So, heute bin ich wieder zu spät dran, tut mir wirklich leid. Heute erfüllt Yulivee einen Wunsch von BellatrixLestrange2.
Titel: Flitwick's Diary: Weihnachtsfeier bei Snape
Autor: Yulivee
Rating: 12
Zusammenfassung: Snape sitzt an Weihnachten allein zu Hause. Das wollen McGonagall, Flitwick, Hagrid und Sprout nicht zulassen, organisieren eine kleine Feier und besuchen ihn. Das Erlebnis wird dem Leser in Form eines Tagebucheintrags präsentiert, den Flitwick nach dem Geschehen aufschreibt.
Disclaimer: Alle Rechte bei J.
Weihnachtsfeier bei Snape
Liebes Tagebuch,
das war mit Abstand das außergewöhnlichste Weihnachtfest seit Jahren!
Ich habe wirklich alles erlebt – von der Walzer tanzenden McGonagall über eine mit Plätzchen jonglierende Sprout bis hin zum betrunkenen Snape. Oh ja, es war ein wahres Vergnügen und ein Erlebnis, das ich meinen Lebtag nicht vergessen werde!
Aber lass mich von vorne beginnen –
es war am vierten Advent, nur noch wenige Tage bis Heiligabend, als ich unseren geliebten Professor Snape in der Mittagspause dabei erwischte, wie er sich – und das kannst du mir glauben – etwas verstohlen einen Zimtstern in den Mund schob. Zunächst musste ich nur ein Schmunzeln oder gar ein leises Kichern unterdrücken, wenig später ließ es mich aber auf eine Frage stoßen. Ich überlegte, was Snape wohl mit der Adventszeit und mit Weihnachten verband - gegen das weihnachtliche Gebäck hatte er ja scheinbar nichts – und danach, wie er das heilige Fest wohl verbringen würde. Wenig später fand ich heraus, dass er allein zu Hause sitzen würde, ohne Familie, ohne Freunde und vermutlich sogar ohne Tannenbaum. Und das konnte ich natürlich nicht zulassen!
Also besuchte ich noch am selben Tag meine Kollegin und gute Freundin Pomona, besser bekannt als Prof. Sprout, und erzählte ihr davon. Die Gute war völlig entsetzt und bestand sofort darauf, dass das auf jeden Fall in diesem Jahr geändert werden müsse. Wir könnten doch nicht fröhlich beisammen sitzen und das wunderbare Fest genießen und gleichzeitig den armen Snape einsam und verlassen wähnen, ohne ihn daran teilhaben zu lassen. Ein Fest musste organisiert werden, eines, das Snape ein unvergesslicher Abend sein und ihm einen ganz neuen Eindruck von Weihnachten vermitteln sollte.
Und so fing es an.
Tags darauf versuchte Sprout, die anderen Lehrer für ihr Vorhaben zu begeistern. Viel Erfolg hatte sie dabei allerdings nicht. Die meisten hatten sie mit einem ziemlich gleichgültigen „Lass ihn doch" abgeschoben, wie sie mir hinterher enttäuscht mitteilte. So war am Ende nur Hagrid übrig, der zwar nicht darauf aus war, mit Snape zu feiern, sich aber bereit erklärte, Tee zu kochen sowie Plätzchen zu backen. Einen kleinen Triumph erreichte Sprout dann aber noch am späten Nachmittag, als sie es schaffte, mit viel Überzeugungskunst und nur ein paar Kürbiscocktails zuviel, McGonagall für die Sache zu gewinnen. Mit stolzem Gesicht und strahlenden Augen erzählte sie, dass wir nun „eine fähige Person mit Herz und Kopf" mit dabei hätten.
Dann begann die Woche, in der alle Vorbereitungen getroffen wurden. Hagrid eröffnete in seiner Hütte eine bilderbuchähnliche Weihnachtsbäckerei, wo von da an Tag und Nacht der Schornstein rauchte und verlockende Gerüche über das Gelände zogen.
Sprout gestaltete ein kleines Weihnachtsbäumchen, irgendeine besondere magische Baumart, an deren Namen ich mich jetzt beim besten Willen nicht erinnern kann und McGonagall entwarf Pläne über den Ablauf, an die wir uns hinterher sowieso nicht hielten. Ich selbst hatte keine große Aufgabe, half bloß mal hier und mal dort.
Dann war es endlich soweit: Am Morgen des 24. Dezembers waren alle Vorbereitungen fertig gestellt und wir konnten aufbrechen. Zusammen quetschten wir uns in den kleinen VW-Bus, den McGonagall extra für diesen Anlass gemietet hatte, ein Wagen, der keine Aufmerksamkeit bei Muggeln erregen würde und trotzdem Platz für das gesamte Gepäck bot, wie McGonagall betonte, und fuhren eine knappe Dreiviertelstunde zu Snapes Haus.
Die Zeit vertrieben wir uns mit dem Hören von Weihnachtsliedern, zum Glück besaß das Auto ein eingebautes Radio. McGonagall duldete es nur unter Vorbehalt und als Hagrid bei „Schneeflöckchen Weißröckchen" lautstark mitzugrölen begann, drohte sie, das Ding endgültig abzustellen. Der Halbriese murmelte zwar etwas, das wie „Kindheitserinnerungen" klang, hielt aber für die restliche Fahrt brav den Mund, schaute aus dem Fenster und zählte die vorüberfliegenden Bäume.
Nachdem wir Snapes Wohnsitz endlich erreicht hatten, luden Hagrid und Sprout den Kofferraum aus, während McGonagall und ich den Eingang suchten. Wie wir nach sechzehn Minuten herausbekamen, lag die Eingangstür auf der einen Seite des Hauses, während sich Hausnummer, Briefkasten, Besucherparkplatz und Klingel auf der anderen befanden. Trotz der Verzögerung ließen wir uns nicht aus dem Konzept bringen, brachten unsere Sachen also auf die andere Seite, bauten uns vor der Tür auf und Sprout lief noch einmal zurück, um zu klingeln.
Kurze Zeit später öffnete sich die Tür und Snape trat in den Rahmen.
Er sah ganz genauso aus wie immer, nichts, rein gar nichts deutete auf zumindest einen Hauch von festlicher Weihnachtsstimmung hin. Abschätzig musterten uns die kleinen schwarzen Augen, wir schrumpften unter seinem Blick zusammen – und wer mich kennt, weiß, dass allzu viel nicht mehr von mir übrig bleiben konnte. Plötzlich machten sich Zweifel bemerkbar und allmählich war auch ich nicht mehr ganz sicher, ob unsere Idee tatsächlich so gut gewesen war, wie wir zunächst gedacht hatten.
In diesem Moment kam Sprout zurück und erklomm schnaufend und mit rotem Gesicht die Stufen, die zur Tür nach oben führten. Sie schaute erst hin und her zwischen uns und Snape, dann nahm ihr Gesicht einen entschlossenen Ausdruck an und sie griff unter ihren Umhang. „Fröhliche Weihnachten, lieber Severus!", japste sie, noch immer außer Atem, während sie eine bauchige Glaskaraffe hervorzauberte.
„Wir wollten dir unbedingt zu diesem heiligen, wundervollen Tag unsere besten Wünsche vorbeibringen!" Sie wischte sich mit dem Handrücken die Stirn und drehte dann den Verschluss des Gefäßes heraus. Snape beobachtete sie nur mit hochgezogenen Augenbrauen und sagte nichts. „Und hier habe ich meinen selbstgepressten Sechs-Frucht-Saft, eigens angebautes, süßes, saftiges und ganz frisches Obst, zusammen mit ganz bestimmten Gewürzen – eine Komposition, die ich extra für die Adventszeit erdacht habe. Davon musste ich dir unbedingt etwas mitbringen." Sie entnahm einer ihrer anderen Taschen ein Glas und füllte es bis zum Rand mit einer goldgelben Flüssigkeit. „Bitte probier einen Schluck."
Zu unserer großen Überraschung ergriff Snape das Glas, sein Ausdruck dabei war allerdings ziemlich entnervt, ich war sicher, er hoffte, uns mit dem Trinken des Zeugs endlich loszuwerden.
Bis zum dem Zeitpunkt hatte ich gar nicht gewusst, dass Sprout Säfte kreierte.
Nun ja, sie tat es ja auch eigentlich gar nicht, aber das erkannten wir erst, als Snape das Glas absetzte, nachdem er es in wenigen Schlucken geleert hatte, und er uns plötzlich mit funkelnden Augen und seligem Gesicht anstrahlte.
Wie ich später erfuhr, war der Adventssaft in Wirklichkeit ein hochprozentiger Honigwein gewesen.
Der Zaubertränkelehrer aber hatte trotz ausgebildeter Nase vorher nichts bemerken können –
ich vermutete, dass eine typische winterliche Erkältung ihm diese verschlossen hatte –
und so stand er nun da, vom Alkohol in eine ganz erregte Stimmung gehoben, und sah aus wie ein kleiner Junge unter einem mit Geschenken behängten Tannenbaum.
Er öffnete die Tür ein ganzes Stück weiter und bedeutete uns mit vielen Gesten einzutreten. „Es ist furchtbar kalt draußen. Kommt doch herein." Seine Stimme klang seltsam hoch. Sprout machte ein zufriedenes Gesicht.
Im Gänsemarsch gingen wir zu Snapes spartanisch eingerichtetem Wohnzimmer, wo wir erstmal alle auf einem kleinen schwarzen Ledersofa Platz nahmen.
„Da wir jetzt alle hier sind – wie wäre es, wenn wir alle zusammen ein bisschen Weihnachten feiern?" Sprout stellte die Frage so, als sei ihr die Idee gerade eben erst gekommen.
„Ein schöner Einfall", lobte McGonagall nickend, das Spiel mitspielend.
Snape lächelte nur verzückt.
Etwas später wurden unsere mitgebrachten Sachen ausgepackt und ausführlich genutzt; Sprout platzierte ihren Weihnachtsbaum und ich versah den Raum mit festlicher Weihnachtsdekoration. Dann errichtete Hagrid ein riesiges Buffet und eine ganze Weile waren wir nur mit dem Verzehren von Tee und Keksen beschäftigt. Unter McGonagall als Dirigentin stimmten wir ein Weihnachtslied nach dem anderen an und schließlich wurde der Sack mit den Geschenken geöffnet. Von McGonagall bekam Snape eine Schachtel mit Zimtsternen, von Hagrid eine Schachtel mit Zimtsternen, von Sprout eine Schachtel mit Zimtsternen und von mir eine Schachtel mit Zimtsternen.
Es war das Einzige gewesen, von dem wir gewusst hatten, das Snape es mochte.
Allmählich wurde es immer dunkler draußen, ein zunehmender Schneeregen versperrte die Sicht aus dem Fenster. Wir hier drinnen dagegen verspürten weder Müdigkeit noch nahm unsere Begeisterung ab. Einen kleinen Teil trug dazu sicherlich Sprouts Honigwein bei, von dem wir in unregelmäßigen Abständen immer wieder ein Glas zu uns nahmen. Es kann gut sein, dass ich an diesem Abend ziemlich beschwipst, wenn nicht gar leicht betrunken wurde, es beeinflusste das Geschehen jedoch nicht negativ und ich muss keine Tat, die dadurch hätte entstehen können, bereuen. Jetzt aber, liebes Tagebuch, wirst du sicher annehmen, dass genau dies Snape passiert sein muss – dass er sein durch das Alkohol mehr oder weniger erzwungene Handeln im Nachhinein alles andere als gutheißen wird und demnach auch uns nicht gerade wohlgesinnt sein wird. Nun, ich kann es dir nicht sagen, es ist nur wenige Stunden her, seit das Fest vorbei ist und ich wieder zu Hause bin, ich habe nämlich direkt danach angefangen das Erlebte festzuhalten, und so kann auch ich nur abwarten und sehen, wie es weitergeht. Aber ich möchte mich nicht mit düsteren Überlegungen aufhalten und schnell erzählen, wie es weitergeht.
Als nächstes nämlich verwandelte sich Snapes Wohnzimmer in eine Tanzfläche:
McGonagall hatte die Standuhr in eine Musikanlage verwandelt und die wenigen Möbel waren allesamt an die Wand geschoben worden.
Dann folgte ein für die anderen sicherlich sehr amüsantes Schauspiel, für mich war es das allerdings weniger: Sprout wollte unbedingt einen schwungvollen Tango zu „Jingle Bells" tanzen und da sie aber weder bei Hagrid noch bei Snape den Takt hätte angeben können, hätte sie sich einen der beiden als Partner erwählt, zerrte sie mich kurzerhand zur Mitte hin und schleuderte mich von einer Richtung in die andere. Ich musste hinterher drei Stücke Schokokuchen verdrücken, um meine Kopfschmerzen zu besänftigen.
Eine wesentlich würdevollere Darbietung lieferten Snape und McGonagall. Es klingt vollkommen verrückt, aber die beiden tanzten an diesem Abend tatsächlich einen mittelschnellen Weihnachts-Walzer zusammen und ich war wirklich erstaunt, mit welchem Können sie dies bewerkstelligten. Ich frage mich jetzt noch, wo die beiden das wohl gelernt haben mögen. Sie gaben auch wirklich ein gutes Bild gemeinsam ab und als McGonagall zurückkam, meinte ich, einen leichten rötlichen Schimmer auf ihren Wangen zu sehen, aber vielleicht war es auch nur das Licht, das sie in Farbe tauchte.
Nach dem Tanzen wurde der Buffettisch zurück geschoben und noch mal kräftig geplündert, um neue Energie zu tanken. (Allerdings griff auch Hagrid, der sich nicht bewegt hatte, reichlich zu.) Wie es dann kam, dass die Kekse plötzlich durch die Luft flogen, konnte gut mit der nun angeheizten Stimmung zusammenhängen, vermutlich waren wir ohnehin ziemlich aufgedreht, jedenfalls passierte es –
Sprout bekam die alberne Idee, ein Plätzchen hochzuwerfen und dann zu versuchen, es mit dem Mund aufzufangen. Es ging natürlich daneben, und es traf Snape an der Stirn. Prompt ergriff er ein Vanillekipferl und schleuderte es wie einen Bumerang zurück. Es entstand aber nun keine Tortenschlacht - das überlassen wir den Amerikanern - stattdessen begann Sprout nun, die Kekse als eine Art Dartpfeile oder ähnliche Wurfgeschosse zu verwenden und zielte damit auf alle erdenklichen Gegenstände, die es zu treffen galt. Bald beteiligten sich auch die übrigen daran, auch wenn es vollkommen sinnlos war und selbstverständlich keinen allzu großen Spaß machen konnte, aber selbst ich muss zugeben, selber ein paar Nussecken abgefeuert zu haben. Schließlich nahm Sprout, die sich mit der Zeit immer durchgeknallter benahm, eine ganze Handvoll Lebkuchen, stellte sich damit auf eine freie Stelle und begann, sie mit geübten Bewegungen durch die Luft zu wirbeln. Erst als von dem Gebäck nichts mehr übrig und dafür der ganze Fußboden mit Krümeln übersät war, setzte sie sich zurück auf ihren Platz.
Die folgenden zwei Stunden, mittlerweile weit nach Mitternacht, vergingen mit vielen kleinen Gesprächen, Gelächter und dem ein oder anderen Missgeschick. Es war wirklich sehr unterhaltsam, und ich habe nicht das Gefühl, dass es auch nur einem von uns langweilig wurde. Irgendwann wurden dann aber die ersten Augen klein und die ersten Stimmen träger. Allmählich schlich sich die Müdigkeit an uns heran, es wurde Zeit aufzubrechen.
Wie genau es dann ablief, dass wir das Haus verließen, ins Auto stiegen und zurückfuhren, daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern, von Wein und Tanz war ich ziemlich benebelt, und wenn ich daran zurückdenke, sehe ich alles bloß durch einen milchigen Schimmer. Letzten Endes kamen wir jedoch wohlbehalten an, McGonagall, Sprout, Hagrid und ich wünschten uns noch eine Gute Nacht und trennten uns dann auch. Allein auf meinem Zimmer habe ich mich erst einmal unter die kalte Dusche gestellt, um den Wackelpudding aus meinem Kopf zu vertreiben. Denn ich wollte unbedingt alles aufschreiben, brühwarm und mit ganz frischer Erinnerung.
Jetzt gelange ich langsam zum Ende meines kleinen Berichts, ich freue mich, es noch geschafft zu haben und warte sehnsüchtig darauf, mich endlich ins Bett fallen lassen zu können. Um noch einmal auf das Thema zurückgekommen, welches ich vorhin angesprochen bzw. -geschrieben habe – ich glaube und hoffe natürlich, dass es Snape wie auch uns anderen sehr gefallen hat, auch wenn wir ihn mit ein paar kleinen Tricks überzeugen mussten. Aber so ausgelassen und fröhlich habe ich ihn nie zuvor erlebt und kann mir vorstellen, dass es ihm gut getan haben wird. Vielleicht kann er, wenn er wieder vollständig nüchtern ist, sich besonders daran erinnern und ein bisschen weniger an die Würde denken, die an diesem Abend bei uns allen ein bisschen gelitten hat. Aber schließlich ist Weihnachten ein Fest der Freude und zumindest einmal im Jahr sollte diese ganz an erster Stelle stehen.
