Verzeiht mir bitte die kleine „Ummodeleii" von der Finalen Schlacht im Original. Es passt besser zur FF, die ja eine Phantasie ist zwinker
Verzeiht die kleine Updatepause, ich war für ein verlängertes Wochenende nicht dal
21. Kapitel – Minerva erzählt
Doch die Tiger in der Nacht wittern gierig Deine Wunden.
Reißen wild an Deinem Herz, sie zerfleischen Deinen Traum
Ich hab geträumt vor langer Zeit, Les Miserables
Zur selben Zeit als Lucius aufgehört hatte in seinen Räumen auf Hermine zu warten, klopfte diese an der Tür ihrer Vorgesetzten an. Sie hörte kichern und dann einen dumpfen Laut im Anschluss. Minerva öffnete Hermine und zog sie ins Zimmer. „Mach nicht so einen Krach."
Hermine war verblüfft. „Minerva, wie viele Flaschen habt ihr schon geleert?"
„Eine", war die Antwort. Irgendwie glaubte sie das nicht.
Fünf Minuten später saß sie mit Poppy, Pomona und Minerva auf einem Teppich vor dem heimeligen Kamin und alberte mit den anderen Frauen rum. „Ich weiß noch, als ich damals als Lehrerin nach Hogwarts kam", kicherte Pomona übermütig. „Ich war ganz schön aufgeregt und nicht sicher, ob ich der Anforderung gewachsen war."
„Warst du, 'Mönchen, jetzt bist du sogar Hauslehrerin", unterbrach Poppy sie. „Und was wir schon alles zusammen erlebt haben. Gibt es eigentlich schon eine Chronik à la Höhepunkte aller Schülerstreiche in der Geschichte Hogwarts?"
„Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich eines morgens in den Unterricht gehen wollte, dritte Klasse Ravenclaw, und plötzlich waren alle meine Alraunen lila weiß gestreift. Es hat gedauert bis ich den Schuldigen hatte", lachte die Kräuterkundeprofessorin auf.
„Das war doch noch gar nichts", winkte Minerva ab. „Fred und George Weasley haben mich mit ihren Zauberscherzen fast in den Wahnsinn getrieben. Ich war eines Abends als Katze unterwegs und hab doch tatsächlich eine wunderbare Maus gesehen. Natürlich dauerte es nicht lange, bis ich sie hatte. Ich wollte der kleinen Maus nichts tun, ich wollte sie lediglich Severus ins Bett legen."
„Du wolltest WAS?", fragte Hermine überrascht.
„Ach, erzähl mir nicht, dass Harry, Ron und du nicht in den Flegeljahren ward und euch gegenseitig Streiche gespielt habt. Slytherin hatte damals 10 Jahre in Folge den Hauspokal. Dann kamen Harry, Ron und du nach Hogwarts und der Pokal wanderte heim nach Gryffindor. Natürlich war er darüber nicht erfreut und nutzte jede Gelegenheit, mir das zu zeigen. Das ging sogar soweit, dass er den Tieren, die von den Schülern verwandelt werden sollten mit einem Trank versorgte, der die Tiere resistent gegen sämtliche Zaubersprüche werden ließ. Ihr wisst gar nicht, wie das ist, wenn man vor einer Klasse steht, die Kinder anschnauzt, weil sie es nicht hin bekommen und dann versagt man selbst. Es war grauenvoll. Für diesen Vorfall wollte ich mich nun also retten und fing besagte Maus. Leider war das keine echte Maus, sondern ein Scherzartikel von den Zwillingen." Sie lachte. „Eines abends war ich als Animagus unterwegs und flüchtete gerade vor Mrs. Norris, mit der ich noch nie konnte. Ich hetzte die Gänge entlang und sah eine Maus. Dass sie direkt auf dem Gang lag, hätte mich stutzig machen müssen, aber in dem Moment wollte ich die Maus nehmen und Severus unter die Decke legen. Kaum hatte ich die Maus gefangen, als es einen Knall gab", sie lachte wieder. „Nun, ich lag auf dem Rücken, alle Viere von mir gestreckt, natürlich zurückverwandelt und hatte die Maus im Mund. Bewegen konnte ich mich kein Stück. Ich werde heute noch von ihm aufgezogen."
Die Frauen lachten, nur Hermine war erstaunt. Diese Seite ihres ehemaligen Zaubertrankprofessors kannte sie gar nicht. „Professor Snape hat … Humor?", fragte sie entsprechend konsterniert.
„Lausig schwarzen, wenn du mich fragst, aber ja, hat er. Er zeigt ihn nur sehr selten", gluckste Minerva.
Die Weasley-Zwillinge waren ein Abendfüllendes Thema. „Ich weiß noch, als ich einer Klasse gerade demonstrieren wollte, wie sich Animagi verwandeln, als sich plötzlich einer der Schüler in einen Kanarienvogel verwandelte und durchs Klassenzimmer flog. Meine ganze Pointe war dahin." Minerva wischte sich Lachtränen aus den Augen.
„Erinnert ihr euch noch an die Juxzauberstäbe? Ich wollte gerade die Betten im Krankflügel machen, griff nach meinem Zauberstab und bevor ich irgendwas sagen konnte, hatte ich eine quietschende Gummimaus in der Hand." Poppy wieherte geradezu.
„Und ich kann mich noch an meine allererste Begegnung mit den Nasch-und-Schwänz-Leckereien erinnern. Ich war gerade dabei eine Vierte Klasse Bubotubler-Eiter sammeln zu lassen, als die ersten Schüler Nasenbluten bekamen. Die nächsten übergaben sich. Natürlich schickte ich sie alle zu Poppy", erzählte Pomona.
„Wo keiner ankam", warf Poppy ein.
„Schließlich waren nur noch drei Schüler da", fuhr die kleine, freundlich wirkende Hexe fort, „und ich beendete den Unterricht frühzeitig. Ich war entsetzt, als ich die angeblich kranken Schüler und Schülerinnen munter schwatzend im Schloss wieder traf."
Hermine verspürte erst ein schlechtes Gewissen, aber dann stürzte sie sich voller Eifer in das Gespräch und löste viele ‚Geheimnisse' um den Mythos ‚Weasley-Zwillinge', die die Professorinnen nicht hatten lösen können.
Die Stimmung war gelöst, die Flaschen gefährlich oft geleert und die Damen befanden sich mittlerweile in einem sorglosen Zustand. Mittlerweile erreichten die vier einen Punkt, der gefährlich nach unter den Begriff ‚Lästereien von Kollegen' gehörte. Niemand wurde übergangen und besonders über Sybill Trelawney zerrissen sie sich das Maul.
„Hermine, dein Abgang aus ihrem Unterricht war damals spektakulär", kicherte Pomona. „Er sorgte noch wochenlang für Gesprächsstoff und sogar Severus fiel damals keine abfällige Bemerkung ein."
Die Angesprochene versuchte das Thema dezent zu umschiffen. Es war ihr peinlich, auf ihr damaliges Verhalten hingewiesen zu werden. Letztendlich konnte sie sich aber nicht mehr beherrschen und fing an, hemmungslos zu lachen. Alle lachten bis ihnen die Bäuche wehtaten.
Das Kaminfeuer brannte unermüdlich, dennoch war der Raum nicht überhitzt, sondern angenehm warm. Die nächste Flasche wurde geleert und Hermine fühlte sich wunderbar schläfrig, während sie den Frauen zuhörte. Eine Müdigkeit machte sich in ihrem Kopf breit und legte sich langsam auf ihre Augenlider.
Sie hörte die Stimmen wie in weiter Ferne. Sie waren nicht mehr wichtig. Nichts war mehr wichtig. Nur die langen, eleganten Finger, die sich langsam an ihrem Bein hoch tasteten, zählten noch. Für einen Moment hielt Hermine den Atem an, die Finger würden noch nicht … Doch sie würden, und sie taten. Sie streichelten langsam über Hermines Bauch und schoben sich unter ihr T-Shirt. Sie biss sich auf die Lippen, um nicht laut aufzustöhnen. Ihr Körper war erregt, ihre Brustwarzen standen steif von ihrem Körper ab. Sie wollte, dass die Finger sie an ihrem Ganzen Körper berührten. Sie wollte sie auf sich spüren, in sich. Diese Finger verschafften ihr wohlige Schauer und prickelnde Erregung. Aber sie wollte mehr, sie wollte alles. Sie wollte ihn.
„Was läuft eigentlich zwischen dir und unserem Engelchen, Minchen?", fragte Poppy plötzlich.
Hermine öffnete verwirrt die Augen und ein zartes rosa überzog ihr Gesicht. Sie fühlte sich seltsam ertappt, beschloss aber, dass sie die Neugier der Frauen mit einer Teilwahrheit am besten befriedigen konnte. „Was sollte denn zwischen uns Laufen? Wir haben uns ausgesprochen, und er hat mich um eine zweite Chance gebeten."
„Hast du sie ihm gegeben?", fragte die Krankenschwester atemlos.
„Natürlich. Warum nicht? Er scheint sich wirklich geändert zu haben."
Poppy wollte weiter bohren. „Und?"
„Was und?"
„Ist er wirklich so schön, wie alle behaupten?"
Hermine sah sie verwundert an. „Poppy, wovon redest du?"
Besagte Hexe wurde rot. „Egal was man von ihm hält, er ist zweifelsohne attraktiv. Und ich frage mich, ob er auch unter seiner Kleidung attraktiv ist."
„POPPY, woher soll Hermine das denn Wissen?", griff Pomona ein. Poppy rollte mit den Augen.
Übermut überfiel Hermine. Sie schloss ihre Augen ein wenig, beugte sich etwas vor, um einen geheimnisvollen Anschein zu erwecken und sprach mit geheimnisvoller Stimme. „Er … ist … unglaublich."
Poppy hing an ihren Lippen, und selbst Pomona konnte ihr Interesse nicht ganz verbergen. Lediglich Minerva schaute kritisch drein.
„Er hat muskulöse Arme", fuhr Hermine fort. „Und kein Gramm Fett zu viel auf den Hüften. Sein Hintern ist knackig. So knackig, wie bei einem 20jährigen Mann." Nacheinander sah sie jeder Hexe verführerisch in die Augen. „Sein… ihr wisst schon, ist atemberaubend… Aber das Unglaublichste ist etwas anderes…" Sie grinste innerlich über die Wissbegierde ihrer Kolleginnen. „Das Todessermal ist kein Todessermal mehr."
„Nicht?", wisperte Pomona.
„Nein…" Hermine klang fast mystisch. „Der Totenkopf hat mittlerweile eine Herzform angenommen. Die Schlange sieht aus wie ein Pfeil und … es sieht unglaublich aus… da drunter steht…" Wieder sah sie aufmerksamkeitheischend in die Runde. „Ich liebe Poppys selbst gemachte Wadenwickel." Grinsend lehnte sie sich zurück und es dauerte einen Moment, bis die anderen ihre Worte realisierten. Dann brachen sie in Gelächter aus, nur Poppy sah für kurze Zeit etwas säuerlich aus. Doch dann lachte auch sie. „Da hast du uns aber ganz schön ins Labyrinth geführt, Minchen."
Keine der Frauen schnitt dieses Thema erneut an, aber Minerva nahm nach einer Weile Hermines Hand. „Ich glaube, er hat Interesse an dir. Pass einfach auf dich auf."
Hermine lächelte. „Minerva, mir passiert nichts. Du wachst doch wie ein Habicht über mir." Sie drückte kurz die Hand ihrer Freundin. „Was weißt du eigentlich über ihn?"
Minerva füllte erneut die Gläser. Dann machte sie es sich gemütlich und begann mit ihrer Geschichte.
„Lucius war ein sehr … spezieller Junge, als er zu uns kam. Ähnlich wie Draco war auch er der Auffassung, dass es niemanden gab, der über ihm stand. Sein angenehmes Äußeres, seine Abstammung und sein raffiniertes Verhalten konnten am Anfang tatsächlich darüber hinweg täuschen, dass er nicht der Engel war, als der er sich ausgab. Er verstand es vorzüglich, sich bei den Lehrern ins rechte Licht zu setzen und von seinen Mitschülerinnen umsorgt zu werden. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der er keine Freundin hatte, die ihn vergötterte und ihm sämtliche Wünsche erfüllte. Professor Dippet lernte ihn als einen aufmerksamen, angenehmen jungen Mann kennen, der zwar sehr gut wusste, was er wollte und was nicht, aber stets das Allgemeinwohl im Hinterkopf hatte. Durch das Vertrauen, das der Schulleiter in ihn setzte, lernte er schnell die verschiedenen Formen der Manipulation kennen. Selten habe ich einen Schüler kennen gelernt, der sein Umfeld so geschickt dahin brachte, dass zu tun was er wollte, wie er." Sie nippte an ihrem Rotwein.
„Auch ich habe mich ein wenig einwickeln lassen, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Nur Albus hatte genug Weitsicht, die damaligen Zeichen richtig zu deuten. Irgendwann teilte er uns seine Beobachtung in einer Lehrerkonferenz wieder, so dass wir den Jungen in einem anderen Licht sahen. Er war wie eine Blume, die wunderschön aussah, und deren Duft einem den Atem raubte. Man setzt sich vor sie ins Gras und beobachtet dieses wunderschöne Geschöpf. Im Kopf manifestiert sich der Gedanke ‚Du darfst ihr nichts tun, denn dann wird die Blume welk und stirbt.' Man war fasziniert und geblendet. Albus war dann wie ein Ritter, der die Blume pflückte und sie einem hinhielt. ‚Fass sie an und du spürst die Rosen. Sie tun dir weh. Löse dich von der Angst hinter die Dinge zu sehen und lasse dich nicht blenden.' Und so war es mit Lucius."
Sämtliche Augenpaare waren auf sie gerichtet und Minerva trank erneut einen Schluck, ehe sie fortfuhr. „Ich bemerkte, dass er die Menschen zu seinem Vorteil ausnutze. Seine Fähigkeit mit Worten umzugehen, vernebelten die Sinne. Aber wenn man darauf vorbereitet war, erkannte man die Doppeldeutigkeit. Schon damals war sein Hang zu perfiden Intrigen erkennbar. Wie dem auch sei, es verwunderte mich nicht, dass er sich schließlich Voldemort anschloss. Seine Faszination war schon vorher bekannt. Und ebenfalls hatte es mich nicht verwundert zu erfahren, dass zwar jeder wusste, er sei ein Anhänger des Dunklen Lords, aber niemand konnte ihm etwas nachweisen. So wie er in der Schulzeit die Fähigkeit hatte, seine Mitmenschen um den Finger zu wickeln, so schaffte er es erst Recht als Erwachsener, wo ihm nicht nur gewaltige Geldmittel zur Verfügung standen, sondern auch wesentlich mehr Erfahrung. Fudge fraß ihm aus der Hand. Natürlich hatte auch er gehört, dass Lucius ein Todesser sein sollte, aber er schlug sämtliche Ratschläge diesbezüglich in den Wind. Er habe eine sehr gute Menschenkenntnis, sagte er einmal zu mir. Lucius Malfoy wäre zu verständnisvoll, zu intelligent und vor allem zu eng mit ihm befreundet, um sich dem Dunklen Lord anzuschließen. Damals war er noch kein Minister, aber als er es dann wurde, war es wohl wie ein Glücksgriff für Lucius. Ich vermute auch, er hat einige Menschen bestochen, so dass sie sich für Fudge aussprachen."
Erneut trank sie einen Schluck. „Das sind Spekulationen die Albus vermutet hat, erwiesen haben sie sich nicht.
Nun denn, Lucius hatte sich schon früh dem dunklen Lord angeschlossen. Wann genau wissen wir nicht, wahrscheinlich aber nach der Schulzeit. Von Beruf war und ist er Sohn, zumindest ist mir nichts anderes bekannt. Er hat von seinem Vater Abraxas Malfoy eine sehr große Summe Geld geerbt. Aufgrund seiner guten Beziehung zu Fudge, war er auch ein Spion Voldemorts. Allerdings gab er Kingsley Shacklebolt einen wertvollen Tipp, so dass wir bei der Finalen Schlacht überlegen waren, und Harry Voldemort schließlich besiegen konnte."
„Was für einen Tipp?", flüsterte Hermine.
„Lucius sagte Kingsley, dass Voldemort immer schwächer und schwächer wurde. Wie wir heute wissen, geschah das durch die Vernichtung der Horcruxe. Aus diesem Grund arbeitete Voldemort an einem Zauberspruch, der Nagini in eine Art Basiliken verwandelte. Natürlich geschah diese Verwandlung nicht wirklich, der Effekt war jedoch der Gleiche. Wer ihr in die Augen sah, wurde getötet. Ein äußerst schwieriger Spruch mit fatalen Folgen. Dank Lucius wussten wir von diesem Zauberspruch und konnten uns entsprechend schützen. Ihr hattet die Anweisung ihr nicht in die Augen zu gucken und Nagini umgehend zu töten."
„Ah", machte Hermine. „Ich erinnere mich. Du hast es uns gesagt, als wir alle in der Großen Halle versammelt waren. Ich wusste allerdings nicht, dass dieser Tipp, der wohl vielen das Leben gerettet hatte, von ihm kam."
„Doch, kam er", nickte Minerva. „Warum er dieses Wissen weiter gab weiß ich nicht. Aber dieser Hinweis und eine großzügige Spende ans St. Mungos bewirkten, dass Lucius von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen wurde. Er hatte es mal wieder geschafft, seinen Kopf aus der Schlinge z ziehen. Nach der Schlacht zog er sich mit Narcissa und Draco nach Malfoy Manor zurück, und verschwand spurlos von der Bildfläche. Ich hörte erst wieder von ihm, als ein ehemaliger Todesser Malfoy Manor angriff und Narcissa und Draco ermordete. Er hatte Lucius als Verräter bezichtigt und konnte festgenommen werden." Nun tat Minerva etwas, was Hermine nie von ihr erwartet hatte, sie steckte sich eine Zigarre an, so wie es die Divas in den 1920er Jahren taten und rauchte.
„Das Ministerium war in der Zwischenzeit reformiert worden und der neue Minister stand nicht unter Lucius' Einfluss. Im Gegenteil, er zweifelte an dessen Aufrichtigkeit und an seiner Beschwörung, nun ein anständiges Leben führen zu wollen. Dies war der Grund, warum Lucius keinen Job im Ministerium bekam, obwohl noch viele seiner so genannten ‚Freunde' dort arbeiten. Ich vermute, der Tod von seiner Familie ist ihm näher gegangen, als wir alle vermutet haben. Ebenfalls glaube ich, dass er mit der Arbeit diese Schreckenssekunden vergessen wollte. Im Ministerium zu arbeiten hätte seinem Ruf nicht geschadet, im Gegenteil, dadurch hätte er vieles einfacher gehabt. Aber wie gesagt, der Minister war vorsichtig und wollte Lucius aus Ministeriuminternas raushalten. So trat er an mich heran und fragte, ob wir Lucius im Kollegium gebrauchen könnten. Es wäre ihm lieber, unser Engelchen sei beschäftigt und unter meinen Fittichen. Ich schreibe dem Ministerium monatlich eine Beurteilung in der ich mitteile, wie er sich macht." Sie beendete ihre Erzählung und blies kleine Kringel in die Luft.
Die anderen drei Frauen dachten über das Gehörte nach. Schließlich war es wieder Hermine, die eine Frage stellte, die wohl allen im Kopf herum spukte. „Und was glaubst du?"
„Ich weiß es wirklich nicht. Du kannst dir vorstellen, dass ich dem sehr kritisch gegenüber stand, schließlich war er ein Todesser der übelsten Sorte. Aber bislang habe ich von den Kindern keine Klage gehört. Er arbeitet ruhig und konsequent, er ist streng, aber gerecht. Wobei, kann ein Slytherin gerecht sein?" Sie lachte leise. „Oberflächlich und mit meiner Erfahrung gesehen würde ich sagen, er führt etwas im Schilde. Ich traue dem Frieden nicht. Aber der Krieg war schrecklich, Lucius hat seine Frau und seinen Sohn verloren. Ich kann mir ebenso vorstellen, dass er sich wirklich geändert hat. Ich schreibe dem Ministerium jedes Mal, dass ich mit ihm zufrieden bin und keinen Anlass zur Klage habe. Aber, sagen wir mal so, ich rechne mit allem."
Wieder herrschte Schweigen. Und erneut stellte Hermine die nächste Frage. „Seit wann kann er zauberstablose Magie?"
„Er kann WAS?", keuchte die Direktorin.
„Zauberstablose Magie. Ich habe mittlerweile schon öfters mitbekommen, dass er ohne seinen Stab zaubert."
„Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Er wedelt ständig mit seinem Stock rum, in dem ja bekanntlich der Zauberstab steckt." Minerva sah ernsthaft geschockt aus. Sie sah von einem zum nächsten. „Das ist in der Tat bedenklich."
„Warum?" Hermine brannte darauf, Näheres zu erfahren.
„Weil nur sehr, sehr mächtige Zauberer zauberstablose Magie anwenden können. Es bedarf eigentlich Begabung dafür und ich selbst kenne nur zwei, die es ansatzweise schaffen, bzw. einer, der es gänzlich schaffte."
„Wer?", wisperte Pomona.
„Harry Potter, Albus Dumbledore und Lord Voldemort."
Die junge Hexe massierte sich die Stirn. „Du willst uns jetzt nicht ernsthaft weismachen, Lucius Malfoy wäre Lord Voldemorts Nachfolger?"
„Ich weiß es nicht. Aber irgendwas hat Voldemort damit zu tun, dass Lucius diese Kunst beherrscht. Und das stimmt mich sehr nachdenklich."
Auch Hermine war grüblerisch geworden. Sie begriff langsam das ganze Ausmaß und noch mehr begriff sie, dass sie vielleicht einen Fehler gemacht hatte, als sie am Abend Lucius trotzen wollte.
Sie verabschiedete sich schnell und rannte zu seinen Räumen. Drei Mal klopfte sie laut, aber niemand machte ihr auf. Tief in Gedanken versunken ging sie zu ihren Räumlichkeiten, um sich schlafen zu legen.
Dabei übersah sie die schwarze Gestalt, die sich gerade noch in einer Nische verstecken konnte, als sie auftauchte. Diese Gestalt sah ihr hinterher, als sie den Gang runter ging und strich sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht.
