Viele Wege führen zum Mord
Kapitel XXI
Endlich draußen
Eine Geschichte ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen. Sie kommt und geht wie Wellen, in ihr wechseln Tal un Berg, verzerren sich und liegen still. nichts bleibt ruhig, alles verändert seinen Lauf und manchmal in einer allzu überraschenden Art und Weise.
Die letzten vier Stunden verbrachte Harry damit, sich fast schlafend auf die letzten Schritte der vollständigen Animagusverwandlung zu konzentrieren.
Zuerst musste man sein inneres tierisches Ich finden. Das war nicht einfach, das Buch sagte, man müsste bei jedem Menschen in einem anderen Teil des Bewusstseins suchen. Harrys Tier, beispielsweise, war in einem Abstellschrank unter der Treppe, hungernd und stinkend und darauf wartend, dass jemand käme und die Tür von außen aufschloss. Am besten jemand, der ihn mochte und von den Dursleys befreien würde...
Der Dementor schwebte aufwärts, seinen Hunger nach miesen Gedanken gestillt.
Nachdem man das tierische Ich gefunden hatte, sagte das Buch über Animagusverwandlungen, war es sehr leicht, die restlichen Schritte bis zur Umwandlung durchzuführen. Die Formel lautete 'Anima Transfero' aber man durfte sie nicht laut sagen sondern musste sie leise im Kopf denken.
Das erste, was Harry bemerkte, war das Schrumpfen seiner Hände. Die Arme verkürzten sich und verschwanden in seinen Schulterblättern. Harry spürte, wie sich in seinem Kopf mehrere Knochen verschoben und verformten, die Haut prickelte leicht, der Mund fühlte sich auf einmal sehr trocken an...
Die Verwandlung beschleunigte sich, Harry registrierte kaum noch, was geschah. Die Befestigung der Apparatur fiel klappernd zu Boden, denn da war kein Bein mehr, an dem es befestigt sein konnte.
'bravo' raspelte Ichabod. 'er hat es geschafft.' die dunkel umhüllte Gestalt näherte sich. 'Wir sind stolz auf ihn.'
„Was bin ich?" wollte Harry sagen, aber aus seinem Mund kam eine Mischung aus Zischen und Englisch, die sich sehr nach Parselsprache anhörte.
'wir denken, er weiß es schon.' Ichabod sah von unten wirklich verschwindend groß aus. Harry wich zurück. Aber anstatt dass sich Gliedmaßen bewegten, zuckte seine Wirbelsäule nach rechts und links, zog sich zusammen und auseinander. „Ai!" zischte Harry, dieses gummiartige Gefühl seiner Wirbelsäule würde er niemals vergessen.
'er ist eine gras schlange' sagte Ichabod. Harry stoß fluchende Zischlaute aus.
Er konnte Parsel sprechen, ja sicher! Aber eine Schlange? Er war nicht hinterlistig oder gemein. Und schlau war erganz bestimmt nicht, ansonsten wäre er jetzt nicht hier.
Er fluchte zischend, während er centimeter für centimeter den Boden entlang glitt. Die Tür hob sich vor ihm wie ein wuchtiges Ungeheuer empor.
Was nun? dachte er. Nun liege ich hier vor der Tür, der Schlüssel steckt, aber weiter komme ich so nicht.
Er dachte es und wuchs. Arme sprossen aus seiner Schulter, die Beine kamen nach. Der Rücken war elegant geformt, die Tatzen geschmeidig glänzend. Vor der Tür stand eine riesige Raubkatze.
Ichabod rasselte etwas viechiges. Woraufhin Harry gefährich die Zähne fletzschte und knurrte. Die Haare standen ihm zu Berge. 'Dreh den Schlüssel, verdammt!' Was heraus kam war ein weiteres Knurren.
Er fauchte, 'Beweg deinen Lumpenrock und öffne endlich die Tür!'
'das viech ist ungeduldig.' rasselte Ichabod 'Es möge warten, bis wir Materieverformung vollendet haben.'
'Warum, ist das schwer?' fragte Harry.
'für uns, die nicht von dieser welt sind?' erwiderte Ichabod, 'sicher.'
Harry sagte 'oh.', aber das verfing sich im lauten Knarren der Tür, die sich in langer Zeit das fünfte mal öffnete. 'Danke.' schnurrte er fast wie das wohlige Schnurren einer Hauskatze, der das Streicheln gefiel. 'Du bist ein nettes Wesen.'
Ichabod ratterte laut. Es hörte sich wie ein Lachen an. 'es gibt immer ein erstes mal,' sagte er. 'für ein viech, uns nett zu nennen war unserem denken nach eine unmöglichkeit.' Ichabod ratterte weiter.
'Es ist auch das erste Mal, dass ich einen Dementoren lachen höre.'entgegnete Harry, 'Es steht dir nicht, du wirkst dadurch nur noch unheimlicher.' sagte er und tapste davon.
Ichabod raspelte überrascht. 'so warte doch.' rasselte er besonders laut, mit wem soll ich reden, wenn du weg bist?'
Das erste mal, dass ein Dementor die Anrede in der zweiten Person benutzte, hörte Harry nicht mehr.
Die Luft außerhalb des mächtigen Steinkomplexes war frischer und hatte einen weniger modrigen Geruch als der innerhalb Askabans. Harry sog förmlich die lebenserhaltende Quelle ein. Er war draußen! Er hatte Tod und Gestank hinter sich gelassen, er war frei, hatte es überstanden, hatte das Unmögliche wahr gemacht, Er lebte!
Seine weißen Flügel spannten sich zu einer Plane, die sich von einem leichten Windhauch schwebend hob. Die Füße verloren den Halt am Boden, er konnte nicht mehr stehen, panisch flatterte er mit den Flügeln - und stieg noch höher.
Wenn jemand neben ihm gestanden hätte, ihm würde gesagt werden, dass er eine Lachmöwe wäre. Und die konnte fliegen. Auch über große Distanzen konnte sie für Tage in der Luft sein.
Fliegen tat er also. Vor Freude machte er mehrere Loopings, mäanderte einige Male unentschlossen, bevor er gezielt in Richtung Süden flog.
In der Zwischenzeit betrat der kleine Auror sein kleines Büro.
Und dachte über das biepende Geräusch nach, das von seiner Installation mehrerer kleiner kompliziert aussehender Geräte ausging. Sie führte nach Askaban und er wunderte sich.
Langsam trat er an den Schreibtisch. Hob verwundert die Augen und sah wieder hin.
Das ging aber schnell, dachte er. Wo es doch so ein schönes Gerät war.
Langsam tippten seine Finger die Alarmnachrichtentastenkombination der Aurorenzentrale für große und kleine Notfälle erster Ordnung ein.
"Tonks hier" klang es aus dem Lautsprecher. Auroren sind dazu übergegangen, Muggletechnologie zu benutzen, da sie angeblich praktischer sein soll.
'Ja.' sagte der kleine Auror, "Ich bin's" sagte er und grinste. Mit einem dramatischen Seufzen sagte er, "Potter hat die Lebensgeister aufgegeben." erzählte er. "Wir müssen die Nachrichtenzentrale für äußere Angelegenheiten benachrichtigen, damit die Presse informiert wird."
"Wie kommen sie darauf," zischte Tonks, "solche anhaltslosen Mutmaßungen zu -"
"- Anders kann ich mir das fehlen einer magischen Strahlung nicht erklären." unterbrach der kleine Auror, "Selbst, wenn er sich das Bein amputiert hat, aus dem Einflussbereich des Gerätes kommt er nicht."
Tonks dachte fieberhaft nach. Es bestand noch Hoffnung. Harry könnte irgendwie irgendetwas getan haben, um dem Gerät auszuweichen. Sie konnte, nein, sie wollte sich nicht vorstellen, wie er sich selbst das Bein abschnitt.
"Sein Tod wird sicher morgen im Tagespropheten sein." ereiferte sich der kleine Auror.
"Ja." erwiderte Tonks, legte den Hörer auf und seufzte. Lass es ihm gut gehen, wo immer er ist.
Zur gleichen Zeit befand sich eine Möwe hundert Meter über den Weiten des nordischen Meeres, verwandelte sich in einen Hasen und fiel. Die Tiefen des Meeres sich in einem Schlund öffnend.
Endlich draußen
Ende.
Ich gebe zu, es hat gedauert. Und dafür möchte ich mich ganz aufrichtig entschuldigen. Aber Inspiration braucht seine Zeit. Und wer's versuchen will, über Tiere zu schreiben ist mehr als schwer. Sie denken nicht nur anders, alle Sinneswahrnehmungen kommen auch irgendwie aus einer anderen Richtung. Der, der sagt, dass es ihm nicht gefallen hat, den kann ich verstehen.
Übrigens, die Fortsetzung, also das nächste Kapitel und eventuell das übernächste, ist schon formuliert worden und muss nur noch getippt werden. Also ist das hier kein so großer Cliffhanger.
Viel Spaß beim lesen,
frodo.
Ach so, die review-antworten kommen wahrscheinlich im nächsten chap. jetzt ist einfach keine Zeit.
