„Miss Parkinson. Richtig? Ja, was haben Sie denn?" Pansy schien sich sehr unwohl zu fühlen. Sie warf Hermine einen seltsamen Blick zu. Dann sagte sie: „Ich fühle mich zur Zeit einfach unwohl. Übelkeit, Erbrechen. Bitte, können Sie überprüfen, woran das liegt?"
Der Heiler begann mit einer Diagnosetechnik, einer komplizierten Abfolge an Zaubersprüchen, die Hermine bereits kannte, aber trotzdem hörte sie aufmerksam zu. „Miss Granger, nehmen Sie Miss Parkinson bitte Blut ab und schicken Sie es ins Labor. Ich komme bald wieder mit den Ergebnissen der Untersuchung." Hermine tat wie geheißen, aber nicht ohne vorher Pansys verzweifelten und misstrauischen Blicken ausgesetzt zu sein. „Pansy, wirklich, es ist nicht schlimm, nur ein kleiner Piekser.", beruhigte Hermine sie- gewisse Sachen waren in der Muggel- und der Zauberermedizin einfach gleich.
Pansy hielt Hermine ihren Arm hin. Gewissenhaft setzte Hermine die Nadel.
„Granger, ich will dir nichts vormachen. Ich weiß, dass du uns damals gesehen hast. Es ist von ihm und ich will es wegmachen lassen, bevor ich Smith heiraten werde. Das ist Vertragsbruch und alles wäre ungültig.", sagte Pansy plötzlich.
Hermine ließ die Ampullen mit Blut in das dafür vorhergesehene Körbchen sinken.
„Du bist schwanger?", fragte sie emotionslos. Pansy nickte. „Da du hier dabei warst, hättest du es sowieso erfahren."
Hermine setzte sich. Es war etwas anderes zu wissen, was Malfoy seit Wochen „heimlich" tat, trotz der Ansprache seiner Mutter, als wenn auf einmal Pansy direkt vor ihr saß, schwanger von Hermines Ehemann. „Wirst du es ihm sagen?" Pansy sah sie ängstlich an.
„Weiß er es nicht?"
Pansy schüttelte den Kopf. „Er wird wütend sein, ich wollte es schon so oft sagen… ich weiß es schon seit ein paar Tagen. Könntest du…"
„Ich werde mit ihm darüber sprechen.", sagte Hermine und versuchte, selbstsicher zu klingen. Sie und Malfoy waren zwar gerade wieder in einer langanhaltenden Phase, in der sie sich ignorierten, aber das war besser als offener Streit. Narcissa schien das ähnlich zu sehen.
„Ich dachte, du würdest ausrasten.", stellte Pansy fest.
Hermine lachte bitter. „Du weißt, was er und ich voneinander halten. Was also sollte mich daran stören, wenn er zu einer anderen geht? Ich habe längst einen Weg gefunden, den Schmerz zu umgehen."
Hermine streckte Pansy ihre Hand entgegen und zeigte ihr die noch leicht geröteten Stellen an ihrem Ringfinger. Es würde Wochen dauern, bis man das nicht mehr sehen würde. „Oh Merlin, das tut mir leid!", rief Pansy erschrocken aus. „Ich wusste nicht, dass…"
Bevor Hermine etwas erwidern konnte, kam der Heiler wieder. Er lächelte und verkündete Pansy die „frohe" und „neue" Nachricht, war jedoch konsterniert, als Pansy erklärte, dass sie das Kind unter keinen Umständen behalten konnte.
Hermine nickte Pansy zu und brachte die Blutproben weg.
Für Hermine war der restliche Tag gelaufen. Diese Nachricht hatte sie irgendwie fassungslos gemacht. Und seltsamerweise war sie nicht auf Pansy wütend, sondern auf Malfoy. Pansy tat ihr aus einem unerfindlichen Grund sogar leid.
Zu Hause angekommen, suchte sie Draco sofort und fand ihn in seinem alten Zimmer. Sie schloss die Tür hinter sich.
„Ich muss mit dir reden.", sagte sie zögernd.
Malfoy sagte höflich: „Setz dich doch… ehrlich gesagt will ich auch mit dir reden. Aber du zuerst."
Hermine nahm Platz auf seinem Bett und sagte: „Ich hab heute im Krankenhaus Pansy getroffen. Sie war sehr verängstigt und verstört." Malfoy sah sie überrascht an. Noch nie hatten sie über Pansy gesprochen, außer an dem einen Abend, als sie ihn mit ihrem Wissen über die Affäre konfrontiert hatte.
„Was ist mit ihr und warum sollte mich das interessieren?"
„Sie bekommt ein Kind von dir."
„Was? Warum sagst du das, Grang… Hermine?"
Ihr fiel auf, dass er wie so oft in letzter Zeit bewusst versuchte, ihren Vornamen zu verwenden.
„Weil sie mich darum gebeten hat. Sie hatte zu viel Angst, es dir selber mitzuteilen. Aber siehst du, wenn ich das mache…"
„Sie ist neunzehn!"
„Vielen Dank, ich weiß, wie alt wir alle sind. Sie wird es wegmachen lassen. Bevor sie jetzt dann Smith heiratet.", sagte Hermine.
„Warum soll ich denn das alles wissen? Was geht mich das an?" Malfoy stand auf und zerraufte sich die Haare.
„Stell dir vor, du wüsstest es nicht.", sagte Hermine müde und während er sich wieder setzte, stand sie auf und ging ohne ein weiteres Wort.
Im Schlafzimmer angekommen, fand Hermine eine einzelne rote Rose samt Kuvert auf ihrem Kopfkissen. Sie schüttelte den Kopf. Wer legte ihr denn Rosen auf das Bett? Bestimmt war sie für Malfoy gedacht und die Hauselfen hatten sie auf die falsche Seite gelegt. Hermine nahm sie und den Umschlag, um es auf Malfoys Seite zu legen, stutzte aber dann. Da stand eindeutig ihr Name darauf.
Die Rose war für sie.
Hermine beschwor eine kleine Vase herauf, die sie mit einem Aguamentizauber füllte. Sie steckte die Rose hinein. Dann öffnete sie das Kuvert, aber es war leer. Kein Brief dazu? Wer konnte es sein, der ihr eine Rose schickte? Harry und Ron schieden definitiv aus- sie hatten Ginny beziehungsweise Padma.
Natürlich, es musste jemand aus dem Krankenhaus sein, mit dem sie zusammenarbeitete! Hermine ging im Kopf alle durch, die sie kannte. Die Heiler, mit denen sie unterwegs war und ihre Kollegen von der Ausbildung. So recht einfallen wollten ihr nur zwei der Kandidaten.
Einer, ein unscheinbarer stiller Typ aus ihrer Klasse und ein anderer, der bei jeder sein Glück versuchte. Hermine hatte seine Flirtversuche geflissentlich ignoriert und so war er zum nächsten Opfer übergegangen. Wahrscheinlich musste er sich vor seiner Ehe noch austoben.
Nein, diese Aktion passte eher zu dem Stillen. Hermine beschloss, in Zukunft besonders freundlich zu ihm zu sein.
In dem Moment kam Malfoy in ihr Zimmer. Ihm fiel die Rose auf Hermines Nachtkästchen sofort auf. „Von wem ist die?", wollte er wissen. Hermine hätte am liebsten „Was geht es dich an?" geantwortet, aber weil sie jeglichen Streit vermeiden wollte, meinte sie nur: „Ich glaube, von einem Arbeitskollegen. Aber es ist ohne Absender."
Malfoy zog die Augenbrauen hoch und ging dann, um das Bad zu benutzen.
Hermine zog sich rasch um, weil sie sich mit Ginny in den Drei Besen treffen wollte.
Als Malfoy wieder kam, sagte er: „Hör mal, ich wollte dir eigentlich schon lange sagen, dass…"
Hermine unterbrach ihn. „Tut mir leid, ich hab jetzt überhaupt keine Zeit. Ich treffe mit heute Abend mit wem. Bis dann." Sie durchquerte eilig das Zimmer und lief, so schnell es mit ihren hohen Schuhen ging, vor das Anwesen der Malfoys, um von dort aus apparieren zu können.
In den Drei Besen wartete Ginny schon mit einem Butterbier auf sie. „Hi, Ginny. Ich wurde etwas aufgehalten." „Ach, kein Problem, ich war nur etwas zu früh dran. Nun sag, wie läuft es mit deiner Ausbildung?" Hermine erzählte von sich, dann eröffnete ihr Ginny, dass sie zu den Auswahlspielen der Wimbourner Wespen und denen der Holyhead Harpies eingeladen worden war. Sie plauderten ungezwungen, bis sich Ginnys Blick verfinsterte.
„Was ist denn, Gin?"
„Schau mal, wer gerade zur Tür hereingekommen ist."
Hermine drehte sich um und sah Draco Malfoy seinen nassen Umhang ausziehen. „Was will er denn hier?", fragte Ginny leise. „Ich weiß es nicht.", sagte Hermine.
Hermine stand auf und ging zu ihm hinüber. „Warum folgst du mir?", fragte sie leise. Malfoy blickte sich fragend um und seine Augen blieben an Ginnys langem roten Haar hängen. „Du bist mit einem Wiesel hier?", fragte er. „Was denkst du denn?", zischte Hermine, „Und anstatt hier rumzustehen, komm doch dann wenigstens an unseren Tisch."
Dachte er etwa, sie würde sich mit dem Absender der Rose treffen? Wie lächerlich. Erstens wusste sie eh nicht, wer sie geschickt hatte und zweitens schloss Malfoy wieder einmal von sich auf andere. Hermine wusste, dass sie ihn nicht betrügen würde. Es war falsch.
Sie ergriff seinen Arm und zog ihn zu ihrem Tisch. „Hallo, Malfoy." „Hallo, Wiesel." Ginny schenkte ihm einen verächtlichen Blick. Hermine war gekränkt, dass er in sie anscheinend so wenig Vertrauen hatte, dass er ihr nachspionieren musste.
„Hey, Ginny, da ist noch etwas, das ich dir gar nicht erzählt habe…", feixte Hermine und zwinkerte ihrer Freundin zu. Ginny verzog ihr Gesicht zu einem breiten Grinsen.
„Ich hab heute, als ich nach Hause kam, eine wunderschöne rote Rose auf meinem Kopfkissen gefunden. Darunter ein Umschlag, auf dem mein Name stand." „Oh wie süß. Ich wünschte, Harry würde das auch für mich machen.", seufzte Ginny träumerisch.
„Ich glaube ja, dass das einer war, den ich in St. Mungos kennengelernt habe. Du weißt schon, bei unseren gemeinsamen Theoriestunden." Ginny sagte: „Oh, und, wie ist er so?" „Schweigsam. Aber sympathisch und niedlich."
Hermine wusste, dass das Malfoy zur Weißglut treiben würde. Aber das hatte er nicht anders verdient, nachdem er ihr hinterherspioniert hatte.
Ginny sagte zu Hermine: „Kein Wort zu Harry, er befürwortet ja meine Quidditchkarriere… aber wenn mich die Wespen aufnehmen, dann lerne ich diesen unglaublich süßen Treiber kennen…" Sie grinste Hermine verschwörerisch zu.
Malfoy schob seine kaum berührte Flasche Butterbier weit von sich und sagte: „Ich glaube, ich lasse euch jetzt besser wieder alleine. Gute Nacht." Er stand auf und ging.
Ginny und Hermine lachten. „Was für ein Arsch.", sagte Hermine ungläubig. „Oh… ich hab ihn genau im Auge behalten, Mine. Er war total eifersüchtig.", stellte Ginny kichernd heraus. „Er? Oh nein, du irrst dich. Er steht auf Pansy." Die schwanger von ihm ist, fügte Hermine im Stillen hinzu. „Du irrst dich, Hermine. Ich hab ihn die ganze Zeit beobachtet. Ich wette, er mag dich."
