21. Frauenkunde
Sirius schlug die Augen auf – und zuckte zusammen, weil im selben Moment Poppys Gesicht über ihm auftauchte.
„Da bist du ja wieder!" Lächelnd beugte sie sich vor und befreite seinen Fuß, der sich in der Bettdecke verfangen hatte. „Verzeih mir, dass ich dich so überfallen habe, aber es war notwendig, Remus war so lieb und ist gekommen, um mich vorzuwarnen."
„Wo ist er?" Sirius wollte sich aufsetzen, stellte jedoch fest, dass seine Hände am Bett fixiert waren. Den Impuls, daran zu rütteln, konnte er nicht unterdrücken.
„Ich habe ihn zurück zum Unterricht geschickt", erklärte Poppy und maß Sirius mit einem strengen Blick. „Glaubst du, ich kann dich losmachen, ohne dass du dich auf mich stürzt?", fragte sie dann.
„Vielleicht wäre es ja schön, wenn ich das tun würde", bahnte es sich tief aus Sirius' Kehle.
Dämlich untaktisch, denn Poppy seufzte und ließ ihren Zauberstab sinken, anstatt den Fesselzauber zu lösen.
„Das bist nicht du, Sirius." Ihr plötzlich mitleidvoller Ton war ja wohl zum Kotzen! „Das ist der fehlgeleitete Animaguszauber."
„LUPIN HAT MICH VERRATEN?" Rasender Zorn überrannte ihn, sein gesamter Körper rüttelte mit aller Kraft an den Fesseln.
„Beruhige dich, ihr könnt mir vertrauen. Und Remus weiß das."
„Er mischt sich in meine Angelegenheiten! Und dabei geht es ihm gar nicht um mich, sondern nur darum, Sie irgendwann rumzukriegen!"
„Remus sorgt sich wirklich um dich." Warum ging sie nicht auf das ein, was er gesagt hatte? „Und seine Entscheidung, mich einzuweihen, war richtig. Ich kann dir Linderung deiner Symptome verschaffen, bis die Nachwirkungen des fehlgeleiteten Zaubers aus deinem Körper verschwinden. Alles, was du tun musst, ist, für den Rest deines Lebens enthaltsam zu bleiben, was diesen Zauber betrifft."
„WAS?" Die Abwehr, die sich in Sirius' Körper aufbäumte, war einen Moment lang überwältigend.
„Es ist eine Sucht, Sirius. Da ist es notwendig ..."
„Ich will meinen Animagus behalten", knurrte er, so drohend, dass Poppy neben seinem Bett erschauderte. „Das bin ich, ein Teil von mir, der wichtigste Teil von mir. Wenn ich Tatze aufgeben müsste, dann würde ich mich selbst aufgeben!"
„Genau dieses Gefühl, das von dir nichts übrig bleiben würde, ist die Sucht, Sirius ..." -
- Und nun bringt sie Sirius zum Erschaudern ... ihre Hand auf seiner ... die ganz sacht darüber streicht, warm und weich und ...
„Du musst der Notwendigkeit ins Auge sehen, dass du nur ohne deinen Animagus ein normales Leben wirst führen können", sagt sie voller Mitleid – aber sie weiß es lediglich nicht besser. Hält seine Hand und streichelt ihn und hat keine Ahnung, was da unten schmerzhaft pochend auf diese Hand wartet ...
TU ES EINFACH!, brüllt es verzweifelt in ihm, in seinem Bauch, in seinem Kopf, in seinem Geschlecht. GIB UNS DAS, WAS WIR BEIDE BRAUCHEN! „Es gibt noch eine andere Möglichkeit", stößt er zwischen den Zähnen hervor. Begleitet von einem Keuchen, das direkt aus seinem Schwanz zu kommen scheint.
Poppy zuckt zurück. „Nein, es ..."
„FICK MICH, VERDAMMT NOCH MAL! Hör auf zu reden und hex mich nackt! Und dann setz dich drauf und TU DAS, WAS DU TUN MUSST!" Sein Kreuz biegt sich durch, wölbt ihr seine Hüften, sein Glied entgegen, das schon jetzt so steif ist, dass ...
Poppys Lachen ist unsicher, gequält. „Sirius, ich weiß, dass das nicht wirklich du bist, der sich so aufführt ..."
„Ich weiß, dass ich so hart bin, dass ich dir auf der Stelle die Seele aus dem Leib ficken muss, du verflixte geile Schlam...!"
„STOP! DU HÄLTST AUF DER STELLE DEIN PEINLICHES MUNDWERK, ODER ICH SORGE EIGENHÄNDIG DAFÜR. HAST DU DAS VERSTANDEN?" -
- Sein Mund blieb offen – stumm. Ihre Stimme war magisch verstärkt gewesen, und die Wut so geballt, dass sie sogar durch seine Erregung gedrungen war.
Auch sie brauchte offensichtlich einen Moment, ehe sie sich wieder im Griff hatte.
„Geht's wieder?", fragte sie dann in normaler Lautstärke. Ihre Stirn jedoch misstrauisch gerunzelt. „Ich würde dich ungern ein zweites Mal in Narkose versetzen, aber wenn du so weitermachst, dann werde ich es tun. Um uns beide vor diesem Tier zu schützen, das da Besitz von dir ergriffen hat."
Warum fickst du nicht einfach mit mir? Dann würdest du deine Meinung darüber ändern! Gewaltsam presste Sirius die Lippen aufeinander, um seine Zunge im Zaum zu halten.
Diese heiße Frau verweigerte sich ihm, warum auch immer. Doch weiter um sie zu werben, hatte keinen Zweck, das spürte er sehr genau. Alles, was er tun konnte, war, sie davon zu überzeugen, ihn loszubinden – und dann von hier zu verschwinden und sich selbst zu helfen.
„Du bist in Remus verliebt, gib es zu! Deswegen glaubst du, dass du nicht mich willst." Verdammt, er hatte lediglich vorgehabt, sie mit Hilfe von Lupin von ihm selbst abzulenken – und sie nicht schon wieder mit der Nase darauf zu stoßen, wie heiß er auf sie war.
Die Entgeisterung, mit der sie ihn anstarrte, verblüffte ihn zutiefst. „WAS? Sirius, dein Hirn ist wirklich total umnachtet. Ich und Remus? So ein Unsinn! Ihr seid Jungs! Ich meine ... ihr seid tolle Typen, ihr werdet einmal tolle Männer – aber ihr seid eindeutig zu jung für mich." Sie lachte auf eine Weise, die den Zorn in ihm von Neuem zum Hochkochen brachte.
Wiederum war es fast ein Bellen, das aus seinem Mund kam. „Und wieso bist du dann rot geworden?"
„Ich möchte, dass du mich siezt, Sirius."
Tatzes Kampfblick eignete sich ausgezeichnet, um Menschen aus der Ruhe zu bringen. „Du bist aber rot geworden", beharrte er lauernd.
Hörte sie schlucken. Und gehorsam antworten. „Remus ist ein ganz toller Mensch. Ich ... bin sehr gern mit ihm zusammen."
„Darum willst du mit ihm vögeln und mit niemandem sonst." Sirius lachte verächtlich.
Damit hatte er den Bogen überspannt.
„SAG MAL hörst du dich eigentlich selbst nicht reden?", fuhr sie ihn mit giftsprühenden Augen an.
Er musste seinen Aggressionspegel schleunigst runterfahren.
„Es mag vielleicht nicht in deinen pubertätsbedingt hormonell gebeutelten Kopf gehen, mein Junge, aber es geht im Leben auch nicht annähernd nur um Sex."
„ACH VERDAMMT!" Schon wieder musste Sirius gegen den ihn anspringenden Impuls kämpfen, sich völlig vergebens aufzubäumen. „So was kannst du leicht denken, wenn du von einem kleinen, unerfahrenen Kind wie Remus angehimmelt wirst, der es nicht mal wagt, deine Hand anzufassen. Aber ich kann dir zeigen ..."
„SIRIUS, STOPP!"
Poppy war aufgesprungen und richtete ihren Zauberstab drohend auf ihn.
Verdammt, sie sollte ihn nicht erneut verfluchen. Losbinden sollte sie ihn. Er musste sich wirklich zusammenreißen.
Die Frau über ihm wartete, bis er ihr seinen stummen und scheinbar einsichtigen Blick zuwandte. „Vor allen Dingen lässt du gefälligst Remus aus dem Spiel. Der dir ein echter Freund ist – und den du gerade dabei bist, erbärmlich zu hintergehen, ob du nun Herr deiner Selbst bist oder nicht. Und – WIDERSPRICH MIR NICHT! ZUHÖREN SOLLST DU! – zweitens wirst du mir den gebührenden Respekt zukommen lassen. Mich mit ‚Sie' anreden und aufhören, mich auf so sexistische Art und Weise anzumachen. Ansonsten werde ich meine Drohung wahrmachen und dich ruhigstellen, bis du dich wieder zu benehmen weißt." Die Spitze ihres Zauberstabes zuckte an seiner Brust. „IST DAS BEI DIR ANGEKOMMEN?"
Sirius presste mit aller Macht seine Lippen aufeinander – und nickte. Sie saß am längeren Hebel, und er würde alles tun und lassen und sagen, was sie von ihm verlangte. So lange, bis sie ihn losmachte ...
„Ich bin gern bereit, dich, was deinen Umgang mit Frauen betrifft, ein wenig aufzuklären. Damit du weißt, was ich von dir erwarte, ehe ich dich wieder auf die weibliche Schülerschaft loslasse."
Sirius schluckte – und bekam ein weiteres Nicken zustande. „Sie können mich losmachen", knurrte er dumpf.
„Oh nein, das kann ich eindeutig noch nicht." Poppy grinste grimmig. „Und so hartnäckig, wie diese hündischen Verhaltensweisen sich bei dir zeigen, wird es auch noch eine Weile dauern. Ich habe dem Direktor fürs Erste eine Krankenbescheinigung für eine Woche vorgelegt, aber ich fürchte beinahe ..."
„Nein, nein, das reicht, ich ... ich habe mich vollkommen unter Kontrolle, ich schwöre!"
„Ich werde es ja sehen", urteilte Poppy prompt. „Jedenfalls wirst du dir jetzt meinen Vortrag über Frauen anhören, in der Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist für dich."
Mit ein wenig Konzentration gelang es ihm, nicht das Gesicht zu verziehen.
„Also: Wenn du eines Tages bei einer Frau landen willst, dann darfst du ihr auf keinen Fall das Gefühl geben, als gehe es gar nicht um ihre Person."
War es Gähnen, das er unterdrücken musste?
Jedenfalls erhob sie ihre Stimme unvermittelt und stieß zwischen den Zähnen hervor: „So, als seiest du lediglich auf der Suche nach einer Möse, in die du deinen Schwanz stecken kannst, um es mal unverblümt auszudrücken. Für derartige Belange gibt es entsprechende Etablissements in der Nocturn-Gasse, für die du dein Taschengeld sparen kannst. Eine Frau, die du erobern willst, muss spüren, dass du gerade sie erwählt hast vor allen anderen Frauen der Welt. Und dass es dir nicht nur um Sex geht, sondern dass du dich für sie als Mensch interessierst. Und erst wenn du sie kennengelernt hast, wenn ihr feststellt, dass ihr gern miteinander zusammen seid – dann kannst du anfangen, sie erotisch zu umwerben. So wie du das bei den beiden armen Mädchen angestellt hast, hast du sie total überfordert."
„Aber ..." ... Bella habe ich nicht überfordert.
„Versteh mich nicht falsch. Für eine erfahrene Frau hat es zweifellos einen Reiz, einen jungen Mann vor sich zu haben, der nicht weiß, wohin mit seiner Potenz."
Bella. Sie ist erfahren. Sie ist eine erfahrene Frau ...
Diese Frau vor ihm musterte ihn gedankenvoll von oben bis unten, leckte sich die Lippen - Sirius ließ seine Backenzähne gewaltsam übereinander knirschen, weil der sich unerträglich steigernde Blutstrom durch seinen Unterleib ihm wiederum alles abverlangte.
Das ist eine Falle, sie provoziert mich, nichts sagen, nichts tun, konzentrieren ...
Mit Mühe und Not schaffte er es, die Welle der Erregung über sich hinweg rollen zu lassen, ohne dass ihm sein Kampf anzumerken war.
Poppys Augen wichen nicht einen Deut von ihm. Und nun grinste sie auch noch. Spöttisch. Hintergründig. Diabolisch, das war das Wort.
Bella. Sie ist wie Bella ...
„Du hast ohne Zweifel etwas, das ziemlich viele Frauen eines Tages dazu bringen wird, deine Nähe zu suchen", intonierte sie dunkel. Und vibrierend. Und verheißungsvoll. Und wartete wiederum.
Wiederum harrte Sirius verzweifelt verbissen aus und schaffte es, nichts zu tun.
Nach einer weiteren Schweigesekunde flogen ihre Augenbrauen hoch und sie sog laut Luft ein, als hätte sie die längere Zeit angehalten. „Nur gilt das leider nicht für mich. Und davon abgesehen, bist du mir schlicht viel zu jung!" Sie stieß ein helles, befreites Lachen aus und atmete nochmals tief durch, bevor sie ihn erlöste. „Du bist echt tapfer gewesen, hast meine Provokationen erstklassig an dir abprallen lassen. Ich denke, ich kann dich loszaubern." Auf den Ruck hin, der durch Sirius' Körper ging, zögerte sie kurz. „Was ich jederzeit rückgängig machen kann, das ist dir klar, nicht wahr?"
Sirius nickte heftig – und atmete erlöst auf, als er endlich seine Arme und Beine regen und vorsichtig lockern konnte.
„Ich habe einen Trank von Professor Slughorn bestellt – keine Sorge, ich habe behauptet, es gehe um eine außerschulische Sache. Dieser Trank bewirkt, dass der Drang, dich zu verwandeln, verschwindet – und dass dein Geschlechtstrieb gedämpft wird. Also es wird leichter, glaub mir. Leider ist der Trank noch nicht da. Bis er geliefert wird, wirst du dich in deinem Bett aufhalten. Soll ich dir ein paar Bücher bringen?"
Das Schnauben konnte Sirius im letzten Moment unterdrücken. Zwang ein hoffentlich nicht zu unterwürfiges Lächeln in sein Gesicht.
Poppy betrachtete es zwei Sekunden ... bis sie nochmals nickte – und endlich ging!
Nur um Bücher zu holen, Hilfe! Sirius, dessen Beine bereits aus dem Bett waren, zog sie erschrocken zurück.
„Alles in Ordnung?"
Dieses Misstrauen, verdammt! Sirius sammelte sich tapfer, erwiderte ihren forschenden Blick so offen er es irgendwie zuwege zu bringen vermochte, packte zusätzlich noch ein leises, schüchtern anmutendes Lächeln in den linken Mundwinkel ...
War das zu viel gewesen? Besorgt spannte er das Zwerchfell an ...
Sie lächelte. Yeah!
„Du bist doch ein guter Kerl, und wir bekommen dich auch wieder hin, glaub mir."
Sein Lächeln war erstarrt – doch auch das bemerkte sie nicht.
„Mach dir keine Sorgen, ich nehme dir deine Eskapaden nicht übel", meinte sie stattdessen. „Was hältst du davon, wenn wir all das vergessen und uns jetzt auf die Zukunft konzentrieren?"
Er nickte heftig – und dass er die Luft anhalten musste, schob sie bestimmt wieder auf seinen Gram, sie enttäuscht zu haben.
„Dann werde ich dich einen Augenblick allein lassen und in mein Büro gehen, in Ordnung? Dort werde ich Slughorn anflohen, ob er sich vielleicht ein bisschen beeilen kann mit deinem Heiltrank."
Sirius wiederholte sein Nicken. Viel länger würde er es nicht aushalten ... einatmen – ausatmen – einatmen ... und richtete sich erst auf, als sie in ihrem Büro verschwunden war.
Und dann rannte er. Durch Zimmer, Tür, Gang, um Betten, Ecken und Säulen. So rasch ihn seine Menschenbeine trugen -
- und als er schon am Ende des Krankentraktes die Glocke zum Unterrichtsende hört und begreift, dass das nicht schnell genug sein wird, verwandelt er sich, ohne auch nur einen Moment nachzudenken. Alles, was zählt, ist, dass er hier raus kommt, ehe ihn jemand schnappen kann.
Tatze rennt durch die Gänge, wo hie und da bereits eine Tür geöffnet wird, die Treppen hinunter, zur noch gänzlich leeren Eingangshalle, aus dem Schloss.
Er hat nämlich nur eine einzige Chance, weiterhin als glücklicher Animagus und trotzdem unauffällig in der Welt der Menschen zu leben.
Er braucht Bella.
Bella ist anders. Bella hat ihn gewollt. Genau, wie er ist – sogar als Hund, irgendwie. Und wie! Und paradoxerweise hat sie erst dann angefangen, seltsam zu werden, nachdem er unsicher geworden ist ...
Sein Zwerchfell zieht sich zusammen und treibt seine Schritte an, in Richtung Waldrand. Bella will ihn. Sie, die geilste Frau unter der Sonne, hat wie wild unter ihm gestöhnt, als er ihr die Kleider vom Leib gerissen hat. Sie hat ihn scharf gemacht, so scharf, dass er sich völlig vergessen hat, und er hat sie genommen wie ein ... ausgewachsener Wolf!
Er stößt ein Seufzen aus, mitten im Laufen, nun vor reinem Verlangen. Er will sie. Wieder. Immer wieder!
Schon lange hat er den Verbotenen Wald erreicht.
Irgendwie ist er sich sicher, dass sie so sein wird wie beim ersten Mal – wenn er sie nur genug begehrt. Sein Herz schlägt wild. Er begehrt sie, oh ja, und wie er sie begehrt!
Weiter rennt er, vorwärts, weiter. Zur Heulenden Hütte.
