Wortanzahl: 1492 Wörter

Kapitel 20

Als Sam das nächste Mal aufwachte, war es dunkel um sie. Ihre Augen brauchten einige Minuten um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, doch dann konnte sie sich langsam umsehen. Im Gegensatz zu ihrem ersten Aufwachen erkannte sie gleich wo sie war und warum sie hier war, doch all dies verblasste als sich daran erinnerte was bei ihrem ersten Aufwachen passiert war.

Verdammt ... dachte sie, ihre Augen fest zusammen kneifend.

"Sammy?", fragte eine leise, doch wohlbekannte Stimme, neben ihr.

Vorsichtig drehte sie ihren Kopf in die Richtung und öffnete dann langsam die Augen.

"Dad …", sagte sie leise und in ihrer Stimme schwang eine Entschuldigung und zugleich eine Erklärung mit und das nur mit diesem einzigen Wort.
Doch ihr Dad verstand sie auch so.
Keine weiteren Worte waren nötig.
So wie es immer zwischen ihnen ...

"Ist schon gut, Sammy."

Federleicht strich er mit seiner Hand über ihr Gesicht und legte sie dann auf ihre Wange.

"Wie geht es dir jetzt?"

Sam sah ihn eine Moment lang unsicher an.

„Es geht schon wieder. Ich habe ein wenig Kopfschmerzen. Das ist auch schon alles. Aber … wie geht es dir?", fragte sie leise.

Jacob lächelte noch mehr.

„Die Frage solltest du mir eigentlich nicht stellen, da du im Bett liegst und nicht ich."

„Du weißt was ich meine …"

Er seufzte leise auf.

„Besser. Du hast mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt."

Sam schloss kurz die Augen.

"Es tut mir leid.", wisperte sie leise.

Jacob nahm ihre Hand und streichelte sie leicht.

"Ist schon in Ordnung. Ich verstehe dich. Ich vermisse sie auch."

Ja, aber du vermisst sie schon seit Jahren, während ich sie erst seit einigen Wochen vermissen muss, dachte Sam, doch zum Glück hatte der Unfall sie nicht so sehr verwirrt, dass sie es laut aussprach.

Auch, wenn sie das eben erlebte sehr erschüttert hatte, wollte sie ihren Dad nicht verletzten. Er hatte genauso wie sie mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen. Egal ob sie seit Jahren getrennt waren oder nicht. Schließlich ... auch nach Jahren der Trennung liebte er sie immer noch.

Dies zeigte sich allein schon dadurch, dass er nichts in ihrem Zuhause geändert hatte. Alles war noch so wie ihre Mum es damals ausgesucht hatte.
Egal ob es die Couch oder die Gardinen oder die Möbel waren.

Doch Sam wollte nicht mehr dran denken.
Sie brauchte Zeit um die Wunde, entstanden durch den Tod ihrer Mutter und neu aufgerissen durch ihren kurzzeitigen Gedächtnisverlust, wieder zu verdecken.

Tief durchatmend, drückte sie kurz die Hand ihres Dad, bevor sie das Thema wechselte.
Sie hatte jetzt nicht die Kraft über dieses Thema zu reden ...

"Was ist eigentlich genau passiert, Dad? Wurde außer mir noch jemand verletzt und was ist mit mir eigentlich los?"

Ohne Sams Themenwechsel anzusprechen, erwiderte Jacob kurz den Händedruck, bevor er seine Hand löste und dann den Schwesternrufknopf drückte.

„Tyler hatte noch keine Winterreifen auf seinen Van aufgezogen und dann das Glatteis ... Er konnte seinen Wagen nicht kontrollieren. Er hat jedoch ebenso wie du nur eine Gehirnerschütterung sowie Prellungen und eine Platzwunde an der Stirn. Genauso wie du hat er Glück gehabt", sagte er mit einem kleinen Lächeln, das trotzdem etwas von seiner Angst, die er gehabt hatte, zeigte.

Sam nickte und wandte sich dann direkt an den Arzt, der nicht mal ganz in ihrem Zimmer war.

„Wann kann ich hier raus?"

Ohne aus dem Takt zu geraten, machte der junge Arzt das Deckenlicht an und trat an ihr Bett.
Von nahem sah Sam erst WIE jung der Arzt war. Sie würde ihn nicht älter als Ende zwanzig schätzen mit seinen kurzen, leicht verwuschelten blonden Haaren und seiner hellen Haut.
Irgendwas kam ihr zu dem an ihm bekannt vor, doch sie konnte auf Anhieb nicht sagen was es war ...

"Wie ich sehe, sind sie wieder aufgewacht, Miss Carter. Das freut mich, sie haben uns einen ziemlichen Schrecken eingejagt.", sagte der Arzt, der still und mit einem Lächeln Sams Musterung ertragen hatte.

"Darf ich mich vorstellen. Ich bin Dr. Cullen."

Sam traf fast der Schlag.
Es war Janets Vater, der sie behandelt hatte.
Oh mein Gott!
Und sie hatte sich aufgeführt wie eine arme Irre.

"Geht es ihnen nicht gut ? Haben sie noch immer Schmerzen?", fragte er sie besorgt und trat zu ihr ans Bett und fühlte ihren Puls.

Dann hörte sie, warum Dr. Cullen sie das fragte.
Die Maschine, die ihre Herztöne wiedergab, spielte vollkommen verrückt, genauso wie ihr Herz.
Doch das waren nicht die Schmerzen, die sie kaum spürte.
Es war die Person, die gerade den Raum betreten hatte.

"Konzentrieren sie sich bitte auf meine Stimme." drang Dr. Cullens Stimme langsam zu ihr durch.

Sam riss sich von dem wunderschönen Anblick los und blickte den Arzt fragend an.

"Und? Wann kann ich nun hier raus?"

Kurz huschte ein Grinsen über das schöne Gesicht des Arztes und auch ihr Dad musste sich ein Grinsen verkneifen als er diese typische Frage von seiner Tochter hörte, doch bevor einer von ihnen reagierte konnte, meldete sich auch schon der Neuankömmling zu Wort.

"Du hast wohl eine Meise! Du hattest einen Unfall und eine Gehirnerschütterung!"

Überrascht wandte Sam ihren Blick von den beiden Erwachsenen wieder zu der Brünetten und wieder machte ihr verräterisches Herz einen Sprung, was der Herzmonitor natürlich anzeigte.

Leicht rot werdend, versuchte sie dies jedoch zu ignorieren und eher die Frage, auch wenn sie rhetorisch war, zu beantworten.

"Jaa ... und eine Gehirnerschütterung kann man auch zuhause auskurieren. Nicht wahr, Dr. Cullen? Sie stimmen mir doch bestimmt darin zu. Solange mein Dad mich alle ein bis zwei Stunden überprüft, ist es doch kein Problem.", sagte sie lieb lächelnd.

Dr. Cullen warf seiner Tochter einen undurchsichtigen Blick zu.

"Ja … da haben sie recht. Aber nur unter einer Bedingung. Und zwar bleiben sie morgen noch zu Hause und wenn sie keine Kopfschmerzen oder andere Schmerzen haben, dann aber auch nur dann, dürfen sie wieder zur Schule gehen."

Leicht nickend hörte Sam ihrem Arzt zu und versuchte dabei ihren Blick konstant auf ihn (und nicht auf seine Tochter) zu richten.

Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass ab und zu ihr Blick zu der wartenden Brünetten huschten.

Als er ihr alles erklärt hatte, nickte sie leicht und sagte ruhig.

"Natürlich. Darf ich dann nach Hause? Es ist ... spät und ich würde gerne in meinem eigenen Bett schlafen. Da kann ich mich bestimmt besser erholen."

Jacob stand auf und half Sam sich aufzusetzen.
Dr. Cullen schenkte ihr ein leichtes Lächeln.

"Sicher. Aber nur wenn sie es langsam angehen lassen.", wiederholte er.

"Darauf werde ich schon achten. Danke Dr. Cullen."

"Würden sie noch mitkommen und die Entlassungspapiere unterzeichnen, Chief Carter?"

"Natürlich", sagte Jacob und folgte danach dem Arzt aus dem Zimmer.

Ebenso wie dieser lächelte er Sam noch einmal kurz zu und strich ihr zu dem noch einmal sanft mit seiner Hand über ihr Gesicht. Danach verließen die beiden Männer den Raum und ließen zwei nervöse Jugendliche zurück.

Sich leicht räuspernd, brach Sam nach einigen Sekunden die peinlichen Stille.

"Sooo ... willst du mir erklären wie du innerhalb von Sekunden von deinem Auto zu meinem Motorrad kommen konntest und mich dann auch noch vor einem Van retten konntest, der sehr, sehr viel größer und schwerer ist als du."

Bei ihrer ganzen kleinen Rede schaffte es Sam einen Tonfall beizubehalten als würde sie über das Wetter reden und nicht das sie Janet übernatürliche Kräfte unterstellte.

Janet zog eine Augenbraue nach oben.

"Wie kommst du darauf, dass ich es gewesen bin? Ich war bei dir als du dich übergeben hast und auch solange bis der Krankenwagen eintraf aber davor … nein, da war ich ganz sicher nicht bei dir. Du hast sehr großes Glück gehabt … mehr nicht.", behauptete sie.

"Glück ... ja, so kann man es wohl auch nennen", entgegnete Sam leicht spöttisch.

Wie sie es sich gedacht hatte, nutzte Janet die alte Taktik Lügen bis sich die Balken bogen, aber sie würde ähnlich reagieren, wenn sie in der Position der Brünetten wäre.
Besonders wenn irgendeiner ihrer Thesen wirklich wahr waren ...

Janet ging jedoch nicht auf den Spott von der im Bett Liegenden ein.

"Ja, Glück ... die letzten Tagen haben ja schon gezeigt, dass du es regelrecht gepachtet hast. Ihr seid also keine Unbekannten mehr."

Sam rollte mit den Augen.

"Ja, sicher. Das Glück ist mein bester Freund. Wers glaubt … Es war sehr langweilig ohne dich. Wo warst du denn überhaupt und bitte, sag mir doch einfach wie du mich vor dem Tod gerettet hast. Dann kann ich mich ordnungsgemäß bedanken."

Auf einmal sah Janet sie besorgt an.

"Vielleicht ... ich glaube du hast dir deinen Kopf doch härter gestoßen als mein Dad denkt. Diese Halluzinationen und falschen Erinnerungen können Anzeichen für schlimmere Verletzungen sein. Ich denke, ich werde meinem Dad mal vorschlagen, dass du doch die Nacht hier verbringen musst."

Und damit verließ die Brünette ohne einen weiteren Blick das Zimmer und ließ einen Blondine mit offen stehendem Mund zurück.

Ende Kapitel 20