Fünf Jahre später

Ashla war jetzt siebzehn Jahre alt und hatte ihr Studium an der Universität von Weogar vom Studienpensum her abgeschlossen. Sie dachte daran, ihre Magisterprüfung in Mathematik auf Muunilinst zu machen, um dort das Leben des Volkes ihres Vaters noch besser kennenzulernen.

„Ich wünschte, ich könnte dir eine Chipkarte zu einem der Apartments geben, die dein Vater dort in Harnaidan besaß, aber ich fürchte, die hat sich alle der Imperator unter den Nagel gerissen. Sie haben sich gegenseitig als Erben eingesetzt. So wie Tenebrous und Plagueis früher. So, wie das Sith-Lords immer mit ihren Schülern machen", sagte die Großmutter traurig zu Ashla.

„Keine Sorge, ich werde schon etwas finden. Aber ich werde dich vermissen", erwiderte Ashla und umarmte ihre Großmutter.

„Pass nur auf, mein Kind. Die Muuns mögen zwar freundlich und korrekt sein, aber gerade Neuankömmlingen wir dir werden sie zeigen, daß du nicht dazugehörst. Gerade wegen deiner Mutter. Und weil du nicht auf Muunilinst geboren bist. Du glaubst ja gar nicht, was Caar alles unternehmen mußte, damit Hego als sein Erbe anerkannt wurde, nachdem er wieder nach Muunilinst übergesiedelt war. Und das nur, weil Hego auf Mygeeto geboren worden war und nicht auf Muunilinst wie sein Vater.

„Ich werde schon auf mich aufpassen, Großmutter", beruhigte sie Ashla.

Schwieriger war ihre Unterredung mit Mace Windu, der nicht mit nach Muunilinst wollte.

„Die Muuns sind nicht gerade als Freunde der Jedi bekannt. Und jetzt noch viel weniger. Was, wenn sie uns aufspüren, gerade wenn wir zusammen dort auftreten?"

„Wir können ja zwei Apartments nehmen, so dass uns niemand miteinander in Verbindung bringt. Außerdem bin ich bald volljährig und es wird Zeit für etwas Eigenes", schlug Ashla vor.

Sie suchten über das Holo-Net nach Wohnungen und Ashla bekam eine Zusage für ein Apartment direkt in Universitätsnähe. Die Vermieterin, die zugleich Eigentümerin war, freute sich, so eine nette strebsame junge Dame bei sich wohnen zu lassen, so erklärte sie es Ashla zumindest während ihres Ferngespräches zum ersten Kennenlernen. Ashla wünschte sich, sie hätte zumindest ein Bild von der älteren Dame erhaschen können, aber die Bildfunktion des Holoprojektors war gestört, was Ashlas Neugier auf ihr neues Zuhause nur noch mehr anfachte.

Mace Windu hingegen zog es vor, ein Apartment in der raumhafenangebundenen Orbitalstadt namens Hochhafen-City zu nehmen, wo zumeist Gastarbeiter oder Durchreisende wohnten, damit er in deren Menge unauffällig untertauchen konnte. Deshalb konnte Mace Windu nach Ankunft im Zentralen Raumhafen von Muunilinst auch gleich einen Taxigleiter zu seinem Apartment nehmen, während seine Padawan auf das Shuttle wartete, welches sie direkt nach Muunilinst und dort in die Hauptstadt Harnaidan bringen sollte. Stolz legte sie dem Einreisebeamten, einem Sakiyaner, ihre Studienzulassung vor.

„Haben Sie als Ausländer denn überhaupt einen Wohnberechtigungsschein für den Planeten?", fragte der Beamte mürrisch.

„Ich beziehe heute meine neue Wohnung. In drei Tagen geht doch mein Studium los. Ich kann Ihnen auch gerne die Adresse geben", erklärte Ashla arglos.

„Na gut, weil Ihr Vater wohl ein Muun ist, will ich mal nicht so sein. Aber Sie müssen den Wohnberechtigungsschein in einer Woche nachreichen, sonst werden Sie abgeschoben!", meinte der Beamte drohend.

Ashla schluckte. Sie wusste, dass ihre Studiengenehmigung, die sie ganz bestimmt wegen ihres überragenden Notendurchschnitts erhalten hatte, sie auch zu einem Aufenthalt auf dem grünen Planeten berechtigte. Sie war bislang der Meinung gewesen, darin sei auch ein Wohnrecht enthalten. Sie hoffte, sich nicht zu irren.

Erwartungsvoll schaute Ashla zu, wie das Shuttle in die Atmosphäre von Muunilinst eintauchte, wie der Himmel immer heller und vor allem, wie er sich nach und nach immer grüner verfärbte. Ein paar weiße Wölkchen standen am Himmel. Es war Sonnenschein und als sie auf die Straße trat, staunte sie, wie langsam und gemessen die Muuns ihren Geschäften nachgingen, wo doch das finanzielle Wohl und Wehe der gesamten Galaxis hier entschieden wurde, unterlag doch der galaxisweite Credit in seiner Wertung und Stützung immerhin zu sechzig Prozent der Wirtschaftstätigkeit der Angehörigen des Muun-Volkes.

Als Ashla schließlich ihre neue Wohnung fand, öffnete ihr wie vereinbart die Besitzerin. Mit Befremden sah Ashla die Bestürzung in dem Gesicht der bereits älteren Muun, die eine Hautfarbe wie Ashla hatte, jedoch braune Augen.

„Guten Tag", sagte Ashla fröhlich.

„Aber, Sie haben mir nicht gesagt, dass Sie Ausländerin sind", sagte die Frau und Ashla spürte, wie sie angewidert auf ihre Lekkus und ihre Gesichtstätowierungen schaute.

„Aber den Wohnberechtigungsschein kann ich innerhalb einer Woche nachreichen", erwiderte Ashla, immer noch in dem Irrglauben verfangen, es handele sich um ein Missverständnis.

„Tut mir leid, aber ich vermiete nicht an Ausländer. Für Euch gibt es die Orbitalsatellitenstädte um den Planeten herum", sagte die Muun giftig.

„Aber während unseres Gesprächs via Holoprojektor waren Sie doch noch ganz Feuer und Flamme?", wunderte sich Ashla.

„Ja, Sie sprechen hervorragend unsere Sprache, so daß ich anfangs wirklich dachte, daß Sie eine von uns seien. Aber wie Sie aussehen! Und dann noch diese Tätowierungen! Man muß sich ja schämen. Ich kann mir so einen Skandal wirklich nicht leisten!"

Sprach es und knallte Ashla die Tür vor der Nase zu.

Ashla war den Tränen nahe, aber sie hatte keine Lust, den vorbeigehenden Muuns ihre Niederlage zu zeigen. Umgehend kehrte sie zur Fährenhaltestelle zurück und flog dahin zurück, von wo sie gekommen war, um sich nun in der Raumhafenstadt eine Bleibe zu suchen. Die Wohnungen waren dort zwar viel billiger, aber sie hatte jetzt einen dreimal so langen Weg zur Uni wie, als wenn sie das Apartment in Harnaidan bekommen hätte. Schließlich fand sie ein Zimmer, indem sie sich ein Apartment mit einer Twi'lek teilte, die als Kellnerin in einem Restaurant in Harnaidan arbeitete.

Der Saal, in welchem das Magistranden-Kolloquium stattfinden sollte, war bereits mit rund vierzig Leuten gefüllt, als Ashla dazu stieß. Fast alles waren Muun, aber es fanden sich auch ein paar Menschen und Twi'lek darunter. Jeder stellte sein Thema für seine zu schreibende Magisterarbeit vor und als Ashla an der Reihe war, ihr Thema „Zwei Wege, die Schleifengravitationstheorie mathematisch darzustellen" zu erläutern, spürte sie, daß die Leute sie intensiver anschauten als all die anderen Magistranden, die bereits ihre Vorstellung hinter sich gebracht hatten. Der Professor, ein ziemlich alter Muun, hörte sich alle Vorträge wohlwollend an und machte sich gelegentlich ein paar Notizen. Bei Ashla schrieb er ziemlich viel mit, wie sie aus den Augenwinkeln heraus registrierte.

Nachdem das Magistranden-Kolloquium beendet war, gingen alle Studenten in die Mensa, einen großen hellen Saal, dessen weiße Wände ein grünes durchgängiges Ornamentalband knapp unterhalb der Decke zierte. Ashla hätte jetzt Appetit auf ein saftiges Nexu-Steak gehabt, aber bei keinem der vier angebotenen Gerichte stand Fleisch auf der Speisekarte. Richtig. Muuns waren ja Vegetarier. Also suchte sie sich eine große Gemüsepfanne aus und beschloß, sich abends im Apartment Fleisch zu braten. Da sah sie zwei junge Muun-Frauen, die ebenfalls mit ihr beim Kolloquium gewesen waren.

„Ist bei Euch noch frei?", fragte sie freundlich.

Die eine der beiden Frauen nickte knapp, also setzte sich Ashla zu ihnen und begann zu essen.

„Du hattest doch ein Thema über Exponentialgleichungen bei der Finanzprognose, nicht wahr? Ich habe leider deinen Namen vergessen", begann Ashla die Konversation.

„Ja, das stimmt. Ich bin Dilopha und das hier ist meine Freundin Ankyla", erwiderte die rosafarbene Muun mit den blauen Augen, dabei auf ihre beinahe weiße Freundin mit den gelben Augen weisend.

„Ich bin Ashla."

„Was für ein Name!", bemerkte Ankyla und Ashla hörte leichten Spott in ihrer Stimme.

„Was ist denn mit meinem Namen?", fragte Ashla herausfordernd.

„Das klingt so nach Jedi. Ashla – der altertümliche Name für die Helle Seite der Macht. Haben wir im vorigen Semester in Literatur durchgenommen", erklärte Dilopha gelangweilt und rollte dabei genervt mit den blauen Augen.

„Tja, ich hab mir den Namen nicht ausgesucht", erwiderte Ashla hart.

„Genausowenig wie deine Mutter", setzte Ankyla nun noch einen drauf, während ihre gelben Augen Ashla förmlich durchbohrten.

„Die hat nur dein Vater ausgesucht", sagte Dilopha grinsend.

„Was, wenn meine Mutter die Muun war?", fragte Ashla ärgerlich zurück.

„Eine Muun würde sich niemals derart herablassen, mit einem Mann von einer Fremdspezies ins Bett zu gehen!", erklärte Dilopha empört und hochnäsig.

„Ich wünsche Euch, dass ihr euch mal in einen Mann von einer Fremdspezies verliebt. Und zwar so richtig!", zischte Ashla die Beiden an und stand ruckartig vom Tisch auf, ihr Essen mitnehmend, von welchem sie gerademal einen Bissen gegessen hatte.

„Ja geh nur! Du bist eine Perversion unserer Spezies!", sagte Dilopha.

„Und deine Tattoos erst! Total ordinär!", rief ihr Ankyla noch hinterher.

Ashla setzte sich allein an einen anderen Tisch und begann, ihren Aufenthalt auf Muunilinst ernsthaft in Frage zu stellen. Das sollte das Volk sein, zu welchem ihr Vater gehört hatte?

Als sie wieder in ihrem Apartment war, war ihre Twi'lek-Mitbewohnerin schon auf Arbeit. Sie rief ihren Meister an, um ihm zu erzählen, was in der Universität vorgefallen war.

„Wie bin ich froh, dass ich hier geblieben bin", meinte Mace Windu. „Ich habe eine Stellung als Concierge eines großen Wohnblockes bekommen. Nichts Aufregendes. Aber eine sichere Arbeit und ich habe viel Zeit, um anderes zu tun. Wir arbeiten nämlich im Zweischichtsystem. Da kann ich gelegentlich tagsüber mit dir trainieren."

„Ich würde jetzt so gerne mit Shaak Ti sprechen. Ich wüßte doch zu gerne, ob sie überlebt hat", sagte Ashla zu Mace Windu.

„Du bringst mich da auf eine tolle Idee!", meinte der Korun-Jedi-Meister und seine dunkelbraunen Augen strahlten Ashla an.

Am nächsten Tag kam Ashla mit zu Mace Windu auf Arbeit. Der Concierge-Bereich beinhaltete einen leistungsfähigen Computer und ein Holo-Terminal – gute Voraussetzungen, um sich in die elektronischen Aufzeichnungsgeräte im Jedi-Tempel einzuhacken. Mace Windu suchte die Liste mit den getöteten Jedi heraus. Shaak Tis Name befand sich nicht darauf.

„Es könnte Hoffnung geben", sagte er und schenkte Ashla einen aufmunternden Blick.

Er peilte die Überwachungskamera an, welche Shaak Tis Raum am nächsten war. Dann suchte er den Tag heraus, an welchem die Order 66 ausgegeben wurde. Mace Windu und Ashla sahen, wie Shaak Ti ihre Kammer verließ. Also wechselte Mace Windu die Kamera, um zur nächsten zu schalten. Sie sahen Shaak Ti zur Gleitergarage gehen, um sich dort im Schneidersitz zu setzen und zu meditieren. Man hatte keinen Ton, aber trotzdem konnten beide sehen, wie Anakin Skywalker kam und mit Shaak Ti ein kurzes Gespräch führte, woraufhin die Jedi-Meisterin zur Seite trat und Anakin sich einen Gleiter schnappte.

Sie hat ihn also fortgelassen!", zischte Mace Windu, während Ashla fassungslos zuschaute.

„Wie hätte sie denn wissen können, was passieren würde?"", versuchte Ashla, ihre Mutter in Schutz zu nehmen.

„Das spielt überhaupt keine Rolle!", schnappte Mace Windu. „Shaak Ti hatte von mir die ausdrückliche Anweisung bekommen, niemanden an die Gleiter zu lassen! Und schon gar nicht Skywalker! Und Skywalker hatte ich ausdrücklich untersagt, den Tempel zu verlassen, während ich und die anderen Drei beim Kanzler waren. Shaak Ti wußte auch das. Warum also?!", fragte Mace Windu anklagend seine junge Padawan.

„Wer weiß, was er zu ihr gesagt hat, daß sie ihm den Gleiter doch überlassen hat?", versuchte Ashla erneut, ihre Mutter zu entlasten.

Die beiden Jedi folgten über die Holo-Kamera Shaak Ti auf ihrem Weg zurück in ihre Kammer. Es passierte eine Weile nichts, außer, daß die Togruta-Meisterin meditierte. Aber sowohl Mace Windu als auch Ashla spürten, daß Shaak Ti sich damals ganz und gar nicht wohlgefühlt hatte. Sie wirkte steif und angespannt. ‚Ein schlechtes Gewissen?', dachte Mace Windu. Nach einer Weile sahen sie, wie die Tür zur Kammer von einigen aufgescheuchten Jünglingen aufgerissen wurde. Gleich darauf beobachteten sie gespannt, wie Shaak Ti ihnen kurz entschlossen zur Flucht verhalf.

„Sie hat die Jünglinge in Sicherheit gebracht. Wenigstens etwas", brummte Mace Windu, um nun mit Stirnrunzeln zu sehen, wie die Togruta-Meisterin ein seltsam aussehendes Komlink aus einer Tasche ihrer Jedi-Robe holte und aktivierte.

„Was macht sie denn jetzt?", fragte Ashla, da beendete Mace Windu abrupt die Verbindung.

„Ich habe ein Gegensignal erhalten. Wenn wir jetzt weiterschauen, dann können sie uns orten. Jemand hat gemerkt, dass wir uns unbefugt in den Tempel gehackt haben", erklärte Mace Windu in besorgtem Tonfall.

Zwei Tage später hackte sich Mace Windu erneut in den Jedi-Tempel in besagte Holo-Überwachungskamera ein. Shaak Ti holte also ihr seltsames Komlink hervor, aktivierte es und sagte etwas, was Beide nicht deuten konnte. Nur fünf Minuten später kam eine Einheit Klonsoldaten, um Shaak Ti durch den Jedi-Tempel zu eskortieren, direkt hin zu Anakin Skywalker.

„Das wars dann", sagte Ashla tonlos, nur um dann zu sehen, wie die zwei Klon-Kommandeure von Shaak Tis und Anakins Einheit ein paar Worte miteinander wechselten. Daraufhin verließ Shaak Ti hocherhobenen Hauptes mit stoischer Miene den Tempel, ohne daß Anakin ihr auch nur einen Lekku gekrümmt hätte. Nur zwei Minuten später sahen die beiden Jedi die „Overlord" von Coruscant abheben, Shaak Ti und die sie begleitenden Klone mit sich nehmend.

Mace Windu kappte die Verbindung.

„Sie haben sich abgesprochen! Vorhin mit dem Gleiter und später im Tempel! Von Anfang an! Hast du gesehen, wie stoisch und ungerührt sie an den Leichen im Tempel vorbei geschritten ist? Was für ein Esel ich doch war!", spie Mace Windu Ashla entgegen und raufte sich den kahlen Kopf.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Meister", gab Ashla völlig perplex zurück.

„Meister Yoda und ich hatten immer nur Skywalker im Visier. Seine unkontrollierbare Heißblütigkeit, seine Sprunghaftigkeit und seine Nähe zum Kanzler. Dabei hatten wir gleich zwei Ratten im Rat zu sitzen! Und eine davon hat sich stets mustergültig und regelkonform verhalten, so dass niemand geahnt hat, was für ein dreckiges Spiel sie trieb, während alle auf Skywalker geschaut haben!"

„Was meint Ihr, Meister?"

„Shaak Ti war es total egal, als ihre Padawane gefallen waren! Genau wie die toten Jedi nach Order 66 im Tempel! Sie hat gleich nach der Schlacht von Geonosis im Rat ein Loblied auf die Klone gesungen. Daß wir sie brauchen würden. Daß sie ein Geschenk von deinem Vater an die Jedi und die Republik seien. Um angeblich die Jedi zu unterstützen! Und Yoda ist auf sie hereingefallen und hat ihr auch noch die Gesundheit und das Training der Klone übertragen! Shaak Ti hat damals Fives an Skywalker und Fox ausgeliefert, damit sie ihn töten, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt. Während sie sich offensichtlich eine ihr ergebene Einheit herangezüchtet hat, die sie dann bei Order 66 unbehelligt aus dem Tempel geschleust hat!"

„Aber Meister! Vielleicht haben ja auch nicht alle Klone Order 66 ausgeführt. Es soll Jedi-Überlebende geben!"

„Das sind mir zu viele der Zufälle!", herrschte Mace Windu sie an. „Luminara Unduli hat damals im Rat erzählt, dass Shaak Ti eine Bewundrerin von Kanzler Palpatine sei. Wahrscheinlich hat sie deshalb den Kanzler damals an Grievous ausgeliefert. Und im Gegenzug hat Grievous sie leben lassen, während er ihre beiden Missionsgefährten Roron Corobb und Foul Moudama niederträchtig hingemetzelt hat, bevor er den Kanzler in dieser Schmierenkomödie entführte. Das war alles so abgesprochen gewesen! Und all dies nur deshalb, damit Skywalker sich vor Palpatine beweisen und Dooku töten konnte, dessen der Kanzler überdrüssig geworden war! Wahrscheinlich sitzt Shaak Ti jetzt in irgendeinem geheimen Apartment auf Coruscant und massiert Palpatine die Füße, wenn er mal Entspannung braucht!"

„Aber … Meister! Solange ich das nicht von ihr selbst höre, kann ich das einfach nicht glauben, was Ihr da sagt!", erwiderte Ashla und war den Tränen nahe, die sie im letzten Moment unterdrückte.

„Ein Dieb wird niemals zugeben, ein Dieb zu sein! Und noch etwas: … dein Vater starb … nur einen Tag, nachdem Shaak Ti bei ihm Nachtwache gehalten hatte. Komisch, nicht wahr? Wie eine Nachtschwester, die den Vater ihres Kindes tötet, nachdem sie von ihm geschwängert wurde. Und hinterher hat sie Krokodilstränen über seinen Tod vergossen. Ich höre noch ihre Worte: ‚Hego Damask ist für uns alle gestorben'. Wenn ich nur daran denke, wie sie sich damals im Rat aufgeführt hatte, dann wird mir schlecht!", zischte er Ashla an.

Ashla hatte genug gesehen und gehört. Sie nahm sich vor, das Thema Shaak Ti ihrem Meister gegenüber nicht mehr anzusprechen.

Erfreulicher fand sie, dass Tarla, ihre Twi'lek-Mitbewohnerin, sie zu einer Party mitnehmen wollte.

Die abendliche Party fand in einer Villa in einem von Harnaidans vornehmen Vororten statt. Ashla genoss einen wunderschönen Blick auf die Abendröte über dem Westlichen Meer, während Musik spielte und zwei Service-Droiden Getränke und Häppchen für Zwischendurch vorbeibrachten. Was Ashla auffiel, war die Tatsache, daß es sich bei den männlichen Gästen zumeist um Muuns handelte, während sie vereinzelt auch Twi'lek- oder Menschenmänner ausmachte. Ein Sullustaner war auch dabei. Die Frauen jedoch waren auf der Party stark in Überzahl. Bei ihnen handelte es sich durchweg um Menschen, Mirialanerinnen oder Twi'lek – keine einzige Muunfrau war zu sehen. Ashla sah, daß alle ziemlich ausgelassen miteinander tanzten. Vereinzelt verließen Pärchen den Tanzsaal; wohl, um die Zusammenkunft anderweitig zu vertiefen, wie Ashla annahm. Nach einer halben Stunde gesellte sich Tarla zu ihr und stellte ihr einen Muun vor.

„Das ist Lermo, mein Freund", erklärte die grüne Twi'lek lächelnd und Ashla sah, wie ihre ebenfalls grünen Augen vor Stolz leuchteten.

„Davon hast du mir nie erzählt", sagte Ashla etwas überrascht.

„Das ist kein Thema, das man hier jedem sofort auf die Nase bindet", meinte Tarla verlegen lächelnd.

Dann entfernte sich ihre Mitbewohnerin nebst ihrem Freund wieder, um etwas zu tanzen. Nach einer Weile kam ein ziemlich großgewachsener Muun auf Ashla zu.

„Mein Name ist Vulgo. Möchtest du tanzen?"

Ohne etwas zu erwidern, ging Ashla einen Schritt auf ihn zu und ließ sich von ihm auf die Tanzfläche führen.

„Du bist hübsch. Und das weißt du sicher", eröffnete Vulgo während des Tanzes die Konversation, dabei wohlgefällig in ihr feingeschnittenes Gesicht mit der edel gebogenen langen Nase, auf ihre schmale Taille und ihre nun hüftlangen Lekkus schauend. Ohne Montrals war sie jetzt 1,90 Standardmeter groß. Mit Montrals gar 2,10.

Ashla schaute in seine gelben Augen, die sie leicht von oben anschauten. Mit Montrals war sie größer als er, ohne jedoch kleiner. Sie hatte das Gefühl, er würde sie taxieren. Geradeso, als würde er möglichen Gewinn kalkulieren.

„Ja, das weiß ich", erwiderte sie schnippisch und legte dabei ihren länglichen Kopf leicht nach hinten.

„Ist dein Vater auch hier auf Muunilinst?", fragte Vulgo.

„Er ist tot", erwiderte Ashla kalt.

„Oh, das tut mir leid. Aber deine Mutter lebt doch sicherlich noch."

„Sie ist auf Coruscant", log Ashla.

„Und was arbeitest du hier?"

„Ich studiere hier – Mathematik!", schob sie energisch nach.

„Oh, das gefällt mir. Du glaubst gar nicht, wie ich diese ganzen Literatur- und Sprachenstudentinnen leid bin, die nur hierher kommen, um sich einen reichen Muun zu angeln und für den Rest ihres Lebens ausgesorgt zu haben, ohne wirklich Gefühle für den Mann zu haben", erwiderte er.

„Sind es denn so viele gewesen?", fragte Ashla und sah ihm dabei frech in die Augen.

„Das ist ohne Bedeutung. Denn jetzt bist du ja da", erklärte Vulgo beinahe feierlich und lächelte sie an.

„Eine Einladung, diese Party zu verlassen", gab Ashla laut zurück.

Vulgo faßte sie nun um die Hüfte und wollte sie zum Ausgang führen.

„Allein!", schob Ashla energisch nach und verdrehte ihm das Handgelenk, auf diese rabiate Art und Weise ihre Hüfte wieder freibekommend, während Vulgos Gesicht sich ob ihres abrupten Handgriffes in Schmerzen verzog.

„Ich bin wohl nicht so geschickt im Flirten. Habe ich noch eine Chance?", bat er sie und Ashla sah seine gelben Augen feucht werden.

Du bist ganz bestimmt nicht der Grund meines Hierseins auf Muunilinst – oder auch nur auf dieser Party!", blaffte sie ihn an, ihm dabei in einer aggressiven Mimik ihre Eckzähne entblößend. Dann schob sie ihn von sich weg, wieder in Richtung Tanzfläche.

Ashla verließ den Partysaal, um nach unten zu gehen. Sie hörte, wie ihr jemand hinterherkam. Es war Tarla.

„Laß uns gemeinsam heimfahren", bot ihr ihre Mitbewohnerin an.

„Was ist denn für eine Kuppelshow gewesen?", fragte Ashla, als sie in der nur zu einem Drittel gefüllten Fähre zurück in die Orbitalstation saßen.

„Nun ja, du hast dich wohl nicht gut mit Vulgo verstanden", meinte Tarla.

„Das weiß ich selber. Und du kennst ihn offenbar bereits", sagte Ashla und ihre schwarzen Augen funkelten Tarla zornig an.

„Man hat es einfacher, wenn man einen Muun-Freund hat", begann Tarla den Sinn und Zweck der Party zu erklären. „Man bekommt Geschenke, darf in Harnaidan wohnen, hat nicht mehr so weite Wege hin und zurück."

„Du machst es … aus materiellen Gründen?" fragte Ashla entsetzt.

„Nunja, so schlimm ist Lermo nun auch wieder nicht. Wir werden übrigens in zwei Monaten heiraten. Und wenn ich fünf Jahre Ehe mit ihm durchhalte, dann bekomme ich hier später sogar die Staatsbürgerschaft Dritter Klasse auf Lebenszeit", erklärte Tarla ihre grünen Augen schlossen sich halb und genießerisch in Aussicht auf ihre rosige Zukunft.

„Ich bin aber nicht nach Muunilinst gekommen, um mir die Staatsbürgerschaft auf solche Art und Weise zu ergattern. Und dann auch noch nur Dritte Klasse! Ich will einfach nur meinen Magister machen, mir dann irgendwo eine Arbeit suchen und heiraten will ich überhaupt nicht!", sagte Ashla trotzig.

„Dabei finden dich die Männer hier bestimmt toll. Ich weiß, daß die Muun-Frauen auf uns neidisch sind, weil ihre Männer uns heimlich hinterher schielen, weil wir so feurig und exotisch sind."

„Ist mir doch egal, ob sie mich toll finden. Ich finde sie so etwas nur abstoßend! Gehen denn die Muun-Männer alle zu solchen Partys?"

„Hmmm … ich glaube nicht", gab Tarla etwas unschlüssig zurück.

Ashla konnte sehen, daß es ihr leid tat, daß Ashla dieser Party nichts abgewinnen konnte.

„Aber ich für meinen Teil werde in zwei Wochen direkt nach Muunilinst übersiedeln. Und zwar nach Sonnental, auch Ernai-City genannt", kündigte Tarla an.

„Das ist schade", meinte Ashla.

„Ich dachte, du kommst mit. Ich weiß ja, daß auch du lieber in Harnaidan wohnen würdest. .Dann wären wir wieder direkt auf Muunilinst zusammen und könnten was unternehmen – zu Zweit oder zu Viert", sagte die grüne Twi'lek und zwinkerte ihr aufmunternd zu.

„Ernai-City – die Zweitfrauenstadt – Nein Danke. Und dieser Vulgo erst recht!", sagte Ashla mit hochgezogener Oberlippe.

„Aber du besuchst mich doch mal dort. Versprich es mir!"

„Ja, wenn dein Freund nicht da ist, gern", erwiderte Ashla.

„Keine Sorge, der ist ja meist bei seiner Familie am anderen Ende der Stadt."

„Bei seiner Familie? Hat er Kinder?", fragte Ashla in vorwurfsvollem Tonfall.

„Drei Stück. Ich hab mit ihm vereinbart, die Pille zu nehmen, weil er keinen Bastard will, wie er sagt."

„Dankeschön. Von so einem würde ich gar kein Kind wollen!", sagte Ashla und zog einen Schmollmund. Tarla lachte daraufhin laut auf, wohl, um ihre eigenen Zweifel zu überspielen, wie Ashla annahm.

Auf Tarlas Lachen hin drehten sich einige menschliche Fluggäste zu ihnen um, was Ashla etwas peinlich war.

Endlich kurz vor Mitternacht hatte die Fähre die Orbitalstadt Hochhafen erreicht. Beide Frauen winkten sich ein Gleitertaxi heran, welches nach etwa zehn Standardminuten direkt vor ihrem Apartment hielt. Tarla und Ashla fielen ins Bett und schliefen sofort ein.