas von Verteidigung verstehen?" erwidert er verschmitzt.

Ich knurre leise und winke ab.

„Ich mag sie nicht – und das wissen sie – aber ich habe oft genug Flüche von Black abbekommen, um zu wissen, wie gut er als Magier ist. Und Lupin? – Nun, der hat nie gegen mich gekämpft, aber ich weis, was der vor zwei Jahren geleistet hat. Immerhin hat er den Stoff von fast zwei Jahren mit den Kids nachgeholt, zusätzlich zu seinem eigenen Stoff – all das, was Quirrell und Lockhart verbockt haben – dass sie noch nicht so weit sind, wie sie sein sollten, ist nun wirklich nicht seine Schuld.

Sagen sie ihm blos nicht, dass ich das gesagt habe – er bildet sich sonst noch was drauf ein – aber ich weis, wie gut er war, schließlich habe ich ihn immer wieder mal vertreten."

„Ja", entgegnet der Alte und nickt. „Ich werde ihm sicher nichts sagen – er würde er es mir ohnehin nicht glauben – aber deine andere Idee ist gut. Ich werde mit den beiden sprechen, ohne dich zu erwähnen – mir fällt schon eine Quelle ein, woher ich die Informationen habe. Immerhin war Mundungus auch dort unten und hatte ein Auge auf den Jungen. Es wird mir sicher dasselbe erzählen, wie du."

„Oh", kann ich da nur sagen.

Aber ich hätte mir denken sollen, dass Albus seinen Goldjungen nicht ohne Aufsicht rumstreunen lässt – schon gar nicht, wenn Voldemort noch dringender hinter ihm her ist und das Ministerium ihn am Kieker hat – und das haben sie eindeutig. Die diffamierenden Berichte im Tagespropheten reißen nicht ab. Es ist eine ziemlich üble Stimmungsmache – sehr stark zwischen den Zeilen und man versucht, den Jungen als vollkommen bekloppt hinzustellen. Kein weiter Weg vom tragischen Helden und dem Retter unserer Welt zu einem überdrehten Selbstdarsteller und um Aufmerksamkeit heischenden Verrückten, oder?

Ja, eine üble Lage und sie gefällt mir von Tag zu Tag immer weniger. Wir hängen beide unseren Überlegungen nach und schweigen. Dann wird das Feuer in Albus Kamin plötzlich grün. Er geht dorthin und erhält tatsächlich einen entsprechenden Bericht von Mundungus – wie schon erwartet. Ich kann also davon ausgehen, dass auch Lupin und Black Bescheid wissen und wohl beim nächsten Treffen ihren Senf dazu geben werden – und ich weis, dass Sirius mit Harry in Kontakt steht – ich weis zwar nicht so genau wie, aber ich weis, dass. Die zwei Herumtreiber haben mich auf Dinge angesprochen, die sie unmöglich wissen können, wenn der Junge sie nicht auf dem Laufenden hält. Nun ja, ich kann zu dem Bengel stehen, wie ich will, aber ich bin froh, dass er einen erwachsenen Ansprechpartner hat – allerdings bin ich mir nicht so sicher, dass ausgerechnet dieser tollkühne, leichtsinnige, verantwortungslose Kerl ein so gutes Vorbild für den Jungen ist und so seufze ich in Gedanken schwer auf.

Albus redet immer noch ins Feuer und so kann ich weiter meinen Gedanken nachhängen und noch ein bisschen Ruhe und Kraft tanken, wie ich es immer tue, wenn ich hier oben bin.

Alles in allem kein schlechter Tag heute, wenn ich es recht bedenke und ich hatte schon lange nichts mehr, was dem nahe gekommen wäre.

Schließlich verlasse ich Albus wieder und ziehe mich in meine Verliese zurück. Dort muss ich erfahren, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben soll, denn Voldemort ruft mich und lässt seine schlechte Laune an mir aus, weil er immer noch keinen Schritt näher an die Prophezeiung heran gekommen ist. Ich habe damit zwar überhaupt nichts zu tun, aber ich bin immer eine gute Option, dass er sich sein Mütchen kühlen kann.

Als dieses Treffen endlich vorbei ist, kann ich zwar noch auf meinen eigenen Beinen stehen und auch durch den Tunnel in mein Schlafzimmer kommen, dort muss ich allerdings eine ganze Menge blutiger Schnitte behandeln, denn dieses Mal war es ein Messer, das er Wurmschwanz in die Hand gedrückt hat – und der kann mich ohnehin nicht leiden und hat sich seinen Spaß mit mir gemacht – einen sehr blutigen Spaß und ich konnte mich nicht wehren, da Voldemort mir einen Impedimenta übergeworfen hatte.

Doch Schnitte kann man heilen und es ist ja nur die Haut – er hat keine größeren Adern oder gar Nerven oder Sehnen verletzt – Nur schmerzhaft und blutig also, aber nicht verstümmelnd und darüber bin ich froh – man ist ja schon dankbar, wenn man weis, dass das alles wieder heilen wird.

Schon am folgenden Montag kommt ein neue Erziehungsverordnung vom Ministerium heraus, die den Schülern verbietet sich in größeren Gruppen als drei – zu welchem Zweck auch immer – zu treffen. (Es waren also wohl noch mehr Lauscher im Hogs Head als Mundungus und ich – woher sollte die Kröte denn sonst davon wissen?) Was natürlich auch das Aus für Harrys Verteidigungspläne bedeutet – und auch für die Quidditch Teams müssen erst durch diese Kröte wieder genehmigt werden.

Letzteres interessiert mich nicht besonders (auch wenn ich mich für mein Haus ein wenig einsetzte) und Ersteres? Das Weib kennt den Bengel nicht so, wie ich ihn kenne und ich bin mir sicher, dass er einen Weg finden wird, trotzdem Verteidigung zu unterrichten, wenn er es sich in den Kopf gesetzt hat.

Zum ersten Mal bin ich froh, dass er so ist, wie er ist. Die Kinder brauchen einfach einen besseren Unterricht, als dieses Miststück ihn zu bieten hat – und selbst wenn es nur dreißig von über dreihundert Kids sind, ist das besser als nichts.

Toad Mother is watching you

Noch am selben Tag höre ich, wie sich Minerva darüber auslässt, dass irgendwas Harrys Eule verletzt hat und wer zwischen den Zeilen lesen kann, hört dabei raus, das die Post nicht mehr sicher ist. Vermutlich fängt die Kröte Briefe ab und liest sie.

Wo sind wir nur hingeraten?

Sicher, es gibt eine ganze Menge Regeln und Vorschriften hier in Hogwarts an die sich die Kids zu halten haben ... aber noch nie gehörte dazu, wem sie was schreiben dürfen oder mit wem sie in Kontakt stehen.

Als Minerva auch noch mit einer seltsamen Betonung erwähnt, dass die Eule aus London kam, rinnt mir ein kalter Schauder über den Rücken und meine Vermutung bestätigt sich – der Bengel steht mit Sirius in Kontakt – was ich ihm wie gesagt nicht verdenken kann, was aber leider brandgefährlich ist. Immerhin fahndet das Ministerium immer noch nach Black – ziemlich erfolglos (was aber kein Wunder ist, denn der ermittelnde Auror ist Kingsley Shacklebolt und der gehört zu den Auroren, die für den Orden arbeiten). Trotzdem ist es keine gute Idee, die falschen Leute auf Sirius Spur zu bringen, denn das bedeutet mehr als nur eine unheimliche Menge Ärger für uns alle – Immerhin versteckt der Orden einen flüchtigen Mörder (es gibt immer noch keine Beweise für Sirius Unschuld – wenigstens keine, die das Ministerium akzeptieren würde).

Ungut - diese Situation - und sie wird immer schlimmer und komplizierter.

Das Ganze toppt sich selbst in einer Schlägerei vor meinem Klassenzimmer. Es sieht so aus, als habe Neville Malfoy verprügeln wollen und Harry und Ron haben ihn zurückgehalten. Wirklich eigenartig – sonst sind es immer Ron und Harry, die sich mit Draco prügeln und so vermute ich mal wieder eine üble Bemerkung aus Richtung meines Slytherins.

Allerdings ist das nichts, was ich laut sagen würde – ich brauche Lucius mehr denn je und so geht Draco mal wieder straffrei aus. Der Punkteabzug scheint den Gryffindors egal zu sein, es sieht so aus, als sei ihnen nur wichtig, dass die verhindern konnten, das Crabbe und Goyle Neville zum Nachtisch verspeisen. Was ist nur in Longbottom gefahren, dass er sich mit ausgerechnet diesen Slytherins anlegt?

Wie auch immer, ich scheuche die ganze Gruppe ins Klassenzimmer – wo zu meiner außerordentlichen Freude, die Kröte zu ihrer Inspektion aufgetaucht ist – na herrlich - ausgerechnet bei dieser Klasse, wo ich aufpassen muss, dass keine Prügeleien ausbrechen, die Granger mir kein Loch in den Bauch fragt oder Neville mal wieder den halben Kerker in Schutt und Asche legt.

Kann dieses Weib denn nicht auftauchen, wenn ich Ravenclaws und Huffelpuffs habe? – Die sind wenigstens handsam. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als das für einen weiteren Schicksalsschlag in einer ganzen Reihe von Schicksalsschlägen hinzunehmen.

Ich zische die Klasse gefährlich an, nur um sicher zu gehen, dass sie sich vor diesem Weib keine Schwachheiten rausnehmen und sie scheinen zu kapieren.

Zuerst sitzt sie nur in einer Ecke und macht sich Notizen, was den Bengel heute wesentlich mehr zu interessieren scheint als sein Trank – zum Glück sitzt die Granger neben ihm und verhindert das Schlimmste.

Ich kann es mir nicht unbedingt leisten, ihn jetzt zu recht zu weisen und so lasse ich ihn vorerst gewähren. Dann steht diese Kröte auf und beginnt zwischen den Kindern umher zu streifen. Damit macht sie mich wütend – es ist meine Aufgabe, die Kinder im Auge zu behalten – was nimmt sich dieses Weib nur heraus? Wer meint sie, dass sie ist?

Hochinquisitor von Hogwarts, Severus, und damit gibt sie sich jedes Recht, das sie haben will – also beruhig dich und mach gute Miene zum bösen Spiel!

Grrr! - Ganz abgesehen davon, dass sie von Tränken soviel versteht, wie ein Drache vom Quidditch.

Als sie mich dann auch noch anmacht, weil ich die Kids eine Stärkungslösung brauen lasse (das Ministerium, blablabla...) muss ich meine ganze Selbstbeherrschung aufbringen, um ihr nicht gleich an die Gurgel zu gehen. Sie scheint die Botschaft meines Blicks zu verstehen, denn sie wechselt sehr schnell das Thema und fragt mich, wie lange ich schon an der Schule unterrichte – müsste sie eigentlich wissen – aber, na bitte – das kann ich ihr sagen, ohne sie anzufauchen.

Doch dann fängt sie mit einem Thema an, das mir schon immer quer im Magen liegt – Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Ich muss mich zusammenreißen, dass ich sie nicht anbrülle, sie solle sich zum Teufel scheren, doch das wäre nicht klug. Also antworte ich so knapp wie möglich und bemühe mich wenigstens den Anschein von Höflichkeit aufrecht zu halten – nicht eben leicht, denn sie wird ziemlich penetrant und bohrt immer weiter. Schließlich meine ich trocken (und innerlich kochend vor Wut), sie solle doch Dumbledore fragen, warum er mir den Job nicht gibt – ich denke, Albus wird ihr schon das Richtige sagen (und dabei höflich bleiben, was mir von Herzschlag zu Herzschlag immer schwerer fällt). Schließlich frage ich sie, warum sie das für wichtig hält und sie meint, das Ministerium sei am Hintergrund der Lehrer interessiert.

Ha! - als ob mein ‚Hintergrund' Fudge nicht ohnehin hinreichend bekannt wäre. Will sie vor der ganzen Schule ausplaudern, dass ich ein Todesser bin? Nein – das war nur ein Schuss vor den Bug, denn sie wendet sich ab und beginnt meine Schüler über den Unterricht zu befragen. Ich lasse meinen Blick schweifen und meine Augen fallen auf Harrys Trank, der mal wieder unter aller Seuche ist – gut, dann habe ich ja ein Ventil für meinen Frust. Ich ziehe ihm Punkte ab und gebe ihm eine Strafarbeit auf – in der vagen Hoffnung, dass er endlich kapiert, um was es hier geht – sehr vage diese Hoffnung, denn er wird mir sicher irgendeinen Bockmist verzapfen, nur um sich vor weiteren Strafen zu schützen.

Ich seufze innerlich schwer auf.

Warum denkt er nur immer, dass ich ihn schikanieren will (na gut, will ich ja auch – aber ist nicht der Punkt, oder? – Er soll lernen – er muss lernen – warum kapiert er das nur nicht?!)

Ich bin heilfroh, als die Stunde zu Ende ist und Um-bridge meine Verliese wieder verlässt. Ja, sie war knapp davor, sich einen üblen Fluch von mir einzufangen. Diese doppeldeutigen Bemerkungen, die sie die ganze Zeit abgelassen hat und die schleimigen Fragen an meine Sly-therins (bei den Gryffindors hat sie es erst gar nicht versucht – sie wird doch nicht bemerkt haben, wie unbeliebt sie bei denen ist? Das würde ja bedeuten, dass sie doch ein wenig Verstand hat), haben mich dann nur noch mehr genervt.

Als sie geht, meint sie noch über die Schulter, sie werde mich das Ergebnis ihrer Inspektion wissen lassen.

Na, herrlich – da warte ich aber schon äußerst gespannt darauf. Sicher weis ich, dass ich zu streng bin und bestimmt nicht beliebt bei den Kids, aber sie sind in meinem Fach so weit, wie man nur sein kann – ich neige nicht dazu, dem Stoff hinterher zu hinken oder Pippifax zu unterrichten. Doch ich denke nicht, dass das für sie eine Rolle spielen wird – hier geht es um eine reine Schikane und darum Macht zu demonstrieren, nicht darum, wirklich etwas über unsere Unterrichtsmethoden zu erfahren.

Gut, es gibt an der Schule ein paar – nun - zweifelhafte Lehrer (nicht zuletzt die Kröte selbst), aber im Großen und Ganzen ist der Standard an Hogwarts sehr hoch und wir haben die Kids noch immer gut durch die Prüfungen gebracht und sie haben fürs Leben gelernt und nicht für den Lehrplan des Ministeriums.

Ich bin ziemlich wütend und koche auf kleiner Flamme, als diese Kröte mich endlich ihrer Gegenwart enthebt. Nun, immerhin habe ich mich beherrscht und bin nicht explodiert – Auch was wert. Ich weis nicht, wie meine Kollegen mit dem penetranten Auftreten dieser Person klar kommen, ich tue es auf jeden Fall nicht besonders gut. Wen wundert es also, dass ich nur wieder in meinem Mittagessen herum stochere und schließlich die dabei entstandene Pampe wieder in die Küche zurückgeht, ohne dass ich was davon gegessen habe.

Albus wirft mir einen etwas strafenden Blick zu, den ich aber so gut wie möglich ignoriere – vielleicht habe ich heute Abend mal wieder die Gelegenheit, ihn zu besuchen und eine Schneise in seinen Plätzchenvorrat zu reißen – die gehören zu den wenigen Dingen, die mein Magen ohne Proteste akzeptiert.

Ich würde wirklich gerne mal wieder eine anständige Mahlzeit zu mir nehmen, aber ich kann nicht. Jeder Bissen quillt in meinem Mund auf, als wäre er mit Schwelllösung versetzt und ich bringe nichts davon hinunter. Ich bin zu angespannt, um normal zu essen und das macht mich irgendwie wütend. Wenn Albus dann auch noch meint, er müsse sich um mich kümmern, kriege ich fast zu viel. Nicht, dass ich es nicht in gewisser Weise doch nett von ihm finde, dass er auf mich achtet, aber ich bin kein kleines Kind mehr, dem man anschaffen muss zu essen oder ins Bett zu gehen.

Meine Stimmung schwankt zwischen gereizt und wütend und manchmal habe ich wieder diese Anwandlungen mein Büro zu zerlegen – was ich mir dann aber doch verkneife. Bringt ja nichts und ich muss es dann nur wieder aufräumen.

Später erfahre ich dann, dass Umbridge Trelawney auf Bewährung gesetzt hat, damit sie ihren Unterricht verbessert und diese voll durch den Wind ist (es geht das Gerücht über einen hysterischen Anfall vor den Gryffindors). Ich mag die alte Schleiermotte nicht und halte sie für vollkommen unfähig, aber so geht man nicht mir Lehrern um, die hier schon seit vielen Jahren unterrichten (mehr oder weniger erfolgreich) und ich beginne mir Sorgen zu machen.

Ich habe wirklich keine Lust auch noch um meinen Job zu bangen – ich habe Probleme genug! Hogwarts ist das einzige Zuhause, das ich habe und ich denke, wenn diese Kröte dafür sorgen könnte, dass ich nicht nur meinen Job verliere, sondern auch mein Heim, dann packt mich die kalte Wut – mit welchem Recht, versucht sie Existenzen zu vernichten? Das sind bittere Gedanken, sehr bittere und das gefällt mir nicht.

Eine Nacht am Turm

Ich kann mich in meinen Räumen einfach nicht ruhig halten und so steige ich mal wieder auf den Astronomie Turm. Ich will nicht fliegen – ich will nur meine Gedanken klären. Es ist schon ziemlich kalt hier oben und es ist auch bereits dunkel. Ein scharfer Wind fegt um die Zinnen und bringt mein Haar dazu, dass es aus meinem Gesicht geweht wird. Ich lehne den Kopf in den Nacken und schließe meine Augen. Es ist, als würde die kalte Luft alle üblen Gedanken aus meinem Hirn fegen. Ich friere, aber das ist mir im Augenblick egal. Ich muss einfach meinen Kopf frei bekommen, wenn ich auch nur noch einen einzigen Tag weiter machen will.

Das wird mir langsam alles zu viel. Doch ich muss durchhalten, einfach weiter machen – das ist zu wichtig. Was spielt schon das Ministerium für eine Rolle, wenn es um unsere gesamte Welt geht – wenn wir auf eine dunkle Zeit zusteuern, wenn es uns nicht gelingt, Voldemort aufzuhalten?

Es liegt allein an mir, das aufzuhalten – Albus kann nicht reagieren und auch keine Pläne fassen, wenn er keine Informationen bekommt. Es ist schwer, welche zu bekommen und der persönliche Preis, den ich dafür zahle ist sehr hoch. Ich riskiere meine Gesundheit, mein Leben und ich denke wohl auch meine Seele dafür, sie zu bekommen. In mir ist ein gewisser Stolz darüber, dass ich tue, was ich tun kann. Dass ich der Einzige bin, der das tun kann – was auch immer es mich kostet. Ich habe fast ständig kleine oder größere Verletzungen und immer Schmerzen – sie haben mich so gut wie nicht mehr wirklich verlassen haben, seit ich letzten Juni zu Voldemort zurückgekehrt bin. Ich bin zu seinem Lieblingsopfer geworden, weil ich am meisten aushalten kann und nicht so schnell wie die anderen zusammenbreche.

Nein, ich denke nicht, dass er mir vertraut – zu nahe bin ich immer noch Dumbledore und er weis es. Der Dunkle Lord lässt sich von mir Informationen besorgen (natürlich bringe ich ihm nichts Wertvolles), aber wie lange wird ihm das reichen? Wie lange wird es dauern, bis er noch andere Dinge von mir verlangt, als sowas und meine Tränke? Wie lange wird es dauern, bis er verlangt, dass ich foltere oder töte, um meine Loyalität zu beweisen? Bis jetzt ist mir das erspart geblieben – ich war das Opfer und nicht der Täter (wenigstens nicht mit meinen eigenen Händen – wer weis, wie vielen Menschen meine Gifte schon das Leben oder die Gesundheit gekostet haben). Es ist übel und wird immer übler.

Habe ich überhaupt noch eine Seele? Oder ist sie längst schon vergangen – schon vor vielen, vielen Jahren? Ist sie nur pechschwarz oder einfach nicht mehr da? Spielt das überhaupt noch eine Rolle?

Ich habe eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, egal was es mich kostet, egal ob ich mich dabei selbst verliere, egal, ob ich daran zerbreche – und ich weis nicht, wie lange das noch dauern wird – da ist einfach zu wenig in mir, auf dass ich berufen kann. Zu wenig, was noch einen Menschen ausmacht – einfach viel zu wenig.

Es macht mich gleichzeitig traurig und wütend. Wieder mal wünsche ich mir, nicht so alleine zu sein und jemand zum Reden zu haben, aber ich weis, dass das nur ein unerfüllbarer Wunschtraum ist. Ich bin so einsam und leer – aber das bin ich schon seit viel zu vielen Jahren und auch wenn es wehtut, weis ich doch, dass ich es nicht ändern kann und ich bin es ja auch gewohnt – gefallen tut es mir trotzdem nicht - heutzutage weniger denn je.

Der Wind faucht um den Turm, weht meine Haare zurück und sie fliegen wie ein zerfetztes, schwarzes Banner hinter mir – ich spüre ihr Zerren an meiner Kopfhaut und es ist ein gutes Gefühl. Meine Augen sind immer noch geschlossen und ich spüre ein paar vereinzelte Regentropfen in meinem Gesicht – oder sind es Tränen? Aber das kann nicht sein ... ich kann nicht mehr weinen – schon viel zu lange Jahre nicht mehr. Egal – wenigstens kann ich mir so einbilden, dass es Tränen wären und es ist ein leises Gefühl der Erleichterung, das mich durchdringt – auch wenn es nur meine Phantasie ist.

Es ist stockdunkel und Neumond. Regenwolken treiben über den Himmel und verdecken die Sterne. Es ist, als wäre diese Nacht ein Abbild von mir. Düster, traurig, verlassen und einsam.

Es tut weh, aber ich kann mir diese Schmerzen nicht leisten – sie lenken mich nur ab und mein Körper schmerzt genug, als dass ich auch noch dort Schmerzen empfinden müsste, wo ich sie nicht behandeln kann – dort, wo keiner meiner Tränke hilft.

Stundenlang stehe ich hier oben auf diesem einsamen Turm und starre blicklos in die undurchdringliche Dunkelheit. Es gibt nichts zu sehen, doch mir ist, als würde ich eine ganze Menge sehen, als würden lange nicht mehr geträumte Träume als Wolkenbilder über den Nachthimmel ziehen – es ist, als hätten sie mir etwas zu sagen, aber ich verstehe ihre Botschaft nicht.

Mein Gesicht ist feucht vom Sprühregen und fühlt sich kalt und taub an. Meine Hände, die sich an der Brüstung aufstützen sind taub und ich spüre sie kaum mehr. Meine schwere Kleidung ist vollkommen durchnässt, aber ich kann mich nicht aufraffen, wieder nach unten zu gehen und etwas dagegen zu unternehmen.

Es ist, als wäre die feuchte, dunkle Nacht etwas Besonderes. Es ist, als würde mich irgendetwas auffordern, zu einer Entscheidung zu kommen. Doch ich habe schon längst alle Entscheidungen getroffen, die je zu fällen waren. Ich stehe an Dumbledores Seite seit damals, als er mir hier ein Heim, ein Asyl gewährt hat. Das ist das Einzige, dessen ich mir sicher bin. Ich weis nicht wirklich, wer oder was ich bin und ich wusste es nie. Zu viel oder zu wenig und das meiste widerspricht sich.

Trankmeister und Lehrer. Giftmischer und Todesser. Spion und Verräter.

Aber was bin ich wirklich, wo ist die Person hinter diesen Begriffen? Wo ist der Mensch hinter der Maske? Gewöhnlich bekomme ich Depressionen, wenn ich in einer solchen Stimmung bin, doch heute fühlt es sich nicht danach an. Er fühlt sich wirklich an, als müsse ich eine sehr wichtige Entscheidung treffen. Doch welche?

Ich bin mir sicher, dass ich so weiter machen werde wie bisher. Ich werde weiterhin zu Voldemort gehen und seinen wahnsinnigen Befehlen gehorchen - einfach nur, damit ich Albus weiter die Informationen bringen kann, die uns alle retten können. Was gibt es da noch zu entscheiden? Ich weis, was ich tun muss und ich weis, was ich tun werde.

Also, was hat das hier zu bedeuten? Was soll ich entscheiden? Wer ich bin? Was ich bin?

Ich bin kaum mehr als mein Namen – Severus Snape.

Aber wer bin ich sonst noch? Ein einsamer Mann ohne Familie, ohne Freunde, ohne jemand, dem ich mich anvertrauen kann, dem ich mich anzuvertrauen wage. Ich bin nur ich selbst – aber was ist das?

Seit viel zu vielen Jahren bin ich nur noch die Maske, die ich trage – doch wer steckt dahinter? Ist da überhaupt noch was darunter oder nur eine leere Hülle? Allein der Gedanke tut weh, dass ich nichts anderes mehr sein könnte als nur meine Maske.

Aber ich will mehr sein!

Ist das die Entscheidung, die ich in dieser Nacht treffen muss? Dieses ‚mehr', das ich sein will? Kann sein – aber wie soll das gehen? Ich kann nur das sein, was ich bin – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vielleicht ist es auch nur dieses ‚nicht weniger', um das es wirklich geht? Denn ich bin etwas und ich kann etwas dadurch verändern, indem ich so handle, wie ich es tue. Ich habe einen Wert und es scheint, dass es genau das ist, was ich heute Nacht in mir finden musste. Der Wert, den ich habe – damit ich die Kraft finde, weiter zu machen, ohne daran zu zerbrechen, damit ich die Kraft finde und den Mut – nicht nur das blose ‚muss', sondern mehr.

Ich atme tief durch und fühle mich für einen Augenblick lang frei – frei von allen Zwängen und ich spüre, dass nur noch mein Wille zählt, für das was ich in Zukunft tun werde und das gibt mir eine ungeahnte Kraft, gleichzeitig werde ich unglaublich müde und ich denke, ich werde schlafen können, aber nicht unten in meinen Verliesen, sondern hier oben am höchsten Turm des Schlosses. Ich gleite zu einer der Steinbänke hinüber und setzte mich, ziehe meine Beine an den Leib und hülle mich in meinen klatschnassen Umhang. Mein Kopf sinkt auf meine Knie. Ich atme nochmal tief durch und dann umfängt mich der Schlaf. So gut, so sicher, so tief ... traumlos ... erholsam...

Ich werde wach, weil mir ein heller Sonnenstrahl in die Augen sticht. Der Himmel ist strahlend blau und die Welt jenseits der Zinnen wirkt wie frisch gewaschen. Und ich? Ich fühle mich stark und frei und bin mir sicher, dass ich in der letzten Nacht genügend Kraft geschöpft habe, ein paar weitere Wochen zu überstehen.

Der Schlaf hat mir gut getan und hat mich erfrischt. Zum ersten Mal seit langem fühle ich mich nicht mehr so entsetzlich müde. Seltsamer Weise ist mir nicht kalt, wie es mir eigentlich in meiner feuchten Kleidung sein müsste, sondern angenehm warm, als hätte jemand oder etwas neben mir geschlafen und mich in den Armen gehalten und mich gewärmt. Ich weis nicht, wie es sich anfühlt, nicht alleine zu schlafen, aber ich denke, genau so muss es sich anfühlen – so wie ich im Augenblick empfinde.

Mein Magen knurrt und ich habe den Eindruck, dass er heute zur Abwechslung ein anständiges Frühstück akzeptieren wird. Ich klaube meine lange Gestalt zusammen, trockne meine Kleidung mit einem kleinen Zauber und mache mich in die Große Halle auf, rücke meine übliche Maske zurecht, bevor ich mich in die belebteren Teile der Schule begebe. Doch heute ist sie wirklich nur das – eine ziemlich perfekte Maske - darunter fühle ich mich ruhig und ausgeruht.

...denn sie wissen genau, was sie tun

Das gute Gefühl bringt mich durch die nächsten Tage, auch wenn ich es bald schon nur für einen schönen Traum halte, so gibt es mir doch sehr lange Kraft, alles zu überstehen, was mir das Leben so vorwirft – sei es diese Kröte, der Dunkle Lord oder unmögliche Schüler. Es trifft mich noch nicht mal sehr, als ich von Albus erfahre, das Umbridge Sirius fast im Feuer des Gemeinschaftsraums der Gryffindors erwischt hätte.

Sie versucht jede einzelne Kleinigkeit in der Schule zu überwachen und ich bin froh, dass keiner außer Dum-bledore von meinem Geheimgang nach draußen weis und ich nicht durchs halbe Schloss rennen muss, wenn ich gerufen werde. Es wäre ein gefundenes Fressen für diese Kröte, wenn sie mich bei etwas erwischen würde, was nicht ganz koscher ist. Das Ministerium weis Albus Aktivitäten gegen Voldemort sicher nicht zu schätzen, besonders, weil sie ja immer noch leugnen, dass der wieder da ist. Der müsste schon vor Fudge nackt einen Tango tanzen, damit er es endlich glaubt und diesen Gefallen wird er uns sicher nicht tun. Die Parole heißt noch immer ‚nicht auffallen'.

Umbridge lässt alle Kamine in Hogwarts – außer ihrem eigenen – überwachen. Nicht, dass wir nicht andere Wege hätten zu kommunizieren, ohne das sie es merkt und wir brauchen auch sicher keine Eulen dazu. Ich behalte das Dreamteam im Auge und es wird mir schon bald klar, dass sie allen Verboten zum Trotz ihre Verteidigungsübungen abhalten werden. Ich kann nur hoffen, dass keinem außer mir etwas auffällt und schon gar nicht dieser Kröte.

Ich kann mich nicht mehr auf meine Slytherins verlassen, denn sie haben sich von ihr einwickeln lassen. Ja, Macht war ihnen schon immer wichtig und für sie muss es so aussehen, als hätte dieses Weib welche und wäre auch bereit, diese mit ihnen zu teilen. Ich kann nur den Kopf darüber schütteln und schwer seufzen. Ich kann wohl kaum diese Kids gegen sie aufhetzten, meine eigene Stellung ist zu unsicher und auch wenn ich ihre Inspektion gut überstanden habe, kann ich nicht wissen, was ihr noch so alles einfällt.

Es wird auch immer schwieriger, meine Abstecher zu Albus zu machen, denn Umbridge beobachtet sehr genau, wer mit wem redet und was gesprochen wird, auch wenn Gespräche ziemlich plötzlich verstummen, wenn sie sich nähert. Es tut mir weh, meine Kollegen so zu sehen. In Hogwarts war es üblich einfach zu leben und leben zu lassen, doch das hat sich geändert. Umbridge beginnt jeden einzelnen Aspekt des Lebens hier unter ihre Kontrolle zu bringen – wenn sie könnte, würde sie auch noch unsere Gedanken kontrollieren – doch Merlin sei Dank ist das nicht möglich – wenigstens nicht bei so vielen Leuten auf einmal und auf eine legale Art.

Dennoch ist es klar, dass Umbridge beginnt, die Post zu lesen, die ein- und ausgeht. Ein unsägliche Frechheit. Ich schreibe zwar keinem und bekomme auch nie Briefe, aber für die Kids ist das die einzige Verbindung nach Hause zu ihren Verwandten. Ich finde es nicht richtig, sie zu isolieren oder wenigstens zu überwachen, was sie nach Hause schreiben. Wo sind wir denn hier? Ich dachte dies sei Hogwarts und nicht George Orwells 1984 – der totale
Überwachungsstaat.

Noch nicht mal Albus kann viel tun und rät uns einfach, dass wir uns bedeckt halten – ein guter Rat, aber das tue ich ohnehin. Nein, das alles gefällt mir immer weniger.

Dazu kommt, dass Voldemort immer gereizter wird, da es einfach nicht weiter gehen will, dass er Hand an die Prophezeiung legen kann. Er wütet und tobt – und natürlich foltert er auch wieder fröhlich. Ich weis nicht, was er sich davon erwartet, aber es scheint so, als würde er damit seine Laune ein wenig aufhellen – Muss man noch fragen, wer eine ganze Menge davon abbekommt? – Na eben!

Doch in mir ist immer noch diese Kraft, die mich damit fertig werden lässt, auch wenn es mich in meinem Innersten verletzt, als ich erfahre, dass ein paar Leute wieder mittels meiner Gifte ermordet wurden. Wirklich nett, dafür gelobt zu werden, dass man ein so erfolgreiches Mordwerkzeug geschaffen hat. Bringt mir ein paar Nächte voller Alpträume und ich versuche mal wieder möglichst wenig zu schlafen.

Nicht eben lustig von seinen eigenen Schreien aufzuwachen und mit kaltem Schweiß bedeckt, keuchend im Bett zu sitzen. Nein, da ist es wirklich besser erst gar nicht zu schlafen – doch leider kann noch nicht mal ich ganz ohne Schlaf auszukommen und so verfolgen mich weiterhin diese grässlichen Alpträume. Was natürlich auch bedeutet, dass meine Laune wieder ziemlich übel wird. Es ist alles so verdammt schwer für mich, aber ich mache einfach weiter, ohne darüber zu sprechen.

Soweit ich mitbekomme, muss Harry im Augenblick nicht bei Umbridge nachsitzen und wie es aussieht, hat er wirklich seine Gruppe zusammen. Nicht selten sehe ich wie Schüler aus verschiedenen Häusern in ein und dieselbe Richtung unterwegs sind. Ich kann nur raten und will sie nicht verfolgen, um nicht diese Kröte auf dumme Gedanken zu bringen. Zum ersten Mal drücke ich dem Bengel die Daumen, dass er bei seinen Streunereien nicht erwischt wird.

Zum Glück ist er so schlau, das Ganze nicht so spät anzusetzen, dass sie die Nachtruhe überschreiten. Sie dürfen immerhin bis um neun in den Gängen unterwegs sein und daran hält er sich. Ich habe keine Ahnung, wo sie sich treffen, aber es gibt genügend geheime Räume im Schloss, die dafür geeignet sind und sie werden schon einen davon gefunden haben.

Das ist so wichtig und wir müssen es geheim halten, dass wir davon wissen und die Sache einem Jungen
überlassen, der zwar mutig und nicht dumm ist, aber leider auch tollkühn und leichtsinnig. Wie lange müssen wir nur noch mit dem zu Recht kommen, was einfach ist und dürfen nicht tun, was eigentlich unsere Aufgabe wäre? Ein fünfzehnjähriger Junge, der Verteidigung unterrichtet, weil einfach kein richtiger Lehrer zu finden war - Grundgütiger! In was für einer unmöglichen Lage befinden wir uns nur?

Ich könnte wüten, kreischen, toben und etwas kaputt schlagen, aber was soll das bringen? Und so beherrsche ich mich – zähneknirschend.

Neuer Ärger

Dann kommt ein Quidditch Spiel auf uns zu und ich denke, dass das die letzte meiner Sorgen ist. Allerdings muss ich mich um meine Kids kümmern und ihnen die Gelegenheit zum Training bieten. Ich tue es ausgiebig, um nicht den winzigen Rest an Einfluss zu verlieren, den ich noch auf sie habe.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass sich die beiden Gruppen mal wieder gründlich gegenseitig verhexen, oder? Ein paar Sachen sind wirklich komisch, muss ich zugeben, aber meine Laune verbessert sich davon auch nicht und ich bestrafe wie gewohnt die Gryffindors und übersehe die Schandtaten meiner Schlangen. Das Ganze nervt mich und ich wünschte, ich müsste mich nicht auch noch damit befassen.

Trotzdem muss ich mal wieder beim Match anwesend sein, denn immer hin spielen meine Slytherins gegen die Gryffindors und das ist immer so eine Sache. Draco konnte es nie verwinden, dass Harry noch jedes Mal schneller war als er und das macht ihn wütend und unvorsichtig. So auch dieses Mal.

Das Wetter ist schlecht und man kann kaum etwas sehen, allerdings ist das Spiel so hart, wie es zu erwarten war. Es wird nicht eben besser für die Löwen, dass meine Slytherins ein hämisches Kampflied komponiert haben und es lautstark zum Besten geben. Gryffindor hat einen neuen Hüter und es ist Ron Weasley. Er ist das alles noch nicht gewohnt und lässt sich aus der Ruhe bringen, was bedeutet, dass er grottenschlecht spielt.

Nicht eben nett, was meine Schlangen da so durchziehen, aber wer Angst hat sich zu verbrennen, sollte eben nicht mit dem Feuer spielen.

Trotzdem wirkt es so, als würden ein Rudel Trolle gegen eine Gruppe Hauselfen spielen. Die Gryffindors sind alle klein und leicht und meine Slytherins sind bis auf Draco gewaltige Klötze - Kein Wunder, dass es hart wird. Das Spiel wogt hin und her und Ron fängt sich eine ganze Menge Tore ein, aber ich weis, dass die Gryffindors wohl gewinnen werden, wenn Harry – wie fast immer – den Snatsch fängt. Ich wünschte Draco würde sich nicht auf Potter konzentrieren, sondern auf den kleinen geflügelten Ball. Er tut es nicht und so kommt es, wie es kommen musste, der Bengel erwischt den Snatsch und gewinnt das Spiel für Gryffindor.

Doch das ist nicht das Üble an dieser Sache. Ich bekomme nicht alles mit, ich sehe nur, dass Harry auf Draco losgeht und der sich einen Augenblick später ein paar heftige Fausthiebe einfängt, die eindeutig nicht von schlechten Eltern sind. Auch die Weasley Zwillinge mischen sich ein – der eine erfolgreich, der andere wird von seinen Mannschaftskameraden mit aller Gewalt zurückgehalten. Dann mischen sich Hooch und Minerva ein und ich sehe nur noch, wie die alte Löwin ihre Brut ins Schloss eskortiert.

Ich will wissen, was genau los war und suche ein paar Stunden später Minerva in ihrem Büro auf. Gewöhnlich begebe ich mich nicht in ihre Höhle und bevorzuge neutrales Terrain, doch das Lehrerzimmer ist nicht eben eine Option, wenn die Gefahr besteht, dass Umbridge sich dort aufhalten könnte.

„Oh, Severus", begrüßt sie mich und ich kann hören, dass sie sich nur mit Mühe beherrscht. „Was ist?"

„Ich wollte nur über die Ereignisse am Quidditch Feld sprechen", erwidere ich und nehme auf ihren einladenden Wink hin auf dem Besucherstuhl vor ihrem Schreibtisch Platz.

„Was hast du gesehen?" will sie wissen.

„Nur die Schlägerei – und lass es – ich weis, dass Draco sicher nicht unschuldig ist – ich habe meine Gründe, ihn in Schutz zu nehmen."

„Lucius", entgegnet sie und nickt schwer. Die gute Minerva ist sicher nicht dumm und sie weis, dass ich meine Kontakte noch brauche. „Ich verstehe – auch wenn ich es nicht eben richtig finde", fährt sie fort.

Ich brumme nur und fordere sie mit einer Handbewegung auf, weiter zu reden.

„Nun, du hast sicher dieses nette Liedchen gehört – es ist auf Malfoys Mist gewachsen und als er erkennen musste, dass er mal wieder das Match verloren hat, begann er die Weasleys weiter zu beleidigen – sehr derb – ich weis nicht wo die kleine Schlange seine Kinderstube her hat, aber es klang, als käme er aus der Gosse und nicht aus einem Manor.

Ich weis darüber nur, was mir die anderen Kinder erzählt haben, ich habe es selbst nicht gehört, aber da waren Ausdrücke dabei, die die Mädchen rot werden ließen und die sie sicher nicht benutzen würden, wenn sie ihn nicht zitiert hätten.

Wie auch immer, Harry und die Zwillinge fühlten sich beleidigt und sind auf Malfoy losgegangen und haben ihn verprügelt. Natürlich konnte ich das nicht dulden, auch wenn er es ehrlich gesagt verdient hatte."

Ich kann sehen, wie ihre Augen wütend funkeln und ich bin mir sicher, dass das nicht nur damit zu tun hat, dass sich ihre wertvollen Schützlinge gewaltig daneben benommen haben.

„Weiter", fordere ich sie auf, da sie schwer schluckt und um Fassung ringt.

„Ich war eben dabei, die beiden Schuldigen zu bestrafen – nur ein Zwilling war in die Schlägerei verwickelt, als ‚diese Person' dazu kam und sich einmischte."

Sie schnaubt abfällig und ich kann mir nur zu gut vorstellen, wen sie mit ‚dieser Person' meint. Die gute Minerva ist einfach zu höflich – ich würde von ‚der Kröte' sprechen – ist mir sogar schon vor Dumbledore rausgerutscht, aber ohne dass ich mir dafür mehr als nur einen scharfen Blick eingefangen hätte.

„Was hat sie gemacht?" will ich wissen und merke, dass ich der alten Löwin gerade Recht komme, damit sie ihre Wut loswerden kann. Nun, ich kann´s ertragen und sie ist ja nicht auf mich sauer.

„Sie hat schon wieder so eine Erziehungsverordnung aus dem Ärmel gezogen, die sie bevollmächtigt, Strafen auszuteilen, wann immer sie es angemessen hält – egal, was die anderen Lehrer sagen."

„Verdammt", entfährt es mir und Minerva nickt bitter.

Sie flucht gewöhnlich nicht, aber im Augenblick sieht sie so aus, als würde sie es nur zu gerne tun und sei froh, dass ich ihr das abnehme.

„Genau das, Severus", fährt sie fort und in ihrer Stimme klingt ein Fauchen, das wirklich an eine wütende Löwin gemahnt. Grundgütiger, bin ich froh, dass ich dieses Mal nicht der Grund für ihre Wut bin – es hätte wirklich übel für mich ausgehen können. „Freu dich, Severus, ich habe keinen Sucher mehr im Team und auch keine Treiber."

„Was?!"

„Sie hat die Zwillinge und Harry lebenslang für Quidditch gesperrt", sagt sie so kalt und hart, dass die Luft in ihrem Büro regelrecht um ein paar Grade abkühlt.

„Wie bitte?" kann ich nur stammeln.

„Du hast mich schon verstanden, Severus. Mein Team ist kaputt und die drei Jungs werden nie wieder Quidditch spielen."

„Das kann sie doch gar nicht – nicht wegen einer kleinen Prügelei."

Ich bin vollkommen durch den Wind – auch wenn ich meinem Haus mal wieder den Sieg wünschen würde ... aber doch nicht so!

„Sie kann, oder sie glaubt wenigstens, es zu können", gibt Minerva zurück. „Wenigstens solange die hier an der Schule ist, wird keiner der drei mehr spielen – und da sie das mindestens für dieses Jahr ist, werden die Zwillinge nicht mehr spielen, solange sie noch an der Schule sind – immerhin ist das ihr letztes Jahr."

„Verdammt", murmle ich erneut. Ich muss diese Frau trösten, denn ich respektiere sie sehr. „Minerva, wir mögen zwar Konkurrenten sein, wenn es um den Pokal geht, aber auf diese Weise will ich sicher nicht gewinnen – das hat nichts mehr mit Sport zu tun.

Äh - warum eigentlich beide Zwillinge – so weit ich weis, hat sich nur einer geprügelt?"

„Oh ja", erwidert sie und lacht so bitter auf, wie ich es noch nie von ihr gehört habe. „Aber der andere wollte sich eindeutig prügeln und wurde nur von seinen Kameraden zurückgehalten. Sie meinte etwas von ‚Gewaltpotential' und dass sie Gryffindor von Anfang an nicht die Genehmigung zum Spielen habe geben wollen – Albus hat sie dazu gedrängt und es war ihre eine große Freude, sich dafür zu rächen. Es ist ein Machtkampf, den sie da gegen uns führt."

„Ja, das tut sie", brumme ich. „Ich hoffe, du weist auf welcher Seite ich stehe, Minerva?"

„Ja, Severus, natürlich weis ich das und ich kenne deine Gründe, es nicht zu zeigen – tut mir Leid – es kann nicht eben leicht für dich sein, diese Gradwanderung vollführen zu müssen – und danke, dass du nicht feixt."

„Grundgütiger Minerva – ich weis, wie ich bin – aber in einer solchen Situation? Wir haben uns immer noch selbst um unsere Angelegenheiten gekümmert. Dazu brauchen wir sicher nicht die Hilfe dieser ‚Hochinquisitorischen Kröte'. Himmel Minerva – das klingt in meinen Ohren so verdammt nach Hexenverbrennung."

„Ja", murmelt sie und wirft mir einen durchdringenden Blick zu. „Und ich habe das Gefühl. als würden schon für uns alle die Scheiterhaufen aufgetürmt werden und sie könne es kaum abwarten, uns darauf festzubinden."

„Wir werden damit fertig, Minerva", versuche ich sie zu beruhigen. „Wenn wir zusammenhalten, uns durch nichts trennen lassen, dann schaffen wir das schon."

Sie schaut mich immer noch an und ihr Blick ist fragend geworden.

„Solche Worte hätte ich nicht von dir erwartet, Severus", entgegnet sie.

„Minerva, das hier ist genauso mein Zuhause, wie das deine und ich werde es mir sicher nicht so leicht wegnehmen lassen – durch nichts und niemand."

Ich habe mich nach vorne gebeugt und meine Hände auf ihrem Schreibtisch aufgestützt. Das Ganze macht auch mich wütend – nicht unbedingt wegen dem Bengel – sondern wegen der himmelschreienden Ungerechtigkeit, die darin liegt.

Sie fasst über den Tisch und tätschelt meinen Handrücken, wie es eine Mutter tun würde, die ihren Sohn Bestätigung und Zuspruch geben will. Ich mag es sonst nicht, angefasst zu werden, aber jetzt nehme ich es wie es gemeint ist und erwidere die Berührung.

Sie schaut mir tief in die Augen und wir nicken uns zu – es ist als hätten wir einen Pakt zum Besten unserer Schule – unserer Heimat - geschlossen.

„Danke, Severus", meint sie leise und ich nicke nochmal.

Wir reden noch ein bisschen über allgemeine Angelegenheiten und beruhigen uns damit ein wenig. Schließlich verlasse ich sie wieder und kehre in mein Büro zurück.

Ja, ich achte und schätze diese alte Löwin wirklich – aber das war eben mehr, als nur die Geste unter Kollegen – wir sind uns auf eine sehr unterschwellige Art einig geworden und wissen jetzt, dass wir unterm Strich die gleichen Ziele haben.

Es hat mich ruhig gemacht und mir eine ganze Menge Kraft gegeben, nur mit Minerva zu reden und ich bin froh, dass ich diesen Gang gewagt habe.

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