„Nun blick ich ganz erstaunt drein
wer hätt's je gedacht, dass dies geschah?
Wie kann er so charmant sein?
Da ist etwas in ihm, dass ich vorher nicht so sah"

– Beauty & The Beast, ‚'Wer hätt's gedacht'.


Der Weihnachtsmorgen war so trist, wie sie erwartet hatte, nur mit den Geschenken von Harry und Mrs. Weasley, obwohl sie auch ein paar Karten erhalten hatte. Eine war von Madam Pomfrey und die andere war eine Muggel-Karte, eine überraschend schöne Karte, die einen Wald in seiner Winterpracht, ohne glitzerndem Schneemann oder niedlichem Rotkehlchen oder grinsende Rentiere, zeigte. Der Umschlag war unbeschriftet und auch die Karte war nicht beschrieben. Für einen Moment starrte Hermine verwirrt darauf, bevor sich ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen abzeichnete. Sie konnte nur an eine Person denken, die diese Karte möglicherweise verschickt hatte. Es war fast schon süß. Und er war wahnsinnig. Kopfschüttelnd legte sie sie auf ihr Bett und zog sich an. Dieses Jahr war der gestrickte Weasley-Pullover dunkelblau.

Das Frühstück in der Großen Halle war auch nicht sonderlich ausgelassen. Die Schüler hatten die Schule scharenweise verlassen und wieder einmal wurde alles auf einen einzigen Tisch reduziert. Sie schaffte es, sich einen Platz neben Madam Pomfrey zu sichern und beinahe direkt gegenüber von einem missmutig dreinschauenden Snape. Sein Gesicht war nicht länger blutverschmiert oder verletzt, aber seine Augen waren rot unterlaufen und eingefallen und er ignorierte bewusst jeden um sich herum, als er versuchte sein eigenes Körpergewicht mit Kaffeekonsum wieder auszugleichen, anstatt etwas zu essen.

Hermine erinnerte sich an ihren tristen Morgen im leeren Schlafsaal, keine Freunde, keine Familie, so gut wie keine Geschenke. Mit einem unsicheren Blick in seine Richtung fragte sie sich, ob es ihm irgendwie besser ergangen war. Sie bezweifelte es. Er war die einzige Person an diesem Tisch, die nicht lächelte. Weihnachten war deprimierend, wenn man alleine war, und obwohl es stimmte, nur ein Teil seiner Einsamkeit war selbst herbeigeführt, so war es doch nicht alleine seine Schuld. Sie versuchte sich wieder auf ihr Frühstück zu konzentrieren und an Nebel zu denken, sehr wohl wissend, er würde ihr Mitleid nicht gutheißen und zuckte beinahe unter dem selbstmörderischen Mut seiner Kollegen zusammen, die versuchten, ihn in weihnachtliche Stimmung zu bringen.

„Kommen Sie schon, Severus", tadelte Dumbledore den säuerlichen Hauslehrer freudig. „Es ist immerhin Weihnachten. Zeigen Sie etwas festliche Gesinnung."

Snape bedachte seinen Arbeitgeber mit einem trotzigen und unbeeindruckten Blick; so wie er aussah, konnte er auch gut einen Kater haben. „Pah, dummes Zeug", antwortete er mürrisch.

„Weihnachten dummes Zeug? Das kann nicht Ihr Ernst sein", antwortete Hermine automatisch, bevor sie genauer darüber nachdenken konnte. Sie hätte sich nicht für tausend Galleonen aufhalten können. Jeder am Tisch starrte sie an und sie begann vor Scham rot anzulaufen. Sie war drauf und dran eine Entschuldigung zu stottern, bis sie bemerkte, wie Snapes schwarze Augen zu funkeln begannen.

„Es ist mein Ernst", sagte er bewusst und boshaft. „Fröhliche Weihnachten? Was für ein Recht haben Sie fröhlich zu sein? Was für ein Grund, fröhlich zu sein? Sie sind arm genug."

Verzweifelt versuchte sie ein erfreutes Lachen zu unterdrücken und ignorierte weiterhin die verblüfften Blicke, die man den beiden zuwarf, und so drehte sie sich auf ihrem Stuhl, damit sie ihn direkt ansehen konnte. „Nun. Was für ein Recht haben Sie, grämlich zu sein? Was für einen Grund, so mürrisch zu sein? Sie sind reich genug."

„Pah. Dummes Zeug." Lachfalten zeichneten sich an seinen Augenwinkeln ab, als er stumm auflachte und Hermine war sich durchaus bewusst, dass sie breit grinste, und versuchte ein Kichern zu unterdrücken.

„Seien Sie nicht böse." Sie konnte nicht glauben, dass er überhaupt diese Anspielung gemacht hatte, ganz zu schweigen, dass er jetzt mitspielte. Das war einfach nur unwirklich und unglaublich brillant.

„Was soll ich anderes sein, wenn ich in einer Welt voll solcher Narren lebe?", schnappte er, seine Augen leuchteten. „Fröhliche Weihnachten! Der Henker hole die fröhlichen Weihnachten. Was ist Weihnachten für Sie anderes, als eine Zeit, in der Sie Rechnungen bezahlen sollen, ohne Geld zu haben, eine Zeit, in der Sie sich um ein Jahr älter und nicht um eine Stunde reicher finden, eine Zeit, in der Sie Ihre Bücher abschliesen und in jedem Posten durch ein volles Dutzend von Monaten ein Defizit sehen? Wenn es nach mir ginge, so müßte jeder Narr, der mit seinem ›Fröhliche Weihnachten‹ herumläuft, mit seinem eigenen Pudding gekocht und mit einem Stechpalmenzweig im Herzen begraben werden." Tief durchatmend lächelte Snape beinahe, seine Lippen zuckten. „Feiern Sie Weihnachten nach Ihrer Art und lassen Sie mich nach meiner feiern."

„Feiern! Aber Sie feiern es ja nicht", entgegnete sie.

„Lassen Sie mich ungeschoren. Mag es Ihnen Nutzen bringen! Es hat Ihnen ja schon immer Nutzen gebracht!"

Hermine strauchelte für einen Moment und biss auf ihre Lippe, bevor sie halb lachend reuevoll den Kopf schütteln musste. „Tut mir leid, Sir. Ich kann mich nicht mehr an den Rest erinnern. Ich habe es schon ziemlich lange nicht mehr gelesen."

„Dennoch beeindruckend", bemerkte er milde. „Meister Dickens wäre stolz." Er hob in einem stummen Toast seine Kaffeetasse, bevor er sich jetzt offenbar in besserer Stimmung seinem Essen zuwandte. Hermine sah sich um und erkannte, sie beide wurden noch immer angestarrt. Selbst der Schulleiter sah verwirrt aus. Sie überlegte kurz einen Raum voller Reinblüter Die Weihnachtsgeschichte zu erklären – Harry hätte zumindest schon einmal von Scrooge gehört, aber sie bezweifelte, ob er jemals das Buch gelesen hatte, falls er überhaupt wusste, dass es ein Buch war, also war es auch egal, dass er jetzt nicht hier war – und entschied dann, es war der Mühe nicht wert. Stattdessen bedachte sie sie mit einem nervigen, freudigen Lächeln und konzentrierte sich auf ihr eigenes Essen, versuchte weiterhin, nicht zu lachen und Snapes Blick zu meiden.

Anschließend schloss sie außer der Halle zu ihm auf, kämpfte um ihr Lachen, als er sie amüsiert musterte und nickte. „Bereit für Ihre Revange?", fragte er trocken. Er schien jetzt zumindest wirklich nicht mehr wütend auf sie zu sein.

Sie lächelte. „Sie waren viel besser als ich", antwortete sie bewundernd.

Er schnaubte. „Ernsthaft, Miss Granger, sicherlich haben Sie inzwischen erkannt, dass ich notgedrungen ein guter Schauspieler bin?"

„Ja, ganz offensichtlich, aber das ist nicht dasselbe", protestierte sie lächelnd. „Ich meine, Sie sind bestimmt nicht sonderlich oft auf irgendwelche Tricks mit Ihrer Stimme angewiesen, oder?"

„Sie wären überrascht", antwortete er nachdenklich, neigte gering seinen Kopf, bevor er leicht mit den Schultern zuckte und sie wieder ansah. „Ich benutze jedes mir zur Verfügung stehende Mittel."

Da blinzelte Hermine und fragte sich kurz, wie die anderen Todesser von dieser seidigen Stimme betroffen waren, welche eine Klasse für Stunden im Bann halten und sie alle in den Wahnsinn treiben konnte. Gefangen in ihrem geistigen Bilde, bemerkte sie abwesend: „Irgendwann möchte ich Sie einmal Shakespeare lesen hören."

Er betrachtete sie mit einem unleserlichen Blick, wodurch sie nur rot anlief, als sie erkannte, dass sie ihre Gedanken laut gesprochen hatte. Wirklich äußerst subtil, Hermine. Warum nicht auch noch ein Schild auf deine Stirn kleben, wenn du schon dabei bist? Ganz offensichtlich schien Snape ihren Kommentar zu ignorieren, nickte lediglich und wandte sich den Kerkern zu. Räuspernd rief sie ihm leise nach: „Fröhliche Weihnachten, Sir."

„Wenn Sie das sagen", antwortete er trocken, und schielte mit dem Hauch eines Lächelns in seinen Augen zu ihr zurück.


Als Hermine zu Silvester die Glocken läuten hörte, war sie gezwungen, ihr Lachen zu unterdrücken. Es waren nicht genug Schüler in der Schule geblieben, um eine Feier zu organisieren, aber wie es sich anhörte, wurde im Drei Besen heute Abend gewaltig gefeiert, aber sie war bereit, sich einzugestehen, dass sie auf eine wirklich seltsame Weise ins neue Jahr feierte.

Immerhin war niemand so dämlich, sich ganz alleine im Dunkeln unten an den Schultoren unter einen Baum zu kauern. Sie hatte noch nicht einmal die gerissene Tarnung von Harrys Tarnumhang, da er ihn mitgenommen hatte. Es war ein Wunder, dass sie es überhaupt unbemerkt aus dem Schloss geschafft hatte. Es war jedoch ein sehr stressiger Abend gewesen – angefangen von ihrem Eureka-Erlebnis während des Abendessens – und sie bereute die Große Halle so eilig verlassen zu haben. Sie hatte nur eine Kleinigkeit essen können und sie hatte jetzt ziemlichen Hunger, aber sie hatte noch ein paar Süßigkeiten in ihrem Zimmer. Vom Abendessen aus war sie unumgänglich in der Bibliothek verschwunden und von da aus auf ihr Zimmer und zu ihren eigenen Büchern – besonders ihre gesamte Sammlung der Enzyklopädie Britannica. Ihre Freunde wären überrascht, wenn sie wüssten, wie häufig sie es benutzte. Einige der Bände drohten bereits auseinanderzufallen. Und das Ergebnis ihrer eifrigen Arbeit war die Pergamentrolle in ihrer Tasche, vollgeschrieben mit ihren Notizen. Ungeduldig zappelte sie herum, stampfte etwas Wärme in ihre Füße und hoffte, sie würde nicht mehr allzu lange hier draußen bleiben müssen. Wärmezauber und Aufregung kamen auch nur soweit gegen Kälte und Müdigkeit an.

Endlich hörte sie das scharfe Knallen, auf welches sie die ganze Zeit gewartet hatte – zwangsläufig erschreckte es sie zu Tode – und dann atmete sie einmal durch, als sie die Person am Tor erblickte. Diese fließenden, schwarzen Gewänder gehörten nicht in ein Klassenzimmer und das Mondlicht – Gottseidank schneite es nicht auch noch – spiegelte sich in der polierten, ausdruckslosen Maske, die sie noch immer in ihren Albträumen erblickte.

Es war noch immer ein mächtiger und einschüchternder Anblick und dieser wurde völlig ruiniert, als die große, dunkle Gestalt im Schnee auf ihre Knie fiel, die Maske von seinem Gesicht zerrte, nach vorne fiel und sich übergab.

So viel dann also zum großen, dunklen Todesser, sagte sich Hermine, beobachtete Snape mitleidig und machte sich eine Notiz, morgen nicht allzu eilig den Tagespropheten zu lesen. Sie wäre bestimmt glücklicher, wenn sie nicht wüsste, zu was er heute Abend gezwungen worden war, wodurch er sich in dieser Verfassung befand. Es war sicherlich hoffnungslos, sich zu wünschen, dass er einfach nur betrunken von irgendeiner Feier zurückkehrte – also das war ein Bild, welches ihr Kopfschmerzen bereitete; Voldemort und Mr. Malfoy und die anderen, wie sie um eine Bowle herumstanden und Auld Lang Syne sangen.

Nach einiger Zeit richtete sich Snape wieder auf, setzte sich zurück auf seine Füße, wischte sich den Mund ab und aß etwas Schnee. Steif stand er auf – sie zuckte zusammen, als etwas laut knackte, vermutlich sein Knie – schob mit seinem Fuß etwas Schnee über das Erbrochene, streckte sich, rollte seine Schultern, bevor er sich der Robe entledigte. Seine Maske wickelte er darin ein, dann zog er seinen Zauberstab und verkleinerte das Bündel, verstaute es in seiner Tasche, bevor er ein anderes Bündel aus seiner anderen Tasche zog, es vergrößerte, um seine normalen Lehrerroben mit einem Zittern um sich zu legen. Erst dann drehte er sich um, um die Tore zu öffnen.

Er fühlte sich offensichtlich nicht gut. Er hatte bereits die Tore geschlossen, bevor er sie bemerkte, und sich anspannte. Seine Stimme war leise und gefährlich, als er flüsterte: „Ich bin dafür jetzt nicht in der Stimmung, Mädchen. Versuchen Sie heute Abend nicht meine Geduld auf die Probe zu stellen."

Oh, es musste wirklich schlimm gewesen sein. Ich werde bestimmt morgen Früh keine Zeitung lesen. Hermine befeuchtete ihre Lippen und antwortete vorsichtig: „Es ist verdammt kalt hier draußen, Professor, und ich bin außerhalb der Sperrzeit hier und es ist bereit schon so spät, dass es auch schon wieder morgen ist. Ich würde nicht hier draußen sein, würde ich nicht denken, dass es wichtig sei." Okay, sie sorgte sich jedes Mal um ihn, wenn er gerufen wurde, aber sie konnte es nicht jedes Mal riskieren, auf ihn zu warten und diesmal gab es wirklich keinen weiteren Grund.

Snapes Gesichtsausdruck war im Mondlicht sogar noch schwieriger zu deuten als sonst, aber der finstere Blick war unverkennbar. „Ich sehe keine Flammen und höre keine Schreie und Sie scheinen nicht geweint zu haben. Das hat besser wirklich gut zu sein, oder Sie werden es noch bitter bereuen."

Mit jeder verstreichenden Sekunde wurde Hermine unsicherer, doch sie fischte ihr Notizen aus ihrer Tasche und überreichte sie ihm stumm. Diese Stimmung hatte sie nicht erwartet. Mit einem weiteren Blick schnappte er sich das Pergament, entrollte es und mit einem knappen „Lumos" erhellte sich die Spitze seines Zauberstabes. Beinahe augenblicklich schloss er gegen das Licht seine Augen, als er auf ihre Handschrift hinunterblinzelte. Sie beobachtete ihn nervös und sah, wie er erstarrte, sein gesamter Körper sich anspannte.

„Capsaicin", wisperte er schließlich, starrte weiterhin auf das Pergament in seiner Hand. Er schien sie beinahe vergessen zu haben. „Natürlich…"

Es kostete sie alles, nicht vor mädchenhafter Freude aufzukreischen oder einen Siegestanz im Schnee zu absolvieren. Manchmal war es so verdammt nützlich ein absoluter und kompletter Streber zu sein! Als sie die Chilischoten nachgeschlagen hatte, hatte sie nicht zuerst an Wärme gedacht, aber nachdem sie alles nachgelesen hatte, hatte sich bestätigt, dass sie äußerlich zu Wärmeregeneration bei Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt wurden. Sie hatte herausgefunden, wenn die Schoten eingenommen wurden, dann wirkten sie wie ein Schmerzmittel, betäubte die Nerven und kurbelte die Wärmeproduktion im Körper an. Snape war sicherlich ein so guter Chemiker, um all die positiven Eigenschaften ohne die Nebenwirkungen zu erhalten – auf lange Sicht schädigte es aufgrund einer Reaktion der Neurotransmitter die Nerven, aber es war ja nicht so, als ob sein Nervensystem noch schlimmer werden konnte und da war auch etwas wegen Insulin beschrieben, was sie nicht ganz verstanden hatte.

Er starrte noch immer auf ihre Notizen und sie dachte jetzt wirklich, dass er sie vergessen hatte, bis er sich schüttelte und sich zu ihr herumdrehte. „Wie sind Sie darauf gekommen?", flüsterte er, seine Stimme klang etwas seltsam, aber sie wusste nicht warum.

Hermine grinste. „Es gab heute Currylamm zum Abendbrot. So einfach war das." Kein Wunder, dass er nicht selbst daran gedacht hatte. Aufgrund seines Magengeschwürs hatte er seit mindestens einem Jahr keine gewürzten Speisen mehr zu sich genommen, nicht ohne es im Nachhinein zumindest zu bereuen.

Er schnaubte kopfschüttelnd und würdigte offenbar die Einfachheit, bevor er sie mit einem weiteren seltsamen Blick bedachte. „Das hätte auch warten können…"

„Es sind noch immer Ferien, also würde ich Sie nur zu den Mahlzeiten sehen", hob sie hervor. „Man würde mich erwischen, wenn ich tagsüber hinunter zu Ihnen ginge und das war einfach zu wichtig, um noch bis zum Schulbeginn zu warten." Außerdem hätte sie nie ruhig schlafen können, weil sie ständig über seine Reaktion nachgedacht hätte, obwohl sie das sicherlich niemals zugeben würde.

Snape blickte wieder hinunter auf das Pergament in seiner Hand, sein Ausdruck jetzt absolut unleserlich. Sein strähniges Haar fiel nach vorne, versteckte sein Gesicht, als er leise murmelte: „Danke." Ohne ihr die Chance einer Antwort zu lassen, fügte er säuerlich hinzu: „Und jetzt gehen Sie in Ihr Bett, bevor ich noch zum Handeln gezwungen werde."

Mit aller Kraft versuchte sie reumütig und nicht triumphierend zu klingen, nickte Hermine ernst. „Ja, Sir."

Davon abgesehen, dass sie beide in dieselbe Richtung mussten, liefen sie letztendlich nebeneinander den ganzen Weg hinauf und verschwanden in dem Geheimgang zu den Kerkern, damit sie nicht entdeckt wurden. Die Atmosphäre zwischen ihnen war seltsam angespannt, aber es störte sie nicht, und da Snape heute Abend seine Schilde nicht mehr komplett oben hatte, brauchte sie keine fünf Minuten, um zu erkennen, dass er etwas beschämt war. Manchmal konnte er wirklich bezaubernd unbehaglich sein, da es an seinen sozialen Fähigkeiten mangelte und sie hatte ihn ernsthaft mit ihrer Handlung geschockt. Soweit es Hermine betraf, bedeutete es für sie selbst, stolz auf sich zu sein und als sie ihm noch einen schönen Abend in den Kerkern wünschte und zurück zum Gryffindor-Turm ging, hüpfte sie beinahe ihren gesamten Weg.


Es war nett, die Jungen wiederzusehen, schätzte Hermine. Es wäre schöner gewesen, wenn sie auch wirklich im Fuchsbau gewesen wäre, aber unter den Umständen war es vermutlich besser, dass sie in Hogwarts geblieben war, und auf jeden Fall war Mrs. Weasley sehr nett und hatte sich sehr dafür entschuldigt, da Fleur die Ferien über dort gewesen war und das Gästebett in Ginnys Zimmer belegt hatte und all die Jungen – nun, außer Percy natürlich – waren da gewesen. Außerdem war sie noch immer wütend auf Ron, was nicht von der Tatsache verändert wurde, dass Lavender sich ihm augenblicklich um den Hals geworfen hatte, als sie ihn im Gemeinschaftsraum erblickt hatte. Zornig mit sich selbst, dass es sie überhaupt kümmerte, sagte Harry ihr, er müsste ihr etwas erzählen und sie schleifte ihn nach draußen in den Schnee, um dort mit ihm zu reden.

Er erzählte ihr was auf dieser blöden Feier geschehen war – sie hatte sich, nachdem Snape davongestürmt war, aus dem Staub gemacht und war seither McLaggen ausgewichen – und sie unterdrückte ihre Gefühle und zwang sich dazu, zuzuhören. „Oh, Harry. Nicht schon wieder Draco?" Sie hatte es nie gewagt, Snape wegen dieser Theorie anzusprechen. Wenn es stimmte, dann würde er sich darum kümmern und er würde ihr so oder so nichts dazu sagen. Wenn es falsch war, dann würde er ihnen die Hölle heiß machen.

„Jetzt mach mal halblang, nicht einmal du kannst es abstreiten." Er warf ihr einen frustrierten Blick zu. „Sieh mal, Hermine, ich weiß, du machst diese Heilungssache und du hast, bevor unser ‚Training' begonnen hat, Snape auch ein paar Mal außerhalb des Unterrichts gesehen und ich weiß, du scheinst irgendwie mit ihm klarzukommen, und ich weiß, du willst glauben, dass er in nichts verwickelt ist… aber du kannst nicht einfach die Tatsachen ignorieren. Du weißt, Snape ist ein Todesser, und Malfoy heckt definitiv irgendwas aus und jetzt die Sache mit Greyback… und ihrem Herrn, was soll es denn sonst bedeuten?"

Nachdenklich betrachtete Hermine ihren Freund. Sie wusste, er gab Snape noch immer teilweise die Schuld für Sirius' Tod und obwohl er jetzt besser mit seiner Wut umgehen konnte, würde die Fehde zwischen ihnen nie verheilen, aber… „Ich weiß, wie es aussieht, Harry. Ich weiß, dass etwas vor sich geht und ich stimme zu, es sieht verdächtig aus. Aber Professor Snape befindet sich definitiv auf unserer Seite. Ich bin bereit, mein und dein Leben darauf zu verwetten."

„Wie kannst du dir nur so sicher sein? Ich meine, ich gebe zu, diese eine Stunde hat mir geholfen, meine Gedanken zu ordnen – sieh mich nicht so an, ich werde dir dennoch nicht sagen, was passiert ist, das ist privat. Aber ich kann mich trotzdem immer noch nicht dazu bringen, ihm zu vertrauen."

Sie biss auf ihre Unterlippe, wog ab, wie viel sie ihm erzählen konnte. Sie würde ihm nicht alles sagen und vieles davon ging ihn einfach nichts an – die Hölle würde eher zufrieren, bevor sie ihm von seiner Mutter und Snape erzählte – und einiges andere würde ihre Schweigepflicht brechen, aber sie musste etwas sagen. „Nun, zum Teil ist es wegen ‚dieser Heilungssache'. Du kannst dir keine Vorstellung davon machen Harry, was er durchmacht, du kannst es wirklich nicht. Niemand würde das nur zur Tarnung erdulden."

„Das beweist gar nichts, außer, dass Voldemort ein Psycho ist und das haben wir schon gewusst."

Hermine seufzte. „Ich wünschte, du könntest mir was das angeht, einfach vertrauen."

„Ich vertraue dir", erwiderte er augenblicklich, bevor er mit einer Hand durch sein chaotisches Haar fuhr. „Aber du versuchst immer das Gute in den Menschen zu sehen, Hermine. Ich denke, du vertraust Snape, weil du es willst, weil du nicht denken möchtest, dass du dich vielleicht irrst."

„Das ist es nicht, Harry. Als ich damit anfing, habe ich ihm auch nicht vertraut, nicht wirklich – ich weiß, ich habe es immer gesagt, aber ich war nur der Advocatus Diaboli, um dich und Ron davon abzuhalten… nun du und Ron zu sein, schätze ich", fügte sie seufzend hinzu. „Aber da gibt es noch so viel mehr, was er für den Orden macht, von dem wir nichts wissen. Und…" Sie zögerte und biss wieder auf ihre Unterlippe. „Hör mal, wenn ich dir einen der Gründe verrate, warum ich Professor Snape vertraue, wirst du dann schwören, es nicht einer weiteren Seele zu verraten? Nicht einmal Ron oder sogar Dumbledore. Niemanden darf davon wissen. Versprich es mir."

Harry sah sie verwirrt an, aber nickte dann ernst. „Versprochen."

„Okay. Du erinnerst dich noch an letzten Sommer, als ich euch allen erzählt habe, ich hätte meine Eltern dazu überredet, das Land zu verlassen, für den Fall, dass ihnen etwas zustoßen könnte und ich dann zum Grimmauldplatz gekommen bin?"

„Ja…?"

„Das war nicht meine Idee", flüsterte sie. „Professor Snape kam zu uns, um uns davor zu warnen, dass die Todesser schon bald anfangen würden, die Familien der Muggelgeborenen zu jagen und dass ich ihr Hauptziel sei, weil sie wissen, dass ich deine Freundin bin. Er hat bei den Vorbereitungen geholfen und dabei, meine Eltern zu überzeugen."

Er starrte sie mit offenem stehendem Mund geschockt an. „… wirklich?", wisperte er.

„Wirklich. Und er musste es nicht, Harry. Niemand im Orden wusste darüber Bescheid, bis einige angegriffen worden sind, niemand wusste, dass er vorher den Plan gekannt hat, denn es sind für gewöhnlich nicht die Dinge, die ihm anvertraut werden. Er hatte absolut keinen Grund, mich zu warnen – ganz zu schweigen mir zu helfen – er hat meinen Eltern sogar Geld gegeben, damit sie schnell alles regeln konnten. Damals dachte ich, es stammte vom Orden, ich habe erst später herausgefunden, dass sie nichts darüber wussten. Er hat ein unglaubliches Risiko auf sich genommen, um mich zu warnen, und er hätte es nicht tun müssen."

Harry starrte sie noch immer absolut schockiert an. Das passte ganz und gar nicht in sein Bild von Snape und er hatte offensichtlich damit zu kämpfen, es in das Bild seines Lehrers zu bringen. „Dann… warum hat er es dann getan?"

„Ich bin mir noch immer nicht wirklich sicher", gestand sie mit einem reuevollen Lächeln. „Ich möchte gerne denken, es ist, weil er mich mag – ich sehe ihn öfters als ich euch erzählt habe. Genau wie ich geht auch er morgens Laufen. Ich denke, außerhalb des Unterrichts, sind wir fast so etwas wie Freunde. Aber ich weiß es wirklich nicht. Ich vermute, ein Teil wird auf eine Verpflichtung aufgrund der ganzen Heilungssache zurückzuführen sein und ich denke, ansonsten, weil er damit durchkam, mich zu warnen. Es ist nicht ganz so absurd, dass ich selbst daran gedacht hätte – immerhin habt ihr es mir alle abgekauft." Sie zuckte mit den Schultern. „Also das ist der Grund, warum ich ihm dennoch vertraue. Und jetzt mach du mal halblang, Harry. Wie oft hat er inzwischen auch dein Leben gerettet? Wir haben jede Menge Beweise, dass er auf unserer Seite steht und nichts Festes, was das Gegenteil beweist. Und du weißt das, selbst wenn du es nicht zugeben möchtest."

Schweigend liefen sie eine Weile nebeneinander her; ironischerweise bemerkte Hermine, dass ihre wandernden Füße sie den Weg hinunter zum See geführt hatte und sie jetzt ihre morgendliche Laufstrecke entlanggingen. Sie konnte noch immer Snapes Fußabdrücke im Schnee erkennen – sie hatte sich unter den Umständen den Rest der Ferien freigegeben. Sie schielte zu Harry hinüber, welcher ganz offensichtlich in seinen Gedanken versunken war, bis er schließlich abrupt fragte: „Du sagst, ihr seid Freunde?"

„Nun, das ist vermutlich eine Übertreibung, aber ich schätze, wir sind keine Feinde mehr."

„Aber im Unterricht…"

„Professioneller Spion Harry, schon vergessen? Er ist ein guter Schauspieler. Außerdem mag er das Unterrichten nicht sonderlich und ich weiß, ich kann im Unterricht wirklich nervig sein."

„Niemand ist ein so guter Schauspieler. Mir ist egal, was alle sagen. Er ist immer noch ein totaler Mistkerl, Hermine. Er hasst jeden."

Nickend kicherte sie. „Das weiß ich. Glaube mir, auch privat ist er noch immer ein Mistkerl. Aber… oh, es ist schwer zu beschreiben. Da steckt noch so viel mehr in ihm als das. Wenn er will, kann er eine richtig gute Gesellschaft sein, so seltsam das auch klingt. Er ist sogar ziemlich lustig, wenn er zu anderen gemein ist… du hättest mal einige der Unterhaltungen hören sollen, die wir letztes Jahr über Umbridge hatten. Und er ist unglaublich schlau."

„Letztes Jahr? Wie lange geht das schon so?"

„Also du weißt schon, seit das mit dem Heilen angefangen hat. Ah, ungefähr letztes Jahr vor Weihnachten habe ich angefangen, mit ihm zusammen zu laufen, glaube ich. Und… nun… die Flucht meiner Eltern war nicht die einzige Idee, dessen Verdienst ich mir anrechnen musste…" Bei Harrys leeren Blick, flüsterte sie: „Okklumentik."

„Was?", rief er.

„Er hat mich darin unterrichtet, damit ich es dir beibringen konnte. Er wusste, wie wichtig es war, Harry. Das war der einzige Weg. Ihr beide zusammen in einem Raum – nun, es war dazu verdammt gewesen, im Desaster zu enden. Mit mir als Mittelsmann… hätte es vielleicht funktionieren können. Hat es offensichtlich nicht, aber er hat versucht, eine Möglichkeit zu finden. Jedenfalls haben wir auch da etwas Zeit zusammen verbracht."

„Und niemand weiß sonst davon?"

„Nee." Sie grinste. „Ich fand es schon immer ziemlich lustig. Die Menschen hier sind so gut darin, Gerüchte in Umlauf zu bringen, aber irgendwie hat das nie irgendwer mitbekommen. Ich glaube, nicht einmal Dumbledore weiß darüber Bescheid."

Phineas und Dilys taten es sicherlich, aber sie hatten es niemanden erzählt, nicht einmal Madam Pomfrey, soweit sie es wusste. Ihr Grinsen verblasste. „Deshalb habe ich dich darum gebeten, es niemanden zu erzählen, Harry."

„Ich hab's versprochen und ich meine es auch", protestierte er empört kopfschüttelnd. „Das ist verrückt. Er ist… er ist…"

„Ich weiß, Harry. Er ist ein Mistkerl und ein Todesser. Und er ist kalt und boshaft und die Art und Weise, wie er dich oftmals behandelt, ist nicht fair und niemand mag ihn oder vertraut ihm. Dennoch ist er irgendwie mein Freund und ich verstehe es wirklich nicht besser als du. Aber so ist es nun einmal."

Sie schritten beide eine Weile schweigend weiter. Harry runzelte konzentriert seine Stirn, in seinen Gedanken verloren. Sie konnte praktisch die Zahnräder knirschen hören.

Seine erste Frage, beinahe zehn Minuten später, war absolut unlogisch und ergab für sie überhaupt keinen Sinn. „Was läuft da eigentlich zwischen dir und Ron?"

„Was? Wir haben gerade noch über Professor Snape geredet…"

„Ich weiß. Und jetzt frage ich dich nach Ron." Er sah sie eingehend an. „Tut mir den Gefallen, okay?"

Blinzelnd starrte sie ihn eine ganze Weile an, bevor sie schließlich mit ihren Schultern zuckte. „Dasselbe, was schon immer mit mir und Ron gelaufen ist, Harry. Wir verbringen mehr Zeit damit, uns zu streiten als Freunde zu sein, denke ich."

„Nicht so wie jetzt. Ihr beide benehmt euch wirklich seltsam. Bist du wirklich eifersüchtig auf Lavender?"

„Was?"

„Sieh mich nicht so an. Seit sie mit Ron zusammengekommen ist, verhältst du dich komisch. Aber…" Er zögerte und sah sie dann ernst an. „Bist du wirklich, wahrhaftig eifersüchtig oder denkst du einfach nur… dass du es sein müsstest?"

Stirnrunzelnd blinzelte sie. „Was?"

„Schau, lass uns mal einen Moment hinsitzen." Er zog sie zu einem umgefallenen Baumstamm, fegte den meisten Schnee schnell runter und zog sie mit sich, als er sich setzte. „Okay. Ich bin nicht dumm. Du und Ron, ihr beide schwärmt schon seit Jahren für einander. Aber, also, nichts ist jemals zwischen euch passiert. Beim Weihnachtsball hast du darauf gewartet, dass er dich fragt, aber das sieht dir nicht wirklich ähnlich, Hermine. Ich denke, wenn du davon überzeugt wärst, dann hättest du ihn gefragt. Ich weiß nicht, warum er dich nicht früher gefragt hat – ich habe selbst drüber nachgedacht, dich zu fragen, aber ich habe es nicht, weil ich wusste, Ron hätte mich deswegen gehasst. Und du hast gesagt, du würdest ihn zu Slughorns Feier einladen, aber du hast wirklich lange gewartet und ich denke nicht, dass das bloß ein Zufall gewesen ist. Und ich denke nicht, dass es irgendwas mit Lavender zutun hat, denn du hast sie noch nie gemocht."

„Harry…", protestierte sie schwach und er schüttelte mit seinem Kopf.

„Nein, lass mich zu Ende reden. Ich habe bereits eine ganze Weile darüber nachgedacht, seitdem es offensichtlich wurde, dass ihr beide euch mögt. Und… Gott, ich fühle mich wirklich mies, das jetzt zu sagen, aber… nun, aber ich kann einfach nicht verstehen, warum. Du hast es selbst gesagt, ihr verbringt mehr Zeit damit, euch zu streiten, als alles andere. Ihr habt absolut nichts gemeinsam. Ich habe für eine Weile gedacht, dass ich nicht wollte, dass ihr beide miteinander ausgeht, denn ich bin mir ziemlich sicher, es würde wirklich böse Enden und ich glaube nicht, dass ihr danach noch Freunde sein könntet. Genau wie bei mir und Cho. Wir können jetzt nicht einmal miteinander reden. Sieh mal, Ron ist mein bester Freund und er ist für mich wie ein Bruder, aber… nun, er kann ein wirklicher Volltrottel sein und du hattest recht, er hat die emotionale Reichweite eines Teelöffels – übrigens, netter Spruch."

„Ah… danke?"

„Gern geschehen. Jedenfalls, ich… ich kann einfach nicht sehen, wie du mit Ron glücklich wirst. Und ich bin wirklich beschränkt wenn es um solche Dinge geht, wie du mir in letzter Zeit immer wieder gesagt hast, also, wenn ich es sehen kann, dann schätze ich, kannst du das auch, selbst wenn du es nicht zugeben möchtest. Denn du bist schlau, Hermine, und du wirst es noch sehen. Ich denke nicht, du könntest mit jemand wie Ron glücklich sein. Also, deshalb frage ich dich, bist du wirklich eifersüchtig, denn ich denke wirklich, es gibt für dich absolut keinen Grund dafür."

Vollkommen schockiert lehnte sich Hermine zurück und starrte abwesend auf die verschneiten Bäume. Sie hatte ihre Wut auf Ron nie hinterfragt, genauso wenige, wie sie es die letzten beiden Jahre getan hatte, aber jetzt, wo Harry es so gesagt hatte… „Hast du mit ihm über mich geredet?", fragte sie flüsternd, als sie weiter nachdachte.

Ein Kopfschütteln. „Jungen tun so etwas nicht, Hermine", sagte er ihr reuevoll. „Wir sollten es vermutlich, schätze ich, aber wir tun es nicht. Ich weiß, er mag dich, und wird einfach nicht aufhören, seine Klappe zu halten und damit herumzuprahlen, dass er ungebunden sein möchte und du kein Recht dazu hättest, wütend auf ihn zu sein und er ist immer noch wahnsinnig eifersüchtig auf Krum – was läuft da übrigens?"

Sie verdrehte ihre Augen, für einen Moment abgelenkt. „Nichts. Wir sind zusammen zu dem Ball gegangen. Danach sind wir ein paar Mal miteinander ausgegangen, ja, wenn du es unbedingt wissen musst, wir haben etwas herumgeknutscht. Aber da war nichts. Ich mag ihn und manchmal schreiben wir uns noch und er mochte es mit jemanden zusammen zu sein, der kein Fan war, das ist auch schon alles. Jetzt schweif nicht ab."

„Richtig, entschuldige. Jedenfalls, wie ich bereits sagte, Ron mag dich und er ist eifersüchtig auf Krum und jetzt auch auf McLaggen –, was du auch im Übrigen verdient hast."

„Das hat man mir schon gesagt", murmelte sie, bevor sie ihm einen ungeduldigen Blick zuwarf.

„Nur weiß ich nicht, warum Ron sich so aufführt. Es gibt genauso wenig Sinn wie dein Verhalten. Ich meine, ich verstehe schon, warum er auf dich steht… äh…" Er lief rot an und sie musste grinsen.

„Hör auf, zu graben, bevor du anfängst, Harry. Ich weiß, du stehst nicht auf mich. Ich stehe auch nicht auf dich. Entspann dich. Wir beide, wir sind wie Bruder und Schwester und es wäre unglaublich seltsam, wenn da noch etwas anderes wäre. Du bist ein gut aussehender Junge, aber nicht wirklich mein Typ."

„Genau, richtig." Er nickte ernst und erleichtert. „Das ist jedoch mein Punkt. Ron steht auf dich, aber um ehrlich zu sein, steht er auf viele Mädchen. Ich vermute, er würde gar nicht mit dir ausgehen wollen, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte. Ihr mögt nicht dieselben Dinge und manchmal denke ich, ohne mein unglaublich seltsames Leben als ein gemeinsames Interesse, hättet ihr beide nicht sonderlich viel, worüber ihr reden könntet. Ich bin mit euch beiden befreundet, aber aus zwei komplett unterschiedlichen Gründen, weil ihr beide euch eben dermaßen unterscheidet. Und du bist wie ich, Hermine, du suchst nicht nach etwas Lockerem, oder?"

Sie schüttelte mit ihrem Kopf, beeindruck von seiner bisherigen Argumentation. „Nein, du hast recht, tue ich nicht."

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, nach was Ron sucht. Wie ich bereits sagte, wir Jungen reden nicht über solche Dinge. Aber du suchst nach etwas Dauerhaften und ich kann es einfach nicht mit Ron sehen. Ich denke, du würdest ihn sogar umbringen."

Da musste sie lachen. „Du hast vermutlich recht. Verdammt." Sie seufzte. „Ich denke, du hast recht, Harry. Ich denke, da könnte nie wirklich etwas zwischen uns sein, nichts Richtiges. Ich schätze deshalb, wie du bereits gesagt hast, habe ich auch nichts versucht. Vermutlich hat ein Teil von mir das schon immer gewusst. Aber dennoch… es tut weh ihn so zu sehen. Wie er es mir ständig unter die Nase reibt, ist auch nicht wirklich hilfreich – deshalb bin ich mit Cormac ausgegangen."

Harry nickte. „Das habe ich mir fast gedacht. Er ist noch immer deswegen außer sich. Und Lavender genießt es, dich aufzuziehen, weil du nie wirklich mit ihr klargekommen bist und ich denke, sie hat dir wegen der Sache in unserem dritten Jahr mit ihrem Hasen nie wirklich verziehen und, ehrlich, ich denke auch, die anderen Mädchen in unserem Jahr mögen dich nicht, weil du so viel schlauer bist."

Sie schnaubte leise. „Das ist es nicht, Harry. Ich teile jetzt seit sechs Jahren ein Schlafsaal mit Lavender und Parvati und seither treiben wir uns gegenseitig in den Wahnsinn. Ich habe nichts mit ihnen gemein und sie sind dermaßen stereotypisch mädchenhaft, dass es mir tierisch auf die Nerven geht. Sie verstehen mich nicht und ich sie nicht und wir werden nie miteinander auskommen."

„Okay, gut, das ist eine Mädchensache, die ich gar nicht erst versuchen werde zu verstehen. Jedenfalls ist Ron ein gedankenloser Mistkerl und du und Lavender, ihr mögt euch nicht, also ist es logisch. Aber ich schätze, du bist hauptsächlich aus demselben Grund wie ich eifersüchtig – es wird vermutlich nicht halten und sie ist manchmal ziemlich nervig, aber zumindest hat sie jemanden gefunden. Und wir nicht."

Das traf sie härter als alles andere, was er gesagt hatte, und Hermine nickte reumütig. Er hatte recht. Sie hatte Viktor in letzter Zeit vermisst, weil es einfach schön gewesen war, mit jemanden auszugehen. Sie hatte es ihm auch so geschrieben, hatte ihn wegen seiner Freundin aufgezogen, damit er es nicht falsch verstand und er hatte ihr versichert, auch sie würde irgendwann jemanden finden. „Bei dir wird alles in Ordnung sein, Harry. Ginny hat lange auf dich gewartet. Jetzt schadet es nicht, wenn du mal für eine Weile auf sie wartest."

„Warte, was?"

„Oh komm schon. Denkst du wirklich, ich kriege es nicht mit? Du starrst sie im Gemeinschaftsraum bereits seit Monaten an und du gibst dir wirklich viel Mühe, dich in Deans Gegenwart nicht merkwürdig zu verhalten."

„Du sagtest, sie würde mich auf diese Art nicht mehr mögen."

„Weil du an Cho interessiert warst und ich wollte dich nicht ablenken. Wenn Cedric nicht gewesen wäre, hättet ihr beide, glaube ich, gut zusammen gepasst, zumindest für eine Weile. Es ist eine Schande, aber sie wird es überwinden, genau wie du, wenn sich erst einmal alles gelegt hat. Ginny hat dich nicht aufgegeben, Harry, aber sie wird auch nicht für dich, ihr ganzes Leben anhalten. Ich sehe nicht, wie das mit ihr und Dean wirklich lange halten wird und wenn sie sich trennen, um Gottes willen, setz dich in Bewegung, bevor es jemand anderes tut."

„So einfach ist das nicht…"

„Doch ist es. Du magst sie. Sie mag dich. Sie weiß, was es heißt, wirklich der Junge, der überlebte zu sein. Sie ist kein Fan. Sie kennt dich, Harry, dein wahres Ich. Die meisten ihrer Brüder vergöttern dich und haben es bestimmt schon seit einer langen Zeit kommen gesehen. Sie sind nicht so dumm, wie sie manchmal tun. Percy zählt nicht mehr und Ron… er wird's überstehen. Er ist dein bester Freund. Er könnte sich niemand besseren als dich wünschen, den sie aussuchen könnte."

„Ich werde mich nicht mit dir streiten. Ich denke nicht, dass ich dir glaube, aber ich werde mich nicht mit dir streiten, denn wir sollten eigentlich über dich reden. Bist du wirklich auf Ron eifersüchtig?"

Hermine seufzte. „Ich weiß es nicht. Ich denke nicht, aber ich muss noch etwas darüber nachdenken. Ich denke, du hast recht, was im Grunde unglaublich unheimlich ist. Du hast recht, es wird für uns keine Zukunft geben, aber irgendwie mag ich ihn noch immer. Oh, ich weiß es nicht. Vielleicht ist deine Antwort."

„Okay. Jetzt kommen wir zu der wirklich gruseligen Frage. Bitte hau mich nicht."

„Harry?"

„Nein, ernsthaft. Was ich dich jetzt fragen werde, ist wirklich, unglaublich gruselig und ich kann kaum glauben, dass ich es sagen werde, und ich denke, du wirst mich umbringen, aber ein Teil von mir denkt, ich habe vielleicht recht. Ich hoffe es nicht, aber meistens habe ich nicht so viel Glück."

„Harry, du schwafelst Schwachsinn. Nimm dir einen Moment, atme durch, und dann rede."

Er musterte sie eingehend, seine leuchtenden, grünen Augen wirkten jetzt ernst und gleichzeitig verwirrt und dann wandte er unbehaglich seinen Blick ab und fragte in einem sehr leisen Flüstern: „Hermine… wie sehr magst du Snape wirklich?"

Sie verschluckte sich, starrte ihn ungläubig an, aber gerade als sie im Protest ihren Mund öffente, machte etwas in ihrem Gehirn klick und sie taumelte für einen Moment, gestand sich zum ersten Mal bewusst ein, was ihr Verhalten wirklich bedeutete. Der Brief ihrer Eltern zu ihrem Geburtstag… die Art und Weise, wie sie manchmal zu ihm ging, um ihren Problemen für eine Zeit lang zu entkommen… sein Geburtstagesschenk, sicher in ihrem Schlafsaal versteckt, wo nur noch der letzte Handschliff fehlte… Slughorns Weihnachtsfeier… der Amortentia… „Oh Scheiße", sagte sie hilflos, lehnte sich vor, um ihr Gesicht in ihren Händen zu vergraben. Normalerweise fluchte sie nicht, aber diesmal war es wirklich gerechtfertigt.

„Mist", murmelte Harry. „Das solltest du jetzt eigentlich nicht sagen. Du solltest mir eigentlich auf den Hinterkopf hauen und mir sagen, was für ein Schwachkopf ich bin."

„Das bist du", sagte sie ihm mit gedämpfter Stimme. „Leider bedeutet das nicht, dass du auch falsch liegst. Oh Scheiße."

„Geht's dir gut?"

„Irgendwie bezweifle ich das gerade. Ich denke, ich stecke in Schwierigkeiten."

„Was? Oh Gott. Was ist passiert?"

„Was? Oh, nein, nein, nichts dergleichen. Ehrlich. Nein, es ist nur… ich habe es mir bisher nur noch nicht eingestanden. Ich habe es gerade wortwörtlich erst erkannt. Verflucht, Harry… ich gerate wirklich immer an die Falschen, nicht wahr?"

„Er ist zumindest besser als Lockhart?"

„Halt die Klappe."

„Nein. Denn wenn du jetzt anfängst, zu weinen, dann drehe ich durch. Du darfst nicht weinen. Du solltest eigentlich all die anderen Leute wieder hinkriegen. Ich weiß nicht, was ich machen soll, wenn du jetzt auf einmal menschlich wirst, Hermine. Du solltest eigentlich Wonder Woman sein."

„Hör auf, mich zum Lachen zu bringen. Ich bin gerade damit beschäftigt, in Panik zu geraten." Einmal tief durchatmend hob sie ihren Kopf und ließ die kalte Luft auf ihr Gesicht treffen. „Ich werde nicht weinen. Aber, Gott, was für ein Schlamassel. Snape."

„Du hast gesagt, du magst ihn."

„Ja, aber nicht so. Und er mag mich ganz sicherlich nicht auf diese Art und Weise."

„Bist du dir da sicher?"

„Was?"

Harry war beinahe schon grün, aber er redete dennoch weiter. „Ich versuche hier gerade, nicht durchzudrehen, aber ich scheine mich daran zu erinnern, dass sich Snape auf Slughorns Feier ziemlich seltsam verhalten hatte. Die Sache mit Malfoy hat es mich vergessen lassen, aber er hat sich seltsam benommen. Und in unserem ‚Training' da scheint er schon fast… nett zu dir zu sein, also netter als zu mir oder Ron. Ich habe nie davon gehört, dass Snape jemals einen Freund hatte. Im Grunde bin ich mir ziemlich sicher, er hatte nie einen gehabt. Aber wenn ich jetzt darüber nachdenke, scheint er dich irgendwie zu mögen."

„Wie ich bereits sagte, das ist eine komische Beinahefreundschaft. Aber das ist auch schon alles."

Er sah sich um, schnappte sich einen Stock und zog eine senkrechte Linie durch den Schnee. „Lass uns etwas spielen. Positiv und negativ."

„Harry, warte. Versucht du gerade wirklich ernsthaft, gute Gründe zu finden, warum ich eine dem Untergang geweihte und wahnsinnige Schwärmerei für Professor Snape habe, einem Mann den du über jeden, außer vielleicht Voldemort, hasst?"

„So sehr hasse ich ihn nun auch wieder nicht. Ich hasse ihn, aber nicht so sehr. Er ist vermutlich mein Liebling unter den Todessern", gestand Harry lachend, „nicht, dass das viel zu sagen hat, aber er ist der Einzige unter ihnen, der bisher noch nicht versucht hat mich umzubringen – trotz allem, was ich in meinem ersten Jahr gedacht habe. Ich mag ihn wirklich nicht, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto logischer erscheint es mir auf eine wirklich äußerst verdrehte Art und Weise. Also, warum denkst du, ist es dem Untergang geweiht?"

„Ich bin zwanzig Jahre jünger als er."

„Und? Du bist erwachsen. Es stört dich offensichtlich nicht und wenn ich ehrlich bin, dann dachte ich schon immer, dass du mehr auf die älteren Männer stehst. Ich rede hier nicht von Lockhart, daran waren nur die Hormone schuld und wir belassen es dabei. Krum war älter und ich habe nie angenommen, du würdest dich mit jemandem in deinem Alter zufriedengeben. Du bist viel reifer als der Rest von uns und deshalb ist es für mich kein Negativ. Du bist für Snape erwachsen genug, dass er dich nicht mehr so nervig findet, wie er es vorgibt. Wenn ihr schon eine ‚komische Beinahefreundschaft' habt, dann konntet ihr wenigstens schon mal miteinander reden. Also werdet ihr beide mindestens noch ein Jahrhundert leben, oder? Zwanzig Jahre sind da nicht das Ende der Welt."

„Ich bin seine Schülerin."

„Ja, weil Snape sich so um die Regeln scherrt. Er hat ihm auch immer dermaßen widerstrebt, sie für seine Gründe zu verbiegen."

„Er ist noch immer mein Lehrer. Das stört mich, ganz gleich, ob es ihm egal ist."

„Er wird aber nicht für immer dein Lehrer sein."

Das stimmte, aber… er kannte sie seit ihrem elften Lebensjahr. Das war doch etwas unheimlich, oder nicht? Ein Grund, warum sie auf der Weihnachtsfeier mit ihm reden wollte, war, dass er sie als Erwachsene sah, aber sie hatte keine Ahnung, ob das funktioniert hatte und es war noch immer komisch. Hermine biss auf ihre Lippe, sie steckte in einer Krise.

Er grinste. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich zuvor schon mal so oft richtig gelegen habe. Das ist cool. Okay, wir lassen die Negative mal etwas außer Acht, denn das ist wirklich unheimlich und ich muss jetzt etwas Positives hören, damit ich es auch verstehe. Warum magst du ihn?"

„Also…"

Er zeichnete mit dem Stock auf der negativen Seite einen Strich. „Er ist ein Mistkerl."

„Nicht mir gegenüber, das heißt nicht mehr – also, zumindest meistens nicht. Und er hat zugegeben, ein Mistkerl zu sein, sogar in genau denselben Worten."

„Er ist ein Todesser."

„Kein loyaler Todesser. Er befindet sich auf unserer Seite."

„Er ist potthässlich."

„Harry!"

„Entschuldige, aber das ist er. Er ist immerhin der schleimige Mistkerl. Sein Haar ist ekelig, seine Zähne sind schrecklich und diese Nase…"

„Vieles davon ist nicht seine Schuld. Mich stört seine Nase im Grunde nicht. Er kann nichts für seine Zähne, nicht wirklich, und seine Haare sind – also das ist kompliziert, aber seine Selbstmissachtung ist eine psychologische Sache und ich denke, Stress hat sehr viel damit zutun. Und er wäscht sich regelmäßig, denn er stinkt nicht."

„Schätze, das stimmt, obwohl ich vorher nie wirklich darauf geachtet habe, wie er riecht. Ich schätze, ich hätte jedoch mitbekommen, wenn er stinken sollte. Okay. Er ist noch immer hässlich."

„Er ist nicht hübsch. Ich denke nicht, das ist dasselbe. Mir ist das Äußere eh nicht so wichtig… sieh doch nur mich an."

„Sei nicht dumm. Viele Menschen stehen auf dich. Du bist wirklich hübsch, Hermine. Du bist es vielleicht nicht gewohnt, aber du bist es. Und zwing mich nicht dazu, dir noch weitere solcher Dinge zu sagen. Es ist komisch. Also, warum denkst du, dass er nicht hässlich ist? Was magst du an ihm?"

„Seine Stimme", antwortete sie augenblicklich. „Und seine Augen. Und seine Hände."

„Seine Hände?"

„Es ist eines dieser schrägen Mädchensachen, die du nicht verstehen wirst."

„Ah… okay. Also dir sind sein Alter oder sein Aussehen oder seine Persönlichkeit egal. Er ist dein Lehrer, aber das auch nicht für immer. Und obwohl ich ihn hasse, ist er schlau, was du ganz offensichtlich magst. Er ist anscheinend irgend so ein… Held, auch wenn ich ihm noch immer nicht vertraue und ich denke, wir wissen noch nicht alles, aber wie auch immer. Jetzt, wo ich drüber nachdenke, seid ihr beide ziemlich sarkastisch. Also, obwohl es ziemlich bizarr ist, kann ich schon irgendwie verstehen, warum du ihn magst und er hat sehr viele Gründe, dich zu mögen."

„Ich kann nicht glauben, dass du das sagst. Wer bist du, und was hast du mit Harry Potter angestellt?"

„Siehst du, das ist genau mein Punkt. Sarkasmus. Versteh mich nicht falsch, ein Teil in mir will sich übergeben und ein anderer Teil will dich anschreien. Aber auf unheimlich Weise ergibt es Sinn, und ich… ich weiß auch nicht, ich bin müde mit jedem zu kämpfen, der nicht meiner Meinung ist. Du bist meine Freundin, Hermine, ich will dich nicht unglücklich sehen und diese Sache mit Ron geht mir wirklich an die Substanz und ich bin wirklich verwirrt darüber, auf welcher Seite Snape sich wirklich befindet."

„Gott, aber du bist süß, wenn du frustriert bist", sagte sie ihm ironisch. „Falls es dir hilft, ich bin über einiges genauso verwirrt."

„Nein, das hilft mir gar nicht. Du solltest immer diejenige mit den Antworten sein. Du lässt mich hier gerade hängen." Er lächelte schief. „Also, wirst du versuchen, dich mit Ron zu vertragen?"

„Wenn er aufhört, solch ein Idiot zu sein, dann ja, ich schätze schon", gab sie sich seufzend geschlagen. Sie war noch immer wütend auf ihn, aber es war ein geringer Preis, damit Harry auf ihrer Seite war, besonders, wo sie jetzt so viel sortieren musste. Wie zum Beispiel, was sollte sie jetzt nur machen? Es hatte sie ein Großteil des Jahres gekostet, um diese unsichere Freundschaft aufzubauen. Sie hatte viel Arbeit investiert, um an den Punkt zu gelangen, wo Snape sie nicht mehr hasste. Sie war sich ziemlich sicher, alles Weitere würde mehr von ihr verlangen, als sie momentan dazu in der Lage war.

„Okay. Ich werde ihn darum bitten, sich nicht mehr so aufzuführen. Um ehrlich zu sein, denke ich, wird er froh über diese Ausrede sein… Lavender ist schon in Ordnung, aber sie ist keine besonders guter Gesprächspartnerin", antwortete Harry trocken, grinste er und stand auf.

Widerwillig lachte sie auf. „Was, ist Won-Won etwa erschöpft?"

Er lachte mit ihr. „Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, meine Gesichtszüge, nicht entgleisen zu lassen. Du hättest das Weihnachtsgeschenk sehen sollen, welches sie ihm besorgt hat…"

„Erzähl's mir", sagte sie begierig, stand ebenfalls auf und klopfte sich den Schnee von ihrer Hose, als sie wieder zurückgingen. Seine Beschreibung von der Kette ließ sie auflachen und von da aus erzählte er ihr von dem Besuch des Ministers. Den Rest des Nachmittags verbracht sie mit ihm, um über Scrimgeour herzuziehen, erleichtert, ihren besten Freund wieder zurückzuhaben.


Diesen Abend verbrachte sie ruhig, an Snapes Geburtstaggeschenk arbeitend, als Dilys bei ihr auftauchte. „Was ist jetzt?", fragte sie müde.

„Nichts", versicherte ihr das Porträt. „Ich wollte nur mal sehen, wie es Ihnen so geht. Es muss nicht immer eine Krise sein, damit ich mit Ihnen reden möchte, Liebes, und die Ferien waren für uns alle etwas hart."

„Das ist eine Untertreibung, aber ich denke, mir geht's gut. Was macht er heute Abend?"

„Schmollen, hauptsächlich", sagte Dilys freudig. „Seit Weihnachten hat er das ziemlich häufig gemacht. Nehmen Sie es nicht persönlich."

„Ich versuche es nicht. Ich denke, ich verstehe jetzt vielleicht teilweise, warum er sich so verhält. Ich schätze aus manchen Blickwinkeln ist sogar eine gute Sache… ich weiß es nicht, ich bin im Moment wegen alle dem ein wenig verwirrt."

„Ah… dann haben Sie es endlich verstanden?"

Hermine drehte sich herum, um das Porträt anzusehen. „Ich schätze, Sie haben es schon vor einer Ewigkeit kommen gesehen."

„Ja. Aber ich habe auch sehr viel Zeit damit verbracht, die menschliche Natur zu untersuchen, und ich kenne Severus seit seinem elften Lebensjahr. Ihr beide passt möglicherweise gut zusammen, wenn wir Ihre Unsicherheit und seine frustrierende Dickköpfigkeit und seinen Pessimismus überwinden können. Sie haben gut gewählt."

Sie verzog ihr Gesicht und konzentrierte sich wieder auf ihre Arbeit. „Es ist schön so zu denken, aber ich sehe nicht, wie je was daraus werden kann."

„Oh Schwachsinn. Sie müssen noch viel über Männer im Allgemeinen lernen, Hermine, und ganz besonders über diesen Mann. Er hing schon vor einer sehr langen Zeit am Haken, das verspreche ich Ihnen, obwohl er sich momentan in genau derselben Leugnungsphase befindet, wie Sie – vermutlich steckt er sogar noch tiefer drin. Sie werden das schon schaffen."

„Davon ausgehend, dass er vorher nicht stirbt", sagte Hermine verstimmt. Der Nachmittag hatte sie erheitert, aber es hatte nicht lange gedauert, bis ihre Stimmung wieder in den Keller gesackt war. Sie war für gewöhnlich nicht so pessimistisch, aber das war wirklich eine hoffnungslose Situation. Außerdem bekam sie bald ihre Periode und da fühlte sie sich immer schlecht.

„Oh, mit euch beiden kann man im Moment wirklich nicht reden", bemerkte das Porträt mit freudig stichelnder Empörung. „Sie sind genauso schlimm wie er. Wenn ich noch leben würde, dann würde ich euch beide einfach irgendwo einsperren, bis ihr das geklärt hättet, aber ich denke, Poppy würde diese Idee nicht wirklich begrüßen – sehen Sie mich nicht so an, sie weiß von nichts, oder zumindest denke ich das. Sie wird so oder so nichts sagen. Sie mischt sich nicht so häufig ein, wie ich es tue."

„Dilys, bitte, verschwinden Sie. Ich habe schon genug in meinem Kopf, da müssen Sie mich nicht auch noch aufziehen."

„Schon gut, schon gut, aber Sie machen sich ganz umsonst verrückt, wissen Sie."

Ich wünschte, ich wäre mir da so sicher.


[Xaveria]: Snape und Hermine zitieren beim Essen Dickens Weihnachtsgeschichte.