Lange hat es gedauert und dieses Kapitel ist so kurz, daß es eher ein Appetithäppchen ist, damit ihr wieder auf den Geschmack kommt...
Ich habe mich entschlossen, mein Buch erst einmal ruhen zu lassen, weil mich meine Snape-Baustellen doch immer wieder gedanklich davon ablenken. Ich werde also jetzt erst einmal meine Snape-Stories zuende schreiben und hoffe, daß ich wieder wöchentlich updaten kann...
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„If they hurt you
They hurt me, too

It's all about us..."


Kapitel 20

Wenn man einmal davon absah, daß Snape in der Nacht hatte feststellen müssen, daß man als Erwachsener schon allein vom Körpergewicht her, eigentlich nicht mehr so hoch in Bäume klettern konnte wie als Kind, schien sein Problem mit Kirschbäumen beseitigt zu sein.

Nach seinem Unfall im elterlichen Garten war er zwar vor seiner Zeit in Hogwarts weiterhin auf Bäume geklettert, aber Kirschbäume waren ihm seitdem, ohne logisch nachvollziehbaren Grund, ein Greuel gewesen. Dies war nun nicht mehr so. Das Experiment war erfolgreich verlaufen. Der Trank funktionierte.

Er hatte danach noch eine Weile mit Silvian unter dem Baum gesessen und ausführlich geredet.

Was mit ihrer Mutter geschehen war, bedückte beide zutief. Silvian, weil er es noch so viel länger hatte mitansehen müssen, Severus, weil er von einem Teil der Grausamkeiten und von der Wahrheit, wozu sie benutzt worden waren, bis vor wenigen Stunden nichts gewußt hatte.

Silvian hatte erwartet, daß sein Bruder sehr viel heftiger auf die Offenbarungen reagieren würde – und schon gar nicht mit Lob für ihn. Aber so grausam wie es auch gewesen sein mochte – es waren seitdem mehr als zwei Jahrzehnte ins Land gezogen... und im Gegensatz zu der, für sie völlig neuen Tatsache, daß ihr Vater ermordet worden war, hatten sie viele Jahre lernen müssen, mit den Gegebenheiten um ihre Mutter zu leben. Es war übertrieben, davon zu sprechen, daß sie sich daran gewöhnt hätten – dies ganz sicher nicht – aber die Tatsache, daß Rochus seine Gewalt noch auf andere Weise eingesetzt hatte, als auf den ersten Blick offensichtlich gewesen war, war nur ein kleines weiteres Detail in dem brutalen Puzzle, dessen Bild die Familie Snape gezeigt hatte.

Keiner der Brüder war unbeschadet aus dieser Zeit herausgelangt und die meisten der Wunden des jeweils anderen kannten sie – neue Details woben nur zusätzliche Fäden in die altbekannten Muster...

Mit dem gegenseitigen Versprechen, daß Rochus bezahlen würde, erhoben sich Silvian und Severus und machten sich langsamen Schrittes auf den Weg zurück zum Schloß. Snape die Arme locker verschränkt, Silvian einen Arm um die Schulter des Bruders gelegt...

Für einige wenige Stunden fanden sie beide noch Schlaf, bevor der nächste Tag anbrach..

OOoOo

Hermine setzte die Tasse mit ihrem Frühstückstee deutlich heftiger als nötig auf den Teller zurück und das Porzellan klirrte heftig.

Sie war wütend...

Snape hatte ihr gesagt, was er in der Nacht mit Silvian getan hatte und so froh sie auch sein mochte, daß es funktioniert hatte, so wütend war sie doch, daß er offenbar ganz klar ein größeres Risko gesehen und ausgerechnet sich selbst als Testobjekt benutzt hatte.

"Wen hätte ich denn sonst nehmen sollen?", fragte er mit der Ungehaltenheit, die man einer erwarteten Reaktion entgegenbrachte, weil er mit ihrer Entrüstung selbstverständlich gerechnet hatte, aber auch weil er schlicht und ergreifend sehr müde und nicht erpicht darauf war, mit ihr zu diskutieren. Die Nacht hatte viel Konzentration erfordert und er hatte kaum Schlaf gehabt. Hinzu kam das Adrenalin, das in seinen Adern kreiste, angesichts der Gewissheit, daß die Benutzung des Trankes auch dann kein Spaziergang werden würde, wenn sichergestellt war, daß er funktionierte. Selbstverständlich hatte er in seiner Beschreibung des Experiments gewisse Details ausgelassen, von denen Hermine nun nichts ahnte.

"Wenn du solche Fragen stellst, dann war es vermutlich doch eine gute Idee, daß du es an dir selbst ausprobiert hast.", grummelte Hermine, ließ es dabei dann aber bewenden.

"Wann machen wir es?", fragte sie stattdessen.

"So eilig?", konnte er sich, angesichts ihrer schlechten Laune, die leicht sarkastische Gegenfrage nicht verkneifen. "Es geht schließlich um körperliche Nähe – im Moment habe ich nicht den Eindruck, daß du sie suchst."

Das war so unverschämt gewesen, so unsensibel, so... gemein... daß Hermine nichts darauf zu erwidern wußte.

"Bastard..." zischte sie leise in Ermangelung einer passenderen Antwort.

"Ungeduldige Gryffindor-Besserwisserin", gab er in einem seltsamen Ton zurück.

Hermine legte den Kopf schief und sah ihn herausfordernd an. Ihre Mundwinkel zuckten amüsiert.

"Unsensibler Zaubertrankpanscher"

Seine Augen wurden ein wenig größer – aber sein Blick bliebt ernst.

"Hyperaktives Pottergroupie", sagte er langsam und jede Silbe eindringlich betonend.

Hermine fiel die Kinnlade runter und sie stützte die Hände in die Hüften.

"Pottergroupie?", wiederholte sie sein letztes Wort mit soviel Entrüstung in der Stimme, daß nun auch Snapes Lippen zuckten in dem Versuch ein Schmunzeln zu unterdrücken. Er verschränkte die Arme und sah sie erwartungsvoll an.

"Und? Pulver verschossen?"

Hermines Augen verengten sich zu Schlitzen: "Mitnichten, Herr Professor." Dann hob sie in einer überlegenen Geste die Augenbrauen und setzte in oberlehrerhaftem Ton hinterher: "aber dazu kommen wir erst, wenn wir den Trank erfolgreich angewandt haben."

"Nettes Ablenkungsmanöver, Miss Granger"

"Von wegen... das Pottergroupie kriegst du wieder!" versprach sie "und zwar dann, wenn du es am allerwenigsten erwartest!" So ernst der Satz formuliert war, so ganz und gar unbedrohlich wurde er jedoch durch das Lächeln, das ihr Gesicht dabei überzog.

"Sollen wir es direkt versuchen? Oder spricht etwas dagegen?", kam sie wieder auf den Trank zu sprechen.

"Laß es uns heute abend machen", antwortete er jetzt wieder in seinem ganz normalen Tonfall. "Ich muß heute zum Unterricht erscheinen. Daran führt kein Weg vorbei. Ich werde allerdings vorher Silvian bescheid sagen, daß wir es heute abend in Angriff nehmen wollen."

Hermine nickte zustimmend – aber beide wußten, daß sie sich damit nur noch eine letzte Frist gaben, um zu entscheiden, ob sie es tun sollten, oder nicht.

oOoOo

Der Tag zog sich endlos in die Länge und jeder, der wußte, was am Abend geschehen sollte, hatte Schwierigkeiten, sich auf sein Tagwerk zu konzentrieren. Hermine hatte mehr als einmal den Eindruck, als befände sich irgendwo hinter ihr eine haushohe Uhr, deren Zeiger im Zeitlupentempo mit metallisch dröhnendem "Tock, Tock" die vergehenden Sekunden anzeigte.

Sie dachte gerade wieder an diese imaginäre Uhr, als sie an den Tisch mit den bereitgestellten Zutaten für den nächsten Trank herantrat.

Als sie den letzten Schritt machte, spürte sie ganz kurz, daß sie auf etwas getreten war und erschrak sich fast zu Tode, als mit einem lauten, kreischenden Fauchen Mrs. Norris unter dem Tisch hervorsprang.

Hermine machte, einen Schrei ausstoßend, einen Satz zurück, hielt sich erschrocken die Hände vor die Brust und verdrehte dann genervt die Augen.

"Mrs. Norris! Blödes Viech! Wie kommst du denn hier ins Labor hinein!"

Die schreckliche Katze hatte sich, noch immer fauchend, mit einigen wenigen Sprüngen zur Tür geflüchtet, wo sie darauf zu bestehen schien, daß man diese gefälligst für sie öffnete.

Hermine ging zur Tür um dieser unausgesprochenen Aufforderung zu folgen. Sie tat es schon deshalb, weil sie den, ihr immer unheimlichen Vierbeiner loswerden wollte. Mrs. Norris fauchte sie ein letztes Mal an, bevor sie mit arrogant erhobener Nase das Labor verließ.

Hermine schloß die Tür wieder und drehte sich um.

Wie war die Katze ins Labor gekommen?

Aber letztendlich schüttelte sie nur den Kopf und machte sich wieder an die Arbeit.

OoOoO

Mrs. Norris rannte, so schnell ihre kurzen Beine sie trugen durch die Gänge von Hogwarts, bis sie eine verschlossene Tür erreichte, aus der unten ein gerade so großes Stück aus dem Holz herausgebrochen war, daß sie sich durch die Öffnung, die dadurch entstanden war, hindurchquetschen konnte. Einen Moment später sah man sie als dunklen Punkt über die Wiesen vor dem Schloß und in den verbotenen Wald hineinlaufen...