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21. Wissenschaftliche Erkenntnisse
Hermine vergrub sich für den Rest des Wochenendes in ihrem Zimmer. Lucius hatte mehrfach nach ihr gesehen. Er war sehr besorgt um sie und wollte sie zu kleinen Zerstreuungen animieren wie Billard oder Fernsehen, aber Hermine hatte ihn immer wieder weggeschickt. Sie wollte nur allein sein und über ihre Situation nachdenken.
Was hatte sie sich eigentlich von ihrem Zusammenleben mit Severus erhofft. Eine normale Ehe, wie sie ihre Eltern führten war kaum im Bereich des Möglichen. Es gab nur einen Bereich wo sich Severus souverän und angemessen bewegte, und das war in der Nähe eines Zauberkessels. Nur in seinem Labor war er der perfekte Mensch, hier machte er keine Fehler, hier war er seriös und stark, ein geduldiger Lehrmeister, ein belesener Gesprächspartner.
Dort in der Abgeschiedenheit seiner Kerker, ohne störende Einflüsse der Gesellschaft, nur dort hatte ihre Beziehung funktioniert. Kaum setzten sie gemeinsam einen Fuß vor die Tür, passierte ein Fauxpas nach dem anderen, kaum waren sie mit dem wirklichen Leben konfrontiert, zerfleischten sie sich in Zwistigkeiten. Es lag nicht allein an dem gewaltigen Altersunterschied von über zwanzig Jahren, Severus war und blieb ein schwieriger Mensch und bisher war immer sie diejenige gewesen, die nachgegeben hatte, die ihm immer wieder und wieder entgegenkommen musste. Manchmal hatte sie geglaubt einen Sieg errungen zu haben. Es gab Tage, wo er sie mit Sanftmut und liebevolle Gesten überhäuft hatte, dann war er an anderen Tagen wieder eingeschnappt wie ein kleiner Junge, wenn sie nur beiläufig einen anderen Mann aus ihrem Leben erwähnte, egal ob es Ron oder Harry waren, oder Robin und Thomas. Er witterte überall einen potentiellen Nebenbuhler, dabei war sie so unschuldig und ehrlich wie sie nur sein konnte.
Er war derjenige, der Geheimnisse vor ihr hatte.
Er war derjenige, der aus reinem Spaß am Sex mit anderen Frauen im Bett gewesen war.
Er war derjenige, der sie aus seinem Leben ausschloss weil er ihr seine Vergangenheit vorenthielt.
Warum hatte sie sich unter allen Männern dieser Welt ausgerechnet in einen solchen Querkopf verliebt. Auch hatte sie über Ginas Worte nachgedacht. „Verdammt schlechte Quote für über zwanzig Jahre! Sex und Liebe gehören nicht zwangsläufig zusammen! Schlafe mal mit einem anderen Mann!"
Für Hermine gehörten Sex und Liebe jedoch zusammen und sie war nicht bereit nur einen Millimeter von ihrer Meinung abzuweichen.
Sie ging Gina am nächsten Tag aus dem Weg. Irgendwie hatte das Gespräch Hermine sehr schockiert. Zu ihrer Erleichterung war Gina sehr zeitig in ihr Labor gegangen. Sie langweilte sich zuhause. Zum Faulenzen mit Lucius hatte sie keine Lust, Hermine ging ihr mit ihrem Herzschmerz auf den Wecker, und ihr eigenes Labor hatte sie durch einen Versuchsaufbau blockiert, der noch einige Tage vor sich hin köcheln musste.
Ihren neuen Zauberstab steckte sie ein. Sie mochte nicht mehr ohne ihn aus dem Haus gehen. Ihr war, als würde er sie beflügeln. Die depressive Stimmung der letzten Wochen war verflogen, sie sprühte vor Kreativität und hatte wieder Lust zu arbeiten.
Pascal hatte ihr bereits viel von seiner Arbeit erzählt. Von seinem Traum Werwölfe heilen zu können. Wie nah war er schon an der Lösung gewesen?
Gina setzte sich auf einen Stuhl und betrachtete Pascals Aufzeichnungen an der Tafel, die dort noch vom Freitag zuvor standen
Ein Mensch wurde zum Werwolf, wenn infizierter Speichel in die Wunde kam. Der Virus veränderte die DNA in der Form, dass der Körper in periodischen Abständen in eine Wolfsgestalt transformierte. Diese Eiweißmoleküle auf dem DNA-Strang lösten also eine Kettenreaktion aus, die den kompletten Körper mutieren ließen. Allerdings war der neue Status instabil, und zerfiel nach einigen Stunden.
Bislang war man das Problem mit Wolfsbanntrank angegangen. Hierbei wurde lediglich die Kettenreaktion gestoppt. Die fehlerhaften Gene versuchten weiter ihre Arbeit zu machen, was zu allgemeinem Unwohlsein während der Vollmondphase führte. Es wurden also immer nur die Symptome bekämpft, und nicht die Ursache.
Gina starrte eine halbe Stunde auf die Tafel und auf die Formeln. Ihren Zauberstab hielt sie fest in der Hand. Ihr war, als würde er ihr helfen sich zu konzentrieren.
Plötzlich weiteten sich ihre Augen und ihr Herz begann vor Aufregung zu rasen.
Natürlich!
Sie war aufgesprungen und hatte sich ein Stück Kreide gegriffen. Sie schrieb Formel um Formel auf die Tafel.
Das war die Lösung!
Vor lauter Eile ihre Gedanken aufzuschreiben zerbrach sie immer wieder das Kreidestück, das dem Druck ihrer Hand nicht standhalten konnte.
Alles war so einfach! Vor ihren Augen sah sie Formeln, den genetischen Code, alles war transparent.
„Ich bin genial!" jubelte ihr Inneres. Nach einer Stunde legte sie die Kreide weg.
Ihre Haare klebten vor Schweiß an ihrem Kopf doch ihr Blut war voll von Endorphinen.
Sie betrachtete noch mal die Tafel.
Die Lösung war so nah gewesen, die ganze Zeit.
Beschwingt ging sie in ihr Büro um Pascal anzurufen. Er würde sofort herkommen wollen um ihren Lösungsansatz sehen zu wollen.
Ginas Büro besaß selbstverständlich einen Kamin, doch sie hatte schon vor Jahren eingesehen, dass auch ein Muggelmobiltelefon von Nutzen sein kann. Z.B. wenn man einen Kollegen erreichen wollte der sonntags einen kleinen Spaziergang durch den alten Blankensteiner Irrgarten machte.
Wenig erstaunlich war es, dass Pascal sofort das Labor aufsuchte, als Gina ihm von ihrer sensationellen Entdeckung berichtete.
Stunden brachten sie damit zu, immer wieder die Formeln zu diskutieren, die Gina niedergeschrieben hatte. Am frühen Nachmittag war auch Pascal voller Überzeugung, dass sie hier einen wissenschaftlichen Durchbruch erzielt hatten.
„Wir sollten ein Statement abgeben!" verlangte er, doch Gina bremste seinen Eifer.
„Ich habe früher schon mal eine Arbeit über den Seelendopplungstrank abgegeben der auch veröffentlicht wurde. Pascal, glaube mir, das waren Perlen vor die Säue geworfen!"
Gina hatte einen Aktenordner aus dem Schrank gezogen. „Sieh dir das hier an! Monatelange Arbeit und keinen hat es interessiert. Wir müssen erst Tests machen und Erfolge nachweisen können, bevor wir an die Öffentlichkeit gehen."
„Warum?" fragte Pascal, „das Problem ist doch hinreichend bekannt. Es wird genügend Wissenschaftler und Experten geben, die uns bei den Testreihen unterstützen werden.
Wir machen einige Versuche und irgendwann können wir vielleicht einen richtigen Werwolf heilen."
„Nein!" Gina machte eine wegwerfende Handbewegung. „Pascal ich will das nicht. Tausend Leute werden kommen und in unsere Kessel schielen, tausend Leute werden meinen sie müssten ihren Senf dazu geben...vergiss es, wir werden hier eine Arbeitsgruppe gründen. Wir haben Gott sei Dank einige pfiffige Studenten dabei."
„Wie stellst Du dir das vor?"
„Wir richten uns in den Burgverliesen ein geheimes Labor ein und verpflichten die Studenten zu absoluter Verschwiegenheit!"
Pascal nickte zögernd.
„Was denkst Du wie viele Mitarbeiter wir brauchen?"
„Einen für die Dokumentation, dann noch zwei Assistenzkräfte, die gleichzeitig Ahnung von Transformation und Zaubertränken haben, dann noch jemanden als wissenschaftlichen Berater."
„Ok, wen schlägst Du vor?" wollte Pascal wissen.
„Ich denken meine Schwägerin und ihr befreundeter Kommilitone Robert Ostendorf wären hervorragend als Assistenten. Dann habe ich da noch einen Studenten aus dem Abschlusssemester im Auge, den ich gerne für die Dokumentation gewinnen würde. Seine Aufzeichnungen waren immer von akribischer Sorgfalt!"
„Gut, und wen möchtest Du als wissenschaftlichen Berater?"
Gina grinste. „Wen könnte es da Besseren geben als meinen Bruder Severus Snape!"
TBC
