Kapitel 21

Kapitel 21

Noch in mehreren hundert Yards Höhe konnten Drachen und Reiter spüren, wie eine eiskalte Macht ihnen die Lebenskräfte zu entziehen versuchte. Umso heftiger erschien dann noch die Hitze der gewaltigen Feuerwalze, die der Schatten über das Heer der Elfen niedergehen ließ. Dann verlosch der eisige Angriff auf ihre Kräfte und die Wyrdfell stürzten sich in den Kampf. Nur wenige entgingen an diesem Tag dem Inferno aus Feuer und Blut, zumal es Durza gelang, die meiste Zeit einen Ring aus Feuer um die entsetzten Elfenkrieger herum am lodern zu halten.

Entsetzen, Schmerzen, Wut – dies waren die Emotionen des Tages. Und Erschöpfung. Stundenlang hatte Durza die Wyrdfell unterstützt, Flamen geschürt, dem Gegner Lebenskraft, Mut und Entschlossenheit geraubt, bevor er zu Boden getaumelt und dort in völliger Erschöpfung liegen geblieben war. Im Wachschlaf vermengten sich die letzten Geräusche des Kampfes mit den Erinnerungen des Schattens. Die Große Versammlung, auf der beschlossen worden war, den Elfen die nördlichen Wälder zu überlassen. Das Geschrei tödlich verwundeter Krieger. Flügelrauschen. Kazit'ra. Gelächter. Blut. Unmengen von Blut. Dann Stille.

„…ich bleibe dabei: wir sollten noch heute zurück nach Ilirea zurückkehren und Angrenost stürzen!" Morzan.

„Nein." Galbatorix.

„Ich verstehe dich nicht! Die Zeit ist günstig! Wir haben gesiegt!" Wieder Morzan.

Mühsam schlug Durza die Augen auf und fand sich in Gesellschaft der beiden mächtigsten Wyrdfell. Die anderen Abtrünnigen hatten sich etwas weiter abseits um ein Feuer versammelt und verarzteten ihre Wunden.

„Ich wette, Durza kann dir sagen, warum wir erst morgen zurück in die Stadt sollten. Und warum wir noch viel weniger sofort nach der Macht greifen können" meinte Galbatorix und deutete mit einem knappen Nicken des Kopfes auf den Schatten, der gerade begann sich aufzurappeln.

„Ach? Dann sage mir, Durza, mächtiger Zauberer, warum will unser Anführer seine besten Vorteile vertrödeln?" fragte Morzan schnippisch.

Kopfschmerzen. Nicht so schlimm wie nach der Begegnung mit der Zwergenaxt, aber ausreichend, dem Schatten die ohnehin nicht vorhandene gute Laune zu verderben. „Weil euer Anführer nicht dumm ist sondern zuerst überlegt, bevor er handelt." Nun auch noch Übelkeit. Kälte. Zittern? Durza war so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihm das meiste der folgenden Unterhaltung entging. Als er schließlich aufrecht stand und die beiden Männer in seiner Umgebung wieder in seine Aufmerksamkeit mit einbezog, drehte Morzan auf dem Absatz um und stürmte hinaus in die nächtliche Dunkelheit.

„Du hättest ihn nicht als ‚dumm' bezeichnen sollten, mein Freund." Galbatorix klopfte dem Schatten aufmunternd auf die Schulter und hätte ihn damit beinahe wieder zu Boden befördert.

„Das habe ich doch gar nicht…"

„Doch. Hast du. Nur nicht direkt. Aber er wird sich schon wieder fangen. Komm mit, wir haben etwas zu feiern!" Als Durza ihn immer noch verwirrt und geschwächt anblinzelte, fügte Galbatorix hinzu: „Der König der Elfen hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst mitzukämpfen. Und von Torwec höchstpersönlich die Ohren gestutzt zu bekommen." Er lächelte stolz und deutete hinüber zu den verletzten, aber doch in ihrer Erschöpfung noch glücklich wirkenden Wyrdfell, die am Feuer saßen und zu ihnen hinüber blickten. „Unser Jüngster hat Evander getötet!"

Nun lächelte auch Durza matt. Der König der Elfen erschlagen. Die Zwerge zurück in die Berge getrieben. Der Orden der Drachenreiter zerstört. Und auf dem Thron von Broddring nur ein Schwächling, der schon lange den Lügen von Galbatorix und seinen Getreuen erlegen war. Ja, die Wyrdfell brauchten sich nicht so sehr zu beeilen, wie Morzan es wollte. Die Nachricht von der Vernichtung des Elfenheeres sollte ruhig vor ihnen in der Hauptstadt eintreffen.

Wenn der Unmut in der Bevölkerung groß genug war, würden die Bürger Ilireas selbst König Angrenost stürzen und Galbatorix auf den Thron setzen, sobald dieser zurück kehrte. Und wenn nicht… nun, es würde wenig Widerstand gegen die Machtübernahme geben. Immerhin hatten die Wyrdfell bewiesen, dass sie nicht nur in der Lage, sondern auch willens waren, die Stadt und das Reich zu beschützen. Ganz im Gegensatz zu den derzeitigen Machthabern.

Und bald würde Durza wieder sein eigener Herr sein!

In dieser Nacht saßen die Abtrünnigen (auch, Morzan, der etwas später ruhiger zurück kehrte) und der Schatten noch lange am Feuer, während über ihnen die Drachen auf die Jagd gingen.

ENDE

A/N: Ja, ich weiß. Lange habt ihr auf dieses Kapitel warten müssen, aber in mir sträubte sich irgendwie alles, diese Geschichte wirklich zu beenden. Das ist kein richtiges Ende? Jupp, stimmt. Ich hab ja schon vor einiger Zeit angedroht, die ursprüngliche Geschichte zu teilen, und hier ist für mich der sinnigste Punkt für den Einschnitt gekommen. Weiter wird es gehen in „Der Schatten des Königs" – der Titel meiner nächsten Durza-Fiction. Ich hoffe, ihr werdet mir auch hier die Stange halten, eure ergebene Silberkugel ;)