Hallo!
Endlich nach langer, langer Zeit bin ich wieder dazu gekommen hier weiterzuschreiben. Mal gucken, was Ihr dazu sagt.
Liebe Grüße Gaby
21 Überraschende Besucher
Das Bild zeigte ein lachendes Mädchen. Dunkel erinnerte Hermione es an Harry, was nicht so abwegig war, handelt es sich doch um seine Schwester. Im Gegensatz zu ihm, besaß das Mädchen rote Haare, wie seine Mutter, dafür waren ihre Augen so blau wie der Himmel. James Augen waren blau. Jenny würde im Herbst mit der Schule beginnen. Jenny, ein Mensch, den es eigentlich nicht geben durfte. In ihrer alten Realität waren Harrys Eltern von Voldemort ermordet worden. Harry wuchs nicht in einer liebevollen Familie auf, sondern bei seinen herzlosen Verwandten. Wie anders hatte er sich entwickelt. Er war mehr wie sein Vater geworden. Arrogant und Eingebildet mit einem Hauch überentwickelndem Selbstbewusstsein ausgestattet.
Hermione ertappte sich dabei, wie sie ihn genauso abzulehnen begann, wie einst James. Er ging ihr manchmal mit seinem Getue unheimlich auf die Nerven. Aber dann schämte sie sich für ihre Gefühle und Gedanken. Statt sich mit ihm zu Freuen, das seine Familie nicht nur am Leben war und er auch noch dazu eine Schwester bekommen hatte, machte sie ihn, wenn auch nur in ihrem Kopf, schlecht. Nach wie vor waren sie die besten Freunde. Darüber war sie sehr froh. Im Grunde hätte es nämlich viel schlimmer kommen können. Es gab einige Szenarien, die sie sich besser nicht ausmalen wollte. Es hätte auch passieren können, dass Harry und Malfoy die besten Freunde waren, oder dass sie alle in verschiedenen Häusern gelandet wären. Schlecht war auch nicht der Gedanke, dass sie sich als Freundin von Crabbe oder Goyle hätte wieder finden können und der ließ sie durchaus schaudern.
Seit sie die Karten des Schicksals neu gemischt hatten, schien plötzlich alles möglich zu sein und das wurde ihr sogar anschaulich jeden Tag aufs Neue bestätigt. Nevilles Eltern schickten ihrem Sprössling, der übrigens überhaupt nicht mehr schüchtern und tollpatschig war, regelmäßig Post und kleine Pakete. Er war jetzt seinem geheimen Traumberuf viel näher, als er es in seinem alten Leben jemals gewesen wäre. An Mut hatte es ihm zwar nie gemangelt, aber das reichte für einen wirklich guten Auroren bei weitem nicht. Denn diesen zeichnete, neben guten Noten, auch eine gesunde Prise Tollkühnheit aus. So wie Mad-Eye Moody.
Er war ein Haudegen der ganz alten Schule. Seine Methode waren, wenn auch sehr unkonventionell, oft von Erfolg gekrönt. Nicht das er viel Arbeit hatte. Ohne Voldemort war das Leben eines Auroren eindeutig langweiliger geworden. Hermione versuchte sich so viel Wissen über ihre Mitschüler, deren Eltern und plötzlichen Geschwistern anzueignen, wie sie in der Bibliothek finden konnte. Zum ersten Mal war sie wirklich dankbar für ihre Fähigkeit schnell lesen zu können und sich auch das gelesene genauso rasch einzuprägen. Während Harry neben seinen Eltern auch noch eine Schwester dazubekommen hat, blieb Neville ein Einzelkind.
„Ein starkes Stück, selbst für dich, findest du nicht?", brach es aus Sirius heraus. Er war mit Remus im Schlepptau bei ihm erneut aufgetaucht, oder besser gesagt eingefallen. Severus betete innerlich, dass er nicht das meinte woran er dachte und wurde wie so oft im Leben bitter enttäuscht. Natürlich meinte er genau das, wie ihm seine nächsten Worte unweigerlich bestätigten. „Junge, Junge eine Schülerin! Also selbst ich kenne Grenzen!" Der Spott in Sirius Stimme war kaum überhörbar. „Zuerst interessierst du dich, kaum verlässt dich die Kleine aus der Schule, für keine Frau mehr und dann stürzt du dich urplötzlich auf eine deiner Schülerinnen!" Während Sirius das Ganze scheinbar mit Humor nahm, blickte ihn Remus irritiert an. Seine Augen schienen ihn zu fragen was nur in ihn gefahren war. Er wirkte regelrecht enttäuscht von ihm und automatisch fühlte Severus schlecht.
Was würden die Beiden wohl dazu sagen, wenn er ihnen erklärte, dass er haarscharf dasselbe Mädchen geküsst hatte. Denn das Mädchen aus der Vergangenheit und das von Heute waren eins. Beinahe hätte er geschmunzelt. Fast konnte er ihre dummen Gesichter vor sich sehen, wenn er ihnen Hermione zeigte. Was er natürlich nie tun würde. Der bloße Gedanke trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Sirius der es sich inzwischen auf seinem Sofa bequem gemacht hatte, sah sich suchend um. „Gibt's bei dir nichts zu trinken?" Diese Frage zauberte ein finsteres Stirnrunzeln in Severus Gesicht. „Hast du nicht noch genug vom letzen Mal?" Nun war es Sirius der verwirrt blickte. „Wenn du auf meinen Überraschungsbesuch ansprichst …" „Das war kein Besuch, sondern ein in Alkohol getränkter Überfall!", kam es spöttisch von Severus, dabei versuchte er sich an den Gedanken vertraut zu machen, dass ein Besuch von Sirius oder Remus scheinbar nichts Ungewöhnliches war. War das seine Strafe dafür, dass er sich in der Vergangenheit mit ihnen zusammen getan hatte? „Die Geister, die ich rief, werd ich nicht mehr los!", ging es ihm durch den Kopf, dabei versuchte er sich gleichzeitig in Geduld zu üben.
Mehrmals lag es ihm auf der Zunge ihnen zu sagen, das es sie nichts anging, was er mit wem trieb und danach würde er sie einfach vor die Tür setzten. „Woher wusste ihr eigentlich von … naja von dem was eigentlich nicht passiert ist und auch niemanden was angeht?" Schon merkwürdig. Der Kuss war gerade mal ein Tag her und schon standen seine "Freunde" auf der Matte um ihm eine Standpauke zu halten. „Sagen wir so – Ein Vögelchen war so nett und hat uns das zugezwischert!", rieb ihm Sirius genüsslich um die Nase. „Lily ist auch ganz aufgebracht deswegen!", sagte Remus ernst. Lily? Wie konnte ein einziger Kuss soviel Aufsehen erregen? Es war doch nur ein Kuss! Und außerdem – wer hatte ihnen eine Eule geschickt? „Und hat der Vogel einen Namen?", fragte Severus pikiert.
„Lucius ist hier und möchte dich sprechen!", eröffnete ihm Minerva. „Was will er? Sich mal wieder über die Schule beschweren?", fragte Dumbledore leicht genervt. In Minervas Gesicht zeichnete sich Erstaunen ab. „Lucius ist einer unserer größten Gönner! Ihm liegt die Schule sehr am Herzen!", empörte sie sich und blickte ihn streng an. Was war nur mit ihm los? Warum beleidigte er einen ihrer größten Sponsoren? Lucius mochte in seiner Jugendzeit etwas übermütig gewesen sein, aber schon bald besann er sich eines Besseren und wurde so zu einem besonderen Mitglied der Zauberwelt.
Dumbledore blinzelte über Minervas leidenschaftliche Worte hinter seinen Brillengläsern. Scheinbar hatte sich doch weit mehr geändert, als er auch nur ansatzweise bis jetzt geahnt hatte. „Nun wenn das so ist sollten wir ihn keine Minute länger warten lassen!", schlug Dumbledore vor und holte tief Luft sobald Minerva den Raum verlassen hatte. Er hasste das. Nichts mehr war in seiner Welt richtig. Alles war falsch. Seufzend machte er sich auf das Gespräch mit Lucius bereit und wie aufs Stichwort rauschte dieser Selbstbewusst wie immer durch seine Bürotür.
Missmutig räumte er die verstaubte Ware ein. Er hasste seine Tätigkeit und tief in seinem Herzen ahnte er, dass er im falschen Leben gelandet war. „Ich war zu Höherem bestimmt! Das hier hat mir jemand angetan.", lamentierte er halblaut vor sich hin. Die dunklen Magier in ihren Bildern verdrehten genervt die Augen. Seit zehn Jahren bekamen sie das Gebrabbel dieses offensichtlich Schwachsinnigen zu hören. Jetzt waren sie schon seit Jahren tot und mussten dennoch für ihre Taten weiter büßen, denn anders konnte sie sich nicht erklären, warum dieser Verrückte ausgerechnet ihre Bilder gekauft hatte und sie sich sein ewiges Gejammer jeden Tag aufs neue anhören mussten. Sie hatten es so satt und wünschten sich nichts mehr, als verkauft zu werden. Zur Not auch an jemanden der im Haus Gryffindor gewesen war. Alles war besser, als das hier.
„Ich wusste alles und ich hätte alles gekonnt! Ich war bereits auf dem Weg nach oben, als mich Schüler aus Hogwarts bei Dumbledore anschwärzten und der ihnen auch noch glaubte. Ich war so nah daran und alles nur wegen ein paar dummen Kinder!" Zornig warf er einen bronzenen Kelch, von dem er keine Ahnung hatte wozu der überhaupt taugte - Wer betrachtete ein so altes, verbeultes Ding als wertvoll? – in eine der dunklen Ecken. Prompt kam er zurück und schlug hart gegen seine Stirn. Bewusstlos kippte er nach hinten um und blieb reglos liegen, was seine Bilder dankbar aufatmend zur Kenntnis nahmen.
Sirius hatte schließlich doch noch Severus Vorrat an Feuerwhiskey entdeckt. Nicht das der allzu groß gewesen wäre. Zwei bescheidene Flaschen, die bereits Staub angesetzt hatten. Um den Flaschenhals baumelte ein Geschenkanhänger und leise schmunzelnd stellte Sirius fest, dass er diese Severus geschenkt hatte. Er hatte damals schon geahnt, dass es eine gute Wahl gewesen war. Er rief Dobby herbei, damit dieser ihm Eis für seinen Whisky brachte. Stirnrunzeln musterte Severus den Hauself. Wenn sie alles verändert hatten, dürfte dann dieser gar nicht hier sein? Wäre er dann nicht noch immer der Hauself von der Familie Malfoy? Dieser Gedanke brachte ihn automatisch zu dem Nächsten. Was war aus der Familie Malfoy geworden? Waren sie immer noch treue Anhänger des dunklen Lords? Oder hatten sie, wie so oft, die Seite gewechselt? Es wäre auf alle Fälle typisch für Lucius sich immer auf die Seite der Sieger zu stellen.
„Mit dieser Spende müsste es eigentlich möglich sein den Astronomieturm zu renovieren!" Bedeutungsvoll schob Lucius Dumbledore ein Stück Pergament über den Schreibtisch zu und wartete in gespannter Gelassenheit auf dessen Reaktion. Nicht das er sich irgendwelche Begeisterungsstürme erwarten würde, aber eine tief empfundene Dankbarkeit erhoffte er sich doch, immer hin war die Summe beachtlich. Albus las sich das Schreiben durch, das in schwülstiger Weise verfasst worden war. Vermutlich von Malfoy persönlich niedergeschrieben, da es vor Lob für ihn nur so strotzte. Bemüht nicht die Augen zu verdrehen, gab er sich Geduldig beim Lesen und senkte das Schreiben erst, als er eine Antwort nicht mehr länger hinauszögern konnte.
Laut und vernehmlich räusperte er sich. „Ich muss schon sagen eine sehr hohe Summe die du da gesammelt hast, Lucius!", lobte er ihn gegen seinen Willen. Irgendwie konnte er sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass aus Lucius Malfoy, einem der treuesten Anhänger Vodemorts, ein vorzeige Bürger in der Zauberwelt geworden war. „Ich wusste, du würdest dich freuen, wenn du das siehst!", ereiferte sich dieser und beugte sich unbewusst nach vorne. „Natürlich ist es für mich eine besondere Freude, wenn ich so eine große Summe zum Erhalten der Schule zur Verfügung habe!", erwiderte Dumbledore verhalten. Es ging ihm gegen den Strich Lucius über Gebühr zu loben, gerade weil dieser es scheinbar von ihm erwartete.
Nachdenklich verließ Hermione die Bibliothek. Ihr Kopf war voll von all den neuen Namen und Gesichtern. Die Zauberwelt schien plötzlich Überbevölkert zu sein. Es war schon erstaunlich, wenn man nur einen Namen, ein Gesicht, in die Geschichte hinzufügte, aber hier handelte es sich um Hunderte. Voldemort hatte in ihrem alten Leben schlimme Taten vollbracht und somit den Lauf der Dinge entscheidend verändert. Da diese Menschen nicht gestorben waren, hatte sie nun die Möglichkeit zu Heiraten und Eltern zu werden und es waren viele Kinder die zur Welt kommen durften. Für Hermione war das erschreckend und erstaunlich zugleich. So in Gedanken versunken achtete sie nicht auf ihren Weg, bis sie gegen eine große, dunkle Gestalt stieß.
Sofort umfingen sie starke Arme und hielten sie gegen warmen Stoff gepresst. „Was machst du hier?", zischte ihr eine nur allzu vertraute Stimme ins Ohr. Scheinbar war sie unbewusst Richtung Kerker und direkt in Severus Arme gelaufen. Aus dem Falten seines Stoffes konnte sie noch andere Stimmen hören. Sirius und Remus! In ihr schrillten sämtliche Alarmglocken. Die Beiden hatten sie so gesehen, wie sie heute aussah. Sie war keinen Tag gealtert. Sie hatte mit ihnen die Geschichte verändert und wenn sie sie so sahen, würden sie vermutlich ihren Verstand einbüssen. „Wenn verbirgst du da eigentlich?" Konnte sie Remus Stimme hören. „Niemanden!", knurrte Severus und öffnete dabei hastig die nächst beste Tür die er zu fassen bekam und schob Hermione durch diese hindurch und verschloss die Tür.
