Die Weasleys, die Professoren Sinistra und Snape und Sirius Black saßen gemeinsam an einem Tisch – wobei die beiden letzteren soweit wie möglich auseinander saßen, genau wie Draco und Ron.

Die Reaktionen der Ministeriumsmitglieder auf Ginnys Eröffnung waren unterschiedlich. Arthur Weasley wurde ein paar Mal angesprochen, doch er schüttelte jedes Mal nur den Kopf. Er teilte Mollys Meinung, das war etwas, was die beiden allein zu entscheiden hatten.

Percy hatte sich nicht wieder blicken lassen, und man konnte ihn sehen, wie er flehentlich auf Fudge einredete, der immer noch aussah, als hätte er gerade Gift geschluckt und nur noch zehn Minuten zu leben.

Sirius machte es sichtlich Spaß, ihn zu beobachten. Und ganz ehrlich, Draco ging es da nicht anders.

Narcissa Malfoy hatte scheinbar beschlossen, an diesem Abend keine Annäherung zu wagen, und sie sah nicht einmal in seine Richtung. Ganz im Gegensatz zu Karkaroff, der seinen zynischen und kalten Blick immer wieder über Snape und Draco wandern ließ.

Harrys „Date" war keine geringere als Cho Chang, die während des Essens zu ihnen stieß. Sie verlor kein Wort darüber, dass zwei ehemalige Slytherins mit am Tisch saßen.

Jola, Cho und Angelina unterhielten sich über Quidditch. Die Jungen gaben ein paar Bemerkungen dazu ab, bis auf Ron, der die ganze Zeit keinen Ton sagte und immer noch eine recht gute Imitation eines gerade erfrorenen Pinguins ablieferte. Das änderte sich auch nicht, als Bill und Charlie ankamen und Draco genauso begrüßten wie alle anderen auch.

„Ich frage mich ja nur, was Asphodel diesmal einfällt", sagte Draco leise zu Chloe Sinistra.

„Nichts gutes, soviel ist gewiss", antwortete Snape düster.

„Und wenn er nun gar nicht auftaucht?" Ginny sah von einem zum anderen.

„Er wird. Die Gelegenheit kann er sich gar nicht entgehen lassen. Was Fudge wohl für diesen Fall geplant hat?"

„Das kann ich dir verraten", mischte sich Harry ein.

„Harry!" zischte Hermine. „Wir stehen unter einem Eid!"

Harry verdrehte die Augen.

„Ehrlich, Hermine, wollen wir diesen Angreifer nun loswerden oder nicht? Das können wir nur, wenn keiner von uns irgendwelche Informationen besitzt, die die anderen nicht haben."

„Du traust ihnen?" Das kam von Ron, der Draco wütende Blicke zuwarf.

Ginny trat Draco kräftig auf den Fuß, als er gerade etwas sehr unhöfliches antworten wollte.

„Au!"

„In dem Fall schon", antwortete Harry gelassen

„Hübsch gesagt, Potter", sagte Snape kalt. „Er will Auroren einsetzen, das wissen wir bereits von Tonks."

„Hm, schon, aber nicht nur. Die Auroren sollen sicherstellen, dass niemand verletzt wird und die Leute rausbringen. Gleichzeitig werden sie versuchen, einen Bindezauber einzusetzen, damit wir diesen Geist oder was auch immer es ist festnageln können. Dann will er ihn zwingen, seinen Erschaffer auszuliefern."

„Ihn zwingen? Womit denn?" fragte Draco verächtlich.

„Durch einen Transferzauber. Asphodel ist an seinen Erschaffer gebunden – davon gehen wir jedenfalls aus. Ach ja, und die Bestrafung hat er ebenfalls schon verkündet. Wie es scheint, hat er irgendeinen uralten Fluch ausgegraben. Infinitus Flamma, schon mal davon gehört?"

Knacks.

Draco hatte seine Gabel mittendurch gebrochen.

Ginny sah Harry entsetzt an.

„Alles okay? Warum starrt ihr mich so an? Kennt ihr den?"

Diesmal war es Draco, der Ginny auf den Fuß trat.

„Nein", antwortete er dann. „Es gehört scheinbar zu meinen neuesten Hobbys, Sachen am Dinnertisch zu zerbrechen."

Die anderen sahen ihn verständnislos an.

„Weiter. Was bewirkt der Flamma?" fragte Draco ohne mit der Wimper zu zucken.

Als ob du das nicht genau wüsstest.

„Er bewirkt wohl Höllenschmerzen, und wird jedes Mal mehr, wenn die Person, auf die er angewendet wurde, davon spricht. Es gibt kein Gegenmittel, soweit ich weiß."

Oh du heiliger ... sieh dir Snapes Gesicht an. Er weiß Bescheid. Und Chloe auch.

Beide Lehrer sahen sich an, dann Draco.

Der stand so hastig auf, dass sein Stuhl fast umkippte.

„Ich muss hier raus."

„Hinsetzen!" donnerte Snape.

Harry sah verwirrt von einem zum anderen. Auch die anderen waren jetzt aufmerksam geworden.

„Du verstehst das nicht, Severus, ich muss gehen, bevor ..."

„Halt den Mund", sagte Snape barsch. „Bevor du etwas sagst, was du wirklich bereust. Um zum Infinitus Flamma zurückzukommen – da irrt sich Fudge. Es gibt ein Gegenmittel."

„Es – was?"

Draco ließ sich wieder auf seinen Stuhl fallen, und wechselte einen entgeisterten Blick mit Ginny.

„Entschuldigung, habe ich was verpasst?" fragte Harry perplex.

Snape beachtete ihn gar nicht.

„Jetzt wird mir so einiges klar", sagte er. „Der Zaubertrank, den Lessa unbedingt verschwinden lassen musste, zum Beispiel. Extinguere?"

Draco nickte stumm.

„Das dachte ich mir."

Drei Plätze weiter hielt Hermine die Luft an. Auch sie hatte nun begriffen, worum sich die Unterhaltung drehte.

„Warum erzählst du es nicht gleich dem ganzen Tisch?" fragte Draco gereizt, doch gleichzeitig wunderte er sich, dass nichts geschah, die Schmerzen nicht aufloderten.

Doch Ginny war ein wenig schneller.

Du musst es erzählen", sagte sie leise. „Wenn andere von selbst darauf kommen, wirkt er nicht! Verdammt, das heißt, ich hätte schon längst ..."

„Hat er es Ihnen persönlich erzählt, Miss Weasley?" unterbrach Snape sie.

„Ja, das hat er."

„Dann war es gut, dass sie nichts gesagt haben. Dieser Fluch gehört zu der ganz komplizierten Sorte."

„Echt? Da wäre ich ja im Leben nicht drauf gekommen." Diese Bemerkung war wieder echt Draco.

Selbst Harry hatte inzwischen kapiert, was los war.

„Soll das heißen, dass du ..."

„Nicht antworten, Draco!" zischte Snape. „Das können wir heute Abend nicht auch noch gebrauchen! Halten Sie sich mit Worten zurück, Potter!"

Harry machte ein aufrührerisches Gesicht, aber er schwieg.

„Ich erwarte dich morgen in Snape Manor, Draco. Wenn wir heute Abend überleben, versteht sich. Und sollte – und ich betone sollte – ich nicht mehr da sein, wende dich an Dumbledore. Auch er kennt die Lösung, und zwar eine endgültige, nicht einen Zaubertrank, der das ganze nur verlagert."

„Ich Vollidiot. Es gab die ganze Zeit einen Gegenfluch, und ich ..."

„Vielleicht überlegst du dir dann beim nächstenmal, ob du nicht vielleicht doch einen Rat annimmst."

„Merlin sei dank", flüsterte Ginny. Sie hätte vor Erleichterung heulen können.

Während dieser Unterhaltung war das Essen verschwunden, und Musik fing an zu spielen.

Fudge, der immer noch giftige Blicke in ihre Richtung warf, hielt eine kurze Ansprache und bat dann zum Tanz. Mit keiner Silbe erwähnte er, dass auch er einen Angriff erwartete.

Draco war mit den Gedanken immer noch bei dem Fluch, und sah nun irritiert auf, als Ginny sich erhob.

„Eigentlich wär's ja deine Aufgabe, aber ich finde, wir sollten aus diesem Abend machen, soviel wir können. Darf ich bitten?"

Die anderen waren längst vorgegangen. Snape, Sinistra und das Ehepaar Weasley blieben sitzen.

„Ich wusste nicht mal, dass du so wild auf tanzen bist", sagte Draco zu Ginny.

„Bin ich auch ehrlich gesagt gar nicht, ich wollte nur möglichst noch ein wenig Zeit mit dir verbringen – allein", antwortete sie trocken. „Enttäuscht?"

„Aber woher denn."

Direkt neben ihnen tanzten Fred und Angelina, und zwei Paare weiter konnte Ginny Narcissa Malfoy entdecken.

„Draco", sagte sie warnend. „Sie kommen auf uns zu."

„Und? Sie kann mir ja schlecht eine runterhauen. Und ihr Gerede interessiert mich nicht mehr."

Doch Narcissa machte keine Anstalten, etwas zu sagen. Ihr verächtlicher Blick streifte Ginny nur kurz, die zuckersüß in ihre Richtung lächelte. Dann neigte sie den Kopf und murmelte Karkaroff etwas zu, der daraufhin schleimig grinste.

Das gefiel Draco kein bisschen.

„Lass uns ein wenig Abstand zu den beiden bekommen. Bei ihrem Anblick wird mir schlecht."

Der Abend verlief weiterhin ruhig. Niemand hätte es zugegeben, aber alle wurden immer nervöser bei dem Gedanken an einen möglichen Angriff.

Draco und Ginny unterhielten sich gerade mit Mrs Weasley, als Rasputin Karkaroff vor ihnen auftauchte.

„Was wollen Sie?" fragte Draco schroff.

„Von Ihnen überhaupt nichts, seien Sie unbesorgt." Karkaroffs schleimiges Grinsen hatte sich verstärkt. „Ich möchte Sie um diesen Tanz bitten, Miss Weasley."

Ginny musterte ihn von oben bis unten. Sie hatte einen nachdenklichen Gesichtsausdruck.

„Kommt überhaupt nicht in Frage!" fauchte Draco.

„Draco." Ginny legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Der hat doch was vor", zischte sie dann leise. „Und ich will herauskriegen, was das ist."

Damit erhob sie sich und nickte Karkaroff zu, der ihren Arm nahm, nicht ohne Draco einen triumphierenden Blick zuzuwerfen.

„Das glaube ich nicht! Sie ist verrückt geworden!" Draco machte Anstalten, aufzustehen, aber Molly packte seinen Arm und zog ihn wieder hinunter.

„Sie kann auf sich selbst aufpassen", sagte sie leise. „Und mich würde auch interessieren, was Karkaroff vorhat."

Draco knirschte wie verrückt mit den Zähnen, aber er konnte Ginny keine Szene machen, die jetzt mit Karkaroff auf der Tanzfläche war. Er wandte den Blick entschlossen ab, und sah zu seiner Mutter. Was er in ihrem Gesicht las, ließ ihn zu Eis erstarren.

Eine Erinnerung stieg in ihm auf, es war Georges Stimme.

Todesser, weiblich, versucht, dich aus dem Weg zu räumen, besitzt Intelligenz und einen ungeheuren Hass ...

Es war das Puzzelteil, das ihm gefehlt hatte.

„Mutter", sagte er tonlos.

Molly sah beunruhigt in sein Gesicht, das nun weiß wie ein Laken war.

„Draco? Alles in Ordnung?"

„Sie ist es. Mrs Weasley – meine Mutter ist Asphodel!"

Noch bevor er auch nur etwas tun konnte – irgendjemanden informieren, Ginny von Karkaroff wegreißen – geschahen mehrere Sachen gleichzeitig, und zwar in einem Höllentempo.

Mehrere Frauen schrieen, als sich die große Wolke im Saal erhob, und gleichzeitig Voldemort davor auftauchte. Karkaroff hatte Ginny vor seinen Zauberstab gestoßen und sprach einen Fluch aus, und sie fiel zu Boden.

„Ginny!" schrie Draco, doch jemand packte ihn an der Schulter und riss ihn zurück. Drei Auroren richteten drohend die Zauberstäbe auf ihn.

„Hört auf, ihr Idioten, ich bin es nicht! Es ist ..."

Stupefey!" bellte einer von ihnen, und er brach auf dem Boden zusammen und verlor das Bewusstsein.


Necesse est Asphodel devertere. Periculum crescit.

Als Draco die Augen aufmachte, befand er sich nicht mehr im Ballsaal des Ministeriums. Es war dunkel um ihn herum, und sehr, sehr still, so still, dass er seine eigenen mühsamen Atemzüge hören konnte.

„Verdammt, was zum ... Ginny. GINNY!"

„Niemand kann dich hören. Du bist an einem Ort, den es eigentlich nicht gibt, nur in deinem Kopf", sagte eine leise Stimme, die ihm sehr bekannt vorkam.

„Lassen Sie diese Spielchen, und bringen Sie mich sofort zurück! Wir haben Krieg, falls sie das noch nicht bemerkt haben!"

„Immer noch der alte Draco." Die Stimme, so unglaublich das klang, lachte fröhlich. „Du hast dich nicht sehr verändert, das habe ich schon die ganze Zeit beobachtet."

„WER ZUM TEUFEL SIND SIE ?!" brüllte Draco. Er war mit seinen Nerven am Ende. Ginny würde wahrscheinlich sterben, alle anderen ebenfalls, und er saß hier mit einer Person an einem völlig unmöglichen Ort fest, die ihm nicht einmal ihren Namen genannt hatte.

„Necesse est Asphodel devertere."

"Sie sind die Stimme!"

„Ganz recht. Und weil Asphodel und seine Erschafferin nun an einem Ort wirken, kann ich direkt mit dir sprechen – und weil du selbst bewusstlos bist. Ich bin eine Art Gegenstück zu diesem Fluch – weil ich selbst durch ihn vernichtet wurde, und zwar von deinem Vater."

Draco starrte in die Dunkelheit, aus der die Stimme sprach.

Vernichtet, von Lucius? Jemand, der ihn scheinbar gut kannte, jemand, der ...

Tiel?"

„Gut gemacht, kleiner Drache."

Ein sanftes Licht erhellte sich, und er sah den Poltergeist, der ihm als Kind einmal das Leben gerettet hatte, und teuer dafür bezahlt hatte.

„Das träume ich nur, oder? Du kannst nicht hier sein. Du bist tot!"

„Ich war vorher auch tot." Der Poltergeist lächelte. „Und in Wirklichkeit bin ich auch nicht hier. Es ist nur eine Art Echo, verstehst du? Ausgelöst durch den Asphodel Fluch, den dein Vater auf mich angewandt hat, und den deine Mutter nun benutzt, um sich zu rächen und ein Blutbad anzurichten. Sie wird sich in einen zweiten Voldemort verwandeln. Je mehr Seelen Asphodel bekommt, umso stärker wird er werden – und sie."

„Aber warum ... hat Ginny deine Stimme dann auch gehört?"

„Beim ersten Mal wart ihr beiden zusammen. Im Normalfall kann ich nämlich nur dich erreichen, weil ich für dich vernichtet wurde. Doch dadurch bekam ich unfreiwilligerweise auch Zugang zu ihr, deswegen konnte sie mich im Hogwarts Zug hören, als du nicht da warst."

„Warum dieses lateinische Geschwafel? Warum konntest du nicht einfach sagen, dass es Mutter ist, die wir aufhalten müssen?"

Der Poltergeist seufzte.

„Es war schwierig genug, dich zu erreichen. Und ich konnte nicht riskieren, dass Narcissa realisierte, dass es meine Stimme war, die euch warnte. Sie hätte Möglichkeiten gehabt, mich sofort zum Schweigen zu bringen, und dann hätte ich euch überhaupt nicht mehr helfen können. Es war die einzige Möglichkeit, die ich hatte. Ich hatte erwartet, jemand, nur irgendjemand würde mehr über den Asphodel Fluch herausfinden, doch diese Hoffnung zerschlug sich, als selbst Albus Dumbledore keine Lösung fand. Darum musst du mir jetzt genau zuhören, oder sie gewinnt."

Draco nickte ungeduldig.

„Asphodel ist ihre Waffe, doch gleichzeitig macht er sie verwundbar. Verletze Asphodel, und du verletzt sie. Bring Asphodel dazu, seine wahre Gestalt anzunehmen."

„Die wahre Gestalt eines Fluches?"

„Durch den Fluch beschwört sie dieses Wesen herauf, Draco. Hast du es noch nicht verstanden? Asphodel ist ein Dämon, der Seelen frisst, ähnlich wie ein Dementor. Er kann jede beliebige Gestalt annehmen, und genau wie ein Irrwicht nimmt er meist die Gestalt an, vor der man sich am meisten fürchtet. Seine wahre Gestalt macht ihn verwundbar und ..."


„Malfoy, MALFOY!"

Eine neue Stimme schrie ihm etwas ins Ohr und übertönte Tiels letzte Worte.

Ohne Übergang fand sich Draco auf dem Fußboden des Ballsaales wieder. Jemand schüttelte ihn hektisch.

„Malfoy, verdammt, WACH AUF!"

Ron Weasley kniete neben ihm. Sein Gesicht war käseweiß.

„Wie lange?" Draco richtete sich auf und ignorierte seinen schmerzenden Kopf.

„Was wie lange?"

„Wie lange ich weg war, verdammt noch mal. Wo ist Ginny?"

„Karkaroff hat sie. Du warst nur etwa zwei Minuten ausgeschaltet. Was zur Hölle machen wir jetzt? Ich glaube, das Ding hat Harry getötet."

Seine Stimme war tonlos, als er auf den Boden wies. Direkt vor der drohenden Wolke lag der reglose Körper Harrys, und die schemenhafte Gestalt Voldemorts hatte sich über ihn gebeugt und lachte schallend.

Mehrere tote Auroren lagen ebenfalls auf dem Boden.

Fudge hatte sich zusammen mit dem Rest der Leute an eine Wand gedrängt, und sein Gesicht war weiß. Er wusste scheinbar nicht, was er noch unternehmen sollte. Narcissa Malfoy befand sich ebenfalls unter der Menschenmenge und mimte die zu Tode Erschrockene. Die Rolle gelang ihr gut, und niemand ahnte, dass sie allein die Verursacherin war.

Ron und Draco befanden sich auf der gegenüberliegenden Seite, halb verdeckt von umgeworfenen Tischen.

„Hör zu. Hör zu, Weasley!" Draco schüttelte ihn heftig, bis der geschockte Ron ihm sein Gesicht wieder zuwandte.

„Ich weiß, wer es ist. Es ist Mutter! Sie hat diesen Dämon heraufbeschworen!"

„Dämon? Asphodel ist ein Dämon?"

„Ja! Wir müssen ihn dazu zwingen, seine wahre Gestalt anzunehmen!"

„Woher weißt du das?"

„Ist völlig unwichtig! Wir müssen es versuchen! Sonst können die morgen ein Massenbegräbnis machen, und wir liegen ein paar Fuß unter der Erde! Du versuchst, zu den anderen hinüberzukommen. Behalte Narcissa im Auge, informiere Snape, Chloe und alle, denen du noch traust. Ich versuche, Asphodel dazu zu bringen, seine Gestalt anzunehmen, die er wirklich besitzt."

„Wie ... wie willst du das anstellen?"

„Mit dem, was ich am besten kann."

Draco griff sich einen herrenlosen Zauberstab und richtete sich auf.

„Asphodel!" rief er durch den Saal.

Das Lachen verstummte, und die riesigen roten Augen in der Wolke richteten sich auf ihn.

Die Gestalt Voldemorts verschwand wie ein Spuk in der Nacht.

Da hast du dir was schönes eingebrockt, Malfoy.

„Du willst also als nächstes Sterben? Nur zu, kleiner Malfoy."

Das aller erste Mal konnte man Asphodels eigene Stimme hören. Sie war kalt, dumpf und gefährlich.

Draco marschierte auf die Wolke zu. Dahinter konnte er zwei Schatten ausmachen – Ginny und Karkaroff.

„Ich finde, du hast ein ziemlich großes Maul, Asphodel", sagte er locker. Er ging an Potters lebloser Gestalt vorbei, doch er sah, wie Harry blinzelte und versuchte, seinen Kopf zu heben.

„Nicht!" zischte er fast unhörbar.

Harry verstand und schloss die Augen wieder.

Was hast du gesagt?" Nun hörte sich die Stimme fast fassungslos an.

„Hast du was an den Ohren? Ich habe gesagt, du hast ein ziemlich großes Maul, Asphi."

Ein Fauchen antwortete ihm, und um ihn herum erschienen Werwölfe, Vampire und Dementoren.

„Das kannst du dir sparen, ich weiß, dass die nicht echt sind. Du fühlst dich ja total sicher, da in deiner Wolke, oder? Du hast wohl Angst, es mit jemand persönlich aufzunehmen, wie?"

Das Fauchen erhob sich wieder.

„Ich könnte dich sofort auf der Stelle töten!"

„Warum tust du es nicht, du Aufschneider?"

Draco zog alle Register, die er konnte. Er hatte nicht gelogen, als er zu Weasley gesagt hatte, er würde tun, was er am besten konnte – und das war nun mal seine große Klappe, und die Begabung, jeden in seiner Nähe in Weißglut zu bringen, wenn er wollte. Apropos Weasley, aus dem Augenwinkel konnte er sehen, dass Ron die anderen erreicht hatte.

„Vielleicht tue ich das sogar." Die Stimme klang nachdenklich und kalt.

„Ja, das habe ich mir gedacht. Versteck dich nur schön in deiner Wolke, mein Bester. Ich sage, etwas anderes kann man von einem Feigling wie dir gar nicht erwarten."

„Du willst also einen Kampf? Mann gegen Mann?" Wieder wechselte Asphodel seinen Tonfall, nun hörte er sich an, als würde er lachen.

Plus As im Ärmel, und davon weißt du nichts, mein Freund.

„Ja", antwortete er laut.

Das schallende Gelächter erhob sich wieder.

„Du hast keine Chance."

„Das werden wir sehen. Zeig dich, Asphodel!"

Die Wolke, die düsteren Gestalten, alles verschwand in Sekundenbruchteilen. Er konnte Karkaroffs entsetztes Gesicht sehen, und der Mann wich an die dahinter liegende Wand zurück. Bis jetzt hatte niemand ihn gesehen gehabt, doch durch das Verschwinden der Wolke hatte jeder nun einen klaren Blick.

Narcissa schlug sich gespielt entsetzt die Hände vor den Mund, eine Geste, die Draco ein grimmiges Lächeln entlockte.

Es verschwand, als die wahre Gestalt des Dämons vor ihm auftauchte.

Scheiße. Ach du heilige Scheiße. Tiel, du hättest nicht zufällig erwähnen können, dass der Typ riesig ist?

Acht Arme, nur ein Auge, grün und hässlich wie die Nacht, das war alles, was er sehen konnte, bevor er sich zurückwarf, als einer der Arme – oder vielmehr der Tentakeln – durch die Luft peitschte und ihn fast traf.

Stupefey!" schrie Draco, aber der Fluch prallte von der grünschillernden Oberfläche des Dämons einfach ab.

Toll, und was jetzt?

Crucio!" ertönt ein Schrei neben ihm, und das traf den Dämon, brachte ihn jedoch nur kurz aus dem Konzept.

„Irgendwelche Ideen?" keuchte Harry neben ihm.

„Ja. Runter!"

Zwei Tentakel griffen durch die leere Luft, wo sich eben noch ihre Köpfe befunden hatten.

Der Dämon lachte schallend.

„Ein Potter und ein Malfoy, zusammen, welch herrliche Ironie, dass ihr sogar zusammen sterben werdet!"

Zusammen.

Die verzerrte, undeutliche Stimme, die Tiel gehörte, wie Draco nun wusste.

„Was? Was meinst du damit?"

„Ich hab keinen Ton gesagt. Aufpassen!" Diesmal war Harry es, der sie außer Reichweite zog.

„Nicht du! Tiel! Was meinst du damit?"

Zusammen!

Mehr nicht, aber Draco verstand plötzlich.

„Glaubst du, du kriegst einen Avada Kedavra hin?" murmelte er leise.

Harry lächelte bitter.

„Was glaubst du denn? Aber das hält den nicht auf."

„Einer nicht, nein."

Harry wich einem Feuerstoß aus, den der Dämon ausgestoßen hatte. Asphodel spielte nur mit ihnen, er war siegesgewiss. Lange würden die beiden Sterblichen nicht mehr durchhalten.

„Du meinst ...?"

„Versuchen wir es. Auf drei?"

„Auf drei."

Draco packte Harrys Schulter, und beide richteten ihre Zauberstäbe auf den Dämon. Dessen Miene wurde schlagartig besorgt.

„Eins ..."

„Zwei ..."

Adava Kedavra!" schrieen beide wie aus einem Mund, und der Effekt war gewaltig. Der Dämon wurde vor die Brust getroffen, ein klaffendes Loch tauchte darin auf, und er stürzte hintenüber ... und dann verschwand er, wie schon zuvor seine Illusionen.

Gut gemacht flüsterte Tiels Stimme.

Dann begann eine Frau zu kreischen, irrsinnige Wut und Schmerzen klangen darin mit. Narcissa Malfoy. Ein Knacken ertönte, als Ron Weasley ihren Zauberstab über dem Knie zerbrach.

Draco verschwendete keinen Blick an sie, er eilte auf die Stelle zu, an der Karkaroff Ginny hatte liegen lassen. Harry war direkt hinter ihm.

Ginnys Kopf blutete etwas, aber sie öffnete die Augen, als Draco sie vorsichtig in den Arm nahm.

„Was ist passiert?" flüsterte sie benommen.

Draco küsste sie erleichtert.

„Das ist eine lange Geschichte, glaube ich. Eins nur – nach unserer Hochzeit nehme ich deinen Namen an – ich habe genug von der Familie Malfoy!"

Harry prustete los. Nicht lange, und Draco folgte ihm.

Ginny sah verwirrt von einem zum anderen, dann lachte sie einfach mit.