Wärmende Kälte

BPOV

watch?v=1k8craCGpgs&spfreload=10 (Journey, Don't stop believing)

"Oh mein Gott! Das... hätte ich jetzt nicht erwartet!" rief ich, als die Musik aus Edwards Autoradio drang. Ich hatte den CD Player eingeschalten, um ja keine Stille zwischen uns aufkommen zu lassen, auch wenn ich mir sicher war, dass nun alles wieder in Ordnung war zwischen uns, wobei… Vielleicht doch nicht so ganz. Irgendwie lag eine Spannung zwischen uns, auch wenn sie sich keineswegs unangenehm anfühlte.

„Was? Du kennst Journey?"

Ich konnte in der Dunkelheit Edward kaum noch erkennen, doch ich spürte, wie er seinen Kopf zu mir drehte um mich anzusehen. „Na klar!" antwortete ich. „Ich bin meiner Mutter Jahre lang mit viel zu lauter Musik auf die Nerven gegangen."

„Und ich habe mir die 70er und 80er damit vertrieben, auf ihren Konzerten herumzulungern."

Ich drehte leicht meinen Kopf und hob meine Augenbraue. „Das… hast du dir angetan? Ich meine… dich zwischen all die Menschen zu stellen?"

„Eigentlich… habe ich immer auf ein Freiluftkonzert gehofft und es mir dann auf dem nächst besten Baum… oder Strommast bequem gemacht."

Ich schüttelte leicht den Kopf und lachte. „So einer bist du also, Edward Cullen. Genießt Konzerte, ohne dafür zu bezahlen. Du wirst bestimmt in die Hölle kommen." Scherzte ich.

„Darauf bin ich ohnehin eingestellt. Aber da es für mich fast unmöglich ist zu sterben, muss ich mir darüber kaum Sorgen machen." Antwortete Edward. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder betrübt sein sollte. Auch wenn es als Scherz gemeint war, so verstand ich sofort die Wahrheit hinter seiner Aussage. Doch als ich Edwards Finger an meinen fühlte und sein Lächeln sah, musste ich auch lächeln.

„Du… liegst gut in der Zeit. Charlie wird dich mögen." Sagte ich, als ich sah, dass es erst kurz vor halb elf war. Wir waren nur noch wenige Minuten von Forks entfernt, Charlie würde begeistert sein.

„Ich muss doch mein Bestes geben, um mich bei unserem Polizeichef beliebt zu machen, wenn ich seine Tochter noch einmal ausführen möchte." Lachte Edward und zeigte mir sein strahlendes Grinsen.

„Du… ist das dein Ernst? Ich meine…" ich spielte mit meiner freien Hand mit meinen Haaren und warf einen Blick auf Edwards, die immer noch meine linke Hand hielt. „… du möchtest… noch einmal mit mir… ausgehen?" fragte ich mit leiser und schüchterner Stimme.

„Natürlich. Sehr gerne sogar." Antwortete Edward.

„I…ich…langweile dich… also nicht?" fragte ich und biss mir auf die Unterlippe. Ich verstand es nicht so recht, was so besonders an mir war, dass Edward mehr Zeit mit mir verbringen wollte, doch… ich zwang mich, nicht darüber nachzudenke. Stattdessen fühlte ich mich das erste Mal seit langem, wieder wie ein normaler Teenager. Wie ein normaler Teenager, der gerade ein Date hatte. Wie ein normaler Teenager, der… nicht an einer „Teenager-Krisen-Depression" so wie meine Mutter meinen Zustand nannte, litt.

Edward drehte erneut seinen Kopf zu mir und lächelte. „Du könntest mich niemals langweilen Bella."

„A…Auch nicht wenn… wenn… ich weiterhin so… nervös und… und still… bleibe?" murmelte ich leise und richtete meinen Blick nach unten.

„Ich mag dieses Geheimnisvolle, das dich umgibt. Man… sollte nicht immer alles von sich preisgeben. Und… du… bist der erste Mensch der… mich richtig zum Lachen bringt und bewirkt, dass… ich endlich wieder „lebe"..." sagte Edward leise und seine sanfte Stimme erwärmte mich innerlich.

Mein Mundwinkel zuckte ein wenig nach oben und ich ließ mich etwas entspannter in meinen Sitz fallen, als wir Forks erreichten. Ich bemerkte, wie meine Augen langsam schwerer wurden. Trotz meines erholsamen Schlafes am Nachmittag. Ich freute mich bereits auf mein warmes weiches Bett, freute mich, auf erholsamen Schlaf, in der Hoffnung, Edward würde die Nacht über bleiben.

„Das wird wohl nichts werden, mit deiner frühen Bettruhe." Sagte Edward lachend.

Ich zog eine Augenbraue nach oben. „Ach nein? Warum nicht? Was hast du vor?"

„Ich? Gar nichts, aber ihr habt Besuch."

„Ach ja? Woher… weißt du das?" fragte ich skeptisch.

„Ich kann es sehr genau riechen. Ihr habt Besuch aus La Push."

Ich betrachtete Edward im dunklen. „Du… weißt aufgrund von… Gerüchen, wer gerade bei uns zu Hause ist? Ich meine…"

„Ja… natürlich. Wir… merken uns jeden Geruch, vor allem, wenn… er sehr prägend ist." Antwortete Edward, als er in meiner Auffahrt hielt.

„So… wie meiner meinst du?"

„Genau, wobei… diesmal ist es leider nicht so… berauschend." Lachte Edward und zwinkerte mir zu.

Auch ich musste etwas lachen, als ich mich vom Sicherheitsgurt befreite, um aus dem Auto steigen zu können. „Also…" setzte ich an, um mich bei Edward zu bedanken, doch dieser unterbrach mich sofort.

„Warte. Ich begleite dich noch zur Tür." Und im nächsten Augenblick war Edward aus dem Wageninnere verschwunden und hielt mir die Tür auf.

„Ähm… danke…" Wie üblich griff ich nach Edwards kalter Hand und ließ mich von ihm aus dem Auto helfen und bis zur Haustür begleiten. Doch ehe ich die Haustüre öffnete, drehte ich mich erneut zu meinem Vampir und schenkte ihm ein kleines schüchternes Lächeln, ehe ich begann, meine Finger nervös zu kneten. „Ähm… ich… danke dir Edward. Es… war ein so… wunderschöner Abend. Danke!"

„Jederzeit wieder Bella."

Ich kaute etwas nervös auf meiner Unterlippe, als ich plötzlich erneut diese… Spannung zwischen uns spürte. Ich wusste nicht, wie ich mich von ihm verabschieden sollte. Sollte ich… ihn umarmen? Einfach so? Würde ich das tun können? Doch zu meinem Glück nahm Edward mir diese Entscheidung ab, als er nach beiden meiner Hände griff und diese sanft drückte, ehe er seine Hände über meine Arme hinauf wandern ließ und mich dann sanft an meinen Oberarmen hielt. Meine Hände kribbelten und in meinem Bauch fühlte es sich plötzlich so an, als würden dutzende von Schmetterlingen darin umher fliegen… ein seltsam angenehmes Gefühl, das ich noch nie erlebt hatte, als Edward noch etwas näher kam und seine Nase seitlich in meinem Haar vergrub und tief einatmete… und ich tat es ihm gleich, als sich sein Duft um mich herum ausbreitete und meine Sinne vernebelte. Tief nahm ich seinen Geruch in mir auf und legte dann ganz vorsichtig und langsam meine Hände an seine Brust und rieb meine Nase an seinem Hemdkragen, so wie ich es in der Oper getan hatte, als ich Edward sanft lachen hörte.

„Man könnte meinen, du bist süchtig nach meinen Geruch." Murmelte Edward leise in mein Haar, bevor er mich wieder mit seinen warmen karamellfarbenen Augen ansah.

Ich bemerkte, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg, doch ich schaffte es, leicht zu lächeln. „Das… bin ich…" flüsterte ich.

„Versprichst du mir etwas?" fragte Edward und ließ seine Finger durch mein Haar gleiten.

„…Was?"

„Versprich mir, dass du es mir sagst, wenn ich dabei bin, eine… Grenze… zu überschreiten."

Es dauerte einen Moment, bis ich verstand, was Edward damit meinte. „Ok…versprochen." Sagte ich tonlos und versuchte den Klos in meinem Hals loszuwerden.

„Ich… würde so gerne…" Edward verstummte, blickte mich jedoch weiter an. Seine Augen durchbohrten mich fast und es fühlte sich so an, als könnte er direkt in mich hineinsehen. Erneut biss ich mir auf meine Unterlippe, als der Drang in mir aufkam, Edward einfach an mich zu ziehen, ihn zu umklammern und nie mehr loszulassen.

„W…Was?" fragte ich leise." Was… würdest du gerne?"

Edward schenkte mir ein sanftes Lächeln, ehe er antwortete. „Ich… würde so gerne etwas ausprobieren. Könntest du… mir einen Gefallen tun und… stillhalten?" fragte er leise und legte eine Hand sanft an meine Wange. „Nicht… bewegen. Ok?"

Ich wollte nicken, besann mich dann doch anders. „… Ok…" flüsterte ich als ich bemerkte, dass Edwards Gesicht meinem plötzlich viel näher war. Ich konnte seinen eiskalten Atem an meiner Wange spüren und atmete etwas lauter ein, in Erwartung, was nun wirklich passieren würde, als Edward mich noch etwas näher zog. Ich spürte, wie mein Herz immer heftiger zu klopfen begann, als Edward eine seiner Hände sanft an meine Wange legte und ich plötzlich seine Lippen auf meinen spürte.

Meine Augen fielen wie von selbst zu und ich erstarrte für einen Augenblick, konnte mich nicht bewegen, als Erinnerungen durch meinen Kopf strömten, Erinnerungen, an Hitze, die mich zu erdrücken schien und daran, dass ich keine Luft mehr bekam. Ich sollte mich von ihm los reißen, auf der Stelle, doch dann bemerkte ich, dass sich meine Hände in Edwards Hemd gekrallt hatten… in Edwards Hemd…Und mit einem Male spürte ich den Unterschied dieses Kusses. Den wunderbaren Unterschied dieses kühlen und doch so warmen, liebevollen und vorsichtigen Kusses. Keine Hitze, kein forderndes Drängen und kein Druck auf meiner Brust, als ich langsam anfing, meine Lippen mit Edwards zu bewegen.

Seine harten Arme umschlangen mich sanft und zogen mich noch etwas näher zu ihm, bevor sich dann langsam seine Lippen von meinen lösten. Ich öffnete meine Augen und starrte wie hypnotisiert in die seine, hatte meine Hände immer noch in seinem Hemd vergraben und wusste nicht, ob ich etwas sagen oder tun sollte. Mein Kopf fühlte sich… leicht und berauschend an und ich fühlte den Adrenalinstoß, der durch meinen Körper jagte… einen „guten" Adrenalinstoß.

„…ok?" fragte Edward leise und strich mir mit seinen kalten Fingern sanft über meine Wange und meinen Hals, ehe er seine Hand an meine Halsschlagader legte. Ich konnte nur nicken, vertraute in diesem Moment meiner Stimme nicht und wollte den Moment nicht mit meinem Gekrächze ruinieren. Ich schenkte Edward ein schüchternes Lächeln und blinzelte ein paar Mal um ihm nicht schamlos auf seine perfekten Lippen zu starren. Ich mochte das Gefühl seiner kalten Finger auf meiner Haut, oder wie er sie immer wieder sanft durch mein Haar gleiten ließ. Ich liebte es, seinen kalten Atem an meiner Wange zu spüren, als Edward mit seinem Gesicht wieder näher kam und seine Nase sanft an meiner rieb.

Ich konnte hören, wie er tief einatmete, um meinen Duft voll und ganz in sich aufzunehmen und wollte mir in diesem Augenblick nicht vorstellen, welch Anstrengung ihm meine Anwesenheit abverlangte, als Edward kurz seine Augen zusammenkniff, ehe er sich wieder entspannte. Ich wusste, dass er mich erneut küssen würde und konnte es trotzdem nicht über mich bringen, die letzten Millimeter, die uns noch voneinander trennten zu überbrücken, doch das musste ich auch nicht, denn im nächsten Moment hatte Edward wieder angefangen, mich sanft und vorsichtig zu küssen. Und ich ließ es geschehen, wissend, dass mir nichts passieren würde, wissend, dass Edward mir niemals absichtlich weh tun würde.

„Ich dachte… ich sollte mich richtig von dir verabschieden… nach einem Date." Murmelte Edward leise, als wir uns wieder voneinander gelöst hatten und zeigte mir sein strahlendes Lächeln, als ich mir auf die Unterlippe biss. „Aber du solltest jetzt rein gehen, wir sind leider nicht mehr unbeobachtet." Fügte er hinzu und brachte wieder etwas Abstand zwischen uns, ohne mich loszulassen.

„D…du meinst…" ich wollte meinen Kopf nach hinten drehen, doch Edward hielt mich davon ab.

„Ja… er hat vermutlich den Wagen gehört und… spät jetzt durch das Fenster. Ich glaube er ist nahe dran, raus zu kommen." Edward lachte leicht und strich mir meine Haare aus dem Gesicht. „Danke für den tollen Abend Bella."

Ich lächelte leicht und fand es schade, dass wir uns nun voneinander trennen mussten. Ich räusperte mich leicht und zupfte ohne es richtig zu merken nervös an Edwards Hemd. „Ähm… sehe… sehe ich dich heute noch? Ich meine…"

„Lass einfach dein Fenster offen, wenn du das möchtest." Ich nickte und Edward lachte wieder leise. „Und sag Charlie, dass… ich bestimmt damit einverstanden bin ok?"

Ich runzelte leicht meine Stirn. „Ähm… ok…" sagte ich leise, ohne wirklich zu wissen wieso. Doch schnell vergaß ich danach zu fragen, als Edward sich noch einmal zu mir beugte und mir einen liebevollen Kuss auf die Stirn drückte und mich dann langsam losließ.

„Gute Nacht Bella."

„Gute Nacht Edward." Sagte ich leise und lächelte noch einmal sanft, bevor ich das Haus betrat.

Natürlich war mein Dad sofort ins Wohnzimmer geflüchtet um es so aussehen zu lassen, als hätte er gar nicht bemerkt, dass ich bereits zu Hause war. Langsam legte ich meinen Mantel ab und betrat dann langsam das Wohnzimmer, darauf eingestellt, mit Fragen bombardiert zu werden. Jedoch hoffte ich, dass Charlie darauf warten würde, bis Jacob und Billy das Haus verlassen hatten.

„H..hey Leute!" sagte ich, als ich das Wohnzimmer betrat und ließ mich dann in einen der weichen Sessel fallen, etwas weiter von den anderen entfernt. „Ich… hätte nicht erwartet, euch heute… zu sehen."

„Heute ist das Endspiel. Pflichttermin für deinen Dad und mich." Sagte Billy und reichte Charlie eine Dose Bier. „Außerdem wollte Jake mitkommen um dich zu sehen. Wir hatten ja keine Ahnung, dass du ein Date hast."

„Dad!" murmelte Jake und ich erkennte sofort, dass es ihm unheimlich peinlich war, dass sein Vater mir das erzählte.

„Du… bist früh zurück Bella." Sagte Charlie und öffnete seine Dose Bier.

„Dad… tu doch nicht so. Ich… weiß genau, dass… dass du uns gesehen hast…" sagte ich und knetete meine Finger. Mir war es irgendwie unheimlich peinlich, dass Billy und Jake darüber Bescheid wussten.

Charlie grummelte kurz, seufzte dann aber. „Naja… wenigstens hat er dich früher als erwartet zurückgebracht, das ist ja schon mal ein Anfang. Will es sich wahrscheinlich nicht mit mir verscherzen. Kluger Junge."

Ich musste ein Lachen unterdrücken, als ich daran dachte, dass Edward gleiche Gedanken geäußert hatte. Es sah ganz so aus, als hätte Charlie nichts dagegen, wenn ich noch einmal mit Edward ausgehen würde.

„Du… hattest also wirklich ein Date mit…Cullen?" fragte Jake und drehte sich zu mir. Sein Gesichtsausdruck zeigte mir unmissverständlich, dass er nicht so ganz verstand, wieso ich gerade Edward gewählt hatte. Doch bevor ich etwas erwidern konnte, drehte sich Billy zu mir und sah mich kurz eingehend an bevor er sprach.

„Du solltest wirklich aufpassen Bella. Die Cullens haben nichts Gutes im Sinne, machen ständig Ärger. Ich will doch nicht, dass dir etwas passiert." Billys Augen schienen mich fast zu durchbohren und ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte, mir schien es fast so, als wüsste Billy etwas… dass er wohlmöglich gar nicht wissen sollte.

„Jetzt hör aber auf Billy." Mischte sich Charlie mit ein. „Musst du schon wieder mit dieser Leier anfangen? Die Cullens sind friedliche und nette Nachbaren und Edward ist ein netter Junge. Ich weiß wirklich nicht was sie getan haben könnten um sich deinen Hass aufzuladen."

„Das musst du auch gar nicht wissen. Fakt ist, sie bringen nichts als Ärger. Hätte ich eine Tochter, ich würde sie niemals mit einen von denen umherziehen lassen. Es könnte weiß Gott was passieren."

Irgendwie wurde mir bei dieser Diskussion mulmig zumute und mit jedem weiteren Wort kam es mir so vor, als würde Billy… bescheid wissen… über Edward und seine Familie. Aber… natürlich war das unmöglich. Ich hatte niemandem etwas verraten und ich war mir sicher, dass auch niemand der Cullens auch nur jemandem ein Wort erzählt hatte… aber naja… natürlich kursierten die wildesten Gerüchte in Forks.

„Dad! Willst du dich jetzt ernsthaft wieder auf diese… alten Legenden beziehen? Du weißt genauso gut wie ich, dass es nur Legenden sind. Märchen für Kinder um sie ein wenig zu erschrecken. Und komm schon, in jeder Stadt kursieren Gerüchte. An denen ist meist so viel dran, wie an einem ausgehungerten Wolf. Nämlich gar nichts." Mischte Jacob sich ein um seinen Vater zu beruhigen. Ich sah, dass Billy kontern wollte, doch er ergab sich und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Fernseher, um seiner Lieblingsmannschaft zu folgen.

„Jedenfalls wäre ich… extrem vorsichtig." Sagte er leise, ohne mich dabei anzusehen.

„Da fällt mir ein Bella…" wandte Charlie sich an mich und ich blickte fragend zu ihm. „… wie wäre es, wenn du ihn mir einfach mal… vorstellst? So… ganz offiziell oder wie ihr das nennt? Ich möchte ihn kennenlernen."

„Ähm… w…was?" murmelte ich und bemerkte, dass meine Hände zu schwitzen begannen.

„Na ich möchte Edward kennen lernen. Das mit euch… scheint etwas Ernstes zu sein oder etwa nicht?"

„Ich ähm…ja, also…" stammelte ich. Wie sollte ich meinen Dad davon abbringen, Edward kennen lernen zu wollen? Doch dann fiel mir ein, was Edward gesagt hatte. „Na gut Dad, ich… stelle ihn dir vor. Ich… werde ihn fragen, aber bestimmt… ist er damit einverstanden."

„Gut, dann sag ihm, er soll sich Freitagabend nichts vornehmen ja? Wir… könnten nach Port Angeles fahren, denn ich glaube nicht, dass ihr hier im Diner essen wollt oder?"

Ich konnte es gerade noch verhindern, laut nach Luft zu schnappen und räusperte mich. „Ähm… essen? Du… willst wirklich essen gehen? Dad, das… ist doch nicht… nötig, wir… wir könnten doch einfach hier…"

„Bella! Ein Abendessen mit deinem Vater wird euch schon nicht umbringen" Sagte Charlie und ich konnte deutlich heraushören, dass er keine Widerworte duldete.

„…Ok." Sagte ich leise und hoffte, mir würde bis Freitagabend eine annehmbare Ausrede einfallen, wieso Edward nicht zum Essen erscheinen konnte. „Ich… bin müde, ich werde ins Bett gehen. Viel Spaß noch." Sagte ich leise und ging dann in die Küche um mir noch schnell einen Tee zu machen. Es war zu spät um noch etwas zu essen, also musste Tee ausreichen. Ich setzte Wasser auf und suchte in den Schränken nach meinem Lieblingstee, als ich erschrocken zusammenzuckte. Ich hatte Charlie nicht kommen hören, doch plötzlich stand er neben mir.

„Dir… geht es doch gut Schätzchen? Hattest du einen schönen Abend?"

„Ja Dad. Alles… bestens." Murmelte ich.

„Du… sagst es mir doch, wenn dir etwas auf dem Herzen liegt oder?" fragte Charlie und ich versuchte mir ein kleines Lächeln abzuringen. „Ich meine… klar, ich weiß, du bist eben mal… ruhig und schüchtern, aber… diese Gemütsschwanknungen… ich weiß nicht."

Mit Schrecken spürte ich, wie Charlie plötzlich seine Hand auf meine Schulter legte und drehte mich von ihm weg, tat so als würde ich nach dem kochenden Wasser sehen und holte dann eine große Tasse aus dem Schrank. Selbst diese einfache Berührung meines Vaters, der mir noch nie etwas zu Leide getan hatte, der es nicht ein Mal über sein Herz brachte mich richtig anzuschreien, brachte mich fast zum Ausflippen und… es tat mir weh, ihn so abzuweisen. Aber es ging nun mal nicht anders.

„Ähm… das… geht schon wieder… vorüber. Denke ich. Mum sagt, Teenager sind nun mal so." sagte ich leise und hängte den Teebeutel in die Tasse ohne meinen Dad dabei anzusehen. „Stimmungsschwankungen und so… ist doch alles normal."

Charlie seufzte und lehnte sich dann gegen die Küchenzeile, verschränkte seine Arme vor seiner Brust und beobachtete mich eine Weile.

„Ich wünschte, du könntest mir sagen, was in Phönix passiert ist. Ich versteh nicht, wie René mit dir überfordert sein kann."

Ich wagte es nicht ihn anzusehen und goss stattdessen meinen Tee auf. Ich wollte nur noch aus dieser Küche raus und mich in meinem Zimmer vergraben.

„Wirst du es mir vielleicht eines Tages erzählen? Du weißt… dass du mir alles sagen kannst."

Ich räusperte mich und nickte dann. „Ja… vielleicht."

„Ok. Dann… lass ich dich mal… ins Bett gehen."

Ich atmete erleichtert auf, als Charlie die Küche verließ und lief schleunigst die Treppe nach oben in mein Zimmer. Ich wollte so schnell wie möglich ins Bett, so müde wie ich war, denn langsam aber sicher wollte mein Körper mit meinem Schlafmangel nicht mehr mithalten. So schnell wie möglich machte ich mich Bettfertig und entriegelte mein Zimmerfenster, damit Edward hindurch schlüpfen konnte und hoffte, dass er nicht allzu lange brauchen würde. Auch wenn wir uns erst vor kurzen vor meiner Haustür verabschiedet hatten, ich vermisste ihn bereits und konnte es nicht erwarten, ihn wieder zu sehen.

Ich legte mich in mein Bett, wickelte mich fest in meine Decken ein und legte mich schlafen. Ich schwebte zwischen einem schlafenden und wachem Zustand, als ich einen kühlen Lufthauch spürte und liebliche melodische Töne vernahm, doch ich war zu müde, um meine Augen zu öffnen, als ich immer tiefer in den Schlaf sank.

Die Woche war quälend langsam und doch viel zu schnell vergangen. Es war Freitag und ich saß mit Edward und seinen Geschwistern in der Cafeteria. Ich hatte meinen Rücken den restlichen Schülern zugewandt. Solange ich sie nicht sah, würde mir eine Panikattacke erspart bleiben. Und solange Edward bei mir war, ging es mir ohnehin besser. Meine letzte ausgereifte Attacke lag nun doch schon etwas länger zurück und ich war überaus froh darüber, dass ich nun nur noch unter meiner Nervosität und Schreckhaftigkeit zu leiden hatte…vielleicht wurde es nun endlich besser. Vielleicht half es wirklich, dass ich weggezogen war. Trotzdem blieb immer noch das Problem, dass Charlie erwartete, mich und Edward in nicht einmal mehr sechs Stunden zu sehen… um gemeinsam essen zu gehen. Es war eine Katastrophe, bestimmt würde das alles in einem Desaster enden, denn bis jetzt war mir noch keine Ausrede eingefallen, um Edward aus diesem Schlamassel zu holen, wobei Edward das sehr gelassen sah.

„Ich könnte so tun als wäre ich krank. Wenn… ich sage du bist krank dann… sieht es so aus, als würdest du dich drücken wollen… ich sag ihm einfach ich hab mir die Grippe oder so etwas in der Art eingefangen." Sagte ich und zerpflückte mit meinen Fingern mein Sandwich, das ansonsten unangerührt vor mir auf dem Tisch lag. „Du… könntest dann einfach nächste Woche bei uns vorbeikommen und dich bei ihm vorstellen. Problem gelöst."

„Bella! Ich sagte doch schon, es ist alles gut. Du machst dir zu viele Gedanken." Sagte Edward lachend und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Zu…zu viele Gedanken? Ich… überlege gerade, wie… ich dich aus dem Schlamassel holen kann…" ich biss mir auf die Unterlippe und blickte hilfesuchend zu Alice. Irgendwie war es mir unangenehm am Tisch der Cullens zu sitzen…denn ich kannte sie doch kaum. Alice lächelte nur, sagte jedoch nichts. Ich wusste, dass sie bereits gesehen hatte, wie das alles ausgehen würde.

„Das musst du nicht." Antwortete Edward.

„Und wie willst du das dann machen? Wie willst du all das Essen unbemerkt verschwinden lassen?"

Edward öffnete den Mund um mir zu antworten, als Emmett ihn jedoch unterbrach. „Na wie denn wohl? Edward wird artig den Mund aufmachen und alles schlucken, das hineingelangt!" lachte er und ich konnte deutlich hören, wie seine Brust vibrierte. Aus dem Augenwinkel konnte ich gerade noch sehen, wie Edward nach einer Traube vor ihm griff und diese dann mit genauester Präzession in Emmett's offenem Mund versenkte.

„Ey Mann! Was soll das denn? Lern DU lieber mal das Kauen." knurrte Emmett und schoss die Traube mit voller Wucht Richtung Edward zurück, der jedoch gerade noch mit seinem Kopf ausweichen konnte und somit bewirkte, dass die Traube quer durch die Cafeteria flog und Mikes Hinterkopf traf.

„Das ist echt widerlich." Murmelte Rose. „Du willst das doch nicht etwa allen Ernstes durchziehen?"

Ich biss mir auf die Unterlippe und begann nervös meine Hände zu kneten, als Edward genervt seine Augen überdrehte.

„Rose!" zischte Edward. „Lass das meine Sorge sein. „Und versuch mir jetzt bloß nicht weiszumachen, dass du noch nie menschliches Essen gegessen hast, um kein Aufsehen zu erregen."

Ich versuchte den Klos in meinem Hals zu schlucken, als ich sah wie Edward und Rosalie sich böse anstarrten, bevor Rosalie mir einen wütenden Blick zuwarf. Doch sie blieb still und drehte sich dann zu Emmett. Ich versuchte ruhig zu atmen um zu verhindern, dass mein Herz zu schnell zu schlagen beginnen würde, als ich Edwards Hand an meiner spürte.

„Ich bringe dich zu deiner letzten Stunde. Bist du fertig?" fragte leise und drückte sanft meine Hand. Ich nickte nur und verließ dann gemeinsam mit Edward die Cafeteria.

„Also… du willst das wirklich… durchziehen? Ich meine… du weißt, dass du nicht… ich meine… mir würde schon etwas… einfallen…" murmelte ich, als Edward seinen Wagen vor meinem Haus hielt. Wie jeden Tag hatte er nach meiner letzten Unterrichtsstunde auf mich gewartet um mich nach Hause bringen zu können.

„Bella. Ich sagte doch, dass es mir nichts ausmacht ok? Es sei denn… du möchtest nicht, dass wir mit deinem Vater zu Abend essen."

„W…was? Nein, nein so… meinte ich das doch nicht. Ich dachte nur…" ich strich mir die Haare aus dem Gesicht und blickte Edward in seine warmen, goldenen Augen. Er meinte es ernst. Nur für mich würde er das heutige Abendessen über sich ergehen lassen. Ich seufzte leise. „Danke Edward."

Edward schenkte mir ein Lächeln und griff dann nach meiner Hand. „Ich werde pünktlich hier sein."

„Das weiß ich doch." Sagte ich und konnte mir ein kleines Lächeln abringen, als Edward mit seinem Kopf langsam näher kam und seine Lippen dann federleicht gegen meine linke Schläfe drückte. „Wir sehen uns später." Murmelte er. „Sieh zu, dass du in der Zwischenzeit nicht stolperst ok?"

Ich musste lachen, nickte jedoch, bevor ich aus dem Wagen stieg.