Der Wall
***** ERINNERUNGEN VON SEVERUS *****
Im Wohnzimmer der Tonks
„Was zur Hölle hast du mit Hermine angestellt?" Andromeda sah Severus wütend an, dank des festen Griff von Ted, der sie am Oberarm hielt, konnte verhindert werden das sie ihm an die Gurgel ging. „Ich habe Hermine in einen tiefen Schlaf versetzt, einen Schlaf der ihren Geist gleichzeitig schützt" „Wieso hast du das getan?" „Der dunkle Lord hat sich scheinbar Zugang zu ihren Geist verschafft und wollte sie zu sich holen." Verwirrt blickte Ted zu Andromeda, die ihre Augen zusammenkniff. „Was meinst du damit?" „Ich vermute, dass sich der dunkle Lord bei der Rettung von Hermine eine Art Knopf in ihren Geist verankert hat und diesen Knopf hat er nun aktiviert." „Das heißt, dass er jederzeit zu ihren Verstand Zugang bekommt, sobald sie auch nur annähernd einen einzigen Gedanken an ihm verschwendet. Er versucht sie durch verschiedene Wege zur mentalen Aufgabe zu zwingen." „Welche Wege können das sein?" „Das ist verschieden, zumeist sind es aber Suggestionen, da diese am Effektivesten einzusetzen sind."
Erschrocken, zugleich empört blickte Andromeda erschüttert zu Ted, der sie umarmte. „Wie äußern sich diese Suggestionen zum Beispiel und wohin können diese führen?" Severus schloss seine Augen, atmete tief durch da der Gedanke daran ihm mehr als einen kalten Schauer über den Rücken jagte. „Er kann ihr vorspielen, jemand anderes zu sein, der sie dazu bringen kann ihre inneren Wall aufzugeben." „Was meinst du mit inneren Wall?" wollte nun Ted wissen. „Jeder Mensch, jede Person die auch nur zu einen winzigen Funken Gedanken fähig ist verfügt über einen sogenannten Wall. Er beschützt die Person von äußeren Beeinflussungen, er gibt der Person die Kraft über seinen Körper alleine zu entscheiden selbst wenn er unter einen leichten Zauber stehen sollte. Doch wenn dieser Wall fällt, ist die betroffene Person praktisch willenlos. Sie gleich einer Marionette, mit der du alles anstellen kannst was du willst." „Oh mein Gott." flüsterte Andromeda erschüttert.
„Wenn dies einmal geschehen ist, kann sich derjenige, der den Wall gebrochen hat ohne Probleme in deinen Geist einnisten und dich nebenbei bewohnen. Er kann dich als Abhörgerät benutzen, den Imperio über dich sprechen ohne das du es selbst mitbekommst, geschweige denn erst die Außenwelt." „Daher deine Reaktion oben in ihren Schlafzimmer." „Richtig, wenn der dunkle Lord herausfindet wer Hermine eigentlich wirklich ist und warum sie hier ist, sind wir alle dem Untergang geweiht." „Das ist wahr." murmelte Andromeda. „Was wollen wir nun machen?" „Ich werde dem Schulleiter einen Besuch abstatten." „Du willst Dumbledore um Hilfe bitten?" „Hast du eine bessere Idee Andromeda?" Sie senkte verneinend ihren Blick. „Er kennt Hermines wahre Herkunft, vielleicht kann er uns helfen sie bestmöglich zu schützen."
Im Schulleiterbüro/Hogwarts
Severus saß dem älteren Zauberer gegenüber der über sieben Jahre lang sein Schuldirektor gewesen war. Doch nun war er selbst nicht mehr als Schüler nach Hogwarts gekommen, sondern als Absolvent und Bittsteller. „Können Sie uns helfen?" wollte er wissen nachdem er ihm die Vorkommnisse im Haus von Andromeda und Ted erzählt hatte. „Das ist in der Tat sehr bedauerlich was du mir da schilderst Severus. Ich hatte schon geahnt, dass er einen Preis für seine Hilfe euch abverlangen würde, aber diese Beeinflussung geht eindeutig zu weit." „Kann es mit dem Fluch zu tun haben, der auf dem Spiegel Nehergeb liegt?"
Severus hatte Dumbledore den gesamten Verlauf von Hermine und ihm offen legen müssen, damit für den Zauberer die Entwicklung nachvollziehbar war. „Das mag durchaus zutreffen, es würde auch sein Interesse an Hermines Schwangerschaft erklären. Er scheint ein besonderes Interesse für sie zu zeigen." Niedergeschlagen nickte der junge Mann mit den dunklen Haaren. „So bitter es für dich vielleicht auch sein mag Severus, mir fällt aber nur eine einzige Möglichkeit ein um Hermine zu beschützen." „Sie wollen Sie wieder in die Zukunft zurückschicken, nicht wahr?" kam er resignierend zur Erkenntnis. „Hermine gehört nun mal nicht in diese Zeit Severus." „Das weiß Professor, aber dennoch sind die Babys auch ein Teil von mir." „Diese Kinder, all das war eigentlich nicht geplant wie du weißt." Frustriert nickte Severus. „Du hast gesagt, dass du Hermine in einen Schlaf versetzt hast?" „Richtig, weil ich um die Auswirkungen und möglichen Probleme für uns Bescheid weiß." „Gut, das war die einzig richtige Entscheidung. Du wirst Hermine hierher nach Hogwarts bringen und ich werde sie unter meine Obhut nehmen. Wenn es soweit ist wir Poppy bereitstehen um ihr durch die Geburt zu helfen."
„Und was soll ich tun?" „Du gehst zurück zu Lucius und Tom." „Was soll ich sagen wenn er nach Hermine fragt?" „Sag ihm, dass sie in ein Koma gefallen ist. Er soll glauben, dass sein Versuch ihr geschadet hat. Vielleicht lässt er vorrübergehend von ihr ab." „Kann ich sie sehen?" Dumbledore sah traurigen Blickes zu seinen ehemaligen Schüler. „Nein Severus, wir müssen sie absolut von allen Personen fernhalten. Ich werde dich kontaktieren wenn ersichtlich wird, dass die Geburt eintritt." „Und der Schlaf, der nur von mir beendet werden kann?" „Sobald Hermine hier ist, wirst du ihn auf mich übertragen, damit nur ich sie herausholen kann." „In Ordnung."
Severus drehte sich mit gesenkten Kopf um und bewegte sich Richtung Ausgang als Dumbledore rief: „Severus!" Der junge Mann hielt inne und drehte sich zu ihm um. „Ja?" „Liebst du Hermine?" „Ich denke schon, wieso?" „Weil dir klar sein muss, dass du eventuell Entscheidungen treffen wirst müssen die dir nicht gefallen werden, Entscheidungen wo deine Liebe zu ihr möglicherweise in Frage gestellt wird."
Nachdenklich musterte Severus den Schulleiter vor sich ehe er ihm antwortete: „Diese Fragen habe ich mir an jenen Abend gestellt, nachdem ich von ihr erfahren habe das sie aus der Zukunft kommt und wie sie mit mir in Godrics Hollow war." Nun hob Dumbledore überrascht eine Augenbraue in die Höhe. „Sie war mit dir dort? In der Zukunft?" Wortlos nickte Severus. „Wann genau?" „Ich habe genug gesehen um zu verstehen, was ich tun muss um die Zukunft zu verändern, damit Lily nicht sterben muss." erklärte er, drehte sich um und verließ ohne jeden weiteren Kommentar das Schulleiterbüro.
„Seine Zukunft hat sich möglicherweise verändert, dennoch wird Lily auch weiterhin eine große Rolle für ihm spielen. Soviel ist nun klar." murmelte er. Dumbledore bemerkte nicht das Severus seinen Fuß zwischen der Tür und der Mauer gehalten hatte und somit die Worte des Schulleiters deutlich vernommen hatte.
Im Wohnzimmer von Andromeda u. Ted
„Ich habe mit Dumbledore beschlossen, dass es für Hermine am Sichersten in Hogwarts ist." begann Severus während er dabei auf die gefüllte Teetasse vor sich blickte. Skeptisch musterte Andromeda den jungen Mann vor sich, der zusammengekauert auf ihrem Sofa saß. „Ihr habt beschlossen oder sollte ich eher sagen Dumbledore hat beschlossen?" Severus warf der jungen Frau einen vielsagenden Blick zu ehe er sich von ihr wieder abwandte. „Ich verstehe." murmelte sie und nippte von ihrer Teetasse. „Was macht ihr wenn Hermine sich weigern sollte?" „Sie wird es nicht mitbekommen, da wir sie in ihren tiefen Schlaf belassen werden. Ich werde einzig die Verantwortung an den Schulleiter übertragen, damit er unabhängig von mir agieren kann wenn ein Notfall eintreten sollte." „Notfälle wie beispielsweise die Geburt euer Jungs?" Stumm bejahte er.
„Wirst du bei der Geburt dabei sein?" „Ich weiß es nicht Andromeda, Dumbledore hat mir zugesagt dass er sich mit mir in Verbindung setzen wird wenn es soweit ist." „Gehst du zurück?" „Ich muss, ich darf keinerlei Aufmerksamkeit erregen." „Was wirst du den dunklen Lord sagen wenn du ohne Hermine zurückkehrst?" „Die Wahrheit, dass sein Versuch gescheitert ist und sie in einen Tiefschlaf gefallen ist." „Kannst du dies vor ihm verbergen?" „Ich bin gut in Okklumentik bewandert, zudem hat mir Dumbledore vor meiner Rückkehr hierher eine kleine Nachhilfe gegeben." Andromeda nickte anerkennend.
„Es gibt etwas Andromeda worum ich dich bitten muss bevor ich nach Malfoy Manor zurückkehre." begann Severus nach einigen Minuten des Schweigens. Seit seiner Entscheidung Hermine in Hogwarts zu belassen und der Aussage über Lily von Dumbledore war in Severus ein Entschluss gereift, doch diesen würde er nur mit Hilfe von Andromeda umsetzen können. „Was brauchst du Severus?" hörte er ihre Stimme nun sanft fragen. „Ich habe das Gefühl, dass es nicht so ablaufen wird wie wir alle uns das gewünscht hätten. Doch für den Fall, dass Hermine oder mir etwas widerfahren sollte, wie auch immer das aussehen mag. Wirst du für unsere Jungs sorgen?" Stirnrunzelnd setzte sich Andromeda gerade auf. „Ihr werdet nicht sterben Severus, keiner von euch." „Das weiß niemand Dromeda. Doch selbst für den Fall, dass der dunkle Lord es schaffen sollte ihren Wall zu durchbrechen, musst du die Kinder vor ihr schützen und somit auch vor mir selbst. Denn ich werde sie dann nicht alleine lassen und ich will nicht dass sie unter diesen Bedingungen womöglich aufwachsen müssen. Ich will sie auf der hellen Seite wissen." Der Angefragten fiel die Kinnlade hinunter, ehe sie sich nach einigen Sekunden wieder gesammelt hatte und ihren Mund wieder verschloss. „Natürlich Severus, sollte einer dieser Fälle eintreffen werde ich mich um eure Jungs kümmern." „Danke Dromeda."
Wenig später oben im Schlafzimmer von Hermine
Andromeda öffnete die Türe zum Zimmer und ließ Severus zu der schlafenden Hermine eintreten. „Ich warte dann unten, damit du dich in aller Ruhe von ihr verabschieden kannst." meinte Andromeda, die im Türrahmen stehen geblieben war. Nickend ließ sich Severus neben der schlafenden Gestalt sinken während die junge Frau hinter ihm die Tür hinter sich verschloss und die beiden damit alleine ließ. Vorsichtig nahm er ihre kleine warme Hand in ihre und streichelte sie leicht.
„Es tut mir sehr leid Hermine, dass du dein Ziel nicht erreicht hast. Dennoch tut es mir nicht leid, dass wir uns getroffen haben, dass du mir einen Sinn gegeben hast. Du hast mir gezeigt, dass es etwas gibt für das es sich zu kämpfen lohnt und es keine Schande ist für andere einzustehen. Ich habe mein Leben lang Lily geliebt, es hat mich beinahe zerstört als sie mich abgewiesen hat. Doch dann warst plötzlich du in unser aller Leben, du dir mir gezeigt hat dass es immer noch einen Ausweg gibt. Du hast mir das erste Mal das Gefühl gegeben, mich so zu wollen wie ich bin, trotz meiner Affinität für die dunkle Zauberei – du hast mich genommen wie ich bin. Dafür werde ich dir immer dankbar sein, du sollst wissen dass ich sehr viel für dich empfinde und unabhängig davon wie das alles hier enden wird, bereue ich keine einzige Sekunden zwischen uns. Wenn du aufwachst, wirst du sehr böse sein da ich über deinen Kopf hinweg entschiede habe, doch glaube mir ich habe es zu deinen Besten getan, für unsere beiden Jungs. Falls alles scheitern sollte, woran wir glauben habe ich eine Möglichkeit gefunden, dass unsere Kinder in Sicherheit aufwachsen können. Ich hätte mir nichts mehr als ein gemeinsames Leben mit dir und unseren Jungs gewünscht, dennoch sieht es derzeit danach aus dass dies nicht möglich sein wird. Andromeda wird uns helfen und für sie sorgen. Ich liebe dich Hermine, das habe ich und werde ich im Unterbewusstsein immer tun. Doch wie auch du, muss ich mein Leben einem höheren Wohl widmen. Du hast mir gezeigt, was passieren wird und ich werde versuchen, jenes Ziel zu erreichen weswegen du eigentlich gekommen bist – der Rettung von Lilys Sohn!"
Liebevoll strich Severus der schlafenden Hermine eine Strähne aus ihrem Gesicht ehe er ihren Kopf berührte. Konzentriert schloss er seine Augen und sprach: „Falls ich scheitern sollte und du in Zukunft zurückkehren kannst, suche mich auf und hilf mir mich zu erinnern."
In Hogwarts
„Ut alternatim Albus Dumbledore!" sprach Severus mit einen Schwenk seines Zauberstabes über Hermine, ehe ein durchsichtiger Faden aus Hermines Kopf entwich. Vorsichtig näherte sich Severus mit seinen Zauberstab dem von Dumbledore, der neben ihm stand. „Ego facit!" erwiderte der Schulleiter und übernahm den Faden von dem Zauberstab seines ehemaligen Schülers, bevor er seinen Zauberstab über Hermines Kopf hielt und murmelte: „Dum dormit revoco!" Augenblicklich verschwand der durchsichtige Faden in dem Lockenkopf und Hermine seufzte friedvoll auf. Mit einen letzten liebevollen Blick strich er sanft eine verirrte Strähne aus ihrem Gesicht bevor sich sein Ausdruck verhärtete und er sich erhob. Danach drehte er sich um, warf Dumbledore einen letzten Blick zu, der ihm zunickte bevor er ohne ein weiteres Wort zu verlieren das Zimmer verließ.
