Kapitel 8 – Die Kammer des Schreckens
Die Zeit kroch dahin und Artemis konnte noch immer nichts über die Kammer des Schreckens herausfinden.
Amelia spielte mit dem Gedanken zu Hagrid zu gehen und ihm das Wissen einfach mit Gewalt zu entreißen, doch die Frage war, ob er überhaupt etwas wusste. Amelia begann nach Tom Verlost Riddle zu suchen. Zuerst fand sie Riddle in einer Liste ehemaliger Vertrauensschüler und Schulsprecher, er war in Slytherin gewesen, ein Abschlussfoto zeigte einen schwarzhaarigen, gut aussehenden Jungen. Sie suchte auch seine Medaille, um die Verdienste der Schule auf, doch sonst suchte sie vergeblich. Auch die nächsten Tage fand sie nichts. Verdrossen gab Amelia auf und ging zu Draco, der sich an einem Reductor Zauber versuchte.
Er war gut darin, viele Zauber, für die Amelia Ewigkeiten trainiert hatte, schaffte er innerhalb weniger Tage. Es gab sogar neue Zauber die sie zusammen übten. Es machte Spaß, nicht alleine in ihrem Kerkerzimmer zu sitzen, sondern jemanden zu haben, mit dem man auch mal lachen konnte.
Doch heute war Amelia nicht nach Lachen zu mute. Verdrießlich nahm sie sich das Buch, das sie zum Geburtstag bekommen hatte und begann zu lesen, doch so wirklich konzentrieren konnte sie sich auch nicht. Dabei war ihre Lektüre wirklich interessant.
Irgendwann setzte sich Draco neben sie.
„Was ist heute los? Du hast schon zwei Meditationspausen eingelegt, das ist doch sonst nicht deine Art."
„Ich möchte jemanden finden, einen ehemaligen Slytherin, aber er ist nicht aufzutreiben. Ich weiß nicht mal ob er noch lebt", sagte sie verdrießlich.
„Kennst du Verwandte von ihm?", fragte Draco doch Amelia schüttelte den Kopf.
„Weißt du wann er ungefähr geboren wurde?", fragte Draco. Amelia stockte nur, nickte dann.
„Dann schau in der magischen Enzyklopädie der Blutlinien."
„Was ist das?", fragte Amelia irritiert.
„Das ist ein magisches Buch. Es gibt ein einziges originales Exemplar, es liegt im Zaubereiministerium und alle magisch begabten Kinder mit Zaubereltern werden drin geführt, mit Abstammung versteht sich. Die anderen Exemplare ahmen dieses Buch nur nach, darauf liegt ein mächtiger Portreus Zauber. Auch Eheschließungen und Tode sind darin verzeichnet. Wenn dein Slytherin also noch lebt wird es da drinnen stehen."
„Woher willst du wissen, dass er magisch begabte Eltern hatte?", fragte Amelia
„Er war ein Slytherin", erwiderte Draco als wäre das die Erklärung und Amelia war überzeugt.
Den kommenden Tag durchsuchte Amelia fast die ganze Bibliothek, bevor sie das Buch entdeckte, das Draco ihr beschrieben hatte. Es war eingestaubt und lag ganz weit oben auf einem Regal. Sie ließ es zu sich herunter schweben und musste niesen. Das Buch war so gewaltig, das sie bequem darauf hätte Platz nehmen können. Sie begann darin zu blättern, doch darin standen so viele Namen, dass sie bald gar nicht mehr wusste, wo ihr der Kopf stand. Es musste doch eine leichtere Methode geben.
„Tom Vorlost Riddle", sagte sie und tippte das Buch mit ihrem Zauberstab an. Doch nichts geschah.
„Amelia Lily Potter", versuchte sie es nochmal und prompt schlug sich das Buch auf der richtigen Seite auf. Dort stand sie, Amelia Potter, eine feine Linie wies James Potter als ihren Vater aus. Doch ihre Mutter Lily stand nicht darin, stattdessen führte von James Potters Name eine Linie zu den Namen von Charlus Potter und Dorea Potter (geb. Black). Amelia folgte dem Namen weiter. Fasziniert ging Amelia den Stammbaum weiter zurück. Wann immer eine Seite endete tippte Amelia mit ihrem Zauberstab auf einen der Namen und auf dessen Seite ging es weiter. Sie fand Sackgassen, wo Namen neu entstanden waren weil alte Familien zu groß geworden waren. Es war schon spät als Amelia bei dem ältesten Namen ankam, er war einer von drei Brüdern gewesen, die beide kinderlos verstorben waren. Ignatous Peverell. Das Wappen der Peverells war daneben gezeichnet, ein Dreieck mit einem Kreis darin und einem Strich in der Mitte.
Sie strich mit dem Finger über den Namen Peverell und plötzlich fühlte sie sich gut. Ihre Familie war alt, uralt. Sie dürfte so alt sein, wie die meisten anderen Zauberfamilien. Es fühlte sich unglaublich gut an zu wissen, dass sie aufgrund ihres Blutes nicht schlechter war, als Draco oder Daphne. Ihre Mutter mochte unrein gewesen sein, aber das alte magische Blut ihres Vaters gab ihr eine Daseinsberechtigung.
Wenn Artemis diesen Gedankengang gehört hätte, hätte es sicher eine riesige Diskussion gegeben. Amelia hatte versucht sich zu diesem Thema nicht zu äußern. Sie mochte Artemis und sie mochte Draco und die anderen. Aber tief in ihrem Inneren fühlte sie sich gut ihren Stammbaum zu verfolgen. Sie war magischen Blutes, sie gehörte in diese Welt.
Gedankenverloren blätterte sie eine Seite vor und ihr gefror das Blut in den Adern. Salazar Slytherin stand dort in ordentlichen Lettern geschrieben.
Eilig folgte Amelia den Linien nur um kurze Zeit später an einem toten Ende zu hängen. Sie ging wieder zurück und verfolgte einen anderen Strang. Eine Stunde später war sie kaum weiter. Immer wieder, wenn sie dachte die richtige Linie erwischt zu haben, endete sie doch in ganz vielen Erben ohne Nachkommen. Es war frustrierend.
Irgendwann tippte ihr Madam Pince auf die Schulter und bedeutete ihr, das es Zeit war die Bibliothek zu verlassen. In genau diesem Moment hörte sie es wieder…
„…ich will zerreißen…"
„Haben Sie das gehört?" fragte Amelia Madam Pince ängstlich.
„… ich rieche Blut…"
Amelia stand da wie erstarrt. Die Stimme war ganz nah. Gefährlich nah. Einen Moment hatte Amelia das Gefühl, gleich würde sich etwas auf sie stürzen. Sie zückte ihren Zauberstab doch Madam Pince hatte dafür kein Verständnis.
„Jetzt stellen Sie sich nicht so an, das ist nur der Wind, der um das Schloss weht. Der macht öfters seltsame Geräusche."
„…Endlich…." Amelias Finger wurden schweißnass, als plötzlich ein komisches Krachen zu hören war, wie Stein auf Stein. Es war direkt hinter der Eingangstür zur Bibliothek.
„…NEIIINNNN….", hörte Amelia die Stimme wütend schreien, bis sie immer leiser wurde und in der Ferne verklang.
„Was war denn das?" fragte sich Madam Pince und ging zur Tür.
Amelia atmete tief durch und folgte der Bibliothekarin, den Zauberstab jederzeit zum Angriff erhoben.
Die Tür öffnete sich und vor ihnen lagen Colin Creevy und der Fette Mönch, der Hausgeist von Hufflepuff. Beide vollends zu Stein erstarrt.
Madam Pince begann zu schreien. Amelia starrte in die versteinerten Gesichter und plötzlich begriff sie. Die Puzzleteile begannen sich zusammenzusetzen. Aber Hagrid konnte doch nicht wirklich… sie musste unbedingt mit ihm sprechen.
„Sofort in deinen Gemeinschaftsraum los", befahl Madam Pince. „Ich hole Dumbledore."
Das ließ sich Amelia nicht zweimal sagen.
Im Gemeinschaftsraum angekommen ging sie sofort zu Eristik.
„Du musst sofort los!", zischte sie die Schlange an. „Geh und such die Kammer des Schreckens. Irgendwo ist ein Basilisk unterwegs. Geh nicht nah genug heran, damit er dich wittert aber deine Sinne sind viel schärfer als meine, du musst ihn finden und mir sagen wo er ist."
Die Runespoor schien etwas sagen zu wollen doch Amelia drängte nur. „Beeil dich finde so viel heraus wie möglich."
Danach schmuggelte sie ihre Schlange so schnell hinaus wie nur möglich.
Nervös setzte sie sich in einen Sessel und schnappte sich ein Buch. Die Sperrstunde begann und Draco kam aus dem Kerkerraum um eine Partie Zauberschach gegen Theodore zu spielen.
„Hast du herausgefunden was du gesucht hast?", fragte er und zog seinen Bauern um ein Feld vor.
„Nein, leider nicht", sagte Amelia und legte ihr Buch zur Seite. Sie konnte sich nicht konzentrieren.
„Aber ich hab meinen Stammbaum gefunden."
„Jede Hexe magischen Blutes ist darin aufgeführt, wundert dich das?", sagte Draco.
„Irgendeine interessante Familie?", fragte Theodor und sah auf. Theodor interessierte sich für Ahnenforschung das wusste Amelia.
„Kennst du die Familie Peverell?", fragte Amelia ihn.
„Ja", nickte Theodor. „Aber der Name ist ausgestorben, sie haben irgendwann zu viele Töchter gehabt ich glaube so vor paar hundert Jahren. Sie waren eine unserer ältesten Familien, haben ein paar geniale Köpfe hervorgebracht.", sagte er.
„Meine Linie geht aus der ältesten Peverelltochter hervor", sagte Amelia. „Mit mir endet die Hauptlinie", sagte Amelia.
Theodor stieß die Spielfigur um, die er gerade rücken wollte.
„Das ist ein Scherz, oder?", fragte er doch Amelia schüttelte den Kopf.
„Ne wirklich, die Linie hat noch zwei weitere Male den Namen gewechselt, bis zu den Potters."
Auch Draco sah sie überrascht an.
„Du musst unendlich reich sein!", sagte Theodor und auch Draco nickte.
„Die Peverells waren verdammt reich, ich mein doch, schau dir nur an, was die alles erfunden haben. Der erste Animagus war ein Peverell, das ist sogar überliefert", sagte Draco und Amelia sah ihn nur überrascht an.
„Naja ich habe schon viel Gold in Gringotts, aber so genau habe ich nie nachgezählt", sagte Amelia schulterzuckend.
Die beiden Slytherins sahen sie fassungslos an. Theodor wollte schon wieder etwas sagen, doch Professor Snape betrat den Gemeinschaftsraum. Obwohl Professor Snape Hauslehrer von Slytherin war, sah man ihn ansonsten gar nicht im Gemeinschaftsraum. Sofort wurde es still und einzig Amelia wusste worum es ging.
„Es gab wieder einen Angriff, ein Gryffindorschüler und der Hausgeist von Hufflepuff wurden versteinert.", sagte er und sofort begannen alle zu tuscheln. Überall hörte Amelia ein Geraune wegen des Geistes. Auch Angst spiegelte sich auf vielen Gesichtern.
„Deshalb dürfen Sie sich ab jetzt nicht mehr alleine in den Fluren aufhalten. Ich werde Sie jeden Morgen zum Frühstück in die Große Halle begleiten und Ihr Fachlehrer wird Sie immer zum nächsten Unterricht bringen. Sollten Sie keinen Unterricht haben, dürften Sie sich nur im Gemeinschaftsraum oder in der Großen Halle aufhalten. Alle Quidditch-Spiele oder sonstigen abendlichen Veranstaltungen sind gestrichen. Diese Regelung gilt ab sofort."
Professor Snape drehte sich auf der Stelle um und verließ den Gemeinschaftsraum und sofort begann das Getuschel.
„Was ist mächtig genug einem Geist zu schaden?", fragte Theodor entsetzt.
„Kein Quiddich mehr!", sagte nicht minder erschüttert Draco.
Amelia schwieg. In ihr machte sich ein klammes Gefühl breit. Sie musste unbedingt mit Hagrid sprechen. Wenn nur Eristik bald zurückkäme.
Amelia blieb sitzen, als ein Schüler nach dem Anderen den Gemeinschaftsraum verließ um zu Bett zu gehen. Eine Gruppe Sechstklässler spielte ewig lange Koboldstein doch irgendwann war sie endlich alleine und verschwand unter ihrem Tarnumhang.
Selten war es so schwer unbemerkt aus dem Schloss zu schlüpfen. Überall waren Lehrer, Vertrauensschüler oder Geister unterwegs, die paarweise nach komischen Vorkommnissen Ausschau hielten. Hoffentlich entdeckten sie Eristik nicht.
Amelia nahm den Tarnumhang ab und klopfte an Hagrids Hütte.
Nicht mal eine Sekunde später ging die Tür auf und Hagrid stand mit einer gewaltigen Armbrust in der Hand vor ihr. Fang bellte im Hintergrund.
„Was machst du hier?", fragte Hagrid überrascht.
„Drinnen", sagte Amelia und drängte sich neben Hagrid in die Hütte. Dieser stellte seine Armbrust zur Seite.
„Wir müssen reden", begann Amelia kurz angebunden. „Was ist damals geschehen, als die Kammer des Schreckens geöffnet wurde und du der Schule verwiesen wurdest?"
Hagrid sah erschrocken auf und ballte seine Hände.
„Das war ich nicht, ich hätts niemals getan!"
„Das habe ich doch auch gar nicht gesagt, ich wollte wissen was passiert ist, wer hat dir das angehängt. Wer hat die Kammer geöffnet?", fragte Amelia.
Hagrid vergrub das Gesicht in seinen Pranken. „Es war eine Falle…Riddle, Dumbledore hat gesagt es sei ein Anagramm, er…", plötzlich klopfte es an der Tür.
Amelia sprang auf und warf sich den Umhang über. Beinah wäre sie auf der Flucht in die nächste Ecke über Fang gestolpert. Hagrid stapfte mit zitternden Händen zur Tür. Herein kamen Professor Dumbledore und noch eine Person, die Amelia niemals erwartet hatte hier zu sehen, Cornelis Fudge, den Minister für Zauberei.
Hagrid war blass auf einem Stuhl zusammengesunken.
„Üble Sache", begann der Minister. „Ist alles etwas aus dem Ruder gelaufen. Drei Opfer, meine Wähler machen mir die Hölle heiß."
„Ich habe nie, Professor Dumbledore, ich habe nie…", stotterte Hagrid und Dumbledore sagte: „Hagrid besitzt mein vollstes Vertrauen."
„Sie müssen mich verstehen, alles spricht gegen Hagrid. Ich muss etwas unternehmen. Ich muss Hagrid mitnehmen", verteidigte sich Fudge.
„Mich mitnehmen?", fragte Hagrid und begann zu zittern. Fang winselte.
„Es ist natürlich nur vorrübergehend, wenn der Täter gestellt wurde, kommen Sie mit einer offiziellen Entschuldigung wieder frei."
„Ich will nicht nach Askaban, ich habe nichts getan!", sagte Hagrid und sprang auf.
Bevor Fudge antworten konnte, klopfte es erneut an der Tür.
Dumbedlore öffnete und Mr. Malfoy trat ein. Amelia musste sich bemühen keine Geräusche zu machen, so überrascht war sie. Das war der letzte Ort auf der Welt an dem sie Lucius Malfoy erwartet hatte.
„Sie sind schon hier, Fudge", sagte Mr. Malfoy anerkennend. „Sehr schön…"
„Raus hier!" donnerte Hagrid sofort.
„Glauben Sie mir, es ist mir kein besonderes Vergnügen hier zu sein", entgegnete Mr. Malfoy und sah sich abfällig um. „Aber mir wurde gesagt, der Schulleiter sei hier."
„Was kann ich für Sie tun, Lucius?", fragte Dumbledore und ein seltsames Feuer brannte in seinen Augen.
„Eine schreckliche Angelegenheit, aber aufgrund der jüngsten Ereignisse, wurde beschlossen, dass Sie die Situation nicht unter Kontrolle haben.", sagte Mr. Malfoy.
„Ich glaube das hat keiner", sagte Mr. Fudge mürrisch.
„Genau aus diesem Grund, haben die Schulräte beschlossen Sie vorläufig zu beurlauben."
„Nein, nein… Dumbledore beurlauben ist glaube ich das letzte was wir brauchen", sagte Fudge.
„Nun, es gehört jedoch zu den Aufgaben der Schulräte genau das zu entscheiden.", sagte Mr. Malfoy beiläufig.
„Das könnt ihr nicht machen, die Muggelkinder brauchen Dumbledore!", donnerte Hagrid.
„So wie die Lage aussieht, ist es Dumbledore nicht gelungen, etwas gegen die Angriffe zu unternehmen."
„Wie viele mussten Sie erpressen und bedrohen bis sie dem zugestimmt haben!", polterte Hagrid, doch Dumbledore Schritt ein.
„Wenn die Schulräte dies entschieden haben, werde ich natürlich zurücktreten.", sagte Dumbledore.
„Nein!", schrie Hagrid.
„Aber…", begann Fudge.
„Sie werden jedoch feststellen, dass in dieser Schule noch andere Kräfte am Werk sind. Passen Sie auf, das es Ihnen nicht das Genick bricht, Lucius."
„Eine Schande, dass Ihnen diese Mächte nicht helfen konnten", erwiderte Lucius.
Einen Moment hatte Amelia das Gefühl, Dumbledore würde sie ansehen, dann jedoch verließen alle die Hütte und ließen Amelia alleine zurück.
Dumbedores Worte schwirrten noch immer in ihrem Kopf herum. Was hatte Dracos Vater mit all dem zu tun?
Nachdenklich trat sie aus der Hütte heraus und ging Richtung Schule. Plötzlich entdeckte sie Lucius Malfoy der ihr entgegen kam. Er hatte sie unter ihrem Tarnumhang noch nicht entdeckt.
Amelia holte tief Luft. Vor genau solchen Situationen hatte Professor Snape sie immer gewarnt, aber sie musste es wissen.
Sie trat an Mr. Malfoys Weg und nahm den Tarnumhang ab, das Mondlicht leuchtete in ihrem Rücken und enthüllte sein überraschtes Gesicht.
Sie brauchte nur einen Moment und schon war sie in seinen Geist eingedrungen.
Es war einfach, zu einfach. Er war ein erwachsener Zauberer und sie nur eine Zweitklässlerin und trotzdem war sie ihm überlegen. Amelia sah tief in seinen Geist und ihr blickte Voldemort entgegen… Hätte sie gekonnt wäre sie erschrocken. Der dunkle Lord gab ein Buch aus der Hand und Amelia folgte dem Weg dieses Buches. Eines Buches das vor nicht allzu langer Zeit in einem dunklen Kellerraum im Manor der Malfoys gelegen hatte.
All das dauerte nur einen Herzschlag und Amelias Mine war unleserlich als sie aus dem fremden Geist wieder auftauchte.
„Amelia", sagte Mr. Mafloy und zog überrascht eine Augenbraue hoch. Amelia blickte ihn kalt an. Keine Regung war in ihrem Gesicht zu erkennen.
„Sie spielen ein gefährliches Spiel", sagte sie und ging einen Schritt auf ihn zu. „Ihre Privatfehde mit Dumbledore ist mir egal, aber Sie müssen mich verstehen, dass ich kein Risiko eingehen kann. Sollte man ernsthaft erwägen Hogwarts zu schließen…", Amelia ließ den Rest des Satzes offen.
Lucius Malfoy starrte sie fassungslos an. Amelia wartete den Moment ab, bis er sich gefasst hatte und etwas sagen wollte, dann fuhr sie unbeirrt fort.
„Ich werde Ihre Rolle in diesem kleinen Spiel nicht erwähnen, dennoch, sollte es früher als Sie geplant haben zu drastischen Maßnahmen kommen, werde ich intervenieren. Seien Sie gewarnt, das ich dem Spuck mit dem Weasley Mädchen jederzeit ein Ende setzen kann."
Kalt blickte Amelia in das entsetzte Gesicht ihres Gegenübers. Die Hände des Mannes begannen zu zittern und er blickte Amelia an, als sei sie ein Grimm.
Amelias Mundwinkel zuckten.
„Ach, noch etwas. Sie sollten auf Artemis Clog setzen. Wenn es ein vorschnelles Ende geben wird, wird sie das Lob dafür bekommen. Es sollte zu Ihrem Plan gehören, davon etwas abzubekommen, sollte es so weit sein", sagte Amelia und musterte Dracos Vater mit einem langen unergründlichen Blick.
Sie ging wortlos an dem sprachlosen Mann vorbei, als sie auf seiner Höhe war, sah sie ihn an.
„Dieses Gespräch hat nie stattgefunden, verstanden?"
Zu Amelias Überraschung schlug Lucius Malfoy die Augen nieder und senkte den Kopf im Einverständnis.
Amelia forschte in ihm, fand aber etwas, das sie nicht erwartet hatte, Angst und auch eine gewisse Scheu vor ihr. Sie ging weiter Richtung Schloss und verhüllte sich in ihrem Tarnumhang.
Nach Dumbledores Fortgang, herrschte eine gedrückte Stimmung in der Schule. Professor McGonagall hatte vorrübergehend die Schulleitung übernommen, doch die meisten Schüler machten ängstliche Gesichter.
Draco und Theodore freuten sich hämisch darüber, dass Dumbledore nun fort war. Sie saßen mit Vincent und Gregory am Tisch und lachten sich einen ab. Seltsamerweise hatte Amelia kein Verständnis dafür. Sie war nicht unbedingt ein Freund von Dumbledore gewesen, genauso wie sie nicht unbedingt ein Freund der Schlammblüter war, doch sich so eine Freude daraus zu machen, ging über ihr Begreifen.
Auch Artemis war beunruhigt, das Dumbledore die Schule hatte verlassen müssen. Sie hielt große Stücke auf ihn.
Amelia hingegen machte sich mehr Sorgen um Eristik. Er war seit sie ihn zum spionieren losgeschickt hatte, nicht wieder aufgetaucht.
Nach zwei Tagen machte sie sich auf die Suche, doch nirgends war eine Spur von ihm. Was wenn sie ihn in den Tod geschickt hatte? Amelia war krank vor Sorge.
Wenigstens kam in den Osterferien etwas das sie ablenkte. Die Zweitklässler durften ihre Fächer für das dritte Schuljahr wählen. Sie würden darin auch eine Prüfung in ihren ZAG's ablegen müssen.
An diesen Tagen war der Slytherintisch ein einziger Taubenschlag, jeder Slytherin bekam dutzende Briefe in denen die Verwandten ihnen raten wollten, welche Fächer sie denn wählen sollten.
Amelia hatte keine Verwandten die ihr Briefe schreiben konnten, doch sie konnte Artemis fragen.
„Das ist doch einfach. Nimm Pflege Magischer Geschöpfe, das ist immer nützlich und du liebst magische Tiere. Außerdem Muggelkunde. Das ist einfach, da kann man praktisch nicht durchfallen wenn man bei Muggeln aufgewachsen ist."
Doch zu Amelias Überraschung nahm noch ein anderer Anteil an ihrer Fächerwahl und das war kein geringerer als Professor Snape.
Es war Sonntag und sie saßen nach dem Duelltraining am Schreibtisch und tranken noch eine Tasse Tee. Das hatten sie sich angewöhnt, um nochmal den Unterricht Revue passieren zu lassen.
„Welche Fächer werden Sie für das kommende Schuljahr wählen?", fragte Professor Snape unvermittelt und nippte an seinem Tee.
Amelia sah überrascht auf und zuckte unsicher die Schultern.
„Ich dachte an Pflege Magischer Geschöpfe, ich finde es sehr interessant. Magische Geschöpfe geben die mächtigsten Trankzutaten, sind so klug, dass sie die Menschen verstehen können, selbst wenn wir sie nicht verstehen und sind einfach wunderschön, zumindest die meisten", erzählte sie.
„Sie haben selbst eine magische Schlange, nicht wahr, Amelia? Ich hatte noch nicht das Glück sie kennenzulernen, aber viele Slytherins haben die letzten Monate davon gesprochen."
Amelia nickte und lächelte.
„Ja, eine Runespoor. Er ist sehr schlau." Wehmütig dachte sie an den verschollenen Eristik.
„Sie wollen doch nicht in Ihren Prüfungen betrügen oder?", fragte sie Professor Snape belustigt und spielte damit auf die Eier der Runespoor an, denen eine Intelligenz fördernde Wirkung nachgesagt wurde.
Amelia kicherte.
„Nicht solange Sie mich weiter unterrichten, Professor."
Auch Professor Snape gestattete sich ein Lächeln. „Welches Fach werden Sie als zweites belegen?", fragte er.
„Mir wurde Muggelkunde vorgeschlagen…", sagte Amelia, sah Professor Snape allerdings nicht überzeugt an.
„Ich glaube nicht, dass es Ihnen etwas bringen würde. Wenn Sie meine Empfehlung haben wollen, sollten Sie Wahrsagen oder Alte Runen belegen. Nur die wenigstens Hexen und Zauberer besitzen die Gabe der Wahrsagerei, aber es gibt dennoch wirkliche Prophezeiungen, die auch eintreten. In Alte Runen hingegen, könnten Sie lernen wie Sie die alten magischen Texte entziffern können. Sie sind durchaus sehr interessant und lehrreich. Der erste bekannte Text über Okklumentik ist in alten Runen geschrieben."
Amelias Kopf ruckte hoch. Damit hatte er sie geködert und Amelia wählt Pflege Magischer Geschöpfe und Alte Runen. Draco hingegen belegte zwar ebenfalls Pflege Magischer Geschöpfe, entschied sich dann aber für Arithmantik als Zweitfach.
Beltaine stand kurz vor der Tür und bald würden die Alraunen von Professor Sprout reif sein und die Versteinerten wieder aufwecken.
Es war fast zwei Monate her, das Amelia Eristik losgeschickt hatte, mittlerweile hatte sie fast die Hoffnung aufgegeben. Draco hatte sie auch schon gefragt wo er denn hin sei und nachdem sie ihm gesagt hatte, was sie getan hatte, ging er nochmals mit ihr auf die Suche.
Es war praktisch von einem Augenblick auf den Anderen, dass Eristik wieder auftauchte. Amelia hatte gerade über ihren Hausaufgaben für Geschichte der Zauberei gebrütet, als er sich an ihr herauf schlängelte. Er war dreckig und schlammig, doch Amelia kümmerte es nicht. Sie drückte Eristik an sich als würde sie ihn nie wieder loslassen wollen.
„Ich habe dich so vermisst!", zischelte sie liebevoll und ging mit Eristik in den Schlafsaal um jedem Kopf eine besonders dicke Maus zu geben. Sodass er behaglich zischend auf ihrem Bett lag, mit drei Klumpen die er verdaute.
„Wo warst du so lange?"
„Der da wollte sich unbedingt einsperren lassen", sagte der mittlere Kopf wie aus dem Zauberstab geschossen und zischte zum linken Kopf hinüber.
„Das ist Unsinn, wollte ich gar nicht!", verteidigte sich dieser, Amelia sah abwartend den dritten Kopf an.
„Wir wurden in der Kammer des Schreckens eingesperrt", sagte dieser.
„Heute wurde die Kammer wieder geöffnet, da konnten wir entkommen", fügte der Linke hinzu.
„Es ist eine Falle, da sind wir uns sicher." Die drei Köpfe nickten sich einstimmig zu.
„Ein Schatten ist aus einem Buch hervor gekommen und hat gesagt er wartet auf dich, wir sollen dich zu ihm bringen. ER hat Parsel gesprochen."
Amelia hob eine Augenbraue und sah Eristik skeptisch an.
„Bist du dir da sicher? Herausgekommen?"
Die Schlange nickte.
„Erzähl mir wo die Kammer ist", verlangte sie. Die drei Köpfe sagen sich unsicher an.
„Du wirst doch nicht dahin gehen oder?"
„Nicht wenn es nicht sein muss. Aber ich muss wissen wo sie ist."
Also erzählte Eristik es ihr und auch was sie tun musste.
Amelia ging in den Gemeinschaftsraum und rang mit sich selbst. Was sollte sie tun? Sie hatte schon vorher gewusst, wie sie die Kammer schließen konnte, Lucius Malfoy hatte es ihr ungewollt verraten, doch auch er hatte nicht wirklich gewusst, wie das Buch die Kammer öffnen würde.
Sie hätte nur zu Ginny Weasley gehen müssen und ihr das Buch wegnehmen und die Kammer wäre für immer geschlossen gewesen, doch dann wäre Artemis gegangen und Lucius Malfoy hätte viel Ärger bekommen. Das hatte sie nicht gewollt.
Aber jetzt hatte Amelia alle Informationen. Sie mochte die Schlammblüter nicht, allen voran Hermine Granger, aber sie begriff auch den Hass von Draco, Theodor, Vincent und Gregory nicht.
Ihre Mutter war muggelstämmig gewesen und alle sprachen von ihr in höchsten Tönen, sogar Professor Snape. Sie mochte ihre Mutter, Artemis hatte dafür gesorgt, dass sie sich dieses Erbes nicht mehr schämte. Allerdings schuldete sie den Malfoys viel und sie wollte Dracos Vater nicht in Schwierigkeit bringen.
Als sie den Gemeinschaftsraum betrat, entdeckte sie Draco und Theodor bei einer Partie Zauberschach. Kurz entschlossen ging sie auf sie zu.
„Ihr müsst mir mal was verraten", sagte sie und zog sich einen Stuhl an den Tisch.
„Wird das wieder eine deiner sabotiere das Schachspiel Aktionen?", fragte Draco.
„Sonst erwische ich euch beide nie gemeinsam", sagte Amelia und kicherte.
„Worum geht's?", fragte Theodor. Und lehnte sich zurück.
„Warum hasst ihr die Schlammblüter so? Ich meine die Muggel ist klar, wegen ihnen müssen wir im verborgenen Leben aber die Muggelstämmigen?"
Draco und Theodor sahen sie überrascht an. „Warum willst du das wissen?", fragte Draco.
„Weil ich es nicht weiß, erklärt es mir."
Theodor nickte. „Okay", sagte er. „Du warst doch letztes Jahr auch bei Beltaine, du hast doch auch die Magie dieses Festes gespürt."
Amelia nickte. Sie konnte sich noch genau an die Nachwirkungen erinnern.
„Spürst du diese Magie auch an Weihnachten?", fragte er und Amelia sah ihn verdutzt an.
„Warum sollte ich? Das ist ein Muggel….", Amelias Stimme wurde immer leiser und verklang.
„Genau", fuhr Draco fort. „Es ist ein Muggelfest, das jedoch von der magischen Gesellschaft voll übernommen wurde. Immer mehr feiern Weihnachten und kaum noch einer feiert Beltaine. So passiert es mit vielen magischen Bräuchen. Die meisten sind schon ausgestorben. Die reinblütigen Familien erhalten die Wenigen die noch bekannt sind."
Draco lehnte sich zurück und verzog das Gesicht. „Das ist alles die Schuld der Schlmmblüter. Sie bringen die Traditionen der Muggel zu uns und es ist immer leichter sich anzupassen als an den eigenen Bräuchen festzuhalten. Wir haben sogar schon ihre Moralvorstellungen übernommen. Die Blutsverräter machen es ihnen noch leichter, indem sie sie mit offenen Armen empfangen und ihre Unarten übernehmen. Sie beeinflussen uns und wir können uns nicht wehren."
„Sie vernichten uns", fügte Theodor hinzu.
„Aber ihr feiert doch auch Weihnachten", sagte Amelia.
„Ja", erwiderte Draco schlicht und fügte hinzu. „Es ist nicht mehr viel übrig von unserer Tradition. Wir werden seit hunderten von Jahren unterwandert. Das war schon aktuell bevor Hogwarts gegründet wurde. Aber wie könnten wir nicht Weihnachten feiern? Wenn ich als Kind keine Geschenke bekommen hätte, alle anderen aber schon, dann hätte ich das auch nicht akzeptieren können."
Amelia nickte nachdenklich.
„Dann bin ich wahrscheinlich auch nicht viel besser", sprach sie freimütig aus was sie dachte. „Ich meine, ich bin bei Muggeln aufgewachsen."
Doch Draco schüttelte den Kopf, während Theodor sagte: „Du warst zu Beltaine und die Magie hat dich akzeptiert. Du bist eine von uns. Mehr als die Meisten hier", sagte er und nickte in den Raum. „Die Magie ist stark in deinem Blut."
Amelia lächelte, sie war eine von ihnen. Es gab einen Ort an den sie gehörte.
„Also wer gewinnt heute?", fragte sie und Theodor verzog das Gesicht „Draco, wahrscheinlich" Amelia musste lachen.
Sie würde niemanden von der Kammer erzählen sie würde abwarten.
Aber Amelia hegte das ungute Gefühl, das schon bald etwas geschehen würde. Sie hatte Eristiks Worte nicht vergessen. Die Kammer wurde geöffnet.
Sie saßen noch fast zwei Stunden da, als Professor Snape in den Gemeinschaftsraum kam. Er hatte eine eiserne Miene.
„Ihre Aufmerksamkeit bitte", sagte er, doch es war schon still im Gemeinschaftsraum.
„Heute wurde erneut eine Schülerin angegriffen. Es handelt sich um Ginny Weasley, eine Erstklässlerin. Sie wurde in die Kammer des Schreckens entführt. Deshalb wurde entschieden, das Hogwarts nicht mehr sicher ist. Ich möchte Sie bitten, alle Ihre Koffer zu packen. Morgen nehmen Sie den Zug nach Hause. Hogwarts wird geschlossen."
Amelia saß da wie erstarrt. Sie blickte verzweifelt zu Professor Snape hinüber. Dieser bemerkte ihren Blick und schüttelte unmerklich den Kopf bevor er den Gemeinschaftsraum verließ.
Überall um sie herum begannen die Schüler miteinander zu reden, erst leise dann immer lauter. Auch Draco sagte etwas, doch Amelia hörte es nicht mal. Sie atmete tief durch und ging in Richtung Ausgang.
Doch Draco hielt sie am Arm fest. „Wohin willst du? Wir sollen packen."
Amelia schüttelte den Kopf.
„Das brauchst du nicht. Ich gehe in die Kammer, Hogwarts darf nicht geschlossen werden."
„Was redest du da. Weißt du wo sie ist?", fragte er und Amelia nickte.
„Du bist die Erbin…", flüsterte er doch Amelia schüttelte energisch den Kopf.
„Ich kann ihn nur nicht weitermachen lassen. Ich muss dem ein Ende bereiten oder ich muss zu den Muggeln zurück", sagte Amelia. „Ich hoffe du kannst das verstehen, ich hoffe du verzeihst mir, dass ich die Schlammblüter und Verräter retten muss…"
Draco sah sie perplex an. „Du hast das die ganze Zeit gewusst und nichts gesagt?", fragte er. Amelia nickte nur schuldbewusst.
„Ich konnte nicht. Es tut mir leid.", sagte Amelia.
„Wie hast du das alles herausgefunden?", fragte Draco.
„Jetzt nicht. Warte hier, ich bin bald zurück", versprach Amelia.
„Du hast mich letztes Jahr schon nicht abhängen können, glaubst du, du schaffst es dieses?", fragte Draco.
Amelia zückte ihren Zauberstab „Stupor"
Doch Draco war ebenso schnell. „Protego"
„Glaubst du ich übe zum Spaß?", fragte er.
„Du hast enorme Fortschritte gemacht", lobte Amelia und kam einen Schritt auf Draco zu. Danach noch einen, bis sie so dicht vor ihm stand, das sie seinen Atem im Gesicht spürte.
Er schien wie erstarrt. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und flüsterte ihm ins Ohr.
„Tut mir leid."
Danach stieß sie mit dem Knie hoch und landete genau in seinen Eiern.
Draco ging mit einem Schmerzensschrei zu Boden. Amelia wirbelte herum und rannte aus dem Gemeinschaftsraum. Sie dachte noch so etwas wie „Miststück", zu verstehen.
Nachwort:
Das Theodor sich für Ahnenforschung interessiert habe ich beschlossen bevor ich herausfand das auch laut J. Theodors Familie sich für die Ahnenforschung interessierte. Ich dachte einfach es passt zu seinem Charakter. Von einem Nott stammt die Liste der Unantastbaren Achtundzwanzig. Diese Liste listete die letzten 28 englischen reinblütigen Zauberfamilien auf. Das sind echt nicht viele. Die Zauberwelt ist ziemlich übersichtlich.
