Disclaimer: Wenn ich JKR wäre, hätte ich Kohle. Ich schreibe, weil es mir Riesenspaß macht. Bitte nicht klagen!

AN: Ich kann euch nicht sagen, wann ich nächstes Kapitel hochlade, vielleicht rechtzeitig, vielleicht auch nicht. Aber ich tue es wann auch immer ich zurückkomme. URLAUB! :D

Viel Spaß beim Lesen.

Cassie

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Kapitel 20 – Weder im Himmel, noch auf der Erde, Teil II

/Nevilles Sicht

Als sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumkronen im Osten drängen, tauchen sie die Berge welche sich um uns herum und von fast allen Seiten erheben ins Licht. Irgendwie sehen die Alpen jetzt anders aus als im Abendlicht. Der Wind streicht über das Gras und bringt die Düfte des Morgens mit sich, die nächtliche Frische vertreibend. Die Welt um uns herum wacht langsam auf wobei sich die Vampire ins Schloss da oben zurückziehen und wie Ratten vor dem Licht fliehen.

Ein Teil von mir bemitleidet den dunklen Prinzen. Er wird nie wieder im Sonnenlicht herumlaufen oder die Sonnenstrahlen auf seiner Haut spüren. Er ist zu einem Leben in den Schatten und der Dunkelheit verurteilt und so würde er die Ewigkeit verbringen, wäre ich nicht hier, um sein Leben zu beenden. Die Vorstellung vom ewigen Leben ist mir nie verlockend vorgekommen. Wer würde ewig leben wollen? Ich bin neunzehn und schon jetzt denke ich an den Tod. Es gab sogar Momente, in denen ich ihn mir herbei gewünscht habe. Aber ich habe diese lebensmüden Gedanken hinter mir gelassen und jetzt lebe ich nur um meine Mission zu erfüllen. Und heute werde ich den ersten und den wichtigsten Schritt in diese Richtung machen.

„Neville," flüstert mir Michael ins Ohr. „Ich habe ein großes Lager gesehen, hinter den Bergen im Westen."

Er deutet in die erwähnte Richtung und ich schaue ihn verwundert an.

„Sind sie Vampire?" frage ich.

Der Engel schüttelt den Kopf. Natürlich nicht. Das würde keinen Sinn ergeben, schließlich dämmerte es vor kurzem. Kein Vampir der nicht lebensmüde ist würde im Sonnenlicht sitzen wollen, auch wenn die Sonne teilweise hinter den Wolken verborgen ist.

„Schwarzmagier?" frage ich aufstehend.

„Ich denke schon," antwortet Michael und presst die schimmernden Lippen zusammen. „Aber sie sind nicht in Bewegung. Momentan essen sie."

„Was machen sie hier? Begleitet eine Armee den dunklen Prinzen herum?" frage ich nachdenklich.

„Das einzige, was mir einfällt, ist dass der dunkle Prinz irgendwie weiß, dass du hier bist," sagt Uriel. „Also hat er eine Armee mitgebracht."

„Moment, Moment," sage ich, mich am Kopf kratzend. Faunus steht langsam auf und geht auf mich zu da er mitbekommen hat, dass ich mit meinen Engeln rede. „Auch wenn er es irgendwie wüsste, was macht die Armee so weit weg? Sollte sie denn nicht vor dem Schloss auf ihn warten? Wie viele Soldaten gibt es überhaupt?"

„Mehrere tausende," antwortet Michael.

Das ist keine kleine Gruppe Schwarzmagier und das an sich bedeutet etwas.

Ein schlechtes Gefühl erfüllt mich und ich schließe die Augen. Das ist nicht gut. Es klingt tatsächlich als wüsste der dunkle Prinz von meinem Ankommen Bescheid. Wenn schon, ist er für einen Kampf bereit, was natürlich nicht gut ist. Ob wir in Überzahl sind oder nicht ist momentan unwichtig. Ich möchte keinen direkten Konflikt mit dem dunklen Prinzen wobei es zu weiteren Verlusten kommen kann. Andererseits weiß ich dass ich das, was ich gestartet habe, auch zu Ende bringen sollte, eine Armee der Schwarzmagier hin oder her.

'Bist du denn zu feige?' meldet sich eine Stimme in meinem Kopf. 'Denkst du nicht, dass du ihn schlagen kannst?'

„Das hab ich schon einmal getan und kann es wieder tun," knurre ich.

Auch wenn Michael und Uriel die Blicke wechseln weil sie ja nicht verstehen, mit wem ich rede, denkt Faunus wahrscheinlich dass ich mit meinen Engeln rede. Es ist kein gutes Zeichen, wenn man anfängt, Selbstgespräche zu führen, würde mir jeder vernünftiger Mensch sagen.

„Und außerdem vergessen wir nicht, dass das Schloss vollgestopft mit kampflustigen Vampiren ist," wirft Faunus ein.

„Was ist los?" fragt Katie, die sich durch die Bäume drängt und sich das Haar aus dem Gesicht streicht.

Sie schaut von meinem nachdenklichen Ausdruck zu dem von Faunus, der beinahe panisch genannt werden kann. Ich stöhne.

„Es gibt eine Armee hinter den Bergen," sage ich zu ihr.

Ihre Augen werden groß.

„Eine Reichsarmee?" fragt sie. „Lieber Merlin, das ist schlimm!"

„Was du nicht sagst," knurre ich aggressiv.

Schon die nächste Sekunde bereue ich meine Worte.

„Tut mir leid," sage ich zu meiner Freundin, eine Hand auf ihre Schulter legend.

„Setzen wir uns und besprechen wir, was zu tun ist," schlägt sie diplomatisch vor.

„Darf ich euch nur daran erinnern, dass es eine gute Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Armee genauso von uns Bescheid weiß sowie wir von ihr Bescheid wissen und uns angreifen könnte," wirft Faunus vorsichtig ein.

„Zur Kenntnis genommen," sage ich schlechtgelaunt. „Michael, bitte halte Ausschau und melde jede Änderung. Ich möchte wissen, was die Schwarzmagier gerade tun."

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/Dracos Sicht

Normalerweise würde man bei solchen Gelegenheiten es vermeiden, Krach zu machen oder Feuer anzuzünden. Das wäre ja gesunder Menschenverstand. Und wir halten uns daran obwohl mir bewusst ist, dass unsere Gegenwart hier nicht lange unentdeckt bleiben kann. Longbottom hat ja die Engel zur Verfügung, welche ihm gleich melden können, falls sie etwas bemerkt haben. So zweifele ich nicht daran, dass er von unserer Anwesenheit Bescheid weiß. Wird er uns suchen und angreifen? Oder wird er auf Erebus warten und seine Position vor dem Schloss halten, wie ein guter Wachhund? Nein, Longbottom interessiert nur Erebus. Er möchte ihn so verzweifelt erwischen dass er bereit ist alles zu riskieren, um das zu erreichen. Er hat kein Interesse an uns falls wir ihn nicht angreifen. Aber das werden wir. Das waren die Befehle, die wir vor wenigen Stunden erhalten haben.

„Hast du vor, das zu essen?" fragt eine Stimme.

Ich drehe mich um. Wir haben versucht etwas zu essen aber nicht vielen von uns ist es gelungen, etwas runterzukriegen. Ich habe ein paar Schlucke Kaffee getrunken und das war es. Aber Artaius deutet auf meinen Teller, der noch immer voll ist.

„Nicht wirklich," sage ich kopfschüttelnd und seufze.

Der Belgier schnappt sich den Teller und beginnt meine Wurst hinunterzuschlingen als hätte er kein Essen seit Tagen gesehen. Bellatrix schaut ihn amüsiert an.

„Was ist, hast du Angst dass du zum Mittagessen nichts bekommst? Darauf kannst du wetten," sagt sie. "Schließlich kann man nicht einen Angriff unterbrechen weil es die Zeit fürs Mittagessen ist."

Der Mund des Belgiers ist so voll wie der eines Hamsters und er zuckt nur mit den Achseln, da er nicht reden kann. Als er endlich seine Wurst runterschluckt, sagt er mit einem mysteriösen Lächeln:

„Ohne Mampf gibt es keinen Kampf."

Bellatrix lacht meckernd und nimmt einen weiteren Schluck ihres Kaffees.

Zwei amerikanische Todesser sitzen mit ihren Köpfen an einander nahe und tuscheln. Sie werfen der sich langsam erhebenden Sonne einen Blick zu und schauen dann in meine Richtung. Als sie aber bemerken, dass ich in ihre Richtung schaue, blicken sie weg.

„Die Leute werden etwas ungeduldig," bemerke ich.

„Ja klar," sagt Bellatrix sachlich. „Jeder wäre ungeduldig nach all dem, was uns der dunkle Prinz gesagt hat." Ihre Stimme wird tiefer im Versuch, die Stimme des Prinzen nachzuahmen. „Dies sei unsere beste Chance, Longbottom zu vernichten, dies sei der epische Kampf und so weiter." Sie zuckt mit den Achseln. „Die Leute sind natürlich überzeugt, dass wir heute wirklich Longbottom fangen und umbringen werden."

„Oh ich bin mir sicher, dass Erebus diese Ehre für sich selbst behalten will," sage ich, zum Himmel schauend.

„Spielverderber," murmelt Bellatrix schlechtgelaunt. „Was ich nicht geben würde, um dem Balg selbst den Hals umdrehen zu können. Und ich würde keine Magie dafür benutzen. Mit den bloßen Händen macht es viel mehr Spaß."

Artaius nickt ihr zu. Ja, ich weiß dass er zustimmt. Mit dem Töten hat er schließlich viel Erfahrung. Aber der dunkle Prinz hat ja gesagt, dass wir so viele Verluste auf der hellen Seite verursachen sollten wie wir können. In der Todesser Umgangssprache kommt das der grünen Karte gleich oder in anderen Worten bedeutet das ein Freibrief zum Töten. Was sicherlich die Armee sehr freut weil wir ja alle langsam frustriert werden wenn wir darüber hören und lesen, was die helle Seite macht und welchen Schaden sie verursacht. Severus ist heute nicht bei uns aber ich bin froh sagen zu können, dass er wieder wach und beinahe vollkommen gesund ist. Seine Lungen funktionieren prima aber ich habe ihm befohlen, zu Hause zu bleiben. In solchem Zustand und nach solch einer langen Zeit, welche er im Koma verbracht hat, ist er in keiner Lage zu kämpfen.

„Was ist mit den Todessern passiert, welche zuletzt angegriffen worden sind?" fragt Bellatrix.

Denn sie nimmt an, dass ich es weiß. Weil ich ja bei dem dunklen Prinzen wohne. So vermutet man immer, dass ich etwas aus der ersten Hand weiß nur weil ich bei ihm wohne was natürlich bei dem Prinzen keine Rolle spielt. Wenn er etwas für sich selbst behalten will, dann macht er das. Ich wiederum muss solche Fragen erdulden und habe mich daran gewöhnt, aber das heißt nicht dass sie mich nicht länger nerven.

„Sie sind nach zwei Tagen zurückgekehrt," sage ich erschaudernd. „Sie haben gemacht, was der dunkle Prinz von ihnen verlangt hat."

„Worum geht es wenn ich fragen darf?" fragt Artaius, der einen Schluck Kürbissaft genommen hat um seine Wurst runter zu spülen.

„Ein paar Zentauren haben sie angegriffen," sagt Bellatrix augenrollend. „Das heißt die gesamte Gruppe. Und sie haben sich einfach aus dem Staub gemacht. Wollten nicht kämpfen. Haben eine exzellente Chance verpasst, um mehr Zentauren abzuschlachten."

„Ach so," murmelt Artaius und stopft ein weiteres Brotstück in seinen Mund. „Was hat ihnen der dunkle Prinz gesagt?"

„Na ja, das Übliche," sagt Bellatrix. „Er hat sie mit Crucio belegt und gesagt, sie seien eine Schande für den Namen eines Todessers. Das übliche Zeug. Dann hat er ihnen befohlen, ihm die Köpfe der Zentauren auf einem silbernen Tablett zu bringen."

Artaius verschluckt sich beinahe an seiner Wurst und ich gebe ihm automatisch einen Klaps auf den Rücken.

„Und sie haben das getan?" fragt er ungläubig.

„Hättest du es nicht getan?" fragt ihn Bellatrix.

„Ja, aber das bin ich," sagt Artaius achselzuckend. „Nicht jeder ist für so was geeignet."

Er ist dafür also geeignet. Was bedeutet das überhaupt, dass man für solche Sachen wie Enthauptungen geeignet ist? Lass es, Draco. Du wirst es eh nie verstehen.

„Sie haben nicht geschlafen und haben nichts gegessen. Sie sind gleich appariert um die Zentauren zu suchen. Sie haben nicht gestoppt bis sie sie gefunden haben," sage ich. „Und sie haben das getan, was er von ihnen verlangt hat. Sie haben sie enthauptet und ihre Köpfe dem Prinzen gebracht."

„Und was hat der dunkle Prinz mit den Köpfen gemacht?" fragt Artaius neugierig.

„Frag nicht," knurre ich.

Bellatrix neigt den Kopf zur Seite und ihre Augen glitzern.

„Ach komm schon," sagt sie spielerisch. „Ich weiß es nicht aber anscheinend du schon."

„Er hat sie ausstopfen lassen," gebe ich nach.

Ich werde nie den Anblick vergessen können. Ich gehe ins Wohnzimmer rein und sehe vier Zentaurenköpfe welche mich mit ihren toten Augen angaffen und fahre hoch. Erebus hat nur gelacht und mir gesagt dass ich mir keine Sorgen machen solle, er stelle sie irgendwo hin, wo ich sie nicht sehen werde. Jetzt vermute ich dass sie sich in seinem Arbeitszimmer befinden. Oder in seiner Ritualkammer. Egal. Ich möchte diese grausamen Köpfe nicht sehen. Ja, ich bin ein Heiler und ich sehe jeden Tag eine Menge ekliger und grausamer Sachen aber das heißt nicht, dass ich gerne bei einer Leiche meinen Kaffee trinken würde oder jeden Tag wenn ich ins Bad gehe an einem Zentaurenkopf vorbeikommen wollen würde. So was bringe ich nicht im Zusammenhang mit einer entspannenden Atmosphäre und einer warmen und freundlichen Umgebung. Ich habe mich sogar an die Dämonenuhr von Erebus gewöhnt aber bei den ausgestopften Zentaurenköpfen ist bei mir Schluss.

Bellatrix und Artaius lachen, ich wiederum nicht. Ich weiß einfach nicht, was daran lustig sein soll.

„Er wird uns rufen, ich hab es dir doch gesagt," sage ich zu Bellatrix die zum hunderten Mal einen Zauber ausführt um herauszufinden, wie spät es ist.

„Er hat um fünf gesagt," sagt sie. „Jetzt ist es fünf Uhr dreizehn."

„Bei ihm bedeutet das gar nichts," sage ich abwinkend. „Wir werden bereit sein wenn er bereit ist. So geht es bei ihm."

Aber als ich meine Hand ausstrecke um meine Kaffeetasse in die Hand zu nehmen, spüre ich seinen Ruf und schaue auf mein dunkles Mal hinunter. Das dunkle Mal brennt. Die schwarze Sonne ist blutrot geworden und die Strahlen peitschen wie verrückt um sich herum.

„BEWEGUNG!" schreit Bellatrix, auf die Füße springend.

Artaius stopft den Überrest seiner Wurst in den Mund und zückt seinen Stab.

„Verteilt euch in Bataillonen, Süden, Westen, Norden," befehle ich, meinen eigenen Stab zückend.

Im Nachhinein soll es mich wundern, dass mir Erebus doch erlaubt hat, kämpfen zu gehen aber etwas sagt mir, dass dem nicht wegen meines Könnens im Kampf so ist, sondern weil ich ja ein Heiler bin. Und außerdem da Seti nicht hier ist, bin ich der Stellvertreter und soll die Armee anführen. Erebus weiß, dass er sich auf mich verlassen kann aber alles in mir schreit dass das Ganze eine sehr schlechte Idee ist.

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/Nevilles Sicht

„Wenn er solch eine zahlreiche Armee mitgebracht hat, deutet es sicherlich darauf hin, dass er von unserem Ankommen Bescheid wusste," sagt ein Russe.

„Ja, aber wieso hat er ihr dann befohlen, so weit weg von dem Schloss auf ihn zu warten?" fragt Katie hitzig. „Ich an seiner Stelle würde die Armee direkt vor dem Schloss positionieren. Und wenn er schon von unserer Gegenwart hier Bescheid weiß, wieso greift die Armee nicht an? Wieso essen die Soldaten ruhig ihr Frühstück?"

„Es ist nur eine Frage der Zeit, wann uns die Reichsarmee angreift," sagt einer kopfschüttelnd. „Wahrscheinlich denkt sie, dass wir ein leichtes Ziel sind wegen dessen man sich nicht aufregen soll. Jeder weiß dass die Todesser sehr selbstsicher sind."

„Zu selbstsicher, was wir zu unseren Gunsten nutzen können," sagt Katie.

„Ich denke noch immer, dass wir uns zurückziehen sollten," sagt der Russe wieder. „Wenn er alleine mit den Vampiren wäre würde ich denken, dass wir schon gute Chancen haben, um zu gewinnen. So aber nicht. Die Reichssoldaten sind Tötungsmaschinen."

„Wieso habt ihr so viel Angst?" fragt Katie hitzig, die noch kaum still sitzen kann. „Wir sind in Überzahl und alles was wir brauchen, ist uns zu organisieren und zusammen anzugreifen, die Reichsarmee hin oder her."

„Vielleicht haben Sie noch an keinem Angriff teilgenommen, Miss Bell," sagt einer. „Aber wir haben schon viel Erfahrung damit und..."

Aber ihm gelingt es nichts mehr zu sagen denn Katie springt auf ihre Füße, streckt ihren Arm aus und schlägt ihn kräftig ins Gesicht.

Ich stehe schnell auf, packe sie an den Schultern und halte sie fest.

„Lass mich los, ich werde ihm zeigen wer keine Erfahrung mit dem Kampf hat!" schreit Katie, die versucht, sich meinem Griff zu entreißen was ihr gelingen würde wäre Semov nicht da um mir zu helfen.

Der Zauberer, der ins Gesicht geschlagen worden ist, presst eine Hand gegen seine blutende Nase und schaut Katie überrascht und wütend an.

„Sie hat mich geschlagen!" entgeht es ihm. „Was ist nur los mit ihr?"

Katie schreit weiter und versucht sich auf ihn zu werfen wobei der Zauberer, nachdem der Schock nachgelassen hat, auch auf die Füße springt und Anstalten macht, seinen Stab zu zücken.

„SCHLUSS DAMIT!" brülle ich wütend.

Die beiden Seiten drehen sich um und starren mich an.

„SETZT EUCH!" brülle ich weiter.

Der Zauberer lässt sich langsam nieder, mich mit seinem Blick fixierend, und Katie tut es ihm gleich. Wahrscheinlich hört man nicht oft dass ich so wie ein Löwe brülle aber wenn es anders nicht geht... Ich blicke in die Runde.

„Was ist nur los mit euch?" frage ich ungläubig. „Risiken, Rückzug, Tötungsmaschinen... Was ist nur in euch gefahren? Habt ihr vergessen, warum wir hier sind? Wir sind nicht hier um uns zu vergewissern, dass wir den Angriff überleben und dass wir sicher zu unseren Heimen zurückkehren. Wir sind nicht hier um auf unseren Arsch aufzupassen. Wir sind verdammt noch mal hier um zu kämpfen! Welchen Teil davon versteht ihr nicht? Wir haben diese einzigartige Chance, um den Prinzen zu fangen und ihr redet über Risiken und Rückzüge? Wo lebt ihr? Was ist euch wichtiger? Dass ihr es überlebt oder die Welt von dem schlimmsten Übel zu befreien, das es je gab? Habt ihr alle den Verstand verloren?"

Sie schweigen und ich atme tief durch um mich zu beruhigen. Katies Augen werden groß als sie mich genau anschaut.

„Neville," flüstert sie. „Deine Augen..."

„Was?" frage ich aggressiv.

„Sie sind..." Sie schluckt. „Sie sind ROT."

Ich halte inne. Echt? Meine Augen sind rot? Wie soll das möglich sein?

'Ach jetzt verstehst du einiges besser. Warum du dich so fühlst wenn du diese Anfälle hast,' spricht eine Stimme in meinem Kopf. 'Wieso du das Gefühl hast, dass etwas FREMDES die Kontrolle übernimmt...'

Ich zische und schüttele den Kopf, mit aller Kraft versuchend, diese nervige Stimme zum Schweigen zu bringen.

'Weil du Angst davor hast, was ich sage,' meldet sich die Stimme wieder zu Wort. 'Weil du weißt, dass es wahr ist.'

Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, fest entschlossen, die Stimme weiterhin zu ignorieren, werde aber durch das Auftauchen Michaels unterbrochen.

„Die Armee disappariert Teil für Teil," berichtet er.

„Wo apparieren sie denn hin?" frage ich.

„Neville," flüstert Katie, die auf die Füße springt und ihren Stab in die Hand fallen lässt, mit einer zittrigen Hand auf den Hügel hinter mir deutend.

Worte sind überflüssig. Als unser Lager in Chaos ausbricht sehe ich deutlich eine am Anfang sehr dünne schwarze Linie auf dem Hügelgipfel, die jedoch mit jeder Sekunde dicker wird. Ich drehe mich wie ein Kreisel herum und sehe identische Linien um das Lager herum, die sich uns schnell wie Sturmwolken nähern.

Urplötzlich appariert eine einzige schwarze Figur auf dem Hügel vor der schwarzen Linie der Reichssoldaten und hebt den Stab hoch.

„ANGRIFF!" hallt ihre magisch verstärkte Stimme in den Bergen.

Sie sprintet los und die schwarze Linie verwandelt sich in ein Meer der Schwärze, das ihr schreiend folgt und sich von den drei Seiten um uns zusammenzieht. Der Boden beginnt unter den tausenden von Füßen zu beben als ich meinen Stab in die Höhe hebe und rote Funken gegen Himmel schießen lasse. Mein Moment ist gekommen...

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Natürlich ist es leicht die Schwarzmagier von unseren Leuten zu unterscheiden da sie alle ja SCHWARZ tragen. Sehr dumm von ihnen denn meine Augen und mein Stab sind daran gewöhnt, automatisch auf irgendetwas Schwarzes zu reagieren.

Ich habe zu lange darauf gewartet. Zu lange habe ich mich selbst analysiert, mich für den letzten Kampf vorbereitet, das Handeln und die Entscheidungen des Prinzen analysiert um ja jeden seiner Züge vorhersehen zu können. Ja, ich habe mich mit meinem Monster versöhnt weil mir klargeworden ist dass es mir die notwendige Kraft gibt, um weiter zu kämpfen und dem dunklen Orden einen Schlag nach dem anderen zu verpassen. Und jetzt spüre ich nichts mehr als Erleichterung weil ich in jeder meiner Zellen spüre, dass dies mein letzter Kampf sein wird. Bald wird es vorbei sein, auf diese oder jene Weise.

Ich bin nicht wie ein Kämpfer geboren wie er. Ich lebe nicht für den Kampf weil das gegen meine Natur ist. Ich kämpfe weil ich kämpfen muss.

Aber... wo ist er?

Es ist etwas verdächtig dass uns die Armee ausgerechnet in diesem Moment angegriffen hat. Man würde behaupten dass die Schwarzmagier darauf warten würden, dass es wieder dunkel wird sodass sich die Vampire ihnen anschließen können. Wir kämpfen gegen die Reichsarmee, die Granger anführt, aber es gibt keine Spur von dem dunklen Prinzen und er ist der Grund warum ich hergekommen bin. Warum ich solch eine zahlreiche Armee gebaut und hergebracht habe. Warum ich ihr den Sieg versprochen habe. Und jetzt da wir uns dafür vorbereitet haben ist der dunkle Prinz nicht einmal hier.

Ich soll ihn suchen.

Ich tauche in die geistige Welt und versuche ihn aufzuspüren. Ich sehe deutlich meine Engel und ihre Freunde, welche unserer Armee helfen indem sie die Dämonen, welche auch gekommen sind, bekämpfen. Aber ich schenke ihnen keine Aufmerksamkeit. Ich stoppe auch nicht wenn mir Michael hinterher ruft, sondern gehe weiter. Er ist nirgendwo zu sehen aber ich sehe etwas an meiner rechten Seite was nur das Schloss der Mossutu Familie sein kann.

Schnell verlasse ich die geistige Welt und schaue mich um. Ich habe soeben eine große Strecke innerhalb ein paar Sekunden zurückgelegt und stehe beinahe vor dem Eingang ins Schloss das im Vergleich zu dem Tal hinter meinem Rücken totenstill ist. Nichts scheint sich da drin zu rühren. Ob er da drin ist? Das Schloss ist zu gut mit Magie geschützt um das wissen zu können. Es ist ihm einfach nicht ähnlich dass er sich irgendwo versteckt und nicht zusammen mit seiner Armee kämpft. Es gibt keinen einzigen Kampf an dem er nicht teilgenommen oder wenigstens nicht den Angriff angeführt hat. Er muss irgendwo hier stecken.

Hinter meinem Rücken tobt ein Kampf von solchem Ausmaße, dass man kein Stück Gras oder Stein sehen kann, weil das Tal mit Menschen bedeckt ist. Von dieser Position aus kommt es mir beinahe wie Feuerwerk vor und Erinnerungen an jene Nacht, in der Aberforth umgebracht worden ist, wallen in mir auf. Ich schiebe aber jeden Gedanken, dass es ein großer Fehler war, hierher zu kommen, zur Seite und konzentriere mich wieder auf mein Ziel – den dunklen Prinzen zu finden.

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/Setis Sicht

Mit der ersten Salve aus der Ferne haben wir eine Menge Feinde niederschossen oder außer Gefecht gesetzt. Jetzt haben wir uns mit der Armee von Longbottom gemischt und ich stürze mich in die Menschenmenge, mich schnell ab und zu in meine Schattenform verwandelnd um den Flüchen, welche überall herum sausen, auszuweichen. Obwohl dieser Trick sehr nützlich ist, finde ich, dass er mich schnell erschöpft. Kein Wunder dass der dunkle Prinz einen neuen Körper brauchte wenn er immer so kämpft. Nichtsdestotrotz kann ich nicht leugnen, dass mir dieser Trick schon vielmals das Leben gerettet hat.

Aus dem Augenwinkel sehe ich Bellatrix und Artaius, die Schulter an Schulter kämpfen und deren Stäbe zornige grüne Blitze spucken und fünf Feinde zugleich durch die Luft fliegen lassen. Dreck und Staub heben sich um Barty Crouch, der gerade einen Fluch in der Form eines Strudels um sich herumwirbeln lässt ehe er ihn freilässt und dann gleich disappariert, um den Zaubern seiner Gegner auszuweichen. Die Armee weiß sehr wohl, wie man gegen Zentauren kämpft und wie man einen schnell umbringen kann. Ich habe vor mehreren Monaten ein Seminar gehalten, bei dem ich darüber gesprochen habe. Gegen die Lichtwesen kämpft man am besten mit der Schwarzmagie, weil sie ihnen fremd ist und weil sie nicht wissen, wie sie sich dagegen verteidigen sollten. Man soll auch ihnen keine Zeit geben, um zu reagieren oder anzugreifen was leider viel Energie und Magie erfordert. Nicht jeder kann so kämpfen.

„Richtung Felsen!" schreie ich.

Ich hatte natürlich keine Zeit, ihnen die Taktik zu erklären, aber beim Treffen im Hauptquartier habe ich meinen Generälen gesagt, sie sollen doch unsere Umgebung gut nutzen. Da wir uns in den Bergen befinden gibt es eine Menge, was wir hier zu unseren Gunsten benutzen können. Das Schloss der Mossutu Familie befindet sich zwar hoch in den Alpen, steht aber in einem kleinen Tal, das von den hohen Bergen umgeben ist. So ist es am leichtesten einfach den Angriff so zu organisieren dass wir unsere Feinde zu den Felsen drängen, wo es keinen Ausweg mehr gibt außer dass man disappariert oder runter fällt. Und nicht jeder ist so gut trainiert, dass man augenblicklich disapparieren kann, insbesondere wenn man gleichzeitig kämpft.

Glücklicherweise scheint es dass mich wenigstens die fleißige Bellatrix gehört hat, denn ich kann deutlich ihre Stimme hören, wie sie den Soldaten Anweisungen gibt, den Kampf Richtung Felsen zu schieben. Bei Kämpfen wie diesen besteht immer die höchste Gefahr darin, dass man von einem verirrten Fluch getroffen wird was sehr oft der Fall ist, weswegen ich eben die Flüche mit einer kurzen Reichweite benutze aber manchmal nutzt mir auch das nichts. Die Todesser wissen sehr wohl, dass sie die Schilde fast immer benutzen sollten aber nicht alle schaffen es, mit zwei Händen zu kämpfen. Es wird bestimmt Verluste genau aus diesem Grund auf unserer Seite geben und manche der Todesser tragen Talismane, welche darauf abzielen, die schwarzmagischen Flüche abzuwehren. Der dunkle Lord hat einen vor mehreren Monaten gemacht und ich habe gleich den Wert dieses Talismans im Kampf gesehen. Ich habe ihm vorgeschlagen, solche Talismane für den dunklen Orden zu machen aber da es so viele Todesser gibt, war leider nicht möglich dass jeder einen bekommt.

Die Sonne ist hinter dem dicken Vorhang der Wolken verschwunden. Jetzt können die Vampire rauskommen und uns helfen. Nicht dass wir viel Hilfe brauchen denn Longbottom ist offensichtlich nicht hier und seine Armee scheint ohne seine Anführung auseinander zu fallen. Das Tal blitzt grün auf als Bellatrix mehrere Zentauren über den Felsenrand in einem breiten Bogen fliegen lässt und irgendwo auf meiner rechten Seite ist eine goldene Welle deutlich zu sehen, ein Zauber, den Draco sehr oft benutzt. Hellmagie gegen Hellmagie, das erwartet man kaum und das hat ihm schon viel Erfolg gebracht.

Als ich etwas Silbernes in der Ferne aufblitzen sehe, weiß ich, dass der dunkle Prinz seinen Plan in die Tat umsetzt.

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/Nevilles Sicht

Was ist das? Ich bin mir sicher, dass es ein seltsamer Patronus war. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Schwarzmagier keinen Patronus vermögen aber ich habe deutlich eine silberne Fledermaus gesehen. Das muss eine Nachricht von ihm an seine Armee sein. Aber die silberne Fledermaus ist nicht aus der Richtung des Schlosses gekommen, sondern aus dem Wald da drüben. Kann es sein, dass er dort steckt? Die Bäume dort wachsen so nahe aneinander dass es sicherlich im Wald keinerlei Licht gibt. Ein perfektes Versteck für einen Vampir, der das Sonnenlicht vermeiden will. Er würde von dieser Position aus dem Kampf folgen und Befehle geben können. Wieso ist es mir nicht früher eingefallen?

Wenn dem so ist, wie erklärst du, dass du ihn nicht aufspüren konntest, frage ich mich?

Vielleicht ist er gerade angekommen, geht mir durch den Kopf. Wie dem auch sei, er ist da. Alleine. Ich werde ihn erwischen. Jetzt ist er verletzbar und das ist meine Chance.

'Bitte,' meldet sich die Stimme in meinem Kopf zu Wort. 'Wann war der dunkle Prinz zuletzt verletzbar und wann hatte er keinen Plan? Es ist eine Falle, siehst du das nicht?'

Mag sein, denke ich als ich mich schnell dem Waldrand nähere und versuche mir nicht meinen Hals zu brechen indem ich über etwas stolpere. Dieses Terrain ist wohl kaum fürs Kämpfen oder Rennen geeignet und es besteht die Gefahr, nicht nur im Kampf niedergeschossen zu werden sondern auch dummerweise über etwas zu stolpern.

„NEVILLE!" höre ich Katies magisch verstärkte und verzweifelte Stimme. „NEVILLE! WO BIST DU?"

Ihre Stimme bricht und wird von dem kollektiven Krach übertönt. Für eine Sekunde lang stehe ich regungslos da, mir überlegend, ob ich zurückgehen sollte, ob ihr etwas passiert ist und ob sie Hilfe braucht.

'Was ist dir denn wichtiger, deine Freundin oder der Sieg?' fragt die Stimme in meinem Kopf, der pocht. 'Entscheide dich endlich. Der dunkle Prinz weiß sehr wohl, was ihm wichtig ist. Das ist ein Merkmal eines großen Kriegers, dass man alles zur Seite schieben und sich eben auf den Kampf konzentrieren kann. Er kann es. Du aber nicht. Du bist SCHWACH, Neville Longbottom. Du bist ein niemand.'

Ich knirsche mit den Zähnen und reibe mir die Schläfen, als könne mir das helfen, die Stimme und meine mit jeder Sekunde schlimmer werdenden Kopfschmerzen loszuwerden. Katies Bemerkung, dass meine Augen rot sind, geht durch meinen Kopf und ein Stich des Verdachts durchbohrt meinen Magen. All die Träume, in denen er erschienen ist, alles, was mir passiert ist, die plötzliche Fähigkeit, seinen nächsten Zug voraussehen zu können, die Tatsache, dass ich ihn auf einer seltsamen Ebene gut verstehen kann, werden in meinem Kopf angehäuft und ich stelle mir endlich die Frage, die ich mir früher nicht gewagt habe zu stellen: was hat all das zu bedeuten?

Hatte Lupin doch Recht? Hat er eine Weise gefunden, auf die er mich aus der Ferne manipulieren kann? Aber wieso spüre ich nichts Seltsames?

Oder etwa doch? Hast du nicht selbst gesagt, dass es etwas in dir gibt, was dir fremd ist? Dein Monster, mit dem du dich aber später versöhnt hast und es als einen Teil von dir akzeptiert hast?

Wie wäre das nur möglich?

'Es ist eine Falle,' spricht die Stimme wieder. 'Du bist dumm und schwach, Neville Longbottom. Du hast all diese Menschen hergebracht um zusammen mit dir zu sterben. Weil du ihn so verzweifelt schlagen willst.'

Aber möchte ich ihn schlagen? Was will ich überhaupt? Insgeheim hoffe ich ihn wiederzusehen aber ich verstehe nicht warum. Ich möchte wieder diese Macht spüren, die er ausstrahlt...

Halt stopp. Neville, entweder gehst du jetzt rein und kämpfst oder du kannst ruhig Rückzug befehlen und nach Hause zurückkehren. Wo auch immer das ist.

Ich kann nicht zurück. Sonst wird man mich als einen Idioten ansehen. Entweder gehe ich jetzt rein und kämpfe oder kann mich selbst hier und jetzt umbringen. Ich habe so viele Änderungen in mein Leben eingeführt und so viel ist passiert, dass es kein Zurück geben kann. Ich habe alle Brücken, die ich überquert habe, niedergebrannt. Ich habe alles geopfert. Ich habe mich in etwas Unerkennbares verwandelt nur weil ich dachte, dass mich das näher an dem Sieg bringen kann. Ich erkenne mich selbst nicht und weiß auch nicht wer ich bin. Was mein Lebenssinn ist. Dieser Neville ist nur dem Kampf gegen die Dunkelheit zuliebe erschaffen worden und wenn er diesen Krieg nicht länger führen muss, wird er sterben.

Mein Leben ist mir nicht deswegen egal, weil ich so selbstlos bin und die Welt retten will sondern weil ich einfach keinen Sinn mehr darin sehe, weiter zu leben. Nicht einmal Katie ist genug.

Ich bin doch ein nichts und niemand. Aber ich kann heute all dieses Leid beenden. Heute werde ich endlich wissen was mit mir los ist. Heute wird endlich dieses Leid enden.

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/Setis Sicht

Eine männliche Stimme hallt im Tal und ich drehe mich um, versuchend, den stechenden Schmerz in meinem Gelenk zu ignorieren.

Die Vampire sind da. In Roben angezogen, kommen sie einer nach dem anderen raus, Bögen und Schwerter in ihren Händen tragend. Fiorella und Zorik führen die lange Schlange der Krieger über die Brücke und ins Tal, wo sie beginnen schnell und anmutig eine Linie zu bilden. Ich grinse breit als ich zuschaue, wie sie wie die mittelalterlichen Ritter eine einzige Verteidigungslinie bilden und ihre Bögen in die Luft heben. Vielleicht sehen sie wie gewöhnliche Bögen aus, sie sind aber nicht gewöhnlich sowie nichts was mit der Mossutu Familie im Zusammenhang steht.

„BEREIT!" hören wir die Stimme von Fiorella, welche selbst ihren Bogen in den Händen hält und ihn in diesem Moment spannt.

Als sie wieder schreit, regnet eine Salve Pfeile, welche mir wie ein Mückenschwarm vorkommt, auf das Schlachtfeld herab. Die Pfeile der Vampire sind so bezaubert worden, dass sie ihr Ziel selbst suchen und auf den magischen Kern reagieren. In anderen Worten suchen sie die Hellmagier.

Chaos bricht aus. Es gibt keinen besseren Weg um einen Zentaur umzubringen sondern ihn durchs Herz zu stechen und die langen Pfeile der Vampire sind dafür perfekt. Es ist als hätte man eine Bombe in unsere Mitte geworfen. Nach der ersten Salve beginnt der Boden unter den Pferdehufen zu beben, weil die Zentauren verzweifelt versuchen, dem sicheren Tod zu entkommen, aber die Vampire kommen immer näher und mit jeder weiteren Salve werden weitere Zentauren niedergeschossen und bleiben regungslos auf dem Boden liegen. Denn die Pfeile der Vampire verfehlen ihr Ziel nicht.

„LOS, DRÄNGEN WIR SIE ZU DEN FELSEN!" schreie ich. „LASST DIE ZENTAUREN!"

Als ich mit meinem Stab durch die Luft sause, höre ich wie sich die Vampire auf die übriggebliebenen Zentauren schreiend stürzen.

Der Sieg scheint nahe zu sein, sehr nahe. Ich kann ihn sogar in der Luft riechen als ich meinen Stab hebe und Draco zu Hilfe eile, der von Heilmagiern umgeben steht und sich wie ein Kreisel unablässig dreht, mit dem anderen Stab einen Schild beschwörend.

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/Nevilles Sicht

Das Licht sei nahe, nicht die Finsternis...

An dem Ort, an dem ich mich befinde, gibt es eben die Finsternis.

„Neville," höre ich eine Stimme hinter den Bäumen.

Ich drehe mich um, Flüstern aus allen Richtungen hörend. Den wahren Helden erkennt man eben im Kampf... Hat mir mein Mentor dies nicht gesagt?

Neville, was hast du nur aus dir gemacht, würde er mir sagen. Das Licht lebt nicht mehr in dir obwohl du dir einredest, dass dem so ist. Wen versuche ich zu täuschen? Ich wusste ja seit Monaten, dass mir mein Stab nicht länger gut dient. Mein magischer Kern scheint sich verändert zu haben. Er schien gegen etwas zu kämpfen aber er hat endgültig den Kampf verloren. Manche Zauber, die ich benutze, sind keine Weißmagie und meine Magie scheint ihr eigenes Leben zu führen. Aber ich war zu feige um das irgendjemandem zu sagen und konnte es nicht einmal mir selbst gestehen.

Ich lebe in der Welt der Schatten, die ich selbst erzeugt habe. Man kann nicht zugleich gewinnen und unschuldig blieben. Es ist einfach nicht in der Natur des Lichtes, zu kämpfen und zu töten. Das liegt in der Natur der Dunkelheit. Wenn ich untergehe, werde ich wenigstens versuchen, den dunklen Prinzen mit mir in die Tiefen des Todes zu ziehen. Ich werde zur Abwechslung etwas Gutes und Richtiges in meinem Leben tun.

Ich bin kein Auserwählter und kein Held. Albus und Aberforth waren Helden. Merlin war ein Held. Ich bin eben ein Junge, dem man das gesamte Gewicht der Welt und die Pflichten eines Helden aufgezwungen hat. Unter dem Druck hat er sich in ein Wesen verwandelt, das weder lebendig noch tot ist. Ich habe es versucht. Ich habe zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit gewechselt. Ich habe einen Schimmer der Hoffnung gesehen, der jedoch schnell von der Finsternis geschluckt worden ist. Es wird sich nie ändern und ich werde nie den heiligen Gral finden weil ich es nicht verdiene, ihn zu finden. Ich bin es nicht würdig. Vielleicht hatte ich doch eine Chance, habe sie aber verpasst als sich meine Magie und mein magischer Kern zu verwandeln anfingen. Das ist der wahre Grund, warum mir der Geist Merlins folgt. Nicht weil ich mich auf dem richtigen Weg befinde sondern weil ich mich auf dem Weg in den Untergang befinde.

Ich atme tief durch als ich zwei roten Augen in der Finsternis erblicke, die mich ohne zu blinzeln anschauen.

„Bist du gekommen, um zu sterben, kleiner, kleiner Neville?" haucht die gut bekannte Stimme des dunklen Prinzen.

„Nur wenn ich dich dem Tod mitbringen kann," erwidere ich und kann nicht die Welle der Aufregung erklären, die mich erfüllt hat als ich seine Stimme gehört habe.

Er lacht. Verächtlich, selbstischer und arrogant. So wie ich ihn kenne. Er ändert sich nicht.

„Weißt du denn nicht, kleiner Junge, dass das echte Böse nie stirbt?" fragt er bedrohlich.

Er tritt aus den Schatten und ein verirrter Sonnenstrahl fällt ihm übers Gesicht, aber er scheint nicht zu reagieren. Warum wundert mich das nicht? Er hat auch den Weg gefunden, im Sonnenlicht zu laufen und die ganze Sache mit dem Wald und seiner Nachricht war eine Falle.

Aber er ist endlich hier und das ist es, was zählt.

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/Setis Sicht

„SICHERT DAS TAL!" brülle ich, mich umschauend. „LOS!"

Ich schaue mich um. Ein Schlachtfeld in der Tat. Das Gras ist nicht mehr grün und gelb sondern rot, schwarz und braun. Hier und da zuckt ein Glied und ein Wimmern ist zu hören. Schreie ertönen, verstummen aber schon die nächste Sekunde. Die Soldaten gehen herum und checken, ob es noch welche gibt, die am Leben sind und töten jeden Feind, der den blutigen Kampf überlebt hat. Bellatrix sitzt gebückt auf einer Leiche und heilt, laut vor sich hin fluchend, die Wunde auf ihrem Bauch, die sogar aus der Ferne schlecht aussieht.

Ein schwer atmender Draco erscheint bei meiner Seite und hebt den Stab, vor habend, mein Gelenk zu heilen aber ich stoße ihn weg.

„Es ist nichts, eben gebrochen," sage ich zu ihm. „Geh und kümmere dich um die schwer Verletzten."

„Die können in unser Schloss gebracht werden," meldet sich eine männliche Stimme zu Wort.

Zorik, dessen Robe vor Blut trieft und der ein blutverschmiertes Schwert in seiner Hand hält legt mir eine Hand auf die Schulter.

„Wir haben genug Heiltränke um allen helfen zu können," sagt er. „Und meine Familie wird dabei helfen, die verletzten Soldaten rein zu bringen."

Er hebt die Hand hoch und die allernächsten Vampire drehen sich um, zu ihm eilend.

„Danke," sage ich dankbar zu dem Vampir, der meinem Gelenk einen kritischen Blick wirft. „Ich muss meinen Meister suchen."

„Es ist verwunderlich dass du mit diesem gebrochenen Gelenk überhaupt aufrecht stehen kannst, Erbin der Dunkelheit," sagt der Vampir todernst. „Und ich bin mir sicher, dass der dunkle Prinz ohne dich zurechtkommt. Wir müssen dein Gelenk heilen."

„Er hat Recht," meldet sich Draco der große Heiler zu Wort. „Ich sehe schon, ohne es überhaupt berührt zu haben, dass es an mehreren Stellen gebrochen ist und das ist kein Kinderspiel."

„Dann heilt mich, jetzt," verlange ich. „Ich muss gehen. Ihr könnt meine Nerven betäuben sodass ich keinen Schmerz spüre und wir können das Gelenk richtig heilen wenn alles vorüber ist."

Draco seufzt und verdreht die Augen.

„Sie kann man zu nichts überreden," murmelt er, schnell in die Hocke gehend und seinen Stab auf mein Gelenk richtend.

Ich zische vor Schmerzen und beiße mir auf die Lippen, entschlossen, ihnen keinen weiteren Grund zu geben um mir über den Ernst meiner Verletzung weiter Predigten zu halten. Aber der Schmerz lässt schnell nach und wird von einer erfrischenden Taubheit ersetzt.

Als Bellatrix von zwei Todessern in Richtung Schloss getragen wird, schließe ich die Augen und versuche zu spüren, wo sich mein Meister befindet.

Aus irgendeinem Grund ist er außer sich vor Freude...

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/Nevilles Sicht

Als der dunkle Prinz aus den Schatten tritt, bekomme ich Gänsehaut. Ich spüre gleichzeitig wie mir meine Engel die Schultern drücken. Sie sind für mich da.

„Wieso schweigst du?" fragt er leise und lehnt sich gegen einen Baum, die Hände vor seiner Brust verschränkend.

Ein schwarzer Anzug und eine schwarze Krawatte, wobei sein schwarzes Haar sein kreidebleiches Gesicht umrahmt. Was ist es, das ich spüre, wenn ich ihn so vor mir stehen sehe? Freude, dass er da ist? Es fühlt sich so an als habe ich mir die ganze Zeit ein Treffen mit ihm herbei gewünscht. Fühle ich mich etwa... von ihm angezogen?

Der Traum, aus dem ich an einer bestimmten Stelle nass erwacht bin, erscheint in meinem Kopf und die dünnen Lippen des dunklen Prinzen kräuseln sich zu einem hämischen Lächeln.

„Weißt du," sagt er, mich von oben bis unten musternd, „ich habe mir auch gewünscht, dich wieder zu sehen."

Ähm... wie soll man das bitteschön interpretieren?

Er macht einen Idioten aus dir, Neville. Du bist verdammt noch mal in Katie verliebt und auch wenn du durch ein Wunder schwul wärst, würdest du bestimmt gar nichts an diesem Monster anziehend finden.

Aber objektiv gesehen kann ich gut verstehen wieso ihn die Todesser so verehren und kann mir vorstellen, dass die Männer verrückt nach ihm sind. Der dunkle Prinz besitzt sowie die äußere Charme als eine gewisse Ausstrahlung. Die Macht, welche ihm auf der Stirn geschrieben steht. Diese Arroganz, welche viele zweifelsohne anziehend finden. Diese Lässigkeit, welche die bloße Tatsache zeigt, dass er hier, mit seinem größten Feind, so gegen einen Baum gelehnt und unbewaffnet, plaudert. Er ist so sicher in sich selbst dass er auch keinen Stab braucht. In seiner eigenen Welt ist er allmächtig und allwissend. Aber nicht ehe er sich gegen alles absichert und mehrere Ausweichpläne ausdenkt.

„Ich weiß von deinem Geheimnis Bescheid," sage ich, wobei ich mir selbst dumm vorkomme. Gibt es denn nicht etwas Klügeres, Neville, was du sagen konntest? „Ich weiß, dass du ein Vampir bist. So weiß ich auch, wie ich dich umbringe."

Der dunkle Prinz neigt den Kopf zur Seite und wirft seinen Nägeln einen prüfenden Blick zu. Die langen Nägel eines Vampirs, fällt mir auf.

„Gut für dich," sagt er. „Aber ich spüre Unruhe in dir, Longbottom. Möchtest du etwa nicht mit mir über deine Träume reden?"

Ich spüre, wie meine Wangen rot werden und bin dafür dankbar, dass er es nicht sehen kann. Er lächelt mysteriös.

„Du hast von mir geträumt," schnurrt er beinahe, einen Schritt in meine Richtung machend.

Etwas in mir fühlt sich so sehr von ihm angezogen dass ich mich nicht von der Stelle rühren kann sondern ihn blöd anstarre. Neville, wach auf! Bringe ihn um! Du hast doch einen goldenen Dolch in deiner Tasche. Alles, was du tun musst, ist den Dolch zu ziehen und ihn in sein schwarzes Herz zu stoßen. Ein sicherer Tod für einen Vampir. Er wird sich gleich in Asche verwandeln.

Aber das kann ich nur dann tun, wenn er mir nahe genug steht, geht mir durch den Kopf. Ich muss zulassen, dass er nahe kommt...

'Oder ist das etwas, was du eigentlich willst? Dass er dich berührt, sowie er dich in deinem Traum berührt hat?'

Die roten Augen schauen mich aus der Nähe an und ich rieche Moschus an ihm. Genau wie in meinem Traum, ein verführerischer, mysteriöser Duft, der meine Lungen und mein Wesen erfüllt und meinen Verstand bezaubert.

Und dann hebt der berüchtigte dunkle Prinz seine weiße, beringte Hand und legt sie zärtlich auf meine Wange und all meine Gedanken, meine Absichten, meine Entscheidungen und meine Versprechen mir selbst gegenüber gehen zunichte. Meine Haut brennt unter seinen eiskalten, steifen Fingerkuppen und ich spüre wie ich wie Eis schmelze und nicht richtig denken kann. Alles um mich herum verschwindet und alles, was übrigbleibt sind er und seine Hand auf meiner Wange.

Ich bin doch nicht schwul.

Aber es gibt etwas an ihm, was mich magnetisch anzieht. Was denn, was denn? Bewege dich doch, Neville. Stech ihn durchs Herz. Tue etwas. Wach auf!

Michael flüstert mir etwas ins Ohr aber ich höre nicht zu. Ich kann seine Worte nicht verstehen, als spreche er eine Fremdsprache die ich nicht kann und spüre, wie sich eine schwarze Hand ausstreckt und den Engel weg stößt. Mir vage bewusst, dass mich ein Dämon gerade berührt hat, gleitet meine rechte Hand langsam zu meiner Tasche, wo sich der goldene Dolch befindet. Du musst ihn nur einmal stechen. Ein präziser, kräftiger Stich. Er ist doch unbewaffnet. Das ist alles, was du tun musst. Und doch... ist es so schwierig.

Aber etwas in mir will verzweifelt zu ihm. Etwas in mir fühlt sich so von ihm angezogen, dass ich wie angewurzelt dastehe und zulasse, dass er mir über die Wange fährt. Und dann, in einem Moment, drängt die Stimme Michaels durch das Chaos und ich höre sie deutlich.

„Dieses Monster, etwas Fremdes, es will zu ihm," flüstert er ungeduldig und mit einem Hauch von Panik. „Es gibt einen Teil von ihm in dir, den er zurück will!"

Ich springe wie gestochen auf und zücke meinen Stab, ihn auf den Prinzen richtend. Er neigt den Kopf zur Seite und seine roten Augen blitzen gefährlich auf.

„Das ist es also?" frage ich. „Du willst etwas von mir? Was ist es? Was hast du mit mir gemacht?"

„Du weiß es nicht?" fragt er leise. Er gluckst. Wie kann man bitteschön glucksen wenn ihm jemand einen Zauberstab gegen den Hals presst? „Du möchtest sagen, dass du es noch immer nicht weißt?"

Er lacht und eine Welle von Wut erfüllt mich und ersetzt das Gefühl der Leere und Benommenheit in meinem Kopf.

„Oh das ist gut, das ist echt gut," meint er.

„SAG MIR! WAS IST ES?" platzt es aus mir.

„Ich sage dir gar nichts, solange du deinen blöden Zauberstab gegen meine schöne Krawatte presst," sagt er. „Ich bin doch unbewaffnet weil ich mit dir reden wollte. Es ist wohl kaum höflich, weißt du."

„Du solltest über Höflichkeit reden," sage ich, spüre aber wie sich meine Muskeln entspannen.

Schließlich lasse ich meine Hand sinken und fixiere ihn mit meinem Blick.

„Raus mit der Sprache," sage ich.

Er fährt sich durchs Haar und zieht seine Krawatte nach unten, einen Schritt seitwärts machend.

„Weißt du was in jener Nacht passiert ist, als ich gestorben bin?" fragt er mich.

„Ja ich hab dich umgebracht und du hast dich schnell einer Verwandlung unterzogen," sage ich. „Ich kann noch immer nicht erklären, wie das möglich ist, aber so viel weiß ich."

Er verdreht die roten Augen.

„Du drückst dich auf eine sehr primitive Weise aus, hat dir das schon jemand gesagt?" fragt er trocken. „Du hast keinen Stil und es gibt keine Stattlichkeit in dir."

Ich knirsche mit den Zähnen aber er winkt anmutig ab.

„Also, unsere Stäbe sind genaue Gegenteile," sagt er. „Das wissen wir beide, ja? Nun, du hast einen Betäubungszauber benutzt und ich einen Todesfluch. Stimmt's?"

Ich zucke mit den Schultern.

„Aber mein Fluch ist gegen dich geprallt und ich bin von den beiden Flüchen getroffen worden," fährt er ruhig fort. „Dabei ist aber noch etwas passiert."

Er hält inne und schaut mich durch seine schwarzen Haarsträhnen an.

„Unwillkürlich wurde dabei ein Teil meiner Seele herausgerissen," sagt er leise. „Der seit dem in dir lebt."

Erkenntnis breitet sich blitzschnell in mir aus und ich schnappe nach Luft.

„Sowie Voldemort einmal seine Seele zersplittert hat," flüstere ich. „Ich dachte aber, dass es dafür eine sehr komplizierte Methode gibt."

Er rümpft die Nase.

„Es ist sehr unhöflich von dir, seinen Namen auszusprechen," sagt er trocken aber ich schenke ihm keine Aufmerksamkeit.

Das ist es. Das erklärt alles. Er hat einen Horkrux aus mir gemacht. Das erklärt wieso ich ihn plötzlich so gut verstehen kann, wieso ich mich von ihm so magnetisch angezogen fühle und wieso meine Augen auch manchmal rot sind. Weil er in mir ist. Das Monster, das in mir lebt, ist der dunkle Prinz. Den nächsten Moment wird mir übel und ich schaue wütend auf.

„Das war dein Plan? Ein Teil von dir in mich einzupflanzen?" frage ich. „Wenn ja war das der dümmste Plan auf der Erde."

„Ich hab ja nicht gesagt, dass ich es geplant habe, es ist eben passiert," sagt er ruhig. „Und ja, ich stimme zu, das Ganze ist sehr unglückselig."

„Wer macht nur so was, zersplittert seine eigene Seele in kleine Teilchen sodass er ewig leben kann?" frage ich.

„Eine nach der Macht strebende und ehrgeizige Person," erwidert er seelenruhig. „Selbstverständlich möchte ich diesen Teil von mir zurück haben."

Ich grinse breit und ehe ich weiß was ich da tue, lache ich schallend.

„Das ist einfach toll," gelingt es mir durch meinen Lachanfall zu sagen. „Der allmächtige dunkle Prinz speichert zufällig einen Teil seiner Seele in mich und ihn dann zurückhaben möchte. Das ist toll, alle Achtung."

„Ich bekomme immer was ich möchte," sagt er bedrohlich.

„Wollen wir wetten?" frage ich.

Die nächste Sekunde knurrt er und zückt seinen Stab. Soll das Spiel beginnen.

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/Setis Sicht

Ich weiß ja, was mir der dunkle Lord und der dunkle Prinz gesagt haben. Meine Aufgabe sei den Kampf zu gewinnen. Ich solle mich darauf konzentrieren. Sie werden Longbottom irgendwohin locken und ihn erledigen. Aber leider kann ich durch meine Verbindung mit dem Prinzen spüren, was er spürt. Oder kann ich es tun weil ich ab und zu in die geistige Welt getaucht bin wo ich seine Gefühle viel besser spüren kann als sonst. Das weiß ich nicht. Aber ich weiß dass er wegen irgendetwas sehr froh ist. Mein Gelenk tut nicht mehr weh und obwohl es noch immer angeschwollen ist kann ich laufen. Ich weiß dass es mich wahrscheinlich, weil ich es jetzt weiter anstrenge, später etwas kosten wird, aber momentan ist das nicht wichtig. Draco ist der beste Heiler des Imperiums und er wird es heilen.

Unsere Verletzten werden ins Schloss der Mossutu Familie gebracht und Draco ist zusammen mit ihnen gegangen obwohl er natürlich mitkommen wollte. Aber ich habe ihm erklärt dass wir drei sicherlich ohne ihn Longbottom erledigen können und dass er sich auf seine Pflicht konzentrieren solle. Ohne ihn werden manche Todesser sterben und wir möchten keine unnötigen Opfer. Die Vampire wissen ja sicherlich viel über die Heilungskunst aber sie arbeiten nicht jeden Tag mit Menschen sowie Draco. Er hat die Erfahrung und das Wissen welche erforderlich sind, um unsere Soldaten zu heilen.

Als ich aber zum Rand des Waldes gelange, wo ich spüre dass mein Meister ist, sehe ich Blitze, welche durch die Baumkronen schießen und den Himmel rot, silbern und grün färben. Obwohl ich in Eile bin, ihn zu finden, weiß ich dass sich der dunkle Prinz nicht darum schert wen er trifft und wohin er schießt wenn er kämpft. Dann ist er die Verkörperung der Konzentration und sieht nichts und niemanden außer seinem Feind, den er zerstören will. Leise und langsam schleiche ich weiter und höre die Stimme von Longbottom, welche lateinische Sprüche einen nach dem anderen und in schneller Reihenfolge spuckt.

Urplötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter und fahre hoch, mich mit dem Stab in der Hand umdrehend nur um mich Angesicht zu Angesicht mit einem aufgeregten dunklen Lord zu finden. Er legt einen Finger auf seine Lippen und ich atme tief durch. Mir wird klar, dass seine Dämonin hinter ihm steht und mich ohne zu blinzeln anschaut. Der dunkle Lord deutet auf sie und ich verstehe. Ich soll meinen Begleiter rufen. Asmodeus, der mich bisher in seiner Schattenform begleitet hat, verwandelt sich in seine menschliche Form und schaut wortlos zu mir.

Der Boden bebt und die unheimlich tiefe Dämonenstimme von Erebus ist zu hören aber ich kann kein Wort ausmachen. Ich frage mich wieso wir ihm nicht helfen und wieso wir hier hinter einem Baum auf etwas warten. Ich warte auf Anweisungen aber keine kommen. Der dunkle Lord steht nur da und scheint auf ein Zeichen zu warten. Er fragt nicht, wie die Schlacht geendet hat denn er weiß es. Die Weise, auf die er mir zugenickt hat, sagt mir alles. Asmodeus hat durch den Prinzen über eine Schlacht gesprochen, die weder im Himmel noch auf der Erde stattfinden wird und die keiner überleben wird. Seine Prophezeiung ist in Verwirklichung gekommen. Keiner hat diesen Kampf überlebt. Keiner, außer Longbottom der hier ist und gegen den Prinzen kämpft. Meine Glieder zucken vor Anstrengung und meine blutverschmierten Hände zittern. Mir trommelt es in den Ohren und der Wald dreht sich um mich herum. Ich versuche mich mit aller Kraft auf meine Umgebung und die Gegenwart zu konzentrieren und beim Bewusstsein zu bleiben. Es tut nicht gut, nach solchen Anstrengungen nur so rumzustehen.

Ich ergreife den Baum fest als eine schwarze Welle der rohen Magie von Erebus durch die Bäume drängt und hebe schnell den Stab, um einen Schild zu beschwören. Wenn er die rohe Magie benutzt ist niemand sicher.

„Hilf ihm," flüstert mir der dunkle Lord ins Ohr.

Ich richte mich schnell auf als habe ich eben auf seinen Befehl gewartet und beginne mich schnell durch die Bäumen und das Gebüsch zu drängen, nur von meinem Gefühl angeführt, wo er sich eigentlich befindet. Asmodeus aber, der den Befehl des Lords gehört hat, packt mich an der Schulter und zieht mich in die geistige Welt hinein, sich schnell und mit mir im Schlepptau durch den Raum bewegend, bis ich die Gegenwart des Prinzen direkt vor mir spüre. Er vibriert und pulsiert wie eine schwarze Sonne, welche alles verschlingt und zerstört. In der geistigen Welt, wo ich seine Seele und nicht seinen Körper sehen kann, sieht er einfach atemberaubend aus.

Ich schnappe nach Luft als ich in der materiellen Welt erscheine und hebe gleich den Stab. Der dunkle Prinz und ich schicken zusammen Strahlen in Longbottoms Richtung und ich spüre wie der dunkle Prinz disappariert. Ich tue es ihm gleich und erscheine hinter Longbottom, der herumwirbelt und eine leuchtende Kugel beschwört. Der dunkle Prinz verschwindet wieder. Ich erinnere mich an seine Brennwunden als Merlin zu uns zu jener Zeit in Marokko gesprochen hat und hebe wütend die beiden Händen, eine leuchtende Kugel beschwörend und sie in seine Richtung loslassend. Diesen Trick wird er nicht wiederholen solange ich hier bin, um etwas dagegen zu unternehmen.

Meine Sicht wird neblig und der Wald dreht sich um mich herum. Bitte kein Schwindelanfall. Asmodeus legt seine Hände um mich und zieht mich in die geistige Welt hinein, um ja dem Fluch Longbottoms auszuweichen, den ich nicht bemerkt habe. Als ich aber die Augen öffne sehe ich den dunklen Prinzen auf der anderen Seite und Longbottom direkt vor mir und ergreife meine Chance.

Im gleichen Moment donnern eine Salve Flüchen aus der Richtung des Prinzen und aus meinem eigenen Stab in Longbottoms Richtung. Ich sehe wie in der Zeitlupe zwei Lichtkugel, welche um ihn herumschwirren und einen Schild bilden, werden aber von einem Schatten ergriffen, der aus dem Nichts erscheint. Unheimliche Schreie sind zu hören und ich spüre den Drang, die Hände über meine Ohren zu legen. Die Schreie werden aber von einer ohrenbetäubenden Explosion übertönt, die mich zurück stolpern lässt und bevor ich weiß was passiert, liege ich auf dem Boden mit den Armen von Asmodeus um mich gelegt.

Als ich in die Schwärze sinke höre ich das Gelächter des dunklen Prinzen, das im Wald hallt und höre eine tiefe, männliche Stimme in meinem Kopf:

„Wir sehen uns wieder, Seti, Erbin der Dunkelheit..."